Skip to main content

Full text of "Die Politik Schwedens im Westphälischen Friedenscongress und die Gründung ..."

See other formats


Google 



This is a digital copy of a book that was prcscrvod for gcncrations on library shclvcs bcforc it was carcfully scannod by Google as pari of a projcct 

to make the world's books discoverablc online. 

It has survived long enough for the Copyright to expire and the book to enter the public domain. A public domain book is one that was never subject 

to Copyright or whose legal Copyright term has expired. Whether a book is in the public domain may vary country to country. Public domain books 

are our gateways to the past, representing a wealth of history, cultuie and knowledge that's often difficult to discover. 

Marks, notations and other maiginalia present in the original volume will appear in this flle - a reminder of this book's long journcy from the 

publisher to a library and finally to you. 

Usage guidelines 

Google is proud to partner with libraries to digitize public domain materials and make them widely accessible. Public domain books belong to the 
public and we are merely their custodians. Nevertheless, this work is expensive, so in order to keep providing this resource, we have taken Steps to 
prcvcnt abuse by commercial parties, including placing lechnical restrictions on automated querying. 
We also ask that you: 

+ Make non-commercial use ofthefiles We designed Google Book Search for use by individuals, and we request that you use these files for 
personal, non-commercial purposes. 

+ Refrain fivm automated querying Do not send automated queries of any sort to Google's System: If you are conducting research on machinc 
translation, optical character recognition or other areas where access to a laige amount of text is helpful, please contact us. We encouragc the 
use of public domain materials for these purposes and may be able to help. 

+ Maintain attributionTht GoogXt "watermark" you see on each flle is essential for informingpcoplcabout this projcct and hclping them lind 
additional materials through Google Book Search. Please do not remove it. 

+ Keep it legal Whatever your use, remember that you are lesponsible for ensuring that what you are doing is legal. Do not assume that just 
because we believe a book is in the public domain for users in the United States, that the work is also in the public domain for users in other 
countries. Whether a book is still in Copyright varies from country to country, and we can'l offer guidance on whether any speciflc use of 
any speciflc book is allowed. Please do not assume that a book's appearance in Google Book Search mcans it can bc used in any manner 
anywhere in the world. Copyright infringement liabili^ can be quite severe. 

Äbout Google Book Search 

Google's mission is to organizc the world's Information and to make it univcrsally accessible and uscful. Google Book Search hclps rcadcrs 
discover the world's books while hclping authors and publishers rcach ncw audicnccs. You can search through the füll icxi of ihis book on the web 

at |http: //books. google .com/l 



Google 



IJber dieses Buch 

Dies ist ein digitales Exemplar eines Buches, das seit Generationen in den Realen der Bibliotheken aufbewahrt wurde, bevor es von Google im 
Rahmen eines Projekts, mit dem die Bücher dieser Welt online verfugbar gemacht werden sollen, sorgfältig gescannt wurde. 
Das Buch hat das Uiheberrecht überdauert und kann nun öffentlich zugänglich gemacht werden. Ein öffentlich zugängliches Buch ist ein Buch, 
das niemals Urheberrechten unterlag oder bei dem die Schutzfrist des Urheberrechts abgelaufen ist. Ob ein Buch öffentlich zugänglich ist, kann 
von Land zu Land unterschiedlich sein. Öffentlich zugängliche Bücher sind unser Tor zur Vergangenheit und stellen ein geschichtliches, kulturelles 
und wissenschaftliches Vermögen dar, das häufig nur schwierig zu entdecken ist. 

Gebrauchsspuren, Anmerkungen und andere Randbemerkungen, die im Originalband enthalten sind, finden sich auch in dieser Datei - eine Erin- 
nerung an die lange Reise, die das Buch vom Verleger zu einer Bibliothek und weiter zu Ihnen hinter sich gebracht hat. 

Nu tzungsrichtlinien 

Google ist stolz, mit Bibliotheken in Partnerschaft lieber Zusammenarbeit öffentlich zugängliches Material zu digitalisieren und einer breiten Masse 
zugänglich zu machen. Öffentlich zugängliche Bücher gehören der Öffentlichkeit, und wir sind nur ihre Hüter. Nie htsdesto trotz ist diese 
Arbeit kostspielig. Um diese Ressource weiterhin zur Verfügung stellen zu können, haben wir Schritte unternommen, um den Missbrauch durch 
kommerzielle Parteien zu veihindem. Dazu gehören technische Einschränkungen für automatisierte Abfragen. 
Wir bitten Sie um Einhaltung folgender Richtlinien: 

+ Nutzung der Dateien zu nichtkommerziellen Zwecken Wir haben Google Buchsuche Tür Endanwender konzipiert und möchten, dass Sie diese 
Dateien nur für persönliche, nichtkommerzielle Zwecke verwenden. 

+ Keine automatisierten Abfragen Senden Sie keine automatisierten Abfragen irgendwelcher Art an das Google-System. Wenn Sie Recherchen 
über maschinelle Übersetzung, optische Zeichenerkennung oder andere Bereiche durchführen, in denen der Zugang zu Text in großen Mengen 
nützlich ist, wenden Sie sich bitte an uns. Wir fördern die Nutzung des öffentlich zugänglichen Materials fürdieseZwecke und können Ihnen 
unter Umständen helfen. 

+ Beibehaltung von Google-MarkenelementenDas "Wasserzeichen" von Google, das Sie in jeder Datei finden, ist wichtig zur Information über 
dieses Projekt und hilft den Anwendern weiteres Material über Google Buchsuche zu finden. Bitte entfernen Sie das Wasserzeichen nicht. 

+ Bewegen Sie sich innerhalb der Legalität Unabhängig von Ihrem Verwendungszweck müssen Sie sich Ihrer Verantwortung bewusst sein, 
sicherzustellen, dass Ihre Nutzung legal ist. Gehen Sie nicht davon aus, dass ein Buch, das nach unserem Dafürhalten für Nutzer in den USA 
öffentlich zugänglich ist, auch für Nutzer in anderen Ländern öffentlich zugänglich ist. Ob ein Buch noch dem Urheberrecht unterliegt, ist 
von Land zu Land verschieden. Wir können keine Beratung leisten, ob eine bestimmte Nutzung eines bestimmten Buches gesetzlich zulässig 
ist. Gehen Sie nicht davon aus, dass das Erscheinen eines Buchs in Google Buchsuche bedeutet, dass es in jeder Form und überall auf der 
Welt verwendet werden kann. Eine Urheberrechtsverletzung kann schwerwiegende Folgen haben. 

Über Google Buchsuche 

Das Ziel von Google besteht darin, die weltweiten Informationen zu organisieren und allgemein nutzbar und zugänglich zu machen. Google 
Buchsuche hilft Lesern dabei, die Bücher dieser We lt zu entdecken, und unterstützt Au toren und Verleger dabei, neue Zielgruppcn zu erreichen. 
Den gesamten Buchtext können Sie im Internet unter |http: //books . google .coiril durchsuchen. 



I 



Die Politik ScHwedens 

im Westphälischen Fried enscongress 



Gründnug der schwedischen Herrschaft 

in Deuteehland. 



Dr. C. T. Odhner, 

Pnfticur dar OeiehidiU mn d« ünLvsniUt la Lnad. 



Gotha. 

Friedricli Andreas Pertba 
1877. 



Vorrede. 



Die Theilnahme Schwedens an dem Westphä- 
lischen Friedenscongress ist ohne Zweifel dessen 
grösste diplomatische That. Selten, wenn je, hat 
die schwedische Diplomatie über solche Kräfte als 
damals verfügt; nie hat sie so glänzende Resultate 
erzielt, als diejenigen waren, welche sie, auf die 
Waflfenerfolge gestützt, damals erkämpfte; Schweden 
war unstreitig am Friedenscongress wie im Felde 
die Hauptmacht. Allein ungeachtet der grossen 
Bedeutung des Westphälischen Friedens in der Ge- 
schichte Schwedens ist er unseres Wissens nie der 
Gegenstand einer eingehenden Behandlung durch 
einen schwedischen Schriftsteller gewesen. Zwar 
finden sich ausführliche Darstellungen in den weit- 
läuftigen Werken Chemnitz' und Pufendorfs, deren 
ersteres jedoch mit Juni 1646 schliesst; aber theils 
sind diese Werke mehr als Materialiensammlungeu, 
^enn als Bearbeitungen zu betrachten, theils sind 
sie jetzt gegen 200 Jahre alt — und seit der Zeit hat 
die Forschung auch über diesen Gegenstand grosse 
FoiTtschritte gemacht — , theils sind sie fast aus- 



IV 

schliesslich auf schwedische Quellen gegründet. 
Unter solchen Umständen war eine neue Behand- 
lung dieses Gegenstandes zweifelsohne nöthig ge- 
worden, eine Behandlung, welche nicht nur die von 
Chenniitz und Pufendorf benutzten schwedischen 
Quellen einer neuen Bearbeitung unterwarf, son- 
dern auch die umfassende ausländische Literatur, 
sowie die reichhaltigen ungedruckten Beiträge, welche 
in schwedischen und ausländischen Archiven auf- 
bewahi-t sind, sich zu Nutze machte. Dies war 
die Aufgabe, welche sich der Verfasser bei seinen 
Forschungen über diesen Gegenstand gestellt hatte. 
Was die Behandlung des Stoffes und die Art der 
Darstellung betrifft, so konnte er zwischen zwei 
Verfahrungsweisen wählen : er konnte nach dem von 
Pufendorf und anderen gegebenen Beispiel eine aus- 
führliche, detaillirte Schilderung der langwierigen 
diplomatischen Verhandlungen liefern, oder er konnte 
sich auf eine kurzgefasstere übersichtlichere Dar- 
stellung beschränken. Er wählte ohne Bedenken 
den letzteren Ausweg. Es wäre ohne Zweifel eine 
leichtere Aufgabe gewesen , mehrere Bände mit 
Details auszufüllen, als sich jene Herrschaft über 
den Stoff anzueignen, welche eine klare und bündige 
Darstellung des Ganges der verwickelten Unterhand- 
lungen, des Kampfes der Interessen und des ge- 
heimen Ränkespieles, sowie der Einwirkung der 
Kriegsereignisse auf das Ganze ermöglichte. Der 
Verfasser war aber überzeugt, dass eine Arbeit der 
letzteren Art von gTösserem Nutzen sein würde, 
und dass, wenn auch in dieser Weise ein bedeuten- 
der Theil seiner Sammlungen nicht zm* directen 



Verwendung käme, dennoch die Darstellung dem 
Sachverständigen von den Forschungen, welche der- 
selben zu Grunde liegen, zeugen wlirde. 

Bei Entwerfung des flir das Werk zu befol- 
genden Planes ergab es sich als schwierig, den 
richtigen Anfangspunkt flir dasselbe festzusetzen. 
Die präliminaren Verhandlungen zum Westphäli- 
schen Frieden begannen eigentlich erst mit dem 
Jahre 1637, bildeten aber zugleich eine Fortsetzung 
der Unterhandlungen, welche Axel Oxenstiema mit 
dem Kurflirsten von Sachsen geführt hatte, und 
diese hingen wiederum mit den früheren Plänen 
und Verhandlungen Gustav Adolphs und seines 
Canzlers zusammen. Es war somit eine Noth- 
wendigkeit bis zu 1630 zurückzugehen; aber natür- 
lich konnte man flir die ganze vorbereitende Zeit 
bis zur Eröffnung des Westphälischen Friedens- 
congresses sich auf eine kürzere Uebersicht, jedoch 
so, dass auch diese sich auf selbständige Forschung 
gründete, beschränken. Auch von den auf den 
Friedensschluss folgenden Executionsverhandlungen 
konnte eine kürzere Darstellung genügen. Allein die 
schwedische Herrschaft in Deutschland wiu'de nicht 
nur durch die Heere und die Diplomatie gegründet ; 
sie wurde es auch durch die Gewandtheit, womit 
die schwedische Regierung die Gebiete, welche sie 
sich zur Entschädigung ausersehen hatte, vorzüglich 
Pommern, organisirte. Der Verfasser glaubte des- 
halb eine Darstellung von der Gründung der schwe- 
dischen Regierung in diesen Landschaften einflechten 
zu müssen, zumal dieser Theil unserer Geschichte 
ziemlich unbekaimt sein dürfte. 



VI 

Für die Darstellung der Politik Schwedens im 
Westphälischen Friedenscongresse hat der Verfasser 
ein reichhaltiges diplomatisches Material zur Ver- 
fügung gehabt. Was zuerst die schwedischen Quellen 
betrifft, so ist der officielle Briefwechsel zwischen 
der schwedischen Regierung und ihren Legaten am 
Congresse ziemlich vollständig in dem schwedischen 
Staatsarchiv aufbewahrt, während die diplomatische 
CoiTespondenz der vorhergehenden Jahre 1637 bis 
1643 sehr unvollständig ist (sie wurde zum Theil 
in dem grossen Schlossbrand 1697 zerstört) und 
aus den Acta Salviana und anderen Privatsamm- 
lungen, wie auch aus Pufendorfs Werken ergänzt 
werden muss. Dazu kommt die Privatcorrespondenz 
zwischen Axel und Johann Oxenstierna, welche, 
gedruckt und ungedruckt, grösserentheils erhalten ist. 
Auch die Protokolle des schwedischen Reichsrathes 
geben manche werthvoUe Auskunft. — In den 
französischen Archiven konnten keine Forschungen 
angestellt werden; dies war auch weniger nöthig, 
da man eine solche Sammlung diplomatischer Acten- 
stücke, wie „ Negociations secrfetes touchant la paix 
de Münster et d'OsnabrUg" (4 Vol. in foL, Haag 
1725 — 1726), besitzt; und was in dieser Sammlung 
etwa fehlt, wird durch Bougeants Werk über die 
Westphälischen Friedensverhandlungen (Paris 1743), 
dem D'Avaux' Briefschaften zu Grunde liegen sollen, 
ergänzt. Noch sind zu nennen die bekannten Me- 
moiren Chanuts, sowie die Excerpte aus dessen 
Briefwechsel, welche sich in den Sammlungen Wahren- 
bergs im schwedischen Staatsarchive finden. — Wich- 
tige Beiträge zur Aufklärung des Gegenstandes hat 



der Verfasser aus dem venetianisohen Archive ge* 
schöpft;, wo er die Schreiben Contarinis aus Münster 
(wovon nur die Fiiiahrelation gedruckt ist) be-r 
nutzt. Diese Briefe lassen sich nicht sehr auf 
die Einzelheiten der Friedensverhandlungen ein, 
liefern aber einen klaren und gut geschriebenen 
üeberblick des allgemeinen Verlaufes derselben. — 
Von noch grösserer Wichtigkeit sind die Beiträge, 
welche in den deutschen Archiven gesammelt wur-r 
den. Vor allem ist das kaiserliche Archiv in Wien 
mit seinen reichhaltigen Sammlungen zu nennen. 
Hier wurde der grössere Theil des betreffenden 
diplomatischen Briefwechsels von 1638, besonders 
von 1643 an, die Privatbriefe Trautmannsdorfs an, 
den Kaiser mit eingerechnet, durchgegangen. Die 
Schreiben der Gesandten sind ziemlich vollständig 
erhalten; die kaiserliche Reacriptsammlung ist da- 
gegen höchst unvollständig. -— In dem königlichen 
Archive zu München wurde es dem Verfasser ge- 
stattet, die osnabrückischen Actenstücke und einen 
Theil von den münsterschen zu benutzen; in dem 
königlichen Archiv zu Dresden wurden das Diarium 
der sächsischen Gesandten und die Schreiben des 
Kurfürsten durchgegangen. Was den diplomatischen 
Briefwechsel im königlich preussischen Archive be- 
trifft, so ist derselbe nunmehr in dem sorgfältig 
redigirten Werke: „Urkunden und Actenstücke zur 
Geschichte des Kurflirsten Friedrich Wilhelm von 
Brandenburg**, 4. Theil (Berlin 1867), herausgegeben 
worden. Von den Gesandten der übrigen proteatan- 
tischen Fürsten giebt es eine Menge Berichte und 
Schreiben in v. Meierns grosser Urkundensamm^ 



vin 



lung: „Acta Pacis Westphalicae " (6 Bände in Fol., 
Hannover 1734 — 1736), worin auch Protokolle • und 
andere officielle Acten gedruckt sind. Endlich hat 
man in Ad. Adami „Relatio historica de paci- 
ficatione Osnabrugo-Monasteriensi" einen Bericht 
von einem der Leiter der ultramontanen Partei iam 
Congresse. 

Der Verfasser hat hiermit die wichtigsten seiner 
Quellen angegeben. Hierzu muss noch eine bedeu- 
tende Literatur älterer und neuerer Bearbeitungen 
gefügt werden. Von der älteren Literatur (über 
welche ausführliche Vei'zeichnisse bei Pütter, „Geist 
des Westphälischen Friedens" und in dem Werke 
„Die Urkunden der Friedensschlüsse zu Osnabrück 
und Münster", Zürich 1848, sich finden) sind 
mehrere Werke dem Verfasser nicht zugänglich ge- 
wesen. Die neueren Beiträge zur Geschichte des 
Westphälischen Friedens sind nicht besonders zahl- 
reich ; es ist, als hätten sich die deutschen Geschichts- 
forscher in letzterer Zeit gescheut, diesen Theil der 
Geschichte ihres Vaterlandes zu berühren. 

In Betreff der Zeitrechnung hat der Verfasser 
im Texte immer den alten Stil beobachtet, wo nicht 
auch der neue angegeben wird; aber die Data der 
in den Noten angeführten Urkunden sind nach den 
Urschriften angegeben , also für die katholischen 
Mächte nach dem neuen, für die protestantischen 
nach dem alten StiL 

Zuletzt ist noch zu erwähnen, dass die Ueber- 
setzung dieses: ursprünglich in der schwedischen 
Sprache verfassten und herausgegebenen Werkes durch 
einen Landsmann des Verfassers, Di\ Errdl Peterson, 



IX 

gefertigt worden ist. - Die Entfernung des Verfassers 
vom Druckorte machte leider eine letzte Revision 
der Druckbogen von seiner Seite unmöglich ; es 
wird daher um Einschaltung der folgenc^en Berich- 
tigungen und Zusätze gebeten: 

S. 18. 23. 28. 29 (in den Anmerkungen) streiche bei dem Citate 
,,Fafendorf, Suec.'' das falschlich hinzugefügte Bd. und 8. 

yy 30, Z. lö y. 0. statt: inweit lies: insoweit. 

„ 45, ,y 12 y. u. „ lÄcenzen L: Lieenten. 

„ 46, „ 7 y. 0. streiche der. 

>» öo, „ 7 V. u. „ p. 

„ 66, t, 15 „ ,f statt: der Kurfürst 1.: die Stände. 

„ 70, „ 1 „ „ streiche S. 

„ 82, „ 6 y. 0. statt : letzteres 1. : ersteres. 

„ 83, „ 2 V. u. „ Varsjav 1. : Warschau. 

„ 91, „ 16 y. 0. „ Aus 1.: Auf. 

„ 97, „ 10 y. u. „ deutschen 1. : eTangelisehen. 

„ 103, „ 18 „ „ „ sotoie 1. : und. 

„ 107, „ 11 y. 0. und 13 v. u. füge noch ein Sternchen hinzu 

„108, „ 7 V. u. füge nach „ErzUschofs*' hinzu: von Bremen. 

„110, „ 1 „ „ statt: particuUeres 1.: particuliers. 

„112, „ 14 y. 0. füge noch ein Sternchen hinzu. 

„118, „ 8 „ „ statt: und 1.: als. 

„119, „ 20 „ „ „ Ghiroga 1.: Quiroga. 

120, „ 10 V. u. füge nach „BeispieV^ hinzu: widmete sich der 

Rechtswissenschaft. 

124, „ 4 „ „ statt: conipia cendosi 1.: compiacendosi. 

125, „ 5 „ „ „ beiständen 1.: beistände. 

„ 126, „ 6 y. 0. „ und 1. : sie. 

„ 144, „ 2 y. u. streiche S. 

149, „ 6 y. 0. füge nach ,^an'' hinzu: zog aber die erstere 

AlternatiTe Tor. 

155, „ 18 „ „ füge nach ,, namentlich'^ hinzu: die Frage des 

Normaljahres und. 

159, „ 8 y, „ statt: Protestanten 1.: eTangelisehen Stände. 

159, „ 6 V. u. „ Moyenoie 1.: Moyenvic. 

„ 169, „ 1 V. 0. „ Ansehen 1. : Interessen. 

176, „ 21 „ „ „ Hollands 1.: der Provinz Holland. 

180, „ 12 V. u. „ dem 1. : den. 

„187, „ 5 v.u. füge nach „Kaiserlichen*^ hinzu: in ihren Er- 
klärungen. 
9, 188, „ 17 ,j „ versetze das nicht hinter darin. 
„ 153, iy 7 V. 0. füge nach „ Auttmtät " hinzu : Schwedens. 






9i 



99 
99 



S. Id5, Z. 151 V. «. i^rsetae tm ilf<lrfl iiS4^ hinter B^4«nuir* 

201, ,, 2a.4,, „ statt: Amnestie lies: Restitation. 

207, „ 9 V. 0. „ vertrat 1.: leitete. 

212, „ 3 „ „ „ Kurfürsten 1.: KnrfttrsteK-Honsosie. 

212» „ 9 „ „ „ achten L: neonteii« 

215, „ 15 „ „ „ Anfang 1.: im Jahr* 

216, „ 17 „ „ füge nacli „Autonomie" hinzu: und Begtttatioii. 

222, „ 10 v.u. Bt&ii: Katholiken, Spanier und Ir-JÜirmaoniMnen 

Partei urter den StSndeii, der Spanier und der. 

230, „ 2 Y. 0. fnge nach „die" hinzn: katholisehen. 

235, „ 5 y. n. statt: Osnabrück 1.: MflAster. 

236, „ 9 „ 0. „ Instructionen 1.: Instraetion. 

252, „ 8 „ „ „ sichere 1.: siehrere. 

259, „ 12 y. 0. fagenach „quantum?" hinzn: d. h. wie viel die 

übrigen sieben Kreise an die sehwedisehe 
Armee entrichten seilten. 

271, „ 16 „ „ statt: kaiserlichen 1.: Kaiserliehen. 

274, „ 6 Y. n. streiche S* 

277, „ lOf. „ „ statt : bei den Kaiserlichen und 1. : der Kaiser- 
lichen mit. 

285, „ 13 Y. 0. füge nach „würde" hinza: als wie im Friedens- 

instroment geschehen war. 

295, „ 5 „ „ füge nach „die" hinzu: militttrische. 

295, „ 16 „„ Bia,tt: des Executionswerkeslr.äermlliVbisehen 

Execntion. 

297, „ 15 Y. u. statt: letzteren 1.: katholischen. 

297, „ 3 „ „ füge zu „erscheine" hinzu die Note: 

**) Der Kaiser hatte laut der Vorschrift des Friedens- 
schlusses schon im Norember 1648 ein allgemeines 
Executionsedict und im M&rz 1649 einen s. g. Arctior 
modus exequendi erlassen, beides doch ohne genflgen- 
den Erfolg. 

304, „ 21 Y. 0. streiche dass. 

305, „ 16 „ „ statt: zum „Contentement" 1.: znr Abdankung. 
310, „ 8 „ „ „ zwei 1.: drei. 
317, „ 1 „ „ streiche als. 

326, „ 11 Y. u. statt: pommerscTien 1.: hinterpommerschen. 

327, „ 13 Y. 0. „ der 1. : den. 
331, „ 20 „ „ „ BehnsJcold 1.: BehnskVld. 
335, „ 20 „ „ „ Lehen 1.: Lehen. 



»> 

i» 
*f 
tt 

9t 
it 

» 
»> 
>» 

ti 

Ji 



tt 
ii 

if 

ff 



ff 



Inhaltsverzeichniss. 



Seite 

I. Blick auf die deutsche Politik Schwedens 1 630 
bis 1636, mit besonderer Berücksichtigung der 
Beziehungen zu Pommern und Brandenburg i— 32 

MotiTe Gustav Adolphs für seine Betbeiligung am 
deutscheD Krieg 1. Das BundDiss und die Capi- 
tulation mit Stralsund 7. Das Bündniss mit 
Pommern und dessen Art. 14: 9. Die Entschä- 
digungsansprüche Schwedens 14. Gustav Adolphs 
Vorschlag zur Yereinignng Schwedens und Branden- 
burgs 17. Schwedens Beziehungen zu Brandenburg 
nach dem Tode des Königs 20, nach der Schlacht 
bei Nördlingen und dem Prager Frieden 25. Unter- 
handlungen Axel Oxenstiernas mit Kursachsen und 
mit dem Kaiser 27. Der Bruch mit Branden- 
burg 31. 

II. Gründung der schwedischen Begierung in Pom- 
mern 33—47 

Tod des Herzogs 1637 und dessen nächste Folgen 34. 
Versuch des Kurfürsten sich Pommerns zu bemäch- 
tigen 35. Schweden übernimmt die Begierung in 
Pommern 37. Streitigkeiten mit den Ständen 39. 
Einrichtung der schwedischen Begierung 42. Die 
Licenten unter Spirings Verwaltung 43. 

in. Uebersicht der deutschen Politik Schwedens und 

der Unterhandlungen, welche dem Westphäli- 

schen Friedenscongress vorausgingen, von 1636 

bis 1643 48—87 

Axel Oxenstiernas deutsche Politik 49. Der Kölner 
Congress 51. Die brandenburgisclM Friedensuat^v 



XII 

Seite 
hatidlung 54. Die lauenburgisclwjn Friedensver- 
inittler 55. Der Bund zwischen Schweden und 
Frankreich 1638 zu Hamburg 57. Graf Kurtz 
und die Friedensvermittlung Dänemarks 58. Die 
feindliche Combination gegen Schweden 1639: 61. 
Friedensbestrebungen des Reichstages zu Regens- 
burg 65. Geheime Unterhandlungen zwischen Salvius 
und Lützow 67. Neues Btindniss mit Frankreich 
1641 : 69. Die Friedenspräliminarien in Hamburg 
d. J. 73. Tod des Kurfürsten Georg Wilhelm. Ver- 
änderte Politik Friedrich Wilhelms 74. Der Waffen- 
stillstand mit Brandenburg 75. Gesandtschaft des 
Kurfürsten nach Stockholm und seine Werbung um 
die Königin von Schweden 79. Polens und Däne- 
marks feindliche Pläne 82. Der dänische Krieg und 
dessen Einfluss auf Schwedens deutsche Politik 85. 

IV. Erster, vorbereitender Abschnitt des Westphäli- 
schen Priedenscongresses von November 1643 
bis November 1645 88—127 

Der Friedenscongress beginnt sich zu versammeln 88. 
Einwirkung der Kriegsereignisse 89. Die Frage der 
Admission der deutschen Stände 90. Bemühungen 
Schwedens die kaiserliche Macht zu schwächen. 
Hippolithus a Lapide. Salvii und D'Avaux' Rund- 
schreiben 91. Schwedens und Frankreichs erste Pro- 
positionen 96 u. 98. Die Admission der Stände wird 
durchgesetzt 101. Antwort der Kaiserlichen auf die 
Propositionen 102. Ankunft des Grafen Trautmanns- 
dorf zum Congress 105. Neue Instructionen: 
Schwedens Ansprüche auf Pommern, Wismar, Bre- 
men und Verden 106 ; dessen Politik in den inneren 
deutschen Fragen 110. Die Mitglieder des Con- 
gresses: Johann Oxenstiema und Salvius, das 
Verhältniss zwischen ihnen 111. Die französische 
Gesandtschaft: D'Avaux und Servien 117. Die 
kaiserliche Gesandtschaft : Trautmannsdorf und Vol- 
mar 119. Die Abgesandten der Stände und die 
Parteigruppiining unter ihnen 121. Die Ver- 
mittler in Münster 124. üebrige Gesandte 126. 

V. Zweiter Abschnitt des Westphälischen Priedens- 
congresses von der Ankunft Trautmannsdorfs 
bis zur Abreise desselben, November 1645 bis 
Juli 1647 128—224 

Die Pläne Trautmannsdorfs 128. Zweideutige Stellung 
und Unruhe der Franzosen 129. Uneinigkeit zwi- 
schen ihnen und den Schweden 131. Trautmanns- 
dorfs Anträge an Schweden 134. Streitige Ansich- 
ten der Legaten und des Eeichscanzlers in Betreff 
Pommerns 135. Ränke des Salvius gegen die Oxen- 
stiemas 136, Beschwerden der Brandenburger 139. 



Seite 

Ansgaog der Werbung des Kurfürsten 141. Er 
sucht Hilfe in Polen und den Niederlanden 143. 
Die Unterhandlung in Münster; die entgegenge- 
setzten Interessen Spaniens und Bayerns 146. Traut- 
mannsdorf bietet Schweden ganz Pommern an 150. 
Anträge und Entschädigungsansprüche Branden- 
burgs 151. Pression auf Schweden 153. Grava- 
mina und übrige Streitfragen der deutschen 
Stände 154. Verständigung des Kaisers mit Frank- 
reich, September 1646: 159. Vermittlung der 
Franzosen in Osnabrück 160. Neue Instructionen 
aus Stockholm mit ermässigten Ansprüchen 162. 
Salvius in Münster 165. Oxenstiema kommt uach, 
kehrt aber zurück 167. Uneinigkeit der schwedi- 
schen Legaten und Oxenstiemas Beschwerden 169. 
Das pommersche Project 172. Das Ultimatum Schwe- 
dens in der pommerschen Frage 174. Halsstarrig- 
keit des Kurfürsten und seine Unterhandlungen im 
Haag; Plettenbergs und St. Romains Sendung au 
ihn 176. Trautmannsdorf und D'Avaux in Osna- 
brück: die Schlussverhaudlung in der pommerschen 
Frage 178. Die „Punctation" zwischen Schwe- 
den und Brandenburg , Jan. 1647 : 184. Uebrige 
Punkte der Entschädigungsfrage 186. Die Con- 
vention zwischen Schweden und dem Kaiser, Febr 
1647; deren geheimer Artikel 188. Veränderte 
Meinung der schwedischen Regierung 191. Ver- 
handlung und Lösung der schwedischen Entschä- 
digungsfrage 193. 

Bayerns Politik und Einfluss auf den Friedenscongress 
196. Der Vertrag zu Ulm; der Bruch zwischen dem 
Kaiser und Bayern 198. Die inneren deutschen 
Streitfragen und Trautmannsdorfs Versuche zum 
Vergleich 200. Die Autonomiefrage 203. Die 
Stifter Minden und Osnabrück, die pfälzische Frage 
u. m. 204. Bearbeitungen D'Avaux'. Bruch der 
Königin Christine mit den Oxenstiemas und ihr 
strenges Schreiben 207. Uebermacht der Schweden 
am Congresse 211. Ihr Entgegenkommen im Früh- 
jahr 1647: 215. Der Congress in Münster ver- 
sammelt; Spanien, Frankreich und die Ultra- 
montanen wirken dem Frieden entgegen 217. Ein- 
wirkung der Geldfrage auf das Friedenswerk 222. 
Abreise Trautmannsdorfs 224. 

VI. Letzter Abschnitt des Westphälischen Friedens- 

congresses, von der Abreise Trautmannsdorfs 

bis zur Unterzeichnung des Friedens, Juli 1647 

bis October 1648 225—286 

Die nächsten Folgen der Abreise Trautmannsdorfs 225. 
Kriegerische Pläne 226. Die Schweden kehren nach 
Osnabrück zurück 227. Die Geldansprüche der 
Armee 228. Der Kurfürst von Bayern kündigt den 



Seite 

WaffisnstiUstod :^9. Gefahr der schwedisohen 
Anoee 230. Annäherung zwischen Schweden und 
Frankreich. Versuche der Spanier, dies m verhin- 
dern 232. Kaiserliche Instruction 236. Eeise 
Yolmars nach Osnahrück 238. Neues Schwanken 
der kaiserlichen Politik 239. Die Conferenzen zwi- 
schen den Schweden und den Kaiserlichen werden 
wieder aufgenommen, Dez. 1647 : 241. Politik Bran- 
denburgs nach der Verständigung mit Schweden, 
Plan zur Bildung einer Mittelpartei 242. Die Frie- 
denspartei unter den standischen Abgeordneten nimmt 
eine leitende Stellung ein 246. Neues Leben in den 
Friedensverhandlungen, die meisten Streitfragen wer- 
den erledigt 250. Neue Stockung des priedens- 
werkes, die Frage der Geldentschädigung der 
Armee 257. Die Stände drohen die Verhandlung 
abzubrechen 260, was durch die Vermittlung der 
Brandenburger und die Nacligiebigkeit der Schwe- 
den vermieden wird 262. Das Osnabrückische Frie- 
densinstrument wird angenommen 264. Besorgnisse 
wegen des Zuges Carl Gustavs nach Böhmen 265. 
Frankreichs Beziehungen zu Schweden und zu den 
Ständen 267. Ueber seine drei Forderungen und 
sein Verhältniss zum Elsass wird in Osnabrück zwi- 
schen den Franzosen und den Stände verhandelt 
270. Die Vermittlung des Salvius ; der Standpunkt 
Schwedens in der elsässischen Frage 271. Das 
Abkommen wird den Kaiserlichen in Münster vor- 
gelegt 276. Ausflüchte der Kaiserlichen ; sie müssen 
endlich ihre Zustimmung geben 279. Einwirkung 
des Kurfürsten von Bayern 281. üebrige Streit- 
punkte werden entschieiilen 283. Unterzeichnung 
des Friedens 285. 

yn. Die Batification und Execution des Westphäli- 

schen Friedens 287—314 

Die Au&ahme der Friedensbotschaft in den verschie- 
denen Ländern .287. Schwierigkeiten rücksichtlich 
der Execution 289. Schwedens Vermittlung in 
der französisch -Ionischen Unterhandlung 291. 
Auswechslung der Ratificationen 294. Die Stände 
wollen die nulitärlsche Execution übernehmen, wer- 
den aber von Carl Gustav verhindert 295. Auf- 
lösung des Congresses zu Münster 298. Schwedens 
Beziehnngan zu Polen und Frankreich 299. Sen- 
dung Magnus de la Gardies 301. Der Executions- 
congress zu Nürnberg wird eröffnet; die vomehm- 
isten Streitfragen bei demselben 302. »Praüminäre 
Verabredungen 304. In welcher Weise Schweden 
die fünf li^llionen anwandte 305. Fortgang und 
Absdüuss des Executionstractates seitens Schwe- 
dens 309. Frankreich legt Hindernisse in den Weg 
311. Der Executionsrecess wird unterschrieben; die 
itämnuxig und Entwkflhung 312. 



Seite 

Till. Die pommersche Grenzregulinmg. Die Organi- 
sation der neuerworbenen Gebiete 315—340 

Die pommersche Grenzstreitigkeit auf dem Friedens- 
congress 316. Bemühnngen des EnrfQrsten von 
Brandenburg in Münster 317. Sendung Eleists 
nach Stockholm 318. Die Grenzcommission ver- 
sammelt sich in Stettin 319. Die Forderungen 
Schwedens, die Gründe derselben 320. Die Grenz- 
linie wird festges^tzlfc 323. 2Xe IPtOLge der Limnten 
in Hinterpommem 324. Bemühungen des Kur- 
fürsten beim Kaiser 325. Der Beichstag in Begens- 
bnrg und die Stellung Schwedens zu demselben 327. 
Der Grenzrecess ward unterschrieben 328. Der 
Streit wegen des Wamemünde-Zolles 329. 

Die schwedische Regierung setzt Commissionen zum 
Ordnen der Verwaltung der neuen Provinzen nie- 
der 331. Verhandlungen mit den pommerschen 
Ständen hierüber 332. Die Organisation der Ver- 
waltung in Pommern 333, in Bremen -Verden 334. 
Das Obertribunal in Wismar 336. Schlussbetrach- 
tungen über die Politik ^Schwedens während des 
4reissig}ährigen Krieges und des Westphälischen 
Friedensoongresses 337. 

Beilagen 341—353 



\ 



Folgende Abkürzungen sind gebraucht: 

S. A. bezeichnet: Königl. schwed. Staatsarchiv. 

ü. W. F. „ Urkunden zur Geschichte des Westphälischen 

Friedens in S. A. 
Ereg. ,y die Beichsregistratur in S. A. 

W. A. „ Kais. kön. geheimes Staats-, Hof- und Haus- 

archiv zu Wien. 
M. A. j, Eon. Bayer, geheimes Staatsarchiv zu München. 

D. A. „ Eon. Sachs. Staatsarchiv zu Dresden. 

Ven. A. „ Archivio Centrale in Venezia. 

U. S. G. „ Urkunden zu Scandinaviens Geschichte (Hand- 

lingar rörande Skandinaviens Historia). Bd. 

I—XL. Stockholm 1816—1860. 
Urk. u. Act. „ Urkunden und Actenstücke zur Geschichte des 

Eurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg. 

Bd. I— VI. BerHn 1864—1872. 
Pufendorf, Suec. = Samuelis Pufendorfi Con^mentarii de rebus Sue- 

cicis, Ultraj. 1686. 
Pufendorf, Brandenburg = Samuelis Pufendorfi Oommentarii de rebus 

gestis Friderici Vilhelmi magni, electoris Bran- 

denburgici. Berol. 1695. 



L 

Blick auf die deutsche Politik Schwedens 1630 

bis 1636 mit besonderer Berücksichtigung der 

Beziehungen zu Pommern und Brandenburg, 



Es ist eine häufig angeregte und geschichtlich erörterte 
Streitfrage gewesen, inwiefern Gustav Adolph, als er sich in den 
dreissigjährigen Krieg mischte, sich hauptsächlich durch reli- 
giöse oder politische Beweggründe bestimmen liess. Diese, vrie 
alle ähnlichen historisch-psychologischen Fragen, ist natürlich 
nie in einer völlig befriedigenden Weise zu entscheiden; aber 
durch eine unparteiische Betrachtung sowohl des geschichtlichen 
Characters, wie er sich in Wort und That offenbarte, als der 
Zeitverhältnisse, in welchen er handelnd auftrat, wird sie 
doch zur Genüge aufgeklärt. Der deutschen Politik Gustav 
Adolphs jegliche religiöse Bedeutung absprechen zu wollen, 
scheint uns eine durchaus Msche Auffassung der Zeitverhält- 
nisse, wie auch *des Characters des Königs zu bekunden. Die 
Gefahr, welche Schweden bedrohte, wenn der Kaiser und die 
Liga alleinherrschend in Deutschland würden, galt offenbar 
nicht nur seiner politischen, sondern auch seiner religiösen 

Odhner, Politik Schwedens. 1 



Freiheit ; die Gustav Adolph in Deutschland gestellte Aufgabe 
war unbestreitbar auch religiös-kirchlicher Art, oder vielleicht 
richtiger: die kirchlichen und politischen Streitfragen in 
Deutschland waren so eng mit einander verbunden, dass die 
einen nicht entschieden werden konnten, ohne dass zugleich 
die andern ihre Lösung fanden. Bedenkt man nun noch, dass 
die Persönlichkeit, der eine solche Aufgabe gestellt wurde, 
von einer ausgeprägten religiösen Ueberzeugung, einem echt 
protestantischen Glauben durchdrungen war, so wird man 
schwerlich leugnen können, dass für Gustav Adolph das reli- 
giöse Interesse von grossem Gewicht und Einfluss gewesen sei. 
Wenn also auch das religiöse Interesse für Gustav Adolph 
von grosser Bedeutung war, so ist damit noch nicht gesagt, 
dass es das entscheidende oder auch nur das überwiegende war; 
vielmehr scheint es eine nothwendige Folge seiner Lebens- 
stellung, dass der politische Gesichtspunkt ihm der erste und 
zunächst liegende sein musste. Gustav Adolf war kein 
religiöser Reformator, auch kein „protestantischer Heiliger", 
er war vor allem Regent, Staatsmann, Heerführer, und es war 
somit seine erste Pflicht, für die Wohlfahrt und Sicherheit 
des Vaterlandes, welche durch das wieder erstarkte Kaiser- 
thum, durch dessen restaurirende Politik und dessen Pläne auf 
die Herrschaft über die Ostsee ernstlich gefährdet wurde, zu 
sorgen. Sein Hauptziel war, wie es später sein Canzler angab, 
„ dass sowohl die religiöse als auch die politische Freiheit Schwe- 
dens und der Glaubensgenossen desselben unversehrt erhalten 
werde", weshalb auch „sein Augenmerk zunächst auf die 
Förderung der Wohlfahrt des Staates, welche die Religion 
mit einbegriff, gerichtet war"*). Dieselbe Auffassung liegt 
den mit dem Reichsrathe und den Ständen gepflogenen Be- 
rathungen, welche dem Feldzuge in Deutschland vorausgingen, 
zu Grunde. Erst später, bei den Verhandlungen mit den 



*) Schwed. ReicharathsprotokoUe den 17. Mai 1637. 



8 

{ieutschen Fürsten und bei dem Siegesznge darch die katho- 
lischen Bisthümer, hob Gustav Adolph die religiöse Bedeutung 
des Streites stärker herror. 

¥i2Lgt man sich nun, was der Grundgedanke der poli- 
tischen Pläne Gustav Adolphs gewesen sei, so ist in der 
That dieser bereits angegeben. Der deutsche Feldzug war 
seiner Veranlassung und seinem Ausgangspuncte nach ein Yer- 
theidigungskrieg. Zwar haben die katholischen und kaiser- 
lichen Geschichtschreiber es als eine durchaus unbegründete 
Behauptung hingestellt, dass die Freiheit und Selbständigkeit 
Schwedens durch den Kaiser irgendwie geföhrdet gewesen sei, 
und Gustav Adolph beschuld^t, bewusst oder unbewusst jene 
Behauptung als Deckmantel ehrgeiziger Pläne gebraucht zu 
haben. Aber neuere Untersuchungen haben die Abschiedsworte 
des Königs an die Beichsstände, dass er nothgedrungen und nicht 
aus Kri^slust sich in den neuen Kampf wage, völlig bestätigt 
und das Vorhandensein der Gefahren, denen er Schweden ausge- 
setzt glaubte, erwiesen. Schon in der ganzen Machtstellung des 
Kaisers, wie sie sich nach den Niederlagen Mansfelds und Chri- 
stians rV. 1626 entwickelte, hg für Schweden eine, wenn auch 
noch entfernte Gefahr, zuinal wenn man die Verbindungen des 
Kaisers mit 4em polnischen Wasageschlecht mit in Betracht 
zidit. Die Unternehmungen und Pläne Wallensteins waren 
es, welche die Gefehr zu einer drohenden machten. Dieser 
Staatsmann hatte mit seinem Scharfblick, und gleichsam durch 
ein ahnungsvolles Vorgefühl geleitet, schon früh in Gustav 
Adolph den für ihn und den Kaiser gefährlichsten Feind er- 
kannt. Seit dem Jahre 1627 war seine Aufmerksamkeit auf 
Gustav Adolphs Unternehmungen gerichtet; er wurde nicht 
müde seinen Gebieter zu warnen und zu mahnen, entweder 
ein sicheres Abkommen mit Schweden zu treffen oder einen 
kräftigen Angriff auf dessen eigenes Gebiet zu machen. Zum 
letzteren Zwecke nahm Wallenstein den alten Plan des pol- 
nischen Siegismund, mit Hilfe einer spanischen Flotte von 

1* 



Dünkirchen aus Gustav Adolph im eigenen Lande heimzu- 
suchen, wieder auf; er war eifrig bemüht, die Hanseaten in 
sein Netz zu ziehen, um über ihre Seemacht verfugen zu 
können, und als „Generalissimus der baltischen und oceanischen 
Meere" legte er in Wismar einen Kriegshafen an, wo dann 
eine spanisch -kaiserliche Flotte sich sammelte*). Er suchte 
überdies durch Hilfesendungen Gustav Adolph in Polen zu- 
rückzuhalten und säete den Samen der Zwietracht zwischen 
die beiden nordischen Könige, damit sie im Augenblicke der 
Gefahr sich nicht gegenseitig unterstützen sollten. Es war 
eine Folge dieser gegen die nordischen Mächte gerichteten 
Pläne, dass er so eifrig nach dem Besitz von Stralsund trach- 
tete — diese Stadt war von der deutschen Seite aus neben 
Wismar der Schlüssel zur Ostsee — ; aus denselben Gründen 
betrachtete Gustav Adolph die Erhaltung Stralsunds als eine 
Lebensfrage für sein Land, denn „wenn der Kaiser sich in 
Besitz von Stralsund und somit von ganz Pommen setzte, so 
würde er leicht eine Flotte schaffen und dann alsbald nach Däne- 
mark oder Schweden kommen können"**). Es wurde ihm 
immer deutlicher, dass die Selbständigkeit Schwedens nicht eher 
gesichert sei, als bis der Kaiser von der Ostseeküste ent- 
fernt und der Einfluss Schwedens an dessen Stelle getreten sei. 
Er hatte kein grosses Vertrauen zu den sogenannten natürlichen 
Grenzen, sondern er war im Gegentheil der Ansicht, dass man 
die schwedische Vertheidigungslinie jenseits der Ostsee ver- 
legen müsse; „denn", sagt er, „nirgends sind wir schwächer 



•) Das Weitere bei Beichard, Die maritime Politik der Habsburger im 
17. Jahrhundert. Als die Schweden die Belagerung von Wismar anfingen, be- 
fand sich im Hafen ein Geschwader von fünfzehn Kriegsschiffen. 

**) Antrag des Königs an die Stände den 20. Mai 1629. Vgl. StenBjelke 
in seinem Bericht an die Regierung den 30. Januar 1687: „Diese beiden See- 
ports (Stralsund und Wismar) sind nicht allein ^Clanstra GermaniaeS sondern 
auch die rechten Plätze, worinnen royale Armadas formirt werden können, iind 
alsdann yon dort aus die Chron Schweden in Gefahr gebracht.*' U. S. G, VII, 
S. 103 fF. 



als in Schweden, weil wir ausgedehnte Ufer und viele Häfen 
haben, so dass es unmöglich ist, alles so zu bewachen, dass 
nicht der Feind sich irgendwo festsetzen könnte"*). Deshalb 
hatte er Bussland und Polen von der Ostsee ausgeschlossen und 
die östlichen und südöstlichen Küsten dieses Meeres zu einer zu- 
sammenhängenden schwedischen Besitzung gemacht; daher be- 
schloss er auch, den Krieg lieber in das deutsche Gebiet zu spie- 
len, als sich im eigenen Lande anfallen zu lassen, und, wenn 
möglich, festen Fuss auch an der Südküste der Ostsee zu fassen. 
„ Pommern und die Ostseeküste ", ausseifte späterhin Axel Oxen- 
stierna, „sind gleichsam ein Vorwerk der Krone Schweden; 
es beruht darauf unsere Sicherheit gegen den Kaiser*' — er 
hätte hinzufügen können: auch gegen Polen und Dänemark, 
denn von Pommern aus wurde diesen feindlich gesinnten Nach- 
barn am besten die Stirn geboten. Jenes Oleichniss würde 
bei einer andern Gelegenheit in der Weise weiter ausgeführt, 
dass Schweden als eine Festung zu betrachten sei, deren 
Wälle von den Scheeren, der Wallgraben von der Ostsee und 
die „ Contrescarpe " von Pommern gebildet wurden**). Es 
geht hieraus hervor, dass die Herrschaft Schwedens über die 
Ostsee — dominium maris baltici, das unverrückte Ziel Gustav 
Adolphs — nicht nur auf Eroberungen hinauslief, sondern zu- 
nächst auf Selbstvertheidigung abgesehen war ; und die seit jener 
Zeit gewonnene Erfahrung hat diese Auffassung völlig bestätigt : 
es hat sich erwiesen, dass, nachdem die äussere Vertheidi- 
gungslinie, die Aussenwerke im Ost und Süd, einmal durch- 
brochen waren, der Wallgraben zur Vertheidigung der Festung 
nicht genügte, sondern wiederholt überschritten wurde. 

Allein nicht nur aus politischen und militärischen Grün- 



*) Gustav Adolph an Axel Oxenstierna den 5. März 1629: Gustav Adolphs 
Schriften, S. 533 — 534. 

**) Salvius an die brandenburgischen Abgesandten in Osnabrück 1645. 
Siehe Urkunden und Aktenstücke zur Geschichte des Kurfürsten Friedrich Wil-. 
heim von Brandenbrug, Bd. IV, S. 408. 



den war es in jener Zeit für Schweden von grossem Ge- 
wicht, die Nordküste Deutschlands zu beherrschen; auch vom 
finanziellen Standpunkte aus war ihr Besitz in hohem Grade 
wünschenswerth. Dieser gewöhnlich nicht berücksichtigte 
Gesichtspunkt war in Wirklichkeit von grosser Bedeutung. 
' Gustav Adolph hatte durch eine lange und mühsame Er- 
fahrung allzuwohl erkannt, wie beschränkt in der That 
Schwedens finanzielle Hilfsmittel waren, und welche Hinder- 
nisse allen seinen Unternehmungen durch diese Beschränktheit 
in den Weg gelegt wurden. Er war deshalb auch inmitten 
seiner kriegerischen Erfolge unablässig bemüht, neue er- 
giebigere Einnahmen zu schaffen. Eine bedeutende Hilfsquelle 
hatte er nun in den livländischen und preussischen Häfen 
gefunden, deren lebhafter Handel durch ein neues Zollsystem 
mit erhöhten Zollsätzen (sogenannte Licenten), aufgestellt von 
Axel Oxenstiema mit Beihilfe des einsichtsvollen holländischen 
Kaufmannes Peter Spiring, besteuert wurde. Wenn nun dieser 
einträgliche Tarif auch auf die Nordküste Deutschlands aus- 
gedehnt wurde und somit den grössten Theil der Ostsee um- 
fasste, so war dadurch der Grund zu einer finanziellen Macht 
gelegt, die bisher Schweden abging, und ohne welche die 
politische Macht auf die Dauer nicht erhalten werden 
konnte*). 

Gustav Adolph hatte die östliche Vertheidigungslinie 
Schwedens noch nicht vollendet, als er schon anfing den ersten 
Grund zu der südlichen zu legen. Indem er den polnischen 
Krieg von Livland nach Preussen verlegte, näherte er sich 
dem deutschen Kriegsschauplatz und verlor auch keinen 
Augenblick die dortigen Vorgänge aus den Augen, Zu- 



*) „Die Licenten sind ein grösseres arcanum regni Sueciae, als Mancher es 
glaubet, und kann ich, der ich die Sache betrieben habe, in Wahrheit sagen: 
werden sie erhalten und behauptet , so ist das Beich zweimal so stark , als es 
je zuvor war, und mächtig, seinen Feinden zu trotzen." Axel Oxenstierna an 
den Rath den 13. Mai 1633. U. S. G. XXVI, S. 91. 



nächst war sein Augenmerk auf Stralsund gerichtet, und be- 
reits 1625 hatte er durch seinen Abgesandten, Gabriel Oxen- 
stlerna, der Stadt, wenn sie bedrängt werden sollte, seinen Bei- 
stand zusichern lassen. Dies Versprechen erneuerte er, als 
die Stadt von Wallenstein bedroht wurde, und im December 
1627 erschien der schwedische Oberst Dietrich von Palken- 
berg, um der Bürgerschaft zu helfen, die Stadt in Vertheidi- 
gungszustand zu setzen*). Zwar konnte der König seinen 
ersten Plan, bereits 1628 den Krieg von Preussen nach 
Pommern zu verlegen, nicht ausfähren, aber er leitete nähere 
Verbindungen mit Stralsund ein, stand der Stadt mit Bath 
und That, mit Truppen und Vorräthen bei und schloss den 
25. Juni 1628 mit derselben ein Bündniss **) auf zwanzig 
Jahre, welches den ersten Grund zur schwedischen Herrschaft 
in Deutschland legte. Durch diesen Vertrag, der die Verthei- 
digung Stralsunds und die Freiheit der Ostsee bezwecken, 
aber keinen Einfluss auf die Stellung der Stadt zum Kaiser 
und zu dem Herzog von Pommern ausüben sollte, verpflichtete 
sich Stralsund im Art. 5, sich nie von der Krone Schweden 
zu trennen, sondern stets bei derselben zu bleiben, auch nicht 
ohne Schwedens Genehmigung und Betheiligung sich in Unter- 
handlungen mit dem Feinde einzulassen. Durch einen späteren 
Vertrag mit Dänemark, das Stralsund ebenfalls mit Truppen 
beigestanden hatte, wurde der König von Schweden der alleinige 
Schutzherr der Stadt, deren Stellung zu Schweden durch eine 
zwischen dem König und den Bevollmächtigten der Stadt am 
17. Januar 1629 zu Stockholm abgeschlossene „Capitulation" 
genauer bestimmt wurde. Diese Capitulation , welche fortan 
die Stütze des schwedischen Einflusses in Stralsund blieb, 
behielt allerdings den städtischen Behörden die oberste Lei- 
tung des Vertheidigungswesens vor, aber mit solchen Be- 



*) Nach Bart hold, Geschichte von Pommern, Bd. IV, 2. S. 531. 
**) Von Gustav Adolph in Dirschan den 22. Jnli ratifizirt. — Das Weitere 
findet man bei G. Droysen, Gustav Adolph, Bd. I, S. 332 ff. 



8 

schränkuDgen, dass in Wirklichkeit der schwedische Comman- 
dant der massgebende wurde*). Die schwedische Besatzung 
wurde nach und nach bis auf 5000 Mann erhöht und 
blieb auch nach der Aufhebung der Belagerung in der Stadt 
zurück. 

Somit waren die Pläne des Kaisers auf die Ostsee für 
den Augenblick vereitelt, und Schweden hatte festen Puss 
an der Südkäste der Ostsee gefasst, zugleich den Kaiser von 
der Ostsee abwehrend und seine alten Feinde Dänemark und 
Polen von der Seite bedrohend; es war zugleich eine defensive 
Frontstellung gegen den ersteren und eine offensive Flanken- 
stellung gegen die letzteren. König Christian IV. sah auch 
die Gefahr, welche für Dänemark in dieser Stellung Schwedens 
lag, völlig ein ; er suchte so lange als möglich Gustav Adolph 
von der weiteren Einmischung in den deutschen Krieg abzu- 
halten, und als er erfuhr, dass der Feldzug schon beschlossen 
sei, wollte er ihm durch Ankauf von Rügen zuvorkommen. 
Dieser Plan, von Wallenstein unterstützt, fand auch beim 
Herzog von Pommern Eingang. Jedoch es war zu spät: 
schon im März 1630 waren die Schweden nach Rügen über- 
gegangen und Anfang Juni war die Eroberung dieser Insel 
vollzogen. Drei Wochen darauf landete Gustav Adolph auf 
deutschem Boden. 

Es ist nicht unsere Absicht, den Waffen Gustav Adolphs 
auf ihrem Siegeszuge zu folgen, noch die Kriegsereignisse, wo- 
durch Pommern von den Schweden in Besitz genommen 
wurde, zu schildern. Die militärische Besetzung Pommerns 



•) Die Stadt sollte in Kriegssachen und Verhandlungen mit dem Feinde 
nichts ohne Wissen und Genehmigung des Commandanten unternehmen; der 
Commandant sollte im £inverständniss mit dem schwedischen Residenten darauf 
achten, dass keine „verdächtigen Händel'' unternommen würden, und die hier- 
gegen nöthigen Massregeln ergreifen: bei allen Berathungen über das Ver- 
theidigungswesen sollte dem Commandanten der Vorsitz eingeräumt werden u. s. w. 
Die Capitulation findet sich in Abschrift in den Oxensti ernaschen Sammlungen 
in S, A. 



war grösstentheils vor Ende des Jahres 1630 vollzogen, und 
die wenigen noch übrigen Orte, als Demmin, Colberg, Qreifs- 
wald, fielen nach und nach in die Hände der Schweden. Mit 
den militärischen Erfolgen gingen die diplomatischen, wodurch 
die Früchte der ersteren gesichert wurden, Hand in Hand. 
Der erste entscheidende diplomatische Sieg war das halb er- 
zwungene Bündniss mit Pommern. Bekanntlich hatte der 
Herzog von Pommern, Bogislaus XIV., durch besondere Ge- 
sandtschaften die schwedische Expedition zuerst zu hinter- 
treiben gesucht und sich dann Neutralität erbeten, aber 
endlich, als Gustav Adolph mit seinem Heere vor Stettin er- 
schien, sich in das Unvermeidliche gefugt. Der Vertrag, wo- 
durch der Herzog sich mit Schweden verband, ist vom 10. Juli 
1630, demselben Tag, wo Gustav Adolph in Stettin ankam, 
datirt; aber aus anderen Actenstücken jener Zeit erhellt, 
dass er zurückdatirt ist, und dass er wahrscheinlich erst den 
30. August förmlich abgeschlossen wurde*). Es würde von 
grossem Interesse sein, die näheren umstände der in Stettin 
gepflogenen Unterhandlungen zu kennen**), welche schwe- 
discherseits vom Geheimsecretär des Königs Philipp Satt- 
ler, demselben, welcher den mit Stralsund 1628 geschlosse- 
nen Vertrag entworfen hatte, geleitet wurden. Es findet sich 
nämlich im Stettiner Vertrag ein Punkt, der damals wie 
später eine wichtige Streitfrage bildete. Nachdem im An- 
fang ein ewiges Schutzbündniss zwischen Schweden und dem 
Herzogthum Pommern, das jedoch die Stellung des Herzogs 



*) Mit Sicherheit zwischen dem 28. und dem 30. August. Siehe das Memorial 
für Gustav Hörn, Johann und Carl Ban^r den 30. August und den Brief Lars 
Gmbbes an Axel Oienstiema Ton Stettin den 4. September 1630: Archiv zur 
ErUnternng der Geschichte der schwedischen Kriege, Bd. I, S. 208. 707. Wahr- 
scheinlich wurde der Vertrag gleichzeitig mit den sogenannten Defensionspacta, 
die das Datum vom 30. August zeigen, abgeschlossen. 

••) Im Memorial für den Yicegonverneur und die Assistenzräthe in Pommern, 
den 25. August 1640, wird der bei diesen Unterhandlungen aufgenommenen 
ProtokoUe gedacht; sie sind nicht erhalten. 



10 

zu Kaiser nnd Reich und dessen Macht und Hoheit in keiner 
Weise beeinträchtigen sollte, verabredet war, und nachdem 
die beiden Fürsten sich gegenseitig versprochen hatten, der 
König, dass er alle in Pommera eroberten Orte dem Herzog 
überlassen, und dieser, dass er keins von seinen Ländern ver- 
äussern wolle, machte der König im Art. 14 den Vorbehalt, 
dass, wenn der Herzog ohne männliche Leibeserben das Zeit- 
liche segnen sollte, bevor der Kurfürst von Brandenburg als 
nächster Erbe und eventuell gehuldigter Nachfolger dieses 
Bündniss bestätigt habe, oder wenn die Nachfolge diesem von 
Anderen streitig gemacht würde, der König Pommera so lange 
besetzt halten wolle, bis die Nachfolge entschieden sei, und der 
Nachfolger Schweden die Kriegsunkosten ersetzt und das Bünd- 
niss bestätigt habe*). Dass die pommerschen Unterhändler 
bei diesem Punkt Schwierigkeiten machten und ihn der persön- 
lichen Entscheidung der Fürsten überliessen, geht aus einer 
Eandbemerkung zu einem Entwürfe des Vertrages hervor**). 



•) Der Artikel hat folgende Fassung : „ Endlich, und fürs Vierzehende haben 
Wir, König aus Schweden, Uns per expressnm vorbehalten, dass, wann ein 
trauriger Todesfall sich begeben und des Herzogen in Pommern Liebden die 
Welt ohne männliche Leibeserben gesegnen sollte, ehe und zuvor der Churfürst 
zu Brandenburg, als eventualiter gehuldigter Successor die Einigung ratifizirt 
und bestätiget und diesen Tjanden zu Ihrer Erledigung wirklich assistiret hätte, 
oder da dem Churfürsten die Succession von anderen streitig gemacht und 
widerfochten würde, Wir König aus Schweden oder unser Successor an der Chron 
alsdann diese Lande in soquestratoria and clientelari protectione so lange in- 
behalten wollen, bis der punctus successionis seine vollständige Richtigkeit und 
Erledigung erlanget, und uns von dem Successore die Kriegsunkosten, jedoch 
ohne einige Beschwerde, Belästigung und Zuthat des Landes Pommern und aller 
darunter gehörigen Stände und Einwohner, entrichtet und diese Conjunction und 
Einigung gebührend ratiiiciret und vollzogen wird, alles bey gutem christlichen 
Glauben und Treuen sonder Gefährde." — Die schwedische Urschrift ist ver- 
loren gegangen, wesshalb der Artikel nach einer in der Palmschöldschen Samm- 
lung in S. A. befindlichen Abschrift angeführt wird. Die Vertragsurkunde 
ist bei Dähnert, Sammlung Pommerscher Landesurkunden, Bd. I, S. 76 ff. 
gedruckt. 

••) Der Entwurf ist von einem der schwedischen Unterhändler, Alex. Ers- 
kein , geschrieben. Beim Art. 14 findet sich diese Bemerkung: „Dieser Funkt 
ist von den Fürstlich Pommerschen Bäthen ausgelassen und zu verbitten ge- 



_ n 

und pommerisch-brandeDbargischerseits wurde späterhin be- 
hauptet, dass der 14. Artikel ein vom König einseitig ge- 
machter Vorbehalt sei, worein der Herzog und die pommer- 
schen Landstände nie gewilligt, sondern im Gegentheil fOr ihren 
Theil dagegen protestirt hätten; der König hätte sogar eine 
solche Deutung des Artikels ausdrücklich zugegeben. Dass dem 
wirklich so gewesen sei, ist jetzt nicht mehr nachzuweisen; 
aber die Passung des Artikels unterstützt unleugbar diese Be- 
hauptung, indem darin die besondere Genehmigung des Her- 
zogs nicht erwähnt wird. Die Schweden dagegen behaupteten, 
dass der Herzog und seine Käthe das Einrücken des Punktes 
in den Vertrag zugegeben hätten, dass man aber wegen des 
Kurfürsten von Brandenburg demselben eine solche Fassung 
gegeben, als wäre er dem Herzog aufgedrungen*). Dem sei 
nun wie es wolle, jedenfalls hat der Herzog in üblicher Weise 
und ohne Verwahrung den Vertrag unterzeichnet, ebenso wie 
die pommerschen Landstände den 21. April 1631 denselben 
bestätigt haben, letztere jedoch nicht in pleno, sondern durch 
einen besonderen Ausschuss, der nach Auflösung des Land- 
tages das Bündniss anerkannte. — Der Vertrag hatte durch 
die sogenannten Defensionspacta vom 30. August 1630 einen 
wichtigen Zusatz erhalten, wodurch dem König das Recht, 
in den Häfen Pommerns und auf dessen Flüssen erhöhte Zölle 
oder sogenanntes „Defensionsgeld" zu erheben und über die 
Festungen des Landes, wie über Alles, was zum Kriegswesen 
gehörte, zu verfügen, eingeräumt wurde**). 

Von diesem Augenblick an war der König von Schweden 
der wirkliche Gebieter Pommerns, dessen Städte und Festungen 



sucht, von uns aber als ein Fundamentum gestritten, endlich beiderseits Princi- 
palen darüber ferner zu y ernehm en geschlossen worden.*' t. Bohlen, Die Er- 
werbung Pommerns durch die HohenzoUern, S. 51. 

*) Chemnitz, Schwedischer in Teutschland geführter Krieg, Bd. II, 
S. 241 ff. 

••) Siehe Dfthnert a. a. 0., Bd. I, S. 85 ff. 



12 

von schwedischen Trappen besetzt wurden, und dem schwachen 
Herzog wurde ein schwedischer Commissar oder Legat beige- 
geben, der die Weisung erhielt, zwar den landesherrlichen 
Rechten des Herzogs keinen Eintrag zu thun, aber zugleich 
die Vollziehung des Vertrages genau zu überwachen, den 
Herzog und seine Unterthanen in „guter Aflfection" zu er- 
halten und sich in Kenntniss von wichtigeren Schreiben, die 
der Herzog von fremden Orten empfing, zu setzen*). Dieses 
Amt wurde erst von Carl Bauer und dann von Sten Bjelke 
bekleidet. 

In Folge dieser Verträge zwischen Schweden einerseits, 
Stralsund und Pommern andererseits, sind die heftigsten Be- 
schuldigungen gegen Gustav Adolph von mehreren neueren 
deutschen Geschichtschreibern gerichtet worden **). Diese 
Beschuldigungen laufen hauptsächlich darauf hinaus, dass er 
durch den Vertrag mit Stralsund diese Stadt ihrem gesetz- 
lichen Fürsten entrissen und dann nicht seinem Versprechen 
gemäss ihr Unterthanenverhältniss zum Herzog wiederherge- 
stellt habe, und dass er durch den zweideutigen Art. 14 
eine Falle gestellt habe, um Pommern dem Kurfarsten von 
Brandenburg, dessen anerkanntem und gehuldigtem „Eventual- 
successor", zu entreissen. Die erstere dieser Anschuldigungen 
hat nicht viel zu bedeuten, denn Stralsund hatte als Hanse- 
stadt von Alters her das Vorrecht, Verträge mit fremden 
Mächten zu schliessen, und der König hatte im Vertragsacte 
mit dem Herzog die Privilegien der Stadt und ihr Bündniss 
mit Schweden ausdrücklich gewahrt (§ 5). Was dagegen 
Art. 14 anbetriflPt, so hat selbst Axel Oxenstieraa zugegeben, 
dass er zweideutig und „geschraubt" sei***); er war deut- 



*) Memorial für den königlichen CommiBsarias bei D. F. 0. dem Herzog 
Yon Pommern, den 30. Augnst 1630: Kriegsgesch. ArchiT, Bd. I, S. 213. 

') Z. B. Bart hold und t. Bohlen in ihren oben angegebenen Werken. 
•) Der Kanzler an die Regierung den 12. Februar 1635. U. S. G. XXXIV, 
S. 18. 






13 

lieh darauf berechnet, auf den wankelmfithigen, unzuverlässigen 
Kurfürsten von Brandenburg einen Druck auszuüben. Man 
darf jedoch nicht vergessen, dass Gustav Adolph die Rechte 
des Kurfürsten auf Pommern anerkannte, und dass er sich 
nie auf den zweideutigen Punkt berufen oder einen unedlen 
Gebrauch davon gemacht hat. Dagegen werden wir sehen, 
dass die folgende Yormundschaftsregierung denselben in einer 
mehr diplomatischen als ritterlichen Weise ausbeutete. 

Die Verhandlungen Gustav Adolphs mit Pommern wur- 
den von mehreren Seiten mit Unruhe und Besorgniss verfolgt. 
Mussten sie doch nothwendig bei den Königen von Polen 
und Dänemark, die sich durch Gustav Adolphs Herrschaft in 
Pommern direct bedroht sahen, Misrfallen err^en. Aber 
Niemand ward dadurch mehr und unangenehmer berührt, als 
der Kurfürst von Brandenburg , Georg Wilhelm , Gustav 
Adolphs Schwager, welcher, wie bereits erwähnt, der aner- 
kannte Erbfürst Pommerns war. Der kinderlose Bogislaus XIY. 
war nämlich der letzte Sprdssling des uralten pommerschen 
Geschlechtes der Greife, und nach dessen Erlöschen sollte 
vermöge des Erbvertrages von 1529 Ponomem an den bran- 
denburgischen Zweig des Hauses HohenzoUern lallen, welcher 
denn auch bei jedem Thronwechsel die eventuelle Huldigung 
der Stände empfangen hatte. Der Kurfürst sah nun seine 
Ansprüche durch die Dazwischenkunft eines Dritten ernstlich 
bedroht und legte demzufolge eine weniger freundliche Ge- 
sinnung gegen den König an den Tag, den er selbst einmal 
in der Noth zu Hilfe gerufen*), von dem er aber nun unter 
anderen Verhältnissen nichts wissen wollte; er suchte durch 



•) Das erste Mal 1624 durch Beilin, das zweite 1«26 durch Winterfeld. 
Folgendes Jahr 1627 hatte der Kurförst durch Einwirkung seines Günstlings, 
Grafen Schwarzenherg, seine Politik geändert und sich dem Kaiser genähert. 
Vgl. Droysen, Geschichte der preussischen Politik (2. Aufl.), Bd. III, 1.* 
S. 33. 37. 47 ff. 



14 

wiederholte Gesandtschaften theils Frieden zu vermitteln, theils 
seine Neutralität zu entschuldigen und seine Ansprüche auf 
Pommern zu sichern. Gustav Adolph war weit davon ent- 
fernt, diese Ansprüche zu bestreiten: im Gegentheil erbot er 
sich, dieselben zu verfechten, sogar dem Kurfürsten Pommern 
auf der Stelle einzuräumen, aber er stellte als Bedingung, dass 
dieser mit dem Kaiser brechen und ein Bündniss mit Schwe- 
den eingehen solle. „Wofern dies nicht geschieht", äusserte 
er zum kurfürstlichen Gesandten v. Wilmerstorff, „so sage 
ich es gerade aus, dass er es nie bekommen werde." '^) Da 
indessen die Stellung des Königs in Norddeutschland immer 
stärker wurde, und da der Kurfürst sich ihm nicht eher an- 
schloss, als bis er dazu gezwungen wurde, so trat Gustav 
Adolph mit grösseren Ansprüche auf. Ob es in seiner ur- 
sprünglichen Absicht gelegen habe, wirkliche Eroberungen in 
Deutschland zu machen, ist unmöglich zu entscheiden, aber 
seine ganze Politik macht es wahrscheinlich, dass er von 
vornherein als materiellen Gewinn des Krieges, ausser dem 
Bund mit den protestantischen Fürsten, auch einige Häfen 
an der Nordküste Deutschlands, zunächst Stralsund, habe er- 
werben wollen. Das erste Mal, wo er diese Absicht zum 
Vorschein kommen liess, war unseres Wissens bei seinem 
Besuche in Berlin und der Besprechung mit dem Kurfürsten 
von Brandenburg im Mai 1631. D^ Kurfürst erzählt selbst 
von dieser Berathung, dass Gustav Adolph allerdings die 
Bechte des Kurfürsten auf Pommern anerkannte, dass er sich 
aber zugleich das jus belli hinsichtlich des Kriegsschaden- 
ersatzes vorbehalten und zu verstehen gegeben habe, dass ein 
Theil der Ostseeküste, oder wenigstens die dortigen Häfen, 
dasjenige wäre, was er zunächst verlangte**). 

*) Siehe Hei big, Gustav Adolph und die Eurfttrsteu Ton Saehsen und 
Brandenburg 1630—1682, S. 15. 

**) Vgl. den Brief des Kurfürsten an Qrafen Schwarzenberg, angefahrt yon 
X G. Droysen a. a. 0., Bd. III, 1. S. 265. Hiermit stimmt Salyius in seinem 
Bereiht aus Osnabrück den 26. Januar 1646 überein: ü. W. F. 



16 

Indessen wurde diese Frage bis auf weiteres bei Seite 
geschoben , denn sie war sehr heikler Beschaffenheit und 
musste mit der grössten Behutsamkeit behandelt werden, um 
nicht Brandenburg von Schweden wieder zu entfremden. 
Erst nach der Schlacht bei Breitenfeld und dem Siegeszuge 
durch Franken wurde sie wieder angeregt. Aber jetzt hatte 
die Lage sich wesentlich geändert; jetzt hatten sich Gustav 
Adolphs Pläne erweitert, und wenn auch Anfangs dieser 
Feldzug für ihn ein Vertheidigungskrieg war, so fing er doch 
jetzt an, mit Gedanken an Eroberungen umzugehen, jedoch so, 
dass diese sich immer auf seinen anfänglichen Zweck zurück- 
führen lassen. Von Mainz aus sandte Gustav Adolph im 
Dezember 1631 dem schwedischen Beichsrath den Befehl, sein 
Gutachten über die Friedensbedingungen Schwedens abzu- 
geben; und die Antwort, die dieser, gewiss nicht ohne die 
Ansicht des Königs und seines Canzlers zu kennen, fasste, lief 
darauf hinaus, dass Schweden Pommern und Wismar erhalten, 
der Kurfürst von Brandenburg aber durch einen Theil von 
Schlesien auf Kosten des Kaisers entschädigt werden solle*). 
Als nun der König im Juni 1632 eine Gesandtschaft an den 
Kurfürsten von Sachsen abgehen liess, um ihm die Bildung 
eines deutsch-protestantischen Bundes vorzuschlagen, so gab er 
zugleich den Abgesandten den Auftrag, gleichsam aus eigenem 
Antriebe die muthmasslichen Ansprüche des Königs bei einem 
künftigen Frieden vorzulegen ; sie sollten für Schweden 
Pommern oder einen Theil davon und für Brandenburg einige 
säcularisirte Stifter als Entschädigung in Vorschl^ bringen**). 
In einem Briefe von Nürnberg an den Kurfürsten von 



*) Der König an den schwedischen Reichsrath den 14. Dezember 1631 und 
die Antwort des Rathes den 26. März 1632: Kriegsgeschichtliches Archiv 
Bd. I. S. 529 und Bd. II, S. 891 ff. 

**) lieber diese Verhandlungen siehe Ranke, Wallenstein, S. 249 ff. 
Heibig a. a. 0., S. 79. 



16 

Sachsen erkaonte Gustav Adolph diese Vorschläge als die 
seinigen an, und in üebereinstimmug hiermit sind auch die 
Friedensbedingungen, welche der König seinen Canzler in 
Nürnberg aufstellen liess, abgefasst. Er forderte hier für seine 
Glaubensgenossen im allgemeinen Religionsfreiheit und Eesti- 
tution, und ausserdem noch für Schweden Pommern als deut- 
sches Lehen, für Brandenburg die Stifter Magdeburg und 
Halberstadt; Eursachsen sollte die Lausitz und das Stift Bam- 
berg, Wallenstein als Herzog von Pranken das Stift Würzburg, 
Bayern Oberöstreich als Ersatz für die Oberpfalz, Sachsen- 
Weimar Erfurt , und der Landgraf von Hessen-Cassel das Stift 
Pulda erhalten*). 

Was also Gustav Adolph für Schweden beanspruchte, 
das ist von ihm bestimmt ausgesprochen worden und war in 
der That nicht mehr, als endlich im westphälischen Prieden 
bewilligt werden musste. Dessenungeachtet wurden seine 
Porderungen als sehr übertrieben und unannehmbar nicht nur 
von Schwedens Peinden, sondern auch von dessen Bundesge- 
nossen, den beiden Kurfürsten, betrachtet, vom Kurfürsten 
von Sachsen, weil er sein Primat in Norddeutschland be- 
droht sah, von Brandenburg wegen Pommerns; und bei einer 
gemeinsamen Besprechung zu Torgau im Prühjahr 1632 hatte 
ersterer vorgeschlagen, Schweden mit einer Summe Geldes 
abzuspeisen, wogegen Georg Wilhelm meinte, das Stift 
Bremen sei ein passender Ersatz**). Aus der Abgeneigtheit 
Kursachsens machte sich Gustav Adolph nicht viel; um so 
mehr Bücksicht nahm er auf Brandenburg, sowohl wegen der 
Verwandtschaft beider Pürstenhäuser, als auch desshalb, weil 



*) Leges sea conditiones pacis universalis per Germaniam, conceptae Nori- 
bergae vIto rege et ex ejus mandato, anno 1632 : Concept von Axel Oxenstiema 
in S. A. Vgl. Odhner, Schwedens innere Geschichte nnter den Vormündern 
der Königin Christine, S. 2. — Die obengenannten Pnnkte waren unzweifelhaft 
dieselben, welche der Ganzler im Anfang des Jahres 1633 dem schwedischen 
Reichsrathe mittheilte, siehe U. S. G. XXXVIII, S. 443. 
•) J. G. Droysen a. a. 0., Bd. IH, 1. S. 111. 



I 



•m\ 



17 



der Kurf&rst von Brandenburg ein unbestreitbares Beeht 
auf Pommern hatte. Aber hierzu kamen noch wichtige 
politische Gründe. Von feindlichen Nachbarn umgeben und 
Ton allen Seiten bedroht, bedurfte Schweden wohl eines Bun- 
desgenossen an der Ostsee, und dazu war in damaliger Zeit 
keine Macht geeigneter als Brandenburg, das Besitzungen 
in Deutschland wie in Polen hatte und dessen Lage seiner 
Allianz, sei ^ gegen Polen, Dänemark oder den Kaiser, eineai 
hohen Werth verlieh. Einer näheren Verbindung zwischen 
Schweden und Brandenburg stand jedoch ein Hindemiss im 
Wege, nämlich die beiderseitigen streitigen Ansprüche auf 
Pommern, um nun diese Interessen zu vereinigen und den 
branden'burgischen Hof zu gewinnen, war Grustav Adolph auf 
den Gedanken gekommen, ein Ehebundniss zwischen dem da- 
mals eilQährigen Kurprinzen Friedrich Wilhelm und seiner 
einzigen Tochter, der fünfjährigen Christine, der präsumtiven 
Tbronerbin Schwedens, zu schliessen. Dieser Vorschlag, der 
für den Kurfürsten und seine Familie nur schmeichelhaft sein 
konnte, wurde unseres Wiss^is vom König zum ersten Mal 
bei einer Berathung mit dem brandenburgischen Ganzler von 
Götee, der Gustav Adolph in Bärwalde im Januar 1631 be- 
suchte *), gemacht. Die Frage wurde mit dem Kurfürsten selbst 
beim Besuch des Königs in Berlin im Juni 1631 besprochen**) 
und endlich im vollen Ernste Anfang 1632 beim Aufent- 
halt des Königs in Frankfurt am Main wieder aufgenommen. 
Die Verhandlung wurde hi^ zuerst zwisdien dem König und 
dem Gsmzler des Kurfürsten geführt. Gustav Adolph brachte in 
Vorschlag, dass der Prinz nach Schweden geschickt werden 
sollte, um mit Christine erzenen zu werden und sich die 



*) Nach Yon tiötzes eigener Angabe in den Berichten der brandenhurgschen 
Gesandten ans Stockholm 1642: Urkunden und Actenstücke, Bd. I, S. 592. 

••) So erz&hlt wenigstens Mau vi Hon, Histoire de Gustave Adolphe, 
Bd. IV, S. 82, und gdebt als seine Quelle die Arckenholzschen Sammlungen, auC 
welchen sein Werk sich gründet, an. 

Odhner, Politik Schwedens. 2 



18 

Sympathien der Schweden zu erwerben; sollte in der 
Zukunft der König einen Sohn, der die schwedische Krone 
erbte, erhalten, so würde der Kurprinz in Deutschland Ersatz 
bekommen oder zum Könige von Polen gemacht werden. 
Dann wurden die Verhandlungen in dieser Sache Axel Oxen- 
stierna und den brandenburgischen Gesandten v. Götze und 
V. Leuchtmar anvertraut und mehrere Berathungen hierüber 
in Frankfurt und Mainz gepflogen. Auf Befehl des Königs: 
forderte Axel Oxenstierna als Gnindbedingung, dass der Kur- 
prinz in Schweden und in der lutherischen Religion erzogen 
werde, und sollte er, falls der König einen Sohn erhielte, als 
Mitgift Christinens Alles, was Gustav Adolph in Deutschland 
innehatte, bekommen, andernfalls aber König von Schweden 
werden, in welchem Falle ein unauflösbares Bündniss zwischen 
Schweden und Brandenburg geschlossen werden sollte. Die 
grösste Schwierigkeit bei dieser Verhandlung scheint die Frage 
des Beligionswechsels und der Erziehung des Kurprinzen in 
Schweden dargeboten zu haben, denn die Bathgeber des 
Kurfürsten waren der reformirten Lehre eifrig ergeben, und 
die Theologen, denen die Beligionsfrage vorgelegt wurde, 
schlugen vor, dass der König zur Ausgleichung der strei- 
tigen Ansichten eine allgemeine protestantische Synode be- 
rufen möge*). Indessen traten die Kriegsereignisse und 
andere Hindernisse dazwischen, so dass die Unterhandlungen 
einstweilen abgebrochen wurden. 

Die erste und zunächstliegende Veranlassung zu Gustav 
Adolphs Plan, Schweden und Brandenburg in dieser Weise 
zu vereinigen, ist bereits angegeben; sie war, wie sich Axel 
Oxenstierna ausdi'ückte, „dass des Königs Majestät nicht auf 



*) Ueber diese Verhandlungen siehe insbesondere den Brief Axel Ozen- 
stiernas an den Beichsrath aus Köln an der Spree den 4. Februar 1633, gedruckt 
in U. S. 6. 38, S. 423 ff.; desselben Brief an den Sohn Johann den 16. April 
1642, gedruckt in Gjörwells Sammlung, S. 43.; MauTÜlon a. a. 0., Bd. IV, 
S. 81—86 und Pufendorf, Brandenburg, Bd. II, S. 62. 



19 

Pommern Verzicht leisten möge, das er jedoch nur zum be- 
sonderen Nachtheil des Kurhauses Brandenburg behalten 
könne, was seine Majestät gern vermeiden wolle, um sich 
jenes Haus zu verpflichten." Aber Gustav Adolph beab- 
sichtigte durch diese Verbindung einen noch grösseren, weiter- 
gehenden politischen Zweck zu erreichen; hierüber berichtet 
der Beichscanzler, „dass es dem König auch darum zu thun 
sei, dass, wenn Schweden und Brandenburg mit ihren Qe- 
bietstheilen vereinigt wurden, kaum in Europa ein solcher 
Staat zu finden wäre, der diesem die Stirn bieten könnte". 
Gustav Adolph wollte also eine protestantische Grossmacht im 
nördlichen Europa gründen, die das protestantische Deutsch- 
land und Scandinavien zusammenhalten und leiten sollte, 
durch welche auch der habsburgischen Macht in Oesterreich, 
Spanien und Italien gegenüber das Gleichgewicht hergestellt, 
ja diese sogar überflügelt werden könnte. Es würde dies im 
Norden Europas eine Macht gewesen sein, mit der vergleichbar, 
welche Karl V. im Südön zu gründen gesucht hatte, und dem 
katholischen Europa nicht minder furchtbar, als das Beich 
Karls V. oder Philipps II. dem protestantischen gewesen war*). 
Die Bedeutung dieser Macht wäre um so grösser geworden, 
wenn es Gustav Adolph gelungen wäre, sei es ein „protestan- 
tisches Kaiserreich" ,^ sei es einen protestantischen Staaten- 
bund, ein Corpus Evangelicorum zu bilden **), denn in einem 
solchen würde ein schwedisch -brandenburgischer Staat selbst- 
verständlich der Leiter gewesen sein. Welche Stellung Schwe- 
den in diesem schwedisch-deutschen Bund eingenommen haben 



•) Vgl. J. G. Droysen a. a. 0., Bd. III, 1. S. 79. 

**) Zwischen diesen beiden Alternativen scheinen die Zalcnnftspläne 6usta7 
Adolphs je nach dem Umständen geschwankt za haben. Ein Corpus Evangeli- 
corum war der Grundgedanke seines Vorschlages an Kursachsen vom Mai 
1632; ein protestantisches Kaiserreich oder, wie es Salvius nannte, ein „Im- 
perium macedonicum" scheint ihm dagegen vorgeschwebt zu haben, als er kurz 
Tor seinem Tode die Instruction für Axel Ozenstiema als Legaten in Ober- 
deutschland verfasste: siehe Kriegsgeschichtl. Archiv I, No?487. 

2* 



20 

würde, davon kaDn man sich nicht leicht eine Vorstellung 
machen. Daas Schweden, so lange noch Gustav Adolph lehte, 
der massgebende Theil geworden wäre, ist eben so sicher, 
wie es iingewiss ist, ob es fortan diese Stellung zu be- 
haupten und seine Selbständigkeit zu wahren vermocht hätte. 
Es waren wahrscheinlich dergleichen Bedenken, welche Axel 
Oxenstierna jenem Plane weniger geneigt machten ; sein Stand- 
punkt blieb fortwährend ein mehr ausschliesslich schwedischer, 
wäJhrend Gustav Adolphs Anschauungen in den letzten Jahren 
einen europäischen, weitumfassenderen Gharacter annahmen. 

Nach Gustav Adolphs Tode und nachdem Axel Oxenstierna 
die alleinige Leitung der Angelegenheiten Schwedens in Deutseh- 
land übernommen hatte, wurde die oben besprochene Frage von 
Neuem angeregt*), als der Ganzler nebst Pehx Brahe, um das 
Band zwischen Brandenburg und Schweden fester zu knüpfen, 
im Februar 1633 einen Besuch in Berlin abstattete. Wir 
kennen die bei dieser Gelegenheit gepflogenen Unterhand- 
lungen nicht, aber der Ganzler sagt* selber in einem Briefe 
an den schwedischen Beichsrath, dass er die Hoffiiungen des 
Kurfürsten aufrecht erhalten, ohne ein bestimmtes Versprechen 
zu geben, und dass der Kurfürst sich deshalb Schweden uad 
der gemeinsamen Sache ergeben gezeigt habe. Der schwe- 
dische Beichsrath, der nun zum ersten Mal sein Gutachten 
in dieser Frage abgab, fand die Sache allerdings bedenklich, 
\md zwar nicht nur aus oben erwähnten Gründen, sondern 
auch weil ein ausländischer Fürst die alten Freiheiten und 
Bechte Schwedens leicht antasten könnte ; aber dennoch sah er 
den Vorachlag für annehmbar an, wenn der Kurprinz die 
Beligion ändere und in Schweden erzogen werde , auch 



*) Es waren hierüber mehrere Gerüchte verbreitet. So schreibt Chateaaneuf 
den 21. Dezember 1682 an den Cardinal Richelieu: ^Si ee mariage reussissait, 
Brandenbonrg seralt le plus graod prince de tonte TEurope et joindralt de 
«rrands ^tats." Wahr^nberga Excerpte aus Arch. des afEftires ötrang, in 
Paris. S. A. 



21 

Pommern für immer unter die schwedische Krone gebracht 
werden könne '^). Indessen wäre die Entscheidung nicht mög- 
lieh, bevor die junge Königin mündig geworden sei. 

Die Verhandlungen über eine Ehe zwischen Christine 
und Friedrich Wilhelm wurden nach dem Tode des Königs 
noch schleppender gefuhrt als bei seinen Lebzeiten, und des^ 
halb begnügte sich der Kurfürst nicht mit blossen Vorspiege- 
lungen, sondern beschloss, von der schwedischen Regierung 
Garantie für seine Ansprüche auf Pommern auszuwirken. Es 
wurde dies um so nothwendiger, weil Schweden auf dem 
Convent in Heilbronn sich die Zusicherung einer befriedigen- 
den Entschädigung verschaffte, wobei man glaubte, dass eg 
Pommern im Auge habe. Hierzu kam noch, dass Bogislaus 
im April 1633 vom Schlag gerührt wurde, so dass sein Tod 
jeden Augenblick zu erwarten war. Man beeilte sich schon von 
beiden Seiten, die nöthigen Massregeln zu treffen, um seine 
Ansprüche sicher zu stellen. Auf Oxenstiemas Aufforderung 
schickte die schwedische Regierung zwei schwedische Regi- 
menter, den Garnisonsdienst in Pommern zu versehen, und 
suchte durch gute Behandlung die Einwohner, die jedoch 
grösstentheils Brandenburg ergeben waren, für sich zu ge- 
winnen. Der Kurfürst von Brandenburg aber Hess seine 
Forderungen sowohl Oxenstierna selbst am Convent in Frank- 
furt 1633 als auch den schwedischen Reichsräthen , die sich 
nach Deutschland begeben hatten, um die königliche Leiche 
nach Haus zu begleiten, vortragen und erbot sich, die Allianz 
mit Pommern von 1630 zu ratifiziren, wenn ihm sein Recht 
bestätigt und sicher gestellt würde**). Als er von beiden 
Seiten nur eine ausweichende Antwort bekam, schickte er 
eine Gesandtschaft, bestehend aus den • kurfürstlichen Räthen 



*) Memorial des Beicbsrathes an den Ganzler, den 29. März 1633. U. S. G. 

25, S. 148 ff. ' 

**) Memorial des Canzlers an den Reichsrath, den 13. Mai 1633. U. S. 0. 

26, S. 85ff. T. Bohlen a. a. 0., S. 4; Chemnitz a. a. 0., Bd. II, S. 181. 242. 



22 

C. B. V. Pfuel and L. von dena Knesebeck nach Schweden, 
und dieser schloss sich eine pommerische Legation an, be- 
stehend aus den fürstlichen Käthen M. Kleist, H. F. Flem- 
ming und Chr. Schwartz, welche beauftragt waren, die bran- 
denburgischen Forderungen zu untei-stützen, an die Treue und 
Aufopferungen Pommerns zu erinnern und dessen Selbständig- 
keit zu verfechten*). 

Die schwedische Begierung befand sich bei diesem unwill- 
kommenen Besuch unleugbar in grosser Verlegenheit. Kam 
man den Wünschen Brandenburgs und Pommerns nach, so 
würde man Schweden aller eigentlichen Yortheile des deutschen 
Krieges berauben, denn ohne Pommern oder einen Theil da- 
von würden seine Besitzungen in Deutschland ihm mehr eine 
Last als eine Verstärkung werden. Andererseits musste 
man, wenn möglich, es vermeiden^ das Misstrauen und die 
Feindschaft Brandenburgs herauszufordern, denn keiner der 
deutschen Fürsten konnte als Freund nützlicher, als Feind 
geföhrlicher sein als eben der Kurfürst von Brandenburg. 
Die Gesandten wurden daher aufs freundlichste empfangen; 
aber bezüglich ihres Auftrages beschloss man dem Bath des 
Canzlers zu folgen: „Ihr sollt nicht sagen, dass der Kurfürst 
es nicht erhalten werde, aber nichts desto weniger ihm keine 
bestimmte Zusicherung geben, sondern euch immer auf die 
Allianz referiren und ihnen remonstriren , dass sub hac 
rerum incertitudine dem Beich kein praejudicium gegeben 
werden könne ^ bevor Alles mit sämmtlichen Interessenten 
ordentlich verhandelt sei; und zwar dies verbis quam mode- 
stissimis und nichts desto weniger realissimis"**). Ah nun 
die brandenburgischen Gesandten, von den pommerischen unter- 
stützt, theils behaupteten, dass der Punkt 14 des Vertrages 
mit Pommern von 1630 nur die Ansicht des Königs aus- 



*) Ihre InstrnctiOD ist bei y. Bohlen a. a. 0., S. 61 ff. gedruckt. 
**) Der Canzler an den Beichsrath den 5. September 1633, vgl. seine Schrei- 
ben vom 10. Juli und 4. August 1633: U. S. G. 26, S. 121. 206; 27, S. 155 ff. 



23 

drücke, für Pommern aber nicht, und noch weniger für 
Brandenburg, bindend sei, theils auch, um dem Punkt seine 
Zweideutigkeit und die darin für Brandenburg liegende Ge-* 
fahr zu benehmen, sich erboten, die übrigen Artikel des Ver- 
trages zu ratifiziren, so erwiderte darauf die schwedische 
fiegierung, dass sämmtUche Artikel vom Herzog, sowie vom 
König unterzeichnet seien, und dass man von keinem gegen 
Art 14 erhobenen Proteste wisse. Bezüglich der Bati- 
fication wollte man sich nicht bestimmt aussprechen, sondern 
verwies den Kurfürsten theils auf den Kanzler, theils auf 
einen allgemeinen Friedensvertrag, der die Frage über die 
„ Satisfaction ^^ Schwedens zur Entscheidung bringen werde. 
Diese ausweichende Antwort versetzte die brandenburgischen 
Gesandten in solchen Zorn, dass sie beim Abschied den 
5. Dezember 1633 einen in den schärfsten Worten abgefassten 
Protest, der als sehr verletzend far das Andenken Qustav 
Adolphs betrachtet wurde, zurückliessen, und die Pommern 
erklärten gerade zu, dass sie sogleich nach dem Ableben des 
alten Bogislaus den Kurfürsten von Brandenburg als ihren 
Herzog anerkennen würden, „und war dies die erste Ben- 
contre mit den Kurbrandenburgischen wegen Pommerns ^S 
sagt Chemnitz am Schlüsse seiner weitläufigen Darstellung 
dieser Verhandlungen'*'). Es stellte sich immer deutlicher 
heraus, dass die Interessen von Schweden und Brandenburg 
sich derartig entgegenstanden, dass sie nicht zu vereinigen 

m 

waren. Zwar suchte der Beichsrath die Ansprüche Schwedens 
zu ermässigen, dass sie nicht in allzu scharfem Gegensatz zu 
Brandenburgs Interessen erscheinen möchten, und schlug dem 
Canzler vor**), dass Schweden nur Hinterpommem nebst 

•) Chemnitz a.a. 0., Bd. II, S. 243—250. Vgl.Pufendorf, Saec, Bd. V, 
S. 106. Die pommerschen Gesandten erhielten später Ton Axel Oxenstiema 
einen scharfen Verweis für die ungehührenden Beschuldigungen, welche sie hei 
den Verhandlungen gegen den seligen König gerichtet hatten: y. Bohlea 
a. a. 0., S. 6. 

**) In einem Brief vom 17. Januar 1634. U. S. G. 28, S. 6£F. 



24 

Eugen und Usedom, so wie die Schutzherrscbaft über Stral- 
sund verlangen sollte, wozu man Wismar und möglicherweise 
die Bisthümer Bremen und Verden als Ersatz für Vorpommern 
fögen könne. Dies Programm, das mit demjenigen, welches 
Schweden vierzehn Jahre später durchsetzte, auffällig fiber- 
einstimmt, scheint dem Canzler nicht recht gefallen zu haben, 
und überdies war es deutlich, dass es keineswegs Bi-andenburg 
befriedigt haben würde. „Die pommerische Angelegenheit '% 
schreibt kurz darauf der Reichscanzier, „ist ein ,pomum 
Eridis*, der Ew. Majestät wahrscheinlich von Brandenburgs 
trennen wird, und den man bereit sein muss mit dem Schwerte 
zu mainteniren." *) 

Indessen gelang es dem Canzler, die Besorgnisse und da» 
Misstrauen des Kurfürsten noch einmal zu beschwichtigen, 
indem er bei einer Zusammenkunft mit ihm und seinen 
Eäthen in Stendal (Februar 1634) sein Recht auf Pommem 
anerkannte; aber zugleich erklärte Oxenstiema, dass Schweden 
das Land nicht eher räumen könne, als bis ihm die Entschä- 
digung, welche der Convent in Heilbronn als billig anerkannt 
hatte, gesichert sei, und schlug vor, die Sache der Ent« 
Scheidung des Frankfurter Convents, von welchem auch die 
Frage der Entschädigung berathen werden sollte, zu über- 
lassen. Als diese Frage aber im Convent vorgenommen wurde 
und der Canzler in dem darüber abgegebenen Gutachten nicht 
undeutlich zu verstehen gab, dass Schweden Pommern verlange^ 
und dass Brandenburg durch einige der eroberten Stifter ent- 
schädigt werden solle, so war es zu Ende mit dem galten 
Verhältniss zwischen Schweden und Brandenburg. Sobald 
der Eurfarst hiervon benachrichtigt wurde, schrieb er an 
Arnim, dass man ihn hinter das Licht geführt oder auf rein 
deutsch betrogen habe, und von nun an begann er, alle 
Unternehmungen der Schweden heimlich zu hintertreiben. 



•} Der Caqzler an den Reichsrath den 3. März 1634: ü. S. G. 29, S. 26; 
Chemnitz a. a. C, Bd. II, S. 808. 



2 5 

Mehrere der versammelten Stände waren geneigt, Pommern 
an Schweden zu überlassen; Andere machten den Vor- 
schlag — und dies missfiel dem Canzler nicht — , Preussen 
in ein deutsches Beichsl^hen zu verwandeln und es dann an 
Schweden abzutreten. Aber Brandenburg wollte von einer Ab- 
tretung an der deutschen Ostseeküste durchaus nichts wissen; 
es verlangte von Schweden eine genügende Garantie für seine 
Ansprüche auf Pommern, ehe es sich in eine Unterhandlung 
wegen des beantragten evangelischen Bundes einliesse, und 
machte dadurch jedes Resultat der Verhandlungen zunichte*). 
Die weitschweifigen Verhandlungen und verwickelten Intriguen 
am Convent nahmen durch die Schlacht bei Nördlingen ein 
trauriges Ende; sobald die Kunde hiervon ankam, entliess 
Oxenstiema den Convent den 3. September 1634. 

Die Niederlage der schwedischen Waffen bei Nördlingen 
veränderte die Lage der Sachen gänzlich , und Schweden 
musste nun seine Ansprüche auf Entschädigung bedeutend 
herabsetzen. Schon bevor noch die Niederlage in Schweden 
bekannt wurde, hatte die schwedische Regierung den Canzler 
ermächtigt, Frieden zu schliessen, auf welche Bedingungen 
er wolle, wenn er sich nur der Freundschaft und des Bünd- 
nisses der deutschen Protestanten versicherte. Aber es stellte 
sich bald heraus, dass es immer schwerer wurde, dies Ziel zu 
erreichen , da der Kaiser und Kursachsen ihr Möglichste» 
thaten, um die zerstreuten, rathlosen Protestanten an sich zu 
ziehen, und der Prager Friede Schweden seiner noch übrigen 
Bundesgenossen zu berauben drohte. Unter diesen Verhält- 
nissen glaubte Axel Oxenstiema die Ansprüche Schwedens 
auf Pommern aufgeben zu müssen, falls er sich dadurch die 
bleibende Freundschaft Brandenburgs versichern könnte. Im 
Anfang des Jahres 1635 eröfiftiete er Unterhandlungen mit 



•) Chemnitz a. a. 0., Bd. II, S. 438fP. 497. 502. J. G. Droysen a. a. 0., 
Bd. in, 1. S. 95. Memorial des Canzlers an die schwedische Regierung den 20. Mai 
und 80. Juli: U. S. G. 80, S. 18. 92. 



2 6 

dem brandenburgischeD Canzler von Götze, der nach der Auf- 
lösung des Frankfurter Convents in der Rheingegend zurück- 
geblieben war, und entwarf mit ihm in Mainz den Plan eines 
Bündnisses zwischen Schweden und Brandenburg, wonach 
letzteres Pommern bekommen sollte unter der Bedingung, 
dass es Schweden zu den Bisthümern Magdeburg, Halberstadt 
und Osnabrück verhälfe, so wie zu einem Hafen an der 
Ostsee, um die Verbindung genannter Orte mit der Küste zu 
unterhalten*). Dieser Vorschlag gefiel der schwedischen 
Regierung wohl. Allein der Kurfürst wurde sehr erzürnt, 
dass V. Götze sich so tief mit Oxenstierna eingelassen hatte, 
erklärte, dass er seine Vollmacht überschritten habe und ent- 
zog ihm seine Gunst. An seine Stelle trat nun als Rath- 
geber des Kurfürsten dessen alter Vertrauter und Canzler, der 
kaiserlich gesinnte, katholische Graf Adam von Schwarzenberg, 
und nun gewannen die „Schwarzenbergschen Conzilien" im 
Rathe Georg Wilhelms die Oberhand. Als Oxenstierna im 
Mai 1685 aus Frankreich und Holland nach Norddeutschland 
zurückkehrte, schickte ihm daher Schwarzenberg einen seiner 
Anhänger, von Blumenthal, nach Salzwedel entgegen und 
forderte ihm mit scharfen Worten die oft verlangte Zu- 
sicherung in Bezug auf Pommern ab. Er erhielt hierauf die 
Antwort, dass, wenn der Kurfürst sich gegen den Prager 
Frieden erkläre , dann Schweden seinen Wünschen nach- 
kommen werde. Andererseits wurde aber dem Kurfürsten, 
wenn er dem Prager Frieden beitrete, die Garantie des Kaisers 
für seine Rechte auf Pommern zugesichert. Noch schwankte 
jedoch der schwache, unentschlossene Georg Wilhelm, dessen 
unstäte, characterlose Politik von Oxenstierna trefflich gekenn- 
zeichnet wird mit den Worten: „Brandenburg datf nichts, 
kann nichts und will nichts", und suchte unter wachsenden 



*) Der Canzler an die Begierung, den 12. Februar 1635. Die Regierung an 
den Canzler, den 12. April 1635: U. S. G. 34, S. 18 ff.; 35, S. 4. Chemnitz 
a. a. 0., Bd. II, S. 696. 637—638. J. G. Droysen a. a. 0., S. 101.269. 



27 

Schwierigkeiten den Augenblick der Entscheidung zu ver- 
schieben. Die Familie des Kurfürsten und die Mehrzahl 
seiner Bäthe waren Schweden keineswegs abhold , und ein 
Bruch mit dieser Macht konnte bedenkliche Folgen für Bran- 
denburg haben. Aus diesen Gründen forderte Georg Wilhelm 
Kursachsen auf, einen ehrenvollen Frieden nebst Entschä- 
digung an Geld für Schweden auszuwirken, und machte dies 
zur Bedingung seines Beitritts zu dem Prager Frieden. 
Aber Seh warzenberg , der nach Sachsen als Unterhändler 
abgesandt wurde, erhielt die Ermächtigung, im äussersten 
Nothfall auch ohne alle Bedingung jenem Frieden beizutreten, 
und er nahm nicht Anstand, diese Vollmacht zu benutzen. 
Kurbrandenburg schloss sich gegen Mitte des August 1635 
dem Prager Frieden unbedingt an"*"). 

Die zwei nächsten Monate nach dem Abfall Branden- 
burgs, ehe noch Torstensson mit Verstärkungen aus Preussen 
eintraf, und vor dem Siege der Schweden bei Dömitz, waren 
ohne Zweifel für Schweden die trübste und hoffnungsloseste 
Zeit während des ganzen deutschen Krieges. Die Lage der 
Dinge war so verzweifelt, dass der grosse Canzler sich ge- 
zwungen sah. Schritte zu thun, die fQr ihn sehr demüthigend 
waren. Er musste in Unterhandlungen mit dem hals- 
starrigen, anmassenden Kurfürsten von Sachsen treten, obgleich 
dieser dazu nicht eHnächtigt war, dergleichen Unterhandlungen 
zu führen; ja er gewann es sogar über sich, unmittelbar 
beim Kaiser um Frieden anzuhalten. ^ Wie sehr Oxenstiema 
entschlossen war, nachzugeben, um Frieden zu erlangen, er- 
hellt aus seinem an Kursachsen gestellten Friedensvorschlag, 
gewöhnlich nach dem Orte, wo er vorgelegt wurde, das 
Schönebecksche Project genannt**). Für Schweden 

*j Da Schwarzenberg die Accessionsurktmde aus Berlin mitbrachte, ist diese 
Tom 29. Juli datirt, obgleich sie erst Mitte August abgegeben sein kann. 
Siehe J. G. Droysen a. a. 0., S. 105. 270. Vgl. Chemnitz a. a. C, Bd. II, 
S. 796—797. 

**) Gedruckt bei Londorp, Acta publica, Bd. IV. Vgl. Chemnitz. 



30 

Durch den Sieg bei Dömitz uod durch den Waffen- 
stiDstand von Stuhmsdorf, wodurch es möglich wurde, die in 
Preussen stehenden Truppen nach Deutschland zu ziehen, 
wurde die Lage Schwedens wesentlich verbessert. Unter 
solchen Verhältnissen glaubte Oxenstiema, mit besseren Aus- 
sichten auf Erfolg die mit dem Kurfürsten von Sachsen ab- 
gebrochene Unterhandlung wieder aufnehmen zu können, und 
ersuchte den Herzog Adolph Friedrich von Mecklenburg die 
Vermittlung zu übernehmen. Der Eeichscanzler formulirte 
nun (November 1635) die Ansprüche Schwedens bestimmter; 
das Wenigste, womit es sich begnügen könne, sei ausser Be- 
soldung der schwedischen Armee vier Millionen Eeichs- 
thaler und genügende Sicherheit an Land für die Ent- 
richtung dieser Summe. Der Kurfürst von Sachsen war 
durch die letzten Ereignisse inweit nachgiebiger gewor- 
den, dass er nun einen besonderen Friedensschluss Schwedens 
mit dem Kaiser neben dem Prager Frieden zugab; aber er 
lieferte nie den Nachweis, dass er vom Kaiser ermächtigt 
sei, einen solchen Frieden mit Schweden zu schliessen; in 
Bezug auf die Amnestie konnte er nur versprechen, dass der 
Kaiser sich mild und gnädig zeigen würde; und was die 
Entschädigung Schwedens betreffe, so solle diese als eine 
Frage, die nicht den Kaiser, sondern nur die evangelischen 
Stände angehe, in einem besonderen Vertrag behandelt und 
der Betrag auf einem Convent genannter Stände, welchen der 
Kurfürst ausschreiben würde, bestimmt werden; doch solle 
der Friede, unabhängig hiervon, sogleich vollzogen werden. 
Es versteht sich, dass diese Bedingungen, welche die Frage 
der Entschädigung Schwedens und der Amnestie unentschieden 
Hessen, durchaus unannehmbar waren ; der Eeichscanzler hatte 
zwar gegen jenen Vertrag und den evangelischen Convent 
nichts einzuwenden, aber er konnte unmöglich in einen Frie- 
densschluss willigen, bevor Schweden irgend eine Sicherheit 
für seine Ansprüche erhalten hatte. Da der Mecklenburger 



31 

den Kurfürsten nicht dazu bewegen konnte, Oxenstierna noch 
weiter entgegenzukommen, so stockten die Unterhandlungen 
Anfang des Jahres 1636. Ebenso vergeblich waren die 
Bestrebungen des Königs von Dänemark zur Wiederaufnahme 
derselben*). Es blieb nichts übrig, als die „ultima ratio" 
wieder anzuwenden. Im Juni 1636 verliess der Seicbscanzler 
Deutschland und kehrte nach Schweden zurück. 

Zu derselben Zeit, wo die Unterhandlungen zwischen 
Schweden und Kursachsen abgebrochen wurden, wurde auch 

der Bruch mit Brandenburg vollständig. Schon vorher hatte 

* 

der Kurfürst seine Truppen unter sächsischen Befehl gestellt 
und den Feinden Schwedens die nach Pommern führenden 
Pässe geöffnet. Vergebens suchte der französische Gesandte 
St. Chaumont, vermittelst einer von Oxenstierna erlassenen 
Versicherung bezüglich Pommerns, den Bruch zu verhindern 
und Brandenburg von der kaiserlichen Partei zu trennen**); 
nichts half, und am 6. Januar 1636 erschien Branden- 
burgs Kriegsmanifest gegen Schweden. Noch einmal bot sich 
eine Gelegenheit zur Versöhnung dar, — es war nach der 
Schlacht bei Wittstock, als Ban6r Hermann Wrangel in Bran- 
denburg einrücken und Berlin besetzen liess. Die Schweden 
schonten das Land; die Stimmung der Einwohner war dem 
Frieden und dem Bund mit Schweden günstig, und die 
schwedisch gesinnte Partei unter den Käthen des Kurfürsten, 
Götze, Pfuel und Leuchtmar, arbeitete darauf hin, einen 
Umschwung in der brandenburgischen Politik herbeizuführen. 
Aber Schwarzenberg beherrschte den Kurfürsten gänzlich; 
und da der Kaiser frische Hülfstruppen schickte und den 
Kurfürsten zu seinem Generalissimus ernannte, so wurde es 
im Eathe Georg Wilhelms beschlossen (November 1636), an 



•) Ueber diese Unterhandlungen siehe den Briefwechsel zwischen dem 
schwedischen Eeichsrath und dem Canzler, gedruckt in U. S. G., sowie Chemnitz 
und Pufendorfs ausführliche Berichte. 

••) Der Canzler an den Reichsrath; den 24. October 1645: U. S. G. 37, S. 125. 



32 

dem Prager Frieden festzuhalten und die mit Wrangel ange- 
knüpften Unterhandlungen abzubrechen. Der Canzler v. Götze 
wurde seines Amtes enthoben, und auch v. Pfuel und Leucht- 
mar wurden entfernt. Die kaiserliche Politik hatte einen voll- 
ständigen Si€g im brandenburgischen Cabinet errungen*). 



*) Vgl. J. G. Droysen a. a. 0., S. 118-121. 



n. 

Gründung der schwedischen Regierung in 

Pommern. 



Während die Spannung zwischen Schweden und Branden- 
burg inuner grösser wurde und schliesslich in offene Feind- 
seligkeiten überging, hielt Pommern an seinem gezwungenen 
Bündniss und seiner schwankenden Treue gegen Schweden 
fest. Von Sachsen und Brandenburg wurden die Ee- 
gierung und die Stände auf das fleissigste bearbeitet und 
aufgefordert, dem Prager Frieden beizutreten; und als die 
Kaiserlichen im Herbst 1635 in Pommern einfielen, wurden 
sie fast überall als Freunde empfangen, und Schweden sah sich 
durch einen allgemeinen Abfall bedroht. Die Bürgerschaft 
Stettins legte ihre feindliche Gesinnung offenbar an den Tag 
und verweigerte alle weiteren Beiträge zum Unterhalt der Be- 
satzung; den Herzog und seine Bäthe hielt nur die Anwesen- 
heit der schwedischen Truppen davon ab, ihren Beschluss, den 
Prager Frieden anzunehmen, zu veröffentlichen; nur die Geist- 
lichkeit rieth von dieser Massregel als einer „Gewissenssache" 
ab *). Der Legat Sten Bjelke hatte daher gegen viele Seh wie- 



*) Der Canzler an die Regierung den 29. Angust 1635: U. S. G. 35. 
Chemnitz a. a. 0,, S. 803ff. 8o6fr. 1005ff. 

Odhner, Politik Schwedens. 3 



34 

rigkeiten zu kämpfen, um die Interessen Schwedens zu wahren; 
er that es Init Klugheit und Kraft*), obgleich seine un- 
mässige Wohlbeleibtheit und dadurch verursachte Kränk- 
lichkeit ihn häufig ans Bett fesselte. Die Lage verbesserte 
sich etwas, als Lennart Torstensson mit seinem Heer in 
Pommern eintraf. Kurz nach der Schlacht bei Wittstock 
wurden die Kaiserlichen wieder aus Pommern vertrieben und 
die schwedische Herrschaft dadurch bis auf Weiteres be- 
festigt. 

Zum Glück für Schwedert liatten seine Heere die Ober- 
hand im Norden Deutschlands zur Zeit, wo der alte Bogislaus 
an d^h Folgöfi öilles wiederholten Schlagflusses ^n 10. Matz 
1637 starb; mit ihm eirlöfe€i4 das angestammte Fürstenge- 
schlecht, welches 500 Jahre lang Pommern beherrscht hatte. 
Durch sein militärisches Uebergewicht war Schweden im Stande, 
ätif doli Vöttrag von USO Uüd atrf das Kecht des fi:rieges 
äch stuf zend, die Vollziehtitig detr bramdenburgisehen Nachfolge 
ZU Vöthittdetn tthd diö Rögierftitig Pöfffliöerns in sdliem IntereBse 
Äti öitlöön. Schon !ih Növettiböf 1634 hatten die pommer- 
schen Sländö, mit Hlübli(jk äüf den bevotstöhenden Todesfall 
tffid dte öttöltige Hitcmtblgie , eine sogeüatmte RögimeirtsveT- 
fessüttg**) angetrotttmeü, nach weichet die Eögiermtg Über ganz 
iP'öilimem ton düem Dll^ectörium, be^hend aus öinem General- 
ätätthältöt älä Chef titid sieben andern MitgHederü unter dem 
Tfämen roh ßegierungsräthen , geffifhrt werden sollte. Um 
di^e Einrfchttitig sicher ZU stellen, hatten die Stäitdö titid 
ik Kögiörangsräthe während der lert^en Krantheit ders Her- 
zogs sich dätübet vereinigt, diö Verfassung von 1634 bei^ü- 



*y Atel Ox^sü^tA» äeftSitii^ ^^eA St&iatstträütr ^ht: ,,£1* Hat bö^ffäiäe 
Qoalitäteiir iMit An^l^ition« aber tied^riret und reguliret zum Di'enst des Väter- 
landes, und weiss was er macht.*' An den Bruder Gabriel den 29. März 1636: 
kÖnigl. Öibliotftet. -- MicräelitiiB liennt ihä ifi öeinW Cltroilife förö Jahr 
1638 (Balt. Stud., Bd. III, S. 128) „ einen feinen, gelarten und hoehverständigen 
Serrn, obgleich etwas jfiJizoniig/' 

••) Bei Dähnert a. a. 0., S. 387 gedruckt. 



ä6_ 

bebalten und sowohl den schwedischen Legaten als den Kur- 
fSrsten von Brandenburg nm Genehmigung derselben zu 
ersuchen ; ausserdem brachten sie noch in Vorschlag, dass der 
Kurfürst sein ßecht auf Pommern so lange ruhen lassen solle, 
bis ein Vollstäidiger Friede zu Stande gekommen sei, und 
daös inzwischen die pommerschen Angelegenheiten vom oben- 
genannten Directorium als Interimsregierung geleitet werden 
sollten. Diese Vorschläge wurden von Sten Bjelke angenommen, 
und eine jpommersche Gesandtschaft begab sich nach Küstrin, 
um auch die Genehmigung des Kurfürsten einzuholen. Allein 
dieser hatte so 'eben von dem neuen Kaiser, Ferdinand in., 
die Versicherung erhalten, dass er auch keinen einzigen Bauer 
von dem pommerschen Erbe verlieren solle, und rüstete aus 
allen Krftften, dasselbe mit Waffengewalt zu behaupten; er 
gab deshalb jenen Gesandten eine abschlägige Antwort und 
sandte, da der Herzog unterdessen gestorben war, einen 
Herold mit gedruckten Manifesten nach Stettin, worin er 
die Einwohner aufforderte, ihn als ihren rechtmässigen 
Herrn anzuerkennen. Die Manifeste wurden von Sten 
Bjelke unterdrückt, der den Herold mit einer höhnischen 
Antwort zurückschickte. Vergebens wandten die Stände 
Pommerns sich nochmals an den Kurfürsten mit der Bitte, 
dass er die Interimsregierung genehmigen möge; er wollte 
es nur unter der Bedingung thun, dass diese Segierung 
in seinem Namen geführt würde, aber darin konnte natürlich 
Bjelke nicht einwilligen. Die Stände mussten daher aus 
eigener Machtvollkommenheit die zur Aufrechterhaltung der 
Selbständigkeit und Sicherheit des Landes nöthigen Mass- 
regeln ergreifen. Am 9. Mai 1637 trafen sie mit den vor- 
maligen herzoglichen Regierungsräthen die üebereinkunft *), 
dasd diese fortwährend die Eegiemng in üebereinstimmung mit 
der Begimentsver&ssung unter dem Namen „Fürstlich pom- 



*) Gedrackt bei t. Bohlen a. a. 0., S. 66 ff. 

3 



36 

merscher hinterlassener Eegierungsräthe " führen und die 
Stande ihnen den gebührenden Grehorsam leisten sollten. Diese 
Verfassung wurde angenommen und bestätigt, ohne dass man 
das Gutachten des schwedischen Legaten einholte , was diesen 
zu einigen Einwendungen veranlasste, weil die schwedische 
Eegierung wünschte, dass er zum Vorstand der E^erung 
gewählt würde; aber schliesslich liess er es sich gefallen 
und gab seine Zustimmung mit Vorbehalt der Ratification 
seiner Eegierung, die jedoch nie förmlich ertheilt wurde*). 

Zu derselben Zeit, wo dies in Stettin sich ereignete, 
hatte Ban^r seinen berühmten Bückzug von Torgau nach 
Pommern bewerkstelligt, und die Wogen des Krieges über- 
flutheten das bisher ziemlich verschonte Pommern, das nun 
mit allen Gräueln der Verwüstung, mit Mord und Brand, 
Pest und Hungersnoth heimgesucht wurde. Der grössere 
Theil Vorpommerns nebst Usedom und Wollin fiel in die 
Hände der Kaiserlichen , und Banör konnte nur mit Mühe 
Hinterpommern gegen die brandenburgischen Truppen be- 
haupten. Das Verhältniss zwischen Schweden und Branden- 
burg wurde immer erbitterter; der Kurfürst liess einige für 
Schweden und für Gustav Adolphs Andenken schimpfliche 
Schriften verbreiten, was Bjelke damit beantwortete, dass er 
alle brandenburgische Unterthanen aus Stettin verwies und die- 
jenigen f5r vogelfrei erklärte, welche ohne besondere Erlaub- 
niss dort angetroffen wurden. Bisher hatte der Kurffirst sich 
damit begnügt, die in Pommern errichtete Interimsregierung 
zu ignoriren; nachdem er aber Anfang des Jahres 1638 die 
Investitur des Kaisers auf Pommern erhalten und sich des 
wichtigen Oderpasses Garz bemächtigt hatte, glaubte er, dass 
der rechte Zeitpunkt eingetreten sei, um seine Gewalt geltend 
zu machen; er erliess am 27. Februar einen feierlichen Pro- 
test gegen die ohne seine Zustimmung eingesetzte Eegierung 



*) V. Bohlen a. a. 0., S. .76. Pufendorf a. a. 0. IX. 49. 



_37_ 

und gebot derselben, ihre Thätigkeit einzustellen. Diesem 
Befehl des anerkannten Landesffirsten konnte man nicht um- 
hin Folge zu leisten: nach einer mit den in Stettin an- 
wesenden Mitgliedern der Stände erfolgten Berathung, legte 
die fiegierung ihre Gewalt in die Hände derselben nieder, 
nnd die Mehrzahl der übrigen Beamten folgte diesem Bei- 
spiele. Nun war also Pommern ohne Begierung. Die erste 
Wirkung hiervon war eine vollständige Anarchie im Lande; 
es ging so weit, dass nach dem Zeugniss eines Zeitgenossen 
der Gottesdienst auf dem Lande aufhörte; es wurde weder 
Taufe verrichtet noch das heilige Abendmahl gespendet und 
die ganze Bechtspflege war suspendirt*). 

Die brandenburgische Politik unter der Leitung Schwar- 
zenbergs hatte in ihrem Verfahren gegen Pommern sich 
ganzlich verrechnet und, anstatt die Interessen des Kurfürsten 
zu fördern, ihren Feinden in die Hände gearbeitet Man hatte 
die letzte gesetzliche Begierungsbehörde in Ponamem aufge- 
hoben und eine solche Lage der Dinge herbeigeführt, dass die 
schwedische Begierung sich nicht nur für berechtigt, sondern 
geradezu für verpflichtet halten musste, die Verwaltung zu über- 
nehmen und die Ordnung im Lande wiederherzustellen. Im 
April 1638 wurden hierüber von der schwedischen Begierung 
Berathungen gehalten, und man versäumte es dabei nicht, 
sich auch bei den in schwedischen Diensten angestellten 
deutschen Hofräthen Baths zu erholen. Das Besultat dieser 
Berathschlagungen war, dass Schweden die günstige Gelegen- 
heit benutzen müsse, „das Begiment in Pommern an sich zu 
ziehen"**). Kurz vorher, den 6. April, war Sten Bjelke nach 
langer Krankheit in Stettin gestorben, und man musste darauf 
bedacht sein, andere fähige Personen für die neue pommersche 



*} T. Bohlen a. a. 0., S. 20ff. 92ff. Fufendorf X, 16. Urk. und 
Act. I, S. 512-513. 

**) Protokoll des schwedischen Reichsrathes den 3., 5., 29., 30. April 1638. 
Pufendorf X, 17. 



38 

Begierung zu finden. Anfangs erhielt diese fi^ening einen 
mehr militärischen Anstrich, indem die Generalmajore AsA 
Lillje und Johann Lilljehoök (Mai 1638) zu GouFemenren von 
Vor- und Hinterpommern , und im November dieses Jahres 
der Feldmarschall Johann Baner zum Generalgonverneur nber 
ganz Pommern ernannt wurden. Diese Generale wurden in 
der Civilverwaltung durch untergeordnete, Schweden ergebene 
Personen, Assidtenzräthe genannt, unterstützt; die Seele der 
pommerschen Begierung wurde Johann Nioodemi LiUjestiröm, 
ernaunter Staatssecretär von Schweden, aber 1636 mach Pommern 
als Bjelkes AmtsgehöJfe gesandt. Lilljeström gehörte dean 
Kreise tüchtiger Beam(ben an, die aus der Schule Axel Ox^- 
stiernas henroigingen ; ein bürgerlicher Emporkömmling, wie 
Salvius, Bjomklou n. a., wurde er dessen ungeachtet in den 
wichtigsten diplomatischen und administrativen Geschäften 
vielfach verwendet; da aber seine Thätigkeit hauptsiichlieh 
in Deutschland in Anspruch genommen wurde, so iist ^ in 
der schwedischen Geschichte nicht nach Verdienst gewürdigt 
worden"^). Er erhielt nun ^n Auftrag, einon »Plan zmn 
Ordnen der pommerschen Biegierung zu entwerfen. Was 
der schwiedisohe Beichsrath durch seine Anstalten bezweckte, 
geht aus der geheimen Instruction, die Axel Lillje ertbeiU 
wurde, deutlich hervor. Er sollte zwar „die Stände caressiaten 
und sie bei guiter Humeur erhaltenes aber ihnen m^leieh 
Vorwürfe darüber machen, dass isie die üegierung hätten fall^ 
lassen; auch ihnen keine Gelegenheit g^ben, die VerwaltbaiDg 



*) „ So wie ich ihn als den gescheidtesten und muthigsten unter Allen schätze, 
so ist er zweifelsohne derjenige, auf den man sich vei'lassen kann*', schreibt 
Ä.xel Oxenstierna au seinen Sohn Johann den 20. Norember 1641, (Cijärw^ 
Sammlung I, S. 51). Lilljeström war in Oerebro, wo sein Vater Stadtrath 
war, 1597 geboren. Nach Tollendeten Studien an aus- und inländischen Uni- 
versitäten wurdie er in der Gaoadei angestellt und legte die ersten Proben 
seiner Tüchtigkeit als Axel Oxenstiernas Gouvernementssecretär in Prenssen 
seit 1626 ab. Generalcommiasar in Prenssen 1632; Staatasecreiär. ]i$86; ge- 
adelt in demselben Jahre. 



9$ 

wMer EU übenieiimeD, a(mdeni dafSr sorgen, dass „die Erona 
Sdrw&im gleiobsuD dazu gezwungen if«rde, sieh der Saclud 
äatsmiefcimen, wenn eine günstige Gelegenheit sich (kxhieim^ '''*). 
Die •pommeischen Siande kamen bald dahimtier, dass sie ajuif 
dem Weg waren, ihren früheiße& Einfliias zu verUetren, und 
^i^dton sich deshalb nodimals an den Eoirfirskn osiit der 
Bitte, dass er die Wiederherstellung dar Interimsregierung 
genehmigen mödite, aber auf Schwarzenbeirgs Bath wurden 
sie anch dieaes Mai, ohne Zweifel zur grossen Befriedigung der 
schwedisehan Regierung, abgewiesen. Sie sahen sieb daher 
endlich ges^iningai, einen Gesandten (Philip Hom) 1640 nach 
Stockholna zu sehidcen, um die schwiedische Begierung zu er*- 
suchen, Ordnung und Beeht im Lande wiederherzuatdle« und 
einen TAiMitag aussosohreiben ^i"). 

bidessen war eine Yeiwaltungsordiiung ^on LiUjeström 
entwerfen und von Axi^ Oxanabiema genehmigt wx)rdaii, wor- 
auf dieselbe der pommeirsdien Begiarung in einam Memorial 
vom 25. August füar 4en Oouvamaur uad die Assistenz- 
räthe mitgetheilt wurde. Nach dieser soUte die Begierung 
Fommeriis einstweilen y<hi ainem „Co^ilium atatus et belli- 
com ^^ in Stettin gebUdet werden, basteband aus dem Ganeral- 
gouvemeiür, dem ViaegouTemeair am Orte, aus ¥ier Assistenz- 
laiben und in Sachen dar Eammerai mit Beiziehung des 
Kämm^ers. In allgemeineren Fragen waren sieben namhsrft 
gemachte Poomiern und einige LandräAhe beizuziehen. Von 
den alten Yerwaltangsbehörden des Landes sollte ein Hofge- 
ridit und ein Gonsistorüun für jedan dar beiden Haas^ttheile 
P^M»meras wiederhergesteljlt werden. Das Siegel dar Hofge- 
rioMe sollte die ümsohrift haben: S^llum dieasterii Suaco- 
Pomeranici. 

Kurz darauf beschloss die schwedische Regierung, den 



*) Nebenuistractuiyu für LiUje vj&ifi ^, MßX l^S, Die. Regierung an Lil|je- 
stj^öm den 7. Jmii d. J. I^j^gistu*. 
.••) Vgl. Uxk. und Aot. I, S. 514. 



40 

Wunsch der Stände zu gewähren und einen Landtag auszuschrei- 
ben, wo man dann die Bestätigung der neuen Ordnung zu 
erlangen hoffte. Aber zu diesem Landtag wurden nicht alle 
dazu Berechtigten, sondern, wie es bisweilen in Schweden 
geschah, nur ein Ausschuss berufen. Der Zweck dieser Aus- 
merzung wurde jedoch nicht erreicht, denn der Ausschuss, 
welcher am 12. November sich in Stettin versammelte, zeigte 
sich allen schwedischerseits gestellten Anträgen sehr abhold 
und verwies Alles auf einen allgemeinen Landtag, der allein 
das Eecht und die Befugniss über solche Fragen zu entschei- 
den hätte; sie lehnten die beantragten Steuern sowie einen 
Gesetzentwurf zur Wiederherstellung des Schulwesens ab, sie 
behaupteten, Schweden überschreite seine Befugniss, und for- 
derten die Wiedereinsetzung der Interimsregierung. Hier- 
auf erwiderte man schwedischerseits, dass, da die Stände 
Alles ins Stocken hätten gerathen lassen, doch Schweden die 
Ausübung der Schutzmacht, die demselben nach dem Tode 
des Herzogs vertragsmässig zukäme, habe übernehmen müssen 
und dass es bis zum künftigen Frieden einen Theil der her- 
zoglichen Gewalt beanspruchen werde. Allein obgleich Lillje- 
höök, der bei der Zusammenkunft die schwedische Bione ver- 
trat, einen scharfen und drohenden Ton annahm*), so Hessen 
sich doch die Stände zu keinen eigentlichen Zugeständnissen 
bewegen, in welcher Haltung sie durch den neuen Kurfürsten 
. von Brandenburg, Friedrich Wilhelm (Georg Wilhelm war am 
2 1 . November gestorben) bestärkt wurden ; sie gingen deshalb, 
ohne irgend ein Besultat erzielt zu haben , im December des- 
selben Jahres auseinander, und Lilljehöok musste aus eigener 
Machtvollkonmienheit die ihm von der schwedischen Regierung 



*) „Die Schweden sind ob der Stände Hartnäckigkeit in solche Furie ge- 
rathen, dass sie öffentlich gesagt haben, sie wollten die AUiance den Ständen 
vor ihrem Angesicht zerschneiden", schreibt M. von Crockow dem Kurfürsten: 
Urk. und Act. I, S. 516. — Lllljeström wohnte der Versammlung nicht bei; 
er war im August 1640 auf einem Streifzuge von den Brandenburgern gefangen 
genommen worden, und wurde erst zehn Monate darauf losgelassen. 



41 

zur Wiederherstellung der weltlichen und kirchlichen Ordnung 
befohlenen Anstalten treffen*). 

In der Sitzung des Ausschusses hatten die Stände er- 
klärt, dass sie noch einen Gesandten nach Stockholm schicken 
wollten. Dies geschah auch im folgenden Sommer, indem 
Bernhard Tessin der schwedischen Regierung die Beschwerden 
der Stände und ihr Ersuchen der Wiedereinsetzung der In- 
terimsregierung überbrachte. Er kam im Herbst mit einer 
ausführlichen Antwort zurück, worin die schwedische Regie- 
rung die Rechtmässigkeit ihres Verfahrens zu beweisen suchte 
und die ganze Schuld auf die Stände selbst wälzte, indem sie 
erst die angenommene Interimsregierung sich hätten auflösen 
lassen und dann bei der Sitzung des Ausschusses im Jahre 
1640 ohne Resultat auseinandergegangen wären; übrigens 
wurden sie auf den Freiherm Johann Oxenstiema verwiesen, 
den Schweden zum Legaten bei dem bevorstehenden Friedens- 
congress ausersehen hatte, und der die Weisung erhielt, ihren 
Klagen abzuhelfen**). Man hatte nämlich Johann Oxen- 
stiema beauftragt, ehe er sich nach Osnabrück begebe, sich 
einige Zeit in Pommern aufzuhalten, um die Verwaltung da- 
selbst zu ordnen. Er traf im October 1641 ein und blieb 
dort bis zum Mai 1643, wo er die Reise nach dem Gongress- 
orte fortsetzte. Er war mit einer ausserordentlichen Gewalt, 
in Pommern zu schalten und zu walten, bekleidet und hatte 
in allen Fragen das „Votum decisivum". Seiner Instruction 
gemäss sollte er die Stände weder zu einer Ausschussver- 
sanmilung noch zu einem allgemeinen Landtag einberufen 
— wenn nicht etwas Besonderes dabei zu erreichen wäre — , 
sondern er sollte nur „effectu*' und „tacite" der Krone 



*) Pofendorf XII, 88; v. Bohlen a. a. 0., S. 22ff.; Urk. und Act. 
I, S. 515. 

**) Die Besolntion der Yormundschaftlichen Regierang Yom 30. October 
1641 ist gedmckt bei v. Bohlen a. a. 0., S. lOOff. 



48 

„vim imperii^ >erbalten*). Als Oebilfea wnfäen ihm der 
mit den pommerschen YerhältmsaeiL vertraute Lilljestrdm ab 
^.Staatsiniaister ^' ub^ Präsident der ponämersefaen Oonzlei, 
mwiß der eiBgebame Pommer Alexander Endteia b^gegaben. 
Lüljehöök, der bisherige Vorsitzende des pcnsamerschen Staateh 
rathes, wmie zur Armee berufe, und der necue General-^ 
g4j>uverneiir von Pommern, der Peldmarschall Lennart Torstens- 
son, konnte sich naitarliieh ni^t unmittelbar naii d^er Begie* 
rang Pommerns beschäftigen. Es. waren daher Johaui 
Oxenstierna, Erskein und Lilljeström, und vom Mai 1643 an 
letzterer alkin, welche die Cävilverwaltnmg öbeni^meQ und 
die netie Ordckung in Pommern einfühirten. Das grösste Yer- 
diesst dabei gebührt unleugbar Lilljeström. Jetzt wurden die 
beiden Hofgerichte und CoBsistorien sowie die ünivenäUt 
von Greifend wiedeitergestellt und neu geordnet, und ein 
voU^ndiger Plan für die pommersche Verwaltung entwor- 
fen*'''). Die Zusammensetzung des Staatsrathes erlitt einige 
V'^räDderuttg : er solUe aus dem Gouverneur von Std)tin und 
fünf A'Ssistenzräthen bestehen, von denen zwei vearzugsweise 
in VoriioaKunern funotioniren und nur in wichtigen Frag^ 
nach Sitettin berufen werden sollten. Zu Verwalbiogsorganen 
wurden nur diejenigen verwendet, welche Schweden und dess^ 
Hensdhaft (gewogen waren, lund der Eid der Treue ward der 
Konigin von Sdiw^en, in deren Naaaen die Begienuag ge- 
fuhrt mid Becbt gepflogen wurde, geleistet. Die sdiwedische 
Eiegiemng begann zu Gunsten ihrer Qfi&ciere und andnerai 
Diener in Deutschland über die Staatsdomänen zn Vferf%en; 
von diesen Belehiuu^n waren die meisten sc^nannte C!on- 
cessionen auf zehn Jahce, jedoch kamen auch wirkliche 
Schenkungen vor. 

*) Memorial für Johann Oxenstierna den 5. October 1641: Die Regierung 
an Lilljeström den 80. October dieSjes Jabjre^ J^registr. 

**) Die Instruction und der Plan für die pommersche Regierung wurden 
Ton der Regierung am 13. September 1645 be&t&tigt. Von Riesen Acten fehlt 
die erstere, der Plan aber findet sich unter den .Goncepten «or i^rtegistr. 



43 

Ein Theil der pommersdnen Verwattni^ — und zwar 
niciKt der am ivteni^tan wichtige — war vou yomherein der 
Gfewatt der pommeraeheH Begierung entzogen. Es war die Ver- 
waltung der sogenuinteu Lioenten. Wir haben «der wicbtigein 
Solle, weiche das Zoll- und Licentenwesen im sehwediachen 
FmnEByakem hielte, bereits gedacht and erwähnt, wehren 
Einflnss es auf die deutsche Politik Schwedens ausübte*). 
IMe Lioenten wurden nach ürobemang der preusnscAien Häfen 
ekgefohrt. Zwar wurde durch den Waffenstillstand vea Alt«- 
mait 162!9 festgestellt, dass alle Zölle so bleiben sollten, wie 
sie mst dem Kriege waren; aber diese BestuaunEUg .Uieb ein 
todter Buchstabe; sie wurde thatsäohlioh schon Amrch den 
SefaratvertTag Schwedens mit Danzig vom 18/28. Februar 
1-630 aufgehoben, denn durch doiesen Vertrag wuvde Schweden 
nicht nm- 4)ere<äitig[t, tqcl 4ea im aüe in Danzig ans* nnd 
eingehenden Waasan zn enträcht^Mlen 5^ Proceat 3| Fsocent 
zu ^erhadrten^ sondern es wurd« attdi verpfliclhtet , denselben 
ZoH in PiUau zn erbeben, damit der Handels^verle^r nicht 
Dach letzterem Ort gesiogen wuvde. Dann wurde das seue 
ZoUsj^steoi Y4iin Asel Oxenstierna mit Beihülfe des vorher ge- 
nafinten fiolüänders Feter Sfiring '>''*') geordnet, und letzlterer 



*) Vgl. S. '6. JHe Beihevtimg des LieoitonweseDS 'giebt Axel Oxenstierns 
selbst folgendermassen ^n: „Die Lioenten in der Ostsee, wofern sie in dem- 
selben Stand, worin sie jetzt sich befinden, verbleiben, werden nicht nur die 
ProTlnzön, weilche der selige 'König der Obren Schweden unterworfen^ aonser- 
Tiren, und zwar ohne Belästigung der Ghron, sondern auch die Mittel fourniren, 
am die Chron zu Wasser und zu Lande zu verstärken und den Krieg gegen 
sowohl den einen als den andern Nachbar zu fahren, imd zwaor ohne einige 
Beschwerde oiter Belästigung der Unterthaaen/' U. S. G. 26, S. 90 ff. — „ja 
zu ihrem Emporkommen mid besonderen Qedeihen", beicst es an einer andern 
Stelle: -ü. S. G. 26, S. 268. 

**} Dieser merkwürdige, in unserer Geschichte nur zu wenig gewlindi^e 
Mann iiatte seine Laofbahn als Kanfmann in Jlelft ^egemien, trat in schwedische 
l^enste i627 (?) nnd erwarb sich durch seine nngewöhnliohe BrKncfhbarkeit und 
seine Einsicht ins Handelswesen Axel Oxenstiemas besonderes Vertrauen. £r 
wurde von diesem in mehreren wichtigen AngelegenheiteB , z. IB. beim Erlass 
der neuen .Zoll- -und Navigationsordnung von 1636, bei der Kolonisation Neu- 
Schwedens u. s. w. zu Bathe gezogen. Er wurde 1686 unter dem Namen 



44 

ward nebst seinen Brüdern, Isaak, Arendt und Dietrich als 
Verwalter der Zölle in Preussen und in den Ostseeprovinzen, 
woselbst ein gleichmässiges Licentensystem eingeführt wurde, 
angestellt. Die Ergiebigkeit dieser Zölle erhellt daraus, dass 
im Jahre 1634 die preussischen allein mehr als 800000 
Eeichsthaler einbrachten; nach Erklärung des Canzlers be- 
trugen sie die Hälfte der gesammten Staatseinnahmen Schwe- 
dens*). Aus diesem Grunde widersetzte Oxenstiema sich 
auch der Abtretung der preussischen Häfen aufs eifrigste und 
nahm den Waflfenstillstand von Stuhmsdorf nur mit Wider- 
willen an. Es war nicht nur die bedeutende Verminderung 
an Einnahmen, was er dabei im Auge hatte; sondern auch 
der Umstand, dass die Licenten nur dann mit Vortheil aus- 
genutzt werden konnten, wenn Schweden die ganze Ostsee- 
küste beherrschte, denn anderenfsdls würden die hohen Zölle 
den Handel nach benachbarten, billigeren Häfen ziehen. Es 
waren auch nach der Eroberung Wismars im Januar 1632 
sämmtliche Ostseehäfen (bis auf Lübeck und die dänischen) 
in Schwedens Gewalt**), und das Spiringsche Licentensystem 
wurde bald auch in den pommerschen und mecklenburgischen 
Häfen eingeführt. Die bereits erwähnten „Defensionspacta" von 
1630 zwischen Schweden und Pommern gaben die Anregung zu 
dieser Massregel; denn in Folge derselben wurde Schweden 
das Kecht eingeräumt, in allen Häfen Pommerns sowie auf 
dessen Flüssen einen Zoll von 4^^ Procent zu erheben, wovon 



Silfvercrona geadelt und in demselben Jahre zum Finanzrath und schwedischen 
Geschäftsträger in Holland ernannt. Auch als solcher verwaltete er fort- 
während durch Unterbeamte das schwedische Licentenwesen. Vgl. seine er- 
neuerte Vollmacht vom 2. August 1642. Rregistr. Er schrieb sich eigentlich 
Spieringk. 

*) Odhner, Die innere Geschichte Schwedens unter den Vormündern der 
Königin Christine, S. 51, 289. Preussisches Hauptbuch für 1634: Archiv des 
KriegscoUegiums. 

**) Auch bei den kurländischen Häfen Windau und Libau erhoben die 
Schweden Zoll , obgleich dies in dem Vertrage nicht ausdrücklich zuge- 
lassen war. 



45 

Schweden 3^ Procent behalten sollte, aber 1 Frocent dem 
Herz(^ überlassen. Auch in den mecklenburgischen Hafen 
behielt sich Schweden durch den Vertrag vom 28. Februar 
1632 das Recht vor, Licenten zu erheben. Die preussischen 
Licenten wurden der ganzen Küste entlang in Anwendung 
gebracht und eine darauf gegründete Licentenordnung für 
Pommern^ und Mecklenburg unter Axel Oxenstiemas Leitung 
entworfen und dann in Mainz den 5. April 1632 erlassen. 
Die sämmtlichen OstseezöUe von Beval bis Wismar wurden 
unter Aufsicht des Beichscanzlers den Brüdern Spiring als 
Verwaltern überlassen; sie legten für die Einnahmen Bechen- 
schaft ab und erhoben als Gehalt anfönglich 5, schliesslich 
6| Procent. Somit lag es sowohl in ihrem als in des 
Staates Interesse, die Zolleinnahmen so hoch als möglich zu 
steigern, und dies konnte, da der Procentsatz festgesetzt 
war, nur dadurch geschehen, dass man die Waaren auf den 
m^lich höchsten Werth schätzte. Da nun die Waaren- 
schätzung in den Händen der Oebrüder Spiring lag, und die 
Begierung ihnen keine Hindernisse in den Weg legte, so wurden 
die Zölle in einem im Ostseehandel bisher unerhörten Grad 
gesteigert. Dies musste auf die dadurch betroffenen Länder sehr 
nachtheilig einwirken , für den schwedischen Handel aber, der 
meistentheils von Licenzen frei war, wurde jenes System eine 
Quelle des Aufblühens, was vielleicht auch beabsichtigt war *). 
Die schwedische Begierung wurde mit Beschwerden theils von 
den Ostseestadten, theils von den mit diesen verkehrenden aus- 
ländischen Staaten überhäuft; man klagte, dass man für einige 
Waaren 20 bis 25 Procent des Werthes bezahlen müsse. Die 
Unzufriedenheit hierüber und der Hass traf zunächst die Ge- 



*) So wurde z. B. der Verfall der deutschen Kupferindustrie eine Folgte des 
hohen Zolles, der auf deutsches Kupfer gelegt wurde; die Arbeiter Hessen sich 
bewegen nach Schweden zo ziehen, und die Gewinnung schwedischen Kupfers 
nahm einen bedeutenden Aufschwung. Vgl. ein Gutachten über diese Sache 
an den deutschen Reichstag in Begensburg 1641: Urk. und Act. I, S. 749ff. 



46 

Iwrflder Spiring, wölehe ihre gtosse Macht auch mit elfter 
gewissen Härte und Willkülr gebraödbt zu habe» schelneß. 
Naeh Abttetuflxg der preassiscfaen H&fen sank der Totalbetrag 
d^r Einkünfte bedeutend; obgleieh die schwedidcbe Erotie 
nach dem Tode des Herzogs auch dessen Antheil tau den 
pommerscben Licenten sich aneignete, betrugen die neird- 
deütsdien Licenten und der Contributionen zusammen kaum 
noch 300000 Böicbsthaler jährlich. Sie WöMen f<»twähtend 
von Feter Spiring, nachdem die übrigen Brüder 1635 ätis 
däm schwedischen Dienst ausgetreten waren, verwaltet*). 

Während also die schwedische Begiemng auf alle Ge- 
biete au^edehnt wurde und sich immer m^ir befestigte, 
setzten die pommerschen Stände die Opposition gegen dieselbe 
fort. Sie traten 1643 aus eigenem Antrieb in Stettin zu- 
sammen und setzten gewisse permanente Ausschüsse, welche 
die Freiheiten und Bechte des Landes gegen die Behörden 
Wahren sollten, ein; sie wäMten femer zwei BevoUmäch- 
tigte, die sie beim westphälischen Friedensoongress vertret^Hi 
und ihre Interessen im engsten Anschluss an den EnrfQrsten 
von Brandenburg verfechten sollten. Diese BevoUmäc^htigteii, 
die sich im Herbst 1645 in Osnabrück einfanden, hatten also 
hauptsächlich die Aufgabe, den Plänen der Schweden beim 
Friedenscongress entgegenzuwirken. In Pommern machten na* 
mentlich die vorpommersehen Stände Opposition. Sie hatten, als 
das vorpommersche Hofgericht in Greifswald 1642 organisirt 
wurde, einen scharfen Protest gegen diese ohne ihre Genehmigung 
getroffene Maasregel erhoben, und bei einer Zusammenkunft im 
Sommer 1645 setzten sie eine Schrift auf, in welcher sie alle 
ihre Elagepunkte gegen die schwedische Begiemng zusammen^ 
fassten. Man habe ohne Zustinmiung der Stände Aemter 
eingerichtet, Stellen und Domänen an Fremde^ welche die 



*) Odhner a. a. 0., S. 69. 239. 289. — Protokoll dM schwediflGhen Reielis- 
ratbes. Urkunden md Acten I, S. 10. 22. . Pommerseh« Klagsehrift Aber die I 

Licenzön in „Baltische Studien", Bd. VI, 1. S. 109—110. 



47 _ 

Eingebomen verdrängt hätten, verschenkt; die alte Justiz- 
Ordnung sei durch die neue Regierung beeinträchtigt worden 
u. s. f. Die Schrift, welche an die Regierung in Stockholm 
eingereicht wurde, gab zu einer speziellen Untersuchung vor 
der pommerschen Staatscanzlei Anlass, wo man das Unbe- 
gründete und Unberechtigte der Beschwerden darzuthun suchte. 
Kurz darauf wurde das Geschick Pommerns im Westphälischen 
Friedenscongress entschieden und dadurch die pommersche 
Opposition zum Schweigen gebracht*). 



*) Die Regierung an Joh. Oxenstierifa den 14. Mai, 30. Juli und 24. Decembcr 
1642; an Lilljeström den 8. October d. J. , den 15. Juli 1643, Rrgistr. Die 
Klagsdirift d«r pommerselien Stände von 1645 in Oxensticrnas Sammlung, 
ftifefidorf, Stföc. XlV, 42. Urk. u. Act. I, S. 517. Chemnitz a. a. 0. IV, 
2: 1&. 29. 44. 58; 3: 12, 81. 



" v^"^y^>^X s^ v^' 



m. 

Uebersicht der deutschen Politik Schwedens 
und der Unterhandlungen, welche dem West- 
phälischen Friedenscongress vorausgingen, von 

1636 bis 1643. 



Während also die schwedische Eegierung ihre Herrschaft 
in Pommern zu einer vollzogenen Thatsache machte und sich 
in allem als eine Gebieterin des Landes betrug, wurden die 
diplomatischen Verhandlungen, wodurch die Anerkennung der 
Rechtmässigkeit derselben schliesslich herbeigeführt wurde, fort- 
gesetzt. Wir werden nun den Gang dieser Unterhandlungen vom 
Herbste 1636 an, wo sie wieder angeknüpft wurden, schildern. 
In den neun ersten Jahren kam es in der That nur zu Ver- 
suchen und Vorbereitungen; diese einleitende Periode ist des- 
halb zu einer übersichtlicheren Darstellung geeignet. 

Im Sommer 1636 war Axel Oxenstiema nach Schweden 
zurückgekehrt, nachdem es sich herausgestellt hatte, dass die 
unter Vermittlung von Kursachsen, Mecklenburg und Däne- 
mark angeknüpften Unterhandlungen zu keinem Resultat 
führen würden. Sie waren hauptsächlich an der Weigerung 
des Kaisers und des Kurfürsten, Garantien zu leisten iur 



49 

die Schweden in Aussicht gestellte Entschädigung an Geld und 
für die Amnestie der deutschen Bundesgenossen, so wie an 
dem Widerwillen Oxenstiernas, Frieden auf ungünstige Be- 
dingungen zu schliessen, gescheitert. In Schweden selbst 
war das Verlangen nach Frieden so gross, dass, wenn man die 
Begierung hätte gewähren lassen, Schweden sich mit einer 
Entschädigung an Geld für seine ausländischen Truppen, mit 
der Amnestie der Deutschen, die seit 1630 Schweden gedient 
hatten, und der kaiserlichen Batification des Friedensschlusses 
begnügt hätte*), und auf solche Bedingungen wäre möglicher- 
weise der Friede zu erlangen gewesen. In Betreff dieser 
Friedensbedingungen äusserte der Ganzler in seiner Instruction 
far Sten Bjelke und Salvius, welche er als Schwedens Be- 
vollmächtigte, ersteren in Stettin, letzteren in Hamburg, 
zurückliess, „dass er sie mit Beverenz annehmen und un- 
widersprochen lassen müsse ^^; aber in der That wurden sie 
dem Feinde nie angeboten, sondern der Canzler befahl bei 
seiner Abreise den beiden Diplomaten, zwar die Unterhand- 
lungen fortzusetzen, am liebsten auf einem zu diesem Zweck 
einzuberufenden evangelischen Gonvent, aber bezüglich der Be- 
dingungen weitere Vorschriften vom Hause abzuwarten**). 

Nach seiner Bückkehr nach Schweden wurde es dem 
Ganzler nicht schwer, im Beichsrathe seine Meinung durch- 
zusetzen, dass der Krieg mit Kraft fortgesetzt werden müsse, 
bis Schweden seinen drei Hauptforderungen, „Satisfaction der 
Krone, Gontentement der Soldateske und Bestitution der Pro- 
testanten ^S Gehör verschafft hätte. Kurz darauf kam die 
Nachricht von dem Sieg bei Wittstock, wodurch seine Politik 
gerechtfertigt und begründet erschien. Diese Politik ent- 



*) Memorial der Regrierung an Salvius vom 28. April 1636: Acta Salviana 
i. S. A. Er sollte im Nothfall selbst sich an die deutschen Böte begeben, um 
Frieden anzubieten. 

**) Instruction und Nebenmemorial des Canzlers für Sten Bjelke, Memorial 
fQr Salyius, sämmtlich vom 22. Juni 1636; seine Instruction fttr Bjelke, SaMus 
und Steinberg den 29. Juni d. J.: Acta SaMana. 

Odhner, Politik Schwedens. 4 



60 

wicMte der GanzliBr ihren Häuptzügeü nach in den von ihm 
rerfassten, am 14. December 1636 vom Eeichsrath Ange- 
nommenen ,^ ßathschlagen *S welche die Norm für die äussere 
tvitö für die innere Politik der vormundschaftlichen B^e- 
rung in der nächsten dsurauf folgenden Zeit wurden. In 
üebereinetimmung hiermit wftren die Instructionen, welche 
der Oanzier 1637 8ten Bjelfce und Salvius als i^chtscfaaut 
ihrer ünterhandlungeii in Deutschland ertheilte, abgefasstv 
Man ersieht aus diesen Instru<;tionen , dass Axel Oxenstietna 
zwar augenblicklit^ die alten Pläne zur ütägestaltttng des 
deutschen Eeicheis aufgaben hatte, dass er aber fortwährend 
an dem Qedanken Gu«ibav Adolphs, Schweden die Herrschaft 
über die norddeutschen Häfen zu verschaffen, festhielt. Zwar 
hi^Bs m^ dass Schwteden im äussersten Nothfalle sich mit 
Yc^diü^mern bis £ttr Peecte^ mit Bügen, Usedom und Wollin> 
Wismar und Wamemüiide, nebdt dazu g^ötigen Licenten, 
Alleä ^Is Sidüieirheit fQr die Summe Von 3 Millionen Reichs^ 
i^d^edi begnügen k^ne; da abe!r der Zahlungstermih auf 20 
bis 3Q Jah)iö attUgedehnt WUrde^ so lieEts ^ek die eigentiiche 
Absicht leicht en'äliiem Ausserdem sollte die Armee den 
Sold i^iAijget Mx)tiate erbalteü; Wias die deutschen Stände be^ 
t^f, #> ^Ite jädiä bis aufe äusdetBte allgemeine Amnestie 
und lle^tütiieki veü'langen^ ä^yet '^n^ich^ wenn die übrige 
F^tlMe genebnäigt l^t^en^ diese Ford^nilig Mlen lassen 
iBitA ä.€k teit dem Y^pt^ddüen das Kaisers, auf Schwedens 
beBdnd:ei'e V^wtodung den grösseten Theil der im Pmger 
Frieden auisgeBciilcyss^nen Stönde ^u ,^fav6risifipn'', beugen. 
iSchW^^ köniüe nitnlleh niökt einen endlosen Krieg ^^för 
smder^v dife m wenS^ Etkeinntfiehkeit dafür ^gtem'S 
fahren*). 

Bjelke und Salvius brauchten auf eine Gelegenheit, die 



*) Insthic^ion far B|ell?e tMid SalWtis d«h SS. ü&rz l<6d7, Memorial ffir 
Salvius den 14. September d. J.: Acta Sulvlana. 



51 

FriedensYerhandliiDgen wieder aofzimehmeii , nicht lange zn 
warten. Die Schlacht bei Wittstock scheint diesen Unter- 
handlungen neuen Schwung gegebm zu haben; Ende des 
Js^es 1636 wurden die Friedensverhandlungen wieder auf- 
genommen und bis zum Friedensschluss ununterbrochen fort- 
gesetzt. Friedensvennittler meldeten sich von verschiedenen 
Seiten, Unterhandlungen jeglicher Art, geheime und öffentliche, 
abenteuerliche und ernstliche, separate und allgemeine, wurden 
angeknüpft. 

Als die Unterhandlungen im Frühjahr 1636 ins Stocken 
gerathen waren, hatte Axel Oxenstiema sich wieder Frank- 
reich genähert, welche Macht alles aufbot , um Schweden im 
Kriege festzuhalten und es vom Abschluss eines Separatfrie- 
dens mit dem £[aiser abzuhalten. Oxenstiema hatte sich be- 
wegen lassen, in Wismar einen neuen Bandesvertrag mit Frank- 
reich zu schliessen. Dieser Tractat wurde jedoch eben so wenig 
als der in Compiegne 1635 verabredete von der Eegierung 
ratiSzirt ; der Canzler wollte nämlich durch diese Verträge dem 
Feinde zeigen, dass die alte Freundschaft zwischen Schweden 
und Frankreich noch ungeschwächt bestünde, aber er wollte 
nicht, dass Schweden sich definitiv mit Frankreich verbände, 
ehe jede Aussicht auf einen vortheilhaften Separatfrieden da- 
hin wäre. Auch wollte er dem Vorschlag Bichelieus, dass 
Schweden nebst Frankreich an dem Friedenscongress, der im 
Begriff war sich in Köln zu versammeln, Theil nehmen sollte, 
nicht beitreten. Der Papst Urban ViJUL. hatte diesen Con- 
gress beantragt und seine Vermittlung dabei angeboten; so- 
wohl er als der Kaiser und Spanien beschickten denselben« 
Auch Frankreich hatte in den Congress eingewilligt, suchte 
aber vergebens Holland und Schweden zur Theilnahme 
daran zu bewegen. Die schwedische Eegierung erklärte, dass 
die Vermittlung des Papstes weder Schweden angeboten wor- 
den, noch annehmbar sei; und dabei im Schlepptau von 

Prankreich zu erscheinen, sei der Würde der Krone zu- 

4* 



52 

wider*). Um diese Bedenken zu fiberwinden, bewog Frank- 
reich die Eepublik Venedig, Holland und Schweden ihre 
Vermittlung beim Kölner Congress anzutragen (März 1637). 
Holland nahm das Anerbieten sofort an. Die schwedische 
Regierung dagegen war mit der unvollständigen Titulatur im 
Schreiben der Republik unzufrieden und gab erst den 
30. December ihre Antwort ab, worin sie die Vermittlung 
allerdings annahm, ohne sich aber besonders eifrig dafiir 
zu zeigen; man befürchtete nämlich, die Republik würde 
sich um das Interesse Schwedens wenig kümmern und sich 
für die katholischen Mächte parteiisch zeigen. Schweden 
wünschte am liebsten, im Zusammenhang mit dem Kölner 
Congresse ohne alle Vermittlung unmittelbar mit dem Kaiser 
in Hamburg zu unterhandeln. Diese Bedenklichkeiten Schwe- 
dens waren die Ursache, dass auch Frankreich den Kölner 
Coügress bis auf weiteres nicht beschickte, und dass der 
Graf D'Avaux, welcher im April 1637 zu Prankreichs Be- 
vollmächtigtem in Deutschland ernannt wurde, sich nicht nach 
Köln begab, um am Priedencongress Theil zu nehmen , son- 
dern nach Hamburg, um das Bündniss mit Schweden zu 
schliessen. 

Gleichzeitig mit diesen Unterhandlungen über einen 
Universalfrieden wiederholten sich die Versuche, Schweden 
zum Separatfrieden mit dem Kaiser zu bewegen und dadurch 
den Abschluss des Bündnisses zwischen Schweden und Prank- 
reich zu verhindern. Zum September 1636 hatte der Kaiser 
einen Kurfürstentag . nach Regensburg berufen, um die Wahl 
seines Sohnes zum römischen König zu erwirken und mit den 



*) Die Besolutionen der schwedischen Regierung an den französischen Ge- 
sandten D'ATaugour den 26. November 1636 und 6. Februar 1637: Wahren- 
bergsche Sammlung. Die Gesinnung des Papstes gegen Schweden erhellt zur 
Gentige aus der Instruction, die er seinem Legaten ertheilte: dieser solle sich 
jeder Abtretung an Schweden widersetzen, denn die göttliche Barmherzigkeit 
würde schon Mittel finden, diese Nation aus Deutschland zu entfernen. 
Bänke, Die römischen Päpste, Bd. II, S. 565. 



53 

Kurfürsten über den Frieden zu berathschlagen. Durch die 
Nachgiebigkeit des Kurfürsten von Brandenburg für die Wünsche 
des Kaisers gelang es diesem , seinen Willen in Bezug auf 
die Königswahl, die Amnestiefrage und den Frieden durch- 
zusetzen. Die Kurfürsten von Brandenburg und Mainz wur- 
den zu Bevollmächtigten des Kurfarstencollegiums ernannt, 
um nebst dem Kaiser die Friedensunterhandlungen mit 
Schweden zu Ende zu bringen. Eine Anregung zu neuen 
Verhandlungen mit Schweden bot sich bald dar. Der hollän- 
dische Geschäftsträger Foppe van Aitzema hatte nämlich auf 
Aufforderung des Kaisers sich an Salvius in Hamburg ge- 
wandt und ihn durch seinen dort befindlichen Sohn fragen 
lassen, ob Schweden direct mit dem Kaiser in Wien oder 
Prag unterhandeln wolle. Salvius gab eine ausweichende 
Antwort*), die jedoch von Aitzema als bejahend gedeutet 
wurde, und demzufolge wurde der Markgraf Siegmund von 
Brandenburg, den die Schweden sehr gut kannten, ersucht, im 
Namen der beiden Kurfürsten mit dem schwedischen Legaten 
in Stettin Sten Bjelke Unterhandlungen anzuknüpfen. Mit 
diesem fing der Markgraf einen Schriftwechsel an und erhielt 
von Bjelke die Antwort, dass zwar von einer Gesandtschaft 
an den kaiserlichen Hof die Bede nicht sein könne, dass er 
aber Willens sei, entweder den Markgrafen in Stettin zu em- 
pfangen oder ihm an einem dritten Orte zu begegnen. Die 
Zusammenkunft fand am 1. März 1637 in Yierraden Statt. 
Bjelke erklärte sich dabei bereit und ermächtigt, sich in 
Friedensunterhandlungen einzulassen, forderte aber zugleich 
als erste Bedingung, dass der Markgraf nicht nur vom Kur- 
fürstencollegium, sondern auch vom Kaiser, als dem eigent- 
lichen Gegner Schwedens, die nöthigen Vollmachten erhielte. 
Nachdem diese Vollmachten von Wien angekommen waren. 



*) SaMus an den Canzler den 3., 17. und 31. December 1636. Ozenstiernas 
Sammlung in S. A. Instruction dea Kurfürsten von Brandenburg für dessen Qe" 
sandte in Osnabrück den 28. Januar 1645: Urk. nnd Act.]^IV, S. 365. 



54 

wurde eine neue Zusammenkunft am 1. Juni, jedoeh nicht 
zwischen dem Markgrafen und Bjelke, sondern zwischen ihren 
Subdelegirten , für Schweden Lilljeström, für Brandenburg 
V. d. Borne und Promhold, abgehalten. Auf beiden Seiten 
wurden Anmerkungen gegen die vorgelegten Vollmachten ge- 
macht und verschiedene Meinungen in Betreff des für die 
Unterhandlungen zu wählenden Ortes geäussert, indem die 
Schweden. Hamburg , der Kaiser Prankfurt a. d. 0. vorzog. 
Hierüber entspann sich ein weitläuftiger und in Polge der 
Kränklichkeit Bjelkes langsamer Briefwechsel ; die Entscheidung 
musste den betreffenden Höfen in Wien und Stockholm anheim^ 
gegeben werden, und die Sache zog sich in die Länge. Der 
Kaiser, dem es daran gelegen war, Prieden zu schliessen, wäh- 
rend er noch vom Waffenglück begünstigt war, gestattete endlich 
seinen Unterhändlern, in Bezug auf die Vollmachten und den 
Ort nachzugeben. Auch Bjelke rieth zum Nachgeben, aber 
Axel Oxenstiema war jetzt weniger als je zum Prieden geneigt, 
„denn", schrieb die Eegierung an Bjelke, „Prieden vom 
Gegner zu erbetteln, ist nicht practizirlich, es ist fast besser 
und reputirlicher, sich mit Gewalt ganz hinausjagen zu lassen, 
als sich dermassen zu prostituiren"; darum müsse man in 
der gegenwärtigen, misslichen Lage „unsere Concilien mehr 
auf die Oontinuation des Krieges dirigiren, als uns einige 
Hoffnung auf erfolgreiche Unterhandlungen machen." Die 
Eegierung hatte von vornherein nicht viel von der branden- 
burgischen Vermittlung erwartet; diese wurde noch mehr er- 
schwert, als nach dem Tode des Herzogs von Pommern die 
Stimmung immer bitterer, der Streit immer schärfer zwischen 
der schwedischen und brandenburgischen Partei wurde. Die 
Unterhandlungen wurden lässig geführt und hörten mit dem 
Tode Sten Bjelkes gänzlich auf*). 



*) Die DarsteUung der Unterhandlungen zwischen Schweden and Branden- 
burg 1637 grQndet sich auf Acten des Königl. Preuss. Staatsarchivs zu Berlin, 
besonders auf die Briefe des KurfUrsten von Mainz an den Markgrafen vom 



5 5 

unter allen Friedeosv^rmittleni , die zu Unde des Jahres 
1636 ihre Dieasto anboten, begegnete die schwedische Be- 
gierung keinem mit grösserem Vertrauen als dem Herzog 
Angost von Braunschweig-Lfineburg ; er war nftmlioh ia keiner 
Weise an der Sache betbeiligt, ausserdem ein kluger Mann 
und stand in viel grösserem Ansehen als der Markgraf von 
Brandenburg. Auf seine Veranstaltung wurde eine Unterband^ 
lung in Hamburg zwischen Salvius und dem kaiaerlioben Ge^ 
sch&ftsträger Menzel angeknüpft, und dem Herzog ward die Voll- 
macht des Kaisers zu den Verhandlungen in Aussiebt gestellt. 
Da aber der Herzog und die übrigen OKeder des brauscbweig- 
luneburgiscb^ Hauses auf allgemeine Amnestie als Grundbe- 
dii^ung, sowie auf das Becht der deutschen Stände, an den 
Friedensunterhandlungen Theil zu nehmen, bestand"^), so ge- 
nügte dies, um ihn dem Kaiser missliebig zu machen. Von 
grösserer Bedeutung wurden die Friedensvermittlungen der 
Herzöge von Sachsen - Lauenburg. Erst wandte sich Herzog 
Franz Albrecht an Banör, als dieser bei Torgau stand, so wie 
an Salvius in Hamburg, und da er schwedisch^^seits ermuntert 
wurde, begab er sich nebst seinen Brüdern Heinrich Julius 
und Franz Karl im Sommer 1637 nach Wien, um dort für 
die Sadie zu wirken. Anfangs gab der Kaiser, i&c mit dem 
brandenburgischen Handel beschäftigt war, eine abschlägige 
Antwort, so dass Franz Albrecht das Unternehme aufgab 
und Wien Verliese. Aber die beiden anderen Brüder und 
ihr dienstfertiger Bathgeber Dr. Miethof, der früher in 



20. December 1686^ des Markgrafen an den KnrfOrsten Ton ßrandenborg vom 
4. März 1637, desselben an Bjelke vom 21. December 1636, 6. und 30. Jani, 
19. Jnli 1637, des Kaisers an den Kurfflrsten von Brandenbarg vom 15. April, 
17. Juli, 17. August, 10. October 1637; Bjelke an den Markgrafen den 24. Januar, 
24. Juni, 25. Juli, an die Subdeligirten den 29. August, 30. Noyember und 
1. t)ecember 1637. Bericht der Subdeligirten vom 3. Juni, Briefe derselben an 
Bjelke den 23. August, 16. OctQber 1637- Vgl. auch die Briefe der Regierung 
an Bjelke Tom 23. Juni, 7. August, 9. December 1687: Kregistr. 

*) Brief der Herzöge an den Kaiser und das Kurfürstenoolleginm vom 16. April 
1687: Copie im Königl. Prenss. Staatsarcbiy in Berlin. 



66 

schwedischen Diensten angestellt gewesen war, setzten ihre 
Bemühungen theils in Wien, theils bei Salvius in Hamburg 
mit grossem Eifer fort. Die schwedische Regierung hatte 
diesen neuen Versuch sehr günstig aufgenommen, wohl zu- 
nächst um dadurch von den Verhandlungen mit Brandenburg 
und der Vermittlung, welche der König von Dänemark den 
kriegführenden Parteien von neuem aufzudringen suchte, los- 
zukonamen, aber zugleich um noch einen Versuch zum Separat- 
frieden mit dem Kaiser zu machen, ehe man sich unwider- 
ruflich mit Frankreich verbände. Salvius erhielt aus Schwe- 
den eine neue Vollmacht und Instruction, und er würde den 
Frieden mit dem Kaiser wahrscheinlich abgeschlossen haben, 
wenn die Kaiserlichen die Sache beschleunigt hätten und auf 
das Ultimatum Schwedens, Vorpommern mit Wismar und 
Wamemünde als Unterpfand für 3 Millionen Reichsthaler, 
sowie Besoldung seiner ausländischen Truppen zu erhalten, ein- 
gegangen wären*). Da es aber immer deutlicher wurde, dass 
der Kaiser mit diesen Unterhandlungen nur die Trennung der 
Kronen Schweden und Frankreich herbeizuführen bezweckte, 
so wählte Schweden die andere Alternative und beschloss das 
Bündniss, welches Axel Oxenstiema schon im März 1636 mit 
St. Ohaumont verabredet hatte, dessen Ratification aber 
stets von der schwedischen Regierung hinausgeschoben worden 
war, zu bestätigen. Indessen entschloss sich die Regierung 
nur mit Widerwillen, diesen Schritt zu thun, denn abgesehen 
davon, dass er Schweden an einem Separatfrieden verhinderte, 
machte er dessen Politik und Absichten bei den deutschen 
Ständen verdächtig. Schweden hatte bis jetzt nur einigen 
Ersatz für seine Aufopferungen verlangt, nun aber sollte es 



•) Briefe der schwedischen Begiernng an Salvius vom 20. Mai, 8. nnd 
10. Juni, 9. September, 29. November, ihre Instruction für denselben vom 
13. September, Memorial vom 14. September und 20. December 1637: Bregr. 
und Acta Salv. Pufendorf, Suec. IX, 60. 



57 

zugleich die Interessen Frankreichs, die offenbar auf Er- 
oberungen hinaasUefen, befördern. 

Heber diesen Yertrs^ hatte Salvius, erst mit dem Marquis 
St. Ghaumont und dann mit dem Orafen D'Avaax, lange in 
Hamburg unterhandelt. Er hatte seine ganze ausserordentliche 
Gewandtheit aufbieten müssen, um die Unterhandlungen in 
die Länge zu ziehen und durch Vorspiegelung eines Separat- 
friedens die för Schweden günstigsten Bedingungen auszu- 
wirken*). Das Ergebniss dieser Verhandlungen zwischen 
Salvius und D'Avaüx, vielleicht den tüchtigsten Diplomaten 
Europas in jener Zeit, war der Vertr^ in Hamburg vom 
24. Februar / 6. März 1 638 , welcher als ein diplomatisches 
Meisterstück betrachtet wurde, und, obgleich er nur für drei 
Jahre bindend war, den Grund zu dem engen Bund legte, der 
seitdem bis zu Ende des Krieges Schweden und Frankreich 
vereinigte. Dieser Vertrag, der ausser der Bestätigung des 
Wismarschen Tractates von 1636 verschiedene neue Artikel 
enthielt, ward ein Programm für die gemeinsame Politik der 
beiden Mächte in Deutschland. Es wurde als ihr Ziel ange- 
geben, im deutschen Reich die politischen Zustände, wie sie 
vor 1618 bestanden, wiederherzustellen, und ihren deutschen 
Anhängern und Bundesgenossen vollständige Restitution zu 
versebaffen; ausserdem sollten sie sich gegenseitig zur Ent- 
schädigung verhelfen. Zu diesen Zwecken sollten sie den 
Krieg mit vereinten Kräften nach einem gemeinsamen Plan 
führen, und Frankreich Schweden mit 400000 Reichsthaler 
jährlich unterstützen ; sie durften Frieden nur gemeinsam und 



*) „Ihr müsset Ench gegen sie wohl Torsehen und ihnen zeigen, dass ein 
Schwede auch Ingeninm hat", schreibt der Canzler am 16. December 1637 an 
Salyins. Salvins sollte nach seiner Instruction Yom 13. September 1637 „ver- 
mittelst der Allianz die Kaiserlichen zu einem guten und reputirlichen Friedens- 
schluBS bringen, und wo dies nicht ginge, dass er dann den Franzosen zum Ab- 
schlnss der Allianz mittelst des Tractates treibe, und wenn es endlich geschähe, 
dass es zum Frieden mit dem Kaiser k&me, dann möchte er, wo fem er es könnte, 
unsere Actionen justiflziren.*' 



_6a 

auf einem allgemeinen Gongreas schlieBaen, den Frankreich in 
Köln, Schweden in Hamburg oder Lübeck abhalten sollte'*^). 
Hierdurch war die Politik Schwedens für die drei nächsten 
Jahre bestimmt. Der Krieg wurde mit neuer Kraft fortge- 
setzt, wozu auch die Mittel theils durch die französischen 
Subsidien, theils durch die von den Beichsständeu 1638 be- 
willigte Erhöhung der Steuern, theils endlich durch den be- 
schlossenen Verkauf von Domänen und Einkünften des Staates 
an den Adel angeschafft wurden. 

Indessen hörten die separaten Friedensverhandlungen 
darum nicht auf. Gerade zu der Zeit, wo der Tractat mit 
Frankreich abgeschlossen wurde, kamen die lauenbui^chen 
Herzöge und Miethof von Wien nach Hamburg zurück, nach- 
dem sie den Auftrag des Kaisers, mit Salvius zu unterhaadeln, 
bekommen hatten. Ihnen folgte binnen kurzem der Beichs- 
hofrath Johann Söldner, und im Frühjahr 1638 erschien im 
Norden Deutschlands einer der Vertrauten des Kaisers, der 
Beichsvicecanzler Graf Ferdinand Kurtz, mit dem Auftrage, 
entweder einen Separatfrieden mit Schweden zu schliessen oder 
auch die niedersächsischen Stände und den König von Däne- 
mark zum Bündniss mit dem Kaiser zu bewegen. Der König 
von Dänemark hatte nämlich durch besondere Gesandtschaften 
dem Kaiser und Schweden von neuem seine Vermittlung 
angeboten und gegen gewisse Versprechen seitens des Kaisers 
sich schriftlich verpflichtet, wenn Schweden die Vermittlung 
und den Frieden nicht annähme, seine Waffen mit denen des 
Kaisers zu vereinigen **). Von beiden Seiten war die dänische 



*) Der Vertrag ist gedruckt bei Bongeant, „Hist. des n^gociatioos , qni 
pröcdderent le traltö de Westphalie", IV. Buch, p. 78. 

•*) Die Versicherung wurde den 24, NoYember 1637 in Wien durch die 
dänischen Gesandten Grafen Peutz und Secretär Günther abgegeben, wie aus 
des Kaisers Brief an den Kurfürsten von Mainz und Köln vom 4. December 
1637 erhellt, sowie aus desselben Vollmacht für Graf Kurtz Tom 7. März 1638 : 
Graf Kurtz an den Feldmarschall Ton Arnim den 16. April 1641 u. a. Actenst. 
des W. A. Der König von Dänemark soll jedoch später das VerfahrsQ des PMLtz nicht 



59 

Yernüttluiig angenommen worden, jedoch mit dem unterschied, 
dass Schweden sich für allgemeine Unterhandlungen erklärte, 
der Kaiser aber eine Separatverhandlung vorschlug. Nun be^ 
gann zwischen Salvius und Eurtz ein diplomatischer Wettstreit 
Eraterer hatte die Weisung, jede Friedensverhandlung unter 
dänischer Vermittlung, ohne jedoch seinen Widerwillen merken 
zu lassen, zu vermeiden; letzterer bemühte sich zu beweisen, 
dass es Schweden mit der Sache nicht Ernst sei, um dadurch 
Danemark zum Friedensbruch zu veranlassen. Da nun aber 
Salvius die dänische Vermittlung im höchsten Grad zuwider 
war, und Kurtz dem Friedenscongress entgegenwirkte, so 
hatten folglich beide ein Interesse an einer geheimen, un- 
mittelbaren Unterhandlung ; daher kam eine solche mit Hülfe 
der Herzoge von Lauenburg und des hamburgischen Syndicus 
Meurer bald zwischen ihnen zu Stande. Bei diesen Ver- 
handlungen kamen mehrere Vorschläge zu Friedensbedingungen 
zum Vorschein, unter andern einer, von welchem man be- 
hauptete, dass er von Salvius verfasst sei, den aber dieser nie 
anerkennen wollte*). 

Was die öffentlichen Verhandlungen anbetrifft, so zogen 
sie sich lange hin, indem man sich über die Geleitsbriefe 
für die Bundesgenossen der beiden Mächte stritt. Es lag 
nämlich im Interesse des Kaisers, die Unterhandlungen so 
viel als möglich zu beschränken, im Interesse Schwedens und 
Frankreichs, denselben eine grosse Ausdehnung zu geben. 
Namentlich wollte der Kaiser nicht durch Erlass von Ge- 
leitsbriefen für die „foederati et adhaerentes per Germaniam '' 
der Mächte im Voraus das Becht der Stände, Bündniss mit 
fremden Staaten einzugehen, anerkennen. Bei diesen Verhand- 



gutgeheissen haben, indem er behauptete, dieser habe seine Vollmacht über- 
schritten: SalYius an die Regierung den 29. Angust 1643. U. W. F. 

*) „Anderwärtige unyorgreifliche VorschlAge zam Frieden", Kuiti' Briefe 
an den Kaiser Tom 4. Juli 1638 beigelegt; diese Vorschläge drangen auf Ab< 
tretung Ton Vorpommern mit Bügen als Beichslehn, Gontentement der Soldateske, 
Amnestie für gewisse namhaft gemachte Stände u. s. w, W. A. 



60 

lungen sorgte Salvius immer dafür, dass er die Schuld auf 
den Gegner schieben konnte und dass er in allem im Ein- 
verständniss mit dem König von Dänemark zu handeln schien. 
In dieser Weise erreichte er seinen Zweck, nämlich dass 
Dänemark weder seine Vermittlung durchführen konnte, noch 
einen genügenden Vorwand zum Bruch mit Schweden fend. 
Als endlich Kurtz nach den erfolglosen Unterhandlungen, die 
ein ganzes Jahr dauerten, den König von Dänemark (April 
1639) in Glückstadt besuchte und ihn aufforderte, seine Ver- 
pflichtungen in Betreff Schwedens zu erfüllen, gab Chri- 
stian rV. eine ausweichende Antwort und erklärte, dass er 
noch nicht alle Hoffnung auf Erfolg seiner Vermittlung auf- 
gegeben habe*). Er hatte neuerdings auf einem Herrentag 
zu Kolding den Reichsrath vergebens zu ernstlichen Eüstungen 
aufgefordert. 

Nachdem der Plan, einen Congress in Lübeck zu halten, 
gescheitert war, begab sich Kurtz (Mai 1639) in Begleitung 
dänischer Kriegsschiffe nach Danzig, um durch Polen nach 
Wien zurückzukehren. Der Hauptzweck seines Besuches in 
Preussen war, den Kurfürsten von Brandenburg, der sich eben 
in jener Provinz aufhielt, zur Abtretung eines Theiles von 
Pommern zu bewegen , den man dann in einer Separatver- 
handlung Schweden anbieten wollte. Er hatte, bevor er 
noch Hamburg verliess, durch den Syndicus Meurer Salvius 
zu verstehen gegeben, dass der Kaiser für seinen Theil willens 
sei, Schweden ganz Pommern als Unterpfand zu überlassen, 
wenn es in einen Separatfrieden einwillige, und ihm schliess- 
lich einen anonymen Entwurf eines Friedensvertrages, worin 
Vorpommern und Rügen als Reichslehen angeboten wurden, 
mitgetheilt **). Aber in einem andern, anerkannten Vorschlage, 



*) Enrtz an den Kaiser den 22. April und 17. Mai 1639. Resolution des 
Königs von Dänemark vom 26. April d. J. W. A. 

**) Siehe namentlich die Briefe der Regierung an Salvius vom 1. März und 
7. October 1639. Acta Salv. 



61 

der Dänemark, Brandenbuig und den übrigen Kurfürsten mit- 
getheilt wurde, war das Anerbieten auf Kügen und Stralsund 
als Unterpfand für 2{ Milliouen Reichsthaler beschränkt*). 
Dem Kurfürsten von Brandenburg konnte man jedoch kein 
bestimmtes Versprechen bezüglich der pommerschen Frage 
abgewinnen, sondern die Sache wurde der weiteren Verhand- 
lung überwiesen**). 

Während seines Besuches in Preussen wurde Kurtz in 
einen geheimen Anschlag, der dort gegen Schweden vorbe- 
reitet ward, eingeweiht. Ein Oberst in kaiserlichen Diensten 
Namens von Booth, der im Frühjahr 1639 Soldaten in 
Preussen angeworben hatte, hatte dem Kurfürsten vorgeschla- 
gen, in Livland einzufallen und Biga zu überrumpelm. Kurtz 
nahm sich der Sache mit grossem Interesse, an und versprach 
die Unterstützung des Kaisers. Auch der König von Polen 
war von der Sache unterrichtet und förderte dieselbe mit 
einer Summe Geldes***). Dies Unternehmen stand übrigens 
in Verbindung mit einem umfassenden Plan, den man eben 
in Begriff war zur Ausführung zu bringen. Die Feinde 
Schwedens waren zu der Ueberzeugung gekommen, dass diesem 
Reiche nur zur See beizukommen sei, und dass ein Angriff 
von der See aus das sicherste Mittel darbiete, dem Krieg ein 
Ziel zu setzen. Die Ausrüstung einer grossen Flotte wurde 
längstens in Spanien betrieben, wo man nun den letzten 
Versuch zur Unterwerfung der abgefallenen Niederlande machen 
wollte, und man glaubte, dass diese Rüstung auch gegen 
Schweden gerichtet sei. Es hatte den Anschein, als wenn 



•) „ Unverfänglicher Aufsatz in puncto Recompensae " ; die übrigen Punkte in 
ungelösten Chlffern: W. A. War die Summe, die von den evangelischen Ständen 
allein geleistet werden sollte, hinnen zehn Jahren nicht bezahlt, so sollte dies 
Unterpfand an die Königin von Schweden und ihre männlichen Erben fallen. 

••) Kurtz an den Kaiser den 17. Mai, 15. Juni 1639. W. A. 

••*) Welchen Antheil der Kurfürst an diesem Unternehmen hatte (er selbst 
leugnete bestimmt jede Mitschuld ab), war bis jetzt nicht ermittelt. Für die 
Eichtigkeit des Obigen dient der Brief des Kurfürsten an Kurtz aus Orteisburg 
den 19. Juli 1689 zum Beleg. W. A. 



6^ 

eine grosse Coalition wider Schweden zu Stande komna^ 
würde, indem sowohl England als Dänemark um dieselbe Zeit 
sich Spanien näherten; England begünstigte das unternehme 
der spanischen Flotte, der König von Dänemark schickte eine 
Gesandtschaft nach Spanien und rüstete so viel als er ohne 
Unterstützung des Beichsrathes konnte. Hierzu kam nodi 
die immer engere Verbindung zwischen dem Kaiser, Polen 
und Brandenburg. Der Kurfürst war durch den Einfluss 
Schwarzenbergs, der König von Polen durch seine Vermahlung 
mit der Schwester des Kaisers an die kaiserliche Politik ge- 
bunden. Auch zwischen dem König von Polen und dem 
Kurfürsten von Brandenburg war durch den in Köpenik 1638 
geschlossenen Zollvertrag eine enge Verbindung angeknüpft 
worden. Nach diesem Vertrag sollte für gemeinschaftliche 
Kechnung das schwedische Licentensystem in den preussischem 
Häfen eingeführt werden ; v^mittelst der daraus erwachsenden 
Einnahmen würde der König seinen Lieblingsplm, die Er- 
richtung einer polnischen Seemacht in der Ostsee, verfolgen 
und der Kurfürst den Krieg gegen Schweden mit Kraft fort- 
setzen können. Im An&nge des Jahres 1639 fand in Ghrodno 
eine persönliche Zusamm^konft zwischen den beiden Fürsten 
statt, und gleichzeitig trat der Bruder des Königs, der kaiser- 
lich gesinnte Johann Casimir, eine fieise nach Spanien 
an *). 

Man sieht, dass der Plan mit eben so viel 6eschi<^ 
entworfen, als weitum&ssend war. Allein eben in dem 
Augenblicke, wo das Complott zur Aurführung gebracht wer- 
den sollte, zerschlug es sich durch eine Reihe von Missge- 



•) üeber diese politische Gombination yg\. Pufendorf, Snec. XI, 61; 
Urk. und Act. I, S. 29—31; J. G. Droysen a. a. 0^ S. 181. 139. 141—142. 
Chanut, Mdmoires II, p. 40—44. S lange, Christians IV. HiBtorie IV, 
S. 963 ff. Ereilt dagegen die Theilnahme Christians IV. in Abrede. So viel steht 
indessen fest, dass er durch Pentz sich mehrmaSs mit Eurtz Über eine panische 
Eülfesendulig zur See berieth: Knrtz an den Kaiser den 21. Februar 1639. 
W. A. 



sdiiöken, Mf weldie man nicht vorbereitet war. Johann 
Oasimir ward (Mai 1639) auf der Reise nach Spanien in 
Ifiarseille verhaftet. Dann misBglückte der Angriff auf Biga, 
indem von Booth^ der Ende Juni 1639 einen Einfall in 
schwedisch Livland unternahm ^ von dem schwedischen Gou- 
vemettr in Biga auf das Haupt geschlagen wurde, und end*- 
lieh ward die spanische Armada im October dieses Jahres bei 
den englischen Dünen von den Holländern unter Martin 
Tromp vernichtet*). Wenig besser erging es dem Kaiser 
zu Lande, denn nach dem Tode des Herzogs Bernhard von 
Weiioaßc (Jtlli 1639) wuchs der französische Einfluss im Süd- 
westen Deutschlands, und die Schweden drangen unter Ban^ 
bis vor Prag. Die grosse Gombination, Spanien ^ England- 
Dänemark im Bündniss mit dem Kaiser - Polen - Brandenburgs 
hatte nicht einmal Zeit offen hervorzutreten und ward binnen 
Koarzem von d^ entgegei^esetzten Gombination, Frankreich- 
H^land - Schweden , gänzlich überholt. Schon 1639 brach 
der Bürgerkrieg zwischen Karl I. und den Schotten, welche 
YOü Schweden insgeheim unterstützt wurden, aus ; im folgen- 
di^ Jahre empörten sieh die Portugiesen, durch Bichelieu 
aui^wiegelt, gegen die spanische tJebermacht, und dasselbe 
Jahr wurde -ein neuer, vorzüglich gegen Dänemark gerichteter 
Bund zwischen Schweden und Holland geschlossen. Der 
König von Poien ward theils durch Mangel an Mitteln, theils 
durch die Einwirkung Frankreichs zurückg^aJten, und nach 
dem Tode des Kurfürsten Gteorg Wilhelm suchte der Nach- 
folger Aussöhnung und Freu»dschaft mit Schweden. Bknen 
anderthalb Jahren war dieser ganze bedeutungsvolle Umschwung 
in der Politik Europas vollendet. 

Unterdessen waren die vcä Kurtz aui|pegebenen ünter«- 
hndlungen von Anderen wieder aufgenommen worden. Die 



*) Sftl?itis »^h^eibt ttböt dieeen Sieg: ,,Magiiae tes est seqsehie m omnem 
partem. Polonus si intentionum seeretiorum filspanae classiB particeps ftiit, 
mutabit consiHa" u. b, w. A«ta Salv. Concept. 



64 

lauenburgischen Herzöge und Miethof traten wieder als Prie- 
densvermittler auf und knüpften neue Verbindungen zwischen 
Wien und Hambui^ an. Gleichzeitig (im Herbste 1639) 
wurden Unterhandlungen zwischen den Befehlshabern der in 
Böhmen Is^emden Heere, zwischen Ban^r einerseits, Gallas 
und Schlick andererseits, eingeleitet. Als Botschafter wurde 
ein doct. medic. Oswald, den Ban^r als Arzt für seine Ea- 
milie gebrauchte, verwendet. Es hatte den Anschein, als ob 
beide Parteien diese Verhandlungen mit grösserem Ernst als 
die vorhergehenden betreiben würden. Der Kaiser befand sich 
in grosser Bedrängniss, indem ihm nun auch die Türken mit 
Krieg drohten; er war daher gegen Schweden entgegen- 
kommender denn je, und liess den von Kurtz angestellten 
und dem Kurfürstencollegium mitgetheilten Antrag (Bügen 
und Stralsund als Unterpfand für 2^ Millionen Beichsthaler) 
Banör und Salvius vorlegen*). Schwedischerseits waren nun 
sowohl Axel Oxenstierna als Salvius geneigt, Separatfrieden 
mit dem Kaiser zu schliessen, theils aus Furcht vor der 
dänischen Vermittlung, theils aus Unzufriedenheit mit dem Be- 
tragen der Franzosen, die nach Herzog Bernhards Tod dessen 
Truppen verlockten, in französische Dienste zu treten. Aber 
Schweden, dessen Ansprüche inzwischen gestiegen waren, 
konnte natürlich jetzt nicht mehr auf die Anerbietungen des 
Kaisers eingehen; die schwedische Regierung wollte sich mit 
nichts weniger als Vorpommern und Wismar als Beichslehen 
begnügen**). Hierzu kam, dass die doppelte Verhandlung, 
die durch Salvius und Ban^r gleichzeitig geführt wurde, der 
Sache selbst höchst nachtheilig wurde. Die Begierung wollte 
nicht gern eine so gewichtige Verhandlung dem in solchen 
Sachen weniger geschickten Bauer anvertrauen und gab ihm 
daher unvollständige Vollmachten; Salvius sah ungern, dass 



*) Der Kaiser an den Grafen Schlick den 21. December 1639, derselbe an 
C. y. Lützow den 18. Janoar 1640. W. A. 

**) Die Begierung an Salvius den 7. October 1639: Acta Salr. 



65 

die Unterhandlung aus Hamburg gezogen wurde, und die 
lauenburgschen Vermittler, welche befSrchteten , in solchem 
Ealle um die Ehre der Vermittlung gebracht zu werden, 
stifteten überall Missverständnisse , so dass die schwedische 
Begierung begann Spiegelfechtereien und Betrug zu arg- 
wohnen. Schon im December 1639 erhielten Ban6r und 
Salvius von der Regierung Befehl, ihre geheimen Unterhand- 
lungen mit den Kaiserlichen abzubrechen, da diese nur den 
Zweck verfolgten, Zwiespalt zu erregen und „uns in die Kar- 
ten zu gucken". Salvius sollte überdies seine Verbindungen 
mit den lauenburgischen Vermittlem, denen die für diesen Zweck 
nöthigen Eigenschaften fehlten, abbrechen und Alles auf einen 
allgemeinen Friedenscongress , woran auch Frankreich Theil 
nehmen sollte, verweisen*). Die Politik Schwedens lief also 
künftig darauf hinaus, das Bündniss mit Frankreich aufrecht 
zu erhalten und, wenn es abgelaufen war, dasselbe zu er- 
neuem, sowie die Friedensverhandlungen im Einverständniss 
mit diesem Reiche zu fuhren. 

Kurz darauf wurden die allgemeinen Friedensverhandlungen 
sehr gefördert durch Einwirkung der deutschen Beichsstände 
auf dem Kurfürstentag zu Nürnberg (vom Januar bis Juli 
1640) und auf dem allgemeinen fieichstag in I(egensburg, 
welcher, der erste dieser Art seit 1613, im September dieses 
Jahres eröffnet wurde. Auf Verlangen der Stände versprach 
nun der Kaiser die Geleitsbriefe , wie . sie Frankreich und 
Schweden forderten, auszustellen, und nach Beseitigung dieses 
Hindernisses ward beschlossen, dass der Congress mit Frank- 
reich in Köln, mit Schweden in Hamburg oder Lübeck ge- 
halten werden solle, und dass der König von Dänemark, der 
wieder seine Dienste angeboten, am letzteren Ort zum Ver- 
mittler anzunehmen sei. Femer erliessen die deutschen Stände 
auf den Antrag Brandenburgs Schreiben an Schwedens Königin, 

*) Vg], namentlich den Brief der Regiemng an Salyius Tom 7. December 
1639. Bauers Unterhandlung zog sich bis zum April 1640 hin. 
Odhner, Politik Schwedens. 5 



66 

Beicharath und StäAde^ worin sie ibre friedliche Gesinntiilg an 
den Tag kgten und 2Xir Forderung des Friedens aufforderten. 
Man beauftrag Dänemark und Brandenburg, diese Sdireiben 
nacb Sehwedenj so seitig zu überbringen, dasB sie dem eben 
versammelten ständischen Ausschüsse mitgetbeilt werden ioma- 
bmi*). Im Zusammenhang hiermit wurde die Frage über die 
künftige Entschädigung Schwedens in Anregung gebracht. 
Schon auf dem Kurfurstent^e zu! Nürnberg hatte der Kaiser 
den iKon Eintr abgefaästen, Bauer und Salvius mitgetheüten 
Antrag, Stralsund und Bügen als Unterpfand für 2i MilMonjen 
Kcnchstbalev Sehwedefi sm überlassen, yorgelegt,. und e& war 
ikm aiftdi gehutgBn^ duoreb Schwarzenberg dem Kurfürsten 
das YerspredieiL abzxigewinneD, dass er dem aUgemi^en WoM 
eineu Theü \ro» Pomm»rn, jedoch gegen genügende EntsehSr 
digung^ aiKfopfem wollte*'*^). Dieser Vorschlag wmde auf dem 
Reichstag in Begensburg wieder aufgenommen, da aber Georg 
Wüihrelin um diaselba Zeit sdiarfo und Schwarzenberg seinen 
Einfluss am brandenburgischen Hofe verlofr so nachte die 
Sache keine weiteren Fortschritte, denn der neue Kurfürst 
weigerte sieh durehans^ irgend einen Theil von Pemmem ab- 
zutreten, wenn ihm nicht genügender Essatz bestimmt zuge^ 
sielMrt wütde^ und einen solchen hatte weder der Ka^er noch 
dier Kuorffiorsi ihm zu bieten.'^*'*'). Ebenso wenig erhidt die 
Ammestiefrage eine befriedigende Lösung; denn zwar yer- 



*), MaA WAK in Deatsehlaad ziemlich alllgem«ia der Meioimg, dass dM Mehrheit 
der schwedischen Stände und Räthe sich nach den Frieden sehnte, dass aher die 
„ Ozenstiemsche Faction^' demselben entgegenwirkte. Man suchte deshalh theils 
cktrch die düjiischeiM GesandtsK^alHsen lacb Sehwedlen-, theite durch die mit der 
schwedischen königlichen Familie verwandten hrandenhurgschen und mecklen- 
hurgschen Hö^fe Yerhmdungen mit den Unzufriedenen in Schweden anzuknüpfen 
und ihien Yfaff&u in die Eiaide sn gebei». kv£ dies» Weiae wuide mtok aneh 
mehreT'Qr geheimen Staatsacten, Verträge^ Instructionen u. a. hahhaft. 

**) Der Kaiser an Schwarzenberg den 23. Januar, Eurtz an eben denselben 
cleBi2i F«braiar, S<rhwavzeiiberg bk^ Traatmansderf dea 27. März 1^^: W. A. 
Schwarzenberg an den Kurfürsten Friedrich Wilhelm den .2/12. Januar 1641 : . 
JSvk, und Act. i, & 301, 

') ActenstOcke des Bei«h8t»9«6 in Bogensbarg': Upfe und Act* ii 



«•*-: 



jßT 

mochte man den Kaiser (den 10/20. August 1641), eine so- 
genannte Oeneralamnestie zu erlassen, aber diese war mit so 
viel einschränkenden Bedingungen verbunden, dass in der That 
nur wenig damit erreicht ward. Erst im October 1641 wurde 
dieser Reichstag, welchen der Kaiser durch seine persönliche 
Gegenwart einigermassen nach seinem Wunsche zu lenken 
vermocht hatte, aufgelöst. 

Während die Stände in Regensburg versammelt waren, 
hatte man in Hamburg wichtige Verhandlungen gepflogen. 
Der französische Bund von 1638 lief am 15. März 1641 ab, 
und es erhob sich nun die grosse Trage, ob der Bund erneuert 
oder aufgelöst werden sollte. Wir haben bereits erwähnt, 
dass die schwedische Regierung nach dem Misslingen der ge- 
heimen Unterhandlungen zur Erneuerung der Allianz geneigt 
war, aber sie wünschte zugleich, Prankreich günstigere Be- 
dingungen abzupressen, und deshalb wies sie die geheimen 
Unterhandlungen^ welche kaiserlicherseits wieder eingeleitet 
wurden, nicht ganz zurück*). Zu Anfang des Jahres 1640 er- 
schien in Hamburg der Reichshofrath Curt von Lützow, um 
die geheimen, von den Grafen Kurtz und Schlick angeknüpften 
Unterhandlungen fortzusetzen, und durch Vermittlung einiger 
Hamburger Rathsherren kamen geheime Zusammenkünfte 
zwischen Salvius und Lützow (vom September 1640 an) zu 
Stande. Lützow, der an dergleichen Verhandlungen nicht 
gewöhnt war und von seinem schlauen Gegner leicht über- 
listet wurde, kam bald zu der Ueberzeugung , dass Schweden 
bereit sei^ Separatfrieden mit dem Kaiser zu schliessen, und 
bat inständig dmi Kaiser, dass er ihn mit vollständigen Voll- 
machten und Instructionen versehen möchte. In Folge dessen 
wurde ihm von Regensburg aus (December 1640) die Voll- 
macht nebst einer ausfuhrlichen Instruction zugesendet. Er 
wurde hierdurch ermächtigt, Schweden die Insel Rügen und 



*) iBstructioB für Salvius bezfiglich der französischen Allianz Tom 31. Juli 
1640. 

5* 



68 

Stralsund als Lehen für die Königin und ihre männlichen 
Erben anzubieten, und er sollte, um Oxenstierna und Salvius 
für den Antrag günstig zu stimmen, ihnen Standeserhebung 
und andere Vortheile anbieten. Nachdem Lützow seine Voll- 
macht vorgezeigt hatte, kam die Unterhandlung in vollen 
Gang. Salvius äusserte seinen Widerwillen gegen die dänische 
Vermittlung, dankte auch für das ihm persönlich gemachte 
Anerbieten, fand aber, dass man der Krone zu wenig böte. 
Da erhielt Lützow den Befehl des Kaisers (Januar 1641), all- 
mählich und in einer gewissen vorgeschriebenen Folge die 
Anerbietungen an Schweden zu steigern und endlich ganz 
Vorpommern als Lehen für die Königin und ihre männlichen 
Erben und , wenn sie ohne solche stürbe , 4 Millionen 
Beichsthaler nebst Vorpommern als Hypothek dafür anzu- 
bieten. Man übersandte sogar einen förmlichen Lehnbrief auf 
Pommern. Endlich, als die Verhandlungen sich in die Länge 
zogen und man jeden Augenblick den Abschluss des neuen 
französisch - schwedischen Bundes erwarten konnte , erhielt 
Lützow die Vollmacht des Kaisers, im äussersten Nothfall 
Schweden ganz Pommern als Lehen und nach Erlöschen der 
königlichen Familie als Unterpfand für 6 Millionen Reichsthaler 
zu bieten. Ausserdem bot der Kaiser Garantie für den sicheren 
Besitz Pommerns, ja sogar Freundschaft und Bündniss, sowie 
Bezahlung der schwedischen Armee und Amnestie für Schwe- 
dens Bundesgenossen an*). Zu der Freigebigkeit des Kaisers 
mit Pommern trug wahrscheinlich die nunmehr zwischen den 
kaiserlichen und brandenburgischen Höfen herrschende Kälte, 
so wie das Gerücht von der Annäherung des Kurfürsten an 



*) Siehe besonders die Briefe des Kaisers an Lützow vom 10. December 
1640, 22. Januar, 19. Februar, 26. März, 2., 10. und 17. April, 29. Mai 1641. 
Lützows Briefe an den Kaiser Tom 17. November, 25. December 1640, 8. und 
25. Januar, 6., 19. und 26. Februar, 5. und 29. März, 7., 10. und 14. Mai 1641 : 
W. A. Vgl. Pufendorf, Suec, XIII, 78—82, wo die ganze Verhandlung dar- 
gestellt wird, während Chemnitz, der sonst die Hanptquelle Pufendorfe ist, 
diese Sache gar nicht erwähnt. 



69 

Schweden und von seinen Plänen auf eine Verbindung mit der 
Königin von Schweden wesentlich bei. Jedoch wurde der 
Yorschlag, ganz Foramem an Schweden zu überlassen, Salvius 
nie mitgetheilt; man beschränkte sich darauf, Vorpommern 
und vielleicht noch etwas mehr (Stettin u. a.) in Aussicht 
zu stellen; aber schon dieses Anerbieten schien Salvius so 
ernstlich gemeint und annehmbar, dass er ein schriftliches, 
obgleich nicht unterzeichnetes Gutachten darüber abgab '^) 
und in seinen Schreiben an die Begierung darauf drang, dass 
man sich wenigstens über den Entschädigungspunkt mit dem 
Kaiser allein verständigen nijSge. Er wurde in dieser Meinung 
durch die Unfälle der schwedischen Waffen im Frühjahr 
1641 bestärkt; möglicherweise machten sich hierbei auch 
persönliche Bücksichten geltend, z. B. die kaiserlichen Ver- 
sprechungen an Salvius, so wie die Spannung, die augenblick- 
lich zwischen ihm und D'Avaux bestand und welche einen 
scharfen Schriftenwechsel zwischen diesen beiden Herren ver- 
anlasste **). 

Die schwedische Begierung war jedoch in dieser Sache 
nicht derselben Ansicht wie Salvius ; sie hatte allerdings keine 
Vorliebe für die französische Allianz, und Oxenstierna be- 
klagte sich oft über Frankreichs „ schelmisch procedere ^S aber 
man betrachtete dieses Bündniss als ein nothwendiges üebel, 
namentlich w^en der Subsidien. Man setzte nämlich Miss- 
trauen in die kaiserlichen Anträge als eine Schlinge; man 
hatte zwar in die geheime Unterhandlung eingewilligt, aber 
blos um Lützow zu erforschen und die Anerbietungen Frank- 



*) „Salyii Erklärung auf das ihm ZQgesteUte Project wegen Vorder- 
pommem" dem Briefe Lützows vom 10. Mai 1641 beigeleg^t. Hierin verlangte 
Salvius ganz Pommern für die Krone und nicht nur für die Königin. 

**) D'Avaux an Salvius den 16./26. April und die Antwort Salvii den 
18. April 1641. Der Streit galt hauptsächlich der Forderung Schwedens, dass 
Frankreich durch Auswechslung des in französischer Gefangenschaft befindlichen 
bayerischen Generals Joh. deWerth die Freilassung Gustav Horns aus bayerischer 
Gefangenschaft bewirken sollte. 



_ z^ 

reichs zu steigern. Als daher die Begierung das Missver- 
ständniss zwischen D'Avaux und Salvius vernahm, beeilte sie 
sich, Salvius Nachgiebigkeit „ohne Zank und viel Lärm" 
anzuempfehlen*). Noch mehr jedoch war es der französischen 
Eegieinmg an der Erneuerung der Allianz gelegen ; sie schickte 
einen besonderen Gesandten (St. Bomain) nach Stockholm und 
befahl D'Avaux, nöthigenfalls selbst hinzureisen und Geld um 
sich zu streuen; sie ertheilte ihm die Weisung, die Allianz 
um jeden Preis abzuschliessen, und gestattete ihm zu diesem 
Zweck, die Subsidien zu erhöhen, Schweden den Besitz von 
Pommern zu garantiren, einen Theil des französischen Heeres 
unter schwedischen Befehl zu stellen, ja im äussersten Noth- 
fall das weimarsche Heer Schweden zu überlassen**). So 
weit brauchte jedoch D'Avaux die Nachgiebigkeit nicht zu 
treiben. Schweden erlangte durch die Allianz vom 20/30. Juni 
1641 nur einige Erhöhung der Subsidien, machte aber dafür das 
Zugeständniss, dass der Bund bis zu einem allgemeinen Frie- 
densschluss ausgedehnt wurde. Eine weitere Verändenmg des 
abgelaufenen Tractates bestand darin, dass die Friedensver- 
handlungen nach Osnabrück und Münster anstatt nach Lübeck 
und Köln verlegt wurden; die Franzosen hatten nämlich die 
Schweden näher an den Ort, wo sie verhandelten, ziehen 
wollen, aber diese hatten nur unter der Bedingung ihre Zu- 
stimmung gegeben, dass auch Frankreich den Ort seiner 
Unterhandlungen verandere. Frankreich hatte sich Mainz und 
Frankfurt am Main, der Kaiser Lübeck und Köln gewünscht, 
aber beide gaben dem Wunsche Schwedens nach***). 



•) Siehe besonders die Briefe der Begierung an Salyius Tom 3., 10., 17. und 
23. April, 1. Mai, 26. Juni 1641: Act. Saly. 

•*) Memoire au sieur ü'Avaux le 28 Juin, 7 juillet u. a. D'Avaux wusste 
über die Beschlüsse der schwedischen Regierung sich Nachrichten zu verschafifen, 
welche durch den Residenten De Rorte De la Gardie und dessen Gräfin abge- 
lockt wurden; Briefwechsel zwischen D'Avaux und De Rorte in der Wahrenb. 
Sammlung. 

*) Der Vertrag ist bei Bougeant a. a. 0., Bd. VI, S. 40 gedruckt. 



««•\ 



71 

Eist nachdem die geheime ÜnterhMdlm^ zwischen 
Salvins und Lützow abgebrodien und die fiunzösiscli - schwe- 
dische Allianz emeaert worden war, wurde die allgemeine 
Friedettsverhandlimg in Hambarg etwas lebendiger. Allein 
wie sehr die deutschen St&nde in Begeiisbarg anoh jammerten, 
so flehentlich sie auch um Frieden baten mid denselben durch 
erneuerte Schreiben an die Regierung und Beichsstände Schwe* 
den» zu fördern suchten*), so legte doch keine der unter- 
handelnden Mächte ein reges Interesse oder einen besondeteu 
Bifer för die Sache an den Tag. Den gröstAen Eimst zeigte 
jetzt die schwedische fi^erung, indem sie die Ve)%andlung 
in Hamburg beschleun^te und den 20. Atsgust Ooomiidsäre ffir 
den zu erwartenden EViedenscongress (die Beicbsrätbe Johann 
OxMstiema und Türe Bjeike, sowie Joh. Salvius) ernannte; 
man sah nämlich ein, dass man der dänischen Yermittlung 
nidit mehr entgehen konnte, imd beschloss daher sich end- 
lich in das TJnvermeidlidie zu fügen. Dagegen trug Däne- 
mark eine grosse OleidiguHigkeit in seiner Vermittlung zur 
Schau, und sowohl der Kaiser als EVankreich thaten Alles, 
um Zeit au gewinnen : der Kaiser, weil er von einem allge- 
meinen Friedenscongress nichts wissen wollte, Frankreich, weil 
der Oardinal Richdieu die Fortsetzung des Krieges als das 
sicherste Mittel zur Sichetttng seiner Macht f&r den Fall des 
Todes des Königs betrachtete und deshalb D'Avaux den ge- 
heimen Befehl ertheilte, das Zustandekommen des Friedens- 
coDgresses so lange als möglich aufzuhalten'*''*'). Als Vorwand 
wurde der Mangel an einer Vollmacht seitens Spaniens f&r 



*) Die ersten Schreiben der Stände Tom 17. und 18. Janaar 1641, andere 
Tom 4. Juli d. J. Die Antworten waren vom 27. M&rz and 15. September 1641. 
Der schwedlBcfae Beicbsrath antwortete sowohl im eigenen als in der St&nde 
Namen and erkl&rte, dass die Sache sei „in absentia statanm ex ratione mo- 
demi regiminis hnjas regni nobis resigiiatam.** 

**) Bougeant a. a. 0. YII, 1. Memoire an sieur D'Ayauz le SB f#rr. 
1642, worin er die Weisung erhält, die Yollziehiing des TractAts, sö lange es 
mit guten „pretexten" geschehen könnte, zu yerzögem. Wahrenb. Sattmlimg. 



72 

dessen Betheiligung am Friedenscongresse vorgeschoben. Erst 
im November erschien in Hamburg ein Bevollmächtigter des 
Königs von Dänemark; dann wurde die Verhandlung eifriger 
betrieben, und da Christian IV, die Garantie für die For- 
derungen Frankreichs übernahm, konnte man die Friedens- 
präliminarien in Hamburg 15/25. December 1641 unter- 
zeichnen. Demgemäss sollte der eigentliche Friedenscongress 
in Osnabrück und Münster am 15/25. März 1642 eröffnet 
werden. 

Indessen leuchtete es bald ein, dass dieser Beschluss 
nicht vollzogen werden konnte. Zwar beeilte sich die schwe- 
dische Regierung, den Präliminarvertrag zu ratifiziren (den 
5. Januar 1642); und zur Förderung des Friedens hatte 
Johann Oxenstierna (Türe Bjelke blieb zu Hause und nahm 
nie am Friedenscongress Theil) sich bereits im October 1641 
in Deutschland eingefunden. Aber der Kaiser billigte seiner- 
seits das Verfahren seines Gesandten von Lützow nicht, 
sondern rief ihn ab und sendete an seiner Statt den Grafen 
J. W. von Auersperg nach Hamburg. Dieser, welcher im 
Februar 1642 eintraf, war beauftragt, zwar die Häuptpunkte 
der Präliminarien anzuerkennen, aber wegen der Fassung der- 
selben, in welcher der Kaiser eine Verletzung seiner Hoheit er- 
blickte, die formelle Ratification zu verweigern*). Hiermit wollte 
sich nun der König von Dänemark als Vermittler begnügen, 
aber D'Avaux und Salvius bestanden auf vollständige Rati- 
fication, und beide Legaten vereinigten nun ihre Bemühungen 
und wälzten in Worten sowohl als in ihren Schriften**) die 
Schuld der Stockung der Friedensverhandlungen auf den Kaiser. 
Kräftiger als .dieser Federkrieg wirkten die Erfolge Torstens- 



*) Der Titel des Kaisers war in den schwedischen und französischen In- 
strumenten denen der Könige nachgesetzt; die Städte Osnabrück nnd Münster 
waren neutral erklärt, was ein Misstrauen zu den Geleitsbriefen des Kaisers be- 
urkundete u. s. w. 

**) „SalYÜ epistola ad amicum*^ nnd „Legati Gallici epistola ad regem 
Daniae'S beide gedruckt. 



73 

sons in den Erbländern des Kaisers, und demzufolge musste 
endlich der Kaiser sich bequemen, seine Ratification zu er- 
theilen. Diese wurde jedoch als unrichtig befunden, und da 
inzwischen durch den Tod Bichelieus die Aussichten far die 
spanisch -österreichische Partei sich zu bessern schienen, so 
übereilte man sich nicht weiter; erst am 23. März / 2. April 
1643 wurden in Hamburg alle Urkunden ausgewechselt, und 
die Präliminarien erlangten endlich ihren Abschluss. D'Avaux 
befand sich zu jener Zeit nicht mehr in Hamburg, er war schon 
im Herbst 1642 nach Frankreich zurückgekehrt, nachdem er 
die Leitung der Geschäfte dem Residenten St. Romain über- 
tragen hatte. 

Während der ganzen Zeit, wo diese Verhandlungen ge- 
führt wurden, hatte Graf Auersperg mehrfach versucht, durch 
verschiedene Personen*) geheime Separatunterhandlungen mit 
Salvius anzuknüpfen. Salvius, der eine gewisse Neigung für 
geheime Unterhandlungen hatte, wollte, dass man sich deren 
bedienen sollte, um gewisse vorbereitende Verabredungen mit 
dem Kaiser zu treffen, aber er erhielt den Befehl der Regie- 
rung, dergleichen Vorschlägen nicht sein Ohr zu leihen, sondern 
sie sogleich dem französischen Gesandten mitzutheilen und 
Alles dem Friedenscongresse zu überweisen**). Dieser sollte 
dem Präliminarvertrage gemäss am 1/11. Juli 1643 eröffnet 
werden. 



•) Als z. B. den Herzog von Mecklenburg, den Stadtobersten von Hamburg 
Kniephaosen, Miethof, den portugiesischen Jaden Dr. Bosales. Der Kaiser wollte 
zum selben Zweck sich des Schweden Peder Smaltz bedienen, den man in diplo- 
matischen Angelegenheiten vielfach verwendet hatte, der aber 1639 (wie man 
behauptete, durch die Jesuiten verführt) aus Schweden entwichen und, nachdem 
er katholisch gewordep, in kaiserliche Dienste getreten war. 

*•) Salvius an die Regierung den 18. Juni, 2. Juli, 31. December 1642, 
18. Februar, 25. März, 13. Mai 1643: Act. Salv. Chemnitz a. a. 0. IV, 2: 4. 20. 
34. 48; 3: 2. 7. 20. Vgl. auch Koch, Geschichte desjdeutschen Reiches unter 
der Regierung Ferdinands III., Bd. II, S. 40— 4B. 



74 

So lange der Kurfürst Georg Wilhelm lebte, wurde die 
Politik Brandenburgs ausschliesslich von Schwarzenfoerg ge* 
leitet. Sie wurde folglich durch die spanisch-österreichischen 
Interessen bestimmt und war geg«n Schweden ausseiet feind- 
lich; alle gegen Schweden gerichteten Anschläge fanden in 
Brandenburg Ermunterung und Unterstützung. Um eben die 
Zeit, wo Georg Wilhelm starb, wurde ein solche Ansdih^ 
vorbereitet, und an der Spitze desselben stand der alte Feind 
der Schweden von Arnim, der aus seinem Ge&ngniss in 
Schweden geflohen war und nun vor Begierde brannte, gegen 
die Schweden, „ganz als wenn es den Türken gälte ^S wl 
kämpfen. Er hatte in Polen und Schlesien ein Heer ge- 
worben, und dies sollte, durch brandenburgische und sächfiische 
Truppen verstärkt, im Frühjahr 1641 in Pommern einrücken, 
während das kaiserliche Hauptheer unter Piccolomini die 
Schweden in Mitteldeutschland zurückhielt. Gleichzeitig 
bereiteten sich die Schwedenfeinde Booth und Grockow, von 
Preussen aus in Pommern und Livland zugleich einzu&Ilen, 
und die spanischen Kaper in Dünkirchen wurden aufgefordert, 
einen Angriff auf die Seestädte Pommerns und Mecklenburgs 
zu unterstützen. Wäre dieser Anschlag, wie beabsichtigt, 
gleichzeitig mit dem Bückzug der schwedischen Armee 1641 
und Bauers Tod zur Ausführung gekommen, so hätte er leicht 
mit Erfolg gekrönt und die Schweden von der Küste aJbge* 
schnitten werden können. Nun wurde er aber durch eine 
Reihe unerwarteter TodesföUe, Georg Wilhelms im November 
1640, Schwarzenbergs im März und Arnims im April 1641, 
vereitelt. 

Der neue Kurfürst von Brandenburg, Friedrich Wilhelm, 
war nicht gesonnen, in die Fusstapfen seines Vaters zu treten 
oder sich von Schwarzenberg und dem kaiserlichen Hofe am 
Gängelband führen zu lassen. Von Natur selbständig und 
scharfblickend, hatte er während seines Aufenthaltes bei seinen 
Verwandten, den Oraniern in Holland, eine ganz andere Auf- 



76 

fassung der europäischen und deutschen Politik, als die damals 
am brandenburgiBchen Hofe herrschende, sich angeeignet und war 
deshalb bei seines Vaters Lebzeiten von den Gesch&ften femge- 
halten worden. Er wollte sich von der sclayischen Abhängig- 
keit von Oestreich frei machen und eine selbständige bran- 
denburgische Politik gründen. Vor Allem musste er jedoch 
darauf bedacht sein, dem Elend, das die Schwarzenbergsche 
Politik über Brandenburg gebracht hatte, ein Ziel zu setzen 
und seine Staaten von vollständigem Untergang zu [retten. 
Er nahm selbst die Zügel der Regierung in die Hand und 
rief die Führer der antikaiserlichen Partei, als v. Götze 
u. m. an den Hof zurück; der Schwarzenbergsche Anhang 
verlor allen Einfluss, nachdem der ältere Schwarzenberg ge- 
storben und sein Sohn, wegen hochverrätherischer Anschläge 
angeklagt, zum Kaiser geflohen war. Schon im Januar 1641 liess 
der Kurfürst alle Feindseligkeiten gegen die Sdiweden ein- 
stellen, und im AprU wurden Unterhandlungen über einen 
Waffenstillstand mit den schwedischen Befehlshabern eröffnet *). 
Zugleich schickte der Kurfürst zu demselben Zweck Samuel 
V. Winterfeld an Salvius in Hamburg und K. v. Leuchtmar 
nach Stockholm. Letzterer hatte ofßciell den Auftrag, das 
Schreiben der deutschen Beichsstände an Schweden abzugeben ; 
aber zugleich sollte er die schwedische Begierung über die 
Absichten der neuen brandenburgischen Begierung aufklären, 
einen Waffenstillstand anbieten, sich über die pommersche 
Angelegenheit inforiüiren und auch die Stimmung betreffs 
einer Heirath zwischen dem Kurfürsten und der jungen 
Königin erforschen**). Beide wurden auf das zuvorkommendste 



•) Vgl. J. G. Droysen a. a. 0. III, 1. S. 156fF. 

••) Die Instruction für Leuchtmar unter Urk. und Act. I, S. 522 ff. Ueber 
den Heirathsplan kommt in der Instruction nichts vor, aber Winterfeld spricht 
davon in seinem Brief an ▼. Götze vom 19. Mai (Urk. und Act. I, S. 539), 
und Chemnitz citirt eine Aeusserung Leuchtmars: „un bon mariago videra 
toutes les controversies de la Pomeranie": Chemnitz a. a. 0. IV, 1:4. 



empfangen, denn besonders in der damaligen kritischen Lage 
war ein WafiFenstillsiand mit Brandenburg für Schweden sehr 
willkommen.- Es kam daher bald zu einer Uebereinkunfk, und 
den 14. Juli 1641 wurde ein Waffenstillstand auf zwei Jahre 
zwischen Schweden und Brandenburg unter folgenden Be- 
dingungen geschlossen. Die Schweden sollten Landsberg, 
Frankfiirt und einige andere Ortschaften fortwährend besetzt 
halten; dagegen sollten sie die Altmark räumen, sobald als 
die Werbener Schanze an der Havel übergeben worden wäre. 
Den Feinden Schwedens sollte der freie Durchzug durch 
Brandenburg nicht länger gewährt werden ; wenn aber schwe- 
dische Truppen durch die Wechselfölle des Krieges genöthigt 
würden, sich im Lande aufzuhalten, so sollte dies als kein 
Friedensbruch betrachtet werden; in diesem Fall sollte ihr 
Unterhalt durch kurfürstliche Commissäre geregelt werden. 
Durch einen „Nebenrecess" wurde ausserdem Schweden das 
Becht eingeräumt, einen besonderen Agenten in Küstrin zu 
halten, der die Vollstreckung des Vertrages überwachen sollte. 
Die Auswechslung der Batification sollte binnen drei Monaten 
Statt finden und die Vollziehung des Tractates durch fernere 
Unterhandlungen festgestellt werden*). 

Schon am 7. September erliess die schwedische Begierung 
ihre Batification des Vertrages und übersandte dieselbe mit 
Johann Oxenstierna, als er im October 1641 nach Pommern 
reiste. Nach seiner Instruction sollte der Legat, auch wenn 
die Batification des Vertrages seitens cles Eurfüi:sten nicht 
erfolgte, dennoch das gute Vernehmen mit ihm aufrecht er- 
halten, vorausgesetzt, dass er den Bedingungen des Waffen- 
stillstandes nachkäme. Ausserdem sollte er versuchen, eine 
vertrauliche Unterhandlung über Pommern mit dem Kur- 
fürsten anzuknüpfen und, wo möglich, sich mit ihm über 



*) Chemnitz a. a. 0. IV, 1: i, Moerner, „Kurbrandenburgische 
StäatsTerträge", S. 128 ff. 



77 

diese Sache vor der EröflFnung des Priedenscongresses ver- 
ständigen, denn voraussichtlich würde der König von Däne- 
mark als Vermittler mit Händen und Füssen Schweden hierin 
entgegenwirken. Käme es zu einer Verhandlung hierüber, so 
sollte der Legat, um die Ansprüche Schwedens auf eine dem 
Kurfürsten gehörige Provinz zu rechtfertigen, daran erinnern, dass 
es sein Vater war, der den seligen König nach Deutschland rief, 
obgleich er später einer der erbittertsten Feinde Schwedens 
wurde und dass § 14 des Vertrages mit Pommern, welchem 
Vertrag der Kurfürst nie beitreten wollte, noch immer gültige 
Kraft habe. Als Entschädigung für Pommern sollte man dem 
Kurfürsten das Stift Magdeburg oder Theile von Schlesien, so- 
wie eine vortheilhafte Allianz mit Schweden anbieten. Bei 
der Verhandlung mit dem Kurfürsten sollte man für Schweden 
ganz Pommern als Keichslehen fordern, aber im Friedenscon- 
gress sollten die Legaten im äussersten Nothfall sich mit Vor- 
pommern nebst dem Stift Gammln und den Inseln, sowie 
Wamemünde und Wallfisch, alles als Hypothek für vier 
Millionen Beichsthaler begnügen*). 

Von der brandenburgischen Katification liess sich binnen 
der vorgeschriebenen Zeit nichts vernehmen. Endlich im 
Januar 1642 erschienen in Stettin die kurfürstlichen Ge- 
sandten von Leuchtmar und von der Borne, welche die Rati- 
fication, jedoch in veränderter Form, mitbrachten. Der Kur- 
fürst forderte nämlich, dass der Nebenrecess, als für ihn ver- 
letzend, ganz aufgehoben würde, dass die Werbener Schanze, 
die unterdess von den Brandenburgern zerstört worden war, 
nicht weiter Jjeansprucht würde u. s. w. Die Gesandten 
sollten überdies bezüglich der pommerschen Angelegenheit 
sich erkundigen, ob nicht eine Unterhandlung auf Basis der 



*) Instruction der Commissäre für den Friedenstractat, geheime Neben- 
instmction, so wie Nebenmemorial bezüglich des Tractates mit dem Kurfürsten 
Yon Brandenburg, alle drei Acten vom 5. October 1641: Rreg. 



78 

zwischen Axel Oxenstiema und von G5tze 1635 in Mainz ter-^ 
abredeten Punkte eröffnet werden könnte. Auf die letztere 
Frage antwortete Johann Oxenstiema, dass er von der im Jahre 
1635 getroffenen Uebereinkunft nichts wisse, und dass auf 
jeden Fall die Lage seitdem sich wesentlich geändert habe, 
üeber die Bedingungen des Waffenstillstandes kam endlich 
eine Unterhandlung zwischen den brandenburgischen Gesandten 
und den schwedischen Bevollmächtigten Lilljeström und dem 
Kämmerer Gert Rehnsköld, erst in Stralsund (März 1642) 
und dann in Stettin (Mai des Jahres), zu Stande. Man konnte 
sich jedoch weder über die vorgeschlagenen Aenderungen noch 
über den Betr^ der an die schwedischen Garnisonen in Bran- 
denburg zu entrichtenden Gontribution einigen*). Die Schwe- 
den Hessen die Besiegten ihre üebermacht empfinden und 
wollten höchstens auf den Nebenrecess verzichten; sie liessen 
sich Aeusserungen entfallen, wie dass man den Kurfürsten 
nicht wieder zu Kräften kommen lassen müsse, üebrigens 
war es für beide Theile vortheilhaft, dass der Waffenstillstand 
nicht ratifizirt wurde: die Schweden konnten um so rück- 
sichtsloser Brandenburg für ihre Märsche und Bewegungen 
gebrauchen, und der Kurfüi*st konnte, so lai^e er die Bali-' 
fication zurückhielt, auf grössere Nachsicht vom Kaiser und 
von Polen rechnen. Sonst waren, da seine Gesandten sich auf 
dem Beichstag in Kegensburg der Opposition offen ange-^ 
schlössen hatten, seine Beziehungen zum Kaiser nicht die 
besten. 

Während der Verhandlungen in Stralsund und Stettin 
hatte Leuchtmar das Gespräch auch auf di« . H^rathsange* 
legenheit gelenkt und die Ansicht Johann Oxenstiernas dar-- 
über zu erforschen gesucht. Diese Sache war^ wie Axel 
Oxenstierna äusserte, „ein heisses Eisen zu berühren", und 
er rieth deshalb seinem Sohne, sich amtlich nicht darüber 



*) üeber diese ganze VerbandltiDgr sieh« Cbemnitz a. a. 0. IV, 2: 16. 30. 
Pnfendorf, „BraBdenburg" I, 27—33. 



79 

ZQ äussern 9 sondern mangelnde Instruction Torznscliützen. 
Privatim könnte er dagegen „pro et contra discnrriren^^ und 
ZQ verstehen geben ^ dass die Beligionsverscliiedenheit das 
grösste Hinderniss sein dürfte, weil nach der schwedischen 
Yeifassong der König lutherischer Gonfession sein müsse. In- 
dessen glaubte der Ganzler, dass es kein rechter Ernst mit den 
Heirathsabsiebten des Kurfürsten sei ; „ mich dünkt 'S sagt er, 
„dass die Heirathsverhandlungen ^er angeregt worden seien, 
um günstigere Gonditionen zu erlangen und Besehwerden 
ZQ yermeiden, als dass sie ernstlich gemeint seien''*). Dass 
die pommersche Frage der hauptsächliche Beweggrund für 
die Heirath^edanken des Kurfürsten war, darin hatte der 
Oanzler ohne Zweifel Becht; aber daraus folgt doch nicht, 

* 

dass jener es damit nicht ernstlich gemeint habe. Schon im 
' August 1642 schickte er zu diesem Zweck eine Oesandtschaft 
nach Schweden und wählte zu Gesandten die beiden Männer, 
die schon bei Gustav Adolphs Lebzeiten die Unterhandlungen 
über diese Verbindung geführt hatten, nämlich den Ganzler 
Y. 05tze und Leuchtmar. Die Heirathsverhandlung war un- 
zweifelhafb der Hauptzweck dieser Gesandtschaft, obgleich ihr 
ofBcie&CT Auftrag war, mit der schwedischen Begierung den 
Unterlialt und Aufenthalt der verwittweten Königin Marie 
Eleonore festeusteüen**). 

Am &. August kamen die Gesandten in Stockholm an, 
wo sie auf das prächtigste empfangen wurden. Die junge 
Königin war nicht in der Hauptstadt anwesend, sondern be- 
&nd sich auf einer Beise, um das Land zu besehen und zu 
jagen. Die Gesandten wurden deshalb von den Vormündern 
empfangen, denen sie auch privatim ihre Aufwartung machten. 



*) Axel Oxenstierna an den Sohn Johann den 19. Februar, 12. März und 
1<^. April I€42: GjörwellB Sammlung. Noefa 1643 schrieb er demselben: ^Ith 
waiss nickt, was ich Ton diesem Hole halten soll, ob er mit Ernst oder Sehen 
umgehe": den 14. October 1648. 

*•) Die Instruction vom Juli 1642: Urk. und Act. I, S. 566 ff. 



80 

Hinsichtlich der Königin-Mutter kam es zu einer Ueberein- 
kunft, wodurch ihr von Schweden ein jährlicher Unterhalt 
von 30000 Eeichsthalem zugesichert wurde; nach ihrem 
eigenen und der Kegierung ausdrücklichem Wunsch sollte sie 
bis zur Volljährigkeit der Tochter ihren Aufenthalt in Preussen 
nehmen. In Betreff der Bedingungen des Waffenstillstandes 
kam man einander nicht viel näher, sondern die Sache wurde 
der ferneren Verhandlung mit Johann Oxenstierna überwiesen. 
In der Heirathsangelegenheit wandten sich die Legaten vorzüg- 
lich an den ßeichscanzler, der die Pläne Gustav Adolphs am besten 
kannte und schon 1632 mit ihnen darüber verhandelt hatte, 
und verlangten seinen Kath, wie die Sache am besten ins Ge- 
leise gebracht werden könne. Axel Oxenstierna äusserte sich 
mit der grössten Vorsicht; er fand den Antrag „billig und 
ehrlich und considerabel", wollte aber weder eine besondere 
Geneigtheit dafür aussprechen, noch eine gewisse Hoffnung 
geben: „könnte keine eigentliche Vertröstung thun, auch 
keine Misströstung". Alles hinge theils von der persönlichen 
Neigung der Königin, wenn sie in 2^ Jahren volljährig 
würde, theils von der Zustimmung der ßeichsstände ab. In 
ersterer Hinsicht könnte man nicht viel sagen, da die Königin 
noch sehr jung wäre. „Uebrigens ist sie", versetzte der Canzler, 
„weit mehr als gewöhnlich ihr Geschlecht begabt und dürfte mit 
der Zeit eine , Heroina' werden, sie hat einen festen WUlen 
und eine bewunderungswürdige Urtheilskraft und erinnert sehr 
an den Vater, aber wenig an die Mutter." Um die eigene 
Meinung der Königin über die brandenburgische Werbung 
einzuholen, begaben sich die Beichsräthe Ake Natt och Dag, 
Gustav Hörn und Karl Bonde nach Oerebro, wo sie sich da- 
mals aufhielt. Man setzte die politischen Gründe, welche für 
jene Verbindung sprachen, unparteiisch auseinander: „Ew. 
Majestät Grenzen würden dadurch sich rings um die Ostsee 
erstrecken, was kein unerheblich Ding wäre, zumal Pommern, 
Preussen unelMarkbrandenburg unter deroBotmässigkeit kämen." 



_^81 

Die Königin fahrte als Grund gegen die Verbindung an, dass 
der Kurfürst Galvinist sei, und als man darauf erwiderte, 
dass er zu der lutherischen Religion übertreten könne, ant- 
wortete sie lebhaft: „Der Mensch, der seinen Gott verleugnet, 
verdient es nicht, dass ihm Andere trauen/^ Sie führte auch 
das Beispiel der katholischen Gemahlin Johanns III. an und 
fügte hinzu, dass GeschwisterkiAder, als zu nahe verwandt, 
sich nicht mit einander verheirathen könnten*). Es hat den 
Anschein, als ob Christine schon jetzt angefangen habe, 
Widerwillen gegen das Heirathen zu empfinden ; man erzählte 
den brandenburgischen Gesandten, dass sie einmal geäussert 
hätte: „non sit alterius, qui suus esse potest''. Der Kur- 
fürst erhielt also keine bestimmte Antwort, obgleich er durch 
yriederholte Botschaften darauf drang. Wie sehr ihm an 
einer Entscheidung gelegen war, erhellt zur Genüge daraus, 
dass er sogar die Absicht hatte, incognito eine Beise nach 
Schweden zu unternehmen, um seine Werbung persönlich vor- 
zutr^en; und um die religiösen Bedenken zu beseitigen, 
suchte er in seinem Lande eine Annäherung der lutherischen 
und reformirten Gonfessionen zu Stande zu bringen, zu 
welchem Zweck er ein Beligionsgespräch in Vorschlag 
brachte **). 

Die brandenburgischen Gesandten, .welche am 7. October 
zu dem in Preussen sich aufhaltenden Kurfürsten zurück- 
kehrten, brachten zwar keine bestimmte Antwort, aber sie 
betrachteten ihre Gesandtschaft keineswegs als misslungen. 
Der Kurfürst war mit dem Resultat zufrieden und hegte fort- 
während gute Hoffnung. 



*) Ueber die Unterredang in Oerebro gibt der Brief tod Äke Axelsson Natt 
ocb Dag an den Canzler Tom 2. September 1642 (Ozenstiemas Smmmliing) Aus- 
kunft. 

**) Ueber Beise und Tbätigkeit der Gesandten in Schweden siebe ibre Be- 
richte, die Briefe des Kurfürsten und Auszüge aus dem Tagebuche Leuchtmars: 
Urk. und Act. I, S. 572 ff. 591 ff. Ueber die ironischen Bestrebungen des Kur- 
fürsten ebendaselbst S. 99. 520. Pufendorf, Suec. XIY, 49. 

Odhner, Politik Schwedens. 6 



89 



D6r Werbung des KurfQrsten um die Königin von Schwe- 
den folgte man in ganz Boropa mit grosser Aufmerksamkeit. 
Die meisten der europäischen Mächte blickten voller Besc^- 
nisse auf die farehtbare Macht hin, die in Begriff war, sich 
an der Ostsee zu bUden. Sogar Frankreich und Holland wur* 
den darüber unruhig, und letzteres suchte durch anderwcdtige 
Yorschläge dem Ftan entgegenzuwirken *) ; aber dkiect wurden 
unleugbar Polen und Dänemark am meisten dadurch bedroht. 
Als Wladislav das Gerücht von dem Vorhaben des Kurfürsten 
vernahm, schickte er seinen Ganzler zu ihm und warnte ihn 
in sdiarfen Worten, nach einer Krone zu trachten, die das 
rechtmässige Eigenthum seines Lehnsherrn sei. Hierauf ant- 
wortete der Kurfürst, dass ein solcher Q«danke ihm durchaus 
fem liege**). Ausserdem teat der König von Polen mit dem 
Kaiser und Dänemark in Verbindung, um ein Bündniss und 
gemeinschaftliches Auftreten gegen Schweden zu Stande zu 
bringen. Er rieth dem Kaiser, Dänemark durch Bewilligung von 
dessen Pord^iungen hinsichtlich des Elbzolles und der Graf- 
schaft Pinneberg für sich zu gewinnen, imd versprach selbst an 
dasselbe einen Theil seines Erbreiches Schweden abzutret^ ***). 
Gleichzeitig (im Sommer 1642) ging der General von Baudiss 
als Gesandter des Königs nach Dänemark ab, um mit Chri- 
stian IV. über die Mittel zu berathschlagen, wodurch man die 
Ehe zwischen dem Kurfürsten und der Königin von Schweden 
verhindern könnte, oder, wenn diese dennoch vollzogen würde, 
ein^ Schutzbund zwischen Polen und Dänemark gegen Schwe- 
den zu verabreden t). Diese Ansehläge wurden durch die 
Todesfalle, welche kurz darauf in Prankreich erfolgte, sehr 



*) So Mhlog maa z. B. franzMiehdraeits eine VerModuig mit einem polni- 
scken Piinzeii vor. 

**) Der Kurfürst an Götze und Lenchtmar den 1. September 1642: Crk. 
Qfid Act. I., & 104 ff. 

***) Inslmction dee Kaisers lllr A. y. Greiffenclaw ids Oeeandten beim 
Ktaig TOQ Polen, des 17. August 1642: W. A. 

t) Slange a. a. 0. IV, S. 1135. 



»8 

gefiSrdert, indem der Cardinal Richelieu im November 1642 
wdA EdDig Ludwig im Mai 1643 starben. Als eine Folge 
hierfCHi erwartete man, dass Frankreich sich von Schweden 
tr^men und Separatfrieden mit dem Kaiser schliessen würde, 
und der König von Polen that Alles, um den neuen Premier- 
minister, Gajfdinal Mazarin, zu gewinnen. Zwar gelang es 
weder dem polnischen noch dem dänischen König, ihre Unter- 
thanen für ihre kriegerischen Absichten einzunehmen, denn 
der daniaßhe Beichsrath lehnte durchaus jeden Angriff auf 
Schweden ab, und der polnische Beichstag wollte den Yor- 
stelhmgen des Königs und des kaiserlichen Gesandten nicht 
sein Ohr leihen, sondern folgte lieber dem Bath des franzö- 
sischen Agenten, den mit Schweden geschlossenen Waffenstill- 
stand unverbrüdilich aufrecht zu erhalten"*^). Aber dessen- 
ungeachtet fanden die beiden Könige Vorwände, im Frühjahr 
1643 versdiiedene Büstungen zu unternehmen, welche die 
schwedische Begierung als gegen Schweden gerichtet be- 
trachtete; auch glaubte man in Schweden, dass die häufigen 
Gesandtschaften, welche dieses Jahr zwischen Dänemark und 
Baasland gewechselt wurden, den Zweck hatten, den russischen 
Gzar in die antischwedische Liga zu ziehen. Im Frühjahr 
1643 begab sich der General von Baudiss nochmals zum König 
von Danemark und schlug theils eine persönliche Begegnung 
der beiden Könige, theils ein Bündniss, das zunächst die Aus- 
sehliessuB^ Schwedens von Pommern bezwecken sollte, vor. 
Als aber der König von Polen zu verstehen gab, dass er selbst 
Ansprüche auf jenes Land machte , so ward König Christian 
unschlüssig und überwies die Sache der ferneren Verhandlung 
zwischen den dänischen und polnischen Gesandten in Osna- 



•) Das Outaehten des dfinisohen Keichsratfaes vom 7. Mal 1648: Slangre 
a. a. 0., S. 1172. M^m. au sieur baron D'Ayangonr s*en allant en Varsoyio 
den 20. JDecember 1642; Wahrenb. Samml. Der brandenborgische Kesident in 
YarsjaT Hoyerheck an den Kurfürsten den 30. Mftrz und 7. April 1643: Urk. 
und Act I, S. 115. 117. 

6* 



84 

brück; die Streitkräfte, welche der König an der unteren 
Elbe gesammelt, wurden nur gegen Hamburg verwendet und, 

a 

nachdem die Stadt die Forderungen des Königs bewilligt 
hatte, aufgelöst*). Die so lange besprochene und angebahnte 
Coalition gegen Schweden wurde also auch diesmal vereitelt; 
als man den entscheidenden Schritt thun sollte, fehlte es 
sowohl an Muth als an Kräften, um die grossen Pläne zur 
Ausführung zu bringen. 

Es war indessen eine unkluge und gefährliche Politik, welche 
die Könige von Dänemark und Polen um diese Zeit gegen 
Schweden trieben. Sie hätten entweder ihre Waflfen mit denen 
des Kaisers vereinigen und die fSr beide gleich bedrohliche 
Vergrösserung Schwedens zu verhindern suchen, oder eine 
loyale Freundschaft beobachten sollen. So thaten sie weder 
das eine noch das andere, sondern suchten durch allerlei Bänke 
und geheime Feindseligkeiten Schweden entgegenzuarbeiten 
und zu reizen, wodurch sie die Bache desselben heraus- 
forderten. Eine solche feindselige Gesinnung gegen Schweden 
legte Polen an den Tag, als der kaiserliche General von 
Crockow bei seinem Einfall in Hinterpommem (August 1 643) 
unbehindert durch das polnische Gebiet ziehen durfte und 
auch bei seinem Bückzug (November desselben Jahres) sich 
desselben Weges bediente. Auch der König von Dänemark 
machte dieses Jahr das Mass seiner Beleidigungen gegen 
Schweden voll, indem er an der Insel Buden von allen nach 
Pommern segelnden SchiflFen Zoll zu erheben anfing und will- 
kürliche Visitationen und Confiscationen schwedischer Fahr- 
zeuge im Oeresund unternahm. Endlich schickte sich Däne- 
mark an, durch seine Vermittlung bei dem am 1. Juli 1643 
zu eröffnenden grossen Priedenscongress Schweden allen mög- 
lichen Abbruch zu thun. Wie parteiisch Dänemark dabei 



*) HoTerbeck an den KurfQrsten den 11. Juli 1648: Urk. und Act. I, 
S. 134. Slange s. a. 0. IV, S. 1178ff. Chemnitz IV, 3: 19. 53. Pufen- 
dorf, Suec. XV, 76. 76. 



85 

zu verfahren gedachte, erhellt am deutlichsten aus den In- 
structionen der dänischen Legaten: sie sollten nämlich unter 
keiner Bedingung in die Abtretung deutschen Landes an 
Schweden einvrilligen , und wenn im schlimmsten Fall eine 
Qeldentschädigung demselben bewilligt werden müsste, so 
sollte es unter den für das deutsche Reich vortheühaftesten 
Bedingungen geschehen *). Da nun die schwedische Begierung 
wusste, was sie auf dem Congresse von Dänemark zu erwarten 
hatte, so beschloss sie den als unvermeidlich betrachteten 
Eri^ mit dieser Macht nicht länger aufzuschieben, sondern 
durch einen kühnen Angriff zugleich alles Unrecht zu rächen 
und sich eines lästigen Vermittlers zu entledigen. Dies war 
der Grundgedanke des Schreibens der Begierung an Torstensson 
vom 25. Mai 1643**), das den Bückzug dieses Feldherrn 
gegen Norden und seinen Ein&U in Holstein (December 1643) 
zur Folge hatte. 

Der dänische Krieg wurde nicht ohne Einfluss auf die 
Beziehungen Schwedens zu Brandenburg und Pommeru. Es 
war nämlich für Schweden vom grössten Gewicht, dass der 
Kurfürst während des Krieges mit Dänemark den Waffen- 
stillstand aufrecht erhielte und sich nicht verleiten liesse, sich 
mit den Feinden Schwedens zu vereinigen, üeber die Be- 
dingungen des WaffenstiUstandes fand April bis Mai 1643 
eine neue Berathung in Stettin zwischen Johann Oxenstiema 
einerseits, Götze und Leuchtmar andererseits Statt; aber ob- 
gleich Schweden in Betreff sowohl des Nebenrecesses als auch 
der Werbener Schanze nachgab, so kam es doch auch jetzt 
nicht zu einer bestimmten üebereinkunft oder Batification 
des Stockholmer Vertrages, sondern man beschränkte sich auf 
eine mündliche provisorische Verabredung über die Beträge 
der zu leistenden Contributionen und nahm die streitigen 



*) Die Instruction vom 17. Juli 1643 bei Slange a. a. 0. IV, S. 1163ff, 
**) Siehe Geijer, Geschichte Schwedens, Bd. III, S. 833 £f. 



86 

Funkte äd referenduüi '^). Im Sammer 1643 safidte der 
Kurfürst einen gewissen Baron von Effem nach Schweden ab, 
welcher der Königin ein Geschenk und ein eigenhändiges 
Schreiben überbrachte und auch gewisse Aufträge bezüglich 
des Waffenstillstandes und der Heiratfasangelegenheit hatte, 
aber es ist über diese Gesandtschaft nichts Näheres bekannt 
geworden **). Die schwedische Regierung scheint jedoch dem 
Kurfürsten gewisse Hoffnungen gemacht zu haben; sie liess 
sogar die Möglidikeit einer Wiedererstattung Pommerns an- 
deuten. Man wäre geneigt zu glauben, dass dies nur ein 
Kunstgriff gewesen sei, um den Kurfürsten zu gewinnen 
und ihn bei guter Laune zu erhalten. Aber es erhalt aas 
den im Beicfasrathe damals aufgenommenen Protokollen, dass 
die Regierung es mit diesem Gedanken ernstlich g^^neint 
hat. Im Zusammenhang mit der Berathung über den 
dänischen Krieg berieth man sich auch über im Schaden- 
ersatz an Schweden in Deutschland, und man f&htte die 
Gründe für und gegen die Erhaltung Pommerns an. Für die- 
selbe sprachen namentlich Schwedens feindselige Beziehubgf^ 
zu Dänemark, Polen und dem Kaiser, sowie Pommerns günstige 
Lage, falls man eine dieser Mächte angreifen und den Krieg 
von dem eigentlichen Schweden entfernen wollte. Gegen die 
Erhaltung Pommerns führte man hauptsächlich an: dass 'die 
Einwohner Schweden abhold und dem Kurfürsten ergeben 
seien, dass die Provinz mehr koste als einbringe, da sie M 
ihrer Vertheidigung 10000 Mann Garnisoi^feruppen , die 
500000 Reichsthaler jährlich kosteten, erfordere, aber Bicht 
mehr als 120000 Reichsthaler einbriiuge, dass diese Besitzung 
den Schweden Feindschait und unaufhörliche Kriege mit Däne^ 
mark, Polen und Brandenburg zuziehen würde, und daiss es 



•) Chemnitz a. a. 0. IV, 3: 31. Pufendorf, Brandenburg I, 
S. 42. 43. 

••) Chemnitz a. a. 0. IV, 3: 3L Pufendorf, BrandemlMirg I, S. 44. 
Urk. und Act. I, S, 597^-598. 



87 _ 

in solchem Falle schwer sein würde, sie zu vertheidigen , da 
sie weit entfernt und im Winter schwer zugänglich sei 
u. s. w. Demzufolge beschloss der Beichsrath, dass man den 
Besitz Pommerns nicht zu einer unumgänglichen Friedensbe- 
dingung machen solle, sondern dass man sich mit 2 Millionen 
Beichsthaler für die Armee und 6 Millionen for die schwe- 
dische Krone nebst genügender Sicherheit daf&r begnügen 
wolle. Auch beschloss man, dem Kurfürsten einen Wink 
hiervon zu geben, was durch den Hofrath Joachim Transehe 
von Boseneck geschah, der im Sommer 1643 gleichsam in 
Privatgeschäften Berlin besuchte tnd dabei auch in Berührung 
mit dem Hofe trat*). Die Annäherung der schwedischen 
Begierung war nicht vergeblich ; wenn auch Versuche dänischer- 
seits gemacht wurden**), den Kurffti'sten ^ gewinnen, so 
hatten sie jedenfalls keinen Erfolg» sondern der Waffenstill- 
stand wurde unverbrüchlich gehalten. Durch einen besonderen 
Vertrag (den 5. Juni 1644) überliessen die ^Schweden dem 
Eurffirsten noch die PlSitee Frankfurt and Crossen ^ um die 
Besatzungen uderweüdg gebrauchen zn können, und der 
Korforst verpflichtete sich, alle seine KiUfte aoftubieten, damit 
dieie Orte nicht in die Hände der Feinde Schwedens fallen 
mochten***). Der Antrag, den der Kurfürst duich eine be- 
sondere Gesandtschaft in Kopenhagen und Stockholm stellen 
liess, zwischen den beiden Mächten den Frieden zu vermitteln, 
wurde von Schweden mit Dank angenommen, von Dänemark 
aber zurüclq^ewiesen. 



•) Pufendorf, Suec. XV, 83—86. Protokoll des schwedischen Reichs- 
r^ithes den 16. und 19. M&i, den 6. October 1643. 

**) Wie Pufendorf, Snec. XV,* 86 behauptet. Im preossitchen Staats- 
archiye durfte es keine Auskunft hierüber geben. 

*) Der Vertrag bei Moerner a. a. 0., S. 133 ff. gedruckt. 



•••1 



IV. 

Erster, vorbereitender Abschnitt des Westphä- 
lischen Friedenscongresses von November 1643 

bis November 1645. 



Als Torstensson in Holstein einbrach, hatte der Friedens- 
congress schon begonnen sich in Osnabrück und Münster zu 
versammeln. Die ersten am Platze waren die kaiserlichen 
Gesandten, in Münster der Graf von Nassau und Dr. Volmar, 
in Osnabrück der Graf von Auersperg (nach einem Jahre 
durch den Grafen von Lamberg ersetzt) und der Beiohshof- 
rath Grane. Dann erschien Ende August 1643 in Osna- 
brück die dänische Ambassade, von den Beichsräthen Gregers 
Krabbe und Jost Höeg angeführt; die für die Verhandlungen 
in Münster bestimmten Vermittler, der Venetianer Contarini 
und der päpstliche Nuntius Ghigi, kamen jedoch viel später 
(ersterer im November 164.3, letzterer im März 1644). Von 
der schwedischen Gesandtschaft fand sich in Osnabrück zuerst 
der eigentlich für Münster bestimmte Kesident Schering Kosen- 
haue (Ende August) ein; die beiden Hauptpersonen dagegen 
.blieben einstweilen in Minden, um die Ankunft der franzö- 
sischen Gesandten abzuwarten. Nach einiger Zeit begab sich 



89 

Salvins allein nach Osnabrück, wo er am 17. November an- 
kam; da aber die französischen Gesandten sich immer noch 
nicht einfanden, glaubte Johann Oxenstiema, dass die Würde 
der Krone es fordere, dass auch er ausbleibe. Erst nachdem 
die französischen Gesandten nach einem viermonatlichen Auf- 
enthalt im Haag'*') im März 1644 in Münster angekommen 
waren, hielt Oxenstiema den 27. März seinen feierlichen Ein- 
zug in Osnabrück**). 

Hatten somit die verbündeten [Mächte anfänglich den 
geringsten Eifer far die Friedensverhandlung an den Tag ge- 
legt, so dauerte es doch nicht lange, bis die Kaiserlichen 
sich noch gleichgültiger zeigten. Die. Ursachen zu diesem 
ümschyning der kaiserlichen Politik waren theils die Nieder- 
lage der Franzosen bei Duttlingen***) (im November 1643), 
theils der Einfall Torstenssons in Holstein, wodurch Dänemark 
und vielleicht auch Polen gegen Schweden in Harnisch ge- 
bracht wurden. Der Kaiser und Spanien hofften darum mehr 
von den Waffen als von den Unterhandlungen, und Ersterer 
liess theils durch seine Gesandten ani Gongresse, theils durch 
eine besondere Gesandtschaft dem König von Dänemark ein 
enges Bündniss anbieten. Auf alle Anmahnungen des (regners, 
die Vollmachten auszuwechseln und die Verhandlungen zu 
erölShen, konnte man mit gutem Grund antworten, dass sol- 
ches nicht ohne Vermittlung geschehen könne, und dass 
Schweden durch seinen Angriff auf Dänemark die dänischen 



*) Sie hatten diesen Umweg genommen, um das Bündniss zwischen Frank- 
reich and den Generalstaaten zu emenem. 

**) Dieser Einzug wird als ein besonders prächtiger und glänzender geschildert : 
Oxenstiema war von 60 berittenen Edelleuten aus der Gegend, 10 Garossen, 
100 Pferden, einer zahlreichen Dienerschaft und Hofstaat, von Paukenschlägern 
und Trompetern, Trabanten und Lakaien begleitet. Der Bürgermeister und die 
Käthe der Stadt begegneten ihm vor den Thoren, und die Bürgerschaft im Ge- 
wehr bildete Spalier. 

••*) Auf Grund hiervon äussert Salvius über die militärische Tüchtigkeit 
der französischen Nation: „Die Franzosen sind ausserhalb ihrer Grenzen wenig 
brauchbar": Salvius an die Regierung den 3. December 1643. U. W. F. 



90 

Yertnittler vertrieben habe (sie batteki aeboii im Januar 1^4 
Osnabrück verlassen, nar einen Agenten zurüeklassend). Wefili 
mm nun, wie Schwed<0n vorschlug, Dänemark ignotirte tmd 
ohne Vermittlung unterhandelte, so wäre dies fQr jenes Bekil 
sehr verletzend, und nach dem Vorschlag det Franzosen attoh itk 
Osi!iiäbr^ck die Vermittlung der Venettanischen Republik in An- 
spruch eu nehmen^ wäre mit der Würde Schwedens nicht vemn« 
bar, es sei denn dass die Bepublik einen besonderen Gesandten 
schickte^ wozu sie nicht geneigt war. Aber dies Hindemiss 
hatte in der That nicht viel zu bedeuten, da auch die Ver*' 
handlungen in Münster trotz der Anwesenheit der VermitUier 
und deren Dienste gänzlich stockten ; sie scheiterten an Bang* 
und Titelstreiten, sowie an g^nseitigen Anmerkungen geg^ 
die Fassung der vorgelegten Vollmachten. Endlich gab 
es zwischen dem Kaiser und den verbündeten Mächten eine 
Streitfrage von grosser Bedeutung und Tragweite, nämlich 
die über die Theilnahme der deutschen Bei<äi88tände am 
Friedenscongress. 

Es lag natürlich im Interesse Schwedens und Frank* 
reichs, dass eine solche Betheiligung, und zwar in möglichst 
grosser Ausdehnung, Statt fände. Denn die meisten protestan- 
tischen Stände und viele katholischen hatten Interessen, welche 
denen des Kaisers entgegengesetzt waren ^ und würden sich 
daher den verbündeten Mächten, er&tere Schwedeü, letztere 
Frankreich anschliessen und sieh unter ihren Schutz stelleii. 
Die Verbündeten könnten dadurch sowohl mit grösserem Nach- 
druck gegen das Habsburgische Haus auftreten und jeden Ver- 
such des Kaisers, die deutschen Beichsstände gegen die Frem- 
den zu vereinigen, leichter verhindern, als auch mit Hülfe 
der Stände ihi-e Sonderinteressen um so kräftiger fordern. Allein 
die Frage, inwiefern eine Betheiligung der deutschen Beichs- 
stände an den Friedensverhandlungen stattfinden sollte, war 
zugleich eine Principfrage von grosser Bedeutung auch für die 
Kronen. Der dreissigjährige Krieg war nicht nur durch 



dl 

die BedtrefoUDgen der katholischen Beaction, die bestehenden 
religi(^f3en Yerhftibiigse zu stSren, hervoiigerufen ; dieser Krieg 
war Zugleich der letzte entsdieidende Kampf zwischen den 
zwei politischen Systemen ^ welche seit dem Mittelalter nm 
die fiertsohaft im deutschen Beiche stritten, nämlich das 
monftrchiscbe und das reichsffirstUche oder territorielle. Es 
gab einen Aagenblick im Laufe des Krieges, wo es den An- 
sehein hatte, als ob Deutschland den Namen einer Monarchie, 
weichen die dentschen Becfatsgelehrten demselben noch in 
geben liebten^ yerdienen wfirde; aber binnen kurzem erhob 
sich eine starke Beaction seitens der in ihrer Selbständigkeit 
bedrohten deutschen Beichsstände, indem sie zuerst den Vor* 
kämpf er des monarchischen Princips, Wallenstein, stürzten 
und dann unter dem Schutze Schwedens und Frankreichs die 
tintitotielle Selb^ndigkeit in deren ganzem Umfange geltend 
machten. Aus diesem Grunde wollte Ghastav Adolph ein 
Gorpos evangelioorum errichten, wenn es gleidi wahrscbein^ 
lieh ist, dass seine Herrschematur schwerlich auf die Dauer 
äcli mit der f5derativen Verfassung vertragen hätte. Durch 
die Schlacht bei Nördlingen und den Prager Frieden schien 
die kaiserliche Gewalt wieder die Obeiliand za gewinnen, 
indem die Mehrzahl der deutschen Beichsstände, mit Auf- 
opferung derjenigen Stände, welche der Kaiser nicht be- 
gnadigen wollte, sich derselben anschloss. In den nächsten 
darauf folgenden Jahren schien Schwede die von Gustav 
Adolph ererbten Pläne zur Umgestaltung des deutschen Bei- 
ches angegeben zu haben und nur fdr den eigenen Yortheil 
und die eigene Ehre zu kämpfen; aber Oxenstiema hatte 
diese Pläne nicht vergessen, und je nachdem das Glück die 
schwedischen Waffen von Neuem zu begünstigen begann, nahm 
er dieselben wieder auf. In dieser Beziehung hatten Schwe- 
den und Frankreich ungefähr dieselben Interessen. Die beiden 
Mächte waren also neben den kriegerischen Erfolgen unab- 
lässig bemüht, den Geist der territoriellen Unabhängigkeit 



92 

und die Furcht vor dem üebergrifif der kaiserlichen Gewalt 
wachzurufen und zu erhalten. Zu diesem Zweck arbeiteten 
die schwedischen Diplomaten mit der Feder und dem Worte, 
wie die Heere mit dem Schwert; und es war wahrscheinlich 
unter schwedischer Beeinflussung, dass das bekannte antikaiser- 
liche Buch „De ratione status in imperio nostro Bomano- 
Germanico'' von dem Pseudonymen Verfasser Hippolithus a 
Lapide ausgearbeitet und herausgegeben wurde. Aller Wahr- 
scheinlichkeit nach ist das Buch in Stettin gedruckt und hat 
zum Verfasser den bekannten Bogislav Philipp Kenmitz, der 
später schwedischer Historiograph und mit dem Namen v. Chem- 
nitz geadelt wurde*). Wenn dem wirklich so ist, so kann 
man annehmen, dass das Buch nicht ohne Mitwirkung Axel 
Oxenstiernas erschienen sei, zumal es wesentlich ein Ausdruck 
seiner Auffassung ist. Der Verfasser dieser Schrift fordert 
die Fortsetzung des Krieges, bis das für Deutschland so ver- 
derbliche Habsburgische Haus gedemüthigt und, wo möglich, 
abgesetzt worden sei, und dass dann die rechtmässige Ver- 
fassung, welche nach der Ansicht des Verfassers aristokratisch- 
republikanisch war, wiederhergestellt werde; die Souveränität 
komme nämlich dem Beichstag zu, und der Kaiser sei nichts 
als dessen Vorsitzender und der Vollstrecker der Beschlüsse 
desselben, der erste Beamte des Beiches, wie etwa in der 
venetianischen Bepublik der Doge. 

Dieser Auffassung der deutschen Beichsverfassui^ gemäss 
machten nun die verbündeten Mächte das Becht der Stände, 
sämmtlich an den westphälischen Friedensverhandlungen Theil 



*) Die Belege für diese Annahme hat F. V7eber, Hippolithas a Lapide: 
Sybels Histor. Zeitschrift XXIX, S. 254 flf. gesammelt. — In der Oxenstierna- 
sehen Sammlung findet sich ein Brief von Lilljeström an Axel Oxenstiema, 
worin ersterer dem Ganzler B. Ph. Eemnitz, der eben im Begriff war nach 
Schweden hinüberzufahren, empfiehlt, weil „er mit den hiesigen Beichssachen 
sehr vertraut sei" und „vorkommenden Falls gut befähigt, über die deutschen 
Angelegenheiten zu schreiben''. Da dieser Brief vom 5. November 1640 datirt 
ist, 80 kann das Buch kaum, wie es selber angiebt, 1640 erschienen sein. 



93 

zn nehmen, geltend. Zwar hatten die Stände durch den Be- 
schluss des Beichstages zu Begensburg 1641 den Kaiser be- 
auftragt, im Einvernehmen mit den Kurfürsten die Friedens- 
Unterhandlungen mit den auswärtigen Mächten zu fuhren, 
aber zugleich hatten sie sich das Recht vorbehalten, ihre Ge- 
sandten zum Gongress zu schicken, um den kaiserlichen 
Commissären ihre Wünsche mitzutheilen. Hiermit war jedoch 
den Standen nur eine passive und bescheidene Bolle zuge- 
wiesen, die weder ihnen selbst noch Frankreich und Schweden 
genügte. Letztere boten daher Alles auf, um die Befugnis^ 
der Stände am Gongress zu erweitern und sie zur Beschickung 
desselben zu bew^en. Gleich nach der Batification des Prä- 
liminarvertrages hatte Salvius durch ein Schreiben den 
Ständen mitgetheilt, was man für sie ausgewirkt hatte, und 
am 14. November 1643 erliessen die schwedischen L^ten 
von Minden aus eine förmliche Einladung an die vornehm- 
sten der evangelischen Stände, den Gongress zu beschicken, 
und fügten die Geleitsbriefe far die Gesandten derselben bei. 
Diese Bestrebungen wurden von einer Partei der gleichzeitig 
in Frankfurt am Main versammelten Beichsdeputation kräftig 
unterstützt. Die Deputation hatte sich auf Grund des Beichs- 
tagsbeschlusses von Begensburg im Februar 1643 versammelt, 
um über gewisse beantragte Beformen im Gebiete des deutschen 
Justizwesens zu verhandeln ; aber die an der Deputation Theil 
nehmenden Stände*) hatten ihren Gesandten die Instruction 
ertheilt, auch die Friedensverhandlung zur Sprache zu bringen, 
und diese Frage wurde die wichtigste. Trotz alles Wider- 
standes seitens der Kaiserlichen begann die Deputation sich in 
die Friedensunterfaandlungen zu mischen, um dieselben zu be- 
schleunigen. So weit waren die Mitglieder der Deputation 



*) Diese bestanden laut der Beschlfisse des Reichstags von 1559 und 1570 
ans dem EorfürstencoUegium, acht weltlichen und Tier geistlichen Fürsten, 
sowie zwei Reichsstädten. Die Katholiken hatten in dieser Versammlnng grosses 
Uobergewicht. 



_ ^- 

einig. Als aber der FüigteDrath darauf diamgp, dasa a&mmfr- 
liche Stände durch kreisweise geiwählte Abgeordnete am Frie^ 
deosGOHgrease Tlieil nehmen sollten, so sitiesa dies auf Wider- 
stand nicht nur bei den kaiserlichen, sondern aucb bei den 
kurfürstlichen Gesandten, welche den EurfSrsfcen einen öber- 
wiegenden Einäuss im Congrease vorbehalten wollten. Dageg^ 
waren weder die Kaiserlichen noch die KurfüistMchen gegen 
den vermittelnden Vorschlag, da» die Stände durch die 
Beichsdepntation an der Friedeng^erhandlung Theil nehmen 
dürfte, ungünstig gestimmt Ate aber die Frage, in welcher 
Weise diese Betheiligung Statt finden sollte, ob durch Sc^riflr- 
weohsel zwischen Frankfurt und dem Gongressorte odar dorch 
Versetzung der Deputation nach Osnabrück und Münster, an- 
geregt wurde ^ brach ein hefkiger Streit aus, indem der 
Kais^ und die Mehrhät des Kurfur^nrathes auf daa erstere 
bestanden, der Fürstenrath dagegen auf das letztere, und 
dieser Meinung tratw die brandenburgiachen Gesandten, welche 
mh an die Spitze der Opposition gestellt hatten, bei. Um 
die Opposition zu unterstützen und die Stände anzutreiben, 
drohten die L^at^ der beiden verbündieten Mächte den Goor 
gress zu verlassen und warteten sowohl die Deputation aJs 
die St&nde insgemein mit nenen ESnnabnungs« und Eän- 
ladungsschreiben auf'''). Von diesen enregte keines gn^sseres 
Aufsehen als der von D'Avaux verfasste Brief, wacher am 
6. April an die aämmtlichen Beichsstände Deutschlands ge- 
richtet wurde. Er enthielt heftige Ausfälle gegen das Hans 
Habsburg, das man der Pläne auf eine üniversabnonarehie 
und Verletzung der Freiheiten und Rechte der deutsehen 
Beichsstände beschuldigte. Dieaer Brief erregte einen Stunn 
des UnwUIena und ward auch von denjenigen, wetehe mit 



*) Die acbw6di3cbeii Sdureihen wwren yom 15. Februar, 4. imd 7. Oetober 
1644-, «las erste an di« Yornebrnsten eyaDgeUseben Stäntde, daa «weite «a die 
BeicbsdeputatioB iu Frankfurt und da« dritte an sowobJL katbolisehe al3 eTan- 
geliscbe Stände gericbtet. 



draa aUgemeinen Zweck desselben emveistanden waren, ja 
sogar von D'Avaux' Amtsbruder Seryien gemisabilligt ; die 
schwediscben Schriften waren in einem ruhigeren Ton ge- 
klten und machten d/eshalb einen tigeren Eindruck'^). 

Eine weitere Streitfrage, welche auch zur Y^rz^erung 
der FriedensTerhandlungen beitrug, war die über Baag und 
Titel der kurfSrstlichen Gesandten. Es kg in dem Geiste 
jener Zdit, ein unglaubliches Gewicht auf Alles, was die 
Formen und das Geremoniel betraf, au legen, und es gab 
noch keine bestimmte Praxis, der man in dieser Beziehung 
folgen konnte; es war eben der Westphälische Friede, welcher 
eine feste Norm für solche Fragen schuf. Es erregte grossen 
Yerdruss bei den EurfüiBten, dass die kaiserlichen Legaten 
dem Gesandten der yenetianischen Bepublik den Titel Excellenz 
gaben und ihn mit dem ersten Besuch beehrten, aber den 
kurfurstUchen Gesandten dieselbe Ehrenbezeigung nicht zuer- 
kennen w<dlte&. Aus diesem Grunde fanden sich diese für die 
Arbeiten des Congresses unentbehrlichen Personen lange nicht 
ein. Der ganze Congress ruhte fortwährend; die Diplomaten 
beschäftigten sich mit nichts Anderem, als die Schuld für 
die Verzögerung auf einander zu schieben. Die schwedischen 
und franzdsiaeh^ . Gesandten brachten die Zeit damit zu, sich 
gegenseitige Besuche abzustatten und gemeinschaftliche Mass- 
regeln bezüglich der Friedensunterhandlungen und anderer 
Fragen zu verabred^i. 

Wie achoo oft vorher, so war es auch jetzt der Gang 
des Krieges, der die Unterhandlungen belebte und die Kaiser* 
liehen willfährige machte. Die Hofiiungen, welche der 
Kaiser mid seine Bundesgenossen auf den Erfolg ihrer Waffen 
gesetzt hatten, begannen im Sommer 1644 wieder dahinzu- 
schwinden, indem die Bayern der ganzen Bheinlinie entlang 



•) Der Brief D'Avaux' bei Chemnitz IV, 4: 12 abgedruckt. Vgl. im 
XJebrigen M. J. Schmidt, Geschichte der Deutschen XI, S. 20ff. De Garden, 
Hist. g^n^rale des tralt^s de paix I, p. 135 ff. 



96 

zurückweichen mussten zu derselben Zeit, wo Torstensson 
aus Holstein zurückkehrte und die Kaiserlichen unter Gkillas 
bedrohte. Diese Ereignisse verfehlten nicht auf die kaiser- 
liche Politik zurückzuwirken, die nun eine bei weitem 
fügsamere und friedlichere Bichtung einschlug. Die kaiser- 
lichen Legaten in Osnabrück erboten sich nun, was sie bisher 
standhaft zu thun verweigert hatten, ohne Vermittler zum 
Vorzeigen der Vollmachten zu schreiten , was auch am 
1. September 1644 in der Wohnung des Decans Heysterman 
geschah, wo die beiden Legationssecretäre, mit den nöthigen 
Urkunden versehen, zusammentrafen. Nachdem man auf 
beiden Seiten die Vollmachten der gehörigen Prüfung unter- 
worfen hatte, wurden diese endlich (den 21. November), eben- 
falls ohne Zuziehung der Vermittler, au^ewechselt; der Stadt- 
syndicus wurde als Bote gebraucht. Dasselbe war kurz 
vorher in Münster geschehen. Gleich darauf (den 24. bis 
27. November) wurden die ersten präliminaren Vorschläge von 
beiden Seiten und an beiden Orten abgegeben. Die Kaiser- 
lichen beantragten, zum Qrund für die Verhandlungen theils 
den Friedensschluss zwischen dem Kaiser und Frankreich in 
Begensburg 1630, theils das während der Verhandlung mit 
Kursachsen von Axel Oxenstierna 1635 aufgestellte sogenannte 
Schönebecksche Project*) zu legen. Die verbündeten Mächte 
dagegen stellten in der Hauptfrage keine Forderung, sondern 
verlangten nur als Bedingung jeder Verhandlung über dieselbe, 
dass der Kaiser sämmtliche Beichsstände zur Theilnahme an 
dem Friedenscongress einladen möchte. 

Die fleissigen Bearbeitungen begannen allmählich zu 
wirken; schon zu Ende des Jahres 1644 erschien in Osnabrück 
einer und der andere Gesandte von Fürsten und Ständen, als 
z. B. von Braunschweig -Lüneburg, Mecklenburg und den 
Hansestädten, und Andere meldeten sich an. Und nachdem 



•) Siehe S. 30. 



97 

der Kaiser versprochen hatte, den kurfürstlichen Gesandten 
dieselben Ehrenbezeigungen, wie den venetianischen , zu er- 
weisen , fanden sich auch jene ein , mit Ausnahme der kur- 
sächsischen, welche sich erst 1646 einstellten. Allein es war 
wieder ein Ereigniss auf dem Kriegsschauplatz, was der Sache 
den Ausschlag gab: am 24. Februar erfocht Torstensson den 
glänzenden Sieg bei Jankowitz. Die Folge hiervon zeigte sich 
för den Friedenscongress darin, dass die deutschen Reichs- 
stände nun, trotz des Unwillens des Kaisers, nach Osnabrück 
und Münster herbeiströmten, und der Kaiser selbst erachtete 
endlich für gut, in die Versetzung der deutschen Eeichs- 
deputation nach Münster, damit dieselbe den kaiserlichen Ge- 
sandten an die Hand gehen könnte, einzuwilligen (den 1. April 
1645)*); worauf die Versammlung zu Frankfurt aufgelöst 
wurde. Aber dieses Zugeständniss kam jetzt zu spät, es wurde 
nicht mehr als genügend betrachtet ; die evangelischen in Osna- 
brück versammelten Bevollmächtigten der Stände wollten sich 
mit nichts weniger als dem Beitritt sämmüicher Stande zu den 
Congressverhandlungen b^nügen, und zwar um so mehr da 
die Katholiken entschieden das üebergewicht in der Beichs- 
deputation hatten; hierin wurden sie auch von den Schweden 
bestärkt. Diese hegten auch einige Zeit den Plan, dass gleich- 
zeitig mit dem Gongresse ein deutscher Reichstag einzuberufen 
sei, um über die inneren deutschen Streitfragen zu beschliessen. 
Aber dieser Plan wurde von den deutschen Ständen, welche 
auf einem Reichstag von den Katholiken leicht überstimmt 
werden könnten, abgelehnt. 

Die Entscheidung der Sache konnte man nicht länger 
aufschieben, da es hohe Zeit war, endlich von den Vorbe- 
reitungen zu den eigentlichen Unterhandlungen zu kommen. 



•) „Ich sehe, dass die Ihrer Majestät von Gott verliehene Victorie in 
Böhmen ihre Strahlen his zu den Friedensverhandlungen in Deutschland ge- 
worfen hat, so dass der Feind heginnt, courtois und humaner zu reden.** Axel 
Oxenstiema an seinen Sohn den 25. April 1645. 

Odhner, Politik Schwedens. 7 



08 

Zwar war ein neuer präUminarer Streitpunkt entstanden, in- 
dem die Schweden auch für die Bevollmächtigten der Stadt 
Stralsund Geleitsbriefe verlangten, die Kaiserlichen aber die- 
selben verweigerten. Letztere meinten, dass nur die unmittel- 
baren Stände bereditigt seien, Geleitsbriefe zu erhalten, erstere 
dagegen, dass der Begriff „ Adhaerentes^* auch diejenigen mittel- 
baren Stande, die sich den verbündeten Kronen angeschlossen 
hatten, umüasseo müsse. Was die Kaiserlichen hierbei befarch- 
teteo^ war nicht sowohl jene Forderung an und für sich, vielmehr 
die Schlussfolgen, welche Schweden zum Vortheil der böhmischen 
ufid österreichischen Flüchtlinge daraus ziehen könnte. Die 
schwedischen Legaten begnügten sidi indessen vorläufig damit, 
den Betr^nden ihr Becht vorzubehalten, und erklarten sich 
bereit, nach dem eindringlichen Verlangen der anwesendjen 
Stände die Friedensverhandlungen sogleich zu eröihen. Sie 
statteten den ersten Besuch bei d^ kaiserlichen L^aten (den 
6. März IM 5) ab und forderten die Franzosen, welche unter 
allerlei Vorwändefn Aufschub suchten, zur Beschleunigung der 
Geschäfte auf. Unter g^enseitigen Besudien in Osnabrück 
und Münster (im Frühjahr 1645) wurde zwischen den L^aten 
der beiden Kroe^ Inhalt und Form der ersten Propositionen 
über die Hauptfrage, die sde sich jetzt anschickten ab:sQgeben, 
verabredet, und auf Verlangen der Franzosen wurden hierbei 
einige scharfe, auf die religiösen Verbältnisse bezügliche 
Ausdrücke gemildert. Da abesr die Fmnzosen auf bestimmte 
Ordres v^oi ihrem Ho£b Ismge warten mussten, oder, richtiger 
vielleicht, Befehl hatten, die Sache so lange als m^lich auf- 
zuhalten, 180 konnte maa die ProposiiioDeu erst am 1. Juni ab- 
geben, was in Osnabrück durdii den schwedischen Legation&- 
secrotär Mylonius» in Müaster dui^h die Vermittler geschaJi. 
Die schwedische Proposition forderte vor Allem eine allge- 
meioe und unbeschränkte Amnestie und Bestitution in den 
Stand von 1618 für sämmtliche Stände und Ünterthanen des 
deutschen Reiches, unter welchen die Krone Böhmen, die 



_99 

Hauaer Pfalz, Wärtemberg und Baden, sowie die Stadt 
Augsburg besoadera genannt wurden, ferner dass die Befor- 
mirten in den Beligionsfrieden mit einbegriffen werden möch« 
ten, dass fortbin der Kaiser in Angelegenheiten des Reiches 
fiiclits von Gewicht ohne Genebnügung der Stände auf einem 
allgemeinen Reichstag unternehmen dürfte, dass die Stände im 
angestörten Besitz aller gesetzlichen Souveränitätsrechte, wor- 
unter das Becht mit fremden Mächten Bündniss zu schliessen, 
gelaasen würden, dass alle politischen und kirchlichen Steeitig- 
keiten, welche im Reiche wegen des Reli^onsfriedens oder 
aas anderen Ursachen entstanden waren, am Gongresse gänzlich 
geschlichtet und tibgemacbt wurden, und endlich, dass die 
beiden Kronen und ihre Bundesgenossen eine billige Entschä- 
digung (welche jedoch nicht näher bestimmt wurde), sowie 
Ersatz an Geld far ihre Armeen erhalten sollten. Hiermit 
stimmte die franzosische Proposition in Allem, was die poli- 
tischen Verhältnisse anbetraf, überein, wogegen die kirchlichen 
Fragen durch Einwirkung des eifrigen Katholiken D'Avaux 
gändich übergangen wurden*). 

Kurz nachdem die Propositionen abgegeben worden waren, 
erschien in Münster der französische Principallegat, der Herzog 
von Lon^eville, welcher abgesandt war, um durch seinen 
hohen Rang der französischen Gesandtschaft Glanz zu ver- 
leihen und durch seine hervorragende Stellung die beiden 
anderciu unter sich uneinigen G^andten zu vereinigen. Um 
dieselbe Zeit^(Juni 1645) traf auch der spanische Principal- 
legat, der Graf Penaranda, in Münster ein. Man erwartete, 
dass die Anwesenheit dieser beiden einflussreichen Personen den 
GUog der Unterhandlungen beschleunigen würde. 



*) £r äusserte zu Contarini, dass man die religiöse Frage so Torsichtig als 
möglich behandeln müsse, „per non traghettar la guerra presente, che fin ora 
e stata politica, in guerra dl religione, come forse gli protestanti desiderano": 
Contarini an Nani (den berühmten Geschichtsschreiber, yenetianischen Bot- 
schafter in Paris) den 16. Juni 1645. Ven. A. 

7* 



100 

Die fremden Mächte hatten also ihre Schuldigkeit in 
Bezug auf den Portgang der Friedensverhandlungen gethan. 
Das Hindemiss lag jetzt nicht mehr an den Ausländern, son- 
dern an dem Kaiser und den deutschen Ständen, welche sich 
noch nicht über den deutscherseits zu befolgenden Modus trac- 
tandi hatten einigen können, ja die Zeit über geringfügige 
Streitigkeiten, wie z. B. den wegen des Excellenztitels, den 
die fürstlichen Gesandten den kurfürstlichen nicht zuerkennen 
wollten, hingehen Hessen*), um zur Klarheit in dem haupt- 
sächlichen Streitpunkte, nämlich dem über {die Theilnahme 
sämmtlicher Stände an den Verhandlungen des Congresses, 
hielten die kaiserlichen und kurfürstlichen Legaten vom 30. Juni 
bis zum 1. Juli 1645 eine Conferenz in Lengerich (einem 
zwischen Osnabrück und Münster gelegenen Ort) ab. Es 
wurde hier allerdings beschlossen, dass der Kaiser sämmtliche 
Stände zum Congress zulassen solle, aber ausserdem, dass sie 
nur nach Münster einzuberufen seien, und dass bis zu ihrer 
Ankunft (d. h. in der That ad calendas graecas) eine ver- 
stärkte Eeichsdeputation daselbst an den Verhandlungen Theil 
nehmen solle. Der Versuch, den Schwerpunkt des Congresses 
nach Münster zu verlegen und die evangelischen Stände dem 
Einflüsse Schwedens zu entziehen, musste natürlich die schwe- 
dischen Legaten reizen, welche auch den Congress zu verlassen 
und einen Separatfrieden zu schliessen drohten; und der Ver- 
such, auf einem Umwege die Eeichsdeputation einzuschmuggeln, 
stiess bei den evangelischen Ständen in Osnabrück, welche 
stets im Einvernehmen mit den Schweden handelten, auf star- 
ken Widerstand. Sie erklärten, dass der Vorschlag, die Stände 
durch eine Eeichsdeputation vertreten zu lassen, nicht annehm- 



*) Hierüber stellt Contarini folgende Betrachtung an: „Tutti neir imperio 
languiscono, e pare tra questi langaori, chi a dir il yero sono dei pin coa- 
iinanti alla morte, prevagliono gPaffetti della religione, della passione, e non 
sanno manco risolversi a convenire per stabilir del luogo e delle forme, con le 
quali si doveria progredir nei trattati": Contarini an Nani den 25. August 
1645. Ven. A. 



101 

bar sei, sondern forderten, dass die Stände, auf die drei ge- 
wöhnlichen BeichscoIIegien vertheilt, sämmtlich an den Ver- 
handlungen Theil nehmen sollten, und zwar an beiden Orten 
gleichzeitig, so dass jedes Collegiuni sich theilweise in Osna- 
brück, theil weise in Mfinster be&nde, aber dennoch als ein 
Ganzes betrachtet würde, und dass die üblichen Be- und Gorre- 
lationen sowohl zwischen den beiden Theilen jedes Gollegiums, 
als auch zwischen den besonderen Collegien entweder durch 
Bevollmächtigte oder durch die Stände selbst in den einmal 
ums andere in Osnabrück und in Münster zu veranstaltenden 
Zusammenkünften Statt finden sollten, worauf ein gemeinsames 
sogenanntes Gonclusum zu Stande gebracht werden sollte. 

Nach hartnäckigem Widerstände seitens der Kaiserlichen 
und der in Münster versanmielten katholischen Stände, welcher 
Widerstand durch die in dieser Sache schwankende Haltung 
der Franzosen ermuntert wurde, entschloss man sich endlich 
nachzugeben. Es stand zu erwarten, dass die Schweden nun- 
mehr, nach dem Friedensschluss mit Dänemark (den 13. August) 
und dem Waffenstillstand mit Eursachsen (den 27. August), 
den deutschen Krieg mit noch grösserer Kraft verfolgen wür- 
den, und dies trug bei, den Kaiser zur Fügsamkeit zu stimmen. 
Am 19/29. August 1645 erliess er an die sämmtlichen Beichs- 
stande eine allgemeine Einladung, den Congress zu beschicken, 
und kurz darauf ward der von den Protestanten vorgeschlagene 
Modus tractandi auch in Münster angenonamen. Somit hatten 
die Kronen, und vorzüglich Schweden*), den so lange und 
mit solcher Hartnäckigkeit verfochtenen Plan des Kaisers, 
allein, oder höchstens mit Zuziehung der Kurfürsten, das Beich 
auf dem Friedenscongresse zu vertreten und die Friedensbe- 
dingungen desselben zu bestimmen, vereitelt. Die jetzt ange- 



*) „Sempre piü appar chiaro, che gli affari di Germania si tratteranno anzi in 
Osnabrück che a Münster, sotto la direttione de' Suezesi piü che de' Francesi •— 
essi medesimi il confessano e conoscono di esser piü segnaci che direttori,^ 
Contarini an Nani den 26. Mai nnd den 18. August 1645. Ven. iu 



102 

nommene Form der Berathungen war allerdings schwerföHig 
und unbeholfen, aber zugleich die einzige, dureh welche die 
protestantischen Interessen völlig gewahrt werden konnten. 
Die mächtigeren deutschen Stände traten von nun an als 
selbständige Staaten beim Congresse auf und hatten gewöhn- 
lich Bevollmächtigte au beiden Orten; alle die übrigen 
theilten sich in zwei grosse Gruppen, die schwedisch-prote- 
stantische in Osnabrück und die kaiserlich - katholische in 
Münster, und ausserdem bildeten sich mit der Zeit mehrere 
Zwischengruppen, eine französisch - ligistische , eine spanisch- 
ultramontane u. m.*) 

Nachdem die Frage der Betheiligung der Beichestände 
entschieden worden war, erboten sich die Kaiserlichen, ihre 
Erklärungen über die Propositionen den Kronen abzugeben, 
und setzten hierzu einen bestimmten Tag , nämlich den 
15/25. September 1645, gerade neunzig Jahre nach der Unter- 
zeichnung des Beligionsfriedens , fest. Dies veranlasste eine 
neue Streitfrage präliminarer Art, indem die Kaiserlichen und 
die katholischen Stände von dem feierlichen Act, womit die 
Erklärungen abgegeben werden sollten, gewisse protestantische 
Stände ausschliessen wollten, nämlich das Stift Magdeburg, 
Hessen -Kassel, Baden - Durlach und Nassau - Saarbrücken , das 
erstgenannte, weil sein Erzbischof ein Protestant war, die drei 
letzteren, weil sie noch mit dem Kaiser unversöhnt waren 
oder sich sogar im offenen Krieg mit demselben befanden. 
Die schwedischen Legaten vertraten eifrig das Becht der Aus- 
geschlossenen, gaben aber endlich auf Verlangen der übrigen 
protestantischen Stände, und nachdem diese versprochen hatten, 
bei den übrigen Verhandlungen dieselben nicht auszuschliessen. 



*) Diese Uebersicht von den Verhandlongen der zwei ersten Jahre gründet 
sich auf Meiern, Acta Pacis Westphalicae, Bd. I. Chemnitz a. a. 0. IV, 
4, 5. Bougeant, Histoire du tratte de Westphalie» Buch I'-Ul, sowie die 
Berichte der schwedischen, kaiserlichen und hnuadenfoargiBchen Gesandten in 
Osnabrück. Vgl. auch Stöcke rt, Die Admission der deutschen Beichsstände 
zum Westphälischen Friedenscongresset, Kiel 1869. 



103 

nach. Dann wurde die kaiserliche Erklärung an dem festge- 
setztoi Tage in Gegenwart der deutschen Stände in den Batb* 
hänaern zu Osnabrück und Mfinster verlesen. Am letzteren 
Ort ¥nirde dieselbe durch die Vermittler an die Franzosen 
abgegeben. In Osnabrück erboten sich erst die Yenetianer, 
dann die anwesenden kurfürstlichen Gesandten, die Ver- 
mittlung zu übernehmen; aber diese Anerbietungen wurden 
von den Schweden zurückgewiesen, die der Venetianer, weil 
die Bepublik in Osnabrück keinen anderen Bevollmächtigten 
als einen Besidenten halten wollte, die der Kurfürsten, weil 
der ihnen gegebene Vorzug Missfallen und Neid bei den 
übrigen Ständen erregen könnte. Man einigte sich schliess^ 
lieh dahin, dass die kaiserliche Erklärung den Schweden direct 
durch den kaiserlichen Legationssecretär zu übergeben sei, 
was auch am 12. October 1645 geschah. 

Die kaiserliche Urkunde enthielt hauptsächlich Folgendes. 
Der Kaiser bot unbeschränkte Amnestie*), sowie Bestitution 
nach dem Beichsachluss von 1641, d. h. mit 1627 als Normal- 
jahr für geistliche, 1630 für weltliche Güter an, er gab zu, dass 
die Beformirten in den Beligionsfrieden aufgenommen würden, 
versicherte, dass er nie in Angelegenheiten des Beiches etwas 
von Gewicht ohne Genehmigung sämmtlicher zum allgemeinea 
Beichstag versammelten Stände unternehmen würde und dass er 
die Stände im ungestörten Besitz ihrer Souveränitätsrechte lassen 
wollte, ihnen das Becht, mit fremden Mächten Bündniss ein- 
zi^ehen, wenn es nur nicht gegen den Kaiser, das Beich oder 
den Beligionsfrieden geschähe, einräumend, und endlich ge* 
stattete er, dass die inneren Streitfragen in Deutschland auf 
dem Friedenscongress zur Entscheidung gebracht werden soll- 
ten. Was dagegen die Forderung Schwedens wegen Ent- 



*) Am 1. October 1645 hatte der Kaiser ein neues Amnestiepatent erlassen, 
welches eine allgemeine Avinestie» 4em Beschlüsse des K^ichstages zu Regens- 
hurg von 1641 gemäss, jedoch mit Aufhebung der darin für gewisse St&ndq 
geltenden Suspension, ankündigte. 



104^ 

Schädigung für sich und seine Armeen anbetraf, so erklärte 
der Kaiser, dass er nicht verpflichtet sei, eine solche zu geben; 
wollten aber die Stände nach Massgabe des Schönebeckschen 
Projectes von 1635 Schweden einigen Ersatz zuerkennen, so 
würde sich der Kaiser dem nicht widersetzen. Ungefähr des- 
selben Inhalts war die Erklärung an die Franzosen, nur dass 
der Kaiser von irgend welcher Entschädigung Frankreichs 
durchaus nichts wissen wollte, auch den Punkt über die inne- 
ren deutschen Streitfragen nicht berührte. Die Franzosen 
waren daher mit der Erklärung des Kaisers sehr unzufrieden ; 
die Schweden dagegen fanden dieselbe im Ganzen und bis 
auf den Entschädigungspunkt entgegenkommend, argwohnten 
aber, dass sie hauptsächlich darauf abgesehen war, die Stande 
zu gewinnen und von den Kronen zu trennen. Jedenfalls 
waren dadurch drei wichtige Principfragen entschieden, näm- 
lich die Keligionsfreiheit der Eeformirten, die Souveränitäts- 
rechte der Stände, sowie das Eecht des Congresses, die inne- 
ren deutschen Streitfragen oder die sogenannten Gravamina 
zu entscheiden. 

Es lag nun an den Kronen und den evangelischen Stan- 
den, den nächsten Schritt zum Frieden zu thun; die Kronen 
sollten ihre „ßeplica" und die evangelischen Stände ihr „Gut- 
achten" über die kaiserliche Erklärung abgeben. Hierüber 
berathschlagte man fleissig im Herbst 1645, während gleich- 
zeitig der Streit über die Admission der mittelbaren und der 
ausgeschlossenen Stände fortgesetzt wurde, und gegenseitige 
Besuche zum Zweck gemeinsamer Berathungen von den schwe- 
dischen und französischen Legaten, sowie von den Bevoll- 
mächtigten der evangelischen und katholischen Stande an 
beiden Orten des Congresses abgestattet wurden. Was aber 
um diese Zeit mehr als alles Andere die Aufmerksamkeit des 
Congresses und der Allgemeinheit in Anspruch nahm und 
einen baldigen Frieden hoflfen liess, war die Nachricht, 
dass der Kaiser seinen vertrautesten Minister Grafen Maxi- 



105 

milian y. Trautmannsdorf beauftragt hatte, an den Oon- 
gress abzugehen und mit ausgedehnter Vollmacht die oberste 
Leitung der Unterhandlungen kaiserlicherseits zu übernehmen. 
Am 19/29. November hielt Trautmannsdorf incognito seinen 
Einzug in Münster und begab sich von dort den 5/15. De- 
cember nach Osnabrück. Die Wirkung seiner Gegenwart 
äusserte sich schon darin, dass Geleitsbriefe den mittelbaren 
Ständen, för welche Schweden solche verlangt hatte (Stral- 
sund und Erfurt), ohne allen Verzug gewährt wurden, und dass 
die Stände, welche der Kaiser und die Katholiken von den 
Verhandlungen hatten ausschliessen wollen, jetzt unter gewissen 
Bedingungen Zutritt zu denselben erhielten. Aber noch wich- 
tiger war es, dass Trautmannsdorf ohne alle Umschweife gerade 
auf die Frage losging, deren Losung, wie Alle wussten, die 
erste Bedingung jedes Friedensschlusses war, nämlich die Frage 
wegen der Entschädigung der fremden Mächte. 

Diese Frage, welche natürlich die für die Kronen wich- 
tigste war, hatten diese in ihren Propositionen nur ganz all- 
gemein erwähnt, ohne in irgend welcher Weise ihre For- 
derungen zu specifiziren. Die Ursache dieser Behutsamkeit 
sieht man leicht ein; die grossen Forderungen würden die 
deutschen Stände erschreckt und den Kaiserlichen eine erwünschte 
Gelegenheit gegeben haben, die Absichten der Kronen zu ver- 
dächtigen, sie würden auch den Kronen neue Feinde in den- 
jenigen verschaflRt haben, welche sich durch ihre Forderungen 
bedroht oder beeinträchtigt sahen. Unter diesen hatte Schwe- 
den wegen Pommerns zunächst Brandenburg zu furchten. 

Bisher hatten Schweden und Brandenburg bei den Frie- 
densverhandlungen dieselben Meinungen und Interessen ver- 
fochten; sowohl bei der ßeichsdeputation in Frankfurt als 
beim Congresse selbst hatten die kurfürstlichen Gesandten mit 
Kraft und Gewandtheit den Bestrebungen des Kaisers, die 
Stände auszuschliessen, entgegengewirkt und waren mit den 
Schweden Hand in Hand gegangen. Was dagegen die Ent- 



106 

schädiguag Schwedens betrifft, so hatten sie Befehl, jeder 
Abtretung pommerschen Landes sich zu widersetzen und statt 
dessen eine grössere Summe Geld sowie einige geistliche 
Güter und Stifter, wie Magdeburg, Bremen und Verden, Hal- 
berstadt, Minden, Osnabrück als Unterpfand anzubieten*). 
Erst im Herbst 1645, während der Berathungen über die 
eben abgegebenen» kaiserlichen Propositionen wurde diese em- 
pfindliche Frage in den diplomatischen Kreisen zur Sprache 
gebracht. Die schwedischen Gesandten mussten lange auf 
neue Instructionen warten und äusserten sich deswegen nicht 
bestimmt darüber, suchten aber privatim die Gemüther auf 
die Nothwendigkeit der Abtretung Pommerns vorzubereiten. 
Andererseits waren die kurfürstlichen Gesandten sowohl bei 
den Kaiserlichen, als auch bei den Franzosen und Ständen 
in der entgegengesetzten Eichtung sehr thätig. Die erstge- 
nannten mahnten sie zur Standhaftigkeit und versprachen, dass 
der Kaiser auch keine Hand breit deutschen Landes abtreten 
würde; die Franzosen dagegen riethen ihnen, gute Miene zum 
bösen Spiel zu machen und sich durch schwedische Hülfe 
Ersatz für Pommern zu verschaffen. Was die Stände betraf, 
so waren sie verschiedener Meinung; aber nur wenige gönn- 
ten den Schweden Pommern, und selbst über die Evange- 
lischen beklagten sich die schwedischen Gesandten: „wenn 
man die Entschädigungssache berührt, sind sie weder warm 
noch kalt, sondern betragen sich, als hätten sie daran kein 
Interesse " **). Eine gute Stütze fanden die Brandenburger in 
den pommerschen Bevollmächtigten, ja sogar die Abgesandten 
Stralsunds, welchen die Schweden mit so viel Mühe die Ad- 
mission zum Congresse verschafft hatten, widersetzten sich den 



*) Instruction des Kurfürsten vom 28. Januar, Resolution desselben Tom 
28. Juni 1645. Urk. und Act. IV, S. 375. 384 if. 

**) Berichte der kurfürstlichen Gesandten vom 1., 8., 17., 22. November 
1645 : Urk. und Act. Bericht der schwedischen Legaten den 8. December 1645. 
U. W. F. 



107 _ 

Ansprüchen derselben auf Pommern*). Vergeblich waren 
die Bestrebungen der schwedischen Gesandten, die Pommern 
durch Freundlichkeit und Versprechungen zu gewinnen; ver- 
gebens suchten sie dieselben mit der reformirten Confession 
des Kurfürsten und der Gefahr zu erschrecken, dass er sich 
des jus reformandi, welches er auch den reformirten Fürsten 
zu verschaffen bemüht war, gegen Pommern bedienen würde ; 
die Pommern Hessen sich zu keinem weiteren Zugeständniss 
bewegen, als dass sie der schwedischen Herrschaft möglicher- 
weise geneigt sein würden, wenn sie nicht durch Eid und 
Verpflichtungen an einen anderen gebunden wären*). Die 
Pommern beobachteten indessen eine sehr vorsichtige Haltung ; 
nicht so die Brandenburger, welche einen hohen Ton an- 
schlugen, die Forderung Schwedens „unbillig und. unchrist- 
lich" nannten und Drohungen von „desperata consilia", von 
einem neuen Bunde mit dem Kaiser, mit Polen und Däne- 
mark u. s. w. ausstiessen. In einer neuen Besolution vom 
3. December schärfte der Kurfürst von neuem den bi-anden- 
burgischen Legaten seinen Beschluss ein, auf keinen Theil von 
Pommern Verzicht zu leisten, denn dieses Land sei gleichsam 
eine Vormauer für das Kurfürstenthum , und nur dadurch 
könne man die Verbindung zwischen Brandenburg und Preussen 
erhalten **). 

Kurz vorher hatten die schwedischen Legaten bestimmte 
Instructionen über die Entschädigung Schwedens von ihrer 
Begierung erhalten. Sie sollten in erster Hand Pommern 
mit dem Stifte Cammin, Wismar, die Stifter Bremen, Magde- 
burg, Halberstadt, Verden, Minden und Osnabrück, sowie 



*) So äusserten sie wenigstens sa den pommerschen : siebe die Berichte 
der pommerschen Abgesandten in Baltische Studien, Bd. IV, 2. S. 82. 
*) Baltische Studien, Bd. IV, 3. S. 30. 35. 51. 73. 86. 
') Berichte der kurfürstlichen Gesandten den 10. November, den 28. De- 
<»mber. Besolution des Kurfürsten vom 3. December 1645: Urk. und Act. 
Chemnitz a. a. 0. IV, 5: 50. Bericht der kaiserlichen Gesandten in Osna- 
brück den 27. November lUb: W. A. 






108 

Schlesien yerlaDgeii; dann sollten sie langsam, „ testudiüeo 
gradu" die übrigen Stifter fallen lassen, aber an Pommern 
mit dem Stifte Cammin, Wismar mit Poel und Wallfisch, 
sowie an Bremen nnd Verden festhalten; was Schlesien be- 
traf, so sollte es das „ Aequivalent " Brandenburgs abgeben. 
Auf Brandenburg bi*auchte man keine Bücksicht mehr zu 
nehmen, sondern man sollte „dem Fasse den Boden aus- 
schlagen'^ und ausdrücklich kundthun, dass man unter keiner 
Bedingung auf Pommern zu verzichten beabsichtige. Es war 
das letzte Wort des Canzlers in dem Schreiben, das er im 
Namen der Regierung an die Legaten den 10. November 
richtete, dass keine Besitzung, wenn man die Sicherheit 
und den Voi-theil Schwedens im Auge habe, mit Pommern 
zu vergleichen sei*). 

Was die übrigen schwedischen Forderungen betrifft, so 
befand sich Wismar seit Januar 1632 in der Gewalt Schwe- 
dens. Schon Gustav Adolph hatte die Herzöge von Mecklen- 
burg zur Abtretung desselben zu bewegen gesucht; er hatte 
jedoch Schweden nur das Becht, bis auf Weiteres Wismar, 
Poel und Wamemünde zu besetzen, auszuwirken vermocht. **) 
In der Folge begannen die Schweden, Wismar als eine für 
die Sicherheit Schwedens nothwendige Besitzung zu betrach- 
ten, theils wegen des Hafens, theils wegen der Nähe Däne- 
marks, theils auch weil der Platz Pommern in Verbindung 
mit dem anderen Haupttheile der schwedischen Entschädigung, 
den Stiftern Bremen und Verden, setzen würde. Der erste 
Gedanke auf die Erwerbung dieser beiden Stifter war bei den 
schwedischen Staatsmännern bereits 1634 entstanden, als man 
den baldigen Tod des Erzbischofs und die Erledigung des 
Stiftes erwartete ***). Diese Erledigung trat auch im Septem- 

*) Die Regierung an die Legaten den 10. November und23.December 1645. W. A. 

••) Der Vertrag zwischen Gustav Adolph und den Herzögen von Mecklenborg 
wurde am 28. Februar 1632 in Frankfurt am Main geschlossen. Die Unter- 
handlung war von Salvius geführt worden. 

*) Was das Stift Verden betrifft, so hatten die Katholiken' dasselbe in 



«••\ 



109 

ber 1634 ein, da aber dies ein für die Schweden sehr kriti- 
scher Zeitpunkt war, so musste der Beichscanzler sich zur 

I Anerkennung des neuen vom Domcapitel erwählten Erz- 
bischofs, des Herzogs Friedrich von Dänemark, zweiten Sohnes 
des Königs Christian, bequemen. Indess verlor man das Stift 
nicht aus dem Auge, und während des dänischen Krieges 
wurde dasselbe von Königsmark Anfang 1645 in Besitz ge- 
nommen. Bei den Friedensverhandlungen zu Brömsebro such- 

I ten die Dänen die Wiedereinsetzung des Herzogs Friedrich 
auszuwirken, aber vergebens; sie mussten sich mit dem Ver- 
sprechen des französichen Veilnittlers, bei der Königin von 
Schweden die Interessen des Herzogs aufs beste zu empfehlen, 
begnügen. Dies Versprechen ward jedoch von keinem Nutzen 
für Dänemark; die schwedische Begierung beschloss nämlich, 
die Dänen nicht mehr in das Stift zu lassen, sondern dasselbe 
nebst dem angrenzenden Stifb Verden zu behalten. Als Ur- 
sachen dieses Beschlusses wurden theils die Furcht vor den 
Ansprüchen Dänemarks theils die Umstände angegeben, welche 
Salvius, der eifrige Verfechter dieses Planes, anzuführen 
pflegte: „Das eine dieser «Stifter sei ein Stand im west- 
phälischen Kreise, das andere in dem niedersächsischen, und 
würde man also Sitz und Stimme in zwei Kreisen haben. 

I Die Stifter lägen zwischen den Mündungen der beiden Haupt- 
flässe Elbe imd Weser, welche man also beherrschen könnte. 
Ferner erhielte man auch eine wichtige Correspondenzlinie 
zwischen diesen Flussmündungen und Gothenburg; und end- 
lich böten sich dadurch Gelegenheiten dar, Verbindungen mit 
dem Hause Braunschweig-Lüneburg anzuknüpfen*' u. s. w.*) 
Wenngleich von allen den Gegenständen, welche auf 



Folge des Bestitntionsedictes eingezogen und dem Bischof von Osnabrück ver- 
liehen, dann hatten es die Schweden wieder befreit. 

*) Salvius an den Beichscanzler den 18. Jali 1635: Ox. Samml. Derselbe 
an Per Brahe den 3. März 1645: Skokloster's Archiv. Derselbe an Gyldenklou 
den 2. Februar 1646: U. W. F. 



dem Gongresse beratfaen werden BoUten, der Entaehädigungsr 
puQkt für Schweden unzweifelhaft der wichtigste war, so darf 
man es jedoch nicht für Heachelei ansehen, wenn es dem sehwe^ 
dischen Legaten befohlen wurde zu yemicbem, dass die vor*- 
nehmste Entschädigung Schwedens „ in der wobl fandirten Frei- 
heit der deutschen Stände " bestehe. Denn diese Freiheit war auf 
jeden Fall eine Bedingung der Sicherheit und des Einflusses 
Schwedens in Deutschland. Die Legaten sollten deshalb bis 
aufs äusserste Bestitution in den Stand von 1618 fordern, sie 
sollten sowohl Frankreich als die Stände ermuntern, bei dieser 
Forderung zu beharren, und nur auf Verlangen der Stände 
selbst in dieser Beziehung nachgeben. Somit würde man, 
wenn man seine Theilnahme für die Angelegenheiten der 
Stände durch die That an den Tag legte, sein eigenes Interesse 
um so besser fördern können. Die Politik, welche Schweden 
beim Gongresse zu befolgen beabsichtigte, spridit sich am 
deutlichsten in diesem Befehl an die Legaten aus: „Gehet 
immer in beiden Sachen (d. b. in der Entsdiädigungssadie 
und in den Angelegenheiten der Stände) pari passu und suicbet 
unter Begünstigung des Interesses der Stände den Satis&ctions^ 
punkt zu ordnen!*^'*') Schweden wollte also die Interesaea 
seiner Bundesgenossen als einen Hebel für seine eigenen ge-^ 
brauchen, hatte aber, wie es auch der Ausgang lehrte, keines- 
wegs die Absicht, die ersteren aufzuopfern, nachdem für die 
letzteren gesorgt war**). 



Ehe wir zur Darstellung der eigentlichen Friedensver- 
handlungen übergehen, dürfte es von Interesse sein, die nähere 



*) Diese Worte kommen in der Erklärung der Regierung an die Legaten 
vom 30. Mai 1646 vor: Rreg. 

**) Nur in diesem Sinne gilt von Schweden, was Bongeant a. a. 0. 
y, 72 angibt: „Qne les pl^nipotentiaires des denx cooronnes ötaient convenos 
de se reUcher snr les affaires generale«, k propertion qae les «nnemis cossea- 
tiraient ä los satisfalre sur lenrs int^r^ts particnlieres." 



Bekanntschaft der yomehmsten von den am Goiigress Theil 
nehmenden Diplomaten zu machen. 

Unter den schwedischen Ifigaten nahm Johann Oxen- 
stierna wegen seiner Geburt und seiner Würde als Beichsrath, 
aber weder durch sein Alter noch durch seine Erfahrung oder 
Begabung, den ersten Platz ein. 1611 geboren, hatte er nach 
vollendeten Studien schon im Alter von 23 Jahren seine 
diplomatische Laufbahn mit einer Sendung nach England und 
den Niederlanden brennen ^ und war dann einer von den 
Bevollmächtigten Schwedens bei den Verhandlungen über den 
Waffenstillstand von Stuhmsdorf 1635 gewesen. Im folgenden 
Jahre vermählte er sich mit Anna Sture, dem letzten Spröss- 
ling des hochberühmten Geschlechtes der Sture. Im Alter von 
28 Jahren zum Beichsrath ernannt, wurde er zwei Jahre 
darauf (1641) zum ersten Legaten Schwedens bei dem bevor- 
stehenden Friedenscongress bestellt. Was ihm bei so jungen 
Jahren diesen gewichtigen Auftarag verschaffte, war natürlich 
das grosse Ansehen seines Vaters nebst der Hoffnung, dass ihn 
diesear mit seinen fiathschlägen unterstützen und leiten sollte ; 
der Sohn sollte gleichsam ein Stellvertreter des Vaters wer* 
den. Es moss auch zug^eben werden, dass der alte Beichs- 
canzler es keineswegs an Bath und Ermahnungen fehlen 
liess""); aber dessenungeachtet zeigte Johann Oxenstierna, 
wenigstens in der ersten Zeit, sich einem so wichtigen Posten 
nicht ganz gewachsen. Seine hervorstechendsten Fehler waren 
Stolz und Eigensinn, welche Fehler jedoch der schwedischen 
Nation im Allgemeinen zugeschrieben wurden. Er trat 
äuBserlich mit grosser Pracht auf und suchte die anderen 
Diplomaten zu überglänzen'*''*'); nur die Franzosen konnten in 



*) Siehe die von GjQrwell herausgegebene Sammlung seiner Briefe an den 
Sohn in den Jahren 1642 bis 1649; die Sammlung enthält 248 Briefe, iforunter 
viele aasfähriiche. 

**) Contarini erz&hlt (vgl. auch Bougeant), dass Oxenstierna gewöhnlich 
mit einem Aufzug von vielen Wagen, aufwartenden Edelleuten, Pagen und Helle* 



112 

dieser Beziehung mit ihm wetteifern. Er hegte übertriebene 
Vorstellungen von der Grösse und dem Glänze seines Landes 
und seines Geschlechtes und verletzte oft die übrigen Diplo- 
maten durch seinen Ton und seine Ansprüche*), zumal sie 
zu finden glaubten, dass der von ihm eingeschlagene hohe 
Ton mit keiner entsprechenden Begabung im Einklang stände. 
Man , findet oft in den diplomatischen Gorrespondenzen das 
Urtheil über Oxenstierna wieder, dass er keine „Capacität" 
besitze; es hiess, dass seine Unterhandlung in der steten 
Wiederholung derselben Gründe bestände u. s. w. Ausserdem 
war es ihm schwer, seine Gefühle zu beherrschen und seine 
Passung zu behalten, wenn es ihm zuwider ging. Endlich 
hatte Oxenstieiiia nicht nur bei den enthaltsamen Franzosen 
und Italienern % sondern auch bei den Deutschen den Buf, dass 
er den Freuden der Tafel sich viel zu sehr hingäbe; es wird 
erzählt, dass er nicht selten von geistigen Getränken erhitzt 
und dadurch weniger besonnen und umsichtig in seinem Ver- 
fahren gewesen sei. Bei allen diesen Fehlem und Gebrechen 
war Johann Oxenstierna jedenfalls ein einsichtsvoller, ehren- 
hafter und patriotischer Mann, und die Erfahrung, welche er 
allmählich sammelte, setzte ihn mit der Zeit in den Stand, 
seinen Auftrag in einer befriedigenderen Weise zu erfüllen. 

Den zweiten der Bepräsentanten Schwedens, den Hof- 
canzler Johann Adler Salvius, haben wir schon im Vorher- 



bardieren auftrat; „wenn er speist, wird Musik, mit pi£Feri, tamburi e trombe, 
was sonst ein Vorrecht der Kurfürsten ist, gemacht, und auch die Stunde, da 
er schlafen geht und aufsteht, wird durch Pauken und Trompeten ange- 
kündigt." 

*) Ein französischer Minister legt Oxenstierna den Satz in den Mond, 
„ qu'un roi de Smolandie seulement ne devrait point ceder ä celui de France ". — 
Serden nannte Oxenstierna (wie es deutsch wiedergegeben wurde) „ein hoch in- 
tonirtes aufgeblasenes Subjectnm, dabei nichts in Recessu wäre". Vgl. Bougeant 
a. a. 0. I, 24. 

**) Contarini sagt von ihm, er sei „superbo al piu alto grado come pur 
dedito al vino a segno stravagante, vizii amendue naturali della nazione.tntta,". 
Er wird auch „testardo assai" genannt. 



118 

gehenden als einen der feinsten nnd gewandtesten Diplomaten 
seiner Zeit kennen gelernt. Er besass eine umfassende Ge- 
lehrsamkeit und hatte an ausländischen Universitäten sowohl 
die philosophische als juristische Doctorwfirde erlangt; seine 
juristischen Einsichten kamen ihm wohl zu Statten, als es die 
Terwickelten Bechtsverhältuisse des deutschen Beiches zu 
ordnen galt. Als Stilist nimmt er eine sehr hervorragende 
Stellung ein; mit gleicher Gewandtheit und Anmuth bewegt 
er sich in der schwedischen und in der lateinischen Sprache; 
seine schwedischen Briefe und Actenstücke gehören zu den 
besten Erzeugnissen jener Zeit im Gebiete des Prosastils, 
obgleich sie von lateinischen und französischen Ausdrücken 
wimmeln. Doch glaubte man zu finden, dass er bisweilen 
sein grosses Talent zu Spitzfindigkeiten missbrauchte und mit 
seiner Gelehrsamkeit prahlte '*'). Durch lange Erfahrung hatte 
er sich eine genaue Eenntniss der europäischen Politik 
und insbesondere der inneren Verhältnisse des deutschen 
Seiches erworben. Er besass einen durchdringenden Scharf- 
blick und eine weitgehende Vorsicht**). AJs Meister in der 
Kunst der Intrigue und der Verstellung erkannt, wurde er im 
hohen Grade gefurchtet und von dem Feinde als ein „Lügner 
und Machiavellista " geschildert***). In der That nahm er 
es mit den Mitteln nicht zu genau und bediente sich mit 



*) ffSalTins discnrrirt mit einer Menge ratiunculis, als lese er Terentium 
oder Plantnm Schülern vor, nm seine grosse Gelehrsamkeit an den Tag zu 
legen": Axel Oxenstierna an seinen Sohn den 4. März 1648. — „Si j'avais 
Tintention de marchander, pointiller et distingner, je n'aurais pas manqa^ des 
moyens non plus que M. SalTins, quoiqne je ne sois pas docteur'*: D^Avaux an 
De Bort^ den 1. September 1640. Wahrenb. Sammlung. 

**) „Ein Staatsmann muss wie ein Cubus sein; auf welche Seite er auch 
fällt, muss er stehen bleiben^*, schrieb SaMus an Axel Oxenstierna den 9. Oc- 
tober 1639. Ox. Samml. 

***) So schreibt der Graf Kurtz den 8. Mai 1638 an den Kaiser: „Es er- 
scheint, was gleichwohl dieser Salrius für ein schlechter Mensch und wie er 
ein solches Instrumentum , so alle des Ochsenstirns Gedanken zu Werk muss 
setzen, er befehle ihm was Indignitet er immer wolle." Vgl. das ürtheil 
Bottgeants. 

ahn er, Politik Schwedena. 8 



114 

Vorliebe der List und der Umwege, um sein ViKTgeskeektes 
Ziel zu erreichen. Sein Scharfsinn artete mitunter in ein 
übertriebenes Misstrauen^ seine Vorsicht in ünentsoMosaenheit 
und Wankelmuth aus '*')* Demüthig seinen Vorgesetzten gegen- 
über, war es ihm schwer mit Gollegen und Mitarbeitern zn 
harmoniren, denn er war reizbar und um seine Macht em» 
pjQjiidlich. Diese Macht war in der That sehr gross und 
gründete sich nicht nur auf seine diplomatischen Aufbrfige. 
Neben diesen ent&ltete er nämlich auch eine auegedehnte 
finanzielle Thätigkeii Seit 1638 erhob und verwaltete er 
die französischen Subsidie», und mittelst dieser hatte ex die 
Gelder zum Unterhalt der Armeen geborgt und vorgeschossen. 
Er war hierzu der rechte Mann, denn er besass eine ni^ 
wohnliche finanzielle Fähigkeit und als Besitzer eines be- 
deutenden Vermögens er&eute er sich eines grossen persön- 
lichen Credits, Dieses Vermögen war durch seine Heiratb 
mit der reichen Goldachmidtswittwe Margaretke Hartmann (ge- 
bome Skute) gegründet und vermiehrte sieh unaufhörlich durch 
seine Sparsamlteit und seinen Erwerbfleisa, durch bedeutende 
Belehnungen der Erone und endliiäL auch durch (Jaben der 
fremden Potentaten, welche seine Dienste in Anspruch nahmen. 
Man muss jedoch einräumen, dass er durch solche Oabea sich 
nie zunr Vmiachlässigung der Interessen des Vaterlandea ver- 
leiten liess. Was das Gerücht über sein Privatleb^i flüsterte, 
das können wir als unerwiesen übergehen. In confessioneller 
Hinsicht wurde Salvius für vorurtheilsfreier als Oxenstiema 
gehalten'*''*'). 



*) Nach dem Briefe CbanotB an Serrien den &. September 1648 betrachtete 
mau Salvius als «^faib-Iev crafntif, btt^ki, pliant a toote persuasion, incertain 
dans ses propres avis et capable de se laisser sarprendro' par de fansses appa» 
rencet contre m» premidres resolntions/* WakreDb. Samml. — Die Briefe Jobann 
OxensHeriNM an seine* Vater sind voller Kla^n Aber den Wankrfmutb des 
Satnns. 

**> Cevtarini nennt ihn „p»6 politieo e manca zelante dleH' Oxinstema in 
proposito della religione": Contarini an Nani den 10. Juli 1646. — Itt ein^m 



116 

Das Yerhältnisd zwischen den beiden Legaten war keines- 
wegs das beste. Schon 1641, nachdem Johann Oxenstiema 
naeh Pommern herfibergekommen war, bot sich die erste Ge- 
legenheit zur Uneinigkeit zwischen ihnen dar, indem Oxen- 
stiema in einem Schriftwechsel Salyias den Excellenztitel ver- 
weigerte und erklärte, dass er selbst das „Caput legationis'* 
sei, welcher Ausdruck jedes Grundes in den Vollmachten ent- 
behrte und daher auch vom Beichscanzler gemissbilligt 
wurde*). Zwar wurde das gute Verhaltniss für den Augen- 
blick wiederbei^estellt ; nachdem aber die beiden Legaten 1643 
persönlich zusammengetroffen und ihre gemeinsame Thätig- 
keit angefangen hatten, stellte es sich bald heraus, dass sie 
nicht an Einer Stange zäehen konnten. Die Ursache hierzu 
war natürlich gegenseitiger Neid, sowie der Wunsch beider, 
die erste BoUe zu spielen. Oxenstiema bildete sich ein, dass 
Salvius ihm gegenüber, ab dem jüngeren, den „Praeceptor'' 
machen wollte**), und ärgerte sich darüber, dass jenem die ganze 
finanzielle Verwaltung, auch was den ünteAalt der Gesandt- 
aebafb betraf, anvertraut war. Salvius konnte es wiederum 
nicht verschmerzen, dass er, welcher seit 1637 die Unter- 
handlungen Schwedens in Deutschland mit solcher Aus- 
zeichnung geführt hatte und die europäische Politik so gründ- 
lich kannte, sich nun mit der zweiten Stelle begnügen musste, 
während ein anderer, jünger und weniger begabt, als der 
„Principalgesandte*' Schwedens auftrat und ihm den Bang 
ablief. Dies Verhaltniss wurde um so bitterer, als der stolze 
imd herbe Johann Oxenstiema bei allen Gelegenheiten Salvius 



Paskill über Salvius und seine Fran, das in Deutsche Acta ernditornm von 
1712, 9. 488 ff. gedruckt ist, und das fibrigens viele treffende Bemerkungen über 
Salvius enthält, wird er als ein religiöser Zweifler und Freidenker geschildert. 

•j Hierüher siehe verschiedene Briefe in der obenerwähnten Sammlung von 
Gjörwell. Johann Oxenstiema an seinen Vater den 12. Januar 1642. Oxenst. 
Sammhing. 

**) „Salvius geht mH mir jungem Manne als ein alter Fuchs um**, schreibt 
er einmal an seinen Vater. 

8* 



116 

seine untergeordnete Stellung empfinden liess. Salvius that 
seinerseits Alles, um seine geistige Ueberlegenheit , sein 
grosseres Ansehen und seinen grösseren Einfluss beim Friedens- 
congress an den Ts^ zu legen; er liess sich ohne Wissen seines 
GoUegen in Separatverhandlungen ein, ja er verrieth bisweilen 
den Inhalt der Instructionen eher, als er hätte thun sollen, 
um Johann Oxenstierna um die Ehre der Initiative zu brin- 
gen und durch seinen Eifer für den Frieden Beifall beim 
Congresse zu ernten; er beklagte sich vor Fremden über die 
„ Bizarrerien " , „ ungereimten Actionen " seines CoUegen 
u. s. w. und zog die Schwäche desselben schonungslos ans 
Licht. Es ist natürlich, dass ein solcher Zwiespalt zwischen 
den beiden Legaten den Interessen Schwedens sehr nachtheilig 
sein musste. 

Zu der schwedischen Gesandtschaft gehörten auch der 
Besident in Münster Schering Bosenhane und der Legations- 
secretär Mathias Mylonius oder Bjömklou, wie er nach seiner 
Erhebung in den Adelstand 1645 hiess. Beide waren Männer 
von hervorragender Begabung und besassen ausserdem eine 
umfassende Bildung; sie werden von den ausländischen Diplo- 
maten, mit welchen sie in Berührung kamen, rühmlichst er- 
wähnt'*'). C!ontarini stellt ihnen das Zeugniss, dass sie die 
Würde und die Interessen ihres Landes so gut zu wahren 
wüssten, dass sie hinlänglich bewiesen, dass sie nur dem 
Namen nach Barbaren seien; er habe oft Gelegenheit ge- 
habt, die jungen Schweden, welche in die Fremde geschickt 
wurden, wegen ihrer Einsichten, ihrer Klugheit und ihres 
Tactes zu bewundem**). 



*) Von Rosenhane heisst es im Diarinm der sächsischen Gesandten: n^ir 
est corpore eximins, fronte überaus, doctus ingenio, qui ant egregie bonns aut 
altissime novit dissimulare." D. A. Hiermit stimmt das Urtheil Contarinis 
ttberein. 

**) Siehe den Schlussbericht Contarinis , gedruckt in Fontes rer. Anstr. 
Dipl. XXVI: ,,Qaanti ministri sono sortiti da queir horrido settentrione, tntti 
indifferentemente sono riusciti e nell'una e nelValtra mirabilmente," 



r 



117 

In der französischen Gesandtschaft herrschte derselbe 
Zwiespalt, wie in der schwedischen, zwischen den Grafen 
D'Avanx und Servien, und hauptsächlich aus diesem Grunde 
hatte die französische Regierung als Principallegaten nach 
Munster Heinrich von Orl^s, Herzog von Longueville , wel- 
chen ohnehin Mazarin gern vom Hofe entfernt sah, abgor 
sendet. Dieser prachtliebende, leutselige Fürst war sehr ge- 
eignet zu repräsentiren und die Streitigkeiten seiner beiden 
CoUegen auszugleichen, griff aber in keiner kräftigeren Weise 
in die Verhandlungen ein, sondern liess sich meistens, wenig- 
stens in allen Deutschland betreffenden Fragen, von den 
Bathschlägen D'Avaux' leiten. Claude de Mesmes Graf 
D'Avaux, um diese Zeit 50 Jahre alt, beschäftigte sich seit 
12 Jahren mit den deutschen und nordischen Verhältnissen, 
welche er darum besser als irgend ein anderer französischer 
Diplomat kannte; er hatte 1634 — 1635 Dänemark, Schweden 
and Polen besucht und den Waffenstillstand von Stuhmsdorf 
vermittelt ; dann hatte er in Hamburg die Interessen Frankreichs 
vertreten und dort sowohl den Bundesvertrag mit Schweden als 
die Friedenspräliminarien von 1641 abgeschlossen. D'Avaux war 
ein Mann von umfassender Bildung, feinem Geschmack und lite- 
rarischer Begabung; er stand im Buf, einer der trefiichsten 
Stilisten seiner Zeit zu sein, und seine diplomatischen Noten 
worden in formeller Beziehung als mustergültig bewundert; 
man beschuldigte ihn sogar der üebertreibung in dieser Hin- 
sicht, indem er an der Form zu viel Arbeit verschwendete 
und bisweilen einer schönen Bedensart die Sache selbst auf- 
opferte*). D'Avaux war beredt, geschmeidig, ein Mann von 
Welt, rastlos thätig und rührig, wurde aber zugleich als 



*) „Vou8 arez mieax aim^ faire coartes fortones aax interSts da Boi, quo de 
perdre quelques mots de latin, parce qu'ils araient trop conte 4 trouver**, 
iosserte Serrien an D'Avaux: N^gociations secr^tes, Tom. I, p. 39. — „Es 
ist an ihm nur Lapperei und Vanität*S schreibt Johann Ozenstiema an seinen 
Vater. 



118 

weniger characterfest, unschlüssig und leicht rathlos, und in 
religiöser Beziehung als frömmelnd betrachtet. 

In mancher Beziehung bildete Servien den Gegensatz von 
D'Avaux. Abel Servien, Graf de la Eoche-Servien, war näm- 
lich ein fester und energischer Mann, stolz und herrschsüchtig, 
herbe und unzugänglich, aber in religiösen Dingen vorur- 
theilsfreier als D'Avaux. Seine Bildung und seine Kenntnisse 
waren mehr juristischer und literarischer Art. Von Eichelieu 
aus derKegierung entfernt, war er vonMazarin zurückberufen 
worden und besass das Vertrauen dieses Ministers im hohen 
Grade, während dagegen Longueville und D'Avaux Gegenstand 
des Misstrauens Mazarins waren. Nur Servien kannte die 
innersten Beweggründe der Politik des Cardinais, worüber er 
durch persönlichen Briefwechsel aufgeklärt wurde. Dieser 
Umstand verlieh Servien ein gewisses Uebergewicht und machte 
es ihm noch schwerer, sich mit der Bevorzugung D'Avaux' 
an Bang und Ansehen auszusöhnen. Hierdurch entstand 
zwischen den beiden Legaten eine starke Spannung, die so 
weit ging, dass sie nicht mehr persönlich zusammentrafen, 
sondern durch Vermittlung des Legationssecretärs mit einander 
verhandelten und besondere Berichte an den Hof einsandten, 
ja sogar Streitschriften gegen einander verfassten. Durch die 
Ankunft LongueviUes wurde die Eintracht wenigstens äusser- 
lich wiederhergestellt*). — Ais französischer Eesident in 
Osnabrück fungirte zuerst der früher als Resident in Scbwe* 
den angestellte Baron de Bort6; da aber dieser ein Freund 
D'Avaux' war, so verstand es Servien, ihn zu entfernen* £r 
ward durch einen Herrn de la Barde, und dieser nach einem 
Jahre durch Herrn de la Cour ersetzt. 

Einen bei weitem grösseren Einfluss als Longueville übte 



*) Ueber die französischen Legaten und ihre MisahelUgkeiten siebe 
Bougeant a. a. 0. I, sowie die Berichte Contarinis and die darauf l^^üg' 
liehen Actenstücke in Negoc. secretes, Tom. I. 



119 

der kaiserliche Principalgesandte Graf Maximilian von Traut- 
maansdorf am Gongrees aus. 1584 geboren, war Traat- 
nrnnnsdorf in der evangelischen Gonftssion erzogen worden, 
aber sdion früh zu der katholischen übergetreten. Er hegte 
jedoch nicht den gewöhnlichen Haas der Gonvertiten gegen 
die £[irche, welcher sie früher angehört haben, sondern zeigte 
sich stets gegen Andersdenkende duldsam. Als ein Jugend- 
freund und treuer Anhänger Ferdinands IL erfreute er sich 
stets des besonderen Vertrauens dieses Kaisers, wenn er auch 
im Einfluss von der ultramontanen spanisch gesinnten Partei 
am Kaiserhofe überflügelt wurde. Als der Kaiser Aussöhnung 
mit den evangelischen Ständen suchte, musste Trautmanns- 
dorf die Unterhandlung führen; der Friede von Prag 1635 
war sein Werk. Er behauptete dasselbe Vertrauen bei Fer- 
dinand lU., dessen Oberhofmeister er vor der Thronbesteigung 
gewesen war und von dem er später zum Präsidenten des 
geheimen Bathes ernannt wurde; der spanisch - jesuitischen 
Partei zum Trotze, welche mächtige Fürsprecher in der Kai- 
serin Marie von Spanien und dem Beichtvater derselben 
Chiroga hatte, benutzte er seinen Einfluss, um för den Frieden 
zu wirken. Trautmannsdorf war durch seine ganze Persön- 
liclikeit für den Aufkrag, der ihm nun anvertraut wurde, 
wohl geeignet. Zwar besass er nicht die äusserlichen Vorzüge, 
welche bei einem Diplomaten als wünschenswerth betrachtet 
werden: er hatte ein weniger vortheUhaftes Aeusseres und 
war in seiner Art sich zu schicken nichts weniger als 
Höfling*); aber diese kleinen Mängel wurden durch innere 
Eigenschaften reichlich ersetzt : er war mild und wohlwollend. 



*) Bosrahane erss&hlt, wie Trautmannsdorf bei Rosenhanes erstem Besuche 
znf&llig das Pelzfatter seines Mantels answftrts gekehrt habe und dadurch, 
krumm wie er war und mit einer grossen Perrücke auf dem Kopfe, wie ein Bär 
ausgesehen habe. — „Ist auch ein recht kluger Mann, aber von einer plumpen 
und abstossenden Prozedur in den Geschäften 'S schreibt Johann Oxenstierna 
an seinen Vater den 30. December 1645. 



120 

verschwiegen und zuverlässig, offen und ehrlich, oder, wie ihn 
Salvius schilderte, „kurz und reell in Reden und Antworten, 
ohne Discurse und lange Gomplimente , die er nicht leiden 
mag"*). Fügt man hierzu seine religiöse Vorurtheils- 
losigkeit, seine Einsichten und Erfahrung als Staatsmann, 
so finden wir, dass die grossen Hoffnungen, die noian an 
seine Anwesenheit beim Gongresse knüpfte, wohl begründet 
waren**). 

Nächst Trautmannsdorf in der kaiserlichen Gesandtschafb 
standen, wenn man den Bang berücksichtigt, die Grafen 
Johann Ludwig von Nassau und Johann Maximilian von Lam- 
berg, ersterer in Münster, letzterer in Osnabrück angestellt; 
wenn man aber das Ansehen und den Einfluss berücksichtigt, 
Doctor Isaak Volmar, welcher der Amtsgehülfe Nassaus, wie 
der Beichshofrath Johann Grane derjenige Lambergs war. 
Weder Nassau noch Lamberg oder Grane standen beim Gon- 
gresse in grossem Ansehen***). Volmar dagegen war ohne 
Vergleich der gelehrteste Mann und der beste Stilist bei der 
kaiserlichen Gesandtschaft und wurde im Allgemeinen als eines 
der fähigsten Glieder des Gougresses betrachtet; in gewissen 
Beziehungen konnte es nur Salvius mit ihm aufnehmen, und 
deshalb behauptete man, dass eine Art von Bivalität zwischen 
den beiden hervorragenden Emporkömmlingen bestände. Volmar 
hatte seine Laufbahn als protestantischer Theologe in Diensten 
des Grafen von Nassau angefangen; als aber dieser 1629 zum 
Katholicismus übertrat, folgte er dessen Beispiel und trat ia 



•) Contarini äussert über Trautmannsdorf: „Non e huomo d'inventione, 
camina alla bnona, si potria aecusar piCi tosto di troppo sincero che di troppo 
avertito": Contarini an Nani den 3. Juli 1646. Vgl. das Urtheil Grimanis in 
dem Schlussbericht von 1641: Fontes rer. Austr. Dipl., Tom. XXVI, p, 280. 

**) Nähere biographische Mittheilungen über Trautmannsdorf aus östrei- 
chischen Archivquellen bei Koch a. a. C, Bd. I, S. 14 ff. 

•**) Ueber Crane wurde scherzweise geäussert: „Cranius parum cranii." Grane 
war ein fanatischer Katholik. „Die Grafen Nassau und Lamberg sind fromm 
und Orane von keiner Consideration.*' 



121 

die Dienste des Tyroler Zweiges des Haases Oestreich. Beim 
Congress war er nicht nur Legat des Kaisers, sondern auch 
Bevollmächtigter des genannten Fürstenhauses, welches zugleich 
die Landgrafischaft Elsass besass und also durch die Anspröche 
Frankreichs mit grossen Verlusten bedroht wurde. Vielleicht 
wurde durch diesen Umstand der Hass Volmars gegen Frank- 
reich und seine Vertraulichkeit mit der spanischen Partei 
veranlasst; er wurde von den Franzosen als ein „ Pensionarius 
Hispanorum^^ betrachtet. 

Unter den deutschen Ständen, welche den Congress be- 
schickt hatten, nahm, was den Bang anbetrifft, Eurmainz, 
welches das Directorium unter den Ständen führte, die erste 
Stelle ein. Der damalige Kurfürst von Mainz Anselm Kasi- 
. mir und sein Ganzler v. Reigersberger , der ihn beim Con- 
gresse vertrat, wurden zu dem streng katholischen, ultramon- 
tanen Lager gezählt. Der eigentliche Führer der unversöhn- 
lichen Partei unter den Katholiken war jedoch der Bischof 
von Osnabrück, Minden und Verden, Franz Wilhelm Graf 
von Wartenberg, der Sohn eines bayerischen Prinzen. Von den 
Jesuiten erzogen, war er einer der eifrigsten Vertreter der 
katholischen Beaction gewesen und hatte die Vollziehung des 
Restitutionsedictes geleitet Durch die Restitution war er in 
Besitz dreier vormals protestantischen Stifker gekommen, hatte 
sie aber durch das Auftreten der Schweden wieder verloren. 
Da nun Schweden die drei Stifker für sich selbst beanspruchte, 
so lag es im Interesse des Bischofs, dem Frieden entgegen- 
zuwirken und seine Hoffnung auf einen Umschwung des 
Eriegs^lfickes zu setzen. Zu dieser ultramontanen Partei, die 
sich an Spanien anschloss und von den Jesuiten inspirirt 
wurde, gehörten viele der kleinen geistlichen und weltlichen 
Fürsten im Süden und Westen Deutschlands; ihre Bevoll- 
mächtigten beim Friedenscongress , der Prior Adam Adami*) 

*) Derselbe, der die bekannte Schrift: „Relatio historica de pacificatione 
Osnabmgo-MonasterieiiBi** yerfasst hat. 



122 

und Dr. v, Leuxelring, galten nebst dem Bischof von Osna* 
brück als die Führer der genannten Partei ; diese sogenannten 
Triumvirn verfügten über so viel Stimmen, dass sie unter den 
katholischen Ständen oft den Ausgang bestimmten. 

Diejenigen der Stände, welche die grössten Interessen zu 
wahren hatten und den grössten EinflusB beim CcHigresse aus- 
übten, waren Kurbayern und Kurbrandenburg. Der alte Kur- 
fürst Maximilian von Bayern wünschte vor seinem Tod die 
Zukunft seiner jungen Söhne und die Bestätigung von 
Bayerns Recht an der Kurwürde und der Oberpfalz durch 
den Frieden sicher zu stellen. Hierdurch war er von seinen 
früheren Parteigenossen, Spanien und den ültrakatholiken ge- 
trennt worden, und statt dessen setzte er seine Hoffnungen 
auf die Unterstützung Frankreichs. Er hatte deshalb mitten 
im Kriege ein Bänkespiel geheimer Unterhandlungen mit 
Frankreich eingeleitet, welche theilweise dem kaiserlichen 
Hofe mitgetheilt wurden, um das Misstrauen desselben abzu- 
lenken, theilweise aber verheimlicht wurden, weil sie für den 
Kaiser nachtheilig waren. Die Gesandten des Kurfürsten 
beim Oongresse, deren vornehmste der Freiherr v. Haslang 
und Dr. J. A. Krebs waren, suchten daher ihre Stütze bei 
den französischen Legaten; sie traten Spanien und, insoweit 
die kaiserliche Politik sich von Spanien beeinflussen lies», 
auch dem Kaiser entgegen. Zu der friedlich gesinnten, mo- 
deraten Partei unter den Katholiken zählten die meisten der 
mächtigeren geistlichen Fürsten, als der Kurfürst Ferdinand 
von Köln, der Bruder des Kurfürsten von Bayern, ferner der 
französisch gesinnte Kurfürst Philipp Christoph von Trier, der 
lange in kaiserlicher Gefangenschaft gehalten, aber jetzt frei- 
gelassen worden war, sowie die Bischöfe von Würzburg, Bam- 
berg und Salzburg u. a. 

Als Bevollmächtigter Kurbrandenburgs hatte sich im 
April 1645 auf dem Congress der Graf Johann v. Sayn und 
Wittgenstein eingefunden, als Prineipalgesandter an beiden 



128 

Orten angestellt; ihm waren in Osiabrück der Freiherr Joh. 
Fr. y. Loben nnd der KammergerichtBrath Matth. Wesenbeck, 
in Münster der Hof* und Eammergerichtsrath Joh. Fromhold 
beigegeben. Qraf Wittgenstein war früher am „Concilium 
formatom'^ des eyangelischen Bundes angestellt gewesen und 
hatte der Krone Schweden als Oberster zweier von ihm an- 
geworbenen Regimenter gedient, glaubte sich aber für seine 
Dienste nicht hinlänglich belohnt und. war deshalb Schweden 
weniger hold. Er war ein kluger und thätiger Diplomat, 
obschon er keine literarische Bildung besass ; ausserdem wurde 
er als die grösste militärische Autorität beim Gongress be- 
dachtet. — An die braudenburgische Gesandtschaft schlössen 
sich, wie bereits erwähnt, die pommerschen Abgesandten 
Marcks v. Eichstädt und Dr. Fr. Kunge. In religiösen Fragen 
hatte der Kurfürst als Beformirter gemeinsame Interessen mit 
dem Landgrafen von Hessen -Oassel, der ebenfalls besondere 
Oessmdte an beide Orte geschickt hatte, sowie mit der Pfalz 
und Anhalt. 

Eine verhältnissmässig weniger bedeutende Bolle spielten 
die kursächsischen Gesandten, die Hofräthe Fisfaorius und 
Leuber, welche erst im April 1646 am Gongresse erschienen. 
Sie hatten den Befehl des Kurfürsten, die Friedensbestrebungen 
der Kaiserlichen zu unterstützen, die Aussöhnung der Stände 
auf Basis des Prager Friedens zu befördern und jeder Ab- 
tretung an die Kronen entgegenzuwirken; ausserdem sollten 
sie sich jeder Erweiterung der Rechte der Beformirten wider- 
setzen '^). Es liegt auf der Hand, dass solche veraltete und 
unduldsame Ansichten Kursachsen keinen grossen Einfluss 
unter den übrigen Protestanten bereiten konnten. Auch woUte 
der Kurfürst nicht das Directorium unter den Evangelischen 
übernehmen, welches darum erst von den magdeburgischen, 

*) Instruction des Kurfürsten vom 24. März 1646: D. A. Der Kurffirst hatte 
nur auf besondere Aufforderung des Kaisers den Gongress .beschickt, den er stets 
mit Misstrauen betrachtete. 



124 

dann (vom September 1647 an) von den sachsen-altenburg- 
sehen Gesandten geführt wurde. Diese gehörten einer ganz 
anderen Partei au als die kursächsischlsn ; sie wurden nebst 
den sachsen-weimarschen, braunschweig-lüneburgischen, hessen- 
casselschen, würtembergischen u. a. Gesandten zu der anti- 
kaiserlichen schwedisch gesinnten streng protestantischen Partei 
gezählt und kommen daher auch unter dem Namen Extre- 
misten vor. Der hervorragendste und einflussreichste von 
dieser Partei war der braunschweig -lüneburgische Gesandte 
Dr. Jacob Lampadius, Jugendfreund Salvius' und Bathgeber 
der Schweden in verschiedenen deutschen Streitigkeiten, ein 
kluger und begabter Mann, wie auch ein geschickter Partei- 
führer und deshalb ein Gegenstand des Hasses seitens der 
Katholiken *). Uebrigens erfreuten sich die gelehrten Doctores 
juris, welche in grosser Zahl dem Congresse beiwohnten, 
keines besonderen Ansehens unter den Diplomaten des Aus- 
landes, welche sich oft über die Pedanterie und Schreibselig- 
keit derselben lustig machten**). Es war auch das letzte 
Mal, wo die deutschen Doctoren eine massgebende Bolle auf 
der diplomatischen Bühne spielten. 

Von den beiden in Münster residirenden Vermittlem 
stand der eine, der päpstliche Nuntius Fabio Ghigi (späterhin 
Papst unter dem Namen Alexander VII.) in keiner Verbindung 
mit den Schweden; er konnte nicht einmal mit ihnen um- 
gehen, weil sie Ketzer waren. Ein um so lebhafterer Ver- 
kehr fand zwischen den Schweden und dem venetianischeu 
Vermittler Alvise Contarini Statt. Dieser gewandte Unter- 
händler, dessen ganzes Leben gleichsam eine einzige zusammen- 



*) Dieser Hass macht sich noch hei Koch a. a. 0. im Vorworte zum 
zweiten Bande Luft. 

**) Contarini sagt: „Yeramente li dottori non sono huoni per questi negotii, 
troppo conipia cendosi de' suoi paragrafi nello scriyer." Trautmaunsdorf be- 
klagte sich, dass die Fürsten „einen Haufen Fraeceptores und Schulmeister ge- 
schickt hatten, die nichts denn A'^erwirrung machten, die Reputation und andere 
Dinge nicht considerirten, weniger den Hofstaat verstünden". 



135 

hängende Ambassade war, und der die Interessen seines Vater- 
landes im Haag, in London, Paris, Born uad Gonstantinopel 
mit Erfolg vertreten hatte, vollendete seine lange diplomatische 
Laufbahn mit dem ehrenvollen Auftrage, zwischen Frankreich 
einerseits, den beiden habsburgischen Mächten andererseits den 
Frieden zu vermitteln ; ja, auch zwischen dem Kaiser und Schwe- 
den that er häufig Dienst als Yermitüer, obgleich er aus be- 
reits angefahrten Gründen von den Schweden nicht als ofBcieller 
Vermittler anerkannt werden konnte. Diesen Auftrag fQhrte 
er sorgfältig und auch unparteiisch aus, wenn er auch ein 
ausgesprochener Gegner Mazarins War und die schleichende, 
für den Erfolg der Friedensverhandlungen nachtheilige Politik 
dieses Staatsmannes scharf missbilligte. Sein Eifer far den 
Frieden wurde um so grosser, nachdem die venetianische 
fiepublik 1645 von den Türken wieder angegriffen worden 
war und die Hülfe der anderen christlichen Mächte sehr 
nöthig hatte. Als aber Gontarini einsah, dass ein Friedens- 
schluss nicht so leicht zu Wege gebracht werden könnte, 
arbeitete er eifrig dahin, dass ein Waffenstillstand auf längere 
Zeit zu Stande käme, welcher Vorschlag jedoch den Schweden 
nicht gefiel, weil sie die Vortheile, die sie in den Händen 
hatten, ausbeuten wollten. Dagegen spiegelten sie Gontarini die 
Möglichkeit einer schwedischen Hülfesendung zur See gegen 
die Türken vor; weshalb er im December 1645 seinen L^a- 
tionssecretär Generini nach Schweden schickte, um Hülfe 
auszuwirken. Diesem ward in Stockholm ein guter Empfang 
zu Theil, und eine schwedische Allianz mit dazu gehöriger 
Hülfesendung wurde der Bepublik, aber nur unter der Be- 
dingung, dass diese Schweden gegen das habsburgische Haus 
beiständen, angeboten. Diese Bedingung machte natürlich 
jede Allianz unmöglich*). Indessen fand fortwährend ein 

*) Ueber das Nähere siehe des Verfassers Abhandlang: ,,Die Verbindungen 
Schwedens mit der venetianischen Republik im 17. Jahrhundert" (Nordische 
ZeitBchrift für 1867), auf Actenstficken des Yen. A. gegründet. 



126 

gutes Verhältniss zwiscben Contarini und der sehwedisciiea 
Gesandtschaft, besonders BaMus^ Statt. 

Zwei andere Mächte, welche nur in Münster Stellver^ 
treter hatten, waren Spanien und die niederländischen Staaten« 
Diese ehemals so feindlichen Mächte waren jetzt gesasmeaj 
dem langen Kampf ein Ende zn machen, und unterhandelten 
mit einander ohne Vermittlung, und alle Bestrebungen Frank* 
reichs, einen Vergleich zu verhindem, waren yergeblicb. Der 
Principalgesandte Spaniens war^ wie bereits erwähnt, der Graf 
Guzman de Pefiaranda; unter den fibrigen Mitgliedern der 
Gesandtschaft heben wir Don Diego Saayedra, der jedocfa bald 
den Congress verliess, sowie den schlauen Burgunder Anton 
de Brun besonders hervor. Gegen die schwedische Gesandten 
waren die Spanier, in der Hoffnung, sie von dem firanzösiscben 
Bündniss trennen und Separatverhandlungen zwittäien ibneii 
und dem Kaiser zu Wege bringen zu können, sehr zuvor- 
kommend. Die niederländische, aus acht Mitgliedern be^ 
stehende Geeondtschaft traf erst im Januar 1646 ein; die 
hervorragendsken Mitglieder derselben waren Adrian Fauw, 
Bepräsentant der Provinz Holland und der aristokratischen 
anti-oranischen Partei, und Jan van Knuyt, welcher ein An- 
hänger des Prinzen von Qranien war. 

Andere Staaten, die sich bei dem grossen Friedenscon* 
gross vertreten Hessen, waren Toscana, Mantna und Savoyen^ 
die schweizische Bidgenossenschaft, sowie Portugal, welehes 
letztere Land jedoch von den habsburgischen Mächten nicht 
als Theilnehmer am Gongresse anerkannt wmrde. Ausserdem 
wohnten Bevollmächtigte des Königs von Poles und des 
Fürsten von Transsylvanien bisweilen dem Congresse bei. Von 
den bedeutenderen Staaten Europas fehlten also, um nicht 
von Bnsdand und der Türkei zu sprechen, keiae anderen i^ 
England und Dänemark. Es war der erste allgemeine euro- 
päische Congress; er wurde durch die allgemeine Betheiligung 
der deutschen Stände zahlreicher als irgend ein andetier vor 



127 

1814 begacht and vermöge der Mannigfaltigkeit und Art 
der zn entscheidenden Streitpunkte im hohen Grad verwickelt. 
Es lag auf der Hand , dass es eine lange Zeit und grosse 
Anstrengungen erfordern wfirde, um in ein solches Ge- 
wirr streitiger Meinungen und entgegengesetzter Interessen 
Ordnung zu bringen. 



v-y^^N^N.^ 



V. 

Zweiter Abschnitt des westphälischen Friedens- 
congresses von der Ankunft Trautmannsdorfs 
bis zur Abreise desselben, November 1645 bis 

Jidi 1647. 



Graf Trautmannsdorf kam zum Gongresse mit ausge- 
dehnten Vollmachten und einer vom Kaiser eigenhändig ge- 
schriebenen Instruction, welches letztere Actenstuck zu sehen 
uns jedoch keine Gelegenheit geboten wurde*). Aber aus 
seinem vertraulichen Briefwechsel mit dem Kaiser, von welchem 
es uns gestattet wurde Einsicht zu nehmen, geht deutlich 
hervor, welcher Art seine Aufträge und Absichten waren. Er 
sollte zunächst bemüht sein, die Stände unter sich zu ver- 
söhnen und das ganze deutsche Seich gegen die Fremden, 
welche dadurch zu einem billigen Frieden genöthigt werden 
sollten, zu vereinigen. Und wahrlich, hätte Jemand einen 
solchen Plan durchführen können, so wäre es der duldsame, 
offene und entgegenkonmGiende Trautmannsdorf gewesen. Ffir 



') Die Instruction soll Linz, den 4. October datirt sein. Die Urschrift 
findet sich nach Koch a. a. 0.,^d. II, S. 139 im fUrstUch Traatmannsdorfschen 



ArchiTe. 



129 

den Fall, dass es ihm nicht gelingen würde, die Stände zu 
vereinigen, so war es seine Absicht, die Protestanten einiger- 
massen zu befriedigen, die Forderungen Schwedens zu be- 
willigen und endlich Frankreich zu isoliren. In dieser Ab- 
sicht wurde er hauptsächlich durch die Spanier bestärkt, 
welche sich der Hoffnung hingaben, dass Frankreich, in dieser 
Weise von seinen Bundesgenossen verlassen, durch die ver- 
einten Kräfte Spaniens und des Kaisers leichter überwältigt 
werden könnte. 

Die französischen Gesandten sahen auch die Ge&hr ein, 
welche den Interessen Frankreichs durch die Ankunft Traut- 
mannsdorfs drohte; sie wurden unruhig, besuchten fleissig 
Osnabrück und zeigten sich sehr entgegenkommend gegen 
Schweden und die Protestanten. Es war in der That nicht 
mehr Schweden, das von Frankreich abhängig war, sondern 
umgekehrt; Gontarini sagt sogar, dass die französischen Ge- 
sandten in einer vollständigen Abhängigkeit von den schwe- 
dischen standen"^). Die Stellung der letzteren war auch bei 
Weitem vortheilhafter. Die Politik Schwedens war klar und 
bestimmt; es war nach Deutschland als Beschützer der Pro- 
testanten gerufen worden, und sowohl seine Neigung als seine 
Interessen mahnten es, ihre Vortheile zugleich mit den 
seinigen zu wahren. Frankreich dagegen hatte sich unge- 
beten in den Kampf gemischt ohne gültige Ursache, ohne ein 
anderes Interesse als das seiner eigenen Yergrösserung. In 
den kirchlichen Streitpunkten spielte Frankreich eine zwei- 



•) Gontarini an Nani den 10. November 1645: „In effetto li Suedesi in 
qoesti congressi portano il yanto di tutta la maggiore sodezza nei trattati/* 
Derselbe an denselben den 19. Januar 1646 : „ Cosi li Suezzesi in tutte l'oceorrenze 
d'imperio hanno la direttione del negotio e Tapplauso deiruniversale e li Francesi 
airincontro Taversione di questo ed una cieca dipendenza da Suezzesi in tutto." 
„ L'uniyersale del imperio concorre nel dar piutosto molta sodisfattione alla Suezzia 
che poca alla Francia." Ven. A. — Trautmannsdorf an den Grafen Kurtz den 
11. Januar 1646: „Die Franzosen werden wegen Gott selbsten, der Chiistenheit 
und. ihrer eigenen Seelenheil die Schweden nicht offendiren, eher Gott Ter- 
läugnen mit allen Heiligen." W. A. 

Odhner, Politik Schwedens. 9 



ISO 

deutige Bolle; es wünschte allerdiügs die katholischen Stände 
zu iittterstützen, wagte aber auch nicht sich mit den prote- 
stantischen zu stossen, es schwankte zwischen beiden Parteien 
und zog sich dadurch das Misstrauen beider zu*). Die all- 
gemeine Stimmung war deshalb, dass man Schweden lieber 
eine bedeutende Vergrösserung als Franfoeich eine geriügere 
gönnte. Eine Ausnahme hiervon madite jedoch de* Kurfürst 
von Bayern, der imm^r nofch fortwährend Verbinduiigett mit 
Frankreich unterhielt, um in diesem Land eine Stütze gegen 
den ünwiiien Schwedens und der Protestanten zu haben und 
dadurch seinen Eürfürstenhut zu retten. Ausserdem verstan- 
den es die Franzosen sehr gut, sich Freunde „ mittelst des un- 
gerechten Mammons" zu verschaffen**). 

Nachdem Träutmannsdorf ein paar Wochen in Münster 
verbracht und den Franzosen, ausser den Stiftern Metz, Toul 
und Y^eMun, einige Ortschaften in Lothringen und Piemont 
angeboten hatte, welches Anerbieten von den Franzosen mit 
eineöa höhnischen Lädhein zurückgewiesen wurde, eilte er nach 
Osnabrück, Wo er den 5. Decwhber eintraf. Hier verweilte er 
bis zum 15. Föbruar 1646, stets bemüht, th^Us die deutschen 
Stände mit einander zu versöhnen, theils die Schweden zu be- 
friedigen und von dem Bunde mit Frankreich zu ziehen. 
Seine Bestrebungen, die Katholiken und Protestanten zu ver- 
söhnen, schienen anfänglich nicht viel zu fruchten ; wenigstens 
waren die ausführlichen Qravamina, welche die Protestanten 



*) Characteristisch ist eine Aenssernng des kaiserlichen Legaten Volmar: 
„plus 8b injurätis Suecis quam inillies jnrataitibus Gallis credet'e.** -^ Vgl. 
Ad. Adaini Aensserutig in seiner Relatio historica, S. S71. 272: „Qtiod si in 
ali(iüö räprehendenda venit Galloruäi levitas, in his profecto rebus foissetcastiganda, 
qüOd nimirum Catholicis opem promitterent contra Frotestantes et FrotidstaD- 
tibns contra Catholicos, quod ad constantiam animarent utrosque, qüod illos im- 
pellerent ad postulandum, alios vero ad negandum." 

••) So Wurden z. B. lOÖÖOO Livres, um zu Bestechungen und Geschenken 
angewandt zu werden, iin Becember 1645 nach Münster fibersandt. Brienne an 
die frafa'zösischen Gesandteü den 11. Becember 1645: Negoc. secr., Tom. II, 
p. 230. 



im December 1645 abgaben, nicht geeignet, die Entscheidung 
der Streiläglceiten zn beschleunigen, und die Gegengravamina, 
womit die Katholiken hierauf erwiderten, waren noch weniger 
entgegenkommend. 

Bessei* schien es Trautmannsdorf zu gelingen, den Samen 
der Zwietracht zwischen die yerbfindeten Kronen zu säen und 
die Interessen derselben zu trennen. Schon sein langer Auf- 
enthalt in Osnabrück, als wäre dies der Hauptort, kam den 
französischen Legaten verdächtig und f&r Frankreich verletzend 
vor. üeberdies waren diese Herren den Anträgen zu einem 
Privatvergleich, welche man wieder den Schweden zu machen 
begann, auf die Spur gekommen. Schon einige Male vorher 
hatAen die spanischen Gesandten Graf Penaranda und Don 
Diego Saavedra bei Unterredungen mitSalvius undBosenhane'*') 
Schweden zum Frieden mfgefordert, es mit kaiserlichen 
Verbeissungen sowie mit Handelsvortheilen in der spanischen 
Monarchie lockend und mit Berichten über französische Separ 
ratverhandlungen erschreckend. Jetzt fing auch Trautmanns- 
dorf an , denselben Ton anzuschlagen , indem er Oxenstierna 
wissen liess, dass er zu Separatverhandlungen mit den Sdiwe- 
den ermächtigt sei**^). Demzufolge fassten die Franzosen 
Verdacht und zeigten sich „auf die Schweden jaloux gleich 
wie ein Ehemann auf seine Francs Zwar suchte Oienstierna 
den Fnmzosen alle Besorgnisse zu benehmen, als er im 
December 1646 eine neue Beise liach Münster unternahm, 
um sich mit ihnen fib^ die Forderungen zu berathen, wdche 
die Kronen in ihren „ Repliken ^^ auf die kaiserlichen Er- 
U&ruBgen aufstellen sollten. Nachdem aber diese Repliken 
kuris nach der Bfickkehr Oxenstiernas nach Osnabrück den 



*) SaaYedra hatte nähere Bekanntschaft mit Kosenhane in Folge der lite- 
lariBoheM {nteressen beider eingeleitet und ihn mit Versprechungen und Artig- 
keiten überhäuft. 

**) fiierQber siehe Chemnitz IV, 5: 50. 55. Trautmannsdorf an den 
Kaiser den 20. Becembetr 1645. W. A. 

9* 



132 

28. December 1645 an beiden Orten abgegeben worden waren 
— was mündlich geschah, jedoch so, dass die beiderseitigen 
Legationssecretäre das Protokoll führten — , so gab dieser Act 
den Franzosen neue Veranlassungen zur Unzufriedenheit und 
zum Verdacht. Denn erstens hatte der französische Eesident in 
Osnabrück Herr de la Barde der Conferenz, in der die Replik 
Schwedens den Kaiserlichen mitgetheilt wurde, nicht bei- 
wohnen dürfen; er wurde deswegen ausgeschlossen, weil der 
schwedische Resident in Münster zu den Conferenzen der 
Franzosen nicht zugelassen worden war, was wiederum darauf 
beruhte, dass der päpstliche Vermittler sich weigerte, mit 
den Schweden zusammenzutreffen. Ferner behaupteten die 
Franzosen, dass die schwedischen Legaten in ihrer Replik 
die Forderungen höher gespannt hätten, als gegenseitig 
verabredet war. Sie hatten' nämlich nicht nur Schlesien, 
Pommern nebst dem Stift Cammin, Wismar mit Poel, Wall- 
fisch und Warnemünde, sondern auch die geistlichen Ge- 
biete, .welche sie inne hatten, zunächst die Stifter Bremen 
und Verden, aber auch andere (Magdeburg, Halberstadt, Osna- 
brück u. a.), womit sie die übrigen Interessenten entschädigen 
wollten, gefordert. Es verdross die Franzosen, dass diese 
Stifter genannt worden waren, obgleich sie erklärt hatten, dass 
sie als Katholiken die Abtretung derselben nicht anrathen 
könnten und dass sie höchstens in Bezug auf Bremen und 
Verden die Augen zudrücken könnten; sie nahmen ausserdem 
ältere Beschwerden, wie die über den Krieg mit Dänemark 
und den Waffenstillstand mit Brandenburg, wieder auf und 
zeigten sich so abstossend, dass Rosenhane Befehl erhielt, auch 
seinerseits eine grössere Zurückhaltung zu beobachten. Zwar 
kam es zu einer Erklärung, als D'Avaux Anfang Februar 1646 
sich in Osnabrück einstellte, aber die Schweden Hessen sich 
nicht bewegen, auch nur um Haaresbreite von ihrem Standpunkt 
zu weichen. Ebenso vergeblich beklagte sich der französische 
Resident in Stockholm Chanut bei der schwedischen Regierung 



133 

über das Betragen ihrer Gesandten; und obgleich ein beson- 
derer Gesandter (St. Bomain) zum selben Zweck nach Stock- 
holm geschickt wurde und dort vom Februar bis Mai 1646 
verblieb, so war doch die schwedische Eegierung nicht zum 
Nachgeben in den Streitpunkten zu vermögen. Der Canzler 
deutet allerdings in einem Briefe an seinen Sohn darauf an, 
dass die Franzosen bei dieser Verhandlung von einem „rap- 
tas generosarum mentium" unterstützt worden seien, wo- 
mit er vermuthlich die französischen Sympathien der Königin 
meint; aber sein Einfluss war immerhin stark genug, um die 
auswärtige Politik Schwedens zu bestinmien, und er war jetzt 
weniger denn je geneigt, den Ansprüchen Frankreichs nach- 
zugeben. Es hatte den Anschein, als hätte das Bündniss und 
das Vertrauen zyrischen den beiden Mächten einen schweren 
Stoss erlitten*). 

Es war natürlich, dass Trautmannsdorf diese Aussicht, die 
sich zur Trennung der Kronen und demzufolge zur Separat- 
verhandlung mit einer derselben darbot, benutzen würde. So- 
wohl er als die meisten anderen waren über die grossen For- 
derungen, welche die Schweden in der Genfer enz vom 28. De- 
cember aufgestellt hatten, bestürzt geworden; als auch die 
geistlichen Güter genannt wurden, hatte er ausgerufen: 
„Basta, basta! ein solcher Friede würde in der Geschichte 
unerhört sein, und wenn der Kaiser in Stockholm gefangen 
wäre, wie es der französische König Franciscus in Madrid war, 
hätte man den Bogen nicht höher spannen können!" In- 
dessen sah man leicht ein, dass Schweden seine Forderungen 
so weit getrieben hatte, nicht um hartnäckig dabei zu ver- 
harren, sondern um mit sich handeln lassen zu können und 
die Mittel zur Befriedigung seiner Anhänger oder derjenigen. 



*) Ueber dieses Zerwürfniss zwischen Schweden nnd Frankreich siehe 
Chemnitz IV, 5: 54; 6: 1. 3. Nögociations secretes III, 40. 241 u. a. Bou- 
geaut a. a. 0. Chanut, Mämoires, Tom. I, p. 16 ff. Der Reichscanzier an seine^ 
Sohn Johann den 14., 21., 28. Februar 1646 u. a. 



walcbe wie Brandenburg und MecUenburg um Schwedens; 
willen Schaden leiden wuiden, zu besitzen. TrautmaBnedorf 
liess es sich deshalb nicht verdrieaseü, sondem sn(^te eine 
Gelegenheit, sich den Sdbweden zn nähern. Nachdem Crane 
bei einem Besuch, den er Salms abstattete, die Sache vorbe- 
reitet hatte, benutztie Trautmaansdorf die Grelegenheit, als 
Salvius den 2. Februar ihm die erneuerte Vollmacht der 
Schweden vorlegte, und liess sich in ein vertrauliches Ge- 
spräch über den Entscfaädi^ngspunkt mit ihm ein. Er be- 
richtet hierüber selbst in einem Briefe an den Kaiser, dass 
Salvius gegen den Eid der Yerschwiegenheit ihm die äosser- 
sten Bedingungen Schwedens, nämlich ganz Pommern, Wi^nar, 
Bremen und Verden verrathen, und dass er selbst Vorpammeni, 
Bremen und Verden angeboten hätte; dieses An^bieten faSM^ 
Salvius billig gefunden, ja sogar versprochen, dasselbe zu be- 
fürworten. Auch Oxenstierna wurde überredet, hierein zu 
willigen, und die schwedischen Legaten riethen wirirlich ihrer 
Regierung, sich damit zu begnügen, zumal wenn Wismar dem 
IJebrigen hinzugefügt würde. Als nun Trautmannsdorf den 13. 
und 14. Februar den schwedischen Legaten seinen Abschieds^ 
besuch abstattete, wiederholte er ausdrücklich sein früheres An- 
erbieten unter Hinzufiiigung, dass der E!aiser för seinen Theil 
Schweden auch Wismar gönnte; gleichwohl könnte die Be- 
lehnung mit diesen Gebietstheilen nicht der Erone Schweden, 
sondern nur der Königin und ihren Leibeserben oder höchstens 
dem Geschlecht, welches, für den Fall dass sie keine Eriken 
bekäme, ihr auf dem schwedischen Thron nachfolgte, gelten, 
wie auch Bremen und Verden ihre Natur als geistliche 
Stifter behalten müssten. Zwar bestanden die Schweden ibrer 
Instruction gemäss fortwährend auf ganz Pommern und ver- 
langten als unerlässliche Bedingung, dass nicht nur gewisse 
Königsgeschlechter, sondern die Krone Schweden damit be- 
lehnt werden sollte; aber im übrigen zeigten sie sich ent- 
gegenkommend und sprachen die Hoffnung aus, d^s der Friede. 



t36 

aooh vor Ostern zum AbscUuss kommen wurde. Trautmanns- 
dorf glaubte die Sache mit den Schweden so gut wie abge- 
macht zu haben und begab sich deshalb nach Münster, um 
die Unterhandlung mit den Franzosen wieder au&unehmen *). 

Man sieht, dass die schwedischen Legaten zur Nach- 
giebigkeit g^eigter waren als die schwedische Regierung, 
die noch durch den Beichscanzler geleitet wurde. Diesß 
Meinungsverschiedenheit beruhte wohl zunächst darauf, dass 
Erstere die Schwierigkeiten in grösserer Nähe sahen und 
erfuhren; sie erinnerten die Begierung dringend daran, dass 
mächtige Interessen der Abtretung von ganz Pommern ent- 
gegenständen, dass man aber wahrscheinlich den Beifall des 
Kurfürsten zur Abtretung Vorpommerns erlangen könnte, 
welcher Beifall mehr werth sei, als die Garantie des Kaisers 
und Beichs, dass Hinterpommem Schweden nur wenig nützen 
werde, weil es minder fruchtbar und mit Schulden 
beladen sei, dass es aber in der Hand des Kurfürsten zur 
Vormauer gegen Polen dienen könne, dass Schweden durch 
den Besitz von Vorponunern, Bremen und Verden Herr der 
drei wichtigsten Flussmündungen Deutschlands und Mitglied 
dreier Kreise werde u. s. w.**). Dagegen hob der Canzler 
sowohl in den Schreiben der Begierung als auch in Privat- 
briefen an seinen Sohn hervor, dass, wenn Pommern getheilt 
würde und zumal wenn Stettin mit dem dazu gehörigen Ge- 
biete nicht mitfolgte, die angebotenen Länder fast nur 
,imagnifica nomina^' wären, dass die so theuer erkaufte Ein- 
willigung des Kurfürsten nicht mehr als andere Verträge, 
welche durch die Umstände leicht ihre Bedeutung verlieren 



*) Traotmanns/clorf an den Kaiser den 12. Februar (zum Theil in Chiffre- 
schrift, welche man jedoch mittelst anderer, gelöster Chiffern hat lösen können), 
den 22. und 27. Februar, den 2. März. Gesammtrelation von Osnabrück den 
22. Januar 1646: W. A. Chemnitz IV, 6: 5. Bericht der schwedischen Le- 
gaten vom 2, Februar. U. W. F. 

**) Bericht der schwedischen Legaten den 2. Februar 1646 und Brief des 
Salvias an Gyldenklou vom selben Datum. U. Yf, F. 



136 

könnten, werth wären, und dass er für seinen Theil lieber 
dafür stimme, ganz Pommern ohne den Beifall des Enrfarsten 
als Vorpommern mit demselben zu nehmen. Ein fernerer 
Grund, Hinterpommern nicht aus den Händen zu lassen, liege 
darin, dass eine Menge Offiziere, die in schwedischen Diensten 
standen, dort belehnt worden seien*). Diese bestimmt aus- 
gesprochene Meinung des Canzlers musste nothwendig auf den 
Sohn einwirken; für Salvius aber war sie ein Grund mehr, in 
seiner Meinung zu verharren und dieselbe geltend zu machen. 

Salvius war nämlich aus einem Schützling und gehor- 
samen Diener des Canzlers allmählich dessen gehässigster 
Widersacher geworden. Die Ursache hierzu war ohne Zweifel 
zunächst verletzte Eitelkeit und Ehrgeiz. Er glaubte seine 
Verdienste nicht gehörig gewürdigt; er hatte erwartet, zum 
Eeichsrath erhoben und zum Principalgesandten Schwedens 
am Priedenscongress ernannt zu werden, sah sich aber in 
seinen Hoffnungen getäuscht und von dem in mancher Hinsicht 
ihm nachstehenden Sohne des Canzlers zurückgesetzt. Die Un- 
einigkeit, worin er sich mit diesem befand, musste nothwendig 
auf sein Verhältniss zum Vater desselben zurückwirken. In 
der That hatte sich der Canzler bisher immer vortheilhaft 
über Salvius geäussert und seine Verdienste anerkannt, ob- 
gleich er seine „Quinten" gemissbüligt hatte. Dessen unge- 
achtet war der misstrauische Salvius theils durch eigene Ein- 
bildung, theüs durch das Geschwätz dienstfertiger Zungen zu 
der Ueberzeugung gekommen, dass er von dem Canzler ver- 
kannt und verfolgt sei. Beeinflusst durch alle diese Ver- 
hältnisse schloss er sich der Gegenpartei des Canzlers in 
Schweden an und suchte durch privaten Briefwechsel mit 
seinen Vertrauten im Eeichsrath und in der Canzlei**), ja 



*) Siehe namentlich des Ganzlers Brief an seinen Sohn den 2. Januar 1646. 
Gjörwells Samml. 

**) Z. B. mit dem Staatssecretär Gyldenklou, dem königlichen Socretär 
I^ils llilsson Tongel, welche beide bei der Königin in hoher Gnnst standen. 



137 

bald mit der Königin selbst, ihm und seinen Plänen ent- 
gegenzuwirken. In den diplomatischen Kreisen am Gongresse 
yerbreitete er allerhand schmähliche Gerüchte über die Oxen- 
stiemas, wovon zahlreiche Spuren in den diplomatischen 
Correspondenzen jener Zeit zu erkennen sind, als z. B. dass 
sie geflissentlich den Frieden verhinderten und den Krieg 
verfolgten, damit sie um so sicherer ihre Macht erhalten und 
sich unentbehrlich machen könnten, dass sie die Königin an 
Erich, den jüngeren Sohn des Canzlers, verheirathen, oder auch 
eine Heirath derselben gänzlich verhindern wollten, damit sie 
nach dem Ableben der Königin das Wahlreich oder die 
aristokratische Bepublik einführen könnten u. s. w.*). Dass 
diese Gerüchte grundlos waren, bedarf keines Beweises. Axel 
Oxenstierna wünschte unzweifelhaft den Frieden, wenn er auf 
eine für Schweden völlig befriedigende Weise erlangt werden 
könnte, aber er war erfahren und hellsehend geni^, um ein- 
zusehen, dass die Friedensverhandlungen sich in die Länge 
ziehen würden, und ausserdem war er von Natur geneigt, 
nichts zu überstürzen, sondern sich Zeit zu nehmen"^). 

Gegründeter war ein anderes Gerücht, welches beim 
Friedenscongresse über die Oxenstiemas laut wurde, nämlich, 
dass sie für ihr Geschlecht mit dem Stift Bremen als welt- 
lichem Fürstenthum belehnt zu werden wünschten. Dass der 
Keichscanzler sich wirklich mit einem solchen Plane befasst 
haben sollte, ist kaum wahrscheinlich. Aber dasselbe kann 
man nicht von seinem Sohne sagen. In seinem Briefwechsel 
mit dem Kaiser spricht Trautmannsdorf mehrmals von der 



*) Siehe z. B. D'Avaux* Memoire an seinen Hof den 18. März 1647: N^goc. 
secretes, T. rv, p. 50. Contarini an Nani den 8. September 1645, den 2. Oc- 
tober, den 27. November 1646. Ven. A. Schkissbericht Gontarinis, S. 324. 
Die brandenbnrgischen Gesandten an den Kurfürsten den 9. Febraar 1646: Urk. 
und Act. IV, S. 425. Pufendorf, Brandenburg II, 48. 

**) »Soll ich meine Meinung sagen ^\ schrieb er an seinen Sohn im Februar 
1646, „80 dtinkt mich, so weit ich sehen kann, dass der Universalfriede noch 
nicht reif sei." 



las 

„ Prätension ^^ oder dem „Priyatintereaae^' Oxenstiemas in Bezx^g 
auf das Stift Bremen und seine Erhebung in den Fursten^tand, 
und verlangte die Ordres des Kaisers darüber ; deoizufolge wurde 
über diese Frage ein besonderes Gutachten von dazu abge- 
ordneten kaiserlichen Bathsherren abgegeben''^). Es ist daher 
wahrscheinlich, dass der ehrgeizige Johann Oxenstierna aus 
eigenem Antrieb in dieser Weise für die Erhebung seines Ge- 
schlechtes zu wirken gesucht hat. Der Plan, Axel Oxen- 
atierna zum deutschen Beichsfursten zu machen, war übrigens 
nicht neu; er war von ihm selbst gehegt, als in den Jahren 
1633 und 1634 die Bede davon war, ihm das Eurfürsten- 
thum Mainz zu überlassen *'*^) ; aber nach dieser Zeit scheint 
er alle solche Gedanken aufgegeben zu haben. 

Die mit Trautmannsdorf gepflogene Unterhandlung hatte 
schon gezeigt, dass Schweden nicht vom Kaiser den heftigsten 
Widerstand gegen seine Forderungen zu beforchten hatte ; der 
Kaiser würde schon zuletzt nachgeben, wenn man nur nicht 
Schlesien, „Pupilla oculi Caesarei^S wie es Trautmannsdorf 
nannte, anrührte. Ebenfalls war der Kurfürst von Bayern 
willens, alles zuzugeben, wenn er nur die Kurwürde und die 
Oberpfalz behalten dürfte ; er drang unaufh(^rlich in den Kaiser 
und Trautmannsdorf, dass sie sich doch sputen möchten, 
widrigenfalls wolle er sich von dem Kaiser trennen. Der alte 
scharfblickende Kurfürst versicherte wiederholt, dass die Kronen 
nie getrennt werden könnten, so lange sia so starke gemein- 
same Interessen hatten, und dass man deshalb je eher je besser 
die Forderungen derselben bewilligen inöchte***). Es war 



*) Tr^tmaonsdorf an den Kaiser den 24. Jali 1646 (dies ist flnis occoltns 
totius belli Suecici, heisst es), den 14. Angnst d. J., an Grafen Kartz ,den 
17. August, den 14. September d. J. Eaiserl. Rescript an Trautmannsdorf den 
29. October. W. A. 

**) Siehe hierüber Odfaner a. a. 0., S. 7. 

***) Siehe namentlich Brief das Kurfürsten an seinen Gesandten in Osna- 
brück den 17. Januar 1646, desselben an denselben in Münster den 28. Februar. 
Derselbe an Trautmannsdorf den 7. Februar d. J. M. A. 



18» 

jedoch nicht so leicht f&r die Kaiserlichen, sogleich nachza-« 
geben, wenn sie es audi gewollt hätten, denn in Betreff 
Frankreichs mussten sie auf Spanien, und in Betreff Schwe- 
dens vorzüglich auf Brandenburg Rücksicht nehmen. 

Die schwedische Beplik vom 28. December hatte die 
schlimmsten Ahnungen der Brandenburger bewährt : Schweden 
forderte ganz Pommern und schien dies zum Kernpunkt seiner 
Fcrrderungen, zu der ersten, unerlässlichsten Bedingung eines 
Fried^isschlusses zu machen. Die brandenburgischen Ge- 
sandten äusserten die grösste Bestürzung und den stärksten 
Yerdruss hierüber und erfüllten den Gongress mit ihren Be- 
schwerden. Zunächst wandten sie sich an die Schweden, 
welche sie anklagten, dass sie von ihnen durch gute Worte 
und y<»rBpiegelungen hinter das Licht geführt worden seien. 
Sie übergaben ihnen eine Schrift, worin sie si^ten, dass sie 
hofften, dass Pommern nicht im Ernste unter den Forderungen 
genannt worden sei, sie erinnerten an die nahe Yerwandt- 
Bchaft des Kurfürsten mit der Königin von Schweden, so wie 
an die Ausspi'üche Gustav Adolphs und des Beicfascanzlers in 
dieser Angelegenheit, hoben das unbestreitbare Becht des Kur- 
hauses auf Pommern und das Gewicht dieser Besitzung far 
dasselbe hervor und versprachen endlich die Dankbarkeit und 
die Allianz des Kurfürsten, wenn ihm in dieser Sache sein 
Eecht gewährt würde*). Den Schweden ihrerseits wurde die 
Antwort nicht schwer ; sie hofften, dass der Kurfürst als naher 
Blutsverwandter wohl der Königin eine Entschädigung gönne, 
und fragten, worin dieselbe bestehen solle, und als die Ge- 
Bsmdten nichts vorzuschlagen wussten, brachten sie in Er- 
innerang, wie wenig Nachsicht Schweden Brandenburg schuldig 
sei, da letzteres immer, sei es als unzuverlässiger Freund, 
sei es als offener Feind, Schweden entgegengetreten sei, und 



*) Die Schrift ist iem Bericht der schwedischen Legaten Tom 19. Janaar 
1646 beigelegt. 



140 

dass Schweden keineswegs um des Kurfürsten willen auf eine 
Besitzung verzichten wolle, die für dasselbe so günstig ge- 
legen sei und von welcher aus es, wenn es Noth thue, den 
deutschen Protestanten am bequemsten zu Hülfe kommen 
könne. Dagegen erbot man sich bereitwillig, dem Kurfürsten 
ein annehmbares Aequivalent zu verschaffen *). Hiervon wollte 
jedoch der Kurfürst nichts wissen, sondern erklärte, dass er 
sich und seine gerechte Sache Gott anempfehle**). 

Bei dieser wie bei früheren Gelegenheiten , wo die 
pommersche Streitfrage angeregt worden war, wurde von neuem 
eine Heirath zwischen der Königin und dem Kurfürsten als 
die glücklichste Auskunft zur Lösung derselben vorgeschls^en, 
und sie wurde wieder als eine ausgemachte Sache darge- 
stellt***). Die schwedischen Legaten ermahnten den Kur- 
fürsten, sich die Gewogenheit der Königin durch Nachgiebig- 
keit in dem streitigen Punkte zu erwerben; namentlich kam 
Salvius stets auf diese Sache zurück, und er scheint wirklich 
im vollen Ernste für eine solche Verbindung gearbeitet zu 
haben. Er forderte den Kurfürsten zur Geduld auf, denn der 
alte Oanzler, der das grösste Hindemiss sei, könne nicht lange 
leben ; in Schweden gebe es Viele , welche gleich Salvius in 
dieser Verbindung die einzige Abwehr gegen die gefahrlichen 
Pläne der Oxenstiemas erblickten ; selbst habe er der Königin 
gerathen, den Antrag des Kurfürsten anzunehmen, und hoffe, 
dass eine feierliche Gesandtschaft nach Schweden in der Sache 



*) Chemnitz IV, 6: 5. Bericht des hrandenhurgischen Gesandten den 
26. Januar 1646: ürk. und Act. IV, S. 419. 

••) „Wir sehen gleichsam die Ruin Unseres ganzen Status vor Unseren 

Augen Itzt will die Cron Schweden Uns gar ins Herz gleichsam ihren 

Fuss setzen, damit sie Uns stetig zu ihrem Willen hahen oder doch wenigstens 
in stetigem Allarme und Furchten halten kann." Resolution des Kurfürsten den 
9. April: Urk. und Act. IV, S. 431. 

^•*) „Die Heirath zwischen der Königin in Schw-eden und Gh. Brandenburg 
mögen E. K. M. vor gewiss halten": Trautmannsdorf an den Kaiser den 
15. Februar 1646. W. A. 



141 

den Ausschlag geben werde'*'). Aber der Kurfürst betrachtete 
nunmehr solche Aeusserungen als leere Vorspiegelungen, um 
ihn zu täuschen und seine Wachsamkeit in der pommerschen 
Angelegenheit einzuschläfern. Er hatte nämlich aus Schweden 
Nachrichten erhalten, die ihn bewogen, den lange besprochenen 
Heirathsplan gänzlich aufzugeben. Bis jetzt scheint er wirk- 
lich Hoffnungen auf einen guten Erfolg seiner Werbung ge- 
hegt zu haben, um eine bestimmte Antwort auszuwirken, 
hatte er nach dem Bathe des Beichscanzlers nicht eine feier- 
liche Gesandtschaft, sondern einen privaten Botschafter, 
Christoph Benckendorf, nach Schweden geschickt, welcher 
Briefe sowohl von der Königin Marie Eleonore an ihre Toch- 
ter als Ton dem Canzler Qötze an Axel Oxenstiema mitbrachte. 
Unter dem Vorwand von Privatgeschäften verweilte er ein 
halbes Jahr in Schweden und wirkte für die Sache des Kur- 
fürsten. Er wurde lange vom Ganzler ohne bestimmte Ant- 
wort und unter Vorschützung der gewöhnlichen Bedenken 
aufgehalten, aber endlich erhielt er von der Königin selbst 
den Bescheid, dass die nahe Verwandtschaft, die Beligions- 
yerschiedenheit und andere „invincibiles rationes Status'^ einer 
solchen Heirath Hindemisse in den Weg legten. Es war dies 
ein entschiedener Korb, und nachdem Benckendorf im Frühjahr 
1646 zurückgekommen war und über seine Gesandtschaft 
Rechenschaft abgelegt hatte, erklärte der Kurfürst brieflich 
seinen Gesandten, dass es nun mit der schwedischen Werbung 
für immer zu Ende sei; ihm selbst sei dieser Ausgang der 
erwünschteste, da er bei den obwaltenden Umständen wahr- 
scheinlich nie der wirkliche König von Schweden, sondern 
nur der Gemahl und oberste Kammerherr der Königin ge- 
worden wäre, und seine Kinder nicht einmal das Erbrecht 
zum Thron erhalten hätten; die Ehre der „Subscription" 



*) Berichte der brandenbnrgischen Gesandten den 9. Februar, den 2. März, 
den 27. April 1646: Urk. und Act Pufendorf, Brandenburg II, 48. 



— -' 



142 

habe er vielleicht theuer g^nug damit bezahlen mfiasen, dass 
die Schweden sich zu Herren über sein eigenes Eurftisten- 
thnm gemacht hätten *)« 

Wählend also diese Anssicht auf eine Yereinbftrung zwi- 
schen Schweden und Brandenburg immer trQber wurde und 
schliesslich ganz dahinschwand, hatten der Kurfürst und seine 
Gesandten, den Ausgang voraussehend, sich nach allen mög^ 
liehen Seiten gewendet, um gegen die Anspräche der Schwe« 
den Unterstützung und Hülfe zu gewinnen. Von den Kaiser* 
liehen hatte der Kurfürst nicht viel zu hoffen. Trautmanns* 
dorf gab bald zu verstehen, dass die Abtretung Vorpommems 
eine politische Noth wendigkeit sei, und war um so weniger 
geneigt, die Interessen des Kurfürsten zu befördern, da er 
argwohnte, dass der Kurfürst die Gedanken der Schweden auif 
Schlesien gelenkt hatte, um sich dadurch eine Entschädigung 
fftr Pommern zu verschaffen^ das Yerhältniss zwischen den 
kaiserlichen und kurfärstlichen Gesandten wurde immer ge* 
spannter. Von den Franzosen erhielten die Gesandten des 
Kurfürsten zw^ gute Worte und Gomplimente, aber auch 
nichts weiter. Besser glückte es ihnen bei denen^ die an der 
Sache ein directes Interesse halten. Sowohl die pommerscben 
als die Stralsunder Gesandten überreichten den schwedischen Le- 
gaten besondere Sdireiben, "worin sie sich von neuem gegen 
jegliche Abtretung verwahrten, sich auf ihre Privilegien und 
Eide und die mit Schweden geschlossenen Allianzen berufend ; 
vergeblich suchten die schwedischen Legaten, sie auf andere 
Gedanken zu bringen und ihre Gewogenheit zu gewinnen : sie 
Wf^^en die treuen Waffenträger Brandenburgs. Auch der Her* 
zog von Mecklenburg und die Hansestädte wirkten den schwe* 



*) Ueber diesen letzten Abschnitt der schwedisch-brandenburgischen fieiraths- 
verhandlang siehe die Resolutionen des Kurfürsten vom 12. und 20. Mai, 22. Juni 
1646. Bericht der brandenburgischen Gesandten vom 27. April d. J. Urk. 
und Act. Pufendorf, Brandenburg I, 46; II, 48. 52. Balt. Studien« Bd. V, 2. 
S. 55. 



143 

tischen AAsptficheti entgegen, ^tsterer wegön Wismars, 
lets&tere hä.üptsächlicfa aus Furcht yor dem Fortbestand des 
scbwödisciien tiicentenwesens. Von den fremden Mächten 
wareü es — um nicht ron dem fast vernichteten Dänemark 
zu sprecheii — eigentlich Polen* und die Niederlande, welche 
durch die Plän6 Schwedens auf Pommern unangenehm berührt 
wurden und geneigt waren, denselben Hindernisse iü den Weg 
zu legen. 

Wöto dör König Wladislav Ton Polen ebenso grosse 
Macht gehabt hätte, wie er Eifer und Thätigkeit eni^ltete, 
so iräre er allerdings einer der gefährlichsten Feinde Schwe- 
detis geworden. Wir haben sein Bänkespiel mit dem Kaiser und 
Spanien, mit dem Kurfürsten Von Brandenbui'g und Dänemark, 
um die Fortschritte Schwedens in Deutschland aufzuhalten, 
bereits erwähnt. Schon beim Anfang des Oortgresses, Ende 
l64ä, hatte der König von Polen einen Agenten, Namens 
V. 6riessheim, hiügeschiekt ^ w^dxer im Einvernehmen mit 
d^en Kaiserlichen und den Dänen den Absichten Schwedens 
enlgegenwirken sollte ; abet diese Kweideutige Person war von 
den Schweden bestochen und verrieth diesen alles. Was er 
über iie Pläne und Bänke seines Hefrrn wusste *). Späterhin, 
ab die jpommersche Frage der Entscheidung näher gerückt 
wurde, übetsandte der König von Polen dem venetianischen 
Vermittler einen Protest gegen jede Abtretung pommerscher 
Gebietstheilö , aiuf ^^che Polen Ansprüche machte**), und 
dieser Protest würde durch die polnischen Besidenten MalMas 
V. Crockow in OsUatoflck und fi<m(Äli6 in Mfinötei^, welche da- 
selbst im Sommer 1646 auftraten, nochmals erneuert. Zu 
demselben Zweck unterhandelte der König von Polen auch im 
Haag und in Paris ; mit Prankreich War er nämlich um diese 



*) SalTlns an die Re^ernng den li. Decembor 1648. Chemnitz IV, 8: 58. 
Bericht der kaiserlichea Gesandten den 24. Decemher 1643: W. A. 

**) Der Protest, Tom 89. Decemfoer 1646, findet sich unter Contuinis 
Depeschen. Ven. A. Die Ansprüche waren übrigens völlig anbegründet. 



144 

Zeit durch seine Yermählang mit der Prinzessin Louise Marie 
von Gonzaga-Nevers, welche durch französische Vermittlung 
zu Wege gebracht worden war, in nähere Verbindung ge- 
treten. Im Frühjahr 1646 ordnete der König starke Rüstun- 
gen an, welche vorgeblich den Türken galten, wahrschein- 
lich aber gegen Schweden gerichtet waren; er wurde jedoch 
bald von den polnischen Standen genöthigt, dieselben einzu- 
stellen *). 

Was die niederländischen Staaten anbetrifft, so bildete 
der eben geschlossene Broemsebroer Friede einen Wendepunkt 
in ihren Beziehungen zu Schweden. Bisher hatten sie in 
Folge der Erpressungen Dänemarks im Oeresund mit Schwe- 
den gemeinsame Interessen gehabt; nachdem aber durch 
den Vertrag von Christianopel ihren Beschwerden abgeholfen 
worden war, lag es offenbar in ihrem Interesse, das Gleich- 
gewicht zwischen den beiden nordischen Staaten zu erhalten 
und Schweden Dänemark nicht ganz überflügeln oder allein- 
herrschend in der Ostsee und den vornehmsten Häfen der- 
selben werden zu lassen**). Sie hatten schon einen unange- 
nehmen Vorgeschmack von der schwedischen Herrschaft über die 
Ostsee gehabt, indem ihr Handel durch die schwedischen 
Licenten erst in den preussischen, dann in den pommerschen 
und mecklenburgischen Häfen gelitten hatte. Sie wünschten 
deshalb, dass Brandenburg anstatt Schwedens in Besitz von 
Ponunern käme. Hierzu kam noch die Verwandtschaft zwischen 
dem oranischen und dem kurfürstlichen Hause, wodurch das 
personliche Interesse des Generalstatthalters in dieser Hinsicht 



*) Siehe die Briefe des brandenbargischen Besidenten zu Warschau für das 
Jahr 1646: Urk. und Act. I. Contarini an den Venet. Gesandten in Polen 
Tiepoli den 21. September 1646. Ven. A. 

**) Siehe die Instructionen der Staaten fttr ihre Gesandten in Christianopel 
bei van der Hoeven, Geschiedenis van den Sonttol. Welche Bedeutung der Ost- 
seehandel ffir die Staaten hatte, geht ans der Angabe hervor, dass im Jahre 
1634 nicht weniger als 6000 Schiffe von 720000 Lasten diesen Handel ver- 
mittelten: Vreede, Geschiedenis der Nederlandsche Diplomatie, Th. II, S. 2; 
Beilagen, S. 116. 



146 

mit demjenigen der Staaten zosammenfieL Auch versäumte 
es der Kurfürst nicht, seine Interessen bei den „Hoogmc^en-* 
den'^ zu wahren. Im März 1646 sandte er Ewald v. Kleist mit 
dem Auftrag, den Generalstaaten ein Bündniss mit Bran- 
denburg anzubieten und dieselben um ihre kräftige Yermitt- 
limg bei der schwedischen Begierung in der pommerschen 
Angelegenheit zu ersuchen, nach dem EjoBg; die gemeinsame 
Beligion und das gemeinsame Interesse wurden beide zum 
Vortheil des Kurfürsten angeführt. Das Ergebniss der Unter- 
handlung V. Kleists war theils ein Versprechen seitens der 
Generalstaaten, dass ihre Gesandtschaft in Münster seihe Sache 
unterstützen würde, theils ein Schreiben an die Königin von 
Schweden (vom 15. Mai), worin diese aufgefordert wurde, dem 
Euifürsten Pommern zu überlassen *). Aitzema giebt an, dass 
Kleist auch beauftragt gewesen sei, Unterhandlungen über 
eine Heirath zwischen dem Kurfürsten und der Tochter des 
Generalstatthalters, Louise, „ Mademoiselle d'Orange ^^ **), anzu- 
knüpfen; es ist dies sehr wahrscheinlich, weil der Kurfürst 
schon damals den Ausgang der letzten Gesandtschaft nach 
Schweden wissen konnte. 

Die pommersche Frage war also eine nicht blos deutsche, 
sondern auch europäische Frage von grosser Bedeutung, eine 
„ brennende Fn^e '^ für das ganze nördliche Europa, nicht nur 
für Schweden und Brandenburg, sondern auch für Dänemark, 
Polen und die Niederlande geworden. Es war diese Frage die 
erste Veranlassung, dass Brandenburg in die grosse europäische 
Politik hineingezogen wurde und den Grund zu jenen um- 
fassenden Verbindungen legte, welche binnen kurzem dieses 



*) Siehe die Actenstücke, welche in Urk. und Act. lU, S. 5ff.; IV, S. 56, 
mitgetheilt werden. 

**) Aitzema, Saeken ?an Staet en Oorlogh, Bd. VI, S. 226. Vgl. Siccama, 
Sehets yan de diplomatieke hetrekkingen tusschen Nederland en Brandenburg, 
1596 bis 1678, S. 126. Schon im Frühjahr 1645, w&hrend die schwedische Werbung 
noch schwebend war, hatte der Kurfürst Erkundigungen über die niederländische 
Prinzessin einholen lassen: Urk. und Act. IV, S. 745 If. 

Odhnei, Politik Schwedens. 10 



146 

Earfürstenthum zu einer bedeutenden ettropäisdten Macht 
erhob. 

Während also Brandenburg alle Kräfte in Bewegung 
setzte, um die Pläne Schwedens auf Pommern zu hintertreiben, 
hatte die Verhandlung über die Entschädigungssadie zwischen 
den Kaiserlichen und den Schweden einige Zeit geruht und 
die Aufmerksamkeit sich von Osnabrück nach Münster ge- 
wendet, wo Trautmannsdorf mit Hülfe der Vermittler in d^ 
besten Unterhandlungen mit den Franzosen begriffen war. Wie 
in Osnabrück Pommern, so ward in Münster das Elsass der 
eigentliche Zankapfel, und wie die erstere Unterhandlung durch 
die Bestrebungen Brandenburgs erschwert wurden, so strengte 
sioh hier Spanien an, jede üebereinkunft zu verhindetu. Hierzu 
kam noch, dass der Kaiser natürlich weniger geneigt war, 
altöstreichisches G^ebiet abzutreten als Beichslehen, die ge- 
wissermassen erledigt waren "*"). Allein, waren somit auch die 
entgegenwirkenden Kräfte in Münster stärker als in Osnabrück, 
so gab es auch dort mächtigere Förderer des Friedens. Solche 
waren vor allen die Vermittler, welche beide eifrig bemüht 
waren, eine Verständigung zwischen dem Kaiser und Frankreich 
zu Sta&de zu bringen, der päpetliche Nuntius, um sie dann gegen 
Schweden und die Protestanten vereinigen zu können, der vene- 
tianische Gesandte, um den allgemeinen Frieden zu beschleu- 
nigen und dann am so leichter seiner Bepublik Hülfe gegen die 
Türken zu verschafifen. Beide, aber namentlich der Venetianer, 
suchten im Frühjahr 1646 einen Waffenstillstand m. bewirken, 
um einem neuen Feldzug und dadurch wahrscheinlich gesteiger- 
ten Ansprüchen seitens der Verbündeten vorKubeugen. Aber 
noch eifriger als die Vermittler wirkten die Kurbayem für 



*) Ttl)^r Tractat mit Schweden liommt mich leicht aD, deaii dort handle 
ich £. K. M. Länder zu recnperireBf aher der Fraazösische Tractat, weiten ms 
bei demselben von des Haus Oesterreich Landen was hinterlasiea soli, ist mir 
im Heraen and der Seele niwider.*^ Trautmannsdorf an den Kaiser den 3. April. 
W. A. 



147 

Waffmeridlbtand und Frieden. Sie waren geneigt, den Fr»»* 
zosen alle ihre Forderungen zu bewilligen und verriethen ihnen 
den Inhalt der kaiserlichen Instructionen; Bie drohten, einen 
Separatfrieden zu schliessen, und übten einen starken Druck 
auf den kaiserlichen Hof aus. Die Stellung Trautmannsdoifs 
war uBkagbar eine schwierige, weil er auf zwei so entgegen- 
gesetzte Interessen wie das bayerische und das spanische 
Rücksicht nehmen musste. Selbst war er der Ansicht, dass 
letzteres dem allgemeinen Wohle Deutschlands weichen müsse, 
und sf»rach in seinen Briefen an den Kaiser dfen aus, dass, 
W(ffln man die Auffiahme Spaniens in den Frieden als eine 
OBerl&ssliche Bedingung hinstelle ^ man nie zum Abschluss 
kommen werde '^). Diese Meinung Kog ihm viel Unwillen 
seitens der spanischen, jesuitiscbea Partei am kaiserlichen 
Ente zu, welche unter der Leitung des spanischen Botschafters 
Terra Nova alles aufbot ^ ihn um seinen Einfluss bei dem 
Kaiser zu bringen "*"*). Der Kaiser suchte zwischen den bei- 
den entgegengesetzten Interessen, die an seinem Hofe sich 
gegenseitig bekämpften, zu vermitteln; er befahP"^) Traut- 
03aDnsd<H*f, im Einvernehmen mit dem spanischen Legaten zu 
handeln und Spanien in den Frieden einzuschliessen, zugleich 
aber aus der Unterhandlung mit Fiunkreich Ernst zu machen 
und ihuieii das ganze östreichisoke Elsass mit Ausnahme 
von Breisach, jedoch gegen eine gewisse Geldentschädigung 
an die tyroliscbe Linie, weldier genannte Landschaft gehörte^ 
aazubietea. Dieses Anerbieten kam von Wien zur EenntnisB 



*) Traatmannsdorf an den Kaiser den 16. März 1646: ,, Sollte ich nnn 
meinen Ttactat auf die Compraehension Spaniens tamqnam conditionem sine qua 
Don stelteD, so kutt kok ktiiMB Sobhin hcfffen.^ W. A« 

**) „Alla corte cesarsa Tattbasciatore Terra Nova, OQito con Timperatrice 
Maria et col padre Chiroga, invehiscono con ogni premura contro Trautmanns- 
dorf, tasaandolo di irop]^ libidin«, timldo, TogfBoso di ritörnar, pfesso il ftefore 
e cose simili'': Contarini an Naoi den 15. Mai 1646. Yen. A. Mai 1646 starb 
die Kaiserin. 

***) Eigenhändiger Brief des Kaisers den 2. März. TgL das Bescript des 
Kaisers den 10. Juli 1646. W. A. 

10* 



148 

der Bayern, welche es wiederum den Franzosen mittheüten. 
Trautmannsdorf sah sich deshalb bald genöthigt, damit her- 
vorzurücken, und liess (den 4./14. April) das Anerbieten durch 
die Vermittler den Franzosen überbringen. Gleich darauf 
reiste er wieder nach Osnabrück ab. 

Indessen war der Brief der schwedischen Gesandten vom 
2. Februar, worin sie für ihren Theil anriethen, dass Schwe- 
den sich mit Vorpommern, Wismar, Bremen und Verden be- 
gnügen sollte, der schwedischen Regierung zu banden ge- 
kommen. Er verfehlte nicht Eindruck auf die Königin und, 
wie es scheint, auch den Canzler zu machen, und hatte zur 
Folge, dass die Begierung ihre Ansprüche herabsetzte. Durch 
einen eigenhändigen Brief der Königin, datirt vom 21. März, 
wurden als die äussersten Bedingungen Schwedens aufgestellt: 
Vorpommern nebst allem dazu Gehörenden, und für den Fall 
der Abtretung Stettins alle drei Mündungen der Oder nebst dem 
Stifk Cammin und der Insel Wollin, femer Wismar mit Poel und 
Wallfisch und einigen anliegenden Aemtern, so wie auch Bremen 
und Verden mit einigen „Amplificationen^S alles als Lehen. 
Was den beantragten Waffenstillstand betrifft, zu welchem auch 
Torstensson unter gewissen Bedingungen gerathen hatte, so 
wurde er unbedingt zurückgewiesen, weil er mehr dem Feinde 
als Schweden zum Vortheil gereichen würde. Zu dieser 
officiellen Instruction fagte der Canzler in einem Brief an 
seinen Sohn den persönlichen Eath, dass er bis aufs äusserste 
darauf bestehen solle, ganz Pommern zu erhalten, und deutete 
darauf hin, dass der Brief der Königin mehr ihre eigene, als 
seine Meinung ausdrücke; der Canzler hätte gewünscht, dass 
jener Brief nur seinem Sohne anvertraut worden wäre, und 
nicht zugleich Salvius, auf dessen Verschwiegenheit er sich 
nicht verliess, aber es hätte sich nicht thun lassen „ans Ur- 
sachen, die du selbst denken kannst"*). 



*) Die Begienmg an die Gesandten in Osnabrück den 2. Februar 1645: 



149 ^ 

Die Ermfichtigong znm Nachgeben, welche die schwe- 
disehen Legaten sonüt erhielten, schien anfänglich überflüssig. 
Bei den ersten Gonferenzen zwischen ihnen und Trautmanns- 
dorf nach der Bfickkehr desselben nach Osnabrück bot er 
entweder Yorpommem mit Bremen und Verden, oder ganz 
Pommern ohne die Stifter an. Die Schweden wollten keine 
bestimmte Antwort geben, ehe die kaiserliche „Duplica^^ ab- 
graben worden sei, und diese wurde noch zurückgehalten, 
weil man das Gutachten der Stände auf die Replik der 
Kronen abwarten wollte. Vier Monate waren die Stände mit 
diesem Gutachten beschäftigt gewesen; nach langwierigen Ver- 
handlungen in den Ständeräthen beider Orte und nach gehörigen 
Belationen und Gorrelationen ward man endlich am 17. April 
damit fertig. In diesem Gutachten waren die kirchlichen 
Streitfragen bei Seite gelassen und besonderen Verhandlungen 
anheim gegeben; in der Amnestiefrage gingen die Meinungen 
der Evangelischen und Katholischen weit auseinander, und 
was endlich die Entschädigungssache betrifft, so erklärte man, 
dass, wenn Schweden nicht mit Geld befriedigt werden könnte, 
keine Abtretung von Land, ohne dass die Interessenten ihre 
Zustimmung gäben und die Stände darüber gehört würden, 
stattfinden dürfe. Jetzt erst glaubten die Kaiserlichen ihre 
Duplica abgeben zu können, was in Osnabrück am 21. April 
geschah; die Duplica war mit einer Beilage betreffend die 
schwedische Entschädigungssache versehen, welche hauptsäch- 
lich die früheren mündlichen Anerbietungen wiederholte, d. h. 
Vorpommern, Bremen und Verden unter denselben Bedingungen, 
die den 14. Februar daran geknüpft worden waren. Als aber 



Rreg. Der Canzler an seinen Sohn Johann den 13., 21., 28. März, den 4. und 
11. April. In einem Brief Tom 2. Mai heisst es: „Bestehe fest auf den Dessein 
nnd lass dich nicht zum letzten Project treiben, es sei denn durch eine Extre- 
mität, in welche Du meiner Ansicht nach nicht zn kommen bedarfst." Unge- 
fähr dasselbe wird im Königl. Bescript an die Gesandten vom selben Datiuq 
befohlen. 



a» Sehwedea ibr(» üns^friedeiiheit daräber an. den Tag legten, 
da«s die Sache nicht weiter geruckt sei, und die Unterli^uid- 
luag absttbrecbeu 4rohteB, so verrieth TrautiuaoBsdorf beim 
Besuch dejf Legatten a^ 26. April den {Utseersten Qrad seiner 
Ivdtruotiou und bot der Krone Schweden ganz FomiBfiriL 
nebst den beiden Stiftern und Wismar an; Brandenburg soUte 
mit einer Geldsumme und dem Stifte Halbeistsuit enteQh&digt 
werden *). In d^r Hoffiüung, dass dieses glaneeude Anisrhieteu 
alle Bedenklichketten Sobwedens beseiti^eü und binnen kurzem 
den Frieden 3u Wege hriis^n wflrde^ hatten die Kaiserliche 
gleichzeitig ein Friedenainstrument entworfen, wielche» am 
28. April den Schweden übergeben wurde**). Trautioaoos- 
dorf Yf^x bereit^ »uvor nach Munster »urückgekehrt, wo er er- 
stählte, dass äie Sache mit Schweden so gut wie abgenaacbt 
sei; er verlangte sogar, daas die Feindseligkeiten eingestellt 
werden aoUten. 

Das in Vorschlag gebrachte Friedfenainstruai^nt , welches 
in dergtelb^u Bdheufolga wie die sehwedischf Propositk^n m- 
geoi:d;uet w^r, hielt in BeEug mf die Amnestiefrage die Nor- 
Qialjahre l^ä? ^nd 163Q fest, bot aber Schweden als Snt- 
scbädiguqg ganz Fowpaern nebst Wismar und den Stiftern 
Bremen und Vefden^ alles als deutsche Eeichaleheu, an* An 
dieses Aueibieten waren jedoch, wie im der Beilj^ m der 
Puplioa, vetTSchiedeuw Bedingungen gefugt, nämlich erstens, 
dassi die an der Sach^ betheiligten Fui'sten und Stände 
ihre Zustimmung dazu gäben und dass genannte LebeB 
i^ur der Königin un4 ihren männlichen Nachkommen oder, 
weun ^s solche uicht gäbe, ihrem Nachfolger und dess^ 



*j Pie schwedischen Legaten an die Begierung den 27. April 1646: ü. W. F. 
Trautniannßdorf an den Kaiser den 8. Mai. Ygl. Chemnitz a. a. 0. IV, 
6: 8. 

**) Pie Duplica und d^s FriedeiiainsitruBißnt sind hei Meiern a. a. C, 
m. UI, S. 54 if. 66ff. ^edrucHt wd \m Chemnitz Sk. a. 0, lY, 6: 18 
referirt. 



16 1 

Hanaeserben zukommen soUten, naeh deren Absterben Pommern 
an Brandenburg fallen sollte, das bis dahin das Stift Halberstadt 
behalten dürfte ; femer dass die beiden Stifter geistliche, durch 
Administratoren verwaltete Gebiete und ihre geistlichen Stif- 
tungen ungestört verblieben, dass die Stadt Bremen als reichs- 
onmittelbar und unabhängig erklärt würde, dass Schweden für 
genannte Oebiete nur ein Votum am Beichstag fahren und 
die Befugniss der Beiehsgerichte anerkennen würde, dass Handel 
und Verkehr in dieselbe Freiheit, welche sie vor dem Kriege 
gehabt hatten, wiederhergeseUt würden (dies ging namentlich 
auf die Licenten und war durch die Vorstellui^en der Hanse- 
städte hereingekommen) u. s. w. Ausserdem hatte der Kaiser 
in der Beilage zu der Duplica sich vorbehalten, dass Schwe- 
den Frankreich zu billigeren Friedensbedingungen, bewegen 
und far Bayern den Besitz der Kurwürde und der Oberpfalz 
anerkennen möge. Es war deutlich die Absicht, durch Nach- 
geben in der Entschädigungssache Schweden zum Verlassen der 
Interesse seiner Qlaubens- und Bundesgenossen zu ver- 
minen. 

Durch die Nachgiebigkeit der KaiserliAen in der Ent- 
schädigungssache wurde die Friedensvertiandlung allerdings 
wesentlich gefördert, aber noch waren grosse Schwierigkeiten 
zu überwinden. Um nicht von den Interessen der deutschen 
Protestanten zu sprechen, welchen in dem letzten Vorschlag 
der Kaiserlichen wenig Rechnung getragen war, so war die 
Entschädigung Schwedens von der Genehmigung derjenigen, 
welche an der Sache betheiligt waren, zunächst des Kur- 
fürsten von Brandenburg, abhängig gemacht, und dieser war 
noch weit entfernt, an so etwas zu denken. Zu seinem vor- 
her gemachten Anerbieten der pommerschen Aemter Barth 
und Triebsees fügte er nun allerdings die Insel Bügen*), aber 



*) Resolution des Knrfflrsteii den 12. Mai 1646: Urk. und Act. IV, S. 439. 
Die schwedischen Legaten an die Regierung den 4. Mai. U. W. F. 



162 

dies Anerbieten klang in den Ohren der Schweden fask wie 
Hohn. Allmählich gingen jedoch den brandenburgischen Ge- 
sandten die Augen über die wirkliche Lage auf, nnd sie be- 
gannen die Noth wendigkeit, ein wenig nachzugeben, einzu- 
sehen. Ein Mitglied der brandenburgischen Gesandtschaft, 
Y. Loben, erkundigte sich, welche Entschädigung die Schweden 
dem Kurfürsten zudachten, und begab sich dann nach Berlin, 
seinen Herrn über die Sachlage aufzuklären. Es dauerte auch 
nicht lange, bis der Graf Wittgenstein von Berlin aus Befehl 
erhielt, die Segel einzuziehen und sich fügsamer zu zeigen. Der 
Graf gab nun zu verstehen, dass der Kurfürst sich möglicher- 
weise zum Abtreten eines Theils von Pommern verstehen könnte, 
falls ihm Schweden zu einem genügenden Ersatz verhälfe'*'); 
aber ein bestimmter Bescheid war wteder in der einen noch in 
der andern Hinsicht zu erlangen, sondern der Kurfürst suchte 
unter allerlei Yorwänden die Sache in die Länge zu ziehen, 
um den Ausgang des diesjährigen Feldzuges zu sehen und 
kräftigere Unterstützung von Holland zu erhalten, wohin er 
sich im Herbst begeben wollte, um seine Werbung um die 
Prinzessin Louise^vorzntragen. Seine Gesandten am Congresse 
waren mit seinem Betragen unzufrieden und drangen inständig 
auf bestimmtere Instructionen. Endlich als v. Loben im 
August desselben Jahres an den Gongress zurückgeschickt 
wurde, ward er beauftragt, den Beschluss des Kurfürsten in 
der Angelegenheit zu überbringen. Die Ansprüche dieses 
Fürsten waren keineswegs gering: im äussersten Nothfalle 
würde er Vorpommern bis zur Peene abtreten können, jedoch 
nur gegen reichlichen Ersatz, in welcher Hinsicht er die 
Stifter Halberstadt, Minden, Hildesheim, Osnabrück, Bremen 
und Münster, die schlesischen Fürstenthümer Glogau, Sagan, 



*) Resolution des Kurffirsten den 18. Juni, Instruction den 22. Juni. Urk. 
und Act. IV, S. 445—446. Die schwedischen Legaten an die Begierang den 
13. April, ^5. Mai, 8. Juni. U. W. F. Chemnitz IV, 6: 19. 



158 

Schweidoitz und Janer, sowie die Anwartschaft auf das Stift 
Magdeburg und den vollen Besitz der jülicbschen Länder in Vor- 
schlag brachte; endlich verlangte er auch Befreiung von allen 
Beitri^en zur Besoldung der Armee. In einem späteren Brief 
fügte er hinzu, dass die Gesandten sich in keine ünterhand- 
lang mit den Schweden einlassen sollten, bis diese ihren 
Ansprüchen auf ganz Pommern entss^ und den pommerschen 
Standen das Recht eingeräumt hätten, in einer allgemeinen 
Versammlung ihre Meinung in der Streitfrage kund zu thun *). 
Die Pommern hinwiederum erklärten, dass sie sich nicht als 
nnv emnnftige Greaturen behandeln und veräussern lassen wür- 
den, auch in keine Abtretung einwilligen wollten, bevor sie 
der Eurfarst ihrer ünterthanenpflicht enthoben habe und 
ihre Privilegien bestätigt worden seien. Sie wollten auch 
ihre Stimme bei der Entscheidung ihres Schicksals haben und 
forderten, dass die Landstände Pommerns zu diesem Zweck in 
Stettin zusammenkommen dürften; aber dies wollten die 
schwedischen Behörden aus Furcht, dass die Stände sich als 
Werkzeuge des Kurfürsten gebrauchen lassen würden, nicht 
erlauben *"*"). Was man in Pommern am allermeisten be- 
fürchtete, war die Theilung des Landes zwischen den beiden 
' Prätendenten. 

Die Schwierigkeiten, welche somit den schwedischen Le- 
gaten seitens Brandenburgs und Pommerns begegneten, wurden 
durch den Druck, den man zu demselben Zweck von allen 
Seiten auf sie ausübte, noch vermehrt. Die protestantischen 



*) Die brandenborgischen Legraten an den Karfürsten den 13. und 20. Jali. 
Briefwechsel zwischen Wittgenstein und t. Loben Tom selben Monat. Resolution 
des Eorfttrsten den 8. nnd 19. August, den 3. September 1646: Urk. und Act. 
IV, S. 450. 451. 454. 456. 

••) Balt. Studien, Bd. VI, 1. S. 601f.; Chemnitz IV, 6:22. Hier- 
ftber äussert der Canzler in einem Brief an seinen Sohn den 26. September: 
„Was die rigonreose Behandlung der Pommern betrifft, worüber sie sich be- 
UageD, das will ich auch nicht in Allem excusiren; doch muss ich dabei be- 
denken, dass, wenn man ihnen die Viertelelle giebt, so nehmen sie die ganze 
Elle, ohne die Zeiten, worin wir loben, m berücksichtigen.'' 



154 

StSade insgesammt, auck die gegen Schweden am besten ge- 
sinnten, bateUy dass es sich w^en de» allgemeinen Wohles 
mit Yorpommefn, Wismar, Bremen und Verden begnögen 
möge. Die Hollaader, welche bereits im Juni 1646 ihre 
Friedensbedingungen mit Spanien verabredet hatten, maehteii 
eraste VorsteUungen ; sie knüpften immer engere Verbindungen 
mit Brandenburg und mit Danemark an und thaten dem 
Kaiser kund und zu wiss^, dass die Halsstarrigkeit Schwe- 
dens in der pommerschen Frage einen Bruch zwischen dieser 
Macht und Holland veranlassen konnte''^). Aus Eopenhs^en 
wurden die Bestrebungen Spaniens, ein Bandniss zwischen 
Polen und Dänemark zu Wege zu bringen, gemeldet^ und die 
Agenten des Königs von Polen setzten ihre Bänke gegen 
Schweden sowohl im Haag und Berlin als beim Friedenscon- 
gress fort. Hierzu kam noch,, dass die übrigen schwebenden 
ünterbandlungem, die zwischen den deutschen Ständen und die 
zwischen dem Kaiser und Frankreich, im Sommer 1646 
mit grosserem Erfolg geführt wurden und ein Besultat er- 
warten Hessen. 

Wir haben bereits erzählt, dass die beiden kirchlichen 
Parteien kurz nach der Ankunft Trautmannsdorfs ihre gegen- 
seitigen Gravamina vorgelegt hatten; die protestantischen wikräen ' 
am 11. December 1645 und die katholischen am 29. Januatr 1646 
abgegeben. Hierzu fügten die Protestanten den 14. Februar 
noch besondere Vorsehlage zu einem Vex^leieh („media com- 
positionis''), worauf die Katholik^ den 7. März antworteten. 
Die wesentlichsten Forderungen der Protestanten waren: dass 
das Reservatum ecclesiasticum aufgehoben werden sollte, dass 
die nach dem Abschluss des Passauer Varbages von ihnen 
eingezogenen geistlichen Güter ihnen auf immer verbleiben 
sollten, und in Bezug auf das Eigenthumsrecht an den Gütern 



*> Trautmannsdorf an den Kaiser den 29. Mai, den 17. Jnli 1646^ W. A. 
Chemnitz IV, 6: 2ä. M. Bjömkl&u an M. de la Gardie den 8. August. 
U. W. F. 



lös 

das Jakr 1618 als Normaljthr anaufiehen aei, daas pr<h 
tosUntiflche Unterthanen in kathoUsohen Staatea Beligiond- 
freiheit gemessen sollten, daas die Protestanten bei den Beiohsp- 
tagen in allen Beligionssachen ihr Veto einlegen kannten, so 
wie Parität bei allen Beichsdeputationen und Belohsgerichten 
haben sollten, weloher letateren Anzahl von zwei bis auf drei 
oder Yier su erhöhen sei. Die Katholiken dagegen wollten 
die geistlichen Qüter nicht auf längere Zeit als vieraig bis 
sechzig Jahre überlassen, auch nicht das Normaljahr weiter 
survck als bis 1627 verlegen, und antworteten auf die übrigen 
Forderungen mit einem unerbittlichen „non possumus^^ Um 
niin leichter die entgegengesetzten Meinungen vermittelnd au£h 
gleiehen zu können, wurden die Stände voa den Schweden 
aufn^ordert, behufs mündlicher Berathungen in Osnabrück zu- 
sammensukonmien. Dieser von den Kaiserlichen weniger gut 
aufgenommene Yorad^lag ward gebilligt, und in Osnalnrüek 
trat also am 2. April eine Deputation protestantischer und 
katholischer Stände zusammen, Bs war namentlich die katho- 
lifldie Forderung auf „Temporalität^', d. h. Ueberlassang der 
geistlichen Güter a»f gewisse Zeit, was Schwier^keiten ver- 
ursachte; die Katholiken erklärten sich nämlich durch Ge- 
wissen und ßeligion verhindert, die Güter auf immer abzu- 
treten, in welcher Auffassung dier päpstHche Nuntius und die 
Jesuiten sie aus allen Kräften zu bestärken suchten'^). Die 
gemeinsame Zusammenkunfk hatte zu nichts gedient als den 
Beweiis zu liefern, dass man auf dem Wege der freien Ueber- 
eiakunft im das Ziel erreichen würde; und man besehloss 
daher auf beiden Seiten, seine Interessen mäehtigenm Händen, 
aaa&ohst diem Kaiser als Vertreter des ganzen Beiches, zu- 
gjkick aber den fremden Kronen zu ubeigeben; da nämlich 



*j Die kaiserlichen Theologen dagegen erklärten^ dass die geistlichen Güter 
im ftossersten Fkll und wenn der Friede dayon abhinge, auf immer überlassen 



166 

die Protestanten kein volles Vertrauen in den Kaiser als einen 
Katholiken setzen konnten, so baten sie sich die Yermittlimg 
und den Schutz Schwedens aus, und die Katholiken ersuchten 
Frankreich um seine guten Dienste. 

Trautmannsdorf sah natürlich höchst ungern, dass die 
Stände die fremden Kronen in eine ausschliesslich deutsche 
Angelegenheit einmischten, und war darum eifrig bemüht, 
eine solche Einmischung unnöthig zu machen; hierbei 
wurde er von Kursachseri treulich unterstützt, und durch 
die Bestrebungen beider zeigte sich im Sommer 1646 eine 
etwas versöhnlichere Stimmung unter den Ständen. Seitens 
der Katholiken wurde am 2. Juli ein ziemlich entgegen- 
kommendes Ultimatum abgegeben: sie nahmen den von Kur- 
sachsen gemachten Vorschlag, in welchem 1624 als Nonnal- 
jahr aufgestellt war, an, jedoch mit Ausnahme der Stifter 
Osnabrück, Minden, Verden und Halberstadt; sie wollten die 
geistlichen Güter auf 100 Jahre überlassen, vor Ablauf wel- 
cher Zeit ein gütliches Abkommen getroffen werden sollte, 
hielten aber fortwährend an dem Beservatum ecciesiasticum 
fest; sie gaben zu, dass in Sachen der Beligion die Mehrheit 
an den Beichstagen nicht gelten sollte, wie auch, wenn solche 
Sachen in den Beichsgerichtshöfen vorkämen, eine gleiche 
Zahl Beisitzer jeder Confession an den Verhandlungen Theil 
nehmen sollte, überwiesen aber die Frage über die beständige 
Parität der Protestanten einem künftigen Beichstag. Mit diesen 
Anerbietungen wollten sich einige Protestanten, z. B. viele der 
Beichsstädte und auch einige vom Fürstencollegium b^nügen, 
aber die Mehrzahl der Fürstlichen, die Extremisten an der 
Spitze, fand, '^ass die Anträge keine hinlänglidie Qewfihr 
böten; namentlich konnten die Protestanten die vier Stifter, 
ohne welche es unmöglich sein würde, die Entschädigungs- 
und Aequivalentansprüche zu befriedigen, sich nicht aus den 
Händen gehen lassen. Sie schlugen deshalb in ihrer Gegen- 
erklärung vom 14. August vor, dass ohne Ausnahme 1621 



157 

als Nonnaljahr angenommen werden solle, dass aber das 
Beservatam ecclesiasticum ffir die Znkanft gelten solle; sie 
nahmen das lOOjfthrige Besitzungsrecht in Betreff der un- 
mittelbaren Stifter an, verlangten aber vollständige üeber- 
laasang der mittelbaren geistlichen Güter; die verlangte Pa- 
rität wollten sie nicht aufgeben, auch nicht die Forderung 
eines dritten Beichsgerichtshofes ; und endlich brachten sie in 
Vorschlag, dass solche Beligionsverwandte beider Confessionen, 
welche das Becht der öffentlichen Beligionsübung nicht hatten, 
ihren Gottesdienst privatim verrichten und nicht zur Auswan- 
derung gezwungen werden sollten. Diese Antwort er- 
schien allerdings den Katholiken hart und unbillig , aber 
der Kaiser war für seinen Theil geneigt, den Protestanten 
weiter entgegenzukommen. In einer neuen Instruction vom 
2/12. Juli hatte er Trautmannsdorf ermächtigt, im schlimm- 
sten Fall sogar die Stifter Osnabrück und Minden aufzuopfern ; 
es blieb blos ein Punkt, worin er durchaus nicht nachgeben 
wollte, nämlich die Frage der Beligionsfreiheit in den 
Erbländem und der Bestitution der böhmischen Flüchtlinge. 
Das Privatinteresse wurde dem ^allgemeinen Interesse vorge- 
zogen. 

Neben der Hauptunterhandlung über die Gravamina wur- 
den besondere Verhandlungen über einzelne deutsche Streit- 
fragen, welche von der ersteren getrennt werden konnten, ge- 
führt. Die schwierigste von diesen war die über die Besti- 
tution des pfälzischen Hauses, welche Frage seit Gustav 
Adolphs Zeit der Gegenstand langwieriger, aber fruchtloser 
Unterhandlungen zwischen den habsburgischen Mächten und 
Bayern einerseits, England, Dänemark und dem pfälzischen 
Hause andererseits, gewesen war; die Könige von Dänemark 
und England waren nämlich die nächsten Verwandten der pfäl- 
zischen Erben. Nun hatten diese Erben den Gongress beschickt 
und hofften durch denselben das Ziel zu erreichen, welches 
sie so lange auf anderen Wegen vergebens verfolgt hatten. Die 



168 

Schweden nahmen sich desselben an mehr ma UnwiUen gegen 
Bayern als aas Interesse für dieses Hans; sie dfaiig«n asf 
dessen vollständige Restitution an Land und Würde nnd woll- 
ten höchstens Bayern das Zugeständniss machen, w«lchids von 
den evangelischen Standen vollgeschlagen worden dass die Kur- 
würde zwischen den beiden Häusern alterniren sollte. Tcaat« 
mannsdorf und die katholischen Stände dagegen brachten die 
Errichtung einer achten Knrwürde für das plalzidche B&oa in 
Vorschlag, wollten aber demselben nicht mehr als den grösseren 
Theil der Niederpfalz zurückerstatten; ausserdem sollte die 
daselbst wieder eingeführte katholische Beligion ungestört 
bleiben. Dieser Meinung pflichteten in der That auch die 
Franzosen bei, welche zwar ihren Verabredungen mit Schweden 
und ihren der Pfalz gegebenen Versprechungen gemäss für 
eine vollständige Bestitution arbeite sollten, die aber nun 
aus Bücksicht für den Kurfürsten von Bayern „ den Mantel auf 
zwei Achseln zu tragen^' anfingen. — Bin anderer Gegenstand, 
der sehr viel Kummer verursachte, war der hessische Entscha** 
digungspunkt Nachdem nämlich die Kronen in ihien Pro- 
positionen Entschädigung für ihre treue Bundesgenossin, die 
Landgräfin von Hessen -Cassel*), gefordert hatten, so wurden 
die Ansprüche dieser Fürstin im April 1 646 naher bestimmt ; 
sie stellten sich als sehr umfassend heraus, indem bedeutende 
Vergrösserungen auf Kosten der anliegenden geistlich^i Stifter 
verlangt wurden. Hiervon wollte der Kaiser und die Katho- 
liken, die auf die Landgräfin höchst erbitte waren, nichts 
wissen, sondern boten höchstens eine kleinere öeldsumme 
an. — Eine dritte Streitfrage war die über die Stellung 



*) Die Landgräün Amalie Elisabeth regierte in Hessen als Vormund ihres 
Sohnes. LongoeviUe war ihr besonderer Bewunderer und beförderte eiftig 
ihre Interessen; „il fant faire beaucoup", äusserte er an die Sttnde, ,,aoz 
faveurs d'une dame aussi vertueuse ; pourquoi , messienrs , surmontez - vous et 
donnez ä madame la landgrate toute satisfaction, en ce qtt'elle d^sive.** Ad<itii 
Bidatio, S. 525. 



IM 

der BeÜMriBirten im Belobe. Sie verlangten selbst , mit den 
EviQgelischen völlig gleicbberechtigt za w^den, was auch in 
der kaisnüchen ESrklärong, obgleich mit dem verletzenden 
Zusatz: ,,8i ipsi velint et quiete vivant^\ vorgeschlagen war. 
Die sdiwediachen Legaten hatten die Weisung, die Aufnahme 
derselben in den Betigiensfried^i zu fordern, aber ihnen 
kein Jus rdbrmandi zuzi^stehen. Es war dies audi die 
Ansicht der übrigen Protestantai bis auf Eursachsen, (ks 
gegen die fieflbrsiirten bei Weitem ungünstiger gestimmt war 
als gegen die Katholikai*). 

Wenn also auch viel zu thun übrig war in Betreff der 
deatschen Streitfragen, so war man doch aaf jeden Fall ein- 
ander bedeutend näher gekommen. Dies wur noch mehr der 
FiU mit der Unto'handlang zwischen dem Kaiser und Frank- 
reidi, welche dem Abschlnss immer näh^ rückte. Ti-aut^ 
BsaBfisdorf hatte so lange als m^ich das wichtige Breisach 
za retten gesacht, welches als östlich am Rhein gelegen den 
Franzosen zu einer Ausfall8i)f6rte gegen Deutschland dienen 
soUte, süber Bayerns BilfNiigkeit und Dilüsgen machten alle 
9^06 fiemafaungen zunichte; am 19. Mai musste Trautmanns- 
dorf auf Vearlangen der katholiseben Stände in die Abtretung 
desselben einwilligen. Nun traten die Franzosen mit neuen 
Ansprüchen auf, indem sie das Becht, Bessutzung in Philipps- 
borg zu halten n. s. w. v^langten. Unter dem Druck Ba^rerns 
and der Vermittler mmsste Trautmannsdorf schliesslich am 
3/13. Septeiflber ein provisorisches Abkomme» mit den Fran- 
zosen genehm%en<, wodurch ausser den*drd Stiftern Metz, 
Toul und Verdua nebst Pignerol und Moyenoie, auch 
das östreidiische Elsass mit Breisach nebst dem Besatzungs- 
recht in Phdlippsburg abgetreten wurde; ausserdem sollte 
Frankreich in die Bechte des östreichischen Hauses über 



•) Vgl. Meiern «. a. O., Bd. 11. HL Chemnitz ä. a. 0. M. J. Schmidt 
a. a. 0., Bd. XI, sowie die diplomatischen Correspondenzen. 



160 

die unmittelbaren Stände im Elsass treten. Dagegen ver- 
pflichteten sich die Franzosen, an die tyrolische * Linie drei 
Millionen Livres zu bezahlen und gaben noch mündlich das 
Versprechen, in gewissen Punkten (wie in den Qrayamina und 
der schwedischen Entschädigungsfrage) Schweden und die 
Protestanten zur Nachgiebigkeit zu bewegen. Für die Gültig- 
keit dieser Uebereinkunft, welche in die Hände der YermitUer 
niedergelegt wurde, stellten die beiden Parteien gewisse Be- 
dingungen auf: der Kaiser, dass Spanien und Lothringen in 
den Frieden aufgenommen werden sollten, Frankreich dass es 
zu einem allgemeinen, von Schweden und den deutschen Stan- 
den anerkannten Friedensschluss käme'*'). 

Das für Frankreich so ehrenvolle Uebereinkommen mit 
dem Kaiser erfüllte die französischen Legaten mit Stolz und 
Zuversicht, Sie schrieben ihrer Begierung '*''*'), dass Frankreich 
sich nunmehr als Schiedsrichter in allen übrigen Streitfragen 
betrachten könne, und begaben sich unverzüglich nach Osna- 
brück, um ihrem den Katholiken gegebenen Versprechen 
gemäss Schweden und die Protestanten zur Billigkeit und 
Vernunft zu bringen. Sie fanden jedoch bald, dass sie den 
Einfluss Frankreichs in Osnabrück überschätzt hatten. Die 
häufigen Conferenzen, welche die Franzosen theils mit den 
schwedischen, theils mit den brandenburgischen Gesandten im 
September 1646 abhielten, um sie zu gegenseitdgen Zuge- 
ständnissen zu bewegen, schienen nicht zu fruchten. Die 
schwedischen Legaten , welche im Sommer von* neuem den 
Befehl erhielten, an ihren Ansprüchen auf ganz Pommern 
festzuhalten, konnten nicht umhin, diesem Befehl Folge zu 
leisten, obgleich sie es mit schweren Herzen thaten und 
jeder für sich nach Hause schrieb, dass man sich mit einem 



*) Vgl. Bougeant a. a. 0. V, und die Schreiben Contarinis. 

*') Lettre k la Beine den 17. September 1646: Nägoc. secretes, Bd. lUf 
S. 299. Relation der kaiBerlichen Gesandtschaft den 7., 11. und 14. September 
1646. W. A. 



161 

Theil von Pommern begnügen solle. Da sie ans ihrer An- 
sicht in dieser Sache kein Geheimniss machten, so hielt man 
«s für gewiss, dass Schweden doch schliesslich nachgeben 
würde. Es galt also, die Enrfürstlichen zu bearbeiten, und 
hierauf richteten nun die Franzosen ihre Bemühuogen. Sie 
legten den Brandenburgern drei alternative YorschlSge vor, 
von welchen sie einen wählen sollten, nämlich 1) Abtretung 
Yoa ganz Pommern und als Aequivalent dafür Bremen, Verden, 
Halberstadt, Grossglogau und Sagan; 2) Abtretung von Vor- 
pommern mit Stettin und als Ersatz dafür Hinterpommem 
und Halberstadt; 3) Abtretung von Vorpommern allein, mit 
Beibehaltung von Stettin und Hinterpommern. Keiner dieser 
Vorschläge gefiel den Kurfürstlichen, welche ihrer Instruction 
gemäss erklärten, dass sie sich in Unterhandlungen mit 
Schweden erst dann einlassen könnten, wenn die Schweden 
von ihrer Forderung ganz Pommern zu erhalten. Abstand 
nähmen, wenn sie, was sie dem Kurfürsten als Entschädigung 
anbieten wollten, angäben, französische und holländische Ver- 
mittlung annähmen und den pommerschen Ständen das Becht, 
sich in der Sache zu äussern, einräumten*). Sie waren nicht 
vom Flecke zu bewegen; die ganze Sache war ins Stocken 
gerathen, und Trautmannsdorf erklärte, dass er nicht länger 
gesonnen sei, die Zeit durch fruchtlose Unterhandlungen zu 
verlieren, sondern den Congress nächstens verlassen wolle 
In der That hatte er auch die Erlaubniss des Kaisers, unver- 
züglich zurückzukehren, erbeten und erlangt"^*). Er liess sich 
jedoch bewegen, seine Abreise zu verschieben, bis die Schwe- 
den die neuen Ordres aus Stockholm, worauf sie warteten, be- 



*) Die schwedischen Legaten an die Regierung den 14. September : U. W. F. 
IHe brandenburgrischen Gesandten an den Kurflirsten den 14. September: Urk. 
und Act. IV, S. 458. 459. Negociations secretes III, S. 337. 

**) KaiserL Bescript Tom 15. August 1646: W. A. Auch Oxenstierna, der 
uin diese Ze^t seine Frau rerlor, wünschte nach Hause zurückzukehren, wurde 
aber von seinem Vater gebeten zu bleiben, 

Odhner, Politik Schwedens. 11 



16^ 

iämen; auch die Kurfürstlichen stellten die baldige Ankunft 
ihres Herrn in der Nachbarschaft des Congressortes (Cleve) in 
Aussicht, worauf die Unterhandlung wieder in Gang iommen 
könnte. Am 6. October erschien wirklich ein Eilbote mit 
neuen Instructionen aus Stockholm. 

Die Erlaubniss, welche die schwedische Begierung in dem 
Eescript vom 21. März ihren Legaten gegeben hatte, in der 
Entschädigungssache nachzugeben, war bald zurückgenommen 
worden. Im Mai desselben Jahres war die Sache von neuem 
vom Beichsrath in Erwägung gezogen worden, und die Folge 
davon waren neue Instnictionen vom 23. und 30. Mai, wo- 
durch die Legaten die Weisung erhielten, sich mit nichts 
weniger als ganz Pommern zu begnügen. Man hätte sich 
überlegt, heisst es, „was für ein schweres Ding und theures 
Pferd es wäre zum Füttern ", wenn Schweden nur Vorpommern 
erhielte, welches man nicht ohne viele und kostspielige Gar- 
nisonen vertheidigen könnte; deshalb müsste man das Ganze 
behaupten, wie auch die pommerschen Licenten sich vorbe- 
halten; endlich wurde hinzugefügt, dass Schweden auch das 
„Jus appellationis" für seine deutschen Besitzungen bean- 
spruchte. An diesem Standpunkt hielt der schwedische Hof 
den ganzen Sommer 1646 fest, und die Legaten suchten ver- 
gebens durch ihre Bedenklichkeiten denselben wankend zu 
machen; der Canzler schrieb seinem Sohne, dass die Vor- 
schläge desselben nicht ganz verwerflich seien und dass man sie 
vielleicht schliesslich annehmen müsse, aber noch sei man nicht 
dazu geneigt*). Es dauerte jedoch nicht länger als bis zum 
September desselben Jahres, als man sich entschloss, dem Bath 
der Legaten zu folgen und auf die in dem Bescript vom 
21. März aufgestellten Forderungen zurückzugehen. "Welche 
Beweggründe diesen Umschlag hervorgerufen hatten, ergiebt 



*) Die Regierung an die Legaten den 28. nnd 80. Mai , den 8. Jnli : Breg. 
Der Kanzler an seinen Sohn den 29. Jani, 4. nnd 17. Juli, 8. Angnst : Gjörwells 
Sammlung. 



163 

sich aus den Protokollen des Reichsrathes und aus den neuen 
Instructionen, welche den Legaten ertheilt wurden. Man 
theilte nämlich die von den Legaten oft ausgesprochenen Be- 
sorgnisse*), dass Prankreich binnen kurzem mit dem Kaisisr, 
Holland mit Spanien Prieden schliessen, und dass die evan- 
gelischen Stände Deutschlands unter Sachsens und Bran- 
denburgs Leitung sich mit dem Kaiser aussöhnen wurden, so 
dass Schweden allein den vereinten Katholiken gegenüber 
stehen würde. Einigen Eindruck machte auch die Purcht 
vor dem Neid und den Bänken Hollands, Polens und Däne- 
marks. Hierzu kam noch Prankreichs wachsender Einfiuss am 
schwedischen Hofe. Der französische Gesandte in Stockholm 
Pierre Ghanut hatte bei der jungen Königin geneigtes Ohr 
gefanden; zu Gunsten Prankreichs hatte auch ihr Günstling, 
der Graf Magnus^ de la Gardie, seinen Einfluss geltend ge- 
macht, und die in der letzten Zeit etwas gestörte Preund- 
schaft mit Prankreich zu befestigen, war der Hauptzweck der 
Sendung des Grafen nach Paris, welche im August 1646 
Statt fand. Endlich war der Sommerfeldzug in Deutschland, 
obgleich für Schweden vortheilhaft , doch nicht so ehrenvoll 
und entscheidend gewesen als die Peldzüge der vorhergehen- 
den Jahre unter Torstenssons Befehl. Dies Alles bewirkte, 
dass die schwedische Begierung ihre Ansprüche und Hoffnungen 
etwas herabstimmte. In den Sitzungen des Beichsrathes am 
13. und 17. September wurde die Sache in nähere Erwägung 
gezogen; und sowohl die Königin selbst als der Truchsess, 
Gustav Gustavsson u. m. waren der Ansicht, dass man die 



*) Siehe besonders den Brief Salvius' an die Begierung den 7. September: 
„Man fängt an, die Macht Schwejdens als dem Gleichgewicht gefährlich zn be** 
trachten. Primum principium Status ist, dass in aequilibrio singulorum impe- 
riorum consistit securitas universi. Wenn einer beginnt mächtig und den 
andern formidabel zu werden, so legen sie sich per uniones et foedera in ein» 
Wagschale dagegen, um ihn aufsEuwiegen und das Oleichgewicht zu erhalten.'*^ 
Vgl. auch den Brief des Salvius an Per Brahe Tom 15. October: U. S.- G. 
V, 161. 

11* 



164 

Ansprüche ermässigen müsse. Der Canzler war durch Krank- 
heit verhindert, an der Berathung Theil zu nehmen, abea: 
mne Meinung, die in der Hauptsache mit derjenigen der 
Uehrigen übereinstimmte, wurde eingeholt und dem Beschlüsse 
zum Grund gelegt. Aus diesen Gründen erhielten also die 
L^aten in einem Eescript vom 19. September den Befehl der 
Königin, dass, wenn der Friede in keiner anderen Wei«e er- 
reicht werden könne, sie sich mit folgendem begnügen 
sollten : Vorpommern nebst Stettin, WoUin, das Stift Cammiii 
und Colberg mit dessen Amt oder wenigstens einige dieser 
Orte und auf jeden Fall Wollin, ferner Wismar oder doch 
wenigstens das Beeht, daselbst Besatzung ^u halten*), so wie 
Bremen und Verden, wenn auch als geistliche Gebiete; 
ausserdem sollten sie Schweden wenigstens die Anwartsdiaft 
auf Hinterpommern, so wie das Recht der pomnierschen 
Zölle und Licenten, wenn auch etwas herabgesetzt, verschaffen. 
Endlich wurden die Legaten auch ermächtigt, bezüglich 
Pommerns in Separatunterhandlung mit Brandenburg zu treten, 
wobei die Vermittlung Frankreichs angenommen werden sollte, 
falls rm^ derselben nicht entgehen könnte, ohne Missvergnügen 
zu erregt; auch ward den pommerschen Ständen das Becht 
eingeräumt, sich behufs Berathschlagung über diese Ange^ 
legenheit zu versammeln, wenn sie nur in keine Verbindung 
mit den) Kurfürsten träten**). 

Sobald die neue Instruction den schwedischen JJegaten zu 
Händen gekommen war, theilten sie den Brandenburgern mit, 
4ass sie in den vorher von ihnen angebotenen „ Particulaiv 
tractat", jedoch am liebsten ohne Vermittlung einwilligten. 



•) Dör Herzog Yon Mecklenburg hatte sich nämljich geweigert, Wismar 
«bzutreten, und seine Gesandten von Osnabrück abgerufen. Als^Mittelweg hatte 
Trautmannsdorf ein Condominium vorgeschlagen. 

**} Endresolution und Erklärung der Regierung über die Entschädigung der 
Krone Schweden den 19. September 1646. Die l^egierung an die Legaten den 
&6. September: Breg. Dw Ganzler an seinen Sohn den 19. and 26. September': 
Protokolle des Reichsrathes den 10., 13. und 17. September d. J. 



165 

Es stellte sieh jedoch bald heraus, dass die Sache dadurch 
sor wenig gefördert war. Zwux dehnten die brandenbui^sdien 
Gesandten jetzt, der letzten Instruction des Kurförsten ge* 
äiäss, ihr Anerbieten etwas aus; auch fuhren sie ihrem Herrn 
auf seiner Reise nach Cleve entgegen und verschafR^n aictk 
Tolhnacht zu der Separatverhsmdlung mit Schweden. Aber es 
6rgab sich, dass diese neue Vollmacht nicht befriedigend war, 
weil sie die Unterhandlung auf einen Theil von Yorpommero 
beschränkte. Vergeb^s suchten die Gesandten ihren Herrn 
ZQ überzeugen, dass die Schweden sich nie damit begnügen 
würden, und dass auf jeden Fall die Vollmacht ohne Ge&hr 
auf ganz Pommern ausgedehnt werden könnte^ da sie ohnehin 
durch die Instruction gebunden seien; vergebens hatte Salvius, 
der sich unterdessen nach Münster begeben hatte, die fran- 
zosische Gesandtschaft vermocht, St. Bomain nach Cleve abzu- 
senden, um durch persönliche Vorstellungen auf den Kurfürsten 
einzuwirken. Das einzige Zugeständniss, welches man ihm auf 
diesem Wege abgewinnen konnte, war eine neue, etwas erweiterte 
Yollmacht vom 7. November. „Da Alles zu unserem Buin und 
Verderben zu conspiriren scheint ** — heisst es darin — , so wollte 
der Kurfürst seine ftussersten Anträge mittheilen, „worüber wir 
auch nimmer und in Ewigkeit nicht zu schreiten gemeint sein ^S 
]& wollte Vorpommern bis an die ücker nebst der Stadt Wolgast 
abtreten, fügte aber zu der vorher verlangten Entschädigung 
noch das Stift Gammin, so wie eine Geldsumme. Was Stettin 
betrifft, so versicherte der Kurfürst St. Bomain, dass er lieber 
den Kopf verlieren als diese Stadt abtreten wolle*). 

Indessen hatte Salvius, wie bereits erwähnt, sich nach 
Münster begeben, wo er am 2 <^. October askam. Als Zweck 
der Reise wurde angegeben, einerseits durch die Vermittlung 



*) Die schwedischen Legaten an die Eegierung den 12., 19.« 26., 28. October^ 
den 1. und 9. November: U. W. F. Die brandenbargischen Legaten an den 
KurfDrsten den 19. und 29. October. Besolation des Knrfttrsten Tom 7. November: 
Uxtrtrfid Act. IV, S. 468. 465. 467. 



166 

der Franzosen den Kurfürsten zur Beschleunigung der Unter- 
handlung anzutreiben, andrerseits dafür zu sorgen, dass nicht 
der Friede zwischen Frankreich und Spanien zum Nachtheil 
Schwedens zu sehr beschleunigt würde. Oxenstierna, welcher 
die Beise nach Münster so lange als mögMch zu hintertreiben 
gesucht hatte, blieb in Osnabrück zurück, um die Unterhand- 
lung mit den Brandenburgern fortzusetzen, von welcher er 
noch einiges Besultat erwartete, während Salvius meinte, dass 
man nie „sine cuneo universalis' mit dem Kurfürsten fertig 
werden würde*). Während nun Salvius auf eigene Hand in 
Münster unterhandelte, benutzte er die Gelegenheit, um seinen 
persönlichen Einfluss beim Congresse so viel als möglich auf 
Kosten seines Gollegen zu stärken. Er ging mit Contarini, 
welcher an dieser Verhandlung als freiwilliger und gern ge- 
sehener Vermittler Theil nahm, wie auch mit Trautmanns- 
dorf selbst vertraulich um. Im Vertrauen und ohne seinen 
CoUegen davon zu benachrichtigen, theilte er ihnen den 
Hauptinhalt von der letzten Instruction der schwedischen 
Begierung mit und gab zu verstehen, dass er selbst nunmehr 
als die Hauptperson der schwedischen Gesandtschaft zu be- 
trachten sei, da die Königin ihn ihres Vertrauens gewürdigt 
habe und einen privaten Briefwechsel mit ihm unterhalte**), 
wogegen es nun mit dem Einfluss der beiden Oxenstiemas ein 
Ende genommen habe. Demzufolge erkläi'te er auch, dass 
man die Ansprüche der Oxenstiemas auf das Stift Bremen als 
Fürstenthum nicht mehr zu berücksichtigen brauchte — und 
dies that er zu derselben Zeit, wo er selbst das Versprechen 
der Kaiserlichen empfing, ihm die in Pommern östlich von der 
Oder gelegene Komthurei Wildenbruch, welche er als Lehn 



'') Auch der Ganzler betrachtete „das brandenburgische Tractatwesen als 
lauter Fickfackerei" — „longa e^perientia edoctus*", fügte er hinzu: derCanzler 
an seinen Sohn den 7. November 1646. 

**) Von dieser Correspondenz ist nur ein Theil erhalten, gedruckt bei 
Meiern a. a. 0. V, und bei Arckenholtz, Memoires concernant Christine, I. 
Der älteste daselbst mitgethoilte Brief ist Tom 12. Dezember 1646 datirt. 



167 

von der schwedischen Krone inne hatte, aber möglicherweise 
durch den Friedensschloss verlieren könnte, zu sichern*). 

Da die Mehrzahl der protestantischen Stände Salvius nach 
Münster gefolgt war, und Oxenstiema sowohl von seinem 
Collegen als von anderen Seiten eifrig aufgefordert wurde, 
Dachzukommen, so entschloss er sich endlich widerstrebend 
dazu und traf den 5. November in Münster ein. Hier gingen 
ihm die Franzosen und der Yenetianer hart zu Leibe, indem sie 
zu verstehen gaben, dass sie bereits seine Instruction kennten. 
Er liess sich endlich bewegen einen von Salvius entworfenen 
Torschlag zu genehmigen, welcher am 8. November den Kaiser- 
lichen übergeben wurde. Die Schweden verhingten nun Vor- 
pommern nebst Stettin, Garz, Wollin, Damm und das Stifk Cammin, 
Wismar mit Wallfisch, Poel und Neukloster, die Stifter Bremen 
and Verden (säcularisirt) nebst dem Amte Wilshausen, sowie 
die Anwartschaft auf Hinterpommem und Entschädigung für die 
an der Sache Betheiligten. Mundlich wurde auf Anfrage der 
Kaiserlichen hinzugefügt, dass, wenn Brandenburg seine Zu- 
stimmung hierzu verweigerte, Schweden ganz Pommern unter 
Garantie von Kaiser und Beich empfangen würde, etwas, wozu 
die Kaiserlichen sogar aufzufordern schienen**), während die 
Franzosen aufs eifrigste davon abhethen. In ihrer schriftlich 
abgefassten Antwort vom 10. November boten die Kaiserlichen 
nicht mehr als Vorpommern mit Bügen, Bremen und Verden 
als geistliche Gebiete, sowie Wismar mit Wallfisch, wie auch 
ffir Brandenburg das Stift Halberstadt, für Mecklenburg das 
Stift Batzeburg an. Als diese Antwort den Schweden über- 
reicht wurde, war indessen Oxenstiema bereits nach Osnabrück 



*) Contarini an Nani den 9. October, 6. und 27. November 1646: Ven. A. 
Trautmannsdorf an den Kaiser den 9. und 30. November. Vgl. Rescript des 
Kaisers vom 27. Dezember 1646: W. A. 

**) Auf die Yorstellungr Oxenstiemas, dass es Schade sei Pommern zu theilon, 
antwortete der Graf von Nassau: „Sie sollen nur machen, dass Brandenburg 
nicht contentire, so haben Sie Ursache es gar zu behalten." Gesammtrelation an 
den Kaiser den 20. November 1646- W. A. 



168 

zurückgekehrt (den 11. November). Die Beweggründe seiner 
unerwarteten und scharf getadelten Abreise waren theils sein 
Widerwille gegen Salvins, welcher der Urheber der in Münster 
eingeleiteten Unterhandlung war, theils anch seine Fur^t, 
dass die ganze FriedensTerh^mdlung nach Münster, dem Gen-* 
gressort der Franzosen, gezogen werden sollte, was der Würde 
Schwedens sehr zuwider wäre. 

Salyius dagegen war unter dem Verwand, dass sein 
Wagen ausgebessert werden müsse, und dass Trautmannsdorf 
wegen Unwohlseins den Ort nicht verlassen könne, in Münster 
zurückgeblieben und hatte auf die dringende Aufforderung der 
übrigen Gesandten und trotz aller Warnungen Oxenstiernas 
die Unterhandlung fortgesetzt; ja er machte sogar einen Ver- 
such, gleichzeitig die Stände hinsichtlich ihrer Gravamina 
mit einander zu vergleichen, indem er nebst einem Theil der 
protestantischen Stände sich bei Trautmannsdorf zur Berath« 
schlagung ein&nd. Er versprach Contarini, ihm die äussersten 
Bedingungen Schwedens zu verrathen*), und nahm einen 
neuen, von den Franzosen und Contarini aufgestellten Vor- 
sehlag in die Verhandlung auf. Dieser Vorschlag vom 20. No- 
vember enthielt, dass, wenn Brandenburg Vorpomm'em mit 
Wollin abtrete, es der freien Wahl des Kurfürsten über- 
lassen werden sollte, ob er vom Beiche 1,200,000 Reidisthaler 
annehmen oder Stettin und Garz behalten wolle, in welchem 
letzteren Fall die Geldsumme an Schweden fallen würde. Der 
Vorschlag schien Salvius zu gefallen, und hieraus schloss 
man, dass die Schweden im äussersten Nothfall Stettin auf- 
geben würden. Hiervon wollte jedoch Oxenstiema nichts 
wissen und warf Salvius vor, dass er allzu eigenmächtig und 
übereilt verfahren und dadurch Schwedens Würde and An- 



*) „Con oblatione in appresso, di metter in mia bocca qnalche ma^ior 
restrintione ancora, afüu che li cesarei nella loro replica conformandosi al pe» 
riodo ultimo delle instruttioni della Saetia non possa TOxinsterna riJßutarlfi.'* 
Contarini an Nani den 27. November: Ven. A. 



169 

^m aufs Spiel gesetzt h&tte'*'). Durch sdcbe Vorstellung^ii 
vermochte er schliesslich Salvins den 21. — 22. November nach 
Osnabrück zarüekzukehren. 

Die alte Uneinigkeit zwischen den beiden schwedischen 
Legaten, welche man bis dahin vor Fremden einigermassen 
verborgen hatte, war durch die eben geschilderten Ereignisse 
an den Tag gekommen. Sie war nun allen offenbar geworden^ 
ttnd wurde nicht ohne Erfolg von den übrigen Diplomaten m 
Sdiwedens Nachtheil benutzt. Keinen der beiden Vertreter 
Schwedens kann man in dieser Sache von Schuld freisprechen. 
Oxenstiema hatte aus eigensinnigem Stolz **) und aus Widerr 
willen gegen Salvius der Unterhandlung in Münster unnöthiger 
Weise entgegengearbeitet und zog sich dadurch Tadel von 
seinem eigenen Vater zu. Salvius wiederum hatte den weit 
grösseren Fehler begangen, dass er, um die Sache zum Ab« 
schlass zu bringen und selbst die Ehre davon zu ernten , aus 
eigener Machtvollkommenheit und zu früh die letzten Be^ 
dingungen Schwedens verrathen und somit der Sache, die er 
mm äussersten hätte verfechten sollen, geschadet hatte. Da 
die Verhandlungen in Münster zur Kenntniss der schwedischen 
Regierung kamen, sprach sie ihre Unzufriedenheit darüber aus 
and tadelte die Legaten, dass sie die Friedensbedingungen 
Schwedens zu voreilig verrathen und sich in schriftliche und 



*) „Nicht nnss Traatmannsdorf sein Affenspiel mit uns treiben, wie er es 
in Prag mit denen that, die dort zu tractiren hatten**: Ozenstierna an Salvina 
den 17. NoTember. „Er (Salvius) meinte, wir mfissten schliesslich mit Allem 
heraus und begann so gegen mich stark za agiren und es mit den Franzosen 
fast in Omnibus zu halten, aus welcher Rücksicht will ich dahin gestellt sein 
lassen": Oxenstiema an die Regierung den 21. Dezember. Vgl. Contarinis Brief 
an Nani den 22., 27., 80. NoTomber: Ven. A. Gesammtrelat an den Kaiser den 
16., 20. und 23. November, 4. Dezember 1646: W. A. Die schwedischen Legaten 
an die Regierung den 9., 16., 23. November. Der Briefwechsel zwischen Oxen- 
stiema und SalviöB, beigelegt ü. W. F. 

**) ,,Est 11 bien honorable pour une couronne de Su^de et ses ministres, quMls 
courrent de leur Station apr^s un Trautmannsdorf pour le cajoler dans ses fan-. 
taisies, lesquelles il n'a que tres grandes." Oxenstiema an Servien den 28. No- 
vember 1646: Bougoant a. a. 0. V, 81. 



170 

entscheidende Verhandlungen an einem anderen Ort als in 
Osnabrück eingelassen hatten. Der Tadel traf, wie man sieht, 
eigentlich Salvius; da aber Oxenstierna jedenfalls sich hatte 
bewegen lassen, an den gerügten Massregeln Theil zu nehmen, 
so ward auch er davon betroffen. Dies war mehr, als was der 
stolze Mann verschmerzen konnte. Er beschloss nun, kein 
Blatt vor den Mund zu nehmen, sondern unumwunden seine 
Meinung zu sagen *). In einem langen Schreiben, voller Aus- 
fälle gegen Salvius, setzte er den Hergang der ganzen Sache 
auseinander und wälzte die ganze Schuld auf seinen Amts- 
bruder, welcher seinerseits in einem besonderen Schreiben sich 
bei der Begierung zu entschuldigen suchte. Zwar missbilligte 
der alte Canzler den bitteren Ton und die „ spitzen ^^ Aus- 
drücke in dem Briefe seines Sohnes, wodurch er seine „Pas- 
sionen^^ und „impotentiam animi'^ bekundete, aber in der 
Hauptsache gab er ihm Kecht **) ; auch die Königin gab sich 
den Anschein, dasselbe zu thun, obgleich sie Salvius zu ent- 
schuldigen suchte, und in einem eigenhändigen Brief sicherte 
sie ihm ihren Schutz gegen diejenigen zu, welche „ihn etwa 
2U denigriren suchen sollten " ***). Das Resultat war, dass die 
Regierung in einem Schreiben an Johann Oxenstierna er- 
klärte, dass sie mit seinem Verfahren einverstanden sei und 
^, nicht den geringsten Groll gegen ihn hege"t). Dass die 

*) „liih. kann mich nicht von Salvius prellen lassen und nicht kann ich 
Beiner läppischen Proceduren wegen Filze nehmen'*: Johann Oxenstierna an 
seinen Vater, Dezemher 1646. Oxenst. Sammlung. 

**) Der Canzler war der Ansicht, dass Salvius „ mit der Leimstange gelaufen 
sei" und „aus der Schule geschwatzt habe^'; am Sohne misshilligte er nur 
die übertriebene Empfindlichkeit desselben hinsichtlich der Unterhandlung in 
Münster. 

•••) Die Königin an Salvius den 12. Dezember 1646: Meiern a. a. 0. V, 
S. 2; sie fügt jedoch hinzu, dass die Legaten keinen Fussbreit von dem, was 
ihnen vorgeschrieben war, aufgeben dürften. 

t) Siehe Königl. Rescript an die Legaten den 28. November, 5. Dezember 
1646, den 9. Januar 1647: Breg. Johann Oxenstierna an die Kegierung den 
21. Dezember und an seinen Vater im Dezember 1646: U. W. F. und Oxenst. 
Sammlung. Der Ganzler an seinen Sohn den 21. und 28. November, 12. Dezember 
1646, 9. Januar 1647: Gjörwells Sammlung. 



1 71 

Sache einen solchen Ausgang erhielt, verdankte Johann Oxen- 
stiema seinem Vater, dessen Ansehen und Einfloss noch 
immer so gross war, dass er den Sohn gegen das Miss&llen 
der Königin zu schützen vermochte. In der That war jedoch 
der Einfluss des Beichscanzlers bedeutend geschwächt ; er war 
seit Anfang 1646 in demselben Masse gesunken, wie der Ein- 
floss Magnus Gabriel de la Oardies gestiegen. Der Streit 
Johann Oxenstiernas mit Salvius trug wesentlich dazu bei, 
der ganzen Familie Oxenstiema die Ungnade der Königin 
zuzuziehen. Der Haupi^und dieser Ungnade lag jedoch 
zweifelsohne in der Eifersucht der Königin auf ihre Macht und 
in dem Verdacht, dass die Oxenstiemas sie am Gängelband 
fähren wollten, ein Verdacht, welcher durch ihre schwedischen 
und französischen Günstlinge genährt wurde. Der neue Ein- 
floss bei der Königin war überwiegend rein persönlicher Art; 
auf die äussere Politik Schwedens hatte er nur in so fern 
eine Einwirkung, dass man auf die Wünsche und Interessen 
Frankreichs mehr Bücksicht zu nehmen anfing. Dies trat be- 
sonders deutlich hervor, nachdem Magnus de la Gardie im 
Januar 1647 von Paris zurückgekehrt war, geblendet durch 
die Schmeicheleien, womit man ihn doi*t überhäuft hatte. 

Allein wir kehren zu den Friedensverhandlungen zurück. 
Kaum war Salvius nach Osnabrück zurückgekonmien, als neue 
Ordres aus Stockholm eintrafen, welche allen Vorschlägen, 
durch die Aufopferung Stettins die Einwilligung des Kurfürsten 
zu erlangen, ein schnelles Ende machten. Der glückliche 
Ausgang des Herbstfeldzuges, wodmch die nunmehr vereinig- 
ten schwedischen und französischen Heere vollständig die 
Oberhand in Bayern und Schwaben gewonnen, hatte in Schwe- 
den die Hoffnung und die Ansprüche wieder gesteigert. In der 
Sitzung des Beichsrathes am 6. November hatte daher der 
Canzler, vom Truchsess unterstützt und von der Königin nur 
schwach widersprochen, neue Instructionen bezüglich der An- 
sprüche Schwedens in Vorschlag gebracht, welche auch Tags 



172 

darauf nach Osnabrück abgeschickt wurden. Die Legaten 
sollten nach diesen „simpliciter und eategorice'* dem Erar- 
försten folgende Alternative vorlegen : entweder Vorpommern 
nebst Rogen, Wollin, Stettin nebst dessen Amt, Damm und 
Gk)lnow nebst dazu gehörigen Districten, so wie die Oder- 
mündungen und das Land auf beiden Seiten, mit Zustimmung 
des Kurförsten — oder auch ganz Pommern unter Gfarantie 
von Kaiser und Reich; ausserdem sollten sie dekn Kurfürsten 
damit drohen, dass Schweden gewisse Plätze in Brandenburg 
zu behalten beabsichtige, bis er seine Zustimmung gegeben habe, 
und im Allgemeinen „dieBrandeuburgischen barsch anlassen". 
In ihren folgenden Schreiben fügte die Regierung hinzu, 
dass man in der That am liebsten sähe, dass der Kurfürst 
seinen Beifall verweigerte, damit Schweden einen Grund be- 
käme, ganz Pommern zu behalten ; die Einwilligung des Kur- 
fürsten sei nicht viel werth, und ausserdem würde man schon 
wissen, sich dieselbe späterhin zu verschaffen. Dasselbe wie- 
derholte der Canzler stets in seinen privaten Schreiben an 
seinen Sohn; es war sein „praeterea censeo" in dieser ganzen 
Sache*). 

Während die Unterhandlungen in Münster im Monat 
November fortgingen, war in Osnabrück ein neuer Vorschlag, 
ein neues Auskunftsmittel, die schwierige Frage zu lösen, zum 
Vorschein gekommen. Es war das sogenannte pommersche 
Project, so genannt weil es von den pommerschen Abgesandten 
ausging und hauptsächlich auf Pommerns Interesse abgesehen 
war. Es ist ungewiss, ob die Abgesandten dasselbe aus 
eigenem Antriebe in Vorschlag gebracht oder ob sie von 
ändern dazu aufgefordert wurden, sei es von den Kurfürst- 
lichen oder von den pommerschen Ständen, welche am 22. Oc- 



*) Die Regierung an die Legaten den 7., 14. und 28. November 1646: Breg* 
Der Canzler an seinen Sohn den 21. und 28. NoTember, 5. und 12. Dezember 
1646: Gjörwells Sammlung. 



173 

tober in Stettin zusammengekommen waren und geheime Be- 
latbuDgen gehalten hatten, die sie der schwedischen Begierung 
flicht hatten mittheilen wollen. Der Vorschlag lief darauf 
hinaus, dass Pommern auf jeden Fall ungetheilt bleiben sollte, 
und zwar so^ dass es zuerst an den Kurfürsten und sän Ge- 
schlecht und nach Erlöschen desselben an die Krone Schweden 
fiiUen sollte, welcher letzteren durch ein enges Bündniss und 
Erfovertrag mit Brandenburg, sowie durch Simultan-Investitur 
ihr Eecht gesichert werden sollte; als Ersatz für Pommern 
sollte nun Schweden, ausser Bremen und Verden, verschiedene 
Gebiete aus Westphalen (etwa die Stifter Minden und Osna- 
brück, sowie Theile des Stiftes Münster und die Grafschaften 
Schaumburg, Hoya und Diepholtz) erhalten. Die Branden- 
burger nahmen diesen Vorschlag mit viel Interesse auf, ver- 
muthlich mehr um Zeit zu gewinnen, als im Ernste ; und audi 
Oxenstiema, der hierin ein Mittel sah, den Unterhandlungen 
des Salvius in Münster ein Ziel zu setzen, schien sich dafür zu 
interessiren. Er empfahl denselben wirklich der besoDderen Auf- 
merksamkeit seiner Regierung: jener Plan wäre der Erwerbung 
Pommerns ohne Beifall des Kurfürsten, welchen er im Gegen- 
satz zu seinem Vater als sehr wichtig betrachtete, vorzuziehen, 
und auf jeden Fall könnte man sich dessen bedienen, um die 
Katholiken in Furcht zu setzen, so dass sie ihre Kräfte ver- 
einigten, um die Zustimmung des Kurfürsten zu erzwingen. 
Im üebrigen betrachteten die meisten Diplomaten das pom- 
mersche Project blos als ein Mittel, die Sache zu verwickeln*) 
und in die Länge zu ziehen. Im schwedischen Beichsrath 
redete der Canzler, vielleicht eigentlich seines Sohnes halber, 
dem Project das Wort: „Ew. königliche Majestät würde da 
ein kleines Holland erhalten können und einen guten Theil 
der angrenzenden Gebiete an sich bringen Hessen 



•) „Gerte invigilandam, ut hoc monstrnm statim in ipso partu suifocetur^S 
schreibt der bayerische Gesandte in Osnabrück den 24. Dezember: M. A. 



174 

würde uns dann gute Assistenz leisten, die Holländer würden 
uns respectiren" u. s. w. Indessen gab er zu, dass der Vor- 
schlag bei obwaltenden umständen unannehmbar sei, waa 
natürlich auch Eegierungsbeschluss wurde*). 

Sobald die schwedischen Legaten die letzte Instruction 
erhalten hatten, beeilten sie sich, durch einen Brief vom 
25. November den Franzosen kund zu thun, dass sie auf den 
zuletzt in Münster aufgestellten Vorschlag nicht eingehe» 
könnten, sondern an dem, welchen sie am 8. November als 
die äusserste Bedingung Schwedens angegeben hatten, fest- 
hielten, und demnach entweder Vorpommern „cum annexis** 
mit Zustimmung des Kurfürsten, nebst einer Summe Geldes 
für Hinterpommern, oder auch ganz Pommern unter Garantie 
von Kaiser und Eeich verlangten. Man beachte, dass sie jetzt 
ihre Forderungen um eine Geldsumme vermehrt hatten. Diese 
Antwort wurde von den Franzosen sehr übel genommen, denn 
sie hatten an dem erwähnten Vorschlag den grössten Antheil; 
sowohl schriftlich als mündlich beklagten sie sich über die 
Unbeständigkeit und das mangelnde Vertrauen der Schweden 
und Hessen Chanut in Stockholm dieselben Beschwerden wie- 
derholen. Ja, auf Salvii Kath schrieb D'Avaux an die Königin 
selbst einen eindringlichen Brief**). Da aber augenblick- 
lich mit den Schweden nichts weiter auszurichten war, so 
wurden die Bemühungen der Diplomatie wieder Brandenburg- 
zugewendet, um dasselbe zur Einwilligimg in das schwedische 
Ultimatum zu bewegen; und nachdem man die kurfürstlichen 
Gesandten vergebens bearbeitet hatte, beschloss man sich an 



•) Berichte der pommerischen Abgesandten: Balt. Studien VI, 2. S. 69. 71.. 
99 n. m. Die brandenburgischen Gesandten an den Kurfürsten den 15., 26. und 
29. NoTember : Urk. und Act. IV, S. 469. 471. 472. Gesammtrelation an den Kaiser 
den 4. und 7. Dezember 1646: W. A. Johann Oxenstiema an die Begierung 
den 21. Dezember, an seinen Vater den 24. Dezember 1646. Die Regierung an 
die Legaten den 2. Januar 1647. Protokolle des Reichsrathes den |2. Januar 
1647: S. A. Chanut, Mdmoires I, S. 92. 
•) Bougeant a. a. 0. V, 86. 



••i 



175 

den Kurfürsten selbst zu wenden. Am 30. November kamen 
die französischen Legaten und Contarini bei Trautmannsdorf 
behufs einer Conferenz zusammen, in welcher beschlossen 
wurde, dass die Kaiserlichen den kaiserlichen Bath Oeorg 
T. Plettenberg an den Kurfürsten, der sich damals im Haag^ 
aufhielt, als Gesandten abgehen lassen sollten, um ihm zu 
bedeuten, dass er sich entweder der ersteren der schwe- 
dischen Alternativen fugen oder auch gefallen lassen müsse, 
dass Kaiser und Beich die letztere annähmen; eine For^ 
derung, welche auch das KurfürstencoUegium in einem be- 
sonderen Schreiben unterstützte. Oleichzeitig sollte französi- 
scherseits St. Bomain an den Kurfürsten abgehen, um ihm 
mit Trautmannsdorfs Genehmigung unter gewissen Bedingungen 
auch die Anwartschaft auf das Stifb Magdeburg anzubieten,, 
jedoch so, dass er bei der Besitznahme desselben das Stift 
Halberstadt zurückgeben solle. Am 3. und 4. Dezember reisten^ 
die beiden Gesandten ab*). 

Bereits Mitte November war der Kurffirst plötzlich von 
Cleve aufgebrochen und hatte, von einem geringen Gefolge be- 
gleitet, sich nach dem Haag begeben. Er hatte nämlich durch 
seine vorausgeschickten Boten günstige Nachrichten aus Holland 
bekommen. Seine Werbung um die Prinzessin von Oranien 
war beiföUig aufgenommen worden und wurde nun in dem 
Grade beschleunigt, dass er schon am 27. NovQixiber seine 
Hochz^ feiern konnte. Ohne Zweifel verband der Kurfürst, 
mit dieser Vermählung politische Zwecke. Gleich nach seiner 
Ankunft im Haag verlangt^e er Audienz bei den Generalstaatea 
und bot ihnen einen engen Bund an, welcher zunächst Schwe- 
den gelten sollte, durch dessen Herrschsucht beide Mächte^ 



•) Die schwedischen Legaten an die Regierung den 80. November, 7. De- 
zember 1646. Gesammtrelation an den Kaiser den 10. nnd 11. Dezember: W. A. 
Die französischen Legaten an Brienne den 10. Dezember: N^goc. secr. in, S. 385.. 
Proposition Plettenbergs nnd St. Romains an den KnrfQrsten: Urk. und Act.. 
IV, S. 475 ff. 



176 

bedroht seien. Die Conferenzen hierüber wurden mit den 
Abgeordneten der Staaten theils von dem Kurfürsten selbst, 
theils von den Bathsherren in seinem Gefolge fortgesetzt, und 
«iner der letzteren ward abgeschickt, um bei den einzelnen 
Staaten für die Interessen Brandenburgs zu wirken. Der 
Kurfürst machte sich grosse Hoffnungen und schrieb seinen 
Legaten am Congresse, dass sie festbleiben sollten, weil die 
Aussichten auf Frieden immer trüber würden. Er irrte sich 
jedoch in d«n Plänen der Holländer. Ihr grösstes Interesse 
war augenblicklich, dass der Friede mit Spanien zu Stande 
käme, und sie waren keineswegs gesonnen,- seinetwegen mit 
Schweden zu brechen. Die Verbindung des Kurfürsten mit dem 
oranischen Hause schadete ausserdem seiner Sache bei der 
mächtigen anti-oranischen Partei, wozu kam, dass der schwe- 
dische Resident Peter Spiring Silfvercron, von jeher ein Feind 
Brandenburgs, nebst Schwedens "Freunden und Anhängern 
in Holland den Plänen desselben aufs kräftigste entgegen- 
arbeitete*). Die Verhandlungen wegen einer Allianz zogen 
sich daher lange hin und hörten schliesslich ganz auf. Nicht 
einmal eine holländische Gesandtschaft nach Schwed/en konnte 
der Kurfürst durchsetzen; dem Vorschlage Hollands gemäss be- 
schränkten sich die Staaten darauf, ein neues Schreiben an 
die Königin von Schweden zu richten, worin sie das unwider- 
legliche ]^cht des Kurfürsten auf Pommern, sowie die Un- 
gerechtigkeit, ihn um dieses sein Erbtheil zu bringen, be- 
tonten; zugleich ertheilten sie ihren Gesandten am Congresse 
die Weisujag, den Schweden derartige Vorstellungen zu machen 
und das Interesse der Staaten an der Freiheit der Ostsee be- 
sonders hervorzuhieben**). 



•) „ La Suede a trop de pensionnaires ici " , äusserte^der Kurfürst zu 
St. Bomain. In der That hatte Schweden theils durch Handelsverbindungen, 
theils durch Gunstbezeigungen sich verschiedene Anh&nger in den Niederlanden 
erworben. 

•*) Arend, Algomeene Geschiedenis des Vaderlands III, 5. S. W8ff. Sic- 
cama a. a. 0., S. 130; Aitzema a. a. 0. VI, S. 288ff. 368 u. m. Vortrag des 



r 



177 

Der Kurfürst hatte noch nicht die Hoffnung auf kräftige 
Unterstützung seitens der Staaten aufgegeben, als Plettenbeig 
und St. Bomain im Haag eintrafen. Letzterem ward ein 
günstigerer Empfang als ersterem zu Theil, aber keiner von 
beiden vermochte die Einwilligung des Kurfürsten in das Vor- 
geschlagene zu erlangen; er erklärte von neuem, dass er nun 
und nimmer den Oderstrom an Schweden abtreten würde, dass 
er aber, nachdem er sich die Sache von Neuem überißt hätte, 
sein Ultimatum in einem Schreiben an seine Gesandten vor- 
legen würde. Er schien der Ueberzeugung zu sein, dass sein 
Beifall zur Sicherung des Friedens, nothwendig sei, weil sonst 
nicht Schweden, und in Folge dessen auch nicht der Kaiser, 
entwaffnen könnte und somit der Kriegszustand fortdauern 
müsste. Als Ultimatum wurde durch die Resolution vom 
14. Dezember die Uckergrenze angeboten; die Entschädigung 
sollte in den Stiftern Halberstadt und l^inden, sowie der 
Anwartschaft auf Magdeburg, femer in der Grafschaft Schaum- 
burg und in dem vollen Besitz der cleveschen Länder bestehen. 
Ala das Wünschenswertheste bezeichnete jedoch der Kurfürst 
die Annahme des pommerschen Projectes, wofür man durch 
Versprechen persönlicher Vortheile die schwedischen Legaten 

gewinnen sollte*). 

Sobald die beiden Gesandten zurückgekommen waren 
und die Antwort des Kurfürsten bekannt war, erklärten die 
schwedischen Legaten, dass sie sich ihres früheren Antrages 
an den Kurfürsten als enthoben betrachteten und jetzt ganz 
Pommern unter Garantie von Kaiser und Reich annehmen 



Kurfürsten vor den Generalstaaten den 18. November, Memorial der karfürst- 
lichen Commissäre an dieselben, Brief der Generalstaaten an die Königin Chri- 
stine den 19/29. Dezember und Instruction für ihre Legaten desselben Datums: 
ürk. und Act. IH, S. 8ff.; IV, S. 62 ff. 471. 

•) Resolution des Kurfürsten an Plettenberg den 13/23. Dezember und an 
die Legaten vom 14/24. und 21/31. Dezember. Bericht St. Romains vom 1. Ja- 
nuar 1647: Urk. und Act. II, S. U; IV, S. 478. Bericht der französischen 
Legaten vom 31. Dezember 1616: Nögoc. secr. III, S. 393. 

Odhner, Politik Schwedens. l" 



178 

wollten. In Münster ward die Frage zuerst im Kurförsten- 
collegium verhandelt; Bayern forderte, dass man ohne allen 
Verzug mit den Schweden abschliessen solle; aber die Mehr- 
heit stinamte dafür, dass die Kaiserlichen und die Franzosen 
noch einen Versuch, die Interessen Schwedens und Branden- 
burgs auszugleichen, machen und, wenn sich auch dieser als 
erfolglos erwiese, nach 3 bis 4 Wochen Frist den Kurförsten 
seinem Schicksal überlassen und dann mit den Schweden ab- 
schliessen sollten*). Diesem Beschlüss gemäss begaben sich 
sowohl Trautmannsdorf als D'Avaux nach Osnabrück, wo 
ersterer am 31. December 1646 und letzterer am 6. Januar 
1647 eintraf. Die Kaiserlichen wünschten, dass auch Con- 
tarini sich dorthin als Vermittler begeben sollte; aber die 
Schweden erklärten, dass, so dankbar sie auch für seine Ver- 
mittlung in Münster seien, sie jedoch in Osnabrück keine 
solche zulassen Ig^nnten, bevor die Bepublik auch dort einen 
Botschafter beglaubigt habe**). In Osnabrück erschien ferner 
eine Delegation der holländischen Gesandtschaft, um ihrer 
letzten Instruction gemäss das Interesse Brandenburgs zu 
fördern. Der Mittelpunkt des Congresses wurde also von 
Münster nach Osnabrück verlegt , das während der folgenden 
Wochen der Schauplatz einer äusserst lebhaften diplomatischen 
Thätigkeit wurde. Es war deutlich, dass die lange und ver- 
wickelte Unterhandlung über die Entschädigung Schwedeiis 
sich einer Krisis näherte, und alle, die von dieser Frage 
irgend wie berührt wurden, sammelten sich jetzt in Osnabrück, 
ihre Interessen zu wahren. In Münster blieben nur die bei- 
den Vermittler, so wie die Spanier zurück, welche letzteren 
der Beise Trautmannsdorfs nach Osnabrück so lange als mög- 

*) Disrinm der konAchsischen Legaten vom 82« Dezember 1646: D. A. 

**) Contarini an den Dogen den 18. Janaar 1647: Ven. A. Dass Schweden 
bei Verhandlangen in Mtknster Contarini als Vermittler anericannte, geht daraus 
hervor^ dass, als Bjömkloa 1648 zom Besidenten in Münster ernannt worde, er 
aach bei der Venetianischon Gesandtschaft beglaubigt warde: Memorial der 
Begierang an BjOmklon ?om 4. M&rz 1648. 



179 

lieh enl^^eagearbeitet hatten nnd jetzt, nachdem sie den 
SeparatMeden mit Holland verabredet hatten, alles aufboten, 
tun den Frieden in Deutschland eu verfaindem. Andererseits 
suchten die Franzosen dem definitiven Frieden zwischen Spanien 
imd Holland entgegenzuwirken, zu welchem Zw«ck Servien 
nadi dem Haag abging. 

Die brandenburgisohen Gesandten, welche sidi am Platze 
befanden^ sahen besser als ihr Herr die Nothwendigkeit ein, 
dem allgemeinen Druck nachzugeben, wofern der Kurfltrst 
nicht um jegliche Entschädigung gebracht werden sollte. Um 
den Kurfürsten über die Qe&hr, worin er schwebte, vollständig 
aufrukl&ren, begab sich der Graf von Wltt^nstein nach Cleve, 
iro der Euarffirst auf der Bfickreise von Holland Anfang 164T 
aintiuf. Nachdem es sich herausgestellt hatte, dass Friedrich 
Wilhelm von der Hülfe Hollimds nicht viel erwarten konnte, 
war er in der pommerscben Frage nachgiebiger geworden. 
Er besdiloss nun, umtsuaatteln und sich mit Schweden zu ver- 
söhnen, um mit dessen Hülfe sich reichlichen Ersatz für Vor- 
pommern zu verschaffen. Wittgenstein wurd<e also beauftragt, 
sieh den Schweden zu nähern und ihnen Freundschaft und 
Bündniss anzubieten. Im äussersten Nothfall könnte er ganz 
Vorpommcrm „cum an^xis'S darunter auch Stettin, abtreten; in 
diesem Falle aber vertangte der Kurfürst als Ersatz die Stifter 
H^Iberstadt und Minden, Anwartschs^ auf Magdeburg und 
zeitweiligen Besitz des Stiftes Osnabrück, femer die Ora&diaft 
Si^aumburj; und 1,200,000 Beichsthaler ; endlich behiielt er 
sieh freie Beschiffung der Oder und Aufhebung der schwe- 
^scIiKeii Sdienkimgen in Hurt^ommern vor; die Simultan- 
Inve^titor auf Hinterpommem 9oBte nur unter der* Bedingung 
den Sdxwieden eingeräumt werden, dass sie auf Stettin verzich- 
teten*). Mit diesem Bescheid kam Wit^enstemi am 7« Jasraar 



•) Die Instruction für Wittgenstein fehlt in Urkunden und Actenst.; wirdi 
libev vM Piif«naoTf, Bnt&daibofg III, 1 «ob B/I8. Jacnunr lGi7 angefault. 

12* 



180 

nach Osnabrück zurück, einen Tag später, als D'Avaux dort 
eingetroffen war, und nun kamen die Unterhandlungen wieder in 
Gang. D'Avaux bot seine Vermittlung an, welche auch von 
beiden Parteien angenommen wurde, und entfaltete als Ver- 
mittler einen unermüdlichen Eifer; die Conferenzen gingen 
unaufhörlich und bis tief in die Nächte fort. Er stellte sich 
zur Aufgabe, die b'eiden Parteien über die erstere der beiden 
Alternativen, welche die Schweden in dem Briefe vom 25. No- 
vember 1646 als ihr Ultimatum aufgestellt hatten, zu ver- 
einigen. Schon am 9. Januar waren die Brandenburger auf 
diese Alternative gegen die vom Kurfürsten in seiner letzten 
Instruction verlangte Entschädigung (das Stift Osnabrück wurde 
jedoch nicht genannt, weil dies die Katholiken verletzen 
würde) eingegangen. Aber hierdurch war in der That nicht 
so viel erreicht, als man glauben könnte. Denn erstens war 
die verlangte Entschädigung viel zu übertrieben, ferner war 
die von den Brandenburgern angenommene Alternative in 
dem Schreiben vom 25. November ziemlich unbestimmt ange- 
geben (Vorpommern „cum annexis") und Hess verschiedene 
Deutungen zu; und endlich waren die Schweden ihren In- 
structionen gemäss entschlossen, auf der letzteren Alternative 
2U bestehen, und sie hatten unleugbar ein Becht dazu, da 
der Kurfürst dem ausserordentlichen zu diesem Zweck ab- 
geschickten Gesandten eine abschlägige Antwort gegeben 
hatte. Sie erklärten, dass es jetzt zu spät sei, und dass der 
Kurfürst nun die Folgen seiner Handlungsweise tragen müsse; 
^uf jeden Fall sei die Deutung, welche die Brandenburger 
dem erwähnten Ausdruck geben wollten, dass nämlich der 
Oderstrom die Grenze bilden solle, durchaus unannehmbar. 

In der diplomatischen Welt waren die Meinungen und 
Interessen hinsichtlich der Streitfrage sehr getheilt. Auf 
Brandenburgs Seite traten unbedingt die Holländer, aber ihre 
Vermittlung wurde von den Schweden ziemlich kalt aufge- 
nommen, und sie kehrten daher, ärgerlich über den Misser- 



181 

folg ihrer BemühungBn, schon am 13. Januar nach Münster 
zurück*). Auch D'Avaux ergriff die Partei der Brandenburger; 
er meinte, dass sie allen gerechten Ansprüchen genügt hätten, 
indem sie die Oder als Grenze anboten, und er beschuldigte die 
Schweden der Unbeständigkeit und Eigenmächtigkeit, weil sie 
noch mehr verlangten. Mit diesem Brandenburg erzeigten 
Wohlwollen hatten die Franzosen eine besondere Nebenabsicht, 
nämlich die, den Schwiegervater des Kurfürsten, den Prinzen 
von Oranien, sich zu verbinden und dadurch die Unterhand- 
lungen Serviens im Haag zu erleichtern **). Von den deutschen 
Ständen waren die katholischen grösstentheils Brandenburg 
abgeneigt, weil es mehrere katholische Stifter als Entschä- 
digung verlangte, und auch unter den evangelischen, welche 
im Anfang des Jahres dem Kurfürsten eine längere Frist 
bei den Schweden auszuwirken gesucht hatten , begannen 
mehrere sich zurückzuziehen, als sie von seinen Ansprüchen 
auf Magdeburg und andere Gebiete, nach welchen sie selbst 
trachteten, Kenntniss erhielten; wenn nun Schweden ganz 
Pommern nahm, so würde der Kurfürst seine Zustimmung 
yerweigern und in Folge dessen auch keinen Ersatz be- 
kommen. Die Pommern unterstützten fortwährend den Kur- 
fürsten und verlangten in einer besonderen Schrift , dass auf 
jeden Fall nichts ohne seine Genehmigung entschieden wer- 
den solle***). Was endlich die Kaiserlichen betrifft, so be- 
obachteten sie während dieses letzten Abschnittes der Unter- 
handlung eine passive Haltung, um es mit keiner der bei- 
den Parteien zu verderben, zeigten aber nunmehr grössere 
öeneigtheit für einen Vergleich zwischen Schweden und 

Brandenburg, weil sonst ersteres genügende Garantien von 

_ • 

•) Siehe ihren aijsftthrlichen Bericht vom 24. Januar / 8. Februar 1647 : 
Urk. und Act. HI, S. 15 ff. 

••) D'Avaux an den Herzog von Longueville den 29. Januar 1647: Negoc. 
Beer. IV, S. 13. 

*••) Memorial der pommerschen Landstände vom 23. Dezember 1646. 
Meiern a. a. 0. III, S. 782 ff. 



182 

Kaiser und Beich verlai^en wfirde , welche zu leisten sehr 
schwer werden könnte*). 

Nachdem die Schweden die Anträge der Brandenburger 
vom 9. Januar verworfen hatten, stellten sie sich einige Tage 
ganz unerbittlich; sie wollten von nichts uia ganz Pommern 
wissen und suchten hierüber eine Verständigung mit den 
Kaiserlichen zu erzielen. Allein diese zeigten nur geringes 
Eifer, dem Wunsche Schwedens nachzukommen; O'Ayaux 
drang unaufhörlich in sie und suchte sowcdil sie als die Stände 
durch Vorspiegelung der Gefahren, welche eine solche Lösung 
der Frage herbeifuhren würde, zu schrecken. Endlich am 
14. Januar gelang «es D'Avaux eine neue Erklärung von den 
Schweden zu erlangen, in welcher sie ihre Geneigtheit kund- 
gaben, eine üebereinkunft mit den Kurfürstlichen zu treffen, 
wenn diese binnen drei Tagen folgende Forderungen genehmig- 
ten: Vorpommern nebst Stettin, Garz, Wollin und Damm, 
sowie Pyritz, Colbatz, Gollnow, Bahn und Wildenbruch und 
übrigens das ganze rechte Oderufer von und mit Greiffenhs^en 
bis an die Ostsee, femer die Gerechtsame der früheren pom- 
merschen Herzöge im Stift Gammin, die Simultan-Investitur auf 
Einterpommern und Bestätigung der schwedischen Schenkungen 
in dieser Provinz und dazu noch eine Million Beichsthaler **)> 
Einige der eben aufgezählten Ortschaften waren wirklich ifl 
dem Briefe der schwedischen Regierung vom 28. November 
genannt, worin sie ihren Legaten anbefohlen hatte, „etwas 
weiter in der Umgegend von Stettin auf der östlichen Oder- 
seite um sich zu greifen''. Am 16. Januar waren die Bran- 
denburger mit ihrer Antwort fertig***); sie weigerten sich, 



*) So brachtet die Schweden in Vorschlag« dass das Beich mittelst Con- 
tribatiouen ein schwedisches Heer, bestehend aos 20000 Mann, in Foinmeni 
unterhalten solle. Bericht der pommerschcn Abgesandten den 6. Januar 1647: 
Balt. Studien XIV, S. 50. 

**) Suedica resolntio ultima et peremptorialis, bei Meiern a. a. 0. IV, 
S. 264. 265. 

') Declaratio legatorum Brandenburgicorum, bei demselben IV, S. 266 ff. 



*•»• 



183 

Tom östlichen Oderafer etwas mehr als Damm, Oreiffenhagen 
und Wiidenbruch abzutreten, sie wollten weder die Schenkungen 
Schwedens in Hinterpommern und dessen Ansprüche bezüg- 
liab des Stiftes Cammin anerkennen, noch auf die verlangten 
1,200,000 Beichsthaler Verzicht leisten. In Folge dessen 
wollten die Schweden die Unterhandlang wieder abbrechen 
und ganz Pommern ohne die Genehmigung des Kurfürsten 
nehmen. Aber der unermfidliche D*Avaux wollte die Sache 
noch nicht aufgeben, sondern setzte, trotz des Unwillens der 
Schweden über seine Beharrlichkeit, seine Bemühungen fort; 
die schwedischen Legaten beklagten sich über „ sein unend- 
lich Drängen^', und dass sie unaufhörlich mit ihm „zanken 
und ringen'* müssten. . Andererseits kl^e D'Avaux in den 
schärfsten Ausdrücken über das Benehmen der Schweden, 
welches er als ein der Yandalen und Gothen würdiges hin^ 
stellte. Namentlich war Oxenstiema ein Gegenstand seiner 
bitteren Eh^en und Sarcasmen *) ; er war es nämlich, welcher 
schwedischerseits hauptsächlich die pommersche Unterhandlung 
fahrte, denn Salvius hatte sich nach der verfehlten Beise 
nach Münster zurückgezogen und eine passivere Haltung be^ 
obachtet. Dass Oxenstiema in dieser Unterhandlung Mangel 
an Gonsequenz und Entschlossenheit bekundete, kann nicht 
geleugnet werden. Seine Stellung war aber auch eine 
schwierige, und vieles spricht zu seiner Entschuldigung. Von 
seinem Collegen hatte er nicht immer die Hülfe, welche er 
hätte fordern können: Salvius unterstützte ihn nur labm und 
nothgedrungen und zuckte die Achseln über seine Mass^ 
regeln **). Er hatte den Befehl seiner Begierung, am liebsten 



*) „II n*ecoute rien, son esprit est comme son corps tout d'une piece, et 
cctte machine ne se remue que 'par des ressorts, qu'on ne veut pas faire 

jener les remontrances, la raison, la bienveillance ne senrent de rien^^ 

u. 8. w. D'ATaox an den Herzog von Longuerille: N^goc. secr. IV, S. 13 u. m. 

••) D'Avaux an Chanut den 4. Februar: Nögoc. secr. IV, S. 15. „Mein 
College hängt alles nach dem Mantel D'Avaux'": Johann Oxenstiema an seinen 
Vater. 



184 

ganz Pommern auch ohne die Zustimmung des Kurfürsten zu 
nehmen, und er war nunmehr im vollen Eechte, wenn er diese 
Anweisung befolgte. Andererseits aber musste er auch auf 
die Wünsche Prankreichs und der Gesandten desselben Eück- 
sicht nehmen und konnte D'Avaux nicht ebenso leicht als die 
Holländer zurückweisen. Er hatte also keinen anderen Aus- 
weg, um sein Ziel zu erreichen, als seine Porderungen in dem 
Grad zu steigern, dass der Kurfürst seine Genehmigung ver- 
weigern musste. Allein diese Absicht ward von den Bran- 
denburgern durchschaut, welche jetzt im Augenblick der Ent- 
scheidung sich recht fagsam zeigten. Sie gaben in Rücksicht 
auf Gollnow nach und traten das ganze rechte Oderufer, jedoch 
nur in einer Breite von vier bis fünf Puss ab. Die Schwe- 
den Hessen sich zu einigen entsprechenden Zugeständnissen 
bewegen, und schliesslich waren nur noch solche Streitpunkte 
übrig, an welchen man nicht gut die Unterhandlung scheitern 
lassen konnte und die nach und nach durch Salvius und 
D'Avaux ausgeglichen wurden. Dieser Art waren die Fragen 
des Stiftes Cammin und der Breite des an Schweden abzu- 
tretenden östlichen Oderufers. Die Präge der Schenkungen in 
Hinterpommern liess man fallen, und beide Parteien nahmen 
von den vorgebrachten Ansprüchen auf Geldentschädigung vor- 
läufig Abstand, um sie bei den Kaiserlichen zu verfolgen. 
Endlich, nachdem beide Theile neue Vorschläge zur Ver- 
ständigung vorgelegt hatten, vereinigte man sich den 28. Ja- 
nuar / 7. Pebruar über eine gemeinsame, von Salvius ent- 
ivorfene „Punctation***) folgenden Inhalts: 

1) Der Kurfürat tritt an die Krone Schweden Vorpommern 
innerhalb der Grenzen, welche zu des letzten Herzogs 
Lebzeiten gegolten haben, nebst der Insel Kügen ab; 
ferner von Hinterpommern Garz, Stettin, Damm, Gollnow 
und die Insel Wollin, wie auch den durch das Gebiet 



•) Gedruckt bei Meiern a. a. 0. IV, S. 309 und bei Moerner a. a. 0. 



r 



185 

fliessenden Oderstrom mit dessen drei Mündungen und 
dem Frischen Haff; endlich eine so grosse Strecke des 
östlichen Ufers, als Schweden und Brandenburg künftig- 
hin durch gütiges üebereiukommen bestimmen werden. 

2) Dieses Gebiet soll Schweden als erbliches Lehen mit 
allen von den früheren Herzögen Pommerns ausgeübten 
Gerechtsamen inne haben. 

3) Das Eecht, welches die Herzöge Vorpommerns beim 
Vergeben von den dem Domcapitel in Cammin gehörigen 
Prälaturen und Präbenden gehabt haben, soll auch dem 
König von Schweden zukommen. 

4) Der Kmfürst entbindet die Einwohner des ihm ge- 
leisteten Eides. 

5) Schweden giebt dem Kurfürsten das ganze übrige Hinter- 
pommern nebst Golberg und dem Stifte Oammin, sowie 
die Festungen, welche es in der Mark-Brandenburg inne 
hat, zurück. 

6) Beide Fürsten bestätigen ihren zukünftigen ünterthanen 
deren Freiheiten und Rechte sowohl in geistlicher als 
in weltlicher Beziehung. 

7) Die Krone Schweden erhält die Simultan-Investitur auf 
Hinterpommem und das Stift Cammin, sowie das Erb- 
recht darauf nach Erlöschen des brandenburgischen Ge- 
schlechts. 

8) Sitz und Stimme auf Reichs- und Kreistagen steht 
beiden zu. 

9) Freier Verkehr zu Land und zur See wird vorbehalten. 

10) Alle übrigen Einzelbestimmungen werden einer weiteren 
Unterhandlung, die baldigst zu eröffnen ist, überwiesen. 

11) Das Abkommen ist nur in Verbindung mit dem allge- 
meinen Frieden giltig. 

Hiermit war also die Hauptfrage abgemacht. Jetzt forderte 
D'Avaux, dass die schwedischen und brandenburgischen Legaten 
zusammentreten und die Uebereinkunft förmlich unterzeichnen 



186 

sollten. Aber hierzu waren die Schweden nicht zu bewegen; 
theils wollten sie sich nicht unwiderruflich die Hände binden, 
beyor die ganze Entschädigungssache abgemacht wäre, theils 
hatten sie sich nie in einen förmlichen „Particulartractat^^ 
mit Brandenburg eingelassen. Man einigte sich dahin, dass 
die Punctation durch die Namensunterschrift der beiden 
Legationssecretäre „ attestirt " und dann bei D'Avaux als Ver- 
raitüer niedergelegt werden sollte. Dies geschah auch den 
1/11. Februar 1647*). 

Nachdem also der Stein des Anstosses, welcher fünf 
Monate lang die schwedische Entschädigungssache aufgehalten 
hatte, glücklich beseitigt worden war, kam diese schleunigst 
zur völligen Entscheidung. D'Avaux wurde von den Schweden 
ersucht, auch zwischen ihnen und den Kaiserlichen die Ver- 
mittlung zu übernehmen; schwedischerseits nahm Salvius den 
grössten Antheil an dieser letzten Unterhandlung. Man legte 
derselben einen von den Schweden den 26. Januar abgegebenen 
Vorschlag zum Grunde; dagegen machten die Kaiserlichen 
ihre Anmerkungen**), gaben aber bald in den meisten noch 
übrigen Streitpunkten nach. In Bezug auf VTismar gingen die 
Schweden auf das beantragte Condominium mit Mecklenburg 
ein, jedoch so, dass, w^nn der Herzog seine Zustimmung ver- 
sagte, es ohne jede Bedingung an Schweden fallen sollte; als 
Entschädigung wurden dem Herzog die säcularisirten Stifter 
Schwerin und Eatzeburg zugewiesen, sowie auch das Stift 
Minden ihm von den Schweden angeboten ward. Das Amt 



*) Obige Schilderung der SchlussTorhandlung in der pommerscfaen Frage 
gründet sich auf Briefe der schwedischen Legaten, namentlich die vom 4*i 1^* 
und 25. Januar, 1. und 16. Februar 1647 (U. W. F.), ferner auf die in Nögoc. 
secr. IV, S. 4—24 gedruckten Schreiben D'Avaux', auf die Berichte der branden- 
burgischen Legaten in Urk. und Act. IV, auf die der kaiserlichen in W. A., und 
die der bayerischen in M. A. Vgl. auch Meiern (Acta IV), Bougeant und 
Pufendorf (a. a. 0.). 

*•) Der Vorschlag nebst Anmerkungen bei Meiern a. a. 0. IV, S. 312 ff. 9^ 
druckt. Ein neuer Vorschlag wurde von den Schweden den 31. Januar abge- 
4jreben und den 1. Februar beantwortet: U. W. F. 



187 

WilAauseo, welches bisher ein Zankapfel zwischen den Bisehöfen 
von Bremen und Münster gewesen war, wurde an Schweden 
abgetreten. Die Stifter Bremen und Verden wurden unter 
dem Namen von Herzogthümern sftcularisirt; mit dem ersteren 
folgte B»ch das hamburgische Domcsq^itel, jedoch mit Yorbe^ 
halt der Freiheiten und Beehte d^ Stadt Hamburg. Was 
spedell die Stadt Bremen betraf, so forderten die Kaiserlichen« 
dass dieselbe vermdge eines bisher anbekannten kaiserlichen 
Bmfes, der aber jetzt ans Licht gezogen wurde, als freie 
Beichflstadt ausdrficklioh anerkannt weorden sollte. Hiermit 
hatte es folgende Bewandtniss. Damals als die Frage der Ab«- 
tretung des Stiftes an Schweden entstand, hatte die Stadt 
Bremen durch ihren Bevollmächtigten am Congresse bei 
Trautmannsdorf einen kaiserlichen Freibrief auszuwirken ge- 
sudit und auch gegen eine Summe von 100000 Gulden einen 
Bolehen erhalten "*"), welcher vom 22. Hai / 1. Juni datirt, aber 
erst im Dezember dieses Jahres erlassen wurde. Dieses etwas 
zweideutige Privilegium wollten die Schweden tiicht unbedingt 
anerkennen; sie versprachen nur, die gesetzlich erworbenen 
«md althergebrachten Qerechtsame der Stadt zu achten und 
alle sich erhebenden Streitigkeiten durch gütliche üeberein« 
kunft mit derselben zu schlichten. Ausser den übrigen 
Bechten, welche Schweden als Inhaber deutscher Beichsp 
lehen zukamen, ward demselben auch das Privilegium 
„de non appellando ^' , sowie das Becht, eine Universität zu 
gründen, zuerkannt. Das für Schweden wichtigste Becht war 
jedoch das, fortwährend die Licenten erheben zu dürfen. Dem 
Gmndsatz der allgemeinen Amnestie gemäss hatten sowohl die 
Kaiserlichen . als die pommerschen Stände durch eine besondere 
Eingabe die Absdiaffung aller solchen Zölle und Steuern^ 
welche während des Krieges und um dessen willen entstanden 



*) Die Priefe Traotmannsdorfs an den Kaiser enthalten Versohiedenes ttber 
diese Verhandlung oder yieUnehr GescWt 



188 

waren, verlangt, und der Art waren unleugbar die Lieenten. 
Die Schweden erkannten den allgemeinen Grundsatz an, for- 
derten aber ein besonderes Privilegium rücksichtlich der pom- 
merschen Licenten, und ein solches ward ihnen auch unter 
der Bedingung bewilligt, dass diese Zölle etwas ermässigt 
worden. Was schliesslich die Forderung Schwedens, Geldent- 
schädigung zu erhalten, anbetrifft, so liess Trautmannsdorf 
durch D'Avaux' Vermittlung sich zur Zusage einer Summe 
von 600000 Reichsthaler überreden, wovon jedoch 400000 
an den künftigen Reichscontributionen der schwedisch-deutschen 
Länder abgerechnet und nur 200000 drei Monate nach dem 
Abschluss des Friedens baar ausgezahlt werden sollten*). 

Nachdem Alles verabredet war, wurde der gesammte Ent- 
schädigungspunkt von den Legationssecretären am 8/18. Fe- 
bruar unterzeichnet und ausgewechselt **). Die Geldfrage wurde 
auf Verlangen der Kaiserlichen von dem Uebrigen getrennt 
und in einen geheimen Artikel, welcher von den kaiserlichen 
Legaten selbst unterzeichnet ward, eingerückt***); es heisst 
darin, dass die Summe nicht eine Entschädigung für den ab- 
getretenen Theil von Hinterpommern sei, sondern dass sie 
Schweden für die Restitution der Ortschaften, welche es im 
Reiche und in den kaiserlichen Erbländern inne hatte, bewilligt 
worden sei. Der Punkt wurde verheimlicht, theils weil der 
Abzug von den Reichscontributionen den übrigen Ständen und 
dem Reiche zum Nachtheil gereichte f), theils damit nicht ein 
dem Kaiser lästiges Präjudicat bekannt werden sollte. Diese 
Geheimhaltung ward aber in der Folge dem Ansahen und 
Interesse Schwedens sehr nachtheilig, indem seine Feinde das 



*) Siehe besonders den Bericht der schwedischen Legaten ?om 8. Februar 1647 : 
ü. W. F. Vgl. Pufendorf, Suec. XIX, 91—93 und Nögoc. secr. IV, S. 20flf. 

••) Findet sich in U. W. F. Siehe Beilage I. 

•••) Gedruckt bei Meiern a. a. 0. V, S. 750; Pufendorf, Suec. XX u. m. 

t) Erst zu Ende des 17. Jahrhunderts waren die 400000 Reichsthaler er- 
legt und die schwedisch-deutschen Länder schuldig, Reichscontributionen zu be- 
zahlen: Gadebusch, Schwed.-pommersche Staatskunde II, S. 360, 



189 

Oerücht aussprengten, dass es für die genannte Summe 
seine Forderung der Religionsfreiheit in den Erbländem auf- 
gegeben*) und somit die böhmischen Verbannten, welche in 
Schwedens Dienst Leben und Blut geopfert, verrathen hätte. 
Dies Gerücht wurde von Vielen geglaubt und ist von mehreren 
Verfassern als glaubwürdig wiederholt worden, wird aber durch 
die Thatsache widerlegt, dass weder in den schwedischen noch 
in den kaiserlichen Oesandtschaftsberichten auch nur eine 
Spur eines ähnlichen „ Pactum turpe " sich findet. Im Gegen- 
theil haben die Schweden, als die Kaiserlichen durch Nach- 
giebigkeit in der Entschädigungssache sich gewisse Zugeständ- 
nisse in der pMzischen Angelegenheit und in den kirchlichen 
Streitfragen ausbedingen wollten , sofort „ solch' verführerische 
Zumuthung" als ein unwürdig „Marchandiren" zurückge- 
wiesen. Sie waren keineswegs gesonnen, dem in dieser Hin- 
sicht von den Franzosen gegebenen Beispiel zu folgen. 

Gegen die schwedische Entschädigung wurden schriftliche 
Proteste von mehreren Ständen, von dem Herzog von Meck- 
lenburg bezüglich Wismars, vom Prinzen Friedrich von Däne- 
mark wegen des Stiftes Bremen, sowie von dem Herzog von 
Holstein-Qottorp und der Stadt Hamburg in Bezug auf das 
hamburgische Domcapitel eingereicht. 



*) Es war im Frühjahr 1648, als der kaiserliche Gesandte Grane, um Schwe- 
den verhasst zu machen, das Geröcht unter den Protestanten verbreitete ; siehe den 
Bericht der Schweden vom 24. April 1648 and denjenigen der Kaiserlichen vom 
4. Mai d. J. Im Jahre 1651 ward Salvius beauftragt, sich bei Crane über das näm- 
liche Gerücht, das damals von jenem wiederholt worden war, zu beklagen: siehe 
Tufendorf, Suec XXni, 10. Der sonst gegen Schweden so gehässige M. Ko ch 
hat sich in diesem Funkt .unparteiisch gezeigt, a. a. 0. II, S. 467 if. Vgl. 
Meiern a. a. 0. V, S. 746—749. M. J. Schmidt spricht a. a. 0. XI, S. 197 die 
Vermuthung aus, dass der Punkt verheimlicht worden sei, weil die Königin per- 
sönlich die 200000 Beichsthaler erhalten, um die mit der französischen Gesandt- 
schaft Magnus de la Gardies verbundenen grossen Ausgaben zu decken; wozu 
die Königin im Brief an Salvius diesen die Mittel anzuschaffen bittet. Gewiss 
ist, dass Salvius die Vollmacht der Königin vom 10. Juni 1647 erhielt, die ge- 
nannte Summe künftig zu erheben; aber Salvius behauptete selbst, dass ihm 
hierdurch nur seine Vorschüsse für die Armee vergütigt würden, und dies scheint 
uns am wahrscheinlichsten. 



190 

Gleichzeitig mit dem Abschlnss der schwedischen Eni-^ 
sehädigungsfrage wurde auch die über die Aequivalenz an Bran» 
denburg vorläufig entschieden. Auf Verlangen der Kaiserlichen 
nahm man eine Yersicherung hierüber in die schwedische 
Convention auf; und dann wurde zwischen den Kaiserliche 
und den Brandenburgern am 9. Februar die üeberelnkunft ge^ 
troffen, dass der Eurftrst von Rrandenbui^, mit gewissen 
Vorbehalten und Ausnahmen, die Stifter Halberstadt und 
Gammin, wie auch nach dem Tod des damaligen Inhabern 
das Stift Magdeburg bekommen sollte; die Geldfrage wurde 
darauf beschränkt, dass der Kaiser einige alte streitige Schul'* 
den abschreiben sollte. Endlich gaben die Kaiserlichen schrift^ 
lieh das Versprechen ab, dass, falls das Stift Minden den 
Protestanten zuerkannt würde, auch dies Stift an Brandenburg 
abzutreten sei*). 

Fragt man sich nun, was wohl die Ursache war, dass 
ungeachtet des Widerwillens der Schweden, ungeachtet der 
streitigen Interessen, Proteste und Btoke der deutschen Stände, 
dennoch die Entschädigungsfrage eine solche L5sung fimd, so 
muss man dem, was schwedischerseits gegen D'Avaux ge- 
äussert wurde, beipflichten, nämlich dass, wenn nicht er mit 
solchem Eifer die Sache betrieben hätte, Schweden ganz 
Pommern behalten hätte. Es war dies die eine Bewegkraft; ; die 
andere, weniger hervortretend, aber nicht weniger wirksam, 
ging von den Kaiserlichen aus und bestand in der Nach- 
lässigkeit, welche sie zeigten, als es galt die Garantie zu leisten, 
welche die Schweden verlangten, wenn sie ganz Ponunem 
ohne die Zustimmung des Kurfürsten nähmen. Die schwe- 
dischen Legaten kamen bald dahinter, dass die Kaiserliche 
in der That nur zu dem Zweck für- ganz Pommern Gewähr 



•) Die CJonventioii Tom 9. Februar bei Meiern a. ä. 0. IV, S. 888 und dör 
Ptinkt betfeflfb Minden^ d«tirt voin 10/20. Februar^ bei demselben S: 880. "Vgl* 
andi Pnfendorf, Suee. XIX, 90. In Urk. nad Act. leemmt merkwürdigef Wei«a 
nichts hierüber yor. 



191 

zti leisten yerbeissen hatten, um den KttrfQrsten „in da» 
Netz zn jagen ^S und dass sie, naehdem sie diesen Zweck er* 
reicht hatten, „sich allmählich aus den Schlingen zogen ^'. 
Dies war die Auffassung der Schweden von der kaiserliehen 
Politik in der pommerschen Frage. D'Avaux hatte die 
kaiserlichen Legaten in Verdacht, dass sie falsches Spiel trie^ 
ben; er behauptete, dass sie, anstatt die Verständigung zwischen 
Schweden und Brandenburg zu befördern, derselben in^eheim 
eotg^ngewirkt hätten, und Bougeant erzählt, Volmar habe 
eine Stunde vor dem Zustandekommen der genannten Vor- 
ständigung sich bei Oxenstierna eingefimden und ihm zu 
verstehen gegeben, dass, wenn Schweden ganz Pommern ohne 
die Zustimmung des EurlQrsten nehmen wollte, so könnte die 
Sache schon desselben Tages zum Abschluss gebracht werden. 
Ealls diese Erzählung, welche jedoch durch die schwedischen 
and kaiserlichen Correspondenzen nicht bestätigt wird *), wirk- 
lich gegründet ist, so war es deutlich die Absicht der Kaiser- 
lichen, einen offenen Bruch zwischen Schweden und Branden- 
burg herbeizuführen und dadurch entweder den Neutralitäts- 
vertrag Bayerns mit den Kronen zu verhindern oder doch 
wenigstens durch ein Bündniss mit Brandenburg sich einen 
Ersatz für den Ab&li Bayerns zu verschaffen. 

Welchen entscheidenden Antheil D'Avaux durch seinen 
rastlosen Eifer an dieser Unterhandlung hatte^ ergiebt sich am 
deutlichsten daraus, dass die Schweden schon am 26. Januar 
neuen Befehl aus Stockholm erhielten, sich nicht weit^ vom 
Kurfürsten „bei der Nase herumführen zu lassen ^% sondern 
definitiv ganz Pommern anzunehmen, so bald sie die Öa^ 
rantie des Kaisers und Beichs erhielten. Als dieser Brief 
eintraf, waren die Legaten schon zu weit gegangen, um 



*) Es mass jedoch bemerkt werden , dass die meisten d«r kaiserlichen Ge- 
ssBdtschaftsberichte fttr den Monat Janaar 1647 angeblich in W. A. fehlen. — 
nroysen a. a. 0. III, 1. S. &S8 hat ohne weiteren Beweis den Verdacht m 
eine Thatsache Terwandelt. 



192 

einen ehrenvollen Sückzug anzutreten. Nachdem bereits 
alles abgemacht war, kamen noch bestimmtere Befehle aus 
Stockholm, dass sie auf ganz Pommern bestehen sollten, „ euch 
nicht dadurch turbiren lassend, wenn die Kaiserlichen sich nun 
zurückziehen und mit den Conditionen einer gebührenden 
Garantie nicht fortfahren wollen, oder wenn die holländischen 
Gesandten dagegen sind^^ Hierüber scheint man damals in 
Stockholm einig gewesen zu sein; auch die Königin drang im 
Beichsrathe darauf, dass man „sich einfach an ganz Pommern 
halten solle ^S und äusserte gegen Chanut, dass der Antrag des 
Kurfürsten als zu spät gemacht unannehmbar sei. und nach- 
dem man erfahren hatte, dass die Legaten sich bereits mit 
den Brandenburgern eingelassen hatten, schrieb man, dass sie 
auf jeden Fall, auch ivenn die Sache bereits verabredet sei *), 
für Schweden das ganze rechte Oderufer in der Breite von einer 
halben oder Viertel-Meile, einschliesslich Colbatz, Friedrichs- 
walde und GoUnow, sowie die Gültigkeit der Schenkungen in 
Hinterpomraern vorbehalten müssten. Dasselbe schärfte ihnen 
auch der Beichscanzler in Briefen an seinen Sohn ein, und 
um die Legaten zu unterstützen, übersandte er eine zum Vor- 
zeigen bestimmte, in scharfen Ausdrücken abgefasste In- 
struction. Obgleich man nicht einmal die genannten For- 
derungen durchsetzen konnte, erklärte gleichwohl die Begierung, 
dass sie mit den Massregeln der Legaten zufrieden sei; die 
Königin und ihre Umgebung äusserten ihre Zufriedenheit**), 
und auch der alte Canzler, der eifrigste Vertreter von Schwe- 
dens Ansprüchen auf ganz Pommern, schrieb seinem Sohne, 
dass er in Anbetracht der Schwierigkeiten, welche man zu 
bekämpfen gehabt, mit dem erzielten Besultat zufrieden sein 



*) „Sie dürfen uns wohl einer kleinen Unbeständigkeit beschuldigen, aber 
es ist bosser, jetzt darüber zu zanken als späterliin": der Canzler im Reichs- 
rathe den 13. Februar. 

**) ,,Die Sache ist I. E. M. und Mehreren hier ganz willkommen, so daas 
ich keine grosse Mühe habe, alles zum Besten zu deuten": der Canzler an 
seinen Sohn den 27. Februar. 



193 

müsse. Er konnte sich jedoch der Aeusserung nicht ent- 
halten, dass „wenn die Sache etwas beharrlicher und förmlicher 
geführt worden wäre, freilich mehr hätte erreicht werden 
können", und er fugte hinzu: „Wenn ich Commissarius ge- 
wesen wäre, so glaube ich kaum, dass D'Avaux mich weder 
abgeschreckt noch persuadirt haben wurde." Auch die grösste 
militärische Autorität , der Generalgouverneur Pommerns 
Lennart Torstensson, äusserte seine Unzufriedenheit über den 
Ausgang der Unterhandlung. Was dem Canzler am bedenk- 
lichsten an der getroffenen Uebereinkunft erschien, war, dass 
die Schenkungen in Hinterpommern, welche grösstentheils in 
Händen von OfBcieren waren, nicht anerkannt worden waren, 
welcher Umstand nothwendig Unzufriedenheit in der Armee 
erregen musste. Deshalb erhielten die Legaten Weisung, un- 
geachtet der Uebereinkunft diese Frage offen zu halten*). 

Als die schwedische Entschädigungsfrage zur endgültigen 
Entscheidung kam, war mehr als ein Jahr verflossen, seitdem 
die Schweden zum ersten Male ihre Ansprüche angegeben 
hatten, und fünf Monate, seitdem die französische Entschä- 
digung abgemacht war; während dieser fünf Monate . hatten 
hauptsächlich Schwedens Interessen den Friedenscongress be- 
schäftigt (die spanisch - holländische Unterhandlung, welche 
gleichzeitig ihren präliminaren Abschluss erlangt hatte, natür- 
lich ausgenommen). Wem zunächst die Schuld dieser langen 
Verzögerung beizumessen ist, dürfte nach dem Vorhergehenden 
nicht zweifelhaft sein; hätte der Kurfürst von Brandenburg 
sich bei Zeiten in das Unvermeidliche gefügt, so wäre zwei- 
felsohne die Sache bereits im October im Klaren gewesen. 



*) Die Regierung an die schwedischen Legaten den 9., 16. und 30. Januar. 
13. und 27. Februar 1647. Salvius an Gyldenklou den 8. März: U. W. F. Der 
Canzler an seinen Sohn den 16., 23. Januar, 13., 27. Februar, 27. Mftrz ]6i7: 
GjArwells Samml. Chanut, Mämoires I, S. 95. 97. 99. 108. 109. Im Brief an 
I>*Ayaux vom 9. März erzählt Chanut, dass der Ganzler Über die Fahrlässigkeit 
der Legaten sehr erbittert gewesen sei: Wahrenb. Samml. 

Odhner, Politik Schwedens. 13 



1941: 

nachdem die entgegenkommende Instruction vom 19. September 
den ^hwedischen Legaten in die Hände gekommen war, oder 
doch wenigstens im November, nachdem diese ihren Vorschlag 
vom 8. November abgegeben, worin sie ihre Ansprüche auf 
beinahe dasselbe, was ihnen endlich bewilligt wurde, ermässig- 
ten. Die Halsstarrigkeit des Kurfürsten und seine trügerischen 
Hoffnungen auf kräftige Unterstützung seitens der Holländer 
waren es, welche den Gang der Friedensverhandlungen drei 
Monate lang aufhielten. Was dagegen den Schweden mit 
einigem Gnind in dieser Beziehung zur Last gelegt werden 
kanöy ist ihr Mangel an Festigkeit und Coneequenz sowohl in 
der Unterhandlung der Legaten als in den Instructionen der 
Eegierung. Letzteres hat man in der Weise erklärt, dass 
bald die Königin, bald der Eeichscanzler die Beschlögse des 
Keichsrath« und die darauf gegründeten Instractionen für die 
Legaten dietirt haben ; und mehirere Schriftsteller behaupten, dass 
es die Königin war , welche ohne Nothwendigkeit und der 
Meinung des Beicbseanzlers zuwider die Abtretung von Hinter- 
pom&iesu durchsetzte. Wie viel hiervon mit dem thatsäch- 
liehen YerbältnisB fibereinstimmty ergiebt sich aus der vorher- 
gehenden Darstellung. Wahr ist es, dass der Canzler fort- 
wähorend bei der unabänderlichen Meinung beharrte, dass die 
Legaten Ms aufs äusseiBte auf ganz Pommern bestehen sollten, 
isnd dass anderseits die Königin tbeils durch die BearbeitungeH 
der Franzosen, theils aber auch aus wirklicher Liebe zum 
Friede» *)>, zum Nachgeben geneigter war oder, richtiger 
vieUeicht, zwischen den« beiden Meinungen sehwankte ^). 
Möglich ist es auch^ dass die beiden Pia^teien schroffer 
als aus jetzt zugänglichen Acten hervorgeht, sich gegen- 



*) .J«ft nttiehte, dA89 ieh hier za VLaxts» so vi«l zu seharjim erhftltctti' werde, 
dftts icH W0hl Gott d^anlten mag, iren» ich eine« einigermaseern guten ifrieden 
erlange'*: Sic Königni! ao Salviu» den 19. Fe^Fuar 1647. 

"*) Chanut beklagte sich: „Que Tes^rit de la rei&e est asfie2 racillairt et 
ce (|i»»l« roiit iti» ,ii!»wr , eile 1« condettBe lendeniara": Brieime an Lengaefillo 
den 6. April 1647. 



195 

übergestanden haben, was man aus einer und der anderen 
Aeusserung in den Briefen des Ganzlers an seinen Sohn 
sehliessen könnte, als z. B. wenn er sagt, dass er hier zu 
Hause gegen viel grössere Schwierigkeiten, als der Sohn da 
draussen zu kämpfen habe, dass Salvius in seinen Intriguen 
Unterstützung vom Hause erhalte, dass er „wohl jetzt etwas 
von der Person leiden müsse, der er früher alles Gute gethan 
und um die er es keineswegs verdient habe '*, u. m. Umstände, 
„worüber er ausführlicher schreiben würde, wenn er der Feder 
traute ". Aber gewiss ist, dass man in den Acten keine besondere 
Meinungsverschiedenheit oder Parteistreit in dieser Sache ent- 
decken kann, und dass man übrigens durchaus nicht nöthig 
hat, zu solchen Gründen zu greifen, um den Lauf und Aus- 
gang der Unterhandlung zu erklären. Die Gründe, welche 
man theils aus den militärischen, theils aus den politischen 
und diplomatischen Verhältnissen schöpfen kann, sind voll- 
ständig genügend. Als Torstensson seinen ehrenvollen Befehl 
niedergelegt hatte, ohne völlig ersetzt werden zu können, und 
bevor noch der Feldzug des nächsten Jahres im März 1646, 
eröffnet war, beschloss die schwedische Regierung, Hinter- 
pommern fallen zu lassen, vielleicht in der Hoffnung, dadurch 
den Frieden abschliessen zu können und den diesjährigen Feld- 
zug überflüssig zu machen. Nachdem aber die Rüstungen für 
dies Jahr vollendet waren und der Feldzug bereits eröffnet 
war, steigerte man im Mai 1646 von neuem die Ansprüche. 
Als dann der im Sommer geführte Feldzug den daran ge- 
knüpften Erwartungen nicht entsprach, so ging man durch 
die Instruction vom September dieses Jahres auf den im März 
eingenommenen Standpunkt zurück. Endlich und vermöge der 
kriegerischen Erfolge vom Herbste 1646 beschloss man auf 
den Vorschlag des Canzlers die Forderungen etwas zu erhöhen, 
so dass man unwillkürlich auch Stettin nebst Umgegend ver- 
langte, und als der Kurfürst seine Zustimmung hierzu ver- 
weigerte, befahl man den Legaten, ganz Pommern unter der 

13* 



196 

Garantie von Kaiser und Keich zu behalten. Dass dieser 
letzte Befehl den Legaten zu spät in die Hände kam, beruhte, 
wie wir gesehen haben, auf der Schnelligkeit, womit D'Avaux 
die Unterhandlung betrieben hatte. Der Franzose würde jedoch 
kaum so leicht seinen Zweck erreicht haben, wenn er nicht 
in der persönlichen Auffassung der schwedischen Legaten von 
der politischen Lage einen mächtigen Verbündeten gehabt 
hätte. Denn Johann Oxenstierna und Salvius, im übrigen 
so uneinig, stimmten doch darin überein, dass man Hinter- 
pommern zum grössten Tlieil abtreten müsse, wenn man da- 
durch die Zustimmung des Kurfürsten erlangen könne; der 
Unterschied bestand nur darin, dass Salvius die Unterhand- 
lung unverzüglich zum Abschluss bringen wollte, während Jo- 
hann Oxenstierna das, von dem er wusste, dass es der be- 
stimmte Wunsch seines Vaters war, so lange als möglich 
verfechten zu müssen glaubte. 



Ein Umstand, welcher mächtig dazu beitnig, die letzten 
Zugeständnisse der Kaiserlichen in der schwedischen Entschä- 
digungssache zu beschleunigen, und eine Zeit lang grossen 
Einfluss auf den Gang der Priedensunterhandlung ausübte, war 
die Haltung Bayerns*). Der alte Kurfürst wurde über die 
Langsamkeit der Friedensverhandlungen immer ungeduldiger, 
mit der Kriegführung der Kaiserlichen immer unzufriedener, 
von den Verheissungen und Vorspiegelungen der Franzosen 
immer eingenommener. Hierzu kam noch seine Besorgniss, 
dass die in Schwaben überwinternden Feinde im Frühjahr über 
seine ohnehin in dem vorjährigen Feldzuge übel zugerichteten 
Länder herfallen sollten, um sie gänzlich zu verwüsten. Er 
sagte den Kaiserlichen geradezu, dass, wenn sie nicht bald den 



*) Es geht dies aus dem Briefe Trautmannsdorfs an den Kaiser vom 
li. Februar 1647 unzweideutig herror : W. A. 



m 

Frieden zu Wege brachten, so wurde er sich auf eigene 
Hand mit Frankreich und Schweden verständigen, und er 
nahm nicht Anstand, aus seiner Drohung Ernst zu machen. 
Im Januar 1647 war es durch die eifrige Verwendung Bayerns 
endlich zn einer Unterhandlung über den in Vorschlag ge- 
brachten Wafifenstillstand zwischen den kriegführenden Mäch- 
ten in Deutschland gekommen. Bewogen durch die Vor- 
stellungen Frankreichs hatten die Schweden endlich in eine 
solche Unterhandlung eingewilligt; diese wurde den 23. Ja- 
nuar in Ulm eröffnet. Aber die Kaiserlichen waren einem 
Wafifenstillstand sehr abgeneigt, sie wollten nicht einmal einen 
Antrag in der Sache stellen, weshalb die Bayern es auch in 
ihrem Namen thaten. Da aber die feindlicherseits beantrag- 
ten Bedingungen durchaus unannehmbar waren, so brachen die 
schwedischen Bevollmächtigten *) die Unterhandlung ab. Dann 
gaben die Bayern zu verstehen, dass sie zur Separatverhand- 
lung mit den Kronen ermächtigt seien; eine solche wurde 
auch am 6. Februar eingeleitet, und da die kaiserlichen Ge- 
sandten jetzt an der Verhandlung auch Theil nehmen wollten, 
so erklärten die Schweden, dass sie nicht bevollmächtigt seien, 
mit ihnen weiter zu unterhandeln. Die Kaiserlichen machten 
grosse Anstrengungen, dem drohenden Abfall vorzubeugen; 
man entsendete den Beichshofrath Gebhard zuerst an den Kur- 
fürsten, um ihn mit kräftigen Vorstellungen zu bestürmen, 
dann nach Ulm, um wo möglich die dortige Tjnterhandlung 
zu vereiteln oder doch wenigstens den Kaiser in den Vertrag 
einzuschliessen. Allein alles war vergeblich. Der Kurfürst, 
voll Unruhe über das Schicksal seiner Länder und noch dazu 
auf die Kaiserlichen ergrimmt, weil sie die schwedische Ent- 
schädigungsfrage, ohne zugleich seine Sache zur Entscheidung 
zu bringen, abgemacht hatten, befahl seinen Gesandten in Ulm, 



•) Diese waren der General "Mortaigne, der Generalmajor Douglas und der 
schwedische Resident in Benfeld Georg Snoilsky. 



198 

den Forderungen der Verbündeten nachzugeben, und beschleu- 
nigte die Unterhaadlung so, dass sie vor der Eröffnung des 
neuen Peldzu^es, am 4/14. März, abgeschlossen werden konnte. 
Alle Bemühungen Gebhards erst bei den schwedischen Ge- 
sandten und dann beim Feldmarschall Wrangel selbst , die 
Schweden zur Separatverhandlung mit den Kaiserlichen zu 
verlocken, missglückten; sie schoben mangelnde Vollmacht 
vor und verwiesen die Sache nach Osnabrück. Der Kaiser 
war von seinem ältesten und getreuesten Bundesgenossen ver- 
lassen, und dieser zog mehrere nach sich; sein Bruder, der 
Kurfürst von Köln, war in dem Vertrag eingeschlossen, und 
bald wurden auch der Kurfürst von Mainz und der Landgraf 
von Hessen-Darmstadt von den Franzosen genöthigt, diesem 
Beispiel zu folgen. Ganz Schwaben und Franken waren in 
den Händen der Verbündeten, und die Erbländer des Kaisers 
schwebten in dringender Gefahr*). 

Auf die alte Freundschaft zwischen dem Kaiser und dem 
Kurfürsten von Bayern war eine an Feindschaft grenzende Kälte 
wie mit einem Schlage gefolgt. Der Kaiser suchte durch ge- 
heime Aufwiegelungen die bayerische Armee zum Abfall vom 
Kurfürsten zu verleiten, und befahl Trautmannsdorf, die pfälzische 
Angelegenheit bis zuletzt aufzuschieben**). Der Kurfürst da- 
gegen knüpfte eine Unterhandlung über Allianz; mit Frankreich 
an und gerieth deshalb bei den Kaiserlichen in Verdacht, dass 
er sich unter Prankreichs Schutz stellen wollte iind den ganzen 
westlichen Theil Deutschlands nach sich ziehen; es ist der 
Rheinbund, der bereits im Hintergrunde zum Vorschein 
kommt***). Um einer solchen Eventualität zu begegnen, 



•) lieber den Vortrag von Ulm vgl. die ausführliche Darstellung bei 
Pufendorf XIX; Bougeant VIII; M. Koch II; Meiern a. a. 0. V, S. 2ff. 

**) Eigenhändigor Brief des Kaisers an Traut mannsdorf den 9. März 1647: 
W. A. 

*•*) Vgl. Briennos Brief an den französischen Legaten den 18. Mai 1616, 
worin der Antrag des Bischofs von Würzburg, sich mit Frankreich zu 



199 

hatte Trautmannsdorf sieh die Möglichkeit eines vollständigeD 
Ufflschls^es in der kaiserlichen Politik gedacht: man sollte 
dmch Zugeständnisse sich schleunigst mit Schweden und den 
Protestanten aussöhnen, ja im Nothfall sich sogar mit ihnen 
gegen Frankreich und Bayern verbinden, um dadurch die 
Auflösung des deutschen Reiches zu verhindern. In dieser Ab- 
sicht liess Trautmannsdorf seinen Cioliegen Volmar sich sowohl 
mit den schwedischen als mit den brandenburgischen Gesandten 
ins Einvernehmen setzen und fand bei beiden viel Entgegen- 
kommen ; Johann Oxenstierna versicherte Volmar, dass, wenn nur 
der Kaiser Schwedens billige Ansprüche befriedigen wollte, 
so würde er in diesem Lande kräftige Unterstützung gegen 
Frankreichs und Bayerns gefahrliche Pläne finden; Schweden 
hätte gute Gründe , mit Frankreich unzufrieden zu sein , und 
würde als künftiger deutscher Beichsstand nicht zulassen, dass 
das deutsche Beich zerstückelt würde u. s. w. Trautmanns^ 
dorf schien diesen Plan ernstlich erfasst zu haben ; der Kaiser 
befahl ihm aber, denselben vorläufig fallen zu lassen, damit 
nicht Bayern eine Veranlassung zum oSfenen Bruch mit dem 
Kaiser bekäme*). 

Der Kurfürst von Bayern hatte mit seinem Separatvertrag 
theils die Sicherung seines Landes gegen die Verheerungen der 
Feinde, bezweckt theils auch die Beschleunigung der Frie- 
densunterhandlungen , indem der Kaiser, seinen zahlreichen 
Feinden gegenüber isolirt, genöthigt werden sollte, ohne 
Rücksicht auf die Interessen Spaniens den Frieden unverzüg- 
lich abzuschliessen**). In der That hatte der Ulmer Vertrag 



vereinigeD, wenn Bayern den Anfang machte, erwähnt wird: Negoc. secr. 
lU, S. 181. 

*) Trantmannsdorf an den Kaiser den 4. M&rz. Gesanimtrelation vom selben 
Tag: W. A. Relation der brandenburgischen Legaten von demselben Tag: Urk. 
Qnd Aet. IV, S. 541 ff. Vgl. Koch a. a. O.II, S. 287. In dem Bericht der schwe- 
dischen Legaten vom 22. Februar wird nichts Ton dem genannten Antrag 
Oxenstiernas, wohl aber Ton den Plänen Bayerns erwähnt. 

*) Schon im Dezember 1646 hatte der Erzherzog Leopold im Brief an 



**\ 



200 

auch zur Folge, dass die Kaiserlichen nachgiebiger wurden 
denn je. Allein eine weitere Folge desselben Vertrs^es, deren 
der Kurfürst sich nicht versehen hatte, war die, dass er die 
Zuversicht Schwedens und der Protestanten vermehrte und 
ihre Forderungen bei den Verhandlungen über die inneren 
deutschen Streitfragen steigerte. Diese Verhandlungen wurden 
nämlich nach der Entscheidung der schwedischen Entschä- 
digungssache die vornehmste Aufgabe des Congresses. 

Was zuerst die allgemeinen Gravamina anbetrifft, so war 
die Aussicht zur Verständigung, welche sich im Sommer 1646 
gezeigt hatte, bald wieder verschwunden. Die Katholiken fan- 
den nämlich die Vorschläge der Protestanten vom 14. August 
so übertrieben und unannehmbar, dass Trautmannsdorf sie 
nicht einmal bewegen konnte, darauf zu antworten. Die Ver- 
handlung stockte gänzlich, und Trautmannsdorf, unfähig etwas 
weiteres auszurichten, drohte abzureisen. Dies wirkte; die Stände 
baten den Grafen dringend zu bleiben, und die Protestanten 
beschlossen auf Trautmanosdorfs Aufforderung behufs erneuerter 
Berathung mit den Katholiken in Münster zu erscheinen. 
Diese Conferenzen, welche Oxenstierna missbilligte, weil sie 
nicht in Osnabrück gehalten wurden, Salvius aber begünstigte, 
fanden am 10. bis 12. November 1646 statt, worauf einige 
besondere üeberlegungen, an welchen Salvius dem Verlangen der 
Protestanten gemäss theilnahm, bei Trautmannsdorf abgehalten 
wurden*). Das Resultat ward, dass man sich über das Jahr 
1624 als Normaljahr verständigte, obgleich mit gegenseitigen 
Vorbehalten und Einschränkungen, zunächst solchen, die sich 
auf die grössere oder geringere Ausdehnung der Amnestie be- 



Trautmannstlorf ihm abgerathen, weitere Hoffnungen in die Waffen zu setzen: 

es fehlte an Mannschaften und an Geld, „ und sehe ich nicht, wie bei dergleichen 
üblen Bestellungen die Kriegsoperationos diesseits weiter fortzusetzen". Dessen 

ungeachtet hatte Penarande Trautmannsdorf zur Auflösung des Congresses zn 

bewegen gesucht: Bericht Trautmannsdorfs an den Kaiser den 28. Dezember 
1646, nebst Beilagen. 
•) Vgl. S. 168. 



201 

zogen*). In Folge dieser Berathungen gaben die katho- 
lischen Stande den 20/30. November ihre endliche Erklärung 
ab, worin sie 1624 als Normaljahr, sowie den Besitz der 
geistlichen Güter, bis ein christlicher Religionsvergleich zu 
Stande käme, d, h. in der That auf immer anboten, von 
einer Religionsfreiheit der Protestanten aber, wo eine solche 
im Jahre 1624 nicht stattgefunden hatte, nichts wissen 
wollten, sondern mit der genannten Einschränkung das Jus 
reformandi für alle katholischen Stände in Anspruch nahmen ; 
die Forderung eines dritten Reichsgerichtshofes könnte nicht 
genehmigt werden, aber die Protestanten sollten auch Sitz 
im Reichshofrath erhalten. Die Anerbietungen schienen den 
eifrigen Katholiken viel zu umfassend; der fanatische Bischof 
von Osnabrück forderte Trautmannsdorf auf, einstens Rede 
und Antwort im Thale Josaphats zu stehen. 

Trautmannsdorf liess sich jedoch nicht abschrecken , son- 
dern setzte nach seiner Rückkehr nach Osnabrück die Ver- 
handlung im Namen der Katholiken fort; in der Hoflfnung, 
dass die Schweden, nachdem sie ihre Entschädigung erhalten, 
nicht länger mit besonderem Eifer sich der Sache der evan- 
gelischen Stände annehmen würden. Zwar ergab es sich, dass 
er sich in dieser Beziehung geirrt hatte, indem die Schweden 
mit demselben Eifer wie vorher die protestantischen Interessen 
vertraten und durchaus der protestantischen Schlusserklärung 
vom 25. Februar, woriu die meisten der alten Forderungen 
wiederholt wurden, zustimmten. Als diese Erklärung von 
Salvius verlesen wurde (den 27. Februar), ward Trautmanns- 
dorf so entrüstet, dass man ihn nur mit Mühe zum Dableiben 
bewegen konnte, und als Salvius auf die Erklärung desselben, 
dass der Kaiser lieber seine Krone, ja die eigenen Söhne auf- 



*) So z. B. soUte die Amnestie för die Pfalz, Baden und Wflrtemberg u. m., 
falls sie durchgesetzt würde, 1618 zum Normaljahr für diese Häuser machen; 
nnd falls die Ostreich ischen Flüchtlinge von der Amnestie ausgeschlossen würden, 
so sollte das Normaljahr in Bezug auf sie nicht gelten. 



202 

opfern Tvürde, als etwas derartiges bewilligen, erwiderte, dass 
auch solches ihm leicht begegnen könne, so wurde er so tief 
ergriffen, dass er in Thränen ausbrach*). Trotzdem aber liess 
er den Muth nicht fallen. Im Frühjahr 1647 hatten also die 
Beiathungen über die Gravamina zwischen den Kaiserlichen im 
Namen der Katholiken und den Schweden im Namen der 
Protestanten ihren Portgang, wobei Volmar und Salvius ge- 
wöhnlich zugegen waren; und mehrere Schriften wurden 
zwischen den Kaiserlichen und den Protestanten gewechselt, 
während die katholischen Stände in Münster sich augenblick- 
lich ganz passiv verhielten. Solche Schriften waren, ausser 
der Schlusserklärung der Protestanten vom 25. Februar, das 
Ultimatum der Kaiserlichen vom 5. März , die Antwort 
der Protestanten darauf vom 8. März, der neue Yorschlag 
der Kaiserlichen vom 4. April und die allerletzte Erklärung 
der Protestanten vom folgenden Tage **). Endlich gaben 
die Kaiserlichen am 7. April einen vollständigen Vorschlag 
zum Friedensinstrument ab. In Folge aller dieser Berath- 
schlagungen und Schriftwechsel wurde die Sache, wenn auch 
nur langsam, gefördert. Die Punkte, welche die grössten 
Schwierigkeiten darboten, waren: Punctus justitiae, oder die 
Frage der Betheiligung beider Confessionen an den Eeicbs- 
gerichtshöfen u. m. Punctus autonomiae, womit man der 
Kürze halber die Frage der Keligionsfreiheit derjenigen 
Unterthanen bezeichnete, deren Obrigkeit einer anderen Con- 
fession angehörte, sowie die Frage der beiden Stifter Minden 
und Osnabrück, deren Schicksal durch das genehmigte Normal- 
jahr noch nicht entschieden worden war. 

Was speciell die wichtige Autonomiefrage betrifft, so 



*) Contarini, der dies im Brief an Nani den 26. März erz&hlt, fQgt binzn: 
„parendogli una forma troppo baibara". Vgl. Meiern a. a. 0. IV, S. 112—11''^ 
und den eigenen Bericht Trautmannsdorfs in der Gesammtrelat. an den Kaiser 
den 11. März 1617: W. A, 

•) Siehe Meiern a. a. 0. IV, Buch 85. 



»•'« 



203 

kann Schweden und den Protestanten die Ehre nicht abge* 
sprechen werden, mit religiöser Verträglichkeit vorgegangen zu 
sein. Sie hatten zuerst gefordert, dass die Bekenner beider 
Religionen auf jeden Fall, auch wo sie das Recht der öffent- 
lichen Keligionsübung nicht hatten, wenigstens privaten 
Gottesdienst halten und nicht zur Bekehrung oder Auswan- 
derung gezwungen werden sollten. Dann beschränkte man 
sich in der Erklärung vom 25. Februar auf die Forderung, 
dass diejenigen, welche binnen einem halben Jahr nach dem 
Friedensschluss sich als Protestanten oder Katholiken erklärten, 
einer solchon privaten Religionaübuug theilhaftig werden 
sollten. Aber auch das war den Eatlioliken zu viel; sie 
scheinen kein rechtes Vertrauen in die Kraft und Fähigkeit 
der Kirche, ihre Bekenner an sich festzuhalten, gesetzt zu 
haben und fürchteten wohl auch, dass eine Schaar missver- 
gnügter und feindlich gesinnter ünterthanen hierdurch in ihren 
Staaten erzeugt werden solle. Der Gerechtigkeit gemäss 
müssen wir auch hinzufügen, dass es für die protestantischen 
Stände viel leichter war, Religionsfreiheit zu fordern als für 
die katholischen, weil die heterodoxen ünterthanen in den 
protestantischen Ländern nur wenige, in den katholischen aber 
zahlreich waren. Namentlich für den Kaiser war es eine 
äusserst bedenkliche Sache, Autonomie in seinen Erblanden 
zu bewilligen, welche dadurch von Protestanten, die früher 
Rebellen gewesen waren, erfüllt werden würden*). In diesem 
Punkt war der Kaiser für seinen Theil entschlossen, nur un- 
bedeutende Zugeständnisse zu machen, und alle Bemühungen 
der Schweden waren in dieser Hinsicht fruchtlos. Salvius 
war ein grosser Freund der ausgedehnten Religionsfreiheit und 



*) Man führte eine Aeusserang des Salvius au: „es nitlsste selbige (die 
Antonomie) in den Erblanden gleich als eine kleine Maus erhalten werden, 
weiche allgemählich die Wurzel zernagte, bis der Baum fibern Haufen fiele." 
W. A. 



204 

missbilligte auf das schärfste die Anwendung des Territorial- 
grundsatzes auf die Religion in einem Lande mit so ge- 
mischten religiösen Verhältnissen als Deutschland: das teni- 
torielle Reformationsrecht sei eine gottlose Tyrannei und 
christlicher Gewissensfreiheit zuwider u. s. w.*) 

Von den beiden Stiftern Minden und Osnabrück verureachte 
ersteres verhältnissmässig weniger Schwierigkeiten. Bran- 
denburg hatte schon früher halb und halb das Versprechen 
der Kaiserlichen, Minden zu erhalten, bekommen und verstand 
es, seine Ansprüche allen andern gegenüber geltend zu 
machen; es scheint, als habe der Kurfürst durch ein Ge- 
schenk von 10000 Reichsthalern die Gewogenheit des Salvius 
in dieser Sache sich zu verschaffen gewusst. Auch Oxen- 
stierna ward auf Salvius' Rath ein ähnliches Anerbieten ge- 
macht, aber unseres Wissens giebt es keine Beweise dafür, 
dass er es wirklich angenommen habe**). Was die Schweden 
geneigt machte, dem Kurfürsten auch Minden zu überlassen, 
war die Hoffnung, dass er dann zu einer für Schweden vor- 
theilhaften Regulirung der Grenzen in Pommern leichter zu 
bewegen sein würde. Schwieriger ward es, zu einem Resultat 
in Bezug auf das Stift Osnabrück zu kommen. Dies Stift 
hätte eigentlich der festgesetzten Normalzeit gemäss an die 
Katholiken fallen sollen, die Bewohner desselben waren aber 



•) Bei einer Zusammenkunft mit den Kaiserlichen am 5/15. März sagt^ er: 
,, Man thue die Evangelischen ärger als Juden, Türken und Heiden tractiren; diesen 
gebe man Unterschleif, jene jage man zum Land hinaas; das Jus reformandi 
ratione torritorii sei eine gottlose Tyrannei und christlicher Gewissensfreiheit 
zuwider". Am 21/31. August sagte er zu Volmar; „Es sei lex impia, daSs die 
reformatio von dem jure superioritatis dependiren solle, müsse wieder aufge- 
hoben und cassirt werden." Berichte der Kaiserlichen: W. A. Meiern IV, 
S. 62—65. Vgl. Salvii Aufsatz über den punctum Gravaminum vom November 
1646: Meiern Ilf, S. 425flf. 

•*) Ueber das Geschenk an Salvius siehe die Berichte der brandenburgischen 
Gesandten vom 1. Februar und 5. Juli 1647: ürk. und Act. IV, S. 537 und 558. 
Was Pufcndorf, Brandenburg III, 13, erzählt, dass Oxenstierna angebotene 
25000 Reichsthaler angenommen habe, wird nicht durch die in Urk. und Act. IV 
gedruckten Actonstücko bestätigt. 



205_ 

grösstentheils Protestanten, und die Schweden erhoben be- 
sondere Ansprüche darauf zu Gunsten Gustav Gustavssons, 
welcher durch die Belehnung Oxenstiernas dasselbe seit 1634 
inne gehabt hatte und jetzt im Vertrauen auf die Gunst, deren 
er sich bei der Königin erfreute, es auf immer behalten zu 
dürfen hoffte. Er bekam jedoch gewichtige Nebenbuhler in 
Franz Wilhelm, dem früheren Bischof des Stiftes, von dem man 
behauptete, dass er fünfundachtzig Besuche bei den französi- 
schen Legaten abgestattet habe, um seine Interessen zu 
wahren, so wie in dem braunschweig- lüneburgischen Hause, 
welches gegründete Ansprüche auf die Stifter Magdeburg und 
Halberstadt gehabt hatte und jetzt nach der Abtretung der- 
selben an Brandenburg auf irgend eine andere Art ent- 
schädigt werden musste ; es war nämlich eines der mächtigsten 
Fürstenhäuser Deutschlands und gehörte am Gongresse zu den 
getreuesten Anhängern Schwedens. 

^Ausser den allgemeinen Gravamina wurden im Frühjahr 
1647 auch die pfälzische Angelegenheit und die hessen- 
casselsche Entschädigung, ferner die baden -durlachsche und 
würtembergsche Restitution u. m. fortwährend berathen. Die 
Schweden wollten jetzt die Einrichtung einer achten Kurwürde 
für das Haus Bayern gestatten, forderten aber die Wieder- 
herstellung der ganzen ünterpfalz und des grössten Theiles 
der Oberpfalz. Die Kaiserlichen hatten allerdings nunmehr 
wenig Theilnahme für den Kurfürsten von Bayern, aber sie 
mussten doch auf jeden Fall sein Recht auf die Oberpfalz 
vertreten, weil er sonst seine Ansprüche auf Oberöstreich 
(ob der Enns), das an den Kurfürsten für 13 Millionen Gulden 
verpfändet war, geltend machen könnte, um so eifriger wirkte 
D'Avaux für Bayerns Sache und bot alles auf, um den ein- 
gewurzelten Widerwillen der Schweden zu überwinden. Diese 
waren zwar entschlossen, in der pfalzischen Sache nachzu- 



*) Die Begierung an die Legaten den 6. März 164^7: Rreg. 



206 

geben, wollten aber einstweilen den Kurfürsten zwischen 
Hoffnnng und Furcht erhalten, damit er ein um so grösseres 
Interesse hätte, den übrigen Gravamina abzuhelfen. 

Die Antwort, welche die Kaiserlichen in ihrem Friedens- 
entwurf auf die letzte Erklärtmg der Protestanten abgegeben 
hatten, war so sehr entgegenkommend, dass die Mehrzahl 
der evangelischen Stände, der langen Verzögerung müde, ge- 
neigt schien , sich damit zu begnügen *). Trautmannsdorf 
beeilte sich, diesen Umstand zu benutzen, indem er den 
12. April die Stände zu sich berief und sie durch Ver- 
heissungen und Drohungen zu fernerer Nachgiebigkeit zu be- 
wegen suchte. Anderseits forderte eine Minderzahl, zunächst 
Magdeburg, Braunschweig-Lüneburg und Hessen-Cassel, dass 
man die vielleicht nie mehr wiederkehrende günstige Gelegen- 
heit benutzen solle, um mit Hilfe der Schweden den Protestan- 
ten möglichst grosse Vortheile zu verschaffen**). Die schwe- 
dischen Legaten suchten sich in dieser Sache unparteiisch und 
gleichgültig zu verhalten, neigten aber überwiegend zu der 
Meinung der Minderheit; sie schrieben an die Regierung ***), 
„dass man nun am bequemsten und leichtesten etwas Erheb- 
liches, dem evangelischen Wesen zum grössten Vortheile, 
schliessen und machen könne". Diese Meinungsverschiedenheit 
hätte beinahe Zwiespalt und Parteiungen unter den Prote- 
stanten selbst hervorgerufen, was die Kaiserlichen nicht ge- 
zögert haben würden zu ihrem Vortheil auszubeuten, als die 
Schweden durch Abgeben ihres Voi'schlages zum EViedensin- 
strument die Eintracht wiederherstellten. Als Trautmannsdorf 



•) ,,Die Evangelici liegen uns mit Macht an, und wir müssen hie und da 
hören, als hielten wir ohne Ursach« den Tractat auf." Die schwedischen Le- 
gaten an die Regierung den 29. März 1647: V. W. F. 

•*) „Hinc palam has Protestantiüm jactatas voces: aut nunc aut numquam, 
jacta est alea, hahemns opus concatenatum cum Suecis, in Suecorum armis reli- 
gionis nostrae conservationem et incrementum quaerere deheraus": Ad. Adami 
Relatio, p. 423-424. 

*) Die Legaten an die Regierung den 29. März 1647. 



«•«I 



20 7 

sah, dass sein Plan gescheitert sei und dass der schwedische 
Vorschlag in der Hauptsache an den alten Forderungen fest- 
hielt, stieg er sogleich in seinen Wagen und begab sich 
„qua»i desperabundus" nach Münster, nachdem er seine Collegen 
beauftragt hatte, die beiden Friedensinstrumente mit den Schwe- 
den durchzugehen. 

Kurz nach Trautmannsdorf kehrte auch D'Avaux nach Mün- 
ster zurück. Dieser Minister, der jetzt während des Aufenthaltes 
Serviens im Haag allein die französische Gesandtschaft vertrat, 
hatte das Frühjahr 1647 grösstentheils in Osnabrück verbracht, 
um bei den dort stattfindenden Unterhandlungen die Interessen 
der Katholiken zu wahren und zu ihren Gunsten bei den 
Schweden und Protestanten seinen Einfluss anzuwenden. Er 
war unleugbar für einen solchen Auftrag der rechte Mann, 
denn er war ein eifriger, um nicht zu sagen fanatischer Ka- 
tholik, und man sprach sogar von ihm als einem Candidaten 
zQ der Cardinalwürde; auch muss man ihm lassen, dass er in 
dieser wie in der pommerschen Frage keine Mühe sparte*). 
Aber seine Vermittlung wurde jetzt nicht mit demselben Er- 
folg wie damals gekrönt; im Qegentheil wurden katholischer- 
seits bittere Klagen über Frankreichs Benehmen laut: einige 
hatten die Franzosen wegen doppelten Spieles in Verdacht, 
andere meinten, dass sie bei den schwedischen Legaten nur 
wenig vermochten**). Die letztere Meinung kommt der Wahr- 
heit am nächsten. Namentlich zeigte sich Johann Oxenstierna 
unerbittlich ; er erinnerte D'Avaux daran, dass Frankreich sich 
im Bundesvertrj^e verpffichtet habe, Deutschland in dem 
Stande vor 1618 wiederherzustellen, was der Kaiser jetzt, nach 
dem Abfall Bayerns, nicht im Stande sei zu verhindern. 



*) „D'Avaux Wird sich damit schmeicfaeln , dass die Papisten ihn hier pro 
salvatAio CathoHeorum nennen und ihn als solchen über Italien und in Rom 
anerofen." Die Leg&ten an die Regierung den 22. März 1617 : U. W. F. 

**) „'CoD Ir Suezzesi ttön lianno Francesi antorita imaginabile**: Contarini 
an Nani. 



208 _ 

D'Avaux dagegen behauptete, dass Schweden kraft des Bünd- 
nisses verpflichtet sei, die' katholische Keligion zu schützen; 
wenn dem nicht so wäre, so könnte Schweden ebenso gut auf 
das Stift Mainz oder Trier Ansprüche erheben. „Ja, wanim 
nicht?" versetzte Oxenstierna zum Entsetzen des vorsichtigen 
Salvius; „man weiss nicht was geschehen kann; wenn der 
Krieg noch einige Zeit dauert, so kann der Kaiser zur Ab- 
tretung derselben genöthigt werden." D'Avaux erwiderte 
höhnisch, dass in solchem Fall dem König von Frankreich 
wohl nichts übrig bliebe als lutherisch oder Calvinist zu wer- 
den*). Es war jedoch vorerst nur vom Stift Osnabrück die 
Kede, welches D'Avaux sich vorgenommen hatte für die Ka- 
tholiken zu retten. Er that zu diesem Zweck alles, was in 
seiner Macht stand; er forderte eifrig die Katholiken zur 
Standhaftigkeit und die protestantischen Stände zur Nach- 
giebigkeit auf und bearbeitete die letzteren durch allerlei 
Mittel, er drohte den Schweden und versprach den Katho- 
liken, dass Frankreich Schweden sowohl Subsidien als Hilfs- 
truppen entziehen würde, so lange es bei seinen ultraprote- 
stantischen Bestrebungen verharrte; ja er schämte sich nicht, 
den Kurfürsten von Bayern zu geheimen Küstungen gegen 
Schweden aufzuhetzen und ihm sogar die Unterstützung Frank- 
reichs in Aussicht zu stellen**). Er ging dabei weiter, als 
sein Hof rathsam fand; der vorsichtige Mazarin fürchtete 
seine Bundesgenossen vor den Kopf zu stossen und wollte 
deshalb nicht so heftig, als D'Avaux im Interesse der Eeligion 
es forderte, zu Werke gehen ***). Indessen setzte D'Avaux so 
viel durch, dass Turenne Befehl erhielt, sich über den Ehein 
zurückzuziehen und Deutschland zu verlassen; es geschah 



•) Negoc. secr. IV, S. Gl : D'Avaux an Chanut den 15. April. 

•*) Siehe namentlich Trautmannsdorf an den Kaiser den 8. April: W. A. 
Die bayerischen Legaten an den Kurfürst den 24. April: M. A. Die schwedischen 
Legaten an die Regierung den 29. März, 5. und 12. April: U. W. F. 

•**) VgL Bougeant a. a. 0. VIII, 34. 



_209 

Bnter dem Vorwand, dass seine Armee in Luxemburg und den 
Niederlanden gegen die Spanier nöthig sei (Mai 1647). Auch 
die Subsidien begann man unter allerlei Vorwänden innezu- 
behalten, um die Schweden zur Vernunft zu bringen. 

,Wenn D'Avaux also die schwedischen Legaten und na- 
mentlich Oxenstierna schwierig fand*), so wusste er dafür 
genau, dass man anderwärts seinen Vorstellungen und Eath-. 
schlagen ein um so geneigteres Gehör schenkte, nämlich am 
schwedischen Hofe. Nach der Eückkehr Magnus de la Gardies 
ans Paris (Januar 1647) war dessen Einfluss bei der Königin 
noch mehr gestiegen und in demselben Masse die Vorliebe der- 
selben für Frankreich. Neben de la Gardie ward Chanut ihr 
nächster Vertrauter, vor welchem sie keine Geheimnisse hatte, 
und D'Avaux verstand durch Schreiben, voll der feinsten 
Schmeicheleien und der ausgesuchtesten Artigkeiten, ihre Huld 
zu gewinnen. Durch Chanut liess D'Avaux der Königin die 
Beschwerden Frankreichs über das Betragen der schwedischen 
Legaten und die Hindernisse, welche diese dem Frieden ent- 
gegenstellten, vortragen**). Man glaubte, dass diese Hinder- 
nisse vom Eeichscanzler und dessen Privatinstructionen für 
seinen Sohn verursacht würden; gegen die Oxenstiernas kehrte 
sich deshalb der Unwille der Königin, zumal sie gleich- 
zeitig auch andere Veranlassungen hatte , mit ihnen unzu- 
frieden zu sein ; so war sie z. B. über die Schärfe, wo- 
mit der Eeichscanzler gegen die syncretistischen Ansichten 
ihres Lehrers Johannes Mathiae auftrat, höchst unmuthig, wie 
sie auch die ernsten Vorstellungen, welche ihr Per Brahe 
wegen ihrer Verschwendung und Schwäche für die Franzosen 
machte, auf des Canzlers Eechnung schrieb***). Alles dies 



•) D'Avani meinte jedoch, dass in den religiösen Fragen kein anderer 
Untenchieü zwischen den schwedischen Legaten bestände, als dass der eine offen 
ansspfäche, was der andre dächte. 

'*•) Siehe 5ie Schreiben D'Avaux' in Negoc. secr. IV, zu Anfang, und Cha- 
nut, Memoires I, S. 126 ff. 131 ff. 136. 

•**) Hierüber berichtet der gnt unterrichtete Chanut im Brief an Mazarin 

Odhner, Politik Schwedens. 14 



bewirkte, dass sie in der auswärtigen Politik Frankreichs In- 
teressen nur zu sehr beförderte und ihre persönlichen Gefühle 
auf dieselbe einwirken Hess. Darf man französischen Berichten 
Glauben schenken, so sollte die Königin sich so weit ver- 
gessen haben, dass sie, um die Handlungsweise der Oien- 
stiemas zu controUiren , ein förmliches Complott mit den 
Franzosen eingegangen wäre*). Endlich machte sie durch 
den eigenhändigen Brief, den sie am 10. April 1647 an die 
Legaten richtete, ihrem Harm Luft. Sie befahl ihnen, die 
Friedensverhandlungen zu beschleunigen und „ sie nicht länger 
zu verzögern, wie es bis jetzt geschehen ist; widrigenfalls, 
so möget ihr zusehen, wie ihr es vor Gott, den Eeichsständen 
und mir verantworten könnet. Von diesem Scopum lasset 
keine Fantasien ambitieuser Menschen euch moviren, so lieb 
es euch ist, meine höchste Ungnade zu vermeiden, und wofern 
es euch nicht gelüstet mir dafür blass und roth Bede zn 
stehen; dann möget ihr vergewissert sein, dass weder Auc- 
torität noch das Appui vornehmer Familien mich daran ver- 
hindern werde, das Missfallen, welches ich an unvernünftigen 
Procedm*en finde, aller Welt zu zeigen; denn ich bin völlig 
überzeugt, dass, wenn der Tractat sich zerschlagen würde, ich 
durch euer Verschulden in ein Labyrinth gebracht vrörde, 
woraus weder euer noch derjenigen (die solche Consilia foviren) 



den 2. März 1647: Wahrenb. Sammlung. In demselben Brief wird erzählt, dass 
eine Partei die Stände am Reichstage des Jahres 1647 habe bewegen wollen, 
Erich Oxenstiema zum Gemahl der Königin Torzuschlagen, dass aber der Canzler 
selbst sich diesem Plan widersetzt habe. 

*) In der Oxenstiernaschen Sammlung finden sich Abschriften einiger fran- 
zösischen diplomatischen Actenstücke, welche auf geheimen Wegen in Johann 
Oxenstiernas Hände gekommen waren. In einem Brief Ton Brienne an Jjon- 
guevjlle und B'ATauz vom 25. Januar 1647 heisst es, dass die Königin Ab- 
schriften Ton den Briefen derselben an Ghanut zu erhalten wünsche, damit sie 
im Reichsrathe den Canzler und seine Anhänger widerlegen könne; SaMus erfahre 
durch die Königin, was zwischen ihr und Chanut verabredet werde, und werde 
keine Schwierigkeiten machen , den Franzosen den Inhalt seiner Instructionen 
mitzutheilen. Vgl. Bougeant a. a. 0. VIII, 57. 



211 

Verstand mir heraushelfen könnte."*) Der Brief war an 
die beiden Legaten adressirt, aber in einem Privatschreiben 
an Salvius versicherte die Königin, dass nm* Oxenstierna ge- 
meint sei; sie wollte zeigen, „dass nicht einmal der Beichs- 
canzler allein verm^e, die Welt mit einem Finger zu lenken"; 
zugleich befahl sie Salvius, D'Avaux den Inhalt des Briefes 
mitzutheilen, damit er sähe, wessen die Schuld sei, und „ ihr 
eine gute Opinion bei den Franzosen zu conserviren ". 

Als diese Schreiben in Osnabrück eintrafen, stand noch 
alles auf ungefähr demselben Punkt. In den streitigen 
Fragen war man einander nicht viel näher gerückt. Oxen- 
stierna hatte zwar den Kaiserlichen zu verstehen gegeben, 
dass, wenn sie in Bezug auf das Stift Osnabrück nachgäben, 
man protestantischerseits nicht so strenge auf der Autonomie 
in den Erbländem bestehen würde**); aber es ist ungewiss, 
ob dieses Anerbieten wirklich ernstlich gemeint gewesen 
sei. Uebrigens kann man allerdings Oxenstierna keine über- 
triebene Nachgiebigkeit zur Last legen; sowohl die Kaiser- 
lichen als die Franzosen ergossen sich in Klagen über seine 
Halsstarrigkeit, und D'Avaux schrieb, dass er sich gebärde^ 
als wenn er auf einem Thron sitze, über die zwölf Geschlechter 
Israels zu richten. Die schwedischen Legaten fingen nun auch 
an, Schwedens eigene Ansprüche zu revidiren und in einzelnen 
Punkten eine oder die andre „Perfection" der früheren Ver- 
abredungen zu verlangen: so wollten sie das Condominium 
des Herzogs von Mecklenburg über Wismar aufheben, sie 
forderten eine bessere Grenze in Hinterpommem , so wie die 



*) Pufendorf, Suec. XX, 165 and nach ihm andere Verfasser theilen 
fälschlich diesen Brief dem Jahre 1648 za. 

**) Gesammtrelation der Kaiserlichen den 15. April. Trautmannsdorf an 
Volmar den 18. Mai 164: W. A. Wäre anch Ozenstiemas Anerbieten ernst- 
lich gemeint gewesen, so dürfte er Tom protestantischen Standpunkte ans 
keinen Tadel deswegen yerdienen, wenn er zuletzt eine Bedingung fallen lassen 
wollte, die dem Kaiser nicht ohne einen Kampf auf Leben und Tod abgezwungen 
"Werden konnte. 



212 

Gültigkeit der dort gelegenen schwedischen Schenkungen *), den 
ersten Plalz auf der weltlichen Fürstenbank vor dem Kur- 
fürsten von Bayern u. s. w. Ausserdem erhielt Salvius von 
der Königin persönlich Befehl, dass er mit Hilfe der Pran*- 
zosen Magnus Gabriel de la Gardie die Stadt Benfold im Elsass, 
welche die Schweden noch inne hatten, zu verschaffen suchen 
sollte **). Um vorzubeugen, dass die Protestanten im Kurfur- 
stencollegium ganz unterlägen, brachten die Legaten die Er- 
richtung einer achten Kurwürde für Schweden als Inhaber 
Pommerns in Vorschlag. In unbewachten Augenblicken gaben 
sie sogar zu verstehen, dass ein evangelischer Kaiser, wenig- 
stens mit einem katholischen abwechselnd, nicht zu den 
Unmöglichkeiten gebore, und dass der zukünftige Gemahl 
d^r Königin bei der nächsten Erledigung als Candidat aufge^ 
stellt werden könne***). Die Schweden fühlten, dass sie Herren 
der Situation seien, und wollten ihre Uebermacht zu ihrem und 
ihrer Batidesgenossen Vortheil ausbeuten. Die politische Lage 
im Frühjahr 1647 wird von Contarini folgendermassen ge- 
schildert: „Alles ist Verwirrung und Bestürzung, dieSchwed^i* 
ßnden keinen Widerstand mehr. Wird der Friede nicht bald 
geschlossen, so läuft der Kaiser Gefahr, seine Erbländer, ja viel- 
leicht seine Krone zu verlieren, und die schwedischen Legaten 
entblöden sich nicht, dies zu sagen. Sie sprechen es offen aus, 
dass sie jetzt eine solche Macht im Beicfae besitzen, dass sie 
nicht oaehr von Frankreichs Unterstützung abhängig sind, son- 
dern Frankreich selbst furchtbar werden können, Mls es sich 
mit den Katholiken gegen sie vereinigen will. Eine solche Ver- 
bindung wird zuletzt nothwendig werden, denn der Kaiser vermag 



•) Hierüber ausführlicher bei Pufendorf, Brandenburg. III, 15. 

••) Die Königin an Salvius den 13. Februar, 10. April, 6. Juli 1647. 

*••) Bericht der bayrischen Legaten den 18. April 1647: M. A. D'Avaux 
behauptet im Brief an Chanut, dass eine geheime Verabredung hierüber zwMoheo 
den schwedische» Legaten und ihren Anhängern getroffen worden sei: N^goc. 
secr. IV, p. 62. Vgl. Contarini an Nani den 26. März 1647: Ven. A. 



2^3 

nicht länger die Katholiken zu schätzen, und wenn nicht Franfc» 
reich ihnen zu Hilfe kommt, so wird die katholische Reli- 
gion im Eeiche untergehen, was wiederum auch für Frank- 
reich, ja sogar für Italien die grössten Gefahren herbeiführen 
kann/* *) Es ging unter den Katholiken allgemein das Qerede, 
dass die Schweden den Krie^ zu einem Religionskrieg machen 
wollten, und dass deshalb alle Katholiken ihre Kräfte ver- 
einigen müssten. Der Kurfürst von JBayern ward einem starken 
Druck sowohl seitens der katholischen Stände als des Kaisers 
ausgesetzt. Letzterer Hess zu demselben Zweck den Grafen Khe- 
venhüller in geheimer Sendung nach München abgehen. 

Es ist schwer zu entscheiden, inwiefern die Behauptung 
wirklich gegründet sei, dass die schwedischen Legaten, und 
namentlich Johann Oxenstierna, den Bogen zu hoch ge- 
spannt haben. Möglich ist es immerhin, dass Johami 
Oxenstierna , von Natur stolz, und eigensinnig , die pom- 
mersche Unterhandlung, worin er sich von D'Avaux hatte 
überflügeln lassen, noch im frischen Andenken habend, seine 
Beharrlichkeit etwas zu weit getrieben; es deutet darauf der 
Umstand hin, dass viele der Protestanten selbst dieser 
Meinung waren. Man darf aber nicht vergessen, dass die 
ofiSciellen Instructionen ihm zur Pflicht machten, die prote- 
stantischen Interessen so lange als möglich zu vertreten, wenn 
auch hinzugefügt wurde, dass er den Ständen selbst die 
Entscheidung überlassen sollte. Auf jeden Fall ward seine 
Haltung durch seine eigene Ueberzeugung und keineswegs 
wie die Königin und Andere argwohnten, durch Privatin- 
struetionen des Canzlers, bestimmt ; solche Instructionen kamen 
allerdings, wie wir gesehen haben, während der Verhandlung 
über die schwedische Entschädigungsfrage bisweilen vor, aber 
ober die inneren deutschen Streitfragen äusserte sich der Canzler 



*) Contarini an den Dogen den 19. und 26. April, an Nani den 29. M&r2, 
21' Mai 1647 n. m. „Tutto b confnsione, tutto consteruazlone, Suezzesi non 
trovano piü resistenza." Ven. A. 



214 

in seinen Privatbriefen nur ganz allgemein und mahnte jetzt 
eifriger als je zur Beschleunigung des Friedens *). Dass so- 
wohl er als sein Sohn durch die Vorwürfe der Königin in 
ihrem Briefe vom 10. April tief gekränkt werden mussten, war 
natürlich, so wie auch, dass sie dieselben nicht stillschweigend 
hinnehmen konnten**). Der Canzler forderte mündlich der 
Königin eine Erklärung ab, und von Johann Oxenstiema wurde 
ein Schreiben eingereicht, worin er erklärte, dass er ein reines 
Gewissen habe, an die eigenen Instructionen der Königin er- 
innernd, welche er befolgt zu haben glaubte, und sich zum 
Aufgeben seines Amtes erbot***). Die Königin musste sich 
zu Entschuldigungen und gnädigen Worten bequemen, um den 
Scandal zu vermeiden, dass sowohl Vater als Sohn aus ihrem 
Dienst träten. Durch Vermittlung des Truchsesses und des 
Marschalls kam es zu einer sogenannten Versöhnung zwischen 
der Königin und dem Canzler f); dieser begann wieder an den 
Verhandlungen des Eeichsrathes, wovon er sich einige Zeit fern 
gehalten hatte, Theil zu nehmen, kam aber bald um Ur- 
laub für die Sommerferien ein, welche er auf Tidön ver- 
brachte ; erst Anfang October kam er nach Stockholm zurück. 
Es wurde demnach sowohl im Lande als beim Congresse 



*j Der Canzler an seinen Sohn den 13. März, 17. April, 1. Mai 1647: 
Gjörwells Sammlang. Was er im letztgenannten Brief äusserte: „Be^^t in 
Anderer Namen was Ihr k(tnnet nnd salviret der Königin und der Krone Namen, 
besonders bei den Evangelischen, wofern aber Alle die Sache verlassen und diese 
sich selbst, so müsset ihr's Gott befehlen", stimmt mit den officiellen Befehlen 
vom 13. März und 1. Mai völlig überein. U. W. F. 

**) „Ich habe einen Hals, den werde ich pro patriae justa libertate wagen. 
Unzeitige Verweise und Filze von der Königin mag ich nicht leiden; es ist mir 
wahrhaftig unmöglich, wenn ich auch darüber das Martyrium leiden müsste.'* 
Johann Oxonstieina an seinen Vater den 3. Mai: Oxeust. Sammlung. 

•*•) Das Schreiben, vom 10. Mai datirt, fehlt in ü. W. F. in S. A., findet 
sich aber in französischer Fassung beiArckenholtz, M^moires de Christine Ii 
p. 126. Vgl. den Brief des Canzlers an seinen Sohn den 29. Mai. 

t) Hierüber geben Chauuts Brief an Mazariu den 22. Juni nnd des Canzlers 
Brief an seinen Sohn Erich den 29. Juni 1647 Auskunft. Vgl. auch Chanuts 
Briefe den 1., 8., 15. und 29. Juni. Wahrenbergs Sammlung. Arckenhpltx 
a. a. 0. I, p. 106. 



215 

Gerächt verbreitet, dass der Canzler vom Hofe entfernt wor- 
den sei, selbst erklärte er aber, dass seine Abwesenheit nur 
durch das Bedürfniss auszurahen und durch Privatgeschäfte 
veranlasst wurde. Dass indessen die Aussöhnung keine voll- 
ständige gewesen war, ersieht man am besten aus den ver- 
traulichen Briefen der Königin an Salvius, in welchen sie 
ihrem ungegründeten Misstrauen fortwährend Luft machte*). 
Ob Johann Oxenstiema die Vorwürfe der Königin auf 
den Gang der Friedensunterhandlung einwirken liess, ist 
schwer zu entscheiden; es erscheint aber, nach der Ge- 
schwindigkeit zu urtheilen, womit gewisse Streitfragen jetzt 
abgemacht wurden, nicht unwahrscheinlich. So wurde am 
8. Mai die Autonomie im Beiche (mit Ausnahme für die 
Erbländer) in der Weise geordnet, dass alle solche Unterthanen, 
welche Anfang 1624 auf Grund besonderer Erlaubniss oder 
nach altem Herkommen oder aus blosser Nachsicht sich der 
freien Beligionsübung, der öffentlichen oder privaten, erfreut 
hatten, dieselbe fortan behalten sollten. Diejenigen aber, 
welche um jene Zeit im Besitz der freien Beligions- 
übung nicht gewesen waren, sollten dennoch nicht zur Aus- 
wanderung gezwungen, sondern mit Geduld vertragen werden 
(„patienter tolerentur"), wenn sie sich still verhielten und 
keine Veranlassung zu Unruhen gäben. Nur in Bezug auf 
solche, welche nach der Bekanntmachung des Friedens zu einer 
anderen Beligion überträten, sollte das Jus reformandi vollständig 
zur Anwendung kommen; sie sollten, jedoch erst nach einer 
Frist von einigen Jahren, verbannt werden können **). Ferner 



•) Die Königin schreibt den 27. NoTember 1647: „Ich merke alle Tage an 
ihm, was Tacitus von Tiberius sagt: Jam Tiberium corpus, jam vires, nonduin 
dissimulatio deserebat. Sed dabit Deus bis quoque ftnem." — Hiermit ist zu 
vergleichen, was Chanut im Brief an Mazarin den 9. Mai 1648 über den Canzler 
sagt: „La conduite de Mr. le Chancelier est au dessus de^ces petites artifices; 
il aime sa patrie, il respecte la reine et s'accomode sagement au temps." Wahren- 
bergs Sammlang. 

••) Meiern a. a. 0. IV, S. 548. 



__216_ 

ward die Justizfrage in der Hauptsache entschieden. Auch die 
schwedische Entschädigung wurde von neuem in Bichtigkeit 
gebracht; das Condominium Schwedens über Wismar ward in 
eine ungetheilte Herrschaft verwandelt , aber mehrere der 
übrigen Ansprüche Schwedens liess man fallen. Endlich einigte 
man sich in Betreff des Stiftes Osnabrück dahin, dass der 
Bischof Franz Wilhelm zu seinen Lebzeiten dasselbe besitzen, 
es aber später zwischen einem katholischen Bischof und 
einem protestantischen aus dem Hause Braunschweig-Lüaeburg 
abwechseln solle, welches letztere ausserdem für seine An- 
sprüche durch zwei säcularisirte Klöster, sowie Abschreibung 
einiger Schulden zu entschädigen sei*). — Was Gustav Gustavs- 
son betrifft, welcher sich der Gunst der Königin schon ver- 
lustig gemacht hatte**), so musste er sich mit einer Ent- 
schädigungssumme von 80000 Eeichsthaler begnügen. — Die 
übrigen, noch nicht entschiedenen Fragen, wie die pfälzische^ 
die hessen-casselsche , die baden-durlachische , die Autonomie 
in den Erbländern, das „ Contentement der Soldateske" u. s. w. 
wurden einer Schlussverhandlung in Münster überwiesen, wo- 
hin die kaiserlichen und die schwedischen Legaten, von den 
meisten evangelischen Ständen begleitet, sich gegen Ende Mai 
1647 begaben. 

Ein paar Tage vor der Abreise nach Münster erschien der 
lange erwartete Präsident und Kriegsrath Alexander Erskein***), 
welcher von der schwedischen Regierung abgesendet worden 



•) Meiern a. a. 0. VI, S. 433, 453. Der Punkt wurde erst den 29. Juni 
unterzeichnet; aber schon im April hatte D'Ayaux sich des Beifalles der Schwe- 
den zu einer solchen Vereinbarung versichert. 

**) Hierüber giebt Chanut im Brief an Mazarin den 16, März 1647 Aus- 
kunft: „G. G. sei ,rude et farouche', ausserdem geschwätzig und unzuverlässig." 
Wahrenbergs Sammlung. 

***) Alexander £rskein, aus einer schottischen in Pommern eingewanderten 
Familie, war schon im Jahre 1630 in schwedischen Diensten und wurde zufolge 
seiner Tüchtigkeit in vielfachen Geschäften als Diplomat, Kriegsrath, Präsident 
des vorpommerschen Hofgerichtes und Assistenzrath in der pommerseheu Re- 
gierung verwendet. 



217 

war, um die Interessen der Armee zu wahren: er sollte die 
Meinung derselben über ihre etwaige Geldentsehädigung einr 
holen und dann beim Congresse zur Genehmigung dei selben 
hinwirken. Seiner Instruction gemäss besuchte er zuerst die 
schwedischen Legaten in Osnabrück und berieth mit ihnen 
die schwierige Frage, mit deren Lösung er beauftragt war, 
eiDe Frage, die den verarmten deutschen Ständen in hohem 
Grade verhasst war, die aber die Begierung ihnen jetzt ans 
Herz legte als eine der wichtigsten Interessen Schwedens. Die 
Legaten hatten gewünscht, dass die Eegierung die Entschär 
digungssumme selbst festgesetzt und nicht der eigenen Prüfung 
der Armee anheimgegeben hätte, denn theils würde es lang« 
dauern, ehe die Wünsche der Armee eingeholt werden könnten, 
theils war es vorauszusehen, dass ihre Wünsche viel zu sehr über- 
trieben würden. Schon der Vorsichlag, den Erskein entworfen 
hatte, schien den Legaten unausführbar; nach Schätzung der 
wirklichen Stärke der Armee auf ungefilhr 45000 Mann be- 
rechnete er die Entschädigungsgelder zu 10^ Millionen Reichs- 
thaler. Salvius erklärte, es sei unmöglich diese Summe zu 
erzwingen; selbst schlug er 3 bis 4 Millionen vor*). Von 
Osnabrück begab sich Erskein zu der Hauptaxmee, die eben im 
Begriff war, durch Franken in Böhmen einzufallen. 

Nachdem der ganze Congress sich Ende Mai in Münster 
zusammengefunden hatte, um die Friedensverhandlungen zum 
Abschluss zu bringen, stellte es sich bald heraus, dass da$ 
grösste Hinderniss nicht an den Oxenstiernas lag. Die katho- 
lischen Stände, welche das ganze Frühjahr hindurch, während 
über die Gravamina in Osnabrück verhandelt wurde, in 
Münster sich unthätig verhalten hatten, waren mit wachsen- 
dem Misstrauen und Erbitterung dem Verlauf dieser Verhand- 
lungen gefolgt, und die spanischen Legaten, wie auch der 



*) Die Legaten an die Regierung den 30. Mai nebst der Beilage. Salvius 
an die Regierung den 6. Juni 1647 : U. W. F. 



218 

päpstliche Nuntius, versäumten nicht, die Missstimmung der- 
selben nach Kräften zu schüren. Es hiess bald, dass Traut- 
mannsdorf zu alt und schlaff sei, um eine solche Unterhandlung 
zu leiten, bald, dass ihm, wie auch Nassau und Volmar als 
gewesenen Protestanten nicht zu trauen sei, was aus dem Aus- 
gang, welchen die Frage der streitigen Stifter und der Auto- 
nomie genommen hatte, deutlich hervorgehe. Als daher das 
neue kaiserliche Friedensinstrument*), auf die in Osnabrück 
getroffenen Vereinbarungen gegründet, den 3. Juni 1647 zum 
Vorschein kam, erklärten die katholischen Stände, dass sie 

• 

kein bestimmtes Gutachten darüber abgeben könnten, bis sie sich 
mit ihren Principalen ins Einvernehmen gesetzt, was wiederum 
Zeit erfordere. Trautmannsdorf, der jetzt, als er von den 
eigenen Glaubensgenossen verlassen ward, an einem glück- 
lichen Ausgang zu verzweifeln begann, sagte, dass er die lange 
gehegte Absicht, den Congress zu verlassen, auszufahren ge- 
dächte; in der That hatte er bereits im März desselben Jahres 
die Erlaubniss des Kaisers abzureisen nachgesucht und erlangt, 
und man behauptete, dass er gern an den Hof zurückkehren 
wollte, um seinen durch spanische Bänke geschwächten Ein- 
fluss zu stärkwi**). Auf die inständige Aufforderung der 
protestantischen Stände und der Schweden beschloss er jedoch 
noch einige Wochen zu bleiben; er berief die katholischen 
Stände auf den 19. Juni zu sich und mahnte sie in beweg- 
lichen Worten zur Mässigung; sie sollten nicht seine schon 
an sich verwickelte Aufgabe durch nutzlose Klagen erschweren, 
da sie nicht gesonnen seien, ihre Worte durch die That zu 
bewähren, noch die Mittel zur Abwehr des Feindes anzu- 
weisen; und was speciell den wohl zehn Mal umgearbeiteten 
Punkt der Autonomie, worüber man vielfach geklagt hatte, 
beträfe, so wäre derselbe so abgefasst, dass man hundert Ver- 



•) Meiern a. a. 0. IV, S. 557 ff. 
*•) Contarinis Finalrelation. 



219_ 

anlassungen erhalten würde, sich aller miss^ligen Protestanten 
zu entledigen *). Diese Gründe hatten indessen keine besondere 
Einwirkung auf die Katholiken, deren Mehrzahl nicht aus 
wirklichen Diplomaten, sondern aus Doctoren und Priestern, 
streitsüchtigen und unversöhnlichen, einseitigen und befangenen 
Personen bestand. 

Der Ton den katholischen Ständen geleistete Widerstand 
wurde von einer Seite unterstützt, wo man ganz anderes zu 
erwarten das Secht gehabt hätte. Die Franzosen, welche so 
eifirig gewesen waren, den Frieden zu fördern und die 
Hindernisse zu beseitigen, als von den deutschen Beligions- 
streitigkeiten die Bede war, fingen nun im entscheidenden 
Augenblick an, allerhand Schwierigkeiten zu machen. Die 
Bestrebungen Serviens im Haag, den verabredeten Separat- 
frieden zwischen Spanien und den Generalstaaten zu vereiteln, 
waren erfolglos geblieben; er hatte sich damit begnügen 
müssen, einen sogenannten Garantietractat auswirken zu 
können, der jedoch nur unter Voraussetzung eines Friedens- 
schlusses zwischen Frankreich und Spanien gelten sollte**). 
Demzufolge waren die Spanier weniger als je geneigt, mit 
Frankreich einen Frieden zu schliessen, der bei den obwaltenden 
Umständen, dass die Franzosen die Oberhand im Felde hatten 
und Neapel und Sicilien im vollen Aufruhr standen, nur 
nachtheilig werden könnte. Da nun die Franzosen sahen, 
dass sie nicht länger auf einen Friedensschluss mit Spanien 
hoffen konnten, so lag es natürlich in ihrem Interesse, auch 
^ den deutschen Frieden aufzuhalten; wenigstens hielten sie es 
für die Sicherheit Frankreichs noth wendig, dass der Kaiser 
sich im Friedensschlüsse verpflichtete, Spanien keine Hilfe zu 
leisten, falls es den Krieg mit Frankreich fortsetzen würde. 
Der Kaiser erbot sich, eine solche Verpflichtung als deutscher 



•) Meiern a. a. 0. IV, S. 621. 

••) Siehe Bougeant a. a. 0., Buch VII. 



220 

Kaiser, aber nicht als Erzherzog von Oestreich zu übernehmen ; 
und in diesem Punkte war er um so unerschütterlicher, da 
das soeben erfolgte Ableben des spanischen Kronprinzen den 
östreichiachen Habsburgem die Aussicht, durch Heirath in 
Besitz der spanischen Monarchie zu kommen, eröffnete. Die 
Franzosen erklärten aber, dass sie sich nicht mit einer solebea 
halben, unbefriedigenden Versicherung begnügen könnten. Zu- 
gleich traten sie mit neuen Entschädigungsansprüchen, z. B. 
auf das Stift Strassburg, auf. Endlich verweigerten sie, ihren 
Vorschlag zum Friedensinstrument aufzugeben, unter dem Vor- 
wand, dass die pfälzischen und hessen-casselschen Fragen noch 
nicht entschieden worden seien. 

Es handelte sich nun für die Franzosen darum, Schwe- 
den und die Protestanten für ihre neuen Forderungen zu 
gewinnen, was kein leichtes war. Die protestantischen 
Stände waren sehr eifrig, auf Frieden zu dringen, und 
forderten die Schweden dazu auf, wenn Frankreich dem- 
selben Hindemisse in den Weg legte, es im Stich zu lassen. 
Die schwedischen L^aten waren auch nicht abgeneigt, diesen 
Aufforderungen ihr Ohr zu leihen. Zwar hatte Salvius von 
der Königin persönlich Befehl erhalten, die neuen Forderungen 
der Franzosen kräftig zu unterstützen ; Christine, welche soeben 
Oxenstierna seinen Eifer für die Glaubensgenossen Schwedens 
vorgeworfen hatte, weil der Friede dadurch verzögert würde, 
trug jetzt kein Bedenken, die Pläne Frankreichs zu befördern, 
so hinderlich sie auch dem Werke des Friedens waren, und 
zwar aus keinem andren Grund, als dass sie „diese Occasion 
Q,rripiren wollte, um sich bei den Franzosen ,gratieuse' zu 
machen " und mit ihrer Hülfe Magnus de la Gardife die Stadt 
Benfeld zu verschaffen*). Ueber die Privatinstructionen der 



*) Die Königin an Salvins den 10. April, den 6. Juli 1647. Der genannte 

Plan wurde von den Franzosen unter der Bedingung unterstützt, dass sie gegen 

die Zahlung einer gewissen Summe Lösegeld an de la Gardie in Besitz von 
Benfeld kommen sollten. 



221 

Königin au Salvius scheint Oxenstierna einige Kenntniss er* 
halten zu haben; im Brief an die Königin sprach er seinen 
Verdacht, dass Salvius unter der Decke mit den Franzosen 
q)ielte, offen aus*). Sein Verdacht war auch nicht ganz un- 
gegründet; Salvius musste als der Vertraute der Königin bis 
zu einem gewissen Grad sich nach den Wünschen derselben 
richten und sich der Förderung von Frankreichs Interessen 
befleissigen. Aber Salvius war zugleich allzu klug und 
mterländisch gesinnt, um sich zu einem Minden Werkzeug in 
den Händen der Franzosen zu machen, und folgte in der 
That seiner eigenen üeberzeugung ; die französischen Legaten 
beklagten äch über die Trägheit, womit er sowohl Frankreichs 
Interessen, als die Privatinteressen der Königin vertrat**). 
In der Hauptsache gingen daher die schwedischen Legaten in 
ihrer Auffassung der Friedensverhandlungen nicht weit aus- 
einander. Beide wünschten aufrichtig den Frieden und 
wurden jetzt um so dringender, weil Frankreich die Subsidien 
innebehielt und das schwedische Hauptheer unter Wrangel 
sich in einer unvortheilhafken Lage befand, indem es von den 
Franzosen verlassen und auf der einen Seite von überlegenen 
kaiserlichen Heeren, auf der andern von den Bayern, welche 
jeden Augenblick den Waffenstillstand brechen konnten, be- 
droht war. Der Eifer der schwedischen Legaten für den 
Frieden und ihr guter Wille wurden auch von den Diplomaten 
in Münster anerkannt***), sogar von den kaiserlichen, mit 

*) ,,Dio Franzosen und Herr Salvius unter Prätext der Reflexion auf die 
Allianz nnd wegen der Subsidien ziehen den Handel einen Tag nach dem andren 
hin, 80 dass ich nicht nach £. K. M. eigenhändigen strengen Befehlen mit der 
Sache fortkommen kann, was ich auch tbun mögen." Johann Oxenstierna an die 
Königin den 28. Juni 1647 : U. W. F. 

**) Bericht der französischen Geeandten den 24. und 30. Juni: Negoc. secr. 
IV, p. 123. 126. Chanüt an D'Avaux den 22. Juni: Wahrenb. Sammlung. 

**•) „Quanto piü lenti procedono 11 Francesi, altretanto li Suezzesi con 
gl' Iinpü si trovano in frequenti congressi e mostrano volonta di voler con- 
cluder, qnand* anofae la Francia per propril interessi esclnsa rlmanesse." Contarini 
aÄ Nani den 25. Juni: Yen. A. Trautmannsdorf an den Kaiser den 25. Juni. 
Volmar an die Erzherzogin Claudia den 21. Juni 1647: W. A. 



222 

welchen sie jetzt in gutem Vernehmen standen. In der pfäl- 
zischen Angelegenheit war man in der Hauptsache einig 
— der einzige hierauf bezügliche Streitpunkt, welcher noch 
übrig war, galt den religiösen Verhältnissen in der an Bayern 
abgetretenen Oberpfalz — , ebenso in der hessen-casselschen 
Frage ; in Betreff der Autonomie in den Erbländern waren die 
Schweden geneigt und auch vermöge ihrer Instructionen be- 
rechtigt, im schlimmsten Fall sich mit den von den Kaiser- 
lichen angebotenen Freiheiten für die Protestanten in Schlesien 
zu begnügefn und es übrigens darauf ankommen zu lassen, was 
in Zukunft auf gütlichem Wege vom Kaiser erlangt werden 
konnte. Schwieriger war der Punkt „Tandem omnes" u. s. w., 
welcher die Kestitution der östreichischen Flüchtlinge betraf, 
denn diese Frage lag den Schweden sehr am Herzen, weil 
viele solche Flüchtlinge unter Schwedens Fahnen dienten ; der 
Sache war jedoch möglicherweise durch einen Vorbehalt fQr 
diejenigen, welche in schwedischen Diensten waren, zu helfen. 
Was endlich die Forderung Frankreichs in der Assistenz- 
frage*) betrifft, so waren die Legaten durch die officiellen 
Instructionen angewiesen, dieselbe kräftig zu unterstützen, 
sollten sich aber zu nichts „obligiren^S sondern die Hände 
frei behalten, bis alles in Bezug auf die Gravamina und „ das 
Contentement der Soldateske" entschieden sei**). 

Es hatte also den Anschein, als ob der Friede, unge- 
achtet des Widerstandes der Katholiken, Spanier und Franzosen, 
dennoch durch die vereinten Anstrengungen der Kaiserlichen, 
der Schweden und der protestantischen Stände zu Stande 
kommen würde. Wahrscheinlich würden die französischen 
Legaten, trotz der wiederholten Mahnungen Mazarins, in der 
Assistenzfrage doch schliesslich nachgeben, falls Frankreich 



*) So wurde der Kftrze halber die Frage wegen des Kaisers Recht, nach 
dem Frieden mit Frankreich Spanien gegen jene Macht beizustehen, genannt. 

**) Die Regierung an die Legaten den 12. und 26. Juni, den 10. Juli 1647: 
Rreg. 



223 

deshalb durch Abfall seiner Bundesgenossen bedroht würde. 
Aber leider gab es auch für die Schweden ein wesentliches 
Hinderniss, den Frieden abzuschliessen. Es lag dies Hinder- 
niss nicht sowohl in dem Widerwillen der Franzosen — ob- 
gleich auch dieser Grund, namentlich bei den damals am 
Hofe herrschenden französischen Sympathien auf sie ein- 
wirkte — , es lag vielmehr in der Frage der Qeldentschädigung 
für die Armee. Diese für Schweden so wichtige Frage war 
allerdings von dessen Legaten während der Verhandlungen 
häufig angeregt worden, aber eine bestimmte Forderung hatten 
sie nie stellen können, weil sie ungeachtet aller Mahnungen 
keine bestimmten Instructionen hatten und schliesslich auf das, 
was Erskein mit der Armee verabreden würde, verwiesen 
wurden. Erskein war aber von der Kegierung so spät ent- 
sendet worden , dass in dem entscheidenden Augenblick kein 
Bescheid von der Armee hatte eintreffen können. Unter solchen 
Umständen waren die Legaten genöthigt, in Erwartung der 
Antwort der Armee, die Verhandlung im Gang zu er- 
halten und bei Punkten zu verharren, welche sie im 
Nothfall aufzugeben ermächtigt waren*). Sie vereinigten 
sich allerdings mit den protestantischen Ständen in neuen 
Aufforderungen an Trautmannsdorf, dass er doch bleiben 
möchte, konnten aber aus den angegebenen Gründen in den 
noch zu entledigenden Fragen**) nicht nachgeben, obgleich 
die Protestanten sie dazu aufforderten und bei einer beson- 
deren Zusammenkunft am 4. Juli einen Vermittlungs verschlag 



*) Siehe Oxenstiernas Briefe an die Kegierung den 28. Juni und 27. Juli, 
die Briefe des Salvius vom 20. Juni und 19. Juli 1647: U. W. F, 

••) Diese Fragen waren nach Angaben der Schweden zehn, nämlich: 1) die 
Assistenzfrage; 2) die hessen-casselsche Frage; 3) der badensische Streit ; 4) die 
Autonomie und die Restitution in den Erbländern; B) das Proscriptionsrecht des 
Kaisers; 6) die Parität in den Reichsgerichten; 7) die Roligionsverhältnisse 
in Augsburg; 8) der oldenburgische Zoll auf der Weser; 9) die Entschädigung 
der Armee; 10) die Executionsordnung. 



224 

entwarfen*). Nachdem Trautmannsdorf von den schwedi- 
schen Legaten bereits Abschied genommen hatte, wurde rmh 
ein letzter Versuch gemacht; durch die Vermittlung der 
Brandenburger und in ihrer Gegenwart kam eine nochmalige 
Zusammenkunft zwischen Salvius und Volmar am 6. Juli 
1647 zu Stande. Hierüber berichtet Salvius selbst: „Als 
wir in der besten Unterredung sind, empfängt Volmar einen 
Zettel von Trautmannsdorf, worin dieser zu wissen verlangt, 
ob der Friede dieselbe Stunde noch stipulirt werden könne. Wo- 
fem dies nicht geschehen könne, so wolle er fort. Da in 
dieser Weise nichts zu machen war, und wir durch diese 
Unterredung den Kurbrandenburgischen gezeigt hatten, wessen 
die Schuld war, so trennten wir uns von einander."**) Am 
selben Tag Abends verliess Trautmannsdorf Münster, nach^ 
dem er Id^ Monate beim Congresse verweilt hatte. Er ward 
von der Achtung aller begleitet; die schwedischen Legaten 
stellten ihm das Zeugniss aus, dass er „ eine grosse Solidität in 
der Verhandlung" bekundet habe. Dagegen wurde er nicht 
von allen vermisst. Aus einem von einem Jesuiten in Münster 
an den Beichtvater des Kaisers gerichteten Brief, welcher 
aufgefangen und von den Schweden veröffentlicht wurde***), 
erhellt, mit welcher Sehnsucht die ultramontane Partei der 
Abreise Trautmannsdorfs entgegensah, damit sie dann das 
diplomatische Qewebe, welches er mit so viel Mühe zu Stande 
gebracht hatte, um so leichter auflösen könnte. 



*) Hieräber giebt das Diarium der sächsischen Gesandten vom 4. and 5. Juli 
Auskunft: D. A. 

**) Die Legaten an die Regierung den 12. Juli 1647. Volmar erzählt in 
seiner Relation vom 19. Juli, als er Salvius gefragt hätte, ob Schweden nur 
wegen dieser Sachen (der Autonomie in den Erbländem u. s. w.) den Krieg 
fortzusetzen beabsichtige, habe Salvius die Faust auf den Tisch geschlagen 
und ausgerufen: „Ja wir wollen eher alles dran setzen, ehe wir dergleichen zli- 
lassen wollen." 

•••) Gedruckt bei Meiern a, a. 0. fV, S. TOS. Vgl. Pütt et, Geist des 
WestphäKschen Friedens, S. 58 ff. 



VI. 

Letzter Abschnitt des westphälischen Friedens- 
congresses von der Abreise Trautmannsdorfs 
bis zur Unterzeichnung des Friedens, vom Juli 

1647 bis October 1648. 



Die Abreise Ti'autmannsdorfs schien anfänglich die Arbeiten 
des Congresses zu beschleunigen, indem die Schweden, um ihre 
Armee besorgt, auf die Aufforderung der Protestanten und 
Contarinis noch einige Zeit in Münster zurückblieben und 
ihre Unterhandlungen mit den Kaiserlichen, zuerst unter Ver- 
mittlung der Brandenburger, dann wie vorher unmittelbar 
fortset;d;en. Auch die Franzosen beeilten sieh jetzt, um den 
gegen sie herrschenden allgemieinen Unwillen zu mildern, 
ihren lange verzögerten Vorschlag eines Priedensinstruments 
abzugeben, worin jedoch mehrere der neuen Forderungen' 
Aufnahme gefunden hatten. Ueber diesen Vorschlag wurde 
hauptsachlich während des übrigen Theiles vom Sommer be- 
rathschlagt. Allein dieser Eifer für den Frieden war nur eine 
schnell vorübergehende Erscheinung. In der That wurden 
binnen kurzem die Gedanken mehr auf kriegerische Pläne, 
als auf Friedensverhandlungen gerichtet, und die Abreise 

OdhneT, Politik Schwedens. 15 



226 

Trautmannsdorfs gab das Signal zu einer langwierigen Unter- 
brechung in den Arbeiten des Congresses. Wir werden jetzt 
sehen, welche Umstände diesen kriegerischen Geist sowohl bei 
den Schweden als bei den Kaiserlichen hervorriefen. 

Wir erwähnten, dass Wrangel nach der Trennung von 
Turenne den Kaiserlichen bald nicht mehr gewachsen und in 
eine missliche Lage gerathen war. Dessenungeachtet hielt er 
tapfer Stand gegen den Feind in der nordwestlichen Ecke 
Böhmens, und endlich gelang es ihm durch die Eroberung 
von Eger (den 7. Juli) seine Stellung daselbst zu befestigen. 
Dieses an sich weniger bedeutende Ereigniss übte einen starken 
Einfluss auf den Friedenscongress aus. Die schwedischen 
Legaten schöpften frischen Muth; einsehend, dass die Friedens- 
aussichten ziemlich gering waren, beschlossen sie, sich der 
gunstigen kriegerischen Conjuncturen zu bedienen. Konnte 
man nur die Franzosen bewegen, ihre Subsidien zu bezahlen 
und Ture^ine sich wieder mit Wrangel vereinigen zu lassen, 
so war der Ausgang des Feldzuges entschieden, und der Kaiser, 
allein gegen die Uebermacht, genöthigt, in den streitigen 
Punkten nachzugeben, ja vielleicht in neue Zugeständnisse ein- 
zuwilligen. Oxenstierna brachte den französischen Legaten 
einen derartigen Plan in Vorschlag und fügte hinzu, dass, 
wenn derselbe gelänge , Schweden den übrigen Theil von 
Hinterpommern und etwa Schlesien, Frankreich einige ent- 
sprechende Besitzungen am Khein erhalten müsse *). In einer 
Zusammenkunft mit den Kaiserlichen war Oxenstierna unvor- 
sichtig genug, auf ihre Aeusserung, dass der* Friede binnen 
24 Stunden abgeschlossen sein könne, die Antwort zu geben, 
dass Schweden und Frankreich eher den Krieg in ferneren 
24 Jahren fortsetzen würden, als Frieden unter den von 
Trautmannsdorf vorgeschlagenen Bedingungen schliessen**) — 



*) Siehe den Bericht der französischen Gesandtschaft vom 5. August 1647: 
Negoc. secr. IV. 

••) Bericht der kaiserlichen Legaten den 2. August 1617: W. A. 



227 

eine Aeusserung, die in der Folge häufig benutzt wurde, um 
Unwillen gegen die Schweden zu erregen. Der hohe von Oxen- 
stierna angeschlagene Ton war um so unbedachter, weil das 
Verhältniss zwischen Schweden und Prankreich augenblicklich 
nicht das beste war. Es hatte nämlich den Unwillen der Franzosen 
erregt*), dass die von Turenne abgefeUenen Weimaraner in 
schwedischen Dienst aufgenommen wurden, und deshalb wurden 
die Subsidien fortwährend zurückgehalten. 

Am 24. Juli 1647 kehrte Oxenstierna unverrichteter 
Dinge nach Osnabrück zurück, wohin Salvius sich schon vor- 
her begeben hatte. Hier traf die Legaten eine Nachricht, 
welche die Friedensaussichten noch mehr in die Ferne rückte: 
Erskein brachte von den Armeen den Bescheid mit, dass sie 
sich mit nichts weniger als 20 Millionen Eeichsthaler be- 
gnügen könnten. Vergebens hatte die Königin durch die Be- 
fehlshaber der deutschen Soldateska den traurigen Zustand ihres 
Vaterlandes vorstellen und sie zur Massigkeit in ihren An- 
sprüchen auffordern lassen; vergebens hatten auch die Legaten 
zur Mässigung gemahnt — die Habsucht der Armeen war 
nicht so leicht einzuschränken. Da sie selber am besten 
wussten, wie verarmt Deutschland war, hatten sie zuerst vor- 
geschlagen, dass gewisse Landstrecken, z. B. das Stift Hildes- 
heim und einige Fürstenthümer in Schlesien, ihnen zur 
Th eilung angewiesen werden sollten**) — ein Gedanke, der von 
Salvius zuerst ausgesprochen worden war, welcher sich jedoch 
darauf beschränkt hatte, die Güter des deutschen Ordens und der 
Johanniter dazu vorzuschlagen — ; könnten sie aber dies nicht 
erhalten, so forderten sie einen haaren Ersatz in einem zehnmonat- 
lichen Sold, was für sämmtliche in schwedischen Diensten 
stehende Truppen auf beinahe 20 Millionen Eeichsthaler be» 



•) Servien äusserte sich sehr scharf über das Benehmen der Schweden im 
Allgemeinen: „destestö le forme insidiose usate da Saezesi'' u. s. w. Contarini 
an Nani den 13. Augnst 1647: Ten. A. 

•*) Erskeins Brief an die Legaten den 29. Juni 1647: ü. W. F. 

15* 



228 

rechnet wurde. Diesen Bescheid beeilten sich nun die Lega- 
ten dem Congresse in einem Memorial mitzutheilen , welche 
nebst einer Specification über die Stärke der schwedischen 
Ajmeen *) den Kaiserlichen übergeben wurde. Die Kaiserlichen 
erklärten, sie hätten mit der Sache nichts zu schaffen, scmdem 
überwiesen dieselbe den Ständen. Bei diesen erregten die 
grossen Qeldansprüche Verdruss und Bestürzung, welche Ge- 
fühle zu schüren die Kaiserlichen nicht unterliessen : „f5r 
20 Millionen sei beinahe ganz Deutschland feil, es sei eine 
übertriebene Forderung, die man ganz einfach zurückweisen 
müsse, und zwar nöthigenfalls mit Waffengewalt" u. s. w. 
Obglieich die erheischte Summe offenbar auf Abzug berechnet 
war, so war es jedenfeUs deutlich, (kss es sich um mehrere 
Millionen handelte, und dass diese schwerlich ohne Hilfe 
der Waffen den deutschen Ständen abgezwungen werden 
könnten **). 

Andererseits hatten auch in der Rathskammer des Kaisers 
die kriegerischen Pläne über die friedlichen den Sieg davon 
getragen. Man erzählte sich, dass selbst Trautmannsdorf nach 
seinei* Rückkehr an den Hof umgestimmt worden sei***). 
Der spanische Einfluss siegte gänzlich in den kaiserlichen 
Rathschlägen, und man beschloss eine letzte Anstrengung zu 
machen, um einen Umschlag des Kriegsglückes herbeizuführen. 
Die ultramontane Partei, den Bischof von Osnabrück an der 
Spitze, war äusserst thätig, um die katholische Liga wieder 



•) Diese Stärke worde auf 56 Regimenter Reiterei, 63 Regimenter FussvoHt 
»ad 6 Regimenter Dragoner geschätzt, wozu noch die Artillerie kam, im Ganzeö 
an 125,000 Mann; von diesen Regimentern aber waren einige seit langer Zeit 
nicht im Dienst, und die übrigen waren in Wirklichkeit nicht halb so stark, 
wie nuin sie berechnet hatte, nach Angabe des Obercommissars Brandt: 
U. W. F. 

•*) „L* osso piü duro di tutti gl' altri ä roddere" nennt Contarini diese For- 
derung. Contariui an Noni den 20. August 1647 : Ven. A. 

***) „Le lottere di Trautmannsdorf doppo partito di qua non istaonaDo 
altro che guerra, denari, levat ee cose simili." Contarini an Nairi den 1. Octobw 
1647: Ven. A. 



229 

ins Leben zu nifen. Die erste Bedii^rui^^ damit dieser Plan 
gelingen sollte, war, dass der Kurfürst von Bayern sich zur 
Aufkündigung des Waffenstillstandes mit Schweden und zur 
Wiedervereinigung mit desn Kaiser bewegen Hesse. Man 
stellte ihm vor, dass er durch den ülmer Vertrag, anstatt 
den Frieden zu befördern, im G^entheil denselben hinaus^ 
geschoben habe, was am deutlichsten daraus hervorginge, das& 
die Schweden im Vertrauen auf die Neutralität Bayerns die 
Anträge Trautmamisdorfs abgelehnt hätten und nun noch 
Deutschland eine übermässige Summe Geldes abzupressen 
sachten; daS einzige Mittel, sie zur Vernunft zu bringen, sei^ 
ihnen eine empfindliche Niederlage im Kriege beizubringen* 
Durch diese Gründe, sowie durch die eifrigen Aufforderungea 
des Papstes und der katholischen Stände bewogen, beschloss 
endlich der Kurfürst, mit den Schweden zu brechen. Ver- 
gebens suchten die Franzosen durch eine besondere Gesandt- 
schaft den Kurfürsten zurückzuhalten; vergebens gaben die 
schwedischen Legaten (am l. August) in der pßllzischen An- 
gelegenheit eine in der Hauptsache günstige Erklärung ab*). 
Am 28. August/ 7. September 1647 schloss der Kurfürst in 
Pilsen ein neues Bündniss mit ^ dem Kaiser und kündigte 
am 4. September den Waffenstillstand mit Schweden; sein 
Bruder, der Kurfürst von Köln, hatte schon einen Monat 
früher das nämliche gethan. In einem erlassenen Manifest 
suchte der Kurfürst diese Handlung zu rechtfertigen und zu 
zeigen, dass er im Interesse des Friedens dieselbe untemommear 
habe, welches Manifest einen bitteren Schriftwechsel zwischen 
ihm und den schwedischen Legaten hervorrief. 

Durch den unerwarteten Friedensbruch des Kurfürsten 
gerieth die schwedische Hauptarmee in grosse Gefahr und^ 
wenn es ihr nicht gelungen wäre zu entschlüpfen, so würde sie 



*j Meiern a. a. 0. IV, S. 412. Nicht nur die Franzosen sondern 'auch der 
Feidiuarschall Wrangel hatte gerathen, den Kurfürsten zu „caresslren". 



230 

ohne Zweifel der Uebermacht unterlegen sein. In Münster 
waren die Stände mit der Vernichtung dessen, was Traut- 
mannsdorf mit so grosser Mühe zu Stande gebracht hatte, 
eifrig beschäftigt; namentlich widersetzten sie sich der in 
Betreff der Autonomie im Eeiche getroffenen üebereinkunft 
und der vollständigen Abtretung der geistlichen Stifter. Die 
kaiserlichen Legaten blieben ohne Instruction*), die Friedens- 
verhandlung stockte gänzlich, und viele Gesandte verliessen 
den Congress. Und endlich suchte der Kaiser die mächtigsten 
protestantischen Fürsten, wie die Kurfürsten von Sachsen und 
Brandenburg, zum Bruch des mit Schweden geschlossenen 
Waffenstillstandes und zur Wiedervereinigung mit dem Kaiser 
zu bewegen; in dieser Weise sollte ganz Deutschland sich 
gegen die Kronen vereinigen und sie zu einem billigen Frieden 
zwingen. Um für diesen Plan zu wirken, gingen der Graf Kurtz 
nach Dresden und der Freiherr von Blumenthal nach Cleve, 
wo der Kurfürst von Brandenburg immer noch verweilte, als 
kaiserliche Gesandte ab. Zwar gaben die beiden Kurfürsten 
auf die Aufforderung des Kaisers eine ablehnende Antwort; 
aber es war deutlich, dass, wenn das Glück die kaiserlichen 
und bayerischen Waffen begünstigte, es den protestantischen 
Kurfürsten schwer sein würde, ihre Neutralität zu behaupten. 
Als der Kurfürst von Bayern den Waffenstillstand mit 
Schweden aufkündigte und seine Armeen sich mit den kaiserlichen 
vereinigen liess, war es die allgemeine Ansicht in Deutschland, 
dass die Stellung Schwedens in diesem Lande seit Gustav 
Adolphs Tod nie so bedroht gewesen sei, wie damals **). Was 
zunächst die Armee Wrangeis rettete, war die Langsam- 
keit der bayerischen Truppen, sich mit den kaiserlichen 
zu vereinigen, sowie der Mangel an Einigkeit zwischen 



*) Sie bekamen nur die Weisung, den Tractat in demselben Stand, den er 
bei Trautmannsdorfs Abreise gehabt hatte, zn erhalten. 

•*j Pufendorf, Suec. XIX, 51. Finalrelation Contarinis a. a. 0., S. 328. 



231 

dem kaiserlichen Oberbefehlshaber v. Holzapfel (Melander) 
und dem bayerischen v. Gronsfeld. Dennoch würde wahr- 
scheinlich der Feldzug zum Verderben der Schweden ausge- 
fallen sein, wenn nicht politische Rücksichten dazwischen ge- 
kommen wären und auf die Kriegführung eingewirkt hätten. 
Die gewöhnliche Angabe, dass Holzapfel aus Bachsucht sich 
gegen Hessen-Cassel gewendet habe, anstatt Wrangel anzu- 
greifen und zu verfolgen, bedarf wesentlich der Berichtigung. In 
der That verdankten die Schweden dies Mal ihrem verhasste- 
sten Feind, dem Kurfürsten von Bayern, ihre Rettung. Bereits 
in seinem nach dem Bruch erlassenen Manifest hatte der 
Kurfürst erklärt, dass er von neuem die Waffen ergriffen habe, 
nicht um das schon Verabredete zunichte zu machen, sondern 
nur um das gestörte Gleichgewicht im Kriege wiederherzu- 
stellen und dadurch den Frieden zu beschleunigen. Diese 
Erklärung war wirklich aufrichtig, und aus demselben Grund 
wollte der Kurfürst nicht den Kaiserlichen zu einem voll- 
ständigen Sieg verhelfen, denn dies würde sie dem Abschluss 
des Friedens nur abgeneigter machen, und der Friede war 
das unverrückte Ziel des Kurfürsten. Hierzu kam noch 
Bayerns Rücksicht auf den Wunsch Frankreichs; mit Frank- 
reich woUte der Kurfürst den Waffenstillstand aufrecht er- 
halten, und es war ihm deshalb darum zu thun, dass nicht 
durch die Vernichtung der schwedischen Armee Frankreich 
zu neuen Feindseligkeiten genöthigt würde. Aus diesen 
Gründen hielt er seine Truppen zurück und verhinderte dadurch 
die Kaiserlichen, die Verfolgung fortzusetzen ; Wrangel konnte 
ungestört die Winterquartiere im Braunschweigischen beziehen 
(November 1647)*). 



•) Die politische Haltung, welche Bayern bei dieser Gelegenheit beobachtete, 
erhellt aus den Berichten der bayerischen Gesandten den 12. und 19. November, 
den 26. Dezember 1647. Nach dem letztgenannten Bericht hatte der bayerische 
Gesandte bei einem den französischen Legaten abgestatteten Besuch in Er- 
innerung gebracht, wie der Kurfflrst auf die inständigen Vorstellungen der 
Franzosen seine Truppen zurückgerufen und von der ferneren Verfolgung der 



232 

Bei den Schweden hatte die Nachricht von dem Bruch 
init Bayern sowohl in Stockholm als in Osnabrück grosse Be» 
sorgniss erregt, zumal der fortwährende Waffenstillstand de» 
Kurfürsten mit Frankreich den Verdacht eines geheimen Ein* 
Vernehmens mit dieser Macht wach rief. Die französische 
Partei in Stockholm, die den Vertrag mit Bayern angerathea 
hatte, wurde der Gegenstand scharfen Tadels; die Königin 
war bekümmert und unschlüssig"^). Jene Bef&rchtungea 
wurden jedoch durch die Versicherungen der Franzosen und 
ihre Verheissungen kräftiger Unterstützung bald beschwichtigt. 
Anfangs October 1647 stattete Salvius einen Besuch bei der 
französischen Gesandtschaft in Münster ab und erlangte das 
Versprechen, dass sowohl Turenne nach Deutschland zurück- 
gerufen als die Subsidien baldigst ausgezahlt werden sollten. 
Dagegen wollten die Franzosen, trotz des Dringens der 
Schweden, noch nicht mit Bayern brechen, unter dem Vor- 
wand, dass sie erst ihre Rüstungen vollenden müssten. Auch 
waren die Franzosen nicht zu bewegen, nach dem Wunsche der 
Schweden ihre Subsidien zu erhöhen, sondern Salvius musste 
seinen persönlichen Credit bis zum äussersten in Anspruch 
nehmen, um Wrangel mit Geld zu versehen**). Es dauerte 
noch einige Zeit, bis das gegenseitige Misstrauen zwischen 
den Schweden und Franzosen sich gelegt hatte***); allmählich 
aber wurden die etwas gelockerten Bande wieder fester ge- 
knüpft und die wärmsten Versicherungen gegenseitiger Freund- 



schwediBchen Armee abgehalten habe; M. A. Vgl, den Bericht der branden- 
burgischen Gesandten vom 27. Dezember 1647 : ü. u. A. IV, S. 646. Contarini 
an Nani den 15. October 1647, an den Dogen den 6. März 1648; Ven. A. Me- 
morial der französischen Gesandtschaft den 21. October 1647: Nägoe. secr. IV. 

•) Chanut, Memoires I, p. 185if. 190if. 

**) Im Dezember desselben Jahres betrugen seine Vorschüsse 250,000 Reichs- 
thaler. „Gott gebe Frieden, ich ersticke sonst unter dieser Geldplage", schrieb 
«r an Gyldenklou: U. W. F. 

••*) Noch den 8. November sprach Servien im Brief an Lionne seine Be- 
sorg niss aus, dass die Schweden sich verstellten und auf Bache brüteten. 
Bougeant a. a. 0* VIII, 56. 



233_ 

»ehaft zwischen den Souveränen von neuem ausgetausdit. Die 
Königin war von den FranEOsen eingenommener als je und 
befahl Salviua, Frankreichs Interessen ebenso eifrig wie Schwe- 
dens eigene zu befördern*). Das gute Vernehmen ward nicht 
durch einen neuen Versuch gestört, welcher um dieselbe Zeit 
gemacht wurde, die Absichten Frankreichs bei den Schweden 
zu verdächtigen. Es war der spanischen Gesandtschaft ge- 
lungen, durch einen bestochenen Beamten der französischen 
Ambassade sich Abschriften des von den Franzosen im Jahre 
1647 geführten diplomatischen Briefwechsels zu verschaffen, 
woraus sowohl das heimliche Einvernehmen der Franzosen mit 
Bayern und den andren katholischen Ständen bei der Ver* 
handlung über die kirchlichen Streitfragen, als auch ihre und 
Salvius' Intriguen gegen die Oxenstiemas hervorgingen. Als 
nun der spanische Qesandte Brun im November 1647 Osna- 
brück besuchte, überlieferte er sofort diese Abschriften an 
Oxenstierna, der sie sogleich nach Stockholm übersandte. So- 
wohl Servien als D'Avaux versicherten, dass die Actenstflcke 
unterschoben oder doch wenigstens gefälscht seien ; „ wer aber die 
Consilia einigermassen kennt, der kann leicht auf das Gon- 
trarium schliessen^S schreibt der Beichscanzler an seinen Sohn. 
Indessen tbat er, als ob er den Versicherungen der Franzosen 
Olaubeu schenkte, welche späterhin von Mazarin in einem 
verbindlichen Schreiben an denCanzler wiederholt wurden**). 
Die Königin übergab die Actenstücke in Ghanuts Hände und 
befahl ihren Legaten, sich jeder Verbindung mit den Spaniern 
zu enthalten ***). 



*) „Sachez que je tous recommande les interets de la France a les traiter 
et a vous y einployor aussi soigneusement que vous le faites aux miens, ä fin 
de temoigner ä tont Tunivers, que notre amiti^ et notre alliance sont indisso- 
lubles.'* Die Königin an Salvius den 27. November 1647. 

••) Datirt vom 21. Februar 1648. Es war „mit grossen französischen CJom- 
plimeuten erfüllt", nach der eigenen Aeosserung des Ganzlers. 

•••) Vgl.;Pufendorf, Suec. XIX, 184. Chanut, Memoires I, p. 217ff. Axel 
Oxonstierna an seinen Sohn den 12. Dezember 1647. Memorial der französischen 



2 34 

Johann Oxenstierna ward es nicht so leicht, wie seinem 
Vater, wegen des allgemeinen Wohles seine Entrüstung zu 
unterdrücken und das durch die französischen Papiere an den 
Tag Gekommene ruhig zu verschmerzen. Er konnte vor dem 
französischen Gesandten oder vor Salvius seinen Verdruss nicht 
verbergen. Es kam in Gegenwart der übrigen Gesandtschaft 
zu einem Wortwechsel zwischen den schwedischen Legaten, 
was zur Folge hatte, dass sie eine Zeit lang besondere Be- 
richte an die Kegierung abstatteten. Oxenstierna begehrte 
wiederholt seine Entlassung, oder, nach seinen eigenen Wor- 
ten, „von dieser Gesellschaft erlöst zu werden", weil „es 
langsam, ärgerlich und so geht, dass ich darüber ganz müde 
werde"*). Sowohl die Königin als der Kanzler wünschten 
indessen, dass er bleiben sollte, und jene mahnte dui'ch be- 
sondere eigenhändige Briefe die Legaten zur Eintracht. Das Ver- 
hältniss zwischen ihnen scheint in der That, nach den Briefen 
Johann Oxenstiernas an seinen Vater zu schliessen, vom An- 
fang des Jahres 1648 an sich gebessert zu haben; sie be- 
gannen wieder gemeinsame Briefe an die Königin zu schreiben. 
Dass Salvius (im März 1648) trotz des Widerstandes Axel 
Oxenstiernas und seiner Freunde zum Reichsrath ernannt 
wurde , musste natürlich die Oxenstiernas tief verletzen. 
„Daraus kannst du unsren Staat und unsre Consilia sehen 
und beurtheilen ", fügte der Canzler hinzu, als er seinen Sohn 
davon benachrichtigte. Es scheint wirklich die Absicht der 
Königin gewesen zu sein, mit der Zeit Salvius zum Nach- 
folger Axel Oxenstiernas in dem Eeichscanzleramt zu machen**), 
und da dies auch das Ziel war, welches Johann Oxenstierna 



Gesandten an ihren Hof den 16. Dezember: Negoc. secr. IV, p. 200. Bougeant 
a. a. 0. VIII, 57. 

•) Der Canzler an seinen Sohn den 12. Dezember 1647. Joh. Oxenstierna 
An die Regierung den 26. Dezember 1647: U. W. F. 

**) Siehe z. B. ihren Brief an Salvius den 10. April 1647. 



235 

^seinem Ehrgeiz gesteckt hatte, so waren die beiden Legaten 
in mehr als einer Hinsicht Nebenbuhler. 

Wenn also die Königin das Abschiedsgesuch Johann 
Oxenstiemas nicht genehmigen wollte, so beabsichtigte sie 
jedoch, verschiedene andere Personenveränderungen in der diplo- 
matischen und militärischen Verwaltung der deutschen Ange- 
l^enheiten Schwedens zu treffen. Schon im November 1647 
machte sie Ghanut die vertrauliche Mittheilung ihres Ent- 
schlusses, Wrangel, dessen Ansehen durch die letzten Er- 
eignisse gelitten hatte und welcher obendrein bei der Armee 
weniger beliebt war, durch den Pfalzgrafen Carl Gustav zu 
ersetzen, dem Torstensson als Batbgeber zur Seite gestellt 
werden sollte*). In der diplomatischen Welt war schon im 
Sommer 1647 die Veränderung vollzogen , dass Schering 
Bosenhane von Münster abberufen wurde, um dann als der 
gesandte Schwedens nach Paris abzugehen, was auch Anfang 
des Jahres 1648 geschah. Er hatte Weisung, die Freund- 
schaft zwischen den beiden Kronen zu erhalten und insbe- 
sondere Frankreich zu erhöhten Subsidien zu bewegen. Es 
gelang jedoch nicht mehr als eine Gabe von 50,000 Ecus 
als Beitrag zur Ausrüstung der neuen Expedition zu erlangen, 
welche Gabe durch die beiden Kriegsschiffe ersetzt wurde, 
deren eines die Königin an die Königin-Mutter von Frank- 
reich, das andere an Mazarin verschenkte. — Zu Bosen- 
hanes Nachfolger in Münster ward der Legationssecretär 
Björnklou ausersehen, welcher im Herbst 1647 nach Hause 
berufen wurde, um über den Stand der Friedensverhandlung 
und die Uneinigkeit der beiden Legaten Aufschlüsse zu geben, 
und dann im Frühjahr 1648 als Besident nach Osnabrück 
abging. Björnklou scheint in den Streitigkeiten seiner beiden 
Vorgesetzten eine kluge und unparteiische Haltung beobachtet 
zu haben. 



•) Clianut an Mazarin den 16. November 16-17: Wabrenb. Sammlung. 



236 

Indessen kehren wir zu den Verhandlungen beim Congrease 
zurück. Durch den Vertrag zu Pilsen hatte der Kurfürst von 
Bayern ausdrücklich erklärt, dass er nur an dem diesjährigen 
Feldzug Theil zu nehmen beabsichtige und sich vorbehalte» 
-dass der Kaiser die unterbrochene Friedensunterhandlung un- 
"verzüglich vneder aufnehmen und zum Abschhiss bringen 
sollte. DemgemäsB ertheilte der Kaiser den 4/14. October 
1647 von Prag aus seinen Legaten in Osnabrück und Münster 
■neue Instructionen*). Ungeachtet der letzten kriegerischen 
Erfolge würde sich der Kaiser zum Frieden ebenso willig jetzt 
wie vorher finden lassen ; die Legaten sollten deshalb sowohl die 
katholischen als protestantischen Stände zur Mässigung und 
Versöhnlichkeit mahnen, so dass sie ohne weitere Einmischung 
der Kronen ihre Streitigkeiten auf Basis des von Trautmanns- 
dorf entworfenen Friedensinstruments gütlich schlichten könn- 
ten. Würden die Stände nicht einen billigen Vergleich treffen 
können, so müsse der Kaiser aus eigener Machtvollkommen- 
heit zwischen ihnen den Ausschlag geben oder, wie dies ge- 
nannt wurde, sich „des Vorgriffes" bedienen. Diese Instruc- 
tion war auf den Bath und das Gutachten des Kurfürsten von 
Bayern aufgesetzt und wurde auch von dem Kurfürsten von 
Sachsen völlig gebilligt. Allein ehe noch die Legaten di^ 
selbe empfingen, hatten die katholischen Stände bereits ihr 
lange erwartetes Gutachten über den Trautmannsdorfschen 
Friedensvorschlag abgegeben (den 1/11. October). Von den 
Führern der ultramontanen Partei **) abgefasst, lief dies Gut- 
achten darauf hinaus, beinahe alle den Protestanten gemachten 
Zugeständnisse von einigem Gewicht zurückzunehmen, es war 
in der That, wie sich die kaiserlichen Legaten ausdrückten. 



*) An derselben findet sich diese Bemerkung: „conclusnm et approbatum 
in consilio deputatorum , praesentibus Trantmannsdorf, v. Kurtz et Gebhard. 
Prag 13 et 14 Oct."; W. A. 

••) Von dem kurmainzischen Canzler Reigersberger, Ad. Adami und Dr. Leuiel- 
ring. 



237 



„das gerade Oppositum aller bisher gepflogenen Handlung". 
Nach Empfang der neuen Instruction riefen die Kaiserlichen 
die Katholiken zusammen und theilten ihnen den Hauptinhalt 
derselben mit und ermahnten sie, nicht zu viel auf die Wie- 
dervereinigung Bayerns zu geben, sondern sich entgegen- 
kommend und massig zu zeigen. Allein alle Ermahnungen 
waren vergeblich, der päpstliche Nuntius und die Spanier 
wirkten denselben kräftig entgegen, und erst nach vielen Be* 
arbeitungen waren die Katholiken so weit zu bringen, dass 
sie vei-sprachen, nach Osnabrück mitzufolgen, um daselbst 
die lange unterbrochenen Berathschlagungen mit den prote* 
stantisohen Ständen wieder aufzunehmen*). 

Bereits im September 1647 hatten die Protestanten den 
Kaiser ersucht, dass Dr. Volmar, der sich an allen Ver- 
handlungen Trautmannsdorfs betheiligt hatte, und nach der 
Abreise dieses Staatsmannes die Seele der kaiserlichen Ge- 
sandtschaft war**), nach Osnabrück zurückkommen möchte, 
um die ünterhandlUDg mit ihnen und den Schweden fortzu- 
ifihren: man müsse sich über den Trautmannsdorfschen Vor- 
schlag vereinigen und denselben nicht wieder vernichten lassen, 
man könne nicht „wegen einiger stinkenden Aebte" den 
Frieden länger verzögern u. s. w. Der Kaiser hatte ohne 
Schwierigkeit in die Reise Volmars eingewilligt. Trotzdem 
erfolgte dieselbe erst Anfang November. Die Ursache der 
Verzögerung war theils der von den katholischen Ständen ge- 
leistete Widerstand, theils eine neue Verhandlung mit Frank- 
reich, die erst zum Abschluss gebracht werden nsusste. Die 



*) Berichte der kaiserlichen Legraten den 4. nnd 31. October, den 8. und 
12. November 1647 : W. A. — „ Die katholischen Stände haben das Trautmanns- 
dorfsche Project so durchhechelt, dass nicht viele Punkte bei frtth^er Verab- 
redung bleiben." Oxenstiema an die Regierung den 20. Dezember 1647: 
ü. Wi F. 

••) „Volmar ist das Fundament ihres Tractates, seitdem Trautmannsdorf 
^enist ist." Salvius an die Regierung den 6. September. 



238 

Franzosen wollten nämlich ungern in die Versetzung des^ 
Congresses nach Osnabrück einwilligen, so lange die französische 
Entschädigungssache noch nicht völlig entschieden war. Ihr 
Verlangen wurde von den Vermittlern und von Bayern kräftig 
unterstützt, und deshalb fügten sich die Kaiserlichen darnach. 
Am 1/11. November ward die ältere üebereinkunft vom 
3/13. September 1646 nebst gewissen Zusätzen von geringer 
Bedeutung bestätigt und mit den Namensunterschriften der 
Legationsaecretäre versehen. Die Frage wegen des vom Kaiser 
behaupteten Rechtes, Spanien beistehen zu dürfen, wurde 
auch jetzt nicht entschieden. Frankreich behielt sich die 
Verzichtleistung des Kaisers darauf vor; der Kaiser aber er- 
klärte seinerseits, das Abkommen sei nicht als bindend anzu- 
sehen, wofern nicht auch der Friede zwischen Spanien und 
Frankreich zu Stande käme*). Hieraus geht hervor, dass, 
wie Björnklou sich ausdrückte, die „Hispanica causa" noch 
„der Compass des Kaisers in dem deutschen Tractat'* war**). 
Bei der am 4. November erfolgten Ankunft Volmars in 
Osnabrück befand sich die Friedensverhandlung in einer miss- 
lichen Lage. Zwar waren die Schweden in Folge der letzten 
Kriegsereignisse entgegenkommender geworden , als sie im 
Sommer 1647 gewesen — die schwedischen Legaten erhielten 
sogar die Vollmacht der Königin, im äussersten Fall die Geld- 
ansprüche auf 5 Millionen Reichsthaler zu ermässigen***) — , 
*ind zwar eiferten die protestantischen Stände für die Wiederauf- 
nahme der Unterhandlung und baten inständig die Kaiser- 
lichen, nicht länger damit zu zögern f). Andererseits aber 



*) Berichte der kaiserlicheu Legaten den 5. und 12. Novemljer, 10. Dezember 
1647. Rescript des Kaisers den 27. November: W. A. Contarini an den Dogen 
den 15. November: Ven. A. 

*) Björnklou an P. Brahe den 25. Januar 1648: ü. S. G. XIX, S. 386. 
*) Die Regierung" an die Legaten den 30. October 1647: Rreg. 
t) Am 22. November warteten sie den Kaiserlichen in corpore auf uud be- 
schworen sie, die Unterhandlung zu verfolgen, ohne Rücksicht auf einige unver- 
Böhnliche Pfaffen, „man hätte sich an den Franz Wilhelm und die anderen- 






^39 

hatten sie von der Instruction des Kaisers vom 4/14. October 
und von den Schreiben des Kurfürsten von Bayern an den 
Kaiser Kentniss erhalten, welche in der eindringlichsten Weise, 
mit Bitten und Drohungen, ihn aufforderten, die Sache zum 
baldigen Abschluss zu bringen *). Sie wollten daher von dem^ 
was in dem Trautmannsdorfschen Vorschlag ihnen bewilligt 
worden war, auch kein Jota aufgeben ; sie forderten, dass keine 
anderen Punkte wieder vorgenommen werden sollten, als solche, 
ober welche man sich vor der Abreise Trautmannsdorfs nicht hatte^ 
einigen können, wie auch, dass diese Fragen wie vorher erst 
zwischen den Kaiserlichen und den Schweden verhandelt wer- 
den möchten, während die ültrakatholiken am liebsten sahen^ 
wenn man die letzteren von dieser Unterhandlung gänzlich 
ausschliessen könnte, und verlangten, dass das Friedensin- 
strument allen seinen Artikeln nach durchgegangen und ge- 
prüft werden sollte. Hatte nun der Kaiser, wie es Bayern 
wünschte, an seiner Instruction vom 4/14. October bestimmt 
festgehalten und wäre er gegen die Anmassungen der katho- 
lischen Stände kräftig aufgetreten, so hätte möglicherweise der 
Friede trotz der Widerspänstigkeit der ultramontanen Partei 
bald zu Stande kommen können. 

Unglücklicherweise aber hatte die letzte Erklärung der 
Katholiken am kaiserlichen Hofe einigen Eindruck gemacht; 
auch wirkten wohl die kriegerischen Erfolge viel, sowie 
die schwankende Haltung gewisser Protestanten, z. B. Kur- 
sachsens, welche von der protestantischen Seite Zugeständnisse^ 
hoffen liess. Diese Verhältnisse bewirkten eine neue Schwen- 
kung der kaiserlichen Politik. In der Sitzung des kaiserlichen 
Geheimrathes vom 3/13. November wurde der Beschluss ge- 



beiden Kerle (Adami und Leuxelring) nicht zu kehren" u. s. w. Diarium der 
sächsischen Gesandten: D. A. 

•) Der Kurfürst Ton Bayern an den Kaiser den 16. und 22. October, dea 
1. und 29. November 1647 in Abschrift oder Auszug in W. A. 



240 

fasät, dass man „den Vorgriff'^ gegen die katholischen Stände 
nicht in Anwendung bringen, sondern als Vermittler zwischen 
ihnen und den protestantischen Ständen auftreten und dabei 
eine oder die andere Veränderung des Tnratmannsdorf- 
sehen Vorschlages zu Gunsten der Katholiken durchsetzen 
solle. Es wurde auch dies in mehreren folgenden Schrei- 
ben des Kaisers an seine Legaten befohlen, indem er zugleich 
versprach, ihnen eine nähere Instruction in der Sache sobald 
als möglich zu ertheilen. Diese Instruction, welche am 
26. November / 6. Dezember 1647 ausgefertigt wurde, enthielt 
als das Ultimatum des Kaisers mehrere Abweichungen vom 
genannten Vorschlag*). Man hat gegen Volmar die Be- 
schuldigung gerichtet, dass er eigenmächtig und durch Ein- 
wirkung spanischer Einflüsse die Friedensverhandlungen auf*- 
gehalten habe. Sein Benehmen lässt sieh jedoch ohne eine 
solche Annahme wohl erklären. Volmar folgte nur den Be- 
fehlen des Kaisers, als er auf die Wunsche der katholischen 
Stände Bücksicht nahm und ihnen einige fernere Vortheile zn 
bereiten suchte. Zu diesem Zweck entwarf er sogenannte 
„ Correcturen " oder „Temperamenta", d. h. Vorschläge zur 
Abänderung des Trautmannsdorfschen Projectes, und obgleich 
die ultramontane Partei sie ganz ungenügend fand, gelang 
es ihm mit Hilfe Bayerns und der Freunde desselben 
die Stimmenmehrheit für dieselben zu gewinnen, worauf sie 
den 7/17. Dezember 1646 den Schweden und den protestan- 
tischen Ständen überreicht wurden. Obgleich diese im Voraus 
und grundsätzlich jede Abweichung von dem Trautmannsdorf- 



•) Kaiserliches Rescript an die Legaten den 13., 16., 27. November, den 
4. und 11. Dezember 1647, und die beigelegten Gutachten deputirter Rathshcrren. 
Die Instruction vom 6. Dezember habe ich nicht gesehen, aber ihr Inhalt stimmt 
mit dem Ultimatum der Kaiserlichen in punctis amnestiae et gravaDinum vom 
8. Februar 1648 flberein, wie erhellt aus dem Bericht der Kaideriiehen vom 
10. Febroar d. J.: W. A. Die Instruction wurde Bayern, Köln und Mainz mit- 
getheilt. 



241 

sehen Priedensvorschlag missbilligten , so verweigerten sie 
doch nicht, sich in Unterhandlung wegen des Aenderungsvor- 
Schlages der Kaiserlichen einzulassen. Am 20/30. Dezember 
begannen die Conferenzen hierüber zwischen den Schweden und 
den Kaiserlichen, führten aber zu keinem Resultat. Um den 
kaiserlichen Aenderungsvorschlägen das Gleichgewicht zu halten, 
stellten die Schweden auch für eigene Rechnung einige neue 
Forderungen und verlangten, dass diese nebst der Entschädigung 
an die Armee zuerst verhandelt werden sollten. Hiervon aber 
wollten die Kaiserlichen nichts wissen, sondern suchten die Geld- 
frage bei Seite zu schieben, bis der Universalfriede abge- 
schlossen sei, d. h. ad calendas graecas, — und hierin wurden 
sie nicht nur von den katholischen, sondern auch von den pro- 
testantischen Ständen unterstützt, welche sänunüich die lastige 
Frage am liebsten los sein wollten. Die Schweden hinwieder 
hatten Befehl, diesen Punkt vor oder wenigstens gleichzeitig 
mit den übrigen Streitfragen zu betreiben. Aus diesen Gründen 
waren die Priedensaussichten fortwährend gleich gering ; Oxen- 
stiema schrieb der Königin, dass man zu keinem Resultat 
kommen würde, so lange die Armee nicht so stark wäre, dass 
sie die Offensive ergreifen und den Kaiser in seinen eigenen 
Erblanden angreifen könnte. Alles schien von dem Feldzuge 
des Jahres 1648 abzuhängen*). 

Andrerseits aber war Deutschland des langen Krieges so 
müde und durch dessen furchtbare Folgen zu einer solchen 
Verzweiflung gebracht, dass es unter den deutschen Ständen 
keineswegs an kräftigen Anstrengungen fehlte, um die Schwie- 



*) Johann Oxenstierna an die Regierung den 14^ 20. nnd 26. Dezember 1647, 
den 3. Januar 1648: „Die Kaiserlichen bilden sich ein, sie haben gewonnenes 
Spiel und sind deshalb in allen Dingen gewaltig grossthuerisch." „Ich finde beim 
Gegner und seinen Adhärentes eitel Ludificationes und Verschleppungen der 
Friedensverhandlung.** — „Ut nihil dicamus de semestri illorum silentio et 
procrastinationibus, jam quinque sunt hebdomades, ex quo D. Volmarus hie adest, 
et tarnen nihil ferme adhuc agitur", schrieben die schwedischen Legaten an die 
französischen den 9. Dezember: U. W. F. 

Odhner, Politik Schwedens. 16 



242 

rigkeiten, welche die Hauptmächte und die nltramontanen 
Katholiken dem Abschluss des Friedens in den Weg legten, 
zu überwinden. Diese Bemühungen gingen hauptsächlich von 
den mächtigeren Ständen beider Gonfessionen aus: auf der 
protestantischen Seite von Brandenburg und Eursachsen, sowie 
von Braunschweig-Lüneburg , Sachsen-Altenburg und Weimar 
u. a., auf der katholischen Seite hauptsächlich von Bayern, 
Mainz, Trier und Würzburg. Von diesen letzteren war Mainz 
bis 1647 einer der getreuesten Anhänger des Kaisers und 
Spaniens gewesen, aber der neue Kurfürst, welcher unter fran- 
zösischem Einfluss im November 1647 gewählt worden war*), 
Johann Philippp von Schönbom, vormals Bischof von Würz- 
burg, war ein ebenso eifriger Anhänger von Bayern und Frank- 
reich und vereinigte seine Bemühungen mit denjenigen Bayerns 
zur Förderung des Friedens. Auch Köln zeigte sich entgegen- 
kommender, seitdem der Kurfürst der Forderung Bayerns ge- 
mäss seinen bisherigen Principalgesandten beim Oongresse, den 
Bischof von Osnabrück, entlassen hatte. In dieser sowohl aas 
Katholiken als Protestanten bestehenden deutschen Friedenspartei 
kann man je nach den verschiedenen Interessen und Sympathien 
mehrere verschiedene Gruppirungen unterscheiden. 

Was zunächst Brandenburg anbetrifft, so hatte der Kur- 
fürst Friedrich Wilhelm nach der Entscheidung der pommer- 
Bcbeo Streitfrage sich Schweden wieder genähert. Er fohlte 
sich noch zu schwach, um auf eigenen Füssen zu stehen, und 
begann daher, da die Unterhandlung wegen eines Bundes mit 
den Generalstaaten stockte, sich nach einem anderen mächtigen 
Verbündeten umzuschauen. Sich den Kaiserlichen in die Arme 
zu werfen, wie sein Vater gethan, hatte er keine Lust; es 
hätte nur den Schweden einen guten Vorwand gegeben, nicht 
blos Pommern zu behalten, sondern auch auf seine Kosten 
weiter um sich zu greifen, und ausserdem war in der That 



*} Siehe Negoc. secr. III, p. 519. 



248 

Schweden die einzige Macht, welche ihm augenblicklich wirk- 
liche Vortheile bieten konnte*). Er befahl deshalb seinen 
Legaten am Friedenscongresse, den Schweden ein Defensivbünd- 
niss anzubieten. Was er damit eigentlich bezweckte, erhellt 
aus der Instruction, welche er seinen Legaten sendete **) : sie 
sollten zu erwirken suchen, dass die Schweden in den Mar- 
ken die Festungen räumten und die Contributionen erliessen, 
so wie dass sie dem Kurfürsten seinen Antheil von Hinter- 
pommem und die Stifter Halberstadt und Minden sogleich 
einräumten. Die Allianzfrage wurde demzufolge von den 
brandenburgischen Legaten in Osnabrück mehrmals angeregt, 
ja der Eurffirst beauftragte zwei derselben, y. Wittgenstein 
und Fromhold, sich zu diesem Zweck nach Stockholm zu be- 
geben. Allein Salvius, welchen man im Vertrauen hierüber 
zuBathe zog^ rieth von jeder Gesandtschaft nach Schweden, ehe 
noch der Friede geschlossen sei, ab ; dann würde er selber nach 
Hause zurückkehren und könnte am Platze das Vorhaben des 
Kurfürsten geigen den Beichscanzler , der ihm abhold sei, 
leichter unterstützen*^*). Dass Axel Oxenstiema dem Eur- 
fflrsten nicht besonders gewogen war, ist allerdings wahr; das 
Benehmen des früheren Eurffirsten hatte dem Beichscanzler 
ein tiefes Misstrauen zu der brandenburgischen Politik im 
Allgemeinen eingeflOsstf). Aus diesen Gründen beschloss der 
Kurfürst, den Gedanken an ein Bündniss mit Schweden einst- 
weilen aufzugeben. Eine andere Allianz, welche um diese 



*) Siehe das Tom KnrfOrsten im Frühjahr 1647 eigenhändig geschriebene 
Gutachten über diese Sache, gedruckt in Urk. und Act. lY, S. 552 if. und erwähnt 
bei Ranke, Zwölf Bücher preussischer Geschichte I, S. 240, und bei Droysen 
a. a. 0. ffl, 1. S. 231. 

•) Datirt vom 13. April 1647 und gedruckt in Urk. und Act. IV, S. 546 ff. 
*) Bericht der brandenburgischen Legaten den 9. Juli 1647: Urk. und 
Act IV, S. 560. 

t) „Ich erkenne die alten brandenburgischen oder schwarzenbergischen Con- 
silia und finde keinen anderen Unterschied, als dass die Farben verändert sind." 
Axel Oxenstierna an seinen Sohn den 14. November 1646: Gjörwells Samml. 

16* 



") 

«••\ 



244 

Zeit dem Kurfürsten angeboten wurde, war die mit Frankreich ; 
wenn er seine Waflfen mit den französischen vereinigen wollte, 
so wurde ihm , ausser den guten Diensten Frankreichs bei 
Schweden, auch noch ein Ersatz an Land, bestehend in 
Schlesien oder Theilen davon, in Aussicht gestellt. Hierüber 
unterhandelte man am Schluss des Jahres 1647*), bald aber 
wurden die Pläne des Kurfürsten in eine andere Bahn ge- 
lenkt. 

Schon mehrmals vorher im Laufe des dreissigjährigen 
Krieges war von einer in Deutschland zu bildenden „dritten 
Partei" die Eede gewesen, einer Mittelpartei, welche, wo es nö- 
thig wäre, die Rolle eines Schiedsrichters zwischen dem Kaiser 
und den fremden Kronen spielen und der Seite, welcher sie 
sich anschlösse, das Uebergewicht geben sollte. Einer solchen 
Partei bedurfte es unleugbar im Sommer und Herbst des 
Jahres 1647 mehr denn je, denn in Folge mehrerer mitwir- 
kenden Ursachen waren die Friedensverhandlungen ins Stocken 
gerathen und die kriegführenden Mächte geneigt, es auf einen 
neuen Feldzug ankommen zu lassen. In diesem Augenblick kam 
der unternehmende Kurfürst von Brandenburg auf den Gedanken, 
sich an die Spitze eines bewaffneten protestantischen Bundes zu 
stellen und dadurch den Frieden zu erzwingen. Er unterhielt 
eine kleine tüchtige Armee, die er selbst geworben hatte, und es 
handelte sich nun darum, die übrigen mächtigeren Protestanten 
zum gemeinschaftlichen Auftreten zu bewegen. Zu diesem 
Zwecke ging der Vertraute des Kurfürsten, der Oberkammer- 
herr Conrad von Burgsdorf**), im Dezember 1647 an die 
braunschweig-lüneburgischen und sächsischen Höfe ab; auch 
mit Hessen-Gassel und den Hansestädten setzte man sich in 
Verbindung, ja wahrscheinlich hatte der kurz vorher nach 



*) Die hierauf bezüglichen Actenstttcke finden sich in ürk. und Act. I, 
S. 657 ff.; Tgl. auch S. 612 ff. 

•*) Burgsdorf wird von Salvins „ejus aulae Sejanus'^ genannt: Salvios an 
Oxenstierna den 5. October 1647. 



245 

Eopenh^en abgesandte brandenburgische Besident in Stock- 
holm, Schlezer, einen ähnlichen Auftrag. Die Sache wurde 
ziemlich offen betrieben, denn der Kurfürst wollte weder den 
Kaiser noch die Kronen oder die gemässigten Katholiken gegen 
sich in Harnisch bringen. Die Katholiken zollten dem Vor- 
haben des Kurfürsten BeiMl; die Kronen betrachteten das- 
selbe allerdings mit Misstrauen, und namentlich von Stockholm 
aus wurden solche Kundgebungen des Verdrusses und solche 
Drohungen laut, dass der Kurfürst durch besondere Schreiben an 
die Königin seine Unschuld betheuem zu müssen glaubte*), — 
aber Schweden konnte sich schwerlich offen einem solchen 
Plane, wie der Bildung einer neuen evangelischen Union 
widersetzen. Was den Kaiser betrifft, so schickte er gleich- 
zeitig einen Gesandten an den kursächsischen Hof, um je nach 
den Umständen entweder den Plänen Brandenburgs enl^egen- 
zuarbeiten oder sie zu seinem Vortheil auszubeuten. Es war 
nämlich einleuchtend, dass alles von der Antwort Kursachsens 
abhing. Burgsdorf traf den Kurfürsten Johann Georg in 
Lichtenburg und trug seinen Auftrag vor. Aber der alte be- 
dächtige Kurfürst konnte jetzt ebensowenig wie sonst sich zu 
einer männlichen und kräftigen Handlungsweise entschliessen, 
der Prager Friede spukte immer noch in seinem und seiner 
Eathe Kopf, die meisten seiner Vertrauten waren kaiserlich 
gesinnt: — das Ende war, dass Burgsdorf eine abschlägige 
Antwort auf seinen Antrag erhielt. Jetzt begannen auch die 
braunschweig-lüneburgischen Fürsten, die sich zuerst geneigt 
gezeigt hatten, sich zurückzuziehen, und somit war der Plan 
für diesmal gescheitert**). 



•) Siehe Ürk. und Act. IV, S. 631. 685 u. m. auf Grund von Schlezers 
Schreiben. Axel Oxenstierna an den Sohn den 12. und 19. Februar, den 4. März 
1648. Chanut, Mömoires I, p. 234. 248. 254. 273. 

**) Ueber Burgsdorfs Sendung und Unterhandlungen siehe Urk. und Act. IV, 
S. 762—814, namentlich die Schlussresolution des Kurfürsten an Burgsdorf vom 
18. Janaar, sowie den Gesanuutbericht Burgsdorfs Tom 4. Mai 1648 ; Tgl. S. 741. 
Droysen a. a. 0. III, 1. S. 234 IT. 



246 

In Betreff der Friedensverhandlung war der Kurfürst von 
Brandenburg der Meinung, dass der Trautmannsdorfsche Vor- 
schlag in der Hauptsache gelten sollte, wenn man auch in 
weniger wichtigen Punkten einige Aenderung zulassen könnte *). 
Der Kurfürst von Sachsen dagegen hielt dafür, dass der Kaiser 
und die katholischen Stände in ihrem guten Recht wären, wenn 
sie auf gewissen Abänderungen jenes Vorschlages beständen, 
und befahl seinen Gesandten in Osnabrück, den Katholiken so 
viel als möglich entgegenzukommen, und im Einvernehmen 
mit den Kaiserlichen auf eine Vereinbarung zwischen den 
deutschen Ständen ohne Einmischung der fremden Kronen 
hinzuarbeiten**). Die meisten der evangelischen Stände waren 
jedoch der Ansicht, dass es nunmehr vergeblich sei, die frem- 
den Kronen von den deutschen Angelegenheiten ausschliessen 
zu wollen, und fanden es bei den obwaltenden Umständen -am 
klügsten, sich fortwährend auf Schweden zu stützen, welches 
als die protestantische Hauptmacht am besten geeignet war, 
gegenüber dem Kaiser, dem vornehmsten Vertreter der Katho- 
liken, ihre Interessen zu wahren. Nur weil sie sich auf 
Schwedens Beistand verliessen, konnten sie' in ihren „Decb^ 
rationes ultimae^^ (den 11. Januar 1648) in der Hauptsache 
an dem Trautmannsdorfschen Vorschlag festhalten. Allein 
wenn sie so nicht gesonnen waren, den Schweden die oberste 
Leitung der protestantischen Angelegenheiten zu nehmen, so 
hatten sie jedoch nichts dagegen, wenn der Einfluss derselben 
beschränkt und die Unterhandlung mit angemessenen Mitiiehi 
beschleunigt würde. Ungefähr derselben Art war die Stellung 



•) Siehe die Resolution des Kurfürsten vom 31. Dezember 1647: Urk. und 
Act. IV, S. 646. Ein Aenderungsvorschlag , dem er sich natürlich widersetzte, 
war der von Volmar unterstützte, dass Brandenburg gegen einige Entsdiädigong 
das Stift Minden an Braunschweig-Lüneburg abtroten sollte, welches dafür auf 
die „Alternativa" beim Stif<j Osnabrück verzichten sollte — ein Plan, welcher 
fruchtlose Unterhandlungen veranlasste, die viel Zeit kosteten. 

**) Siehe namentlich den Brief des Kurfürsten vom 31. Dezember 1647 und 
24. Januar 1648: D. A. 



2 47 

der moderaten Katholiken gegenüber dem Kaiser; sie waren mit 
der Nachgiebigkeit unzufrieden, welche die Kaiserlichen theils 
Spanien theils den ültramontauen bewiesen, wie auch mit der 
Verzierung des kaiserlichen Ultimatums in Betreff der Am- 
nestie und der Gravamina, welche Verzögerung man den 
Banken Yolmars zuschrieb. Unter solchen Verhältnissen ver- 
fielen einige der katholischen Stände auf den Gedanken, dass 
man leichter ein Resultat erzielen würde, wenn die moderaten 
Katholiken sich in Separatverhandlungen mit den Führern der 
protestantischen Partei einliessen und sich mit ihnen über 
gemeinsame Beschlüsse verständigten, welche man dann mit 
gemeinsamen Kräften theils in den Plenarsitzungen der Stände 
theils bei den Schweden und den Kaiserlichen durchsetzen sollte. 
Ein derartiger Plan wurde bereits im Dezember 1647 in Vor- 
schlag gebracht und fand immer mehr Eingang, je mehr die 
officiellen Verhandlungen sich in die Länge zogen. Am 29. Januar 
1648 ward derselbe in Ausführung gebracht. In der Wohnung 
der kurmainzischen Gesandten fanden sich also Bevollmächtigte 
für Kursachsen, Brandenburg, Braunschweig-Lüneburg, Sachsen- 
Ältenburg und Str^ssburg, wie auch für Bayern, Mainz, Trier, 
Bamberg und Würzburg zusammen und knüpften Unterhand- 
lungen behufs einer Vereinbarung über die noch übrigen 
Streitfragen an. Die Schweden, welche durch die Altenburger 
und Braunschweig -Lüneburger die Vorgänge bei diesen Con- 
ferenzen erfuhren, begünstigten das Unternehmen, die Kaiser- 
lichen aber sahen darin einerseits eine Beeinträchtigung der 
kaiserlichen Gewalt, andrerseits einen Anfang zum Zwiespalt 
in dem katholischen Lager, und um dieser Gefahr vorzubeugen 
beeilten sie sich, noch an demselben Abend ihre letzten 
Anträge bezüglich der Amnestie und der Gravamina gemäss 
der Instruction des Kaisers vom 26. November / 6. Dezember 
1647 zu stellen. Hierdurch sowie durch persönliche Be- 
arbeitungen erreichten sie wirklich ihren Zweck, indem so- 
wohl die Kursachsen als die Brandenburger sich binnen 



248 

kurzem zurückzogen und die besonderen Conferenzen auf- 
hörten*). Als aber die Schweden das kaiserliche Ultimatum 
sofort verwarfen und es beinahe als einen Grund zum yoU- 
ständigen Bruche aufnahmen**), wurde ein neuer Versuch ge- 
macht, die Unterhandlung wieder in den Gang zu bringen. 
Bei einer Zusammenkunft im Kathhause beschlossen nämlich 
die evangelischen Stände, einen neuen „Modus tractandi" in 
Anregung zu bringen, nämlich so, dass zwar die kaiserlichen 
und die schwedischen Legaten die Unterhandlungen fortwährend 
leiten, zugleich aber Bevollmächtigte der katholischen und 
protestantischen Stände in einem Nebenzimmer dabei zugegen 
sein sollten, um gleichzeitig über die etwaigen Anträge ihr 
Gutachten abzugeben ; hierdurch würde jeder unnöthige Verzug 
vermieden, der Einfluss der Stände vermehrt und der Aus- 
gleich durch die persönliche Berührung gefördert werden. Nach- 
dem die kaiserlichen und die schwedischen Legaten ihre Zu- 
stimmung hierzu gegeben hatten, wurden diese neuen Conferenzen 
am Concordiatag den 18. Februar eröffnet und dann einmal 
ums andere in der Wohnung der ersteren und letzteren abge- 
halten***). Die Forderung der Franzosen', welche von den 
Schweden nur lau unterstützt wurde, dass der französische 



*) Ueber cliese Conferenzen siehe die Berichte der schwedischen Legaten 
den 31. Januar und 7. Februar 1648: U, W. F. Berichte der Kaiserlichen den 
10. Februar 1648: W. A. Diarium der sächsischen Gesandten den 23. Dezember 
1647 und den 27., 28. und 29. Januar 1648: D. A. Berichte der bayerischen 
Gesandten den 6. unl 13. Februar; vergl. die Briefe des Kurfürsten von Bayern 
an seine Gesandten den 15. und 22. Januar 1648: M. A. Meiern a. a. 0. IV, 
S. 930 ff. 

**) „So wäre der Schluss schon gemacht und konnten sie weiter nichts 
handeln, sondern man werde tapfer darauf schlagen, man habe mit ihnen fiJe 
publica gehandelt, hätte nicht vermeint, dass man sie fünf ganze Jahre also 
herumgezogen und, wie Salvius sagte, betrogen haben sollte. Sie werden sich 
mit ihren Satisfactionibus nicht inesciren lassen." So werden die Aeusserungen 
der Schweden in den Berichten der Kaiserlichen vom 13. Februar 1648 wieder- 
gegeben: W. A. 

•••) Die schwedischen Legaten an die Regierung den 14. und 21. Februar 
1648: U. W. F. 



249 

Resident de la Cour zugegen sein dürfte, konnte nicht durch- 
gesetzt werden. 

Indessen würden ohne Zweifel auch diese Berathschla- 
gungen nur wenig Nutzen geschafft haben, wenn nicht um 
dieselbe Zeit der Kaiser durch die Pression Bayerns genöthigt 
worden wäre, einen entscheidenden Schritt in friedlicher 
Richtung zu machen. Der Kurfürst von Bayern, der die 
Rache Schwedens fürchtete und dem bevorstehenden Angriff 
der vereinigten schwedischen und französischen Heere mit 
Angst und Schrecken entgegensah — denn Frankreich hatte 
nunmehr den Waffenstillstand mit Bayern aufgekündigt — , bot 
alles auf, um den kaiserlichen Hof zum Nachgeben zu be- 
wegen, und es war hauptsächlich eine Frucht seiner Bitten, 
Mahnungen und Drohungen*), dass der Kaiser durch ein 
eigenhändiges Schreiben vom 5/15. Februar endlich seinen 
Gesandten befahl, den Trautmannsdorfschen Vorschlag, worüber 
man sich sieben Monate lang so heftig gestritten hatte, an- 
zuerkennen**). Dieser wichtige Befehl, der am 19/29. Fe- 
bruar den kaiserlichen Legaten in die Hände kam, wurde 
zwar nicht beim Congresse öffentlich bekannt gemacht; die 
vornehmsten Katholiken hatten aber Kenntniss davon und die 



*) Siehe den Schriftwechsel zwischen dem Kurfürsten und seinem Agenten 
am kaiserlichen Hofe, dem Hofkammerpräsidenten Mandel, in den Monaten 
Dezember, Januar und Februar, in Abschriften den westphälischen Friedensacten 
in M. A. beigelegt. 

**) Ein derartiger Befehl war schon vorher durch einen eigenhändigen 
kaiserlichen Brief vom 11. Dezember 1647 erlassen worden; aber dieser Brief war 
erst dann zu eröffnen, wenn man mit der Instruction vom 6. Dezember nichts 
ausrichten konnte. Das Handschreiben war folgenden Inhalts: „Liebe, getreue! 
Wir geben Euch hiemit Gewalt, dass wenn die Catholischen Stände oder doch 
die vornehmsten derselben in das Friedensproject , wie es von dem von Traut- 
mannsdorff bei Euch hinterlassen, consentiren, Ihr alsbald den Fried darauf 
schliessen sollet; doch habt Ihr Euch zu bemühen, dass der Paragraphus ,in 
Bohemia* etc. also eingerichtet, wie es mein Euch schon überschickte Resolution 
vermag, der Punctus restitutionis et executionis auch allso verfasset werde, dass 
darc^us die Sicherheit des Friedens erfolge und die Plätze restituirt werden. 
Prag den 11. Dezember 1647." Dieser Brief wurde erst aus Veranlassung des 
neuen Handschreibens vom 15. Februar eröffnet: W. A. 



260 

Wirkungen desselben zeigten sich bald. Somit hatte die 
moderat-katholische Partei, den Kurfürsten von Bayern an der 
Spitze, einen entschiedenen Sieg über die spanisch -jesuitische 
Partei errungen, ein Sieg, der keineswegs dadurch aufgewogen 
wurde, dass es endlich Spanien gelang, den Separatfrieden mit 
den Niederlanden am 20/30. Januar in Münster zu schliessen; 
man war nämlich schon lange auf diesen Friedensschloss 
vorbereitet. Die ultramontane Partei unter den Standen hatte 
bereits im Januar 1648 sich nach Münster in der Hoffnung 
zuiückbegeben, dadurch die in Osnabrück stattfindenden Unter- 
handlungen sprengen zu können, aber diese wurden trotz ihrer 
Abwesenheit fortgesetzt. 

Von dem Augenblick an, als die Vollmacht vom 5. Fe- 
bruar den Kaiserlichen zu Händen kam, und als gleichzeitig 
durch eine neue Anordnung der Verhandlungen der Einfluss 
der Stände auf dieselben wesentlich gesteigert wurde, kameD 
die bisher stockenden Verhandlungen wieder in Gang. Hierzu 
trugen auch der Anfang des neuen Feldzuges und die Fort- 
schritte der Verbündeten nicht wenig bei, indem Wrangel 
von Norden bis au den Main vorrückte und Turenne den 
Ehein überschritt. Um dieselbe Zeit traf auch in Osnabrück 
ein Diplomat ein, welcher durch sein energisches und rück- 
sichtsloses Auftreten zur Beschleunigung der Unterhandlung 
mächtig beitnig: es war der bayerische Gesandte Dr. Krebs, 
der seit dem Frühjahr des Jahres 1647 abwesend gewesen 
war. Er wurde jetzt der Führer der anti-kaiserlichen und 
anti-spanischen Partei unter den katholischen Ständen und rief 
binnen kurzem die besonderen Conferenzen mit gewissen 
protestantischen Ständen, welche abzubrechen das vorige Mal 
den Kaiserlichen gelungen war, wieder ins Leben. In dieser 
Weise bildete sich unter den Ständen eine kleine Gruppe 
eifriger Anhänger des Friedens, hauptsächlich bestehend aus 
Dr. Krebs, dem mainzischen Gesandten Licentiaten Meel, dem 
würzburgischen v. Vorburg, dem braunschweig-lüneburgischen 



251 

Dr. Lampadius and dem sachsen-altenburgischen v. Thumbs- 
him, welche besondere Berathungen abhielten, im voraus ihre 
Verabredmigen trafen, vermittelten und unterhandelten und 
auf diesem Wege schliesslich ihre Meinung durchsetzten. Qegen 
dies Verfahren hatten die Schweden um so weniger etwas ein- 
zuwenden, als die Begierung den bereits vorher ertheilten Be- 
fehl von neuem wiederholt hatte '^), dass, falls man in den 
deutschen Streitfragen zu Zugestandnissen genöthigt würde, 
dann die deutschen Stände selbst den Ausschlag geben« möch* 
ten, so dass die Schuld nicht auf Schweden fiele; dazu kam, 
dass die protestantischen Führer der erwähnten Gruppe 
Schwedens Anhänger waren und im Einvernehmen mit den 
schwedischen Legaten handelten. Die Kaiserlichen ds^^en 
hatten in jener Gruppe keine Freunde, sondern lauter G^ner, 
und waren deshalb mit dem Verfahren derselben, worin sie 
eine Beeinträchtigung der kaiserlichen Gewalt erblickten, 
höchst unzufrieden; aber ihre Bemühungen, diese Herren auf 
andere Gedanken zu bringen, blieben vergeblich. Durch die 
Einwirkung dieser Partei wurde die Unterhandlung in dem 
örade beschleunigt, dass die kaiserlichen Instructionen über 
mehrere Punkte den Gesandten oft nicht eher zu Händen kamen, 
als bis die Punkte bereits vom Congresse erledigt waren. 

In dieser Weise wurde zuerst die Justizfrage, über welche 
man so viel gestritten hatte, berathen und (am 22. Februar) dahin 
entschieden, dass die von den Protestanten verlangte Parität an 
den Beichsgerichtshöfen ihnen bei allen Bechtshändeln zwi- 
schen verschiedenen Religionsbekennern zugestanden wurde ; die 
übrigen noch nicht entschiedenen Streitpunkte wurden aber 
einem allgemeinen Reichstag überwiesen**). Dann ward die 
wichtige Autonomiefrage, die vielleicht mehr als irgend eine 



*) Briefe der Rogierunp: vom 8. Januar und 19. Februar 1648: Rreg. 

**) iDstrumentuni pacis Osnabrugensis, Art. V, par. 53 sqq. Diese Friedens- 
arkunde wurde nach dem schwedischen Urschriftsexemplar 1738 von Meiern 
gedruckt, welche Auflage dann mehrmals abgedruckt worden ist. Vgl. Ptttter 
a. a. 0., S. 95. 



252 

andere zur ErschwemDg der Unterhandlung beigetragen hatte, 
verhandelt. Die Wichtigkeit dieser Frage hatte die schwe- 
dische Eegiening ihren Legaten von neuem eingeschärft: „es 
ist eine Sache, worauf auch unsere Sicherheit und die der 
Krone Schweden beruht und welche hauptsächlich unseren 
Vater bewogen, seine Waffen auf deutschen Boden zu trans- 
feriren*' u. s. w.*) Die schwedischen Legaten thaten auch ihr 
Bestes in dieser Sache, aber ihre Bemühungen wurden durch 
die Gleichgültigkeit der Protestanten gelähmt : der Kurfürst von 
Sachsen unterstützte offen den Vorschlag der Katholiken, und 
den übrigen protestantischen Fürsten war es mehr um die Er- 
haltung des Reformationsrechtes als um eine erweiterte Religions- 
freiheit zu thun. Unter solchen Umständen konnten die Schwe- 
den nur wenig ausrichten; sie bedauerten, dass „die Stände sich 
so biosgegeben und mit der Thür ins Haus hineinfielen, ob- 
gleich es eine Sache sei, die ihre ewige Seligkeit im Jenseits 
und ihr Gewissen im Diesseits betreffe"**); da aber die 
Sache die Stände selbst zunächst anging, so mussten die 
Schweden sie gewähren lassen. Bezüglich der Autonomie im 
Reiche wurde also dem Verlangen der Katholiken gemäss in 
der Uebereinkunft vom 8. Mai 1647 die Beschränkung ge- 
macht, dass solche fremde Religionsbekenner , welche 1624 
nicht im Besitz der Religionsfreiheit waren, zur Auswanderung 
gezwungen werden könnten, und ausserdem wurde die Aus- 
wanderungszeit gekürzt; dagegen ward durch die Bemühungen 
der Schweden protestantischen Unterthanen in katholischen 
Ländern eine sichere Stellung zugestanden***). Was die 
Autonomie in den Erblanden des Kaisers betrifft, so musste 
man sich damit begnügen, dass die drei schlesischen Herzoge 



*) Die Regierung an die Legaten den 18. März 1648: Breg. 

••) Die Regierung an die Legaten den 25. Mftrz 1648: Breg. Die Legaten 
an die Regierung den 13. März: U. W. F. 

***) Ueber die Bedeutung des Wortes ««observantia^' anstatt „conniyentia", 
siehe Meiern a. a. 0. V, S. 534. 



253 

von Brieg, Liegnitz und Münsterbei^-Oels, sowie die Stadt 
Breslau ihre alte Religionsfreiheit behalten sollten, und dass 
die protestantischen Einwohner der drei Herzogthümer an be- 
stimmten Orten drei Kirchen für ihre ßeligionsübung errichten 
durften, dass aber der übrige schlesische Adel und dessen 
Untertbanen nur das Becht haben sollten, nicht zur Aus- 
wanderung gezwungen zu werden und an angrenzenden Orten 
evangelischem Gottesdienst beizuwohnen; dies Becht wurde 
auch dem Adel in Niederöstreich, aber nicht den Unterthanen 
desselben eingeräumt. Ausserdem behielten sich Schweden 
und die protestantischen Stände vor, an den Beicbstagen oder 
in anderer Weise durch freundschaftliche Vermittlung und 
Verwendung beim Kaiser erweiterte Bechte für ihre Glaubens- 
genossen in den Erblanden auszuwirken*). 

An demselben Tag wie die Autonomiefrage, also am 
8. März, wurde auf Verlangen der Schweden auch die Be- 
stimmung über die Entschädigung Schwedens unterzeichnet**); 
sie hatte seit Februar 1647 keine andere wesentliche Ver- 
änderung erlitten, als dass in Bezug auf Wismar das zuerst 
festgestellte Gondominium zwischen Schweden und Mecklen- 
burg in ein volles Besitzrecht des ersteren umgewandelt wor- 
den war, wie auch der Titel und Platz Schwedens unter den 
Keichsständen dahin verändert, dass der König desselben als 
Herzog von Bremen, Verden und Pommern, Purst von Bügen 
und Herr zu Wismar zum Beichstag berufen werden sollte; 
er sollte aber nur für die drei erstgenannten abstimmen und 
als der Vertreter Bremens auf der weltlichen Fürstenbank die 
fönfte Stelle einnehmen. Ferner war dem König von Schwe- 



•) Instr. Pac. Osn. V, 30—41. 

**) Die separaten Artikel wurden von Crane im Namen des Kaisers, von 
Sahius in Schwedens Namen sowie von den Gesandten, welche unter den Ständen 
das Directorinm führten, nämlich dem kurmainzischen (v. Beigersberger) im Namen 
der Katholiken, dem Sachsen - altenburgischen (t. Thumbshirn) im Namen der 
Protestanten unterzeichnet. 



2&4 

den das ßecht, für seine deutschen Provinzen ein oberstes 
Appellationsgericht zu errichten, sowie die sogenannte Electio 
fori *) zugestanden worden ; schliesslich war der Punkt wegen 
der Stadt Bremen etwas verändert worden**). 

Nachdem die schwierigen Fragen der Justiz und der 
Autonomie entschieden waren, dauerte es nicht lange, bis die 
kirchlichen Gravamina insgesammt zum Unterzeichnen fert^ 
waren; dies geschah den 14. März***). Dann kam die ßeihe 
an die pfalzische Angelegenheit und die Aequivalenzen (die 
brandenburgische und die braunschweig - Ifineburgische) f)» 
welche am 15. März unterzeichnet wurden, jedoch nur von 
den Deputirten der Stände, weil die Schweden, um einen 
Druck auf den Kurfürsten von Bayern auszuüben, bis auf wei- 
teres sich weigerten, den pfälzischen Punkt zu unterschreiben. 
Einer grösseren Anstrengung bedurfte es, die hessen-casselsche 
Entschädigungsfrs^e, worüber man so viel geskitten hatte, 
sowie die weitläufige, in so viele Sonderinteressen eingreifende 
Amnestiefrage zum Abschluss zu bringen. Die erste wurde 
am 29. März unterschrieben: die Landgräfin musste sich mit 
der Abtei Hersfeld, vier Aemtem des schaumburgischen Erbes 
und 600,000 Reichsthalem begnügen ff). Am 11. April war 
die Amnestiefrage im reinen ftt)» jedoch mit Ausnahme des 
Punktes „Tandem omnes", welche die Schweden sich aus- 
drücklich vorbehielten. Bald darauf am 13. April wurde der 
Artikel wegen der religiösen Freiheiten der ßeformirten unter- 
zeichnet §). Dass sie in den Beligions&ieden aufgenommen 
werden sollten, war eine längst entschiedene Sache , fraglich 



*) d. h. das Recht als Reichsfürst in Rechtshändeln das Reichskammer- 
gericht oder das Reichshofgericht zum Fomm beliebig zu wählen. 
•*) Instr. Pac. Osn. X, Beilage II. 
•-) Instr. Pac. Osn. V. 
t) Instr. Pac Osn. IV, 2 ff.; XI— XIII. 
tt) Instr. Pac. Osn. XV. 
ttt) Instr. Pac. Osn. II—IV. 
§) Instr. Pac Osn. VII. 



266 

war es nur, welche Stellung sie den Lutheranern gegenüber 
einnehmen sollten. Diese Frage war von den Katholiken der 
eigenen Entscheidung der Protestanten überlassen worden und 
anter ihnen der Gegenstand langwieriger Verhandlungen ge- 
wesen. Die Schweden wollten, wie bereits erwähnt, den Re- 
formirten kein Jus reformandi einräumen, unterstützten aber 
im übrigen ihre Forderungen dem engherzigen lutherischen 
Eifer des Kurfürsten von Sachsen gegenüber; sie thaten es 
theils aus wirklicher Duldsamkeit "*"), theils aus Rücksicht auf 
Brandenburg und Hessen-Cassel, wie auch für die vielen Re- 
formirten, die in Schwedens Diensten waren. Man einigte 
sich schliesslich dahin, dass die beim Friedensschluss be- 
stehenden Verhältnisse ungestört verbleiben sollten, und 
dass künftig ein reformirter Landesherr eines lutherischen 
Landes oder ein lutherischer Landesherr eines reformirten 
Landes über das Religionswesen keine andere Gewalt haben 
solle, als das Recht, die Ausübung seiner eigenen Religion 
bei seinem Hofe einzufahren und auch einzelnen Gemeinden 
seiner Confession freie Religionsübung zu gestatten (das so- 
genannte Simultaneum). Gegen diesen Beschluss hatte der 
Kurfürst von Sachsen mit einer Beharrlichkeit, die einer 
besseren Sache werth war, gekämpft und schloss mit der Ein- 
legnng einer feierlichen Verwahrung gegen denselben. 

Um dieselbe Zeit hatten der Kaiser und die Stände sich 
auch über den auf die Verfassung des Reiches und die Rechte 
der Stände bezüglichen Artikel**) verständigt, obgleich er 
nicht besonders unterzeichnet wurde. In der Reichsverfassung 



*) Auch in Schweden, wo die Reformirten einigen Eingang gefunden und 
Unrnhe in der Gemeinde verursacht hatten, erhoben sich Stimmen gegen die 
Vortheile, welche man dieser Keligionspartei in Deutschland zu verschaffen 
suchte; aber am Hofe herrschte die religiöse Duldung, und Ghanut preist die 
Königin wegen ihrer Mässigung in Religionssachen. Ghanut an Brienne den 
1. Februar 1648: Wahrenb. Samml. 

-) Instr. Pac. Osn. VIII. Vgl. ürk. und Act. VI, S. 139ff. Pütter a. a. 0., 
S. 452 ff. 



256 _ 

hatte das föderative, territoriale System endlich einen ent- 
scheidenden Sieg davongetragen. Die einzelnen Eeichsstande 
sollten erweiterte Rechte, zunächst das Kecht, unter sich und 
mit auswärtigen Mächten Bündniss zu schliessen, erhalten, und 
kräftige Garantien waren gegen solche kaiserliche üebergriffe, 
wie die unter Ferdinand IL vorgekommenen, aufgestellt. In den 
Angelegenheiten des Kelches sollte künftig nichts von Gewicht 
ohne die Mitwirkung und Genehmigung des ßeichstages unter- 
nommen werden, welcher binnen sechs Monaten nach Bati- 
fication des Friedens und dann so oft, wie es das allgemeine 
Wohl erfordere, einzuberufen sei. Die alte Streitfrage wegen 
des Stimmrechtes der freien Reichsstädte war nun zum Vor- 
theil derselben abgemacht und dasselbe „Votum decisivum" 
den Städten, wie den übrigen Reichsständen eingeräumt. Da- 
g^en waren verschiedene andere Verfassungsfragen, welche die 
fremden Kronen und ihre Anhänger durch den Friedensschluss 
hatten lösen wollen, auf den nächsten Reichstag verschoben 
worden. So verhielt es sich z. B. mit der Frage über die 
römische Königswahl und über eine beständige Wahlcapitu- 
lation für den Kaiser, Fragen, worüber die goldene Bulle 
nichts bestimmte. Bisher waren die Kurfürsten allein in 
Ausübung" des Rechtes, sowohl die Königswahl als die Wahl- 
capitulation zu bestimmen, und dessen hatte das habsburgische 
Haus sich bedient, um sich einer ununterbrochenen Succession 
der Kaiserkrone . zu versichern. Da nun diese Fragen der 
Entscheidung des Reichstages überwiesen wurden, so waren 
dadurch die Kurfürsten-Oligarchie und das habsburgische Haus 
zugleich geschwächt worden zum Vortheil der Majorität der 
Stände, deren Opposition an Bedeutung gewann, nachdem 
Schweden in den Fürstenrath eingetreten war. 

Ein Punkt, der ebenfalls in das Friedensinstrument ein- 
gerückt wurde, war das schon am 4/14. Mai 1647 erlassene 
kaiserliche Decret, dass die Stadt Basel und die übrigen 
schweizerischen Cantone künftig vom deutschen Reich und 



257 

dessen Gerichtsbarkeit gelöst sein sollten. Dies Decret war 
mit Beihilfe Schwedens und Prankreichs durch den Vertreter 
der Eidgenossenschaft am Gongresse, den Bürgermeister von 
Basel, Wetstein, erwirkt worden*). Was die niederländischen 
Staaten betrifft, welche von dem deutschen Beich nie förmlich 
getrennt worden waren, so ward ihre Unabhängigkeit dadurch 
als von Kaiser und Beich anerkannt betrachtet, dass ihrer 
im Frieden nicht als deutscher Beichsstände , sondern als 
einer fremden, freundschafblichen Macht gedacht wurde. 

Nachdem die Verhandlung in einer verhältnissmässig 
kurzen Zeit so weit gediehen war, trat wieder eine Stockung 
ein. Die Schweden hatten, wie erwähnt, bei der Entscheidung 
der Amnestiefrage den Punkt „Tandem omnes" ausgenommen 
und weigerten sich, denselben zu behandeln, so lange die ver- 
langte Geldentschädigung für die Armee noch nicht bewilligt 
war. Fiele diese Bewilligung einigermassen reichlich aus, so 
könnte möglicherweise daraus den aus den östreichischen 
Erblanden Verbannten, welche in schwedischen Diensten waren 
und deren Bestitution beim Kaiser nicht durchgesetzt wer- 
den könnte, einiger Ersatz verschafft werden, wozu kam, 
dass, falls die Geldfrage zuletzt verhandelt und der Friede 
deshalb vereitelt wurde, man die Schuld auf Schweden schie- 
ben würde. Vergebens suchten die Stände die Schweden 
zum Nachgeben in dem Punkt „Tandem omnes" zu bewegen, 
um dann leichter mit der Geldfrage fertig zu werden; ver- 
gebens suchten die Kaiserlichen dasselbe zu erzwingen, indem 
sie den Schweden am 1. Mai einen vollständigen Vorschlag 
zum Friedensinstrument übergaben und deren Antwort darauf 
verlangten, ehe sie die Conferenzen fortsetzten. Die schwe- 
dischen Legaten Hessen sich nicht beirren, und endlich 
mussten die Stände in den sauren Apfel beissen, welchen sie 



•) Instr. Pac. Osn. VI. Ptitter a. a. 0., S. 261. Die Urkunden der Frie- 
densschlüsse zu Osnabrück und Münster, Zürich 1848, S. 237 ff. 
Odhner, Politik Schwedens. 17 



258 

so lange von sich geschoben hatten ; sie mussten nun die Geld- 
frage im Ernste vornehmen. Die Kaiserlichen wollteu sich 
mit dieser ganzen Sache in keiner anderen Weise befs^ssen, 
als dass sie die Lösung derselben durch die Forderung zu er- 
schweren suchten, dass auch die kaiserlichen und bayerischen 
Truppen ihren Antheil an der Geldentscbädigung erhalten 
möchten. 

„Das Contentement der Soldateske^^ war eine Bedingung 
des Friedens, welche die schwedische Eegierung gleich bei 
Beginn der Unterhandlung ihren Legaten ans Herz gelegt 
hatte. Es war in der That für Schweden eine Sache vom 
äussersten Gewicht. Die Ursachen dazu leuchten aus dem 
Schreiben der Eegierung vom 8. Januar 1648 hervor, worin 
es heisst, dass die Feinde durch Verweigerung der Geldent- 
schädigung Schweden in das geMrliche Dilemma zu ver- 
wickeln suchte, „entweder uns und die Krone Schweden bis 
aufs Mark zu pressen, wo diese Last uns auferlegt werden 
sollte, oder auch zu verursachen, dass die Armee zu unserer 
grössten Disreputation auseinandergeht, so dass wir künftig 
keinen Sespect, keine Autorität und keinen Credit bei 
Werbungen und neuen Armirungen haben werden"*). Die 
Geldentschädigung an die Armee sei deshalb eine unerläss^ 
liehe Ergänzung der Entschädigung der Kronen. Allein in 
der That war es auch für die Stände von grossem Gewicht, 
dass die Soldateska, die sich während des langen Krieges an 
ein zügelloses Leben gewöhnt hatte und fast eine selbständige 
Macht geworden war, beim Friedensschluss einigermassen be- 
friedigt würde; es könnte ihr sonst einfallen, dieselbe Eolle 
in Deutschland zu spielen wie z. B. die spanische Soldateska 
im niederländischen Freiheitskrieg. Diese Gründe dienen 
zur Entschuldigung der Härte, womit Schweden jetzt dem 



•) Vgl. den Brief vom 1. April 1648: „Die Affection der Soldateska zu er- 
halten, schätzen wir höher als die der Stände, wofern wir eine von beiden 
preferiron sollten/* ßreg. 



259_ 

aoßgesQgeBen Deutscbland noch 5 Millionen abpresste, und 
zur Milderung des peinlichen Eündruekes, den die 2| Monate 
lang dauernde Unterhandlung wegen der Geldentschädigung 
auf den Forscher macht. 

Bei der Verhandlung über diese Angelegenheit stellte man 
vier verschiedene Fragen auf, nämlich: a quo? cui? qua-u 
tum? und qnomodo? Die beiden ersteren waren leichter 
zu entscheiden: sämmtUche Beichsstände ohne Ausnahme 
sollten nach der üblichen Norm Beiträge liefern, und die 
kaiserlichen und bayerischen Armeen sollten auf die oster- 
reichischen und bayerischen Kreise verwiesen werden. Dann 
kam die Beihe an die Frage quantum? und darüber entspann 
sich ein langwieriger Streit. Es begann, wie Bjömklou spricht, 
ein „Feilschen und Marchandiren". Von dem ursprünglich 
geforderten Betrag von 20 Millionen Reichsthalern waren die 
Schweden bald auf 7 Millionen herabgegangen, welche Summe 
die Armee für ihren Theil als das Minimum aufgestellt hatte. 
Andrerseits boten die Stande zuerst nur 2 Millionen Gulden 
rheinisch*), — „kaum mehr als ein Hundebisaen", klagte man 
schwedischerseits. Sie luden Johann Oxenstiema — Salvius 
Tvar kr^k — zu gemeinsamen Berathungen im Bathhaus ein 
und bestürmten ihn hier mit Bitten und Klagen: „sie jam- 
merten und wehklagten bei Gottes Marter und Pein", dass 
man ihr Elend beherzigen und ihnen nicht „den letzten 
Schlaftrunk oder die letzte Oelung geben möge". Oxen- 
stiema befand sich in einer schwierigen Stellung zwischen 
der Unfähigkeit**) und dem Jammer der Stände einerseits. 



*) 3 Gulden rheinisch gleich 2 Reichsthalern. 

**) Als ein Beispiel hiervon erwähnt Johann Oxenstierna, dass der Erzhischof 
von Magdeburg, der die Zahlung von mindestens 100000 Reichsthalern auf seinen 
Antheil bekommen sollte, qo heruntergekommen sei, dass er kaum 1000 Reichs- 
thaler auftreiben könne, ja kaum Zukost zum Brode habe. „In Summa es ist 
ein iämmerlicber Zustand hier in Deutschland, und scheint fast unmöglich was 
sie versprochen aufzubringen, wie man auch in sie dringen mag. Herr Erskein 

17* 



\ 



2 60 

den Ansprüchen der Armee und den Befehlen der Regierung 
andrerseits. Sobald die Stände am 3. Juni das von der Re- 
gierung genehmigte Minimum, 5 Millionen Reichsthaler, an- 
geboten hatten, beeilte sich Oxenstierna, dasselbe anzunehmen, 
obgleich er nunmehr, nach dem Sieg bei Zusmarshausen und 
der Eroberung von Bayern, starke Gründe hatte, die Ansprüche 
der Armee fortwährend zu verfechten*). 

Allein hierdurch war nur der Betrag der zu leistenden 
Entschädigungssumme abgemacht; es blieb noch übrig, die 
Art und die Bedingungen für die Entrichtung derselben fest- 
zustellen. Die Schweden forderten 3 Millionen baar und 
far das Rückständige Unterpfand und Bürgschaft. Wieder 
ging das Handeln und Klagen los. Die Stände erklärten 
es schlechterdings für eine Unmöglichkeit, eine derartige 
Summe baar zu beschaffen und begannen ihren Klagen Dro- 
hungen beizumischen: wolle man sie zur „Desperation" treiben, 
so würden sie, lieber als dass „sie sich schimpflich zwingen 
Hessen, Schweden den Frieden abzukaufen", sich mit einander 
und mit dem Kaiser gegen dasselbe vereinigen**). Schon 
vorher, bei der Verhandlung wegen des Betrages der Summe, 
hatten sie eine solche „Zusammensetzung" beschlossen***), 
obgleich sie nicht über den Beschluss hinauskamen; jetzt 
wurde der Vorschlag, und zwar in grösserem Ernst, wieder 



gesteht selbst, dass man acht, ja zehn Meilen im Lande marschiren kann, ohne 
einen Bissen Brod oder etwas, wovon man leben kann, zu finden." Oxenstierna 
an die Regierung den 6. Juni 1648: U. W. F. 

*) Bei dieser Unterhandlung wurde die Stärke der schwedischen Armee 
folgendermassen berechnet: Heiter ei: 51.^ Regiment oder 421 Compagnien zu 
je 60 Mann, gleich 25260 Mann und 566 Mann Begiments-Stab ; Fussvolk: 
52^ Regiment oder 483 Compagnien zu je 90 Mann, gleich 43470 Mann und 
1155 Mann Regiments-Stab; Dragoner: 6 Regiment oder 48 Compagnien zu 
je 80 Mann, gleich 3840 Mann und 132 Mann Regiments-Stab. In Summa 
74423 Mann. 

*•) Salvius an die Regierung- den 19. Juni 1648. Vgl. den Brief der 
Legaten an die Regierung vom 22. Mai: U. W. F. 

•••) Diarium der sächsischen Gesandten für den 20., 26. und 27. Mai 1648: 
D. A. 



\ 



261 

aufgenommen und von mehreren Seiten eifrig gefördert. Der 
Kurfürst von Sachsen beantragte, dass der Kaiser durch einen 
Erlass die bereits abgemachten Punkte der Amnestie und der 
Gmvamina bekannt machen, die Stände auffordern, sich an 
ihn wider die Kronen anzuschliessen und denjenigen, welche 
der Aufforderung Folge leisteten, ihre durch das Friedens- 
instrument erworbene liechte garantiren solle *). Eine Qarantie- 
urkunde dieser Art ward auch vom Kaiser übersendet, aber 
erst am 22. Juli / 1. August wurden seine Legaten ermäch- 
tigt, dem Bathe Sachsens in allem zu folgen; es war dann 
bereits zu spät, der günstige Augenblick war schon vorbei. 

In der That hatte für eine solche Vereinigung zwischen 
dem Kaiser und den Standen der Augenblick nie günstiger er- 
scheinen können als eben damals, denn die allgemeinen deutschen 
Streitfragen, welche bisher die Protestanten von dem Kaiser und 
den übrigen Katholiken getrennt hatten, waren jetzt geschlichtet. 
Aber die Protestanten bis auf Sachsen hegten kein rechtes 
Vertrauen zu den Verheissungen des Kaisers, und die Stände 
im allgemeinen fürchteten aus guten Gründen, dass er als 
Mitglied des habsburgischen Hauses und mit dem spanischen 
Zweig dieses Hauses eng verbunden, die allgemeinen Interessen 
Deutschlands seinen dynastischen Privatinteressen aufopfern 
würde. Dazu kam endlich, dass mehrere Stände ihre Sonder- 
interessen hatten, welche für den Fall eines offenen Bruchs 
mit den Kronen aufs Spiel gesetzt würden. Hierher gehörte 
z. B. Brandenburg. 

Der Plan des Kurfürsten von Brandenburg, eine be- 
waflftiete Neutralität in Deutschland zu Wege zu bringen, 
hatte, wie wir gesehen haben, den alten Unwillen und das 
alte Misstrauen der Schweden zu den Absichten des Kurfürsten 
wieder wachgerufen. Als daher Bjömklou nach seinem Besuch 



*) Der Kurfürst an soiiie Gesandten den 30. Mai, 8. und 26. Juni 1648: 
D. A. 



L^ 



26 2 

in Schweden im April 1648 an den Friedenscongress als 
Besident in Münster*) wieder entsendet wurde, empfing er 
den Auftrag, sich an den kurfürstlichen Hof in Cleve zu 
begeben, um daselbst die wirklichen Absichten des Kur- 
fürsten zu erforschen. Da aber derKurfürat durch seine Ge- 
sandten in Osnabrück befriedigende Erklärungen abgab, so 
wurde die Reise Björnklous einstweilen eingestellt; beginne 
der Kurfürst zu rüsten, so könne man jene Gesandtschaft in 
Scene setzen, um ihn zu warnen **). Ein besseres Verhältniss 
schien dann zwischen den beiden Mächten und ihren Ver- 
tretern am Congresse einzutreten. Die alten Allianzpläne 
wurden sogar wieder aufgenommen, schwedischerseits jedoch 
kaum im Ernste, denn zwar wurden die Legateti ermächtigt, 
darüber zu verhaodeln, aber die Regierung fügte hinzu, dass 
sie sich allerdings „in Oonferenzen und Tractate darüber ein- 
lassen sollten", sowie die angetragene Vermittlung des Kur- 
fürsten zwischen Schweden und Polen bei&llig annehmen***), 
zugleich aber, falls die Unterhandlung ihnen lästig würde, dieselbe 
zur ferneren Verhandlung nach Stockholm verweisen. Mit dieser 
veränderten Haltung beabsichtigte die schwedische Regierung 
ohne Zweifel, den Kurfürsten von allen gefährlichen Verbindun- 
gen fernzuhalten und seine Unterstützung in der Geldfrage zu 
erlangen, und diese Absicht ward auch vollständig erreicht. 
Der Kurfürst widersetzte sich dem Plan, dass die Stände sich 
mit dem Kaiser vei^inigen sollten, weil er nur zu neuen 
Kriegen führe, und zeigte sich in der Geldfrage sehr nach- 
gebend f). Sein Gesandter, der Graf Wittgenstein, welcher 






•) Als Legationssecretär in Osnabrück nach Björnklou wurde Gustav Hansson 
angestollt. 

') Die Regierung an die Legaten den 29. März und 15. April 1648: Rreg. 
•) Dies zufolge dem im Mai 1648 erfolgten Tod des Königs Wladislav, 
welche Gelegenheit man unter dem Druck der schwedischen Siege in Deutsch- 
land zu einem definitiven Friedensschluss mit Polen benutzen wollte. 

t) Siehe die Resolutionen des Kurfürsten Tom 27. Mai, 3., 7. und 21. Juni 
1648: Urk, und Act. IV, S. 689 ff. 



263 

far die gr5sste militärische Autorität am Gongresse galt und 
deshalb einen grossen Einfluss auf jene Frage erhielt, leistete 
in dieser Hinsicht den Schweden gute Dienste, indem er 
zwischen ihnen und den Ständen vermittelte und für die Er- 
höhung der Summe eintrat ; sein Eifer war jedoch nicht ganz 
uneigennützig, weil er von den fBnf Millionen Ersatz für einige 
alte Forderungen bei der schwedischen Krone zu bekommen 
hoffike und nach dem Friedensschluss solchen auch wirklich 
erhielt*). Er war es, der die Schweden vor den Anschlägen 
warnte, welche zur Vereinigung des Kaisers und der Stände 
angezettelt wurden. Um diese Anschläge zu vereiteln, er- 
mässigten die Schweden ihre Forderungen in Bezug auf die 
Art und Weise der Entrichtung der fünf Millionen und ge- 
nehmigten am 30. Juni den äussersten Antrag der Stände: 
1,800,000 Reichsthaler haar, 1,200,000 in Assignationen, und 
die übrigen zwei Millionen binnen zwei Jahren nsfch Ab- 
dankung der Armee zu zahlen**). Damit war die drohende 
Gefahr abgewendet. 

Nach der Entscheidung der Geldfrage hatten die Schwe- 
den nichts dawider, ihre Anmerkungen zu dem kaiserlichen 
Friedensinstrument abzugeben, worauf die Conferenzen zwischen 
den kaiserliche und schwedischen Legaten nach einer Unter- 
brechung von zwei Monaten (am 3. Juli) wieder anfangen 
konnten. Es war nun keine andere Streitfrage als der Punkt 
„Tandem omnes" übrig. In Bezug darauf hatten die schwe- 
dischen Legaten die Weisung erhalten , das Interesse der 
östreichischen Verbannten bis aufs äusserste zu verfech- 
ten, schliesslich aber, nachdem alles üebrige in Eichtig- 



•) Die Legaten an die Regierung den 22. Mai, 5. Juni. Salvius an die 
Regierung den 19. Juni. Im Brief vom 21. Noyember befahl die Regierung dem 
schwedischen Generalissimus, Grafen Wittgenstein, in Anbetracht seiner Dienste 
10000 Reichsthaler von der Entschädigungssumme zu ertheilen: Rreg. 

•*) Die schwedischen Legaten an die Regierung den 3. Juü 1648: Instr. 
Pac. Osn. XVI, 8-11. 



264 

keit gebracht war, nachzugeben. Sie mussten bald „der 
Opiniatretet der Kaiserlichen und der Importunitet der Stande" 
weichen*); zwar ward den östreichischen Flüchtlingen die 
unbehinderte Eückkehr in ihr Land gestattet, aber keine 
anderen bekamen ihr Eigenthum wieder als die verhältniss- 
mässig wenigen, deren Güter aus dem Grund confiscirt worden 
waren, weil sie in Schwedens oder Frankreichs Dienste ge- 
treten waren**). Nach Beseitigung dieses Steins des Anstosses 
rückte man dem Ziele rasch näher, ohne die Einwendungen 
und Vorstellungen der Franzosen, dass ihre übrigen Forderungen 
zu gleicher Zeit behandelt werden möchten, zu berücksichtigen. 
Die Punkte wegen der „Execution" und „Assecuration" des 
Friedens wurden abgemacht, die Friedensinstrümente zum 
letzten Mal durchgegangen und am 27. Juli / 6. August 1648 
war alles zwischen Schweden und dessen Feinden ins Beine 
gebracht. An diesem Tag versammelten sich in dem schwe- 
dischen Legationshotel die kaiserlichen Legaten Lamberg, 
Volmar und Crane, sowie Deputirte der Stände aus allen drei 
ReichscoUegien ***) ; das Friedensinstrument wurde verlesen 
und anerkannt, wie auch von den Kaiserlichen und den 
Schweden durch Handgelöbniss bestätigt. Hiermit wurde der 
Friede zwischen ihnen als ausgemacht betrachtet; jedoch wollten 
die Schweden trotz der Bitten der Stände das Friedensinstru- 
ment nicht unterschreiben, solange der Friede mit Frankreich 
noch nicht abgeschlossen war. Um die Franzosen zu beruhigen, 
welche befürchteten, dass die Schweden dem Beispiele der 



»••I 



•) Die schwedischen Legaten an die Regierung den 10. und 17. Juli 1648. 
*) Instr. Pac. Osn. IV, 51—55. 

*) Die Vertretenen waren: vom Kurfürstencollegium alle bis auf die 
Pfalz; vom FürstencoUegium: Salzburg. Bamberg, Bayern, Wtirzburg, Pfalz- 
Neuburg, Sachsen- Altenburg, Sachsen- Weimar, Hessen, Pommern, Braunschweig- 
liüneburg, Würtemberg, Trient und Briien, Baden, Mecklenburg, Savoyen, 
Nassau - Saarbrücken und Waldeck; vom Städtecollegium; Strassburg, 
Hegensburg, Lübeck, Nürnberg, Colmarf Dortmund und Bremen. Siehe den Brief 
der Legaten an die Regierung von 31. Juli 1648 nebst Beilagen. 



266 

Holländer fo^en und einen Separatfrieden schliessen würden, 
gaben die schwedischen Legaten eine schriftliche Erklärung 
hierüber ab. 

Wegen dieses Abkommens ward, wie Björnklou erzählt *), 
den Schweden allgemeines Lob gespendet, weil sie aus 
der Sache Ernst gemacht und bei ihren alten Friedensbe- 
dingungen geblieben waren, obgleich gleichzeitig ihre WafiFen 
mit neuen Erfolgen gekrönt wurden; desselben Tages, wo die 
üebereinkuuft in Osnabrück bestätigt wurde, traf die Nachricht 
ein, dass Königsmark (den 15. Juli) durch üeberrumpelung 
sich eines Theiles von Prag bemächtigt hatte; Wrangel und 
Turenne hatten nach dem Sieg bei Zusmarshausen Bayern 
überschwemmt und bedrohten von dort aus die kaiserlichen 
Erblande, und gleichzeitig landete der neue Generalissimus 
des schwedischen Heeres, der Pfalzgraf Carl Gustav, mit be- 
deutender Verstärkung auf deutschem Boden und marschirte 
gerade auf Böhmen los, um Königsmark zu unterstützen. Dies 
Breigniss wurde von den deutschen Standen mit grosser Be- 
sorgniss betrachtet. Man fürchtete nämlich, der junge Pfalzgraf 
würde sich nicht gern schon im Beginn seines Siegeslaufes ge- 
hemmt sehen und deshalb dem Frieden nach Kräften ent- 
gegenarbeiten; es wurde ausgesprengt**), dass er nach Böhmen 
ginge, um nach der Eroberung von Prag die Ansprüche seines 
Verwandten, des unglücklichen „ Winterkönigs ", zu übernehmen 
und dessen Krone auf sein Haupt zu setzen, ja sogar, dass 
Carl Gustav, als der zukünftige Gemahl der Königin von 
Schweden, der Candidat Schwedens und der Protestanten für 



*) Björnklou an die Regierung den 31. Juli 1648. (Björnklou hielt sich nach 
seiner Bückkehr am Congresse meistentheils in Osnabrück auf.) — ^jEs haben die 
Schweden durch solche Accommodatlon die Stände dergestalt wieder gewonnen und 
an sich gezogen, dass man wird zu thun haben, wenn mau wird es abwehren 
können, dass die Stände nicht gar werden verleitet und von £. M. abgezogen 
werden." Bericht der kaiserlichen Legaten den 20. August 1648: W. A. 

**) Siehe z. B. die kaiserliche Gesamnitrelation aus Osnabrück den 29. Juni: 
W. A. Gontarini an den Dogen den 17. Juli: Ven. A. Bericht der bayerischen 
Gesandten den 9. Juli 1648: M. A. 



266 

den Kaiserthron sei. Diese Gerüchte, die fleissig verbreitet 
wurden, waren insofern grundlos, als es freilich keinen 
bestimmten Plan dieser Art gab; wohl aber findet man, dasB 
die Freunde des Pfalzgrafen grosse Hoffnungen auf seinen Zug 
nach Böhmen setzten*); wäre es ihm wirklich gelungen, 
Prag zu nehmen und dadurch Herr des grössten Theiles von 
Böhmen zu werden, so ist es nicht unwahrscheinlich, dass man 
aus jenen Hoffnungen hätte Ernst machen können, wodm-ch der 
Friedensschluss noch mehr verzögert worden wäre. Wenn derartige 
Gedanken sich wirklich beim Pfalzgrafen und seinen Freunden 
geregt haben, so ist es doch gewiss, dass sie von den Vertretern 
Schwedens am Friedenscongresse keineswegs begünstigt wurden : 
sowohl Johann Oxenstierna als Salvius sahen dem Schluss der 
langen und mühevollen Friedensverhandlungen mit Sehnsucht 
entgegen und beschleunigten dieselben so viel als sie konnten ; 
letzterer hatte sogar von der Portsetzung des letzten kriegerischen 
Unteraehmens abgerathen, weil es unnöthig sei und nur zu 
gesteigerten Kosten führe. Weil Salvius, jetzt wie gewöhnlich, 
den beschwerlichen Auftrag erhielt, Geld als Vorschuss auf 
die französischen Subsidien zu schaffen, so ist es wahrschein- 
lich, dass er auch aus diesem Grund die letzte kostspielige 
Eüstung ungern gesehen hat**). Die schwedische Regierung 
vertheidigte dieselbe damit, dass man schwerlich durch andere 
Mittel als einen kräftigen Angriff auf die Erblande des 



*) So schreibt der Botschafter ßosenhane aus Paris an Björnkloo den 
25. August 1648: „Warum solleii wir, während uns nnn so gut geht, Herzog Carl nnd 
Grafen Magnus mit dem Frieden begegnen et ita matoriam inclarescendi Ulis 
surHpere? Corona, qnae. initium belli dedit, in manibus nostris est; quin impo- 
natur illa feliciori Palatino» quam prior hujus familiae pordidit!" U. W. F. 

**) Die Briefe des Salvius den 12. und 19. Juni, den 10. Juli 1648, worin 
er zur Miissigung und zum Frieden eifk'ig auffordert. „Die Qelddifficnltäten 
trerdeti inextricabel und die Winterquartiere lassen sich nicht Rnden. Mass 
endlich der Bogen bersten, wenn nicht bei Zeiten für Abhilfe gesorgt wird. 
Andere Abhilfe als den Frieden kann ich nicht absehen.'* Vgl. Ghanut, 
Mömolres I, p. 300. Pufeüdorf, Suoc. XX, 160, Im October 1618 war SalviüS 
mit 330000 Reichsthaler im Vorschuss. 



26» 

Kaisers diesea von Spanien würde trennen können, was hin- 
wieder eine unerlässliche Bedingung für das Zustandekommen 
des Friedens zwischen dem Kaiser und Frankreich sei. 

Diesen Frieden zu Stande zu bringen wurde nun die 
letzte, schwierige Aufgabe des Congresses. Die französische 
EntschädigUDg war allerdings seit dem 1. November 1647 
abgema<:5ht, und Frankreich beabsichtigte nicht, in dieser Be- 
ziehung seine Ansprüche zu steigern. Dagegen hielt Frank- 
reich an seiner früheren Forderung, dass der Kaiser sowie die 
übrigen Stände Deutschlands sich verpflichten sollten, Spanien 
in dessen Krieg mit Frankreich nicht beizustehen, auch nicht 
sich in die Kämpfe, welche damals in dem burgundischen 
Kreise (wohin Belgien und die Franche-Comte auch gehörten) 
stattfanden, oder in den Streit Frankreichs mit Lothringen 
zu mischen, unei*schätterlich fest. Es galt nun den Kaiser 
zttr Annahme dieser drei Punkte zu bewegen, welche anzuer- 
kennen er bisher standhaft verweigert hatte. Hierbei kam 
es zunächst auf die Haltung an, welche Schweden zu beob- 
achten gedachte. 

Die gemeinsame Gefahr, womit der Vertragsbruch des 
Kurfürsten von Bayern im Herbst 1647 den verbfindeten 
Kronen gedroht, hatte, wie wir gesehen haben, dazu beige- 
tragen, den Bund zwischen ihnen fester zu knüpfen. Die 
französischen Subsidien wurden nunmehr regelmässig und auch 
vorschussweise auszahlt, und dazu wurden noch besondere 
öeldunterstfitzungen in der Form von Geschenken gefQgt. 
Dem eindringlichen Verlangen der Schweden gemäss hatte 
Frankreich im Dezember 1647 den Waffenstillstand mit 
Bayern zur grossen Enttäuschung des Kurfürsten endlich auf- 
gekündigt; und obgleich die Franzosen im Anfange des fol- 
genden Jahres einen neuen Ulmer Vertrag mit Bayern gern 
zu Wege gebracht hätten, so verzichteten sie doch darauf in 
Folge des ausgesprochen Widerwillens der Schweden. Zwar 
hatte die Unterlassung oder die Unfähigkeit der Schweden, die 



268 

Weimaraner zurückzugeben , einige Verstimmung am fran- 
zösischen Hofe erhalten und zu der Langsamkeit, womit 
Turenne im Frühjahr 1648 die Vereinigung mit Wrangel be- 
werkstelligte, beigetragen *) ; aber andrerseits bekam Schwedens 
Freundschaft durch den Frieden zwischen den Niederlanden 
und Spanien, welcher am 20. Januar abgeschlossen und am 
5. Mai 1648 r^tifizirt wurde, für Frankreich einen erhöhten 
Werth. Die Spanier hatten dadurch ihre lange gehegte und 
beharrlich verfolgte Absicht, die Niederlande von dem franzö- 
sischen Bunde zu trennen, erreicht, und nachdem dieser ihr 
Hauptzweck erlangt war, verliess dei* spanische Principalgesandte 
Penaranda den Congress**). Frankreich stand nun allein 
gegen Spanien und bedurfte daher mehr denn je der 
kräftigen Unterstützung Schwedens in Deutschland, sei es 
dass es sich um die Portsetzung des Krieges oder um einen 
Priedensschluss mit dem Kaiser handelte. Für diesen Prie- 
densschluss war auch die französische Eegierung aus dem 
nämlichen Grunde jetzt mehr als früher geneigt***), und sie 
suchte denselben in mehrfacher Weise zu beschleunigen. Des- 
halb Hess sie Turenne sich mit Wrangel vereinigen, damit 
die vereinigten Heere durch einen neuen Angriff auf Bayern 
und die kaiserlichen Erblande den Frieden erzwingen möchten ; 
und derselbe Grund trug vielleicht auch zu dem Beschlüsse 
des Cardinais Mazarin bei, die französische Gesandtschaft in 
Münster Servien allein zu überlassen. Nachdem durch die 
Unterzeichnung des spanisch-holländischen Friedens alle Aus- 
sichten zum Frieden mit Spanien geschwunden waren, war der 



*) Hierüber siehe Chanut a. a. 0. 1, passim, sowie den Briefwechsel Wrangeis 
mit den Legaten in Osnabrück in U. W. F. 

**) Ueber alle Intriguen und Schwankungen der Fricdensunterhandlungen 
Spaniens mit Frankreich und den Niederlanden siehe Bougeant a. a. 0. 
Bücher VI— VIII. 

••*) „Li pensieri della Francia si riyolsoro tutti ä procurar la pace d' Im- 
perio esclusi li Spagnuoli, come Spagnuoli haveano fatto quella colg* Olandesi 
esciusa la Francia": Finalrelation Oontarlnis. 



269 

Herzog von LongueviUe nach Frankreich zurückgekehrt (Ja- 
nuar 1648), und im April musste D'Avaux, durch einen un- 
gnädigen Brief abberufen, von der diplomatischen Bühne, wo 
er so lange eine glänzende Rolle gespielt hatte, abtreten. 
Sein Nebenbuhler und Feind, Servien, welcher durch seine 
Bänke und heimliche Beschuldigungen den Fall D'Avaux' 
veranlasst hatte*), blieb allein als Vertreter Frankreichs 
zurück. Er war insofern passender als D'Avaux, als er 
weder dessen religiösen Eifer hatte, noch wie dieser durch 
ältere Verbindungen mit der ultrakatholischen Partei unter 
den Ständen gebunden war. 

Diese Partei hatte, nachdem die Unterhandlungen in 
Osnabrück eine Richtung eingeschlagen hatten, welche sie 
missbilligte, sich in Münster isolirt und suchte von dort aus, 
von der spanischen Gesandtschaft und dem päpstlichen Nuntius 
unterstützt, durch Bänke und Proteste der Friedensverhandlung 
Hindemisse in den Weg zu legen. Zwar waren alle der- 
artigen Bemühungen hinsichtlich der Unterhandlungen in Os- 
nabi-ück vergeblich; es stand aber zu befürchten, dass, wenn 
der Congress nach Münster verlegt würde, um den Frieden mit 
Frankreich zum Abschluss zu bringen, es jener Partei besser 
gelingen würde, in der elften Stunde das ganze mühsame Werk 
zu vernichten, das bereits Beschlossene aufreissend und das 
noch zu Beschliessende durch Einmischung der spanischen 
Interessen verwirrend. Man kam daher auf den Gedanken, 
Servien nach Osnabrück einzuladen, damit er, da nun der Friede 
mit Schweden abgemacht war, daselbst den Friedenshandel 
mit dem Kaiser fortsetzen und abschliessen möchte. Dieser 
Plan wurde bereits im Frühjahr 1648 von den leitenden 
Männern unter den Ständen angeregt, und man suchte die 
Kaiserlichen, sowie die Bevollmächtigten der verbündeten 



*) Hierüber siehe den ausführlichen Bericht Bougeants a. a. 0. IX, 
6—14; vgl. VllI, 73. 



Kronen dafür m gewinnen. Die ersteren wiesen den Yor- 
schlag entschieden s^urück und waren in diesem Punkt uner- 
bittlich; sie hatten wiederholt vom Kaiser Befehl erhalten, 
mit Frankreich keinen Frieden zu schliessen, ohne dass Spanien 
darin aufgenommen würde, und nur in Münster diesen Frie- 
den abzuschlie«aen *). Auch Servien machte zuerst Schwier^- 
keiten, weil es der Wurde Frankreichs zuwider sei, über seinen 
Frieden anderwärts als an seinem eigenen Congressorte zu 
verhandeln, in der That aber war er keineswegs abgeneigt, 
sondern scheint im Gegentheil diesen Plan inageheim ge- 
fördert zu haben**). Die Schweden konnten nichts dawider 
einzuwenden haben, denn die beantragte Versetzung wfirde 
Schweden nur zu Ehren und vermehrtem Binfluss gereichen. 
Demzufolge begab sich Oxenstiema im April nach Münster ***), 
um Servien nach Osnabrück einzuladen, und bei den häufigen 
Besuchen, welche Servien in der Folge an diesem Ort ab- 
stattete, vereinigten die Schweden ihre Bemühungen mit den- 
jenigen der Stände, um den franzosischen Botschafter daselbst 
zurückzuhalten. Dieser liess bald die formellen Bedenken 
fallen, welche er des Scheines halber hegen zu müssen glaubte; 
er sah nämlich allzugut ein, welche grosse reelle Yortheile 
jener Plan den französischen Interessen bereiten wurde. Von 
Schweden konnte man nämlich in Osnabrück die kräftigste 
Unterstützung erwarten, und die leitenden unter den Ständen 
versprachen ihm unter der Hand, dass, falls die Kaiserlichen 
sich nicht fügen und in Osnabrück bleiben wollten» so würden 






*) Z. B. die kaiserlichen Itescripte den 18. Dezember 1647, den 23. Juli 
lUS: W. A. 

*) Bougeant a. a. 0. IX, 21. 41—43. 

') Es war während dieses Besuches, dass sich der für die Sitten des Jahr- 
hunderts charaeteristische Vorfall ereignete, dass m Folge eines zwischen d«ii 
Dienern der spanischen und portugiesischen Gesandtschaften entstandenen 
Zankes das portugiesische Gesandtschaftshotel von den Spaniern erstürmt und 
eine förmliche Schlacht geliefert wurde, worin 12 Personen verwundet wurden. 
Der portugiesische Gesandte wagte seitdem nicht in Münster zu bleiben. 



^«1 

' die Stande desaenmigeaßlitet daselbst den Frieden Deutsch- 
lands mit Frankreich abschliessen. Zwar waren mehrere der 
Stande, z. 3. Eursachsen und Eöhi, sowie die meisten Reichs* 
Städte anderer Meinung und hielten dafür, dass die Stände 
die Kaiserlichen nach Münster begleiten müssten. Aber 
Bayern, Mainz, Würzburg, Sachsen -Altenburg, Braunschweig- 
Lüneburg u. m., d. h. derselben Partei, welche das ganze 
Frühjahr 1648 die Friedensverhandlungen kräftig gefördert 
hatte, gelang es durch Eintracht und Beharrlichkeit ihre 
Meinung zur Geltung zu bringen. An demselben Tag, wo 
Volmar nach dem Abschluss des Friedens mit Schweden Osna- 
brück verliess und sich nach Münster begab), beschlossen 
die am ersteren Orte versammelten Stände, dass sie nicht 
eher von der Stelle weichen würden, als bis sie auch den 
französischen Frieden zum Abschluss gebracht hätten (den 
31. Juli 1648)*). Die Proteste der kaiserlichen und der 
münsterschen Stände hatten keinen andern Erfolg, als dass 
einige weniger bedeutende Stande Volmar nach Münster be- 
gleiteten. 

Bei der Verhandlung, welche jetzt in Osnabrück er- 
folgte, nahm Schweden eine sehr einflussreicbe Stellung als 
natürlicher Vermittler, um nicht zu sagen Schiedsrichter, 
zwischen Frankreich und Deutschland ein. Salvius schrieb 
triumphirend an die Begierung: „Frankreich hat vollends 
gemeint uns zu seinen Dependenten zu machen , aber es 
muss jetzt von Ew. K. M. dependiren^'**). Es bedurfte 



*) Ueber die Verhältnisse, 'wodurch die Stände zum Bleiben in Osnabrück 
verfflocbt wurden, bekonunt man die beste Auskunft durch das Schreiben des 
bayerischen Gesandten Dr. Krebs an den Knrfiirsten vom 9. October 1648: 
M. A. Vgl. auch die Berichte der brandenburgischen Gesandten den 17. und 
28. August, Diarium der sächsischen vom 2., 13. und 18,]August 1648: Urk. und 
Aet. und D. A. 

**) SaWiuB an die Begierung den 24. Juli 1648. Vgl. Contarini ^n Morosini 
den 21. Juli: „in Osnabriick seguira tutto quello che Vorranno li Suezesi e non 
altrimenti, come qneUi chi prevagliono in Germania cosi bene uel negotio comiQ 
fanno nell'armi": Yen. A. 



272 

jetzt um so mehr der Unterstützung Schwedens, als der soeben 
ausgebrochene Krieg der Fronde*) nicht verfehlen konnte, 
sein Ansehen etwas zu schwächen. Auch wurde jede Unter- 
stützung, die man von einer verbündeten Macht füglich ver- 
langen konnte, von Schweden bereitwillig gewährt. Der vor- 
her ertheilte Befehl, dass die Schweden Frankreichs Interessen 
als seine eigenen vertreten sollten, ward in Briefen an Salvius 
wiederholt, welcher jetzt, während der Abwesenheit Oxen- 
stiernas auf einer Eeise**), allein mit Björnklous Beihilfe der 
Gesandtschaft vorstand. Namentlich sollte Schweden für die 
Forderung Frankreichs, dass der Kaiser sich verpflichten sollte, 
dessen Feinden nicht beizustehen, kräftig eintreten. Daneben 
aber ward es den Legaten zur Pflicht gemacht, privatim 
Servien kräftige Vorstellungen zu machen und ihn zur Mässi- 
gung aufzufordern; und dass man dies nicht unterlassen habe, 
erhellt aus den Beschwerden über das Benehmen der Legaten, 
welche der Königin durch Chanut vorgetragen wurden. In 
einem Punkt hatten die Legaten sogar Weisung, sich den 
Ansprüchen Frankreichs zu widersetzen. In dem Präliminar- 
abkommen mit Frankreich vom September 1646 hatten 
nämlich die Kaiserlichen versäumt, Qarantieen gegen eine 
ungebührende Ausdehnung der Bisthümer Metz, Toul und 
Verdun, sowie Garantien für die religiösen und politischen 
Freiheiten und Rechte der im Elsass befindlichen unmittelbaren 
Stände***) zu verlangen, obgleich es einleuchtend war, dass 



*) In Folge dieser Unruhen schreibt Salvius an die Regierung : ,,Ein grosses 
Wunder scheint es zu sein, dass über die ganze Welt seditiones populi contra 
principes vernommen werden, so in Frankreich, England, Deutschland, Polen, 
Muskow, der Türkei, Tartaria Magna, China. Ob eine allgemeine Constellatio 
am Himmel die Ursache dazu sei oder communis quasi consensus popnloram a 
regentibus male habitorum, das mag Gott wissen." U. W. F. 

**) Oxenstiema begab sich nach Wismar und feierte dort seine Hochzeit mit 
seiner Verlobten, Margarethe Brahe, welche ihm dorthin entgegengekommen war. 

***) Solche waren der Bischof von Strassburg, die Fürsten von Zweibrücken 
und Veldenz, der Oraf von Hanau, die Stadt Strassburg und die zehn St&dte 
der Landvogtei Hagenan u. a. 



273_ 

Frankreich mit den darin gebrauchten zweideutigen Aasdrücken 
besondere Absichten hatte '^). Auch hatten die Stände, als 
sie im Juli 1647 von dem genannten Abkommen Kenntniss 
erhielten, derartige Oarantien ausdrücklich gefordert"*^. Dessen 
ungeachtet hatte Yolmar, als die Verabredung am 1. November 
1647 erneuert wurde, nichts gethan, um die Rechte d6r 
Elsässer sicher zu stellen, sondern alles in der früheren Un- 
bestimmtheit gelassen — wahrscheinlich mit Absicht, denn 
einerseits waren jene Stände grossentheils Protestanten, 
andrerseits sah der Kaiser nicht ungern, dass hier eine 
Streitfrage offen blieb, welche man gelegentlich zur Wieder- 
erlangung der Landschaft benutzen könnte; man führte nach 
Yolmar die Aeusserung an, dass der Stärkste jene Artikel zu 
seinem Yortheil auslegen würde. Auf das Bitten der El- 
sässer nahmen sich jetzt die Stände ihrer Sache an und wei- 
gerten sich, das genannte Abkommen in der gegenwärtigen 
zweideutigen Fassung anzuerkennen; und es gereicht der schwe- 
dischen Begierung zur Ehre, dass sie in dieser Angelegenheit 
entschieden die Partei der Stände ergriff. Im schwedischen 
Beichsrathe redete Axel Öxenstiema den bedrohten Elsässem 
mit grosser Wärme das Wort***), und es wurde Salvius be- 
fohlen, Servien das Unberechtigte der französischen Ansprüche 
vorzuhalten ; er sollte erklären , „ dass w nicht billigen , ge- 
schweige denn ihm darin beistehen, dass er nach der Ver- 
minderung der religiösen und politischen Freiheit so vornehm- 
licher Stände, welche im Kriege zu uns gestanden und 



*) Instr. Fac. Monasteriensis XI, 69—70. 73—75; XII, 87. 

**) Siehe Pafendorf, Suec. XIX, 158; Bougeant a. a. 0. Yin, 58—60. 

***) „Zq bewilligen, dass alle betheiligten St&nde im Elsass Landsassen der 
Franzosen werden sollten, ist ungereimt; weil yiele von ihnen des £önigs Ma- 
jestät in diesem Kriege geholfen haben and immer für die Freiheit sowohl in 
Keligionssachen als in politico statu gekämpft haben, und sind auch meistentheils 
Immediatst&nde und bis auf einige St&dte eyangelisch." So äusserte Öxenstiema 
im Reichsrathe den 31. August; und demgemäss wurde der Brief an Salyius vom 
2. September 1648 abgefasst. Ygl. Chanut, M^m. I, p. 836. 

Odhner, Politik Schwedens. 18 



274 

viel geleistet haben, tracbtet.^^ Die schwedische Begierang 
trifft also keine Schuld ffir die Vergewaltigung und die ün^- 
glücksfälle, WOZU jene Zweideatigkeit in der Folge« be- 
sonders in den Beimionsstreitigkeiten '*') « Veranlassung gab. 
üi^üeklicherweise aber kam das Schreiben der schwedischen 
Begierang Salvius zu spät in die Hände. Er hatte auf 
den Wimsch der Stände die Vermittlung zwischen Frankreich 
und Deutschland fibemommen und, als Senrien sich ausser 
Stand erklärte, eine Abänderung der frflheren Uebereinkonft 
zu gestatten, den Ständen vorgeschlagen, dieselbe unverändert 
zu lassen und ach mit der Abgabe einer DechratioQ zu be- 
gnägen, worin man den Elsässem ihr Becht vorbehalte, 
länige der Stände nahmen einen schon oftmals vorher ge- 
machten Vorschlag, dass Frankreich das Elsass als Lehen vom 
deutschen Beiche nehmen solle, wodurch es wenigstens formell 
Deutachland erhalten wäre, wieder auf. Servien erbot sich zwar, 
in dieser Hinsicht dem Wunsche der Stände nachzakommen, 
aber er that es nur deshalb, weil er wusste, dass der Kaiser 
sich demselben widersetzen würde. Der Vorschlag fiel, und 
das Ekide war, dass die Stände eine Declaration abgaben, 
wddie nebst einem Schreiben dem EOnig vcfn Frankreich zu* 
gestellt wurde**). 

Geringere Schwierigkeiten verursachten die drei noch 
unetitschiedenen Punkte in Bezug auf das Verhältniss 
Deutschlands zu Spanien. In dieser Hinsicht hatten die 
Sünde sebom im vomus ihren BescbhiSB gefasst, und die 



*) Vgl. hierüber Kstnke, Französlscbe Geschiioiit» III, Sr 441 ff. DdSs die 
BeBflsoneD bereits jetzt «Leu Machthabem in Frankreieh yorgieschwebt baben, 
l^ht an» ikm Briefe Sevriei» an den König vom 22. Juli 1648 uiKweideatig her- 
wr. B<i>i»geant a. a. 0. IX, S. 6S« Der acharfblickend« Bj($»kk>a Äusserte 
lüetttbev! >,Di«M Sache scheint, wenn sie so offen bleibt, wie sie jetst ist, etwas 
fai recessB zo haben.** ^mklou an die Begi^rnng den 22. Oetober 1648. 

**> SalTius «a di« Regtemag den 14. und 21. Angust 1648: U. W. F. 
Mftiern. a. ». 0. VI, Buch 45^ Bongoant a. a. 0. IX, 5a~-6& 68—72. 
M. J. Schmidt XI, S. 24i0ff. 



276 

im Laufe der Yerhandlung eingetroffene Nachricht von dem 
Sieg Condfe über die Spanier bei Lens bestärkte sie hoch 
mehr in ihrem Vorsatze *). Von beiden Seiten erhielt Salvius 
den Auftrag, einen neuen VermittlungsTorschlag vorzulegen, und 
dieser wurde so geschickt, wenngleich zweideutig, abgefasst, 
dass sowohl Servien als die Stände sich damit einverstanden 
erklärten**). In dieser Weise entstand der in der Folge so 
berüchtigte Artikel „ Ut eo sincerior ", wodurch der Kaiser und 
die deutsehen Stände einerseits, der König von Frankreich 
andrerseits sich verpflichteten, unter keinerlei Vorwand, weder 
jetzt noch in aller Zukunft, ihren gegenseitigen Feinden beizu- 
stehen ; dazu kamen noch die Punkte wegen der Streitigkeiten 
im burgundischen Kreise und Lothringen. Es war dies Sal- 
vius' höchster Triumph ; seine Vermittlung hatte, und zwar in 
einer verhältnissmässig kurzen Zeit, vollständigen Erfolg ge- 
habt, wozu ohne Zweifel die Abwesenheit seines Collegen nicht 
wenig beigetragen hatte. 

Nachdem alle Streitfr^en geschlichtet waren, wurde 
das Friedensinstrument von Servien und den Ständen ver- 
siegelt bei dem Mainzer Directorium niedergelegt. Die- 
selbe Massregel wurde (am 5. September) von Salvius, den 
Ständen und den Kaiserliehen auch mit dem schwedischen 
Priedensinstrument vorgenommen, was von Oxenstierna bei 
seiner Rückkehr gemissbilligt wurde, weil man sich dadurch 
die Möglichkeit Abänderungen einzutragen abgeschnitten 
hatte. Salvius hatte jedoch bei der genannten Oelegen- 
heit sich vorbehalten, dass der Friede nicht eher unterzeichnet 
werden sollte, als bis die Stände gewisse von den Schweden 
verlangte Urkunden ausgestellt und einige im Friedensin- 



*) „Der Spanier, origo, fons, fondamentum et fomes Aastriacomm bellomm, 
hat am 10/20. Angnst bei Lens eine Hanptfeldschlaclit yerloren, was ein grand 
coop d'^t.'* SalTius an die Regierung den 21. Angust 1648. 

**) Salvius an die Begiernng den 28. August, den 4. und 10. September 
ie48: ü. W. F. 

18* 



276 

strument nicht entschiedene Nebenfragen von neuem in Er- 
wägung gezogen hätten. 

Es handelte sich nun darum, die Kaiserlichen zur Anerkennung 
dessen, was in Osnabrück verabredet worden war, zu bewegen. 
In welcher Weise dies geschehen soUte, darüber waren unter 
den Ständen die Meinungen sehr getheilt. Die antikaiserliche 
Partei, den bayerischen Gesandten Dr. Krebs an der Spitze, 
bestand darauf, dass man fortwährend in Osnabrück bleiben 
und die Sache dort entscheiden sollte, und dann, wie Salvius 
sagte, „es dem Kaiser vor die Nase zum Unterschreiben hin- 
legen"; lehnte der Kaiser ab sich in das Beschlossene zu fügen, 
so würden die Stände für ihren Theil den Frieden vollziehen 
und den Kaiser seinem Schicksal überlassen, in der Hoffnung, 
dass er sich in diesem Fall bald dazu bequemen würde. Es war 
dies der ausdrückliche Befehl des Kurfürsten von Bayern an 
seine Gesandten, und dem stimmte Servien zu. Dies Ver- 
fahren aber, welches der kaiserlichen Gewalt vergriff, wurde 
von vielen zwar nicht als ungesetzlich, aber als undienlich 
und möglicherweise mit Gefahren verbunden angesehen, 
weil es die verbündeten Kronen zur Fortsetzung des Krie- 
ges gegen den geschwächten Kaiser verlocken könnte. Zu 
diesen Ständen gehörte Brandenburg, das ausserdem seine 
Dankbarkeit dafür zeigen wollte, dass der Kaiser dem Kur- 
fürsten die ihm gehörige Festung Hamm in Westphalen 
hatte übergeben lassen. Die brandenburgischen Gesandten 
schlugen deshalb auf Befehl ihres Herrn den Mittelweg vor, 
dass man sich in Münster einfinden, den Kaiserlichen die ge- 
troffene Uebereinkunft mittheilen und sie im guten zur An- 
erkennung derselben zu bewegen suchen sollte. Mit Bran- 
denburg vereinigte sich nach und nach die Mehrzahl der 
in Osnabrück versammelten Stände; auch Salvius, welchen 
man ersucht hatte nach Münster mitzufolgen, um bei den 
noch übrigen Verhandlungen seine guten Dienste zu leisten, 
war derselben Ansicht, weil Schweden mit einem Frieden, 



277 

der von dem Kaiser nicht anerkannt würde, nicht sehr gedient 
sein konnte*). Servien und Krebs sträubten sich so lange 
als möglich, mussten aber endlich nachgeben. Also begaben 
sich säramtliche Diplomaten Anfeng September (Salvius am 
10. September 1648) von Osnabrück nach Münster. Am Tage 
nach der Ankunft des Salvius fanden sich die osnabrückischen 
Stände bei den Kaiserlichen ein, theilten ihnen das mit 
Prankreich getroffene Abkommen mit und ersuchten sie, das- 
selbe ohne Verzug anzuerkennen und dadurch Deutschland den 
Frieden wiederzugeben. 

Die kaiserlichen Legaten, Volmar an ihrer Spitze, be- 
fanden sich unleugbar in einer sehr schwierigen Lage. Einer- 
seits wurden sie von den aus Osnabrück angekommenen Stän- 
den mit Mahnungen und Drohungen bestürmt, andrerseits 
hatten sie eben den Befehl des Kaisers vom 4/14. August 
empfangen, dass sie sich nicht eher auf die drei französischen 
Forderungen einlassen sollten, als bis man sich über die 
schwedischen und französischen Priedensinstrumente völlig ver- 
ständigt hätte, und dass sie dann alle Kräfte in Bewegung 
setzen sollten, um zugleich zwischen Frankreich und Spanien 
den Frieden zu vermitteln. Der spanische Einfluss war nämlich 
in Wien wie in Münster fortwährend mächtig**). Demzu- 
folge und um Zeit zu gewinnen, verlangte Volmar Aufschub, 
um das französische Instrument zu prüfen und trug seine An- 
merkungen darüber in einer Zusammenkunft bei den Kaiser- 
lichen und den sämmtlichen Ständen am 15. September vor. 



*) Salvius an die Regpiernng den 21. August. BjGrnklou an dieselbe den 
28. August 1648 : U. W. F. Bericht des Dr. Krebs yom 9. October dieses Jahres : 
M. A. Resolution des EurfOrsten von Brandenburg den 19. August und 2. Septem- 
ber. Bericht der Gesandten vom 17. und 28. August, 4. September desselben 
Jahres: ürk. und Act. IV, S. 708 if." 

**) „Spanien fulminirt gegen Kaiser und Stände, wenn sie Frieden in Deutsch- 
land ohne Spanien machen." Salvius an die Regierung den 24. September. Der 
in Münster zurückgelassene spanische Gesandte Brun wurde als gewandter Di- 
plomat und grosser Ränkeschmied betrachtet. 



278 

Bei dieser Gelegenheit verhielten sich die münsterischen Stande 
mehr passiv; die osnabrückischen dagegen wiederholten ihre 
frühere Forderung und bewilligten Volmar Aufschub bis zum 
20. desselben Monats, binnen welcher Zeit eine neue kaiser- 
liche Instruction zu erwarten war. In der Zwischenzeit boten 
die Vermittler und die Kaiserlichen ihre Kräfte auf, um 
Prankreich und Spanien zu vergleichen, an welchen Be- 
mühungen auch Salvius auf Verlangen theilnabm ; aber 
alle Versuche misslangen. Nachdem die bestimmte Frist ab- 
gelaufen war, berief Volmar die Stände zu sich und erklärte, 
dass er jetzt allerdings einen Brief vom Kaiser empfangen 
habe, dass aber dieser in Chiffern abgefasst sei, wozu nur 
Trautmannsdorf den Schlüssel besitze und die zu Iösoq man 
sich vergebens angestrengt habe ; er verlangte deshalb eine neue 
Frist von zwanzig Tagen, um von Wien Antwort einzuholen. 
Obgleich die Stände argwohnten, dass dies nur ein Vorwand 
sßi, um Zeit zu gewinnen*), und sich über die Spiegel- 
fechtereien der Kaiserlichen ärgerten, glaubten sie doch nicht, 
erneren Aufschub verweigern zu können , bestimmten aber 
den 26. September als den letzten Tag; hätte der Kaiser • 
nicht bis da seine Zustimmung gegeben, so wären die Stände 
entschlossen, für ihren Theil den Frieden abzuschliessen und den 
Kaiser seinem Schicksal zu überlassen. 

Die Lage war in diesem Augenblick ungemein kritisch. 
Die schwedischen Truppen waren wieder in das Herz der Erb- 
lande des Kaisers eingedrungen; zwar hatten die verbündeten 
Heere unter Wrangel und Turenne aus Mangel an Unterhalt 
Bayern räumen und sich zurückziehen müssen; aber dafür 
traf Carl Gustav am 24. September vor Prag ein, und man 
konnte jeden Augenblick die Nachricht von der Eroberung der 
Stadt erwarten. Würden wohl unter solchen Verhältnissen 



*) Man äusserte scherzweise: „a nuntio apostolico olavem Petri commeodato 
sumerent, quae onmia aperire possit*'; Pufeudorfi Suec XX, 191. 



279 

die Schweden bei der getroffenen Verabredung bleiben ? Viele 
zweifelten daran und erklärten, dass, wenn die Schweden jetzt 
ihre Ansprüche nicht steigerten, hätten sie Wunder gethan 
and verdienten, dass man ihnen Ehrensäulen errichtete*). Die 
schwedischen Legaten waren jedoch aus bewussten Qrunden 
ffir ihren Theil entschlossen, ihr Wort zu halten ; zwar äusserte 
Salvius privatim, dass, wenn der Kaiser nicht binnen zwölf 
Tagen den Frieden schlösse, sich Schweden durch die ge- 
troffene üebereinkunft nicht mehr als gebunden betrachten 
würde; aber dies war kaum ernstlich gemeint, sondern 
sollte die Betreffenden in Furcht setzen und zur Eile an- 
treiben, und es scheint auch den gewünschten Erfolg ge- 
habt zu haben. Die Stände befanden sich in der grössten 
Unruhe und Spannung; es war zu befürchten, dass der Stein, 
welchen man mit so grosser Mühe auf die Höbe hinaufgewälzt 
hatte, wieder aus ihren Händen in die Tiefe hinunterstürzen 
würde. Sie waren entschlossen, lieber das Aeusserste zu 
wagen; jede Ehrfurcht gegen das Oberhaupt des Beiches wurde 
bei Seite gelassen, und es wurden Drohungen ausgestossen, 
bald dass man seine Waffen mit denen der Kronen gegen 
den Kaiser vereinigen würde, bald dass dieser abgesetzt 
werden müsste, fiftlls er die Freundschaft Spaniens dem 
Frieden und der Wohlfahrt des Beiches vorzöge**). Diese 
Unruhe und Öährung wurde auf einmal beschwichtigt, als die 
kaiserlichen Legaten am 25. September vor dem Kurfursten- 
collegium und Tags darauf vor den Ständen insgesammt er- 
klärten, dass es ihnen jetzt durch Gottes Hilfe gelui^en 
sei, die Ghiffern zu enträthseln, so dass sie in der Lage seien, 



*) — „come raoJti d* essi (d. h. der Stände) eoufessano, che ae Snezzesi 
staranno agl' accordati neir apice della prosperitä e delle speranze, in che si 
troTano, faranno miracoli e meriteranno statue d* honore." Contarini an Mo- 
rosoni den 22. September 1648: Ven. A. 

**) Briefe der bayerischen Gesandten an den Kurfürsten den 25. nnd 
29. September, 3. Oetober 1648: M. A. Diarinm der s&ohsischen Gesandten den 
15. September n. m,: D. A. Contarini an MorosiBi den 29t, September: Von« JL 



280 

die Zustimmung des Kaisers zu dem mit Frankreich getroffenen 
Abkommen mitzutheilen. 

Es war» demnach den Kronen gelungen, durch Eintracht 
und durch eine geschickte Diplomatie den Kaiser von Spanien 
zu trennen und ersteren unter Bedingungen, die ihm höchst 
widerlich und demüthigend waren, zum Frieden zu zwingen. 
Die kaiserliche Diplomatie, welche unter der Leitung Traut- 
mannsdorfs eine so massgebende und angesehene Stellung beim 
Congresse behauptet hatte, war Schritt vor Schritt auf die 
Seite gedrängt worden und hatte endlich eine vollständige 
Niederlage erlitten. Die Schuld hieran trug nicht Mangel an 
Fähigkeit noch an gutem Willen bei dem damaligen Haupte 
der kaiserlichen Gesandtschaft, Volmar, sondisrn die un- 
sichere und schwankende Haltung der kaiserlichen Politik 
selbst; derselbe innere Widerspruch, dieselbe Zweideutigkeit, 
womit die habsburgische Kaisermacht in der ganzen Neu- 
zeit behaftet war und wodurch endlich das Zerfallen dieser 
Macht herbeigeführt wurde, nämlich der Widerspruch zwi- 
schen den allgemeinen Interessen des deutschen Kelches und 
den dynastischen des Kaisers, machte sich auch beim Ab- 
schluss des westphälischen Friedens geltend. Hatten bisher 
die ersteren in der Regel den letzteren weichen müssen, so 
trat zuletzt eine Eeaction ein, welche den Kaiser nöthigte, 
für den Augenblick seine Familieninteressen aufzuopfern. Es 
war so weit gekommen, dass, wie Krebs gegen die Schweden 
äusserte, „die Stände sich nicht mehr vom Hause Oestreich 
oder dem Kaiser tribuliren, fixiren und bei der Nase herum- 
führen Hessen, wie bisher geschehen". Jetzt waren es die 
Stände, welche die Hauptrolle spielten, und die Kronen hatten 
das richtige Mittel ausfindig gemacht, um den Kaiser zum 
Nachgeben zu zwingen, als sie, nach Bjömklous Ausdruck, 
„das Werk durch die Stände zu poussiren" suchten*). 

*) Björnklou an die Regierung den 17. September. Die schwedischen Legaten 
an die. Regierung den 26. November 1648: ü. W, F. 



281 

Am kräftigsten wirkte in dieser Hinsicht die Pression 
des Kurfürsten von Bayern. Er hatte sowohl durch seinen Ge- 
sandten in Wien als persönlich beim Grafen Kurtz, welchen 
der Kaiser an den Kurfürsten abgesandt hatte, erklärt, dass 
er den Krieg nicht länger fortzusetzen beabsichtige, sondern 
Frieden schliessen wolle, der Kaiser möge daran theil- 
nehmen oder nicht, und ein scharfes Schreiben nach dem 
anderen in diesem Sinne abgesendet. Es hatte dies zurFo^e 
gehabt, dass der Kaiser zwar in einem eigenhändigen Brief 
an Nassau und Volmar vom 6/16. September diesen anbefohlen, 
bei den Ständen eine fernere Frist von zwanzig Tagen zu ver- 
langen, um seine endliche Meinung über die drei französischen 
Schlussforderungen einzuholen, sie aber zugleich ermächtigt 
hatte, falls der Aufschub nicht zu erlangen und ein voll- 
ständiger Bruch mit den Ständen zu befürchten sei, dann 
einen beigegebenen versiegelten Handbrief zu eröffiien und sich 
nach dessen Inhalt zu richten. Dieser Handbrief enthielt, 
dass die Legaten zuerst dem spanischen Legaten die ganze 
Sachlage mittheilen und ihm vorstellen sollten, dass nur die 
äusserste Noth den Kaiser vermögen könne, sich von Spanien 
zu trennen, dass er, von den Ständen verlassen, dem Feind nicht 
gewachsen sei, sondern seine noch übrigen Länder verlieren und 
somit Spanien auch nicht weiter nützen yrürde, dass er dagegen 
nach dem Abschluss des deutschen Friedens um so kräftiger far 
den Frieden zwischen Frankreich und Spanien arbeiten könnte. 
Dann sollten die Legaten, nachdem sie dem Assistenzpunkte 
eine m(^lichst erträgliche Fassung gegeben, im äussersten 
Nothfall das französische Friedensinstrument annehmen und 
unterschreiben. Es waren dies die Schreiben, deren Chiflfern 
nicht lösen zu können Volmar erklärt hatte. Wie es sich 
damit verhalten habe, darüber können wir keine bestimmte 
Auskunft geben, weil die Schreiben der kaiserlichen Legaten 
für den Monat October im Wiener Archive angeblich fehlen. 
Am wahrscheinlichsten ist es aber, dass man sich jenes Vor- 



282 

wandes bedient habe, nm Zeit zu gewinnen. Es dauerte nicht 
lange, bis ein neues Schreiben vom Kaiser einlief. Kurz 
nachdem der Kaiser seinen Brief vom 6/16. September ab- 
geschickt hatte, empfing er eine neue heftige Zuschrift*) 
vom Kurfürsten von Bayern, geschrieben am 6/16. September 
in Salzburg, wohin dieser seine Zuflucht genommen hatte. 
Dieser Brief, welcher das Ultimatum des Kurfürsten enthielt, 
verfehlte seinen Zweck nicht; am 12/22. September schickte 
der Kaiser gleichzeitig einen Brief an den Kurfürsten mit der 
Nachricht, dass man seinen Bath befolgt habe, und einen an 
die Legaten in Münster mit dem Befehl, dass sie gegen gewisse 
weniger bedeutende Bedingungen das französische Friedens- 
instrument unverzüglich unterschreiben sollten**). Es war 
dieser Befehl, welcher die Erklärung der kaiserlichen Legaten 
vom 25. September herbeiführte. 

In ihrem ungeduldigen Eifer drangen nun die Stände 
darauf, dass man sogleich zu Unterzeichnung der Frie- 



*) Es heisst darin unter Anderem: „Ich bitte Ew. M. gehorsamlich, Sie 
wollen doch Ihren und Ihrer Erbkönigreich und Landen höchst geßlhrlichen 
Stand und das, so sie noch leider in Yerbleibung des Friedens zu gewarteii 
haben, zu Herzen fassen und bedenken, wie grosse Verantwortung Sie auf sich 
laden wUrden, wenn Sie die Religion, das Reich, Ihre Erblande, Ihre getreue 
Stände, so alles bey Ihre aufgesetzt, in das Präcipitium und nnwiederbringlicbes 
Verderben stürzen sollten, und dieses um ausländischer Interesse willen , die Sie 

doch mit dem nunmehr fast versicherten Frieden salviren könnten auf 

dem unverhofften Fall aber, Ew. M:s Flenipotentiarii mit Ihren gewöhnlictoD 
Contradictionibus und Protractionibus vorgegebener Ermangelung der gehörigen 
Befehl und Instructionen, Disputirung der Formaliteten, Examinirung oder 
Retractirung dessen, was zwischen den Cronen und Ständen schon geschlossen, 
Einführung auswärtiger Considerationen aufhalten und das Werk Ihrer ander- 
wärtigen Absehen halber sollten protrahiren, hab' ich meinen Räthen befohlen, 
dass sie mit und neben andern friedliebenden StändeQ das abgeredete und 
geschlossene Instrumentum pacis acceptiren, unterschreiben, publiciren und diese 
meine Landen vor fernerer Devastation durch Mittel der Gessatio armorum, so 
sie meines Theils zu versprechen, salviren sollen.** Gopie in M. A. 

*) Der Kaiser an den Kurfürsten den 22. September (dem Briefe des Kur- 
fürsten an die Gesandten vom 26. September beigegeben): Copie Ih M. A. Der 
Kaiser an die Legaten vom selben Tag, gleich wie das Vorhergenannte vom 
16. September in der kaiserlichen Rescriptsammlung: W. A. 



283 

densschliisse schreiten solle. Allein dies war aus mehreren 
Oründen unausführbar. Zwar wurden die verzweifelten Be- 
mühungen des spanischen Gesandten bei Salvius und gewissen 
Ständen, einen Aufschub der Sache zu bewirken, nicht weiter 
berücksichtigt. Auch hatte es nicht viel zu bedeuten, wenn 
Oxenstiema, der jetzt nach Osnabrück zurückgekommen war, 
Schwierigkeiten machte, sich in Münster einzufinden, um den 
Frieden zu unterschreiben, indem er forderte, dass das schwe- 
dische Friedensinstrument in Osnabrück unterzeichnet würde; 
denn er konnte den vereinten Aufforderungen der Kaiserlichen, 
Serviens, Salvii und der Stände nicht lange widerstehen, sondern 
erschien am 4. October in Munster*). Wichtiger war es, dass 
es noch unentschiedene Streitfragen gab, darunter einige nicht 
unwesentliche. So hatte sich Fi'ankreich vorbehalten, dass 
nicht nur die deutschen, sondern auch die spanischen Habs- 
burger allen Ansprüchen auf das Elsass förmlich entsagen 
sollten, und da letztere natürlich nicht zu einer derartigen 
Entsagung zu bewegen waren, forderte dafür Servien eine be- 
sondere Garantie seitens der deutschen Stände, welche auch 
trotz des Widerstrebens der Kaiserlichen endlich bewilligt 
ward. Beide Kronen arbeiteten darauf hin, der Landgräfin 
von Hessen weitere Vortheile, z. B. eine Geldentschädigung 
far ihre Truppen oder doch wenigstens Erlassung des Hessen 
obliegenden Antheiles an den fünf Millionen zu verschaffen. 
In dieser Hinsicht waren jedoch die Stände nicht zu erweichen; 
man konnte der Landgräfin nichts als einen Yorschuss zu den 
bewill^ten 600000 Reichsthalem erwirken. 

Mehr Rücksicht wurde auf die übrigen Forderungen ge- 
nommen, welche die Schweden vermöge des von Salvius am 



*) Die Ansicht der schwedischen Regierung hierüber war: „Kann gleich- 
gültig sein, wo diese Sachen verhandelt werden, ob in Osnabrück oder in Münster, 
wenn man nur dadurch einen vortheilhaften Abschlnss erlangt." Die Regierung 
an die Legaten den 14. October, 



284 

5. September gemachten Vorbehaltes für eigene Rechnung 
stellten. So richteten die Stände dem Verlangen der Schwe- 
den gemäss ein Schreiben an den Kaiser, worin sie sich für 
die österreichischen Flüchtlinge verwendeten, welche in Folge 
des Punktes „Tandem omnes" nicht restituirt würden; diese 
Frage würde wahrscheinlich neue Verhandlungen veranlasst 
haben, felis die Legaten noch rechtzeitig den Brief der Re- 
gierung vom 14. October empfangen hätten, welcher ihnen 
das Interesse der Flüchtlinge noch weiter zu verfechten anbe- 
fahl, in Anbetracht dass „ Gott durch unsere Siege in Böhmen 
uns gleichsam die Thür und die Gelegenheit geöffnet hat, far 
sie einzutreten". — In Bezug auf die Stadt Bremen stellte 
das Mainzer Directorium ein Zeugniss aus, dass die schwe- 
dischen Legaten zum Protokolle die Erklärung abgegeben 
hätten, dass sie unter „Territorium" und „Subditi" der 
Stadt nur die eigentliche Stadt und das unmittelbare Gebiet 
derselben verstanden und mit dem Ausdruck „praesens status 
civitatis" die Verfassung meinten, worin die Stadt bei der 
Eröffnung der Unterhandlung, nicht bei deren Abschluss sich 
befunden habe; woraus folgte, dass Schweden die kaiserliche 
Unmittelbarkeitserklärung von 1646 nicht anerkannte*). — 
Femer forderten die Schweden, dass ihre einheimischen Truppen, 
welche nicht vor dem Gefrieren der See nach Schweden hin- 
übergeführt werden könnten, den Winter über auf Kosten der 
deutschen Stände unterhalten werden möchten. Dies Ver- 
langen rief eine grosse Entrüstung hervor: „Einige lamentirten 
und jammerten, andere pochten und knurrten, dies sei eine 
unchristliche und unerträgliche Zumuthung" ; die schwedischen 
Truppen könnten ganz gut im Dezember hinübergefuhrt wer- 



•) Instr. pacis Osn. X, 8: „Civitati vero Breinensi ejusque territorio et 
subditis praesens suns status, libertas, jura et privilegia in ecclesiasticis et po- 
liticis sine impeditione relinquantur." In der Convention vom Februar 1647 war 
bei „jura ot privilegia** hinzugefügt worden: „ab imperatoribus et aivtecessori- 
bus legitime acquisita vel usu longo obtenta." 



_28ö_ 

den, und wenn auch dies unthunlich wäre, so hätte Schweden 
seine neuerworbenen deutschen Provinzen und die fünf Mil- 
lionen zur Verfügung; wenn Schweden den Winter über sein 
Heer im Eeiche behielte, so müssten auch die übrigen 
Mächte dasselbe thun, und Deutschland müsste die Armeen 
noch ein Jahr unterhalten u. s. w. In Folge dieser Klagen 
Hessen die Schweden ihre Forderung fallen, welche sie der 
Meinung Salvii nach nie hätten aufstellen sollen, weil es 
sich unfehlbar herausstellen würde, dass es unmöglich 
sei, die Bäumung vor dem nächsten Frühjahr zu vollen- 
den*). — Schliesslich hatte der Generalissimus Schwedens 
Carl Gustav verlangt, dass die Ordnung für die Vollziehung 
des Friedens deutlicher und bestimmter abgefasst würde, 
and demzufolge hatte Salvius eine derartige kurz abgefasste 
Ordnung, welche auch von den Ständen angenommen wurde, 
aufgesetzt. 

Endlich waren alle Hindernisse beseitigt und man hatte 
das ersehnte Ziel erreicht. Sonnabend den 14/24. October 1648 
war der denkwürdige Tag, an dem der westphälische Friede 
unterzeichnet wurde. Dies ging folgendermassen zu. Gleich 
nach Mittag, als die Stände sich im bischöflichen Palast ver- 
sammelten, begaben sich die schwedischen Legaten in fünf 
„Carossen", jede mit sechs Pferden bespannt, zu den kaiser- 
lichen Legaten Lamberg und Crane; und nachdem die beiden 
Legationssecretäre die beiden von dem Mainzer Directorium in 
Verwahrung genommenen Exemplare des Friedensinstrumentes im 
bischöflichen Palast abgeholt hatten, wurde dies verlesen und, 
als es richtig befunden wurden, erst von den schwedischen Legaten 
und dann, nachdem die Kaiserlichen sich nach dem schwedi- 
schen Legationshotel begeben hatten, auch von diesen unter- 
schrieben. In derselben Weise verfahren einerseits Servien, 



*) Salvius an die Regierung den 8. October, beide Legaten an dieselbe den- 
selben Tag: ü. W. F. Vgl. Pufendorf, Suec. XX, 208. Bougeant a. a. 0, 



_ä86_ 

andrerseits Nassau und Yolmar beim Unterzeichnen des fran- 
zosischen Instrumentes. Dann wurden die Friedensinstrumente 
zurückgebracht und von den Deputirten der Stände unter- 
zeichnet *). Am folgenden Tage wurde in der Wohnung 
Oxenstiemas Gottesdienst abgehalten und in Gegenwart 
sämmtlicher evangelischer Stände ein Te deum gesungen, 
worauf der kursächsische Gesandte in ihrem Namen den 
schwedischen Legaten für ihre Mühe Dank sagte und ihnen 
zu dem erlangten Erfolg Glück wünschte. Sowohl in Osnabrück 
als in Münster ward an demselben Tag der Friede unter 
Paukeiji- und Trompetenklang feierlich bekannt gemacht und 
mit militärischer Parade, Geschützfeuer und anderen Freu- 
denbezeugungen gefeiert. In dem allgemeinen Jubel beachtete 
man nur wenig die Verwahrungen, welche zugleich von dem 
päpstlichen Nuntius gegen das schwedische und von dem 
spanisch-burgundischen Gesandten gegen das französische Frie- 
densinstrument eingelegt wurden. 



*) Die hierbei vertretenen Stände waren: vom Knrffirstencollegiom: 
Mainz, Bayern, Sachsen und Brandenburg; vom Ffirstencollegium: Oestreich, 
Bamberg, Würzburg, Bayern, Sachsen -Altenburg und Coburg, Brandenburg- 
Culmbach und Onolzbach, Braunschweig-Lüneburg in dessen verschiedenen Zwei- 
gen, Mecklenburg, Pommern, WDrtemberg, Hessen -Gassei, Hessen -Darmstadt, 
Baden-Durlach und Baden-Baden, Sachsen- Lauenburg, Mfimpelgard, die Wetterau- 
ischen Grafen, die fränkische Ritterschaft; vom Städte coli egium: Strassbnrg, 
Speyer, Weissenburg, Landau, Regensburg, Lflbeck, Goslar, Nordhaosen, Nürnberg, 
Weinsheim, Schweinfurt, die Reichsstädte im Elsass, Dortmund, Ulm und mehrere 
kleine Reichsstädte in Schwaben. 



vn. 

Eatification nnd Execntion des westpMlischen 

Friedens. 



Selten wurde wohl eine Friedensbotschaft mit grösserer 
Sehnsucht erwartet oder mit grösserer und allgemeinerer Freude 
empfengen, als die, welche die Kunde von der Unterzeichnung 
des westphälischen Friedens brachte. Wenn man von Spanien 
und dem Papste absieht, war der Friede willkommen für ganz 
Europa, das jetzt 30 Jahre hindurch von dem in Deutschland 
wüthenden Kriegsbrand heimgesucht oder doch bedroht ge- 
wesen war. 

In Stockholm, wohin der Legationssecretär Gustav Hansson 
die Friedenskunde brachte*), ward die Nachricht mit auf- 
richtiger Befriedigung begrüsst. Die Königin hatte vorher 
an Salvius geschrieben : „ wäre ich so gluckselig, dass ich der 
Christenheit Ruhe verschaffen könnte, so wäre dies all mein 
Verlangen und ich würde es als mein Hauptziel ansehen ^S und 
niemand war über den Friedensschluss firoher als sie; „hier 
freut sich alle Welt über den Frieden, besonders Ihre Majestät 



*) Der Bote wurde mit einer goldeMn Kette von 600 Gulden Werth belohnt 
und unter dem Namen Tanbenfelt geadelt. 



288 

die Königin", schrieb Axel Oxenstiema seinem Sohne. Die 
Freude war im ganzen Lande allgemein, und es ist nicht 
wahrscheinlich, dass die Prophezeiung der Königin: „kommt 
der Friede zu Stande, so werden die langen Nasen Mer zu 
Hause wohlfeil ", in Erfüllung ging*). Am wenigsten zufrieden 
waren natürlich die jungen Leute, welche gehoflFt* hatten, gleich 
ihren Vätern in Deutschland Gold und Lorbeeren zu ernten, 
jetzt aber diese Laufbahn auf einmal gesperrt sahen. Hierher 
dürfte auch der Generalissimus Schwedens Carl Gustav, welcher 
durch den Frieden schon im Anfang seiner kriegerischen Lauf- 
bahn gehindert wurde**), zu rechnen sein. Der misslungene 
Sturm auf Prag (am Tage nach dem Friedensschluss) hatte 
jedoch etwas dazu beigetragen, seine Hoffnungen herabzustimmen. 
Am 29. October Hess er dem Verlangen der Kaiserlichen ge- 
mäss die Feindseligkeiten einstellen, obgleich die ofGcielle 
Anzeige des Friedens durch die schwedischen Legaten erst am 
3. November eintraf; der Eilbote scheint absichtlich aufge- 
halten worden zu sein, damit Carl Gustav inzwischen die 
Eroberung von Prag vollenden möchte. Wrangel befand sich 
beim Friedensschlüsse mit seinem Heere in Franken. 

Auch in Frankreich war der Friede der grossen Mehr- 
zahl der Nation, für welche die Kriegslasten sehr drückend 
gewesen waren, ersehnt und willkommen. Was namentlich 
die Regierung und ihren Chef, Cardinal Mazarin, betrifft, so 
waren auch sie augenblicklich friedlich gesinnt ; wäre es ihnen 
aber gelungen, die Stände gänzlich vom Kaiser zu trennen 
und auf ihre Seite zu ziehen, so würden sie wahrscheinlich 
die Fortsetzung des Krieges vorgezogen haben. 



*) Die Königin an Salvius den 21. Juli 1648. Der Reichscanzier an seinen 
Sohn den 11. November d. J. Vgl. Ghanut, M^m. I, p. 355. 

••) Er schreibt jedoch seinem Vater den 5. November: „Der Friede, welcher 
uns unter meinem Befehl gegeben worden ist, ist für mich eine ewige Ehre, die 
ich allen Siegen von der Welt vorziehe." Carls on, Geschichte Carl 
Gustavs X., S. 16. 



289 

Nichts war jedoch mit den Gefühlen zu vergleichen, 
welche bei der Friedensbotschaft die deutsche Nation durch- 
drangen. Deutschland befand sich ungejfähr in derselben Lage 
wie ein dahingesunkener Erleger, der im Begriff ist vor Blut- 
verlust zu sterben, oder ein Schiffbrüchiger, welcher ermattet 
und halbtodt auf dem Wrack umhergeschleudert wird; wenn 
der Krieger das wohlbekannte Signal erklingen hört oder der 
Seemann das weisse Segel am Horizont hervorschimmern sieht, 
so fühlt er sich von neuem Leben durchdrungen und macht eine 
letzte Anstrengung zu seiner Bettung. Von der Art war der 
Eindruck, welchen die Friedenskunde in den verwüsteten Gauen 
Deutschlands hervorbrachte; auf die Muthlosigkeit und Ver- 
zweiflung folgte wieder Muth und Hoffnung. Man glaubte 
schon am Ziele zu sein und hoffke die Lasten und Unglücks- 
Me des Krieges auf einmal los zu sein. Man übersah, 
dass ein dreissigjähriger Krieg eine solche Umwälzung der 
ganzen gesellschaftlichen Ordnung herbeigeführt und so 
viele üebelstände hervorgerufen hatte, dass eine geraume 
Zeit erforderlich sei, ehe alles in die alte Ordnung zu- 
rückkehren könnte. In der That dauerte es auch beinahe 
zwei Jahre, ehe der westphälische Friede gänzlich voll- 
zogen war. 

Die von Salvius verfasste und von den Ständen ange- 
nommene Executionsordnung schrieb vor, dass während der 
zwei Monate, welche für die Anschaffung der Batificationen 
festgestellt waren, alles, was sich auf die Amnestie und dl« 
Gravamina bezog, ausgeführt und die Gefangenen frei gelassen 
werden, dann die Stände die erste Abzahlung machen und für die 
zweite Sidierheit stellen sollten und dass bei den Armeen alles 
für die Abdankung der Truppen und die Bäumung der Plätze 
verabredet und geregelt werde; darauf, nachdem die Batifica- 
tionen ausgewechselt oder deponirt waren, sollte die Bezahlung 
und Abdankung der Truppen gleichzeitig und „pari passu" er- 

Odhner, Politik Schwedens. 19 



290 

folgen*). Es stellte sich jedoch bald heraus, dass diese Exe- 
cutionsordnnDg theils ungenügend, theils unmöglich auszu- 
führen. Es ist nicht wahrscheinlich, dass der erfahrene Salvius 
wirklich gehofft habe , dass die zwei Monate zu einem so um- 
fassenden Werk wie der Vollziehung der Priedensbedingungen 
bezüglich der Amnestie und der Gravamina, sowie zu den 
Vorbereitungen für die Abdankung und Bäumung hinreichen 
würden; vermuthlich hat er in diesem Punkt nur den Wün- 
sehen der Stände nachgegeben. Es zeigte sich auch in kurzem, 
dass man sich in der Zeit ganz verrechnet hatte. Es war 
keine leichte Sache, in dem ausgeplünderten Deutschland die 
beträchtlichen Geldsummen aufzutreiben, welche nöthig 
waren; ausserdem legten die katholischen Stände, welche 
vermöge des Friedensschlusses Gebiete oder Gerechtsame ab- 
treten mussten, eine grosse Trägheit und Widerspenstigkeit 
an den Tag; sie hofften offenbar, dass, nachdem die schwe- 
dischen Truppen abgezogen waren, man es mit der Execution 
nicht zu genau nehmen würde, zumal da sie das Eeichsoberhaupt 
auf ihrer Seite hatten. Eine andere nicht geringere Schwie- 
rigkeit lag in der Vorschrift der Executionsordnung, dass die 
Generale innerhalb der zwei Monate über die Abdankung und 
Eäumung ein Abkommen treffen sollten. Es war dies näm- 
lich eine weitläuftige Sache, die auf viele Hindernisse stiess. 
Die beiden Oberbefehlshaber, Carl Gustav und Piccolomini, 
entsandten Bevollmächtigte nach Prag**), die ihre Zu- 
sammenkünfte in einem auf der Brücke, welche die kleine 
Seite mit der Altstadt verbindet, aufgeführten Bretterverschl^ 
hielten. Die erste Frage, worüber verhandelt wurde, war 
die, inwieweit die schwedischen Truppen das Recht hätten, 
in den Erblanden des Kaisers länger zu verbleiben. Nach- 



*) Ordo ezecutionis pacis, dem Briefe des Salvins an die Kegierang vom 
1. October beigelegt: Ü. W. F. Meiern a. a. 0. VI, S. 612. 

•) Schwedischerseits der Generalwachtmeister PaykuU und Alex. Erskein. 



291 

dem die Schweden dies Recht eine Zeitlang verfochten hatten, 
beschlossen sie endlich, um nicht dem Kaiser eine Veran- 
lassung zum Friedensbruch zu bieten, nachzugeben, zumal die 
böhmischen Quartiere ziemlich ausgesogen waren; Ende des 
Jahres ward Böhmen von den schwedischen Trappen geräumt, 
welche nebst den in Franken stehenden auf die sieben der 
schwedischen Armee zugewiesenen Kreise vertheilt wurden*). 
Dagegen konnte man sie nicht eher zur Bäumung der von 
ihnen in den Erblanden besetzten Festungen bewegen, als 
bis die festgesetzten Bedingungen eifallt seien, und hierbei 
konnten sie sich auf die bestimmte Vorschrift der Executions- 
ordnung berufen. 

Indessen blieb der Gongress in Erwartung der Batifica- 
tionen der Mächte fortwährend zu Münster versammelt, und 
auch die schwedischen Legaten blieben dem Verlangen der 
Stände gemäss daselbst zurück. Man beschäftigte sich unter- 
dessen mit dem Executionswesen und bemühte sich, der Zügel- 
losigkeit der Armeen möglichst Einhalt zu thun und den 
dadurch veranlassten Klagen abzuhelfen. Die schwedischen 
Legaten wurden nicht nur von den Franzosen, sondern auch 
von den Spaniern und den Kaiserlichen ersucht, zwischen 
Frankreich und Spanien zu vermitteln und wo möglich auch 
diesen Frieden vor Auswechslung der Batificationen zu Stande 
zu bringen. Der spanische Gesandte Brun zeigte sich gegen 
die Schweden sehr zuvorkommend und erklärte sich sogar 
bereit, ihnen den Schiedsspruch in den noch übrigen Streit- 
fragen zu überlassen; als es aber zur Entscheidung kam^ 
stellte es sich heraus, dass er ohne genügende Instrac- 
tionen und vom Grafen Penaranda, der sich in Brüssel auf- 
hielt, abhängig war. Vergebens drohten die Schweden auf 
Befehl ihrer Begierung den Franzosen thätig beizustehen. 



*) Der Vertrag hierüber, datirt vom 28. Dezember 1648, bei Meiern, Acta» 
cxecdtionis publica I, S. 11 iT. 

19* 



292 

falls Spanien nicht jetzt Frieden schlösse. Spanische Anmassong 
und Indolenz nebst der Nachricht von der Erneuerung des 
Krieges der Fronde machte alle Bemühungen zunichte. Ende 
des Jahres 1648 schrieben die schwedischen Legaten, dass die 
spanische Verhandlung ganz ins Stocken gerathen sei"*"). 

Von den Ratificationen wurde die des Kaisers zuerst, 
nämlich noch vor Ausgang November, vorgelegt. Die 
schwedische Ratification brachte Taubenfeld mit, als er am 
12. Dezember von Stockholm wiederkam, die französische 
endlich traf erst zwei Tage nach Ablauf der bestimmten Zeit 
ein. Die Kaiserlichen und die Stände forderten jetzt, dass 
die Auswechslung unverzüglich erfolgen möchte. Hierzu waren 
jedoch die Legaten der Kronen nicht geneigt: sie verlangten, 
dass zuerst alles, was laut der Executionsordnung der Aus* 
wechslung der Batificationen vorhergehen müsse, ausgeführt 
werden solle. Dies stimmte auch mit dem Befehl der 
Begierung, so wie mit den privaten Bathschlägen desBeichs- 
canzlers überein. Auch Carl Gustav schrieb und warnte die 
Legat^en, nicht voreilig in die Auswechslung, zu willigen. 
In dieser Hinsicht war jedoch Salvius anderer Meinung als 
die übrigen. Er erklärte, dass die Stände weder die verab- 
redete Geldsumme würden anschaffen noch den schwedischen 
Truppen ordentliche Quartiere bereiten können, so lange die 
französischen und hessischen Heere noch im Westen Deutsch- 
Imids zurückblieben und das Land aussögen; die Abdankung 
der Truppen müsse man deshalb beschleunigen, aber sie 
könne nicht eher geschehen, als bis die Auswechslung schon 
erfolgt sei, und darum müsse diese, jedoch gegen genügende 
Sicherheit hinsichtlich der noch nicht erfüllten Bedingungen, 
ausgeführt werden. Ausserdem sei es nicht rathsam, die 



*) Dio schwedischen Legaten an die Regierung den 5. November, den 10. 
und 17. Dezember; Oxenstiema an die Begierang den 19. November, 31. Dezember 
1648: U. W. F. Die Beg^ierung an die Legaten den 18. Januar 1649: Breg. 



293 

Stände zum äussersten zu treiben, es stehe zu beffirchten, dass 
sie sieh schliesslich dem Kaiser in die Arme iverfen würden"^). 
Es darf jedoch nicht verschwiegen werden, dass Salvins anch 
ein Privatinteresse an dieser Sache hatte; er sollte nämlich 
laut des Befehles der Königin den Congress nach der Aus- 
wechslung verlassen, um die Ratification nach Schweden zu 
überbringen, während Oxenstiema ersucht wurde, noch femer 
da zu bleiben, um bei der Begelung des Executionswesens zu 
assisidren — eine Bevorzugung des Salvius, die den Groll und 
Neid Oxenstiemas erregte und die alte Uneinigkeit zwischen 
den Legaten wieder zum Ausbruch konmien liess. 

Indessen waren die Gründe des Salvius in Betreff der 
Auswechslung so schlagend, dass sie nicht verfehlen konn- 
ten, sich geltend zu machen, zumal die Unzufriedenheit unter 
den Ständen im Zunehmen war und von der spanisch-ultra- 
montanen Partei eifrig dazu benutzt wurde, um die Evange- 
lischen gegen Schweden aufzuhetzen und wo möglich den 
ganzen Frieden zu vernichten; dazu kam, dass „das parla- 
mentische Unwesen*^ in Frankreich Servien zur Vollziehung 
des Friedens geneigter machte'*'*). Ende Januar 1649 em- 
pfingen die schwedischen L^aten sowohl von der Königin ***) 
als von dem Generalissimus Briefe, wodurch sie zur Aus- 
wechslung der Ratificationen unter gewissen Bedingungen er- 
mächtigt wurden. Schon vorher (den 10/20. Januar) hatten 
die Stände ein Schreiben an den Kaiser erlassen, worin sie 



*) Es Würde wirklich unter den Ständen eine „Zusammensetzung** mit dem 
Kaiser wieder angeregt, welcher Schritt vom Kurfürsten Ton Sachsen im Brief 
an seine Gesandten den 16. Februar 1649 eifrig befürwortet ward: D. A. 

••) Die schwedischen Legaten an die Regierung den 24. Dezember 1648, den 
7. Januar und 11. Februar 1649. Oxenstiema an die Regierung den 8. und 
81. Dezember, den 14. und 21. Januar, 4. Februar. Salvius an die Regierung 
den 23. Dezember, an Carl Gustav den 21. Januar, an Gyldonklou den 10. De- 
zember. Im Januar 1649 lag Salvius krank; Oxenstiema gab zu verstehen, dass 
die Krankheit gemacht sei, damit Salvius der unangenehmen Verhandlung über 
die Auswechslung überhoben würde. 

') Die Regierung an die Legaten den 13. Januar 1649: Rreg. 



**m\ 



294 

ihn aufforderten, seine kaiserliche Gewalt anzuwenden, um die 
Bestimmungen des Friedens bezuglich der Amnestie und der 
Gravamina zur Ausführung zu bringen; dazu verlangten nun 
die Schweden noch eine förmliche Verpflichtung seitens der 
Stände in Betreff der noch nicht erfüllten Bedingungen, be- 
gnügten sich aber endlich damit, dass dieselben im. Namen 
des Reiches ein feierliches Versprechen abgaben, dass jene 
Bedingungen unweigerlich und schleunigst erfüllt werden 
sollten, welches Versprechen in das Protokoll der Stände ein- 
getragen wurde und worüber den Schweden ein Auszug aus 
dem Protokolle mitgetheilt ward. Dann schritt man zur 
Auswechslung der Ratificationen. Am 8/18. Februar 1649 
begaben sich die schwedischen Legaten, von den Deputirten 
der Stände begleitet, nach der Wohnung des Grafen Lamberg 
und übergaben ihm ein ratifizirtes Exemplar der Priedens- 
urkunde, auf Pergament geschrieben und mit daran hangendem 
Siegel in einer goldenen Kapsel. Die wiederhergestellte 
Freundschaft wurde durch Handschlag und ^Umarmung be- 
kräftigt. Dann überreichten die Kaiserlichen in der Wohnung 
Oxenstiernas die Ratification ihres Gebieters, bei welcher Ge- 
legenheit die Schweden auch die Ratificationen der Stände 
empfingen*). In die Hände des Mainzer Directoriums ward 
von den Schweden ein zweites Exemplar der Friedensurkunde 
niedergelegt. Ein drittes wurde dem Kurfürsten von Sachsen 
als dem vornehmsten unter den protestantischen Ständen zu- 
gestellt. 

Durch die Auswechslung der Ratificationen war aller- 
dings ein wichtiger Schritt zum Endziel gethan worden, aber 
der wichtigste und schwierigste war noch zu thun übrig, 
nämlich die Regelung des Executionswerkes. In Bezug hier- 
auf waren die Interessen allzu mannigfaltig und wider- 
streitend, um so bald ausgeglichen werden zu können. 



*) Gewisse Stände gaben die Ratificationen erst nachträglich ein. 



295 

Nachdem die in Munster versammelten Stände die Aus- 
wechslung der Batificationen durchgesetzt hatten, beschlossen 
me, die übrigen Fragen, nämlich die Abdankung, die Bäumung 
und anderes auf die Execution Bezügliche selbst zu über- 
nehmen. Sie fürchteten nämlich, dass die Execution sich zu 
lange hinziehen würde, wenn sie den Generalen überlassen 
und einer neuen Verhandlung an einem anderen Ort über- 
wiesen wurde. Hierüber erliessen sie ein Schreiben und 
sandten eine Deputation an Carl Gustav ab, welcher sich im 
Februar 1649 in Minden eingefunden hatte, um mit den 
schwedischen Legaten über das Executionswerk zu berathen. 
Der Anti^ag der Stände Tvurde von den Kaiserlichen, welche 
die Stände für sich gewinnen wollten, sowie von Servien 
unterstützt, und auch Johann Oxenstierna stimmte diesem 
Vorschlage zu*). Allein Carl Gustav weigerte sich, die 
Leitung des Executionswerkes aus den Händen zu lassen; 
dies sei durch den Friedensschluss den Generalen überlassen 
worden, welche auch weit besser als die Diplomaten im Stande 
seien, diese Angelegenheit zu ordnen; die Sache solle unver- 
züglich bei einer Zusammenkunft in Nürnberg, wohin er den 
kaiserlichen Legaten eingeladen hatte, zum Austrag kommen **). 
Diese Erklärung wurde von der gegen die Schweden feind- 
lich gesinnten Partei dazu benutzt, einen neuen Sturm 
wider sie zu erwecken. In Münster entstand eine heftige 
Gährung in den Gemüthern, welche nur mit Schwierigkeit 
durch die Vorstellungen und Versicherungen der Schweden 
freundlich Gesinnten gestillt wurde, sowie durch die Mass- 
regeln, welche Carl Gustav, je nachdem die Kaiserlichen und 
die Bayern entwaffneten, zur Verminderung der Stärke des 
schwedischen Heeres ergriffen hatte. Diese Massregeln wurden 



•) In dieser Frage war jedoch der Reichscanzier anderer Ansicht, siehe 
seinen Brief an seinen Sohn den 17. März 1649: Gjörwells Sammlung. 

••) Das Schreiben der Stande und die Antwort Carl Gustavs gedruckt bei 
Meiern, Acta executionis publica I, S. 20. 21. 



296 

jedoch von den meisten als ganz ungenügend und nnr des Scheines 
halber ergriffen betrachtet; um eine wirkliche Entwaffnung 
seitens der Schweden zu erzwingen, müsse man ihnen rein 
heraussagen, dass sie, ehe das geschähe, die bewilligte Geld- 
summe nicht erhalten würden, und dass, wenn sie nicht 
innerhalb einer gewissen Zeit entwaffneten, die Stände den 
schwedischen Truppen den weiteren Unterhalt verweigern und 
mit vereinten Kräften eingreifen würden u. s. w. Der sicht- 
bare Hauptleiter dieser Anschläge war jetzt, wie gewöhnlich^ 
Eursachsen, aber hinter dem ganzen spielten kaiserliche und 
ultramontane Bänke. 

Die Drohungen der Stände machten keinen besonderen 
Eindruck auf Carl Gustav und die Schweden , welche die 
deutliche Vorschrift des Friedensschlusses und für den FaU 
eines Bruches ihr schlagfertiges Heer zur Verfügung hatten. 
Nach dem Friedensschlüsse sollte die Restitution dessen, was 
sich auf die Amnestie und die Gravamina bezog, der Ent- 
waffnung vorausgehen und diese „pari passu^' mit der Be- 
zahlung der Geldsumme geschehen. Die Schweden hatten 
also zwei wichtige Interessen, das eine im Namen der Glau- 
bensgenossen, das andere für eigene Rechnung, zu wahren, und 
sie befolgten hinsichtlich der Execution dieselbe Politik wie 
während des Friedenscongresses selbst ; sie sahen hauptsächlich 
auf ihr eigenes Interesse, verloren aber darum keineswegs die 
Interessen ihrer Glaubensgenossen ausser Augen und beriefen 
sich natürlich in erster Hand auf diese. Sie erinnerten an 
die Starrköpfigkeit und Widerspenstigkeit, welche die Kathor 
liken in Bezug auf die Restitution zeigten und welche so weit 
ging, dass einige es offen verweigerten, sich den deutlichen 
Vorschriften des Friedensschlusses zu unterwerft; w^nn so 
etwas ungeachtet der Anwesenheit der Schweden vorfallen 
konnte, so durfte man es für ausgemacht ansehen, dass, wenn 
die Schweden Deutschland verliessen, ehe noch die Restitution 
vollzogen wäre, dieselbe ganz stocken würde; es wäre dem- 



297 

nach Schwedens Pflicht, wie es nach dem Friedensschlüsse 
sein Becht war, das Bestitutionswerk zu überwachen und 
darauf zu achten, dass das, was es im Friedensschlüsse zu Gun- 
sten seiner Glaubensgenossen durchgesetzt hatte, kein todter 
Buchstabe bliebe, und dass die Frage, welche die Hauptursache 
zu dem langen Kriege abgegeben und deren Begelung auf dem 
Friedenscongresse die grösste Mühe gekostet hätte, nicht durch 
mangelnde Execution in demselben unbefriedigenden Zustand 
verbliebe. Diese Gründe waren keineswegs leere Worte ; es war 
unstreitig, sowohl dass Schweden in dieser Sache eine Pflicht 
and ein Interesse zu vertreten hatte, als auch dass die Mit- 
wirkung desselben zur Ausführung des Friedens nur zu 
nöthig VTar. 

Die evangelischen Stände konnten nicht umhin, die 
Bichtigkeit der schwedischen Auffassung in dieser Sache an- 
zuerkennen; aber durch die schwedische Einquartierung ge- 
drückt und ausgesogen, waren sie nur zu geneigt, in die 
katholische Forderung einer unverzüglichen Entwaffnung ein- 
zustimmen. Hierdurch gelang es der letzteren Partei in 
dem letzten gemeinsamen Beschlüsse, den die Beichsstände 
beim westphälischen Friedenacongresse fassten und der vom 
13/23. April datirt ist*), ihre Meinung durchzusetzen. In 
diesem an den Kaiser gerichteten Gutachten, wie auch in 
einem gleichzeitig an Carl Gustav erlassenen Schreiben, such- 
ten die Stande die oben angeführten Gründe der Schweden 
damit zu widerlegen, dass die Execution bezüglich der Am- 
nestie und der Gravamina eine Sache sei, die hauptsächlich 
die Stände selbst und das Beich, nicht aber die Schweden 
aog^e, dass ausserdem das wichtigste der Execution schon 
ausgeführt und solche Anstalten getroffen worden seien, dass das 
noch übrige völlig sichergestellt erscheine. Deshalb müsse die 
Entwaffnung unverzüglich und ohne Bücksicht auf das Be- 



*} Meiern, Acta execotionis, I, S. 25 ff. 



298 

stitutionswerk erfolgen. In Betreff des Executionscongresses zu 
Nürnberg stellte man es seinen respectiven Principalen an- 
heim, ob sie besondere Bevollmächtigte dorthin absenden 
wollten, und ob der westphälische Ciongress daneben seine 
Thätigkeit fortsetzen oder aufgelöst werden sollte. 

Bereits ehe die Stände noch ihre letzte gemeinsame Er- 
klärung abgegeben hatten, hatte der Congress, welcher seit 
dem Friedensschluss in Münster versammelt war, sich aufzu- 
lösen begonnen. Am 10. März reiste Servien*) ab, de la Cour 
als Geschäftsträger zurücklassend, und kurz darauf der spa- 
nische Gesandte Bmn und der Graf Lamberg. Ihrem Beispiele 
folgten nach und nach die deutschen Stände, obgleich die 
Kaiserlichen, um sie an einer allgemeinen Zusammenkunft 
in Nürnberg zu verhindern, sie in Münster zurückzuhalten 
suchten. Im Juni 1649 verliessen die meisten Gesandten 
Münster, im August entfernten sich auch die Vermittler. 
Von den Mitgliedern der schwedischen Gesandtschaft hatte 
Salvius Ende Februar 1649 seine Reise von Minden nach 
Hamburg fortgesetzt, um dann die Batification nach Schwe- 
den zurückzubringen. Oxenstierna dagegen musste, obgleich 
er sich nach Haus sehnte und erklärte, dass er am Congress- 
orte nichts weiter ausrichten könnte, dennoch bis zum 
6. Dezember in Osnabrück bleiben, wo er nach Pommern ab- 
reiste, um in eine Commission einzutreten, welche behufs 
endgültiger Regelung der Verwaltung in diesem Lande nieder- 
gesetzt worden war. Indessen war Salvius, anstatt die Reise 
nach Schweden fortzusetzen, in Hamburg geblieben ; er wagte 
nicht heimzukehren, bis er Sicherheit für seine bedeutenden 
Geldforderungen an die Krone erhalten hatte. Er hatte aller- 
dings die Vollmacht der Königin , in Hamburg 200,000 



*) Vor der Abreise liess er den schwedischen Legaten Geschenke von dem 
König von Frankreich, Oxenstierna kostbare Tapeten, Salvius Juwelen zustellen. 
Als Gabe für Servien sollte Servius ein „Clenodium" von 16000 Eeichsthaler 
Werth ankaufen. 



299 

Eeichsthaler zu erheben, welche die Kaiserlichen laut des 
geheimen Artikels an Schweden baar zu entrichten hatten; 
es wurde aber verabredet, dass diese Gelder an Carl Gustav 
bezahlt werden sollten, und Salvius musste sich mit einer 
Anweisung auf die von dem niedersächsischen Kreise zu 
entrichtende Entschädigungssumme begnügen. Diese wurde 
indessen so lange zurückgehalten, bis die Schweden im 
Ernste entwaffneten, und demnach hatte Servius auch ein 
persönliches Interesse, die Entwaffnung und das Executions- 
werk möglichst zu beschleunigen. Von Hamburg aus ent- 
sandte er eine Mahnung nach der anderen, dass man die Ent- 
waffnung und die Exöcution beschleunigen möchte. Endlich 
musste er im Juni 1650 heimkehren, ohne die Befriedigung 
seiner Forderung erreicht zu haben*). 

Es ist bereits erwähnt worden, dass die Hauptzwecke der 
schwedischen Regierung waren, Sicherheit für die Ent- 
richtung der fünf Millionen zu erlangen und vollständige 
Execution des Friedensschlusses zu erzwingen. Neben diesem 
;gauptzweck hatte man auch andere Pläne und Absichten. 
Als Taubenfeld im Dezember 1648 mit der Bati6cation des 
Friedensschlusses nach Deutschland zurückkam, überbrachte er 
auch Carl Gustav eine geheime Instruction von der Königin. 
Sie forderte hierin ihren Vetter auf, ein wachsames Auge 
auf Polen zu haben, wo um eben diese Zeit innere Streitig- 
keiten wegen der Thronfolge wütheten, und ersuchte ihn, 
die Hauptstärke der schwedischen Armee sich durch Schle- 
sien und Sachsen nach Osten ziehen zu lassen , um in 
Polen einrücken zu können, falls dies als nöthig oder 
den Interessen Schwedens dienlich befunden würde. Nach- 
dem kurz darauf die Thronstreitigkeiten in Polen mit der 
Wahl Johann Casimirs geendet waren, wurden jene Pläne 
wieder aufgegeben; sie hatten jedoch ihre Bedeutung darin, 



•) Sie wurde im Jahre 1649 auf 250,000 Reichsthaler herechnet. 



300 

dass sie zuerst die Gedanken Carl Gustavs auf einen EinMl 
in Polen von der deutschen Seite her richteten. Augenblick- 
lich hatte man in Bezug auf Polen nur darauf zu achten, 
dass die beantragte Friedensverhandlung in Lübeck so bald 
als möglich, und zwar am liebsten v^ährend die schwedische 
Armee noch auf deutschem Boden stand, zu Wege gebracht 
würde. 

Kaum hatte man seine Gedanken ven den polnischen 
Angelegenheiten abgewendet, als die neuen Unruhen der 
Fronde die Aufmerksamkeit nach Westen lenkten. Diesmal 
war es den Missvergnügten gelungen, auch Turenne auf ihre 
Seite zu bringen; Anfang des Jahres 1649 brach er von 
seinen Quartieren in Würtemberg auf, um mit seinem Heere 
den Aufständischen zu Hilfe zu eilen. In dieser kritischen 
Lage wandte sich die französische Eegierung an Carl Gustav 
mit der Bitte, dass die in Oberdeutschland stehenden schwe- 
dischen Eegimenter sich mit den regierungsfreundlichen 
Truppen des Generals Erlach vereinigen dürften, um das Vor- 
haben Turennes zu verhindern. Carl Gustav beorderte vrirk- 
lich den General Douglas, Erlach mit einigen Begimentem 
zu unterstützen^ doch dürfte er nicht das elsässische Gebiet 
verlassen oder sich gegen die Spanier gebrauchen lassen. 
Diese Expedition wurde jedoch für den Augenblick nicht 
nöthig, weil es Erlach gelang, Turennes Armee abspenstig 
zu machen, so dass nur einige Hundert Mann ihm über den 
Ehein folgten. Zwar setzte der französische Hof seine Ver- 
suche fort, die Schweden in den französischen Bürgerkrieg 
hineinzuziehen und wünschte, dass Magnus de la Gardie an 
der Spitze eines schwedischen Heeres dem Hofe zu Hilfe 
kommen sollte; obgleich aber die Königin sich für diesen 
Plan lebhaft interessirte , stellte es sich jedoch bald heraus, 
dass es unmöglich sein würde, den Widerstand zu überwinden, 
der demselben sowohl in Schweden selbst, namentlich im 
Eeichsrathe, als bei der Armee begegnete; an keinem dieser 



301 

Orte konnte der französische Hof auf Sympathien rechnen. 
Auch Carl Gustav rieth bei genauerer üeberlegung von einem 
derartigen Unternehmen ab, und er konnte es aus guten Grün- 
den thun, da die deutschen Verhältnisse sich noch in Un- 
ordnung befonden. Die Königin musste, wenn auch wider- 
strebend, nachgeben. Sie suchte dann ihre Theilnahme für den 
französischen Hof wenigstens in der Weise zu zeigen, dass 
sie ihren Generalen befahl, diejenigen, welche jetzt Schwedens 
Fahnen verliessen, zum Eintritt in französische Dienste zu 
überreden ; dieser Versuch wurde jedoch nicht mit besonderem 
Erfolg gekrönt, weil die Deutschen den französischen Kriegs- 
dienst verabscheuten. Ausserdem rief die Königin auf den 
Antrag Mazarins ihren Gesandten in Paris Schering Bosenhane 
ab, welcher die Partei des Pariser Parlaments ergriffen hatte, 
und bot dem französischen Hofe ihre Vermittlung in dem 
Streite an*). 

Im März 1649, als die Verhältnisse in Deutschland immer 
verwickelter und schwieriger wurden, hatte Carl Gustav seinen 
Schwager Magnus de la Gardie nach Schweden abgesandt, um 
sich persönlich über die Absichten der Königin zu informiren 
und über die bisher in Deutschland befolgte Politik Bechen- 
schaft abzulegen. Im Mai 1649 kehrte de la Gardie nach 
Deutschland zurück, eine ausführliche Besolution von der 
Königin mitbringend**). Sie sprach hierin ihre völlige 
Billigung der Art und Weise aus, in welcher Carl Gustav 
bisher sowohl den Krieg als die Unterhandlung geführt hatte, 
und bat ihn in derselben Bichtung fortzufahren; er habe 



*) Ueber die Beziehiingeii zu Frankreich siehe die Briefe der Regiernng an 
Carl Gnstav den 10. und 17. März: Kreg. Chanut an Mazarin den 20. März, 
an Brienne den 3. April 1649: Wahrenb. Samml. Vgl. Chanut, M^m. I. 

**) Resolution der Königin auf S. F. 6. Generalissimi mit dem Grafen 
Magnus angekomjnenes Memorial, den 7. Mai 1649. Vgl. Brief der Königin an 
Carl Gustav den 16. und 28. April d. J.: Rreg.; an die deutschen Stände den 
19. Mai: Meiern a. a. 0. I, S. 71. 



302 

richtig gehandelt, als er das Executionswerk den Ständen zu 
überlassen und zu entwaffnen sich geweigert, ehe er der Erfüllung 
der Bedingungen vergewissert gewesen sei — derartiges zu be- 
antragen sei „mehr imaginär und philosophisch als an sich thun- 
lieh ". Nachdem er der Entrichtung der drei ei-sten Millionen 
versichert sei und bezüglich der zwei übrigen sich Sicherheit, 
am liebsten an Land (z. B. Hintei*pommern und einen Theil 
von Westphalen), verschafft habe, solle er sogleich zur Ent- 
waffnung schreiten, ohne sich an das eine oder andere kleinere 
„Manquement^^ an der Execution zu kehren und ohne auf 
„ das polnische Wesen ^^ weitere Bücksicht zu nehmen ; dagegen 
müsse er ein wachsames Auge auf die mächtigeren deutschen 
Beichsstände , als Kursachsen, Brandenburg, Lüneburg haben 
und jedes feindliche Vorhaben ihrei-seits rasch vereiteln. Die 
Bäumung sollte, gleichzeitig mit der des Feindes, dem Vor- 
schlage Carl Gustavs gemäss in der Weise geschehen, dass 
man, oben an den Alpen und dem Bodensee anfangend, zuerst 
die vier oberen Kreise, dann Böhmen, Bayern und Mähren, 
weiter Ober- und Niedersachsen und Westphalen und zuletzt 
Schlesien räumte. Von dem Kriegsvolk sollte das schwedische 
nach Haus geschickt, das fremde dagegen abgedankt werden« 
bis auf 10000 Mann, welche grösstentheils in Deutschland 
garnisonirt werden sollten. 

Als Caii Gustav diese Besolution empfing, hatte der 
Executionscongress in Nürnberg bereits seinen Anfang ge- 
nommen. Am 22. April hatte der kaiserliche Oberbefehls- 
haber Ottavio Piccolomini, Herzog von Amalfi, seinen Einzug 
gehalten; zwei Tage darauf fand sich der schwedische Gene- 
ralissimus ein. Als Unterhändler in ihrem Auftrage func- 
tionirten kaiserlicherseits die Beichshofräthe von Blumenthal 
und von Lindenspuhr, welche später durch Volmar und 
Crane ersetzt wm-den, schwedischerseits Alex. Erskein, die 
rechte Hand. Carl Gustavs in dieser Unterhaftdlung , und 
Benedict Oxenstierna, welcher jetzt seine lange politische 



303 

Laufbahn antrat. Französischerseits stellten sich Yantorte 
und D'Avaugoar ein. Ausserdem erschienen nach und nach 
Bevollmächtigte verschiedener deutsdier Stände , zum ^ Theil 
dieselben Personen, welche am westphälischen Friedenscongress 
Theil genommen hatten. 

Nachdem die erste Conferenz am 27. April abgehalten 
und dann schriftliche Anträge und Antworten von beiden 
Seiten abgegeben worden waren, stellte es sich deutlich 
heraus, wie schroff die Interessen sich gegenüberstanden und 
wie schwierig es werden würde, dieselben auszugleichen. Die 
Schweden Hessen den von den Ständen in Münster gefassten 
letzten Beschluss unberücksichtigt und forderten vor allen Dingen 
volle Execution dessen, was sich auf die Amnestie und die 
Gravamina bezog, indem sie eine Schiift über das in dieser 
Beziehung noch Bückständige eingaben; die Kaiserlichen da- 
gegen weigerten sich im Anschluss an den genannten Be- 
schluss diese Frage als nur Kaiser und Beich angehend in 
die Verhandlung aufzunehmen, und als sie sich genöthigt 
sahen, sich darauf einzulassen, suchten sie, dieselbe von den 
Entwaffhungs- und Bäuraungsfragen gänzlich zu trennen. 
Allein auch hinsichtlich dieser waren die Meinungen sehr 
getheilt, indem die Kaiserlichen für die Bäumung eine 
ganz andere Ordnung als die Schweden wünschten; so schlu- 
gen z. .B. die letzteren vor, dass die Festungen in Sachsen 
und Brandenburg zuletzt und die in Hinterpommern erst 
nachdem der Grenzvertrag mit dem Kurfürsten zu Stande 
gekommen sei, geräumt werden sollten, aber die Kaiserlichen 
verlegten diese sämmtlichen Ortschaften in den ersten Bäumungs- 
termin. In Betreff der drei Millionen, welche zuerst ent- 
richtet werden sollten, wurde allerdings versichert, dass die 
Gelder, wenn man immer wollte, zu erheben seien, als aber 
die Schweden ihre Truppen abzudanken anfingen und zu diesem 
Zweck nach der Anweisung des Oberbefehlshabers Geld ver- 
langten, entzogen sich häufig die Betreffenden unter allerlei 



304 

Yorwäüden der Zahlung. Endlich verursachte die Festung 
Frankenthal in der Pfalz, welche die Spanier inne hatten und 
unter keiner Bedingung^ räumen wollten, grosse Schwierig- 
keiten; es galt jetzt ein „Temperamentum'' zur Begelung 
dieser Angelegenheit zu finden, und darüber ward geredet 
und geschrieben ins unendliche. In dieser Weise verging 
der ganze Sommer. Kurz bevor Volmar beimCongress ange- 
langt war, hatten die Kaiserlichen eine präliminare und par- 
tielle Bäumung in Vorschlag gebracht, so dass die Schweden 
Böhmen verlassen sollten, während die Kaiserlichen und die 
Bayern was sie in der P&lz und Schwaben inne hatten, räum- 
ten. Dieser Vorschlag wurde von Carl Gustav sowie von den 
Beichsständen angenommen; nachdem aber Volmar eingetroffen 
war, legte er demselben allerlei Hindernisse in den Weg und 
beredete den Kaiser, seine Zustimmung zu versagen. Als aber 
Carl Gustav erklärte, dass er in diesem Falle die b^onnane 
Abdankung einstellen und die schwedischen Truppen auch 
über den nächsten Winter in Deutschland zurückhalten müsse, 
machten die Stände beim Kaiser so kräftige Vorstellungen, dass 
er endlich seine Zustimmung gab. Am 11. September wurde 
dass also das genannte Präliminarabkommen unterschrieben, 
wodurch zugleich nähere Bestimmungen über die Entrich- 
tung der fünf Millionen festgesetzt wurden. Jetzt räumten die 
Schweden Böhmen ; und da die Gelder in der vorgeschriebenen 
Ordnung einzukommen begannen, glaubte Carl Gustav jetzt 
ohne Gefahr zu der Entwaffiiung schreiten zu können; auf 
Grund einer zwischen ihm und Piccolomini den 25. September 
abgeschlossenen Convention*) wurde jetzt gleichzeitig der 



*) Am selben Tag hatte Carl Gustav im Rathhause zu Nürnberg ein Bankett 
oder „Friedensmahl" angestellt, das viel besprochen und weit berühmt wurde. 
Mitten auf dem Tische war ein Springbrunnen angebracht, der wohlriechendes 
Wasser in die Höhe warf; in einem der Fenster sass ein vergoldeter Löwe, 
dessen Rachen Wein über die unten versammelte Menschenmenge spritzte. Vier 
Gänge zu je dreissig Gerichten wurden aufgetragen, zuerst gekochte, dann ge- 



305 

An&Dg gemacht, die beiden Heere abzudanken; die baye- 
rische Armee war schon vorher aufgelöst worden. Von dem 
«ingebornen schwedischen Eri^volk, welches jetzt 19700 
Mann betrug, wurden zwei Drittel im Laufe des Herbstes 
nach Schweden hinübergefährt. 

In welcher Weise Schweden seine siegesgekrönten Armeen 
belohnte und die f&nf Millionen, welche es fftr ihre Bechnung 
im westphälischen Frieden ausbedungen hatte, verwendete, ist 
aus dem ausfuhrlichen Rechenschaftsbericht, welchen Carl Gustav 
in einer Denkschrift vom 10. October 1649 ablegte, sowie 
aus der Antwort der Begierung ersichtlich '*'). Man hatte 
sich in Schweden sowohl für den Staat als f&r einzelne 
Personen bezüglich der fSnf Millionen übertriebene Hoffnungen 
gemacht; man glaubte nämlich, dass sie zu allen mög- 
lichen Zwecken hinreichen würden. Allerdings waren sie 
zum „ Gontentement ^' der Armeen bewilligt worden; da aber 
der Oeneralissimus Schwedens über die Gelder verfügte, so 
hoffte man für die Bechnung des Staates einen Theil der 
Summe ersparen zu können. Nach einer von der Begierung 
entworfenen Berechnung sollte von diesen Mitteln eine Million 
zur Tilgung der schwedischen Schulden in Deutschland und 
1,300,000 für anderweitige Staatsbedürfnisse verwendet wer- 
den. Allein diese Berechnung ergab sich bald als gar zu un- 
sicher. Bei dem Generalissimus Schwedens wurde nämlich eine 
Menge unvorhergesehener Ansprüche auf Unterstützung oder Ent- 



bratenef weiter gesottene, endlich gebackene Speisen ausser Obst und Con» 
fitüren. Im Laufe der Nacht trat C. 0. Wrangel mit 30 Musketieren in den 
Saal und Hess dort eine Salve nach der anderen abfeuern, was zur Folge hatte» 
dass viele Gäste sich unbehaglich fllhlten und sich davon schlichen. Meiern 
a. a. 0. I, S. 865 ff. 

*) Memorial Aber die Angelegenheiten, worüber der Secret&r Sylvius im 
Namen des Generalissimus der Regierung Bericht zu erstatten hat. Nürnberg 
den 10. October 1649: U. W. F. Leider fehlen die Beilagen. — Die Antwort 
der Regierung ist vom 17. November d. J.: Rreg. Hiermitist der Vorschlag des 
KriegscoUegiums vom 16. April 1649 (von Geijer a. a, 0. III, S.885 angeführt) 
zu vergleichen. 

Odhner, Politik Schwedens. 20 



306 

scbädignng von Personen, die iVüher in schwedischen IM^sten 
gewesen waren, von Wittwen und Waisen, von vergesBeöwi 
Ofönbigerti u. a. erhoben, — Anspi*öohe, welche man nicht 
zorflclrweisen konnte; daza kamen allerlei Aasgaben fBr 
den Unterhalt der Garnisonen und di« üeberschiflting der 
Armee, besondere Nachlässe bei Entrichtung der Entschä- 
digtingsgelder *) n. s. w. Hierdurch wurde die Entschädignngs- 
^mme so geschmälert, dass mala nicht einmal d«r Armee so 
viel, als man ihr ursprünglich zugedacht hatte, geben konnte. 
"Von dem deuts(iben Kriegsvolk erhielt jeder Eeiter dreiund- 
dreissig Reichsthaler und jeder Fusssoldat zwölf; die schwe- 
dischen Truppen mussten sich mit der Hälfte begnügen. 
Dasselbe Verhältniss wurde auch innerhalb des Officiercorps 
beobachtet. Man findet, dass die Deutschen in diesem 
Fall sich nicht über Parteilichkeit oder Baubsucht seitens 
der Schweden zu beklagen hatten. Was die Generale betrifft, 
so konnten äie nicht mehr als zwei Drittel von dem, was 
ihnen zuerkannt worden war, erhalten, das übrige musste ab- 
geschrieben oder durch anderweitige Belohnungen ersetzt 
werden. Verschiedenen Eathsherren und anderen hohen Be- 
amten gegebene Versprechungen konnte man nie einlösen; 
doch haben der Eeichsmarschall und der Reichscanzier wirklieh 
jeder 30000 Reichsthaler, Johann Öxenstiema und Salvius 
jeder 10000 Reichsthaler erhalten. Die höchsten Beträge, 
welche äusgetheilt wurden, entfielen auf Carl Gustav, der 
80000 Reichsthaler bekommen zu haben scheint, und auf die 
Feldmarschälle G. Hom, L. Torstensson und C. G. Wrangel, 
welche je 40000 Reichsthaler erhielten. Axel Lillje und Arved 
Wittenbei^ empfingen je 20000, Königsmark 16000, G. 0. Sten- 
bock 12000; ein Generallieutenant erhielt 10000, ein General- 
major 8000 Reichsthaler. Ungeachtet der gemachten Ein- 



*) Solche Naohlfisse wurden z. B. dem Landgrafen ron Hessen^Cassel nnd 
Herzog WUhelm von Sachsen-Weimar ertheilt. 



807 

schränkniigeQ ea^b es sich als unmöglich, mehr als m»n 
Theil der alten Schuld der Krone in DeutacUand zu bezaUee ; 
flr aiudere Bedürfnisse, woran man gedacht hatte, blieb nichts 
übrig*). 

Durch den raschen Fortgang der Abdankung nnd die un- 
unterbrochene Bezahlung der Entschädiguug^lder war eine 
der gr(y8sten Schwierigkeiten des Execntionswerkes beseitigt. 
Aber noch waren zwei wichtige Stifeitfragen nicht entschieden, 
die wegen der Festuog Frankenthal und die wegen der B»- 
stitnüon dessen, was zu der Amnestie und den Orayamina ge- 
hörte. Letztere Fr^ge war allerdings im PrSlimiuarrecesae 
berührt worden, aber so allgemein, dass keine wirklichen Gb- 
rantien dadurch erlangt worden waren. Die Kaiserlichen nod 
die katholischen Stände boten alles auf, um die Schweden 
von allem Einfluss auf die Bestitutionsfrage aussuschliessen ; 
und ungeachtet der vielen Beschwerden, die über verweigerte 
oder unvollständige Bestitution eingegeben wurden, zeigten 
die protestantischen Stände nur wenig Mfer oder Lust, die 
Bemühungen der Schweden in dieser Sache zu unterstützen. 
Unter fruchtlosen Streitigkeiten ging das Jahr 1649 zu Ende; 
die Aussichten zu einer Verständigung waren geringer als 
je, und viele bereiteten sich auf die Möglichkeit einer Er- 
neuerung des Krieges vor. 

Es ist natürlich, dass man auf beiden Seiten die Schuld 
der langen Verzögerung von sieh abzuwälzen suchte. Wie 
gewöhnlich in ähnlichen Fällen kann keine der beiden Parteien 
von jeder Verantwortlichkeit freigesprochen werden. Die katho- 
lischen Stände hofften, gewisse demuthigende Verpflichtungen 
los zu werden; die Kaiserlichen zeigten nach der B&unalung 
Böhmens und der Abdankung eines Theiles des schwedischen 
Heeres nur geringen Eifer, der Sache ein Ende zu machen» 



*) Hiemach sind die Angaben Geijers und Fryxells über die Verwendunsf 
der 5 Millionen zn berichtigen. 

20* 



I __ 



308 

Ausserdem glaubte man zu wissen, dass die Königin von 
Schweden Carl Gustav befohlen hätte, die Unterhandlung ohne 
allen Verzug zum Abschluss zu bringen. In der That war 
dem auch so. Die Königin sehnte sich nach der völligen Be- 
festigung des Friedens, um dann ihre Krönung in Buhe feiern 
zu können. Ihre Ungeduld wurde vermehrt, als es gegen 
Ende des Jahres 1649 eher zum Bruch als zum Abschluss 
zu kommen schien, und sie wurde durch Salvius' Schreiben 
aus Hamburg noch mehr gereizt. Dieser Staatsmann, der 
neben seiner natürlichen Neigung, alles schwarz zu sehen, 
ein persönliches Interesse an der Beschleunigung der Exe- 
cution hatte'*'), schilderte die Lage als eine sehr bedenk- 
liche. Er rieth sowohl der Königin als Carl Qustav zum 
Nachgeben, denn wenn der Kaiser jetzt mit Schweden bräche, 
so „befände sich Ew. M. Status hier aussen in einem gefähr- 
lichen Zustande und man liefe Gefahr, alles durch den Frie- 
den Erreichte wieder zu verlieren ", zumal die deutschen Stände 
„unseres Treibens müde würden, und die Afifection von Tag 
zu Tag abnähme"**). Die Briefe des Salvius hatten zur 
i'olge, dass die Königin im Dezember 1649 und Januar 1650 
-strenge Befehle an Carl Gustav ergehen liess, dass er das 
Werk unverzüglich abschliessen sollte. Es sei besser, die noch 
übrigen Bedenken fallen zu lassen, als „zum Verdruss und 
grossem Widerwillen der Stände den Abschluss noch länger 
^u verzögern". Sei wirklich ein Bruch zu befürchten, „so 
hegehren wir dringend, dass Ew. Liebden ohne Consideration 
und Reflexion der in Ew. Liebden Brief angeführten Ursachen 
Aind Hindemisse in Gottes Namen dem langsamen Tractat ein 
Ende machen wollten"***). 



•) Vgl. S. 299. 

••) Salvius an die Regierung den 15. September, 3. November und 1. De- 
zember. Derselbe an Carl Gustav den 1. Dezember 1649: ü. W. F. 

•••) Die Regierung an Carl Gustav den 15. Dezember 1649 und 26. Januar 
2660: Rreg. 



309 

Man kann sowohl in den Briefen Salvios* als in den obigen 
Schreiben der Königin zwischen den Zeilen lesen, dass man 
Carl Onsta? in Verdacht hatte, wegen seiner persönlichen Pläne 
und Interessen die Sache aufzuhalten. Dieselbe Vermuthung 
wurde auch von anderer Seite geäussert. Unleugbar lag der 
Gedanke nahe, dass Carl Gustav die glänzende Stellung, welche 
er in Deutschland einnahm , so lange als möglich behaupten 
wollte; so lange diese dauerte, war er der mächtigste Mann 
in Deutschland, wenn sie aufhörte, war er nichts als ein 
schwedischer Thronfolger mit geringer Macht und entfernten 
Aussichten, „languissant entre un g^n^ralat pass^ et une royautö 
future", wie Chanut äusserte*). Man dürfte der Ehre Carl 
Gustavs nicht zu nahe treten, wenn man annimmt, dass jene 
Yermuthungen nicht ganz ohne Grund waren. Man darf aber 
auch nicht vergessen, dass er gute Gründe zu dieser Hand- 
lungsweise hatte, welche auch von einem so competenten 
Richter als Axel Oxenstiema gebilligt wurden, und dass er zu- 
gleich alles vermied, was einen Bruch herbeiführen könnte, und 
die nöth^en Vorkehrungen traf, falls ein solcher dessenunge- 
achtet erfolgen würde. Es war seine bestimmte üeberzeugung, 
dass in dieser Hinsicht keine Gefahr vorhanden sei, was er 
auch der Königin wiederholt versicherte. Er konnte aber 
natürlich nicht umhin, den bestimmten Befehlen, die er er- 
hielt, Folge zu leisten. Mit dem Anfang des Jahres 1650 
nahmen daher die Verhandlungen zu Nürnberg eine günstigere 
Wendung. Durch eine kluge Vereinigung von Nachgiebigkeit 
und Drohungen**) bewog Carl Gustav die Kaiserlichen und 



*) Chanat, M^moires II, S. 10. 

••) Meiern erzahlt (a. a. 0. II, S. 61), dass Carl Gustav plötzlich Nömbery 
nnter der Drohung verlassen habe, dass er seine Trappen zusammenziehen wollte. 
Der eigentliche Zweck dieser Reise war gewiss ein ganz anderer, aber vermuth- 
lieh hat er sich derselben bedient, um die Stände durch das Gerücht einer 
Truppenzusammenziehung in Furcht zu setzen. Hierüber weiss Pufendorl 
nichts zu erzählen. 



die Stände, am 30. Janaar ein Abkommen bezügiieh der Be- 
stitutiimBfrage zu cmterschreib^ , wodurch das Becht der m 
re&tituirendien einig^massen sidier gestellt wurde. Wer 
diiese waren, ward in einem b^sonden» Yerzeichniss genau 
angegeben^ mid sie wurden in zwei Glassen geordnet, so dass 
die Maren und unzweideutigen Fülle gleichzeitig mit der 
Bäumung und der Entwaffiiungt die sfareitigen dagegen^ binnen 
zwei Monaten, darauf entschieden wevden sollten. Die obeiste 
Leitung dte Besfcitutionswesens sollte einer bescmderen, aus 
einer gleichen Zahl Eatholilren und Protestanten zusammen»- 
gieeetaten Commissioii überlassen werden. Binsichtiicli der 
Bäutnung der Festungeoi gelange es dm Schweden, trotz ctes 
Widersiandas. des Ejurfiärsten von Bmndenbni^ durchzusetzen, 
dasB die in Hinterpommem gelegenen nücht dier geräumt 
werden, sollten, als bis der GreozTertrag mit Biandenboig 
^d)geschlo8sen sei. üebrigens sollten in einer gewisseii. festn 
gesKteUteui Ordnung und ui drei Terminen« zu je vierzehn 
Tagen vom beiden Seiten die Festungen geräumt und die 
noch übrigen Truppen; abgedankt wesrdi^; glendizfiitig soUtan 
nach einer besenderen Bepactitiooislistfl die noch su leistendm 
EbtschädigmgBgelder^ um neeh 200,000 Blaicfastl^er ?er^ 
n»ebTt*)^ entriGhtet werdesi, und wenn ein Best bleibe, se 
hatten die Schweden das Bedit, bis dieser bezaditlt war, eine 
Festung im Beiche sds Sicherheit zu behalten. Bereits gegen 
Mitte März 1^6 &0 wnr allea, was mdi auf Sd^weden usad 
seine InteEnsssen sowie aaf die Bestituticm bezog, abger* 
macht. Jietzt war nur noch die Fßige wegen der Räjumung 
Frankenthals übrig, welche Sache zunächst Frankreich in- 
teressirte. 

Der französische Hof hatte im Herbst 1649 grossen Eifer 



*) Als Grund dieser Vermehrangr wurdö die lange Yerzögernng und die da^ 
dttrch y^rarsBchten erk^ihten Aasgaben für die Armee und den Unterhalt dar 
'Transportschiflfo u. a. angeführt. 



Sil 

gezeigt, die ExecotioiiBverhandliuig zam Abschluss zu brükr 
gept oad sieh über die Laagsamkeit der Schweden bei der 
ünterhADdluQg beklagt. Als aber A^ang 1650 die ianeren 
üorah^ in Fraftkreioh mk erneuert hatten, blies der Wind aus 
«isier anideren £cke. Jetzt worden die alten Yersoche, Sehven 
d^B oder wenigstens schwedische Truppea in den Streit hizi^. 
einzuziehen, wiederholt '^), nnd es ward jetzt die Aui^be der 
fianjidi^scbea Diplomaten ia Stockholm und Mmberg, mittels 
des Streites wegen Frankenthals die Unterhandlung wena 
m^lich bi)3 zum Herbst hinauszuziehen, damit (üe SpwieK 
während des diesj&hrigen Feldzuges keinen Nutzen voot den 
in Deutschland abzudankendoa Truppen, deren grösserer 
TlM^il muthmasslich iu spanische Di^iiste treten würde, haben 
lafiebtoiau In Stockholm gelang es Ghanut ohne Schwierig<*> 
keit, die Konigin fflr die Wünsche Frankreichs einzunehmen. 
Cturiathie, die soeben ihrem Vetiier wegen der Verzögerung 
g^sümt hatte,, befahl ihm jetzt, in dem Streite wegeu 
Fianikenthai Frankreich, so viel er es ohne Gefahr eines 
Manches oder einer allzu langen Verzögerung könnte, zu uuter- 
stützen'^'''). Allein Carl Gustav und seine Assistentea '*^'*') 
zeilgtßiL nicht dieselbe Lust, den Intenessen Frankreichs zu 
däeneiif uud zwar um so wieniger,, als sie die eigentliche 
Ab»ieht völjjg durchschaut. Von der Königin berufen, sich ua-^ 
verzSglieh in Stockholm eimzufibd^ liess er es sich angelegen 
sein, selbst dfid Verhandlungen abzuschliessen und keinem anderen 
die Ehre der Vollziehung des Friedenswerkes zu überlassen. 
£r schenkte daher den Forderungen der Franzosen^ z« B. dass 
eift Fraikkeikth&l entq^reehender Ort ihnen eii^er&umt werden 



*) Es wurde lange über das Hinttberführen eines starken Begimentes ein- 
gebomer Schweden verhandelt. 

**) Stelle X. B. ihre Briefe an Carl Gnstar den 27. A^^rlL 4. und IL Mai, 
1., 16. und 22. Juni 1650: Breg. Vgl. Chanut, Möiu. II. 

***) Namentlich wurde der einflussreiche Erskein als den Franzosen sehr 
a^^eiieigt betraditot. 



312 

in(k^hte n. a., kein Gehör, sondern verständigte sich mit dem 
Kaiser dahin, dass der Eurfnrst von der Pfalz, bis Franken- 
thal Ton den Spaniern geränmt würde, statt dessen die Beichs- 
Stadt Heilbronn besetzt halten sollte, ungeachtet der Vor- 
stellangen der Franzosen schritten die Schweden unmittel- 
bar znr Unterzeichnung des Executionsrecesses , welche am 
16/26. Juni 1650 in der kaiserlichen Burg zu Nürnberg statt- 
fand und durch ein von der Stadt gegebenes Fest gefeiert wurde. 
Einige Tage darauf erachteten die Franzosen* für gut, diesem 
Beispiele zu folgen. Wäre die Sache nicht so kräftig be- 
trieben worden, so ist es wahrscheinlich, dass sie ihren 
Willen durchgesetzt hätten, denn die Königin befahl in einem 
Brief vom 29. Juni, dass, wenn die Sache noch nicht ent- 
schieden sei, man den Wünschen Frankreichs nachkommen 
solle. Diese Uneinigkeit Carl Gustavs mit den Franzosen, 
worüber Ghanut sich bei der Königin beklagte, wurde für die 
Zukunft nicht ohne Bedeutung; wahrscheinlich hat Garl Gustav 
während dieser Verhandlungen jene Abgeneigtheit gegen fran- 
zösische Allianzen geschöpft , die in der Folge seine Be- 
gierung kennzeichnete. 

Somit war endlich das weitläufkige Werk zum glück- 
lichen Abschluss gebracht. Garl Gustav begab sich kurz darauf 
nach Schweden zurück, nachdem er Garl Gustav Wrangel 
die Leitung der übrigen militärischen Execution und Bengt 
Oxenstierna die Ueberwachung des Bestitutionswesens aufge- 
tragen hatte. Jetzt ward es recht deutlich, wie gegründet 
die Befürchtungen der Schweden ""und wie noth wendig ihre 
Yorsichtsmassregeln hinsichtlich der Bestitutionsangelegenheit 
gewesen waren; seitdem nämlich diese gänzlich in die Hände 
der Stände gerathen war und die schwedischen Truppen 
sich entfernt hatten, wurde sie schlaff und nachlässig 
betrieben, und als die als letzter Termin festgesetzten drei 
Monate abgelaufen waren, waren noch mehrere unentschiedene 
Fragen übrig, ja es gab deren einige, die niemals zur Ent- 



313 

Scheidung kamen. Die Schweden hatten indessen alles, was 
von ihnen in dieser Sache verlangt werden konnte, gethan; 
als nichts weiter auszurichten war, verliess Bengt Oxen- 
stierna im Februar 1651 Nürnberg, nachdem er in einer 
eingelegten Verwahrung sowohl der Königin als den einzelnen 
„ Eestituendi " ihre Rechte vorbehalten hatte. Erst im 
Juli 1651 wurde der Congress zu Nürnberg ganz aufge- 
löst*). 

Die Bäumung und die Abdankung hatten indessen ohne 
Hindemisse und in hauptsächlicher üebereinstimmung mit 
der Vorschrift der -ßctovention ihren Portgang gehabt. Schwe- 
discherseits wurde im ersten Termin was sie in Mähren inne 
hatten nebst verschiedenen anderen Orten, im zweiten die 
Festungen in Schlesien und Schwaben, so wie Leipzig und 
Landsberg, im dritten die noch übrigen in Schlesien, Branden- 
burg, Mecklenburg, Sachsen und Westphalen gelegenen ge- 
räumt**). Ln August 1650 war dieser Theil des Executions- 
werkes vollstreckt. Gleichzeitig war auch die noch übrige 
Entschädigungssumme entrichtet worden. Doch blieb in 
den rheinischen Kreisen noch ein Best von beinahe 150,000 
Beichsthaler übrig, und als Sicherheit für diese Summe be- 
hielten die Schweden kraft des Executiönsrecesses die Festung 
Vechte. Nach weitschweifigen Verhandlungen darüber auf 
dem Beichstage zu Begensburg 1653 bis 1654 verständigte 
man sich dahin, dass der Bischof von Münster, dem die 
Festung gehörte, die fehlende Summe vorschoss, worauf die 



*) Die Hanptquellen obiger Darstellung sind Pufendorf, Suec. XXI und 
XXII und Meiern a. a. 0., nebst den in den Noten angeführten angedruckten 
Quellen. Von den Schreiben Carl Gustavs an die Königin ist nur ein Theil 
erhalten. 

**) Von den jetzt abgedankten Truppen suchte Schweden 10,000 Mann in 
seinen Diensten zurückzuhalten, aber die Mehrzahl war theils aus Ueberdruss 
des Krieges, theils aus Furcht nach Schweden oder Livland geschickt zu 
werden, desertirt. Nur einige wenige Begimenter blieben im schwedischen 
Dienst. Brief der Regierung an Carl Gustav und Wrangel den 81. August 
1650: Breg. 



314 

schwedisclie Besatzung im Mai 1654 endlich abzog. Im 
Torhergehendea Sommer war Hinterpommem geräumt word«&, 
nachdem die pommersche Grenzregulinmg nach langwierigMi 
Yerfaandlmigen abgeschlossen worden war. Es bleibt nodi 
übrige dei Gang diesw Unterhuidlang darzustellen. 



Till 

Bie pommersohe Grenzregulirumg. Die Or- 
ganisation der neu«fworbeneQ Gebiete. 



YoQ allen das ExeontioiisweBen betrgffaiden Frage» war 
es Bwr eine, welche der Nümb^ger Becess aneotscMedeu ge* 
fassen, nämlich die wegen der BAumong Hinterpommems. 
Der Emrfürst von Brandenbnri^ hatte yergebens gefoidert, 
daes Hinterpommem g-leiehzeitig mit den ftbrigeu Lindefn 
gerä/amt nnd seiner gesetzlichen Obr^keit überlassen 
w^Fden sollte. Die Schweden hatten die üebermacht auf 
ihrer Seite und setzten ebne Schwierigkeit dorch, dass die 
Mnterpommerschen Flätze nicht eher ger&imrt werden sollten, 
a;ls bis die Oreitzen zwischen dem schwedischen und branden- 
borgisehen Theil von Einterpomiaefn völlig bestimmt seien. 
Der westphälisehe Friedenssehiuss schrieb n&mlich vor, daes 
die pommeisohe Orenzregulirung und andere durch den Frie- 
40BS8chluss noch nicht eotschiedenie wenif ^ wichtige Streit- 
6age!n zwischen Schweden und Brandenburg durch gütliches 
üeftereinkommen zu erledigen seien. Dies war enifesnt 
nicht im klaren, als der Nürnberger Becess unterzeichnet 
wurde. 



316 

Um den Verlauf und Ausgang der pommerschen Grenz- 
streitigkeit recht zu verstehen, muss man sich erinnern, unter 
welchen Verhältnissen das Abkommen zwischen Schweden und 
Brandenburg vom Januar 1647 zu Stande kam. Es wurde in 
der That den Befehlen der Begierung zuwider, welche in Folge 
der Ueberstürzung D'Avaux' nicht rechtzeitig angelangt waren, 
den schwedischen Legaten von Frankreich aufgenöthigt. Jene 
Befehle machten nämlich den Legaten zmr Pflicht, in jedem 
Fall, auch wenn die Sache schon verabredet sei, Schweden das 
ganze östliche Oderufer zu einer Breite von einer halben 
oder doch wenigstens einer viertel Meile, Colbatz und Frie- 
drichswalde mit eingerechnet, sowie die Anerkennung der 
Schenkungen in Hinterpommern vorzubehalten. Indessen war 
es unmöglich, unmittelbar nachdem das Abkommen von den 
Legationssecretären unterschrieben war, Abänderungen desselben 
vorzuschlagen ; die schwedische Segierung liess es dabei be- 
wenden und tröstete sich damit, dass „sich noch Auswege 
finden könnten, den Kurfürsten zu der oben erwälinten 
Grenzregulirung zu bewegen"*). Ein Versuch dazu ward von 
Oxenstierna bereits im Frühjahr 1647 gemacht; es stellte 
sich aber bald heraus, dass es unmöglich sei, den Kurfürsten 
zu weiteren Zugeständnissen zu vermögen, so lange er auf die 
Unterstützung des versammelten Gongresses rechnen könnte; 
die schwedische Segierung beschloss deshalb, die pom- 
mersche Grenzregulirung nicht eher zur Entscheidung zu 
bringen, als bis der Friede völlig abgeschlossen sei, und den 
Kurfürsten so viel als möglich bei jener Unterhandlung zu 
isoliren. Der Kurfürst seinerseits arbeitete darauf hin, dass die 
Sache abgemacht würde, während der Gongress noch versammelt 
war, und wollte die Grenzregulirung mit dem oft besprochenen 
Bund zwischen Schweden und Brandenburg in Verbindung 
bringen; er konnte nämlich in diesem Falle auf günstigere 



•) Die Regierung an die Legaten den 27. Februar 1647: Rreg. 



317 

Bedingungen als bei der ersteren Unterhandlung hoffen. Dazu 
kam endlich, dass er von der Theilnahme Salvius' an den 
Verhandlungen grosse Vortheile erwartete, welcher Diplomat 
immer eine freundliche Gesinnung gegen Brandenburg be- 
kundet und auch haaren Ersatz daf&r erhalten hatte. 

Aus diesen Grfinden stellten die brandenburgischen Ge- 
sandten im November 1648 an die schwedischen die For- 
derung, dass die Grenzregulirung sogleich erörtert und ent- 
schieden würde, denn die Sache sei, meinten sie, sehr einfach 
und leicht ins reine zu bringen. Die schwedischen Legaten 
dagegen erklärten, dass man die Sache unmöglich in Münster 
entscheiden könne, sondern dass besondere Commissäre dazu 
bestellt werden müssten, welche die Frage an Ort und 
Stelle und nach genauer Untersuchung verhandeln sollten. 
Vergebens suchten die Brandenburger, ^vie einst D'Avaux, so 
jetzt Servien für die Sache des Eurfßrsten zu gewinnen; ver- 
gebens regten sie bei Salvius einen neuen Vorschlag zum 
Tausche an, welcher darauf hinauslief, dass Schweden auf 
seinen Antheil von Pommern ^ verzichten, als Entschädigung 
aber die Stifter Magdeburg, Halberstadt und Minden nebst 
2wei Millionen Beichsthalern bekommen sollte*). Ihre Be- 
mühungen waren erfolglos und endlich befahl ihnen der Kur- 
fürst im Januar 1649, die Unterhandlung zu Münster abzu- 
brechen. 

Es war der Wunsch der schwedischen Eegierung, dass 
^le pommersche Grenzregulirung beschleunigt und während 
die Friedensexecution noch fortdauerte, abgeschlossen würde, 
sie bestellte zu diesem Zweck Lilljeström, den Hofrath 
-Schwalenberg und Dr. Hempel als Commissäre in Ponmaem**). 



*) Johann Oxenstierna an die Regierang den 12. nnd 19. November; Salvins 
an dieselbe den 23. Dezember; beide Legaten an dieselbe den 26. November 
1648: U. W. F. 

**) Die Regierung an die Assistenziäthe in Pommern den 18. Januar nnd 
:24. März 1649: Rreg. 



318 

Alldn der Kurfürst zeigte seinerseits keine Geneigtheit, die 
Sache in dieser Weise zum Abscbluss zu bringen, sondent 
beschloss, erst andere Wege einzusehlagen , die ihm bessere 
Aussichten zur Forderung seifiger Interessen gewährten. Sit 
schickte also im Frühjahr 1649 Ewald von Kleist nadi 
Stockholm, welcher den Auftrag hatte, durch persönliche 
Bearbeitui^ der Königin und anderer Machtlmber die mög^ 
liehst besten Bedingungen für den Kurfürsten auszuwirken; 
namentlich erwartete man grossen Nützen ^on dem £in- 
fluss des Salvius bei der Königin. Kleist sollte baupt* 
sädüieh einen Gebietstausch zwischen der Königin und 
dem Kurfürsten erwirken, zuntäcbst einen einfachen Tausch 
diessen, was beide durch den Friedenssdilnss er>halten hatt^ 
wenn dies aber nicht durchzusetzen sei, wenigstens einen Aus^ 
tauseh der zu Hinterpommern gehörenden Ortschaft^, als 
Stettin, Wollin und Garz, gegen das Stift Minden vcmchlsk 
gen*). Es ergab sich jedoch bald, dass nicht die geringste 
Aussicht vorhanden war, irgend einen dieser YorachlSge 
durchzosetzen ; Kleist wurde sowohl von der Königin als vom 
Beichscanzler ziemlich kurz abgewiesen, und der ganze Tausch 
wurde von derBegierung „ein Paradoxon und ein ungereimtes 
Ding" genannt**). Weniger besser erging es Kleist, als 
von der Grenzregulirung in Pommern die Bede war und 
dieselbe zwischen ihm und den ausersehenen Gommissären, 
unter welchen der Beichscanzler den Vorsitz führte, im 
Sommer 1649 zur Verhandlung kam. Man konnte sich nicht 
einmal über die allgemeinen Principien einigen, nach wel- 
chen die Grenzregulirung erfolgen sollte; die Interessen stan- 
den sich unversöhnlich g^enüber. Das einzige, was Kleist 



•) Instruction für Kleist ¥om 14. Februar 1649: ürk. und Act. IV, 
S. 843 fiF. 

**) Sleisrts Berichte aus Stockholm in Urk. und Act Die Regierung an 
Johann Oxenstierna den 28. April, an Lilljeström den 9. Juni 1649: Rreg. 



319 

avtszuwirken vermoehte, war, dass die Schweden die an Bram«- 
d^bQEg abgetretenen Stifter Halberstadt und Minden räumten, 
üebrigens erhielt er durch eine Besolution vom 27. Juli 
1649 eine officielle Erklärung über die schwedische Auffassung 
der Grensfrage; die Einzelheiten hinwieder worden einer an 
Ort und Stelle zu erfolgenden Untersuchung und einem 
-darauf gegründeten Grenztractat überwiesen*). Einen solchen 
Tractat suchte jedoch der Kurfürst beharrlidi zu vetrmeiden, 
und deshalb liess er theils Kleist unter veigeblichen ünter^ 
hanähxngen in Stockholm bis zum Januar 1651 rerbleiben, 
tbeib arbeitete er darauf hin, dass die deutschen Stände in 
Nürnberg sich der Sache ann^men sollten. Die Stände er- 
dachten wirklich Carl Gustav, dass die pommersche Grenz- 
r^ulirung entweder in Nürnberg entschieden oder gewissen 
von den Ständen ausersehenen Schiedsrichtern überwiesen wer- 
dein möchte; aber dieser Vorschlag ffihrte zu keinem Eesol- 
tat**). Die schwedische Regierung war entschlossen, die 
Sache allein mit dem Kurfürsten abzumachen, wie eifrig er 
sich dem auch zu entziehen suchte. 

Als der Kurfarst zu der Einsicht gelangte, dass er we^ 
der durch seine Bemühungen in Stockholm, noch durch Ver- 
mittlung der deutschen Stände etwas erreichen könnte, so be- 
schloss er endlich, sich in das unvermeidliche zu fügen, und 
liiBSS im März 1650 seine Commissäre sich in Stettin em- 
stellen. Sie waren fünf an Zahl, worunter die vorerwähnten 
Herren von der Borne und Fr. Eunge. Schwedischerseits 
functionirten die oben genannten drei Commissäre***), aber 
auch Johann Oxenstiema hatte Befehl, an der Unterhandlung 



*) Kleists Berichte in Urk. nnd Act. Die KesolutioD in Breg. 

•*) Die Kegierung an Carl Gustay den 20. April 1650: Rreg. Brief des 
Kurfürsten an seinen Gesandten in Nürnberg den 22. Februar d. J. Urk. und 
Act. IV, S. 884 ff. 

•••) Nach Hempels Im selben Jahre erfolgten Tod trat an seine Stelle der 
Vice-Gouverneur von Pommern, Arved Forbus. 



320 

theilzonehmen. Diese wurde nach einigen Streitigkeiten wegen 
der Fassung der Vollmachten erst im Mai 1650 eröffnet, 
wobei die Schweden zum ersten Mal ihre Ansprüche einzeln 
namhaft machten. 

Um die von beiden Seiten gestellten Forderungen richtig 
zu verstehen, muss man folgende geschichtliche und örtliche 
Verhältnisse kennen. Die Eintheilui^ Pommerns in Vor- 
und Hinterpommem 'i') war keine natürliche, durch den Lauf 
der Oder bestimmte, so dass die beiden Haupttheile dem Lande 
westlich und östlich von diesem Flusse entsprachen, sondern 
sie war eine geschichtliche, durch einen zwischen den pommer- 
schen Herzögen im Jahre 1569 abgeschlossenen Erbvertrag 
entstanden*'''). Diesem Vertrag gemäss wurden auch west- 
lich von der Oder gelegene Ortschaften zu Hinterpommem 
gerechnet, nämlich die Insel WoUin, sowie die Städte Stettin 
und Garz mit ihren Gebieten; zu Vorpommern gehörten 
ebenfalls gewisse östlich von der Oder gelegene Orte, nämlich 
die Stadt Greiffenhagen mit Gebiet, sowie die Johanniter- 
Comthurei Wildenbruch und die Stadt Bahn, welche letzteren 
Orte die südlichste in Brandenburg hineini-agende Spitze 
Pommerns bildeten. Der ausdrücklichen Vorschrift des Frie- 
densschlusses gemäss war an Schweden abgetreten ganz Vor- 
pommern innerhalb der unter den letzten Herzögen bestehenden 
Grenzen (Greiffenhagen, Bahn und Wildenbruch also mit ein- 
gerechnet), femer von Hinterpommem westlich von der Oder 
Wollin, Stettin und Garz, östlich vom Flusse Damm und 
Gollnow, und ausserdem noch der Lauf der Oder mit dem 
Frischen Haflf und den drei Mündungen (Peene, Swine 
und Dievenow) „atque adjacente utrinque terra ab 
initio territorii regii usque in mare balticum, ea lati- 
tudine littoris orientalis, de qua inter regios et elec- 



•) Auch der Wolgastische Ort und der Stettinische Ort genannt. 
-) Gedruckt bei Dfth nert a. a. 0. I, S. 267 ff. 



821 

torales commissarios ciioa exactiarem limitnm et oaoteromm 
minatioimm definiüo&em amiGabiliter oonveitietKir.*^ Somit 
war 68 estscfaieden, dass Schweden das aiaf beiden Seiten der 
Oder liegende Land, also anf der ösüiohen Seite niebt nur Damm 
und OoUnow, Chreiffenhagien , Bahn und Wildenbruch, sondern 
andh eine Landstrecke längs des gansen Oderlaufes bis an die 
Ostsee beherrschte. Dagegen war es unentschieden gelassen, 
1) welche Bieite diese Landstrecke haben sollte; 2) we die 
GhreaziNiguliTtt&g anfangen solle, und 3) ob nur die Stadt 
oder auch das Amt Stettin an Schweden abgetreten sei. 

Die Farderung, welche die schwedisohen Oomaiissäre anf 
Befehl ihrer Begierung''^) im Mai 166Q stellten, lief darauf 
hinaus 7 daas die Grenze östlidi yon Bahn und Wildenbruch 
anfangen, von da westlich von Golbatz und Pyritss^ aber idstr 
Meh von Goflnow nnd Qaeuinin gezogen werden seile, so daas 
afush die MEtgenanmie Stadt an Schweden fallen würde. Diese 
Fordeamng stotete sieh auf eine weite Auslegung der Auch 
droeke „ adjaoens ntrinque terra ^^ und „ ab initio regii tem- 
torii^^ Die Brandenburger dagegen Melten an dem Ausdraek 
„littus Orientale'^ fest und behaupteten, daas die Demaroa* 
tionslinie dicht an der Oder, wo das kdnigliche Gebiet an- 
ginge , binnen müsse und dass ausser, den aiuadiücklich 
genannten Oitaefaafiten östlich von der Oder, nur das «igent* 
liebe Ufer an Schweden abgetreten sei. Man erkennt leiekt, 
dasa die Fassung dee Friedenssdblnsses beide Meinumgien 
UBieietütEte ; der Beiehscanzler verglich sie auch mit einer 
Waehenase, die man nach mehreren Bichtungen drehen könne. 
Wenn auch Schweden in seinen Forderungen „mit aientiich 
langen Ellen und nach Mensur de conquerants mass^^"*^), so 



*) Srtiieilt «birch den Brief der Begierung an LUljeström vom i. lehroar 
1650: Rreg. 

••) von Kloista Worte in seinem Brief an den Kurfürsten: Urk. und Act, 

IV, S. S^. 

Odhner, Politik Schwedeos. 21 



322 

wird man doch nicht behaupten kdnnen, dass die genannte 
Forderung jedes Grundes im Friedensinstrument entbehrte. 
Der Ursachen, weshalb Schweden nach einem grösseren G^ 
biet östlich Ton der Oder trachtete, waren mehrere. Vor allem 
wollte man durch ein solches Gebiet den Eurffirsten gänz- 
lich von der Oder ansschliessen , sich selbst aber Plats 
zur Anlegung tou Schanzen und einen Zugang zu den 
grossen Wäldern östlich vom Flusse, breiten. Femer waren 
verschiedene Privatinteressen mit im Spiele ; denn mehrere 
schwedische Of&ciere und Beamte hatten Lehen in dem strei- 
tigen Gebiete und noch mehr in dem übrigen Hinterpommern, 
welches auch besetzt bleiben sollte, bis die Grenzfrage ent- 
schieden wäre. Zu diesen Donatarien gehörten mehrere der vor- 
nehmsten Generale'*') und unter den Cüvilbeamten Lilljeström 
und Schwalenberg. Sowohl aus diesem Grund, als auch des- 
halb , weil Lilljeström von alters her dem Kurfürsten abge- 
neigt war, hatte Kleist die Königin ersucht, dass er aua der 
C!ommission ausgeschlossen würde, aber diesen mit :den pom- 
mersdien Yarhältnissen vertrauten Mann k<»inte man schwedi- 
scherseits nicht entbehreuw 

Es würde von nur geringem Interesse und Nutzen sein, 
diese langsame, auf beiden Seiten mit ungewöhnltdier Zähig- 
keit geführte Unterhandlung im einzelnen darzustellen. Nach- 
dem Lilljeström, welcher die Seele der ' schwedischen C!om- 
mission war, im August I6dt0 nach Schweden hinübergereist 
war, gerieth die Unterhandlung für einige Zeit ins. Stocken 
und wurde erst nach seiner Sückkehr im März 1 661 wieder 
angenommen. Lilljeström brachte nun die Vollmacht mit, 
die Grenze näher au. die Oder zu ziehen und die Stadt 
Gollnow gegen Cammin auszutauschen. Der letztere Vor- 
schlag ward bald zurückgenommen, dafür wurden aber die 
Gommissäre ermächtigt, im übrigen sich entgegenkommend zu 



1 1 • I ■ ■ ' • i • ' ,•■■., i I • 



•) Als C. G. Wrangel, Wittenberg, Mortaigne, Douglas, G. lejonbüf^ud. 



i' ji ■ r ■ . ■ ■ » ( i ' 



323 

zeigen and empfingen im Herbst 1651 wiederholt Befehle, 
den Schlnss der Verhandlung zu beschleunigen: der Eurffirst 
sei nämlich im Begriff, seinen Streit mit Pfitlz - Neuburg 
beizulegen und könne dann mit seinem wohlgerüsteten Heer 
Schweden lästig werden. Um dieselbe Zeit erhielten auch die 
brandenburgischen Gesandten den Befehl des Kurfürsten, die 
Unterhandlung abzuschliessen ohne auf einige Dörfer mehr 
oder weniger zu sehen. In dieser Weise ward man bald 
einig und im November 1651 wurde die festgestellte Grenz- 
linie von den Oommissären an Ort und Stelle abgesteckt. Sie 
fing an der Oder oberhalb Fiddichow an, also westlich von 
Bahn und Wildenbruch, welche dadurch eine schwedische 
Enclave östlich von der Grenze bildeten; von dort wurde die 
Linie in nordöstlicher Sichtung westlich von Woltin und 
Golbatz mitten durch den Friedrichswald an einen gleich 
östlich von GoUnow gelegenen Punkt, weiter in nordwestlicher 
Richtung östlich von Stepenitz und endlich dicht an der Oder 
hin bis zur Ostsee gezogen, so dass auch die Stadt Gammin 
an Schweden fiel. Diese Grenzregulirui^ ward von der schwe- 
dischen Regierung anerkannt'*'). 

Allein noch harrte eine wichtige Streitfrage der Ent- 
scheidung, nämlich die über Schwedens Becht, Licenten in 
Hinterpommern zu erheben. Hatte die schwedische Re- 
gierung in Betreff der Festsetzung der Grenze sich sehr ent- 
gegenkommend gezeigt, so war sie entschlossen in der Licenten- 
firage nicht nachzugeben. Hiermit verhielt es sich nun fol- 
gendermassen. Aus dem Vorhergehenden kennen wir hin» 
länglich die grosse Wichtigkeit, welche die Licenten für 
Schweden hatten, und welche Bemühungen man schwedischer- 
seits machte, diese Zölle im Friedensschluss zu behaupten. Dm 



*) Resolutionen der Regieriuig bezüglich des Grenztractates den 5. October, 
19. Dezem'ber 1650; die Begierang an die Grenzcommissftpe den 31. Mai, 5. Juli, 
23. August, 18. September, 11. October, 8. November 1.651, den 31. Januar 1652: 
Breg. Die Berichte der brandenburgischen Commissäre in Urk. und Act. IV^ 
S. 928«. 

21* 



324 

Becht, dieselben fortan zu erheben, wurde anda als ein kaiser«- 
liches Privilegium schon durch das präUminIre Abkommen 
vom 8. Februar 1647 Sdiweden zugestanden. Da nun dieses 
«ine Privatfibereinkudorft zwischen den Kais^dic^n und 
Schweden war, so hatten die leitzteren den Ausdruck „ad 
littora portusque Pomeraniae^' ohne Widerspruch -eiÄgerückt, 
wodurch Schweden l^rechtigt wurde, Llcente» über gan^ 
Pommem, auch in den kurfürstlichen Häfen ^u erheben, und 
in Bezug auf Mecklenbuiig hinzugefugt, da3s die X^ic«¥i,teiL 
von Wiamar und Warnemünde bis auf weiteres zm? 
Unt^haU der Besatzungein dieser Orte veri^^ondet werdaa 
sollten. Als diese Bestimmungen später bekannt wurden, ver-- 
«läAimten weder Bßindenbiurg» no<& Mecklenbui^ BevoUixi[äcti<- 
tigte, Einwendungen dagegen zu machen und die Bmschräa^ng 
zu verlajigen, dass die lifianten nur „ in locis caranae Suaci^^ 
cessis^^ erhoben werdBi dürften. Man behauptete, Salviu^ habe 
auf diese Forderung geantwortet^ dass solches selbstverst&ndr 
lidi sei. Jedenfalls wurde an der Urkunde keine andere 
Aenderung vorgenotmmen^ als die zu Gunsten Sciiwedens ge* 
machte, dass dem Ausdrucke „ad littom portusque P^äinieraniae " 
•hinzugefügt wurde „et Megapoleos". Demgemä^s forderte 
Schweden das iReoM, in sämmtlichen pommerschen und meek- 
lenburgischen (H&fen Licenien zu eiibeben. Yergeheris ha^^ 
sowohl die kaiserlichen Legaten um ^riedeußcongresse a]^ das 
SurfarstenooUegium und die in Nürnberg ver^anftmeltßn 3^de 
4mi Yerlangen deor Betre&aden zufolge die Erklärung abger 
i^ben, dass nar idie aa Sdhweden abgetretenen Orte piit 
jenem Ausdruck gemeint seien. Die Schweden hieltea be- 
•harrliißh an der unzwddeutigen bu^st&bMcJien iEaa^u^ dsß 
Friedensschlusses fest und lieasen sieh w«d^ duiroh Bitt^ 
noch durch Erklärungen bewegen. Sie wollten zu keiner 
.Bäum^ug in Paoime^ß sK^reiten, Sip lange auch diiese Frage 
nidit entschieden sei. 

Es war die Licentenfrage, welche die Grenzcomniissäre 



325 

t^rend der übrigen Verhandlung, Welche im Febiimr 1652 
ihren Anfang nahm, besehäftigte. Diede Verhandlung sab an<^ 
l&ngHoh fast verzweifelt ans, iadem did Schweden unver^ 
rückt auf den lücenten auch im kurfürattichen Pommern be- 
standen, der Kurfürst aber ebenso entschieden hiereiai zu 
willigen ^h weigeil«. Was die Schweden in dieser Säöhe 
80 unnachgiebig machte, war die Besorgnis», dass der S^urfbrst 
die licenten itt Hinterpommern abschaffen und dadurch den 
Btodel von Vorpommern dorthin rieben würde. Der Eurförst 
dagegen hatte wohl nicht so sehr die Verminderung seinöf 
Einnahmen als die Gefahr eines schwedischen Condominium 
im kutfüiBtlichen t^ommern im Ai^e. Dazu kam, d^ss ef 
jetzt mächtige Kräfte zu seiner Hilfe herbeirufen zu können 
glaubte. 

Schon im Jahre 1651 hatte der Kurfürst M. v<m Crockow 
nach Wien entsendet, um am kai^rlichen Hofe für seitte 
Sftche zu wirken. Br sollte theils die Vermittlung des 
Kaisers in dem Streite mit Schweden auswirken, tbeife 
verhindern, dass Schweden die Investitur atif seine deutsch« 
Provinzen oder Einladung an den bevorstehenden Seiehstag in 
Eißgensburg erhalte, so lang'e Hiiiterpommem noch nicht gö* 
räumt sei. Gleichzeitig mit Croekow traf in Wien de<* 
aehwediscbe Gesandte Bjömklou ein^ welcher abgeschickt war,« 
tim vorbereitende Verabred^ungen bezüglich d«r feie^lkbeti 
Investitur u. m. zu treffen. Der kaiserliche Hof wollte es 
nicht gern mit seinem neuen mächtigen Vasalkfn verderben 
tmd zeigte sieh daher gegen Schweden entgegenkommend * der 
Bemühmigen Grockows ungBaishtet empfifng Schweden ^^ 
Einladung zum Beiehi^tege. Die Investiturfrag« dagegen stiess» 
atif v^drschiedene Hindernisse; man konnte sieh tficht über 
Titulatur, Sprache, Ceremonien und dergleichen verständigen. 
Zwar wurden diese Hindernisse durch V-ermittluiig des Schwe- 
den jetzt wohl gewogenen spanischen Hofes beseitigt, und im 
Herbst 1652 begaben sich Benedict Oxenstierna und Bjömklou 



326 

nach Prag, wo der Kaiser nm diese Zeit sich aufhielt, am 
die Investitur in Empfang zu nehmen. Hierher hatte der 
Kaiser auch die KnrfQrsten geladen, um ihre Einwilligong in 
die Wahl seines Sohnes zum römischen König za erlangen, 
und im November erschien auch der Kurffirst von Branden- 
burg daselbst. Die Königswahl war das für den Kaiser augen- 
blicklich wichtigste Interesse, und deshalb schenkte er den 
Beschwerden Friedrich Wilhelms über das Benehmen der 
Schweden ein geneigtes Ohr, zumal sie von den übrigen Eor- 
fursten unterstützt wurden. Der Kurfürst von Brandenburg 
erhielt ohne Schwierigkeit die Zusicherung des Kaisers, dass 
Schweden nie weder die Investitur noch Sitz und Stimme auf 
dem Reichstag erhalten würde, bis es Hinterpommem geräumt 
hätte. Doch hatte der Kaiser nicht nöthig, die schwedi- 
schen L^aten schlechterdings abzuweisen, sondern kam 
durch die Erklärung davon, dass er sie nicht als königliche 
Botschafter, sondern nur als Gesandte eines deutschen Vasallen- 
farsten empfangen könne. Nach diesem Bescheid reisten die 
Schweden un verrichteter Dinge ab*). 

Lange bevor dies sich in Prag ereignete, hatte die 
schwedische Regierung beschlossen, in der Lioentenfrage dem 
Kurfürsten einen Ausgleich vorzuschlagen; sie hatte nämlich 
im Juli 1652 ihren Commissären befohlen, dem Kurfürsten 
einen Theil, höchstens die Hälfte, der pommerschen Licenten 
anzubieten**). Hiervon wollte der Kurfürst anfänglich nichts 
wissen, sondern schlug statt dessen vor, dass Schweden eine 
gewisse Entschädigung an Geld' für diese Licenten erhalten 
sollte; endlich aber besann er sich eines besseren und er* 
mächtigte im Januar 1653 seine Commissäre, jedoch gegen 
gewisse Garantien hinsichtlich der Verwaltung der Licenten, 



•} ürk. und Act. IV, S. 888ff. 890if. Pufendorf, Suec, XXIII, 8. 9; 
XXIV, 5—11. Droysen a. a. 0. IH, 2. S. 66 ff. 

**) Die Begierang an die Grcnzcommissäre den 3. und 2i. Juli 1653: 
Breg. 



327 

auf den schwedischen Antrag einzugehen, üeber diese be- 
sonderen Bedingungen ward im Frflhjahr 1653 mit gewöhn- 
licher Langsamkeit verhandelt, obgleich Schwedens anderweitige 
Interessen zur Beschleunigung der Unterhandlung aufforderten* 
Der Beichstag zu Begensbuig hatte sich nämlich unterdessen 
versammelt, und es war für Schweden von Wichtigkeit, auf 
demselben Sitz und Stimme zu haben. Zwar ward die feier- 
liche Eröffnung des Seichstages aufgeschoben, vorgeblich um 
den Absehluss des Vertrages zwischen Schweden und Bran- 
denburg abzuwarten und Schweden seinen Platz unter den 
Ständen einräumen zu können, aber dieser Aufschub hatte 
eigentlich zum Zweck, die Königswahl sicher zu stellen und 
die von Schweden und der protestantischen Ständen zu er- 
wartende Opposition zu verhindern. Man kannte noch nicht 
den Umschlag, welcher durch die persönliche Gesinnung der 
Königin und unter dem Einflüsse des spanischen Botschafters 
in Stockholm Pimentelli in der schwedischen Politik einge- 
treten war. Es war deshalb eine Ueberraschung far alle, 
als die Königin von Schweden, anstatt als Wächterin über die 
Ausführung des westphälischen Friedens*) und Pührerin der 
anti-habsburgischen Partei in Deutschland aufzutreten, jetzt 
ihren Eintritt unter die deutschen Beichsfürsten mit .einem 
Schreiben anzeigte, worin sie die Wahl des Sohnes des 
Kaisers befürwortete. Die protestantischen Stände, welche 
von Schweden das Signal erwartet hatten, verstummten, und 
die Königswahl erfolgte in Augsburg unbehindert. Dann 
wurde der Beichstag zu Begensburg eröffnet, und Schweden, 
das indessen den Grenzvertrag mit Brandenburg abgeschlossen 
hatte, nahm jetzt ohne Widerspruch seinen Platz unter den 
Ständen ein, nachdem es wegen der noch fehlenden Investitur 



*) Wir erinnern an die Vorschrift des westphälischen Friedens, dass tther 
die Frage der Königswahl und einer beständigen Wahlcapitalation am nächstea 
Reichstag yerhandelt werden sollte. £s sollte natürlich dies der Wahl Tor-> 
ausgehen. 



328 

ein kaiseriicheiä sogenanntes Indültam empfairgeti haitte'**^ 
Die Investitur wurde in Fo^e des in Schweden bevcmstebeui!«' 
den Throuweehsels aufgescheben und erfolgte in der Th?ä erst 
1664w 

Am 4. Mai 165B kam die lange ünterbandluug in 
Pommern ctndlieh zum Abschluss, indem der Stettiüer (Jrenzi^ 
reeeas unterschrieben wurde, wodurch die Grenze zwischen dem 
sdiwdtischea und dem kuifürstliehen PoBlimern nach den 
vorher angegebenen Gründen mit detadllirter Gen»iigkeit fcsb^ 
gestellt wurde.. Die Batificationen wurden noch m demselben 
Monat ertheilt. Mit dem Grenzrecess folgten mehrere aiideM 
Staatsaarlnlndeii, alle vom 4« M&i datirt, itämlioh '*'*'') : 1) Ver^ 
zichtlieistung des Kurfürsten auf schwedisch Ponamem ; 2) Spe^ 
dalconvention in Betreff der Eventualsuccession der Krone 
Schweden iml kurfürstlichen Pommern; 3) Speciateonvention 
wegen der Eventualsuccession der Krone Schweden in gewissen 
G^ibietent von Brandenburg, nämlich Nelimark und. Land StoriH 
berg, sowie in den Lehen Yierraden tind Löckenitz, ein Beditv 
das im Friedensin^trument nicht besonders genannt wtir, sieh 
aber daraiuf gründete *'**)y und 4) SpecialconTention wegen 
der Liceittenv wodurch fesi^tellt wmrde, dass in den hinter^ 
pommerschen ESfen auf geiHeiinsame Kosten Lieentkamaiem 
und Licentbeamte zu Unterhalten seien^ welche beiden Obr^ 
keiten den Eid der Treue leisten, wie auch vor einer ge^ 
mischten Behörde Rechenschaft für ihre Verwaltung ablegen 
und der Gerichtsbarkeit eines gemischten Gerichtdioies ünter^ 
worfien sein sollten; zur Bichtschikur soUte ihäen die neue 



•> Pnfettddrf, Suec. XXV, 84-^27. Urk. und Aot. VI, S- 189ff. Br^oysea 
a. a. 0. m, 2. S. 70ff. M. J. Schmidt a. a. 0. XI, 319ff. 

**) Der Grenzrecess mit dazu gehörigen Urkunden ist bei D ahn er t a.a.O. 
It 3. 9h'^lS2 und anderwärts gedruckt. 

***) Insir. Fac. Osn. X, 5, womit der Erbrerttag zwischen dem Herzog von 
Pommeni und dem Markgrafen von Blrandenbnrg 1571 zu vergleichen, siebe 
Dähnert a. a. 0. I, S. 10 ff. 



329 

eirmässigte^ Liceivteiitaxe dienen, welehe die schwedische Re^ 
giefUQg der Vorschrift; des Friedensschlusses gemäss im Jah¥0 
16^^ für di« norddeutseben Häfen erlassen hatte*). -- 
Nachdem die Streitigkeiten in dieser Weise geschlichtet wor- 
den waren, konnten die Schweden das ktirffirstlii^be Pommern 
räumen; am 6. Jnni 1653 zog die schwedische Besatzung 
aus dem Hanptort des Landes, Colberg, ab nnd das Land 
wurde den brandenburgischen Commissären feierlich über- 
geben. 

Es Würde erwähnt, dass auch die mecklenburgischen 
Säften vermöge der PaBöung- des westphäliscben Friedens den 
lilcenten unterworfen waren; an diesem Verhältniss wurde 
nichts dadurch geändert, dass der mecklenburgische Gesandte 
bei der Unterzeichnung des Friedens eine besondere Ver- 
wahrung gegen diesen Punkt einlegte. Es war eigentlich die 
Stadt Rostock, die hierdutch gettoffen wurde ; denn dieser Ort 
war nebst Wismar der vornehmste Handelsplatz im Land«. 
T?totz aller Vorstellungen erhoben die Schweden fortwährend 
Licenten bei Wamemünde, welcher der Aussenhafen Rostocks 
war. So' weit hatten sie zweifelsohne das strenge Recht auf 
ihrer Seite. Dagegen war es unstreitig eine Beeinträchtigung 
fremden Rechtes, wenn sie die Schanze bei Warnemünde unter 
dem Verwände fortwährend besetzt hielten, dass sie einen 
"Phit haben müssten, wo sie die Licenten erheben könnten. 
Ein deutscher Reichsbeschhi^s von 1654 vermochte es nicht, 
die schwedische Besatzung zu entfernen; in dem schwedisch- 
pokischen Kriege aber Würde die Schanze 1660 von 
kaiserlichen Truppen besetzt und die dort erhobenen ZÖllö 
au%ehoben. Nach dem Frieden von Oliva begann Schwe* 
den bald wieder, die Licenten bei Wamemünde zu er- 



*) In demselben Jahre wav der Generalliceilte&verwBilttr ?. S|>irhig SilfVeiv 
eröna w&hrend einer Gesiftndtschaft in London gec^orben. Seind Wittw^ und 
Kinder dnrften die Verwaltung der Licenten noeh zwei Jahre behalten. 



330 

heben, und fahr damit fort, bis in den Kriegen Carls XII. 
das Becbt der Licenten gegen eine gewisse Samme Geldes 
an Mecklenburg verpfändet wurde. Die Sache veranlasste 
neue Streitigkeiten und Schriftwechsel, welche bis gegen di^ 
Mitte des 18. Jahrhunderts fortdauerten **"). 



Während also Schweden unter Benutzung seiner mili- 
tärischen üebermacht die für sich günstigste Deutung des 
Friedensschlusses, sowohl was Bechte als territorielle Verhält* 
nisse betrifft, durchsetzte^ hatte die schwedische Begierupg an 
der Organisation der Begierung in den neuerworbenen Pro- 
vinzen allen Ernstes gearbeitet. Es zeigte sich jetzt ^ wie 
vorher beim Erwerb der ostlichen Ostseeprovinzen, dass die 
Schweden nicht nur Länder zu erobern, sondern sie auch so 
zu organisiren und zu verwalten verstanden, dass sie sich zu 
einer höheren Gultur und gesellschaftlichen Ordnung ent- 
wickeln konnten. 

Während der zehn Jahre, welche von der Zeit, als die 
Schweden die Begierung in Pommern übernahmen, bis zum 
Friedensschluss verflossen, war dieses Land unlei^bar ziemlich 
streng und eigenmächtig regiert worden, aber hierbei konnte 
die schwedische Begierung füglich die Schuld auf die ausser- 
ordentlichen Zeitverhältnisse, wie auch auf das unkluge Be- 
nehmen der pommerschen Stände schieben**). Jetzt sollten 
die normalen Verhältnisse wieder eintreten. Allein was war 
die Norm der staatsrechtlichen Beziehungen der abgetretenen 
Länder zu Schweden? Hierüber hatten die pommerschen 
Abgesandten beim Oongresse detaillirte Bestimmungen in die 



*) Vgl. hierüber Pütt er a. a. 0., S. 152 ff. Krabbe, Ans dem Leben 
Rostocks, S. 480flL Pufendorf, Snec. XXII, 56. 

**) Vgl. die Aenasernng Aiel Oxenstlemas im Brief an seinien Sohn dem 
26. September 1646: Siehe S. 153. 



831 

Eriedensorbande einz^uführ^ gesucht; aber Schweden wollte 
sich nicht die Hände binden lassen, sondern versprach durch 
den Friedenssehlnss nur, die gesetzlichen oder althergebrachten 
Freiheiten und Suchte seiner neuen Länder zu betätigen*). 
Um nun eine solche Bestätigung zu erlangen , fanden sieh 
bereits 1649 Qesandtschaften der Landstände Pcmmerns und 
Bremens in Stockholm ein, erhielten aber zur Antwort, dass 
die Regierung keinen endgültigen Beschluss in dieser Sache 
fassen k9nne, als bis an Ort und Stelle und mit Beihilfe der 
dortigen Archive eine Untersuchung Statt gefanden habe, 
was wirklich rechtskräftiges Gesetz oder nicht sei, welche 
Veränderungen die neuen Verhältnisse erforderten**). Eine 
derartige Untersuchung solle durch besondere, von der Re- 
gierung zu diesem Zweck zu bestellende Gommissionen ün- 
yerzQgUch unternommen werden. Die Ednigin hätte gewünscht, 
dass Carl Qustav die oberste Leitung dieses Geschäftes über- 
nehmen mCehte^c aber er lehnte es ab. Zu Mitgliedern der 
pommearschen „ Einrichtungscommission ^^ wurden ernannt: 
C, ö. Wrangel, seit 1648 Qeneralgouverneur von Pommern, 
Johann (kenstierna (seit 1652 durch Gert Behnskold ersetzt) 
und Lilljeström; die bremisch-'verdische Commission bestand 
aus Sdiering Bosenhane, dem neuen Gouverneur von Bremen- 
Verden H. G. Eöoigamark, Alex. Erskein und dem bremischen 
Ganzler Joh. Stucke. Diese Gommissionen braunen ihre 
TJüätigkeit im Jaltre 16&0. 

Es war das . unablässige Bestreben der pommerschen 
Stände gewesen, die Bestätigung der Begimentsverfassung von 
1634 zu erlangln , denn sie war ihr eigenes Werk und 



*) „Competens eorum libertas, bona, jura et privilegia, communia et peca- 
Uaria« legitiiae aequisita yel longo usu obtenta'*: Instr« Pae. Osn. X, 1^ 

**) Resolution der Regierung an die pommerschen Laudst&nde den 24. JuU 
1^9, gedruckt bei D&bnert a. a. 0. I, S. 809 ff., an die bremiscben Landstände 
deo 18. September d. J., gedruckt bei Pratje« Die Herzogthümer Brem^ und 
Verden III, S. 263 ff. 



332 

gewährte ihrem Einfluss einen weiten Spielraum. Allein hier- 
auf wollte die schwedische Regierung nicht eingehen, sondere 
liess die Commission auf dem Landtage in Stettin 1650 einen 
ausf&hrliehen Vorschlag zu einer neuen KegimentsordBvng 
torlegen, welche sich näher an die schwedische Interimsordn^mg 
attdchloss. Diesen Yorächlag fanden jedoch die Stönde mit 
den alten Freihdten und Rechten des Landes nidit gan£ 
Siereinstimmend, und deshalb übergaben sie dasselbe Jabt der 
Commission eine durch den berühmten Juristen David Mevius 
au^earbeitete sogenannte n Delineatio der pommersdien Land*« 
Verfassung nach des Landes alten Satzungen vmA GtowohiH 
heiten"*), welche eine Zusammenfassung der alten Privilegien 
uiid Einrichtungen d«s Landes enthielt Statt der Antwort 
gab die Commission einen Gegenvorschlag, ein s. g. „Project 
des pommerschen Etats'' ab, worüber mit den Ständen avf 
den Landtagen in Wolgast 1651 und Stettin 1652, abe¥ 
gleichfalls ohne Resultat, verhandelt wurde**). Johann Oxen- 
stiema und Lilljeström, welche die schwedische InteiiisosH 
Ordnung in Pommern gegründet hatten, hielten natürlich anf 
ihrem Werke fest, utid die Stände ihrerseits waren nicht 
weniger beharrliich. Unter solchen Umständen wnrdie weder 
die Bestätigung cter allgemeinen Landesprlvilegven seitens d^r 
Königin erlassen noch dessen neuem Souverain^ die Huldigung 
des Landes geleistet. Die Landesregierung wurde in derselben 
Weise wie vorher fortgeföhrt, jedoch mit den durch die 
Theilung Pommerns gebotenen Veränderungen; so bedurfte 
es für schwedisch Pommern nicht mehr als ein Hofgerieht 
und ein Consistorium , welche beide nach (ftei&wald verlegt 
wurden. Die pommerschen Assistenzräthe wurden nunmehr 



*) Handschriftlich in Ozensti^bas Sammlimg. G«drcickt in Plstofii^ 
Amoenit. hist. jurid. IV, p. 985 ff. 

**) Gadebusch, Sehitredisch-pommersche Staatskande I, S. 6 ff, V«t- 
achlediMM Schreiben^ der Begieningr an die Einrichtnng^commission in Pommern 
in den Jahren 1650—1652: Rreg. 



aas 

^gi€ariuig8rS,tbe genanut, tbatsäehUcb aber erlitt die pom- 
mersche Begierung unter der Regierung Christinena keüne 
TerftuderTOg. Die beständigen Kri^ »ntear der Begierung 
Oarl Gustavs verursachten, dass .dieser König seine Y«i**- 
«pneobüngcin in Betreff der C^ganisation der ponun^rschen 
yerwaltnng nicsbt erfüUen Jconnte. Erst 1662 ward zu diesem 
'Zi^eck eine neue „Hauptcownission^S worunter mehrere ein- 
geborene PoBöfliern, niedergepejj^t, und dieser gelang ös wirk'- 
lioh auf d^m I^andtage w Wolgast 1663 sich mit den StfUw 
4en über eine „ Begierungsfoxm '' m versittodigen, welche adu 
IT. Jöü erlassen wurde: erst jetzt wurden die Landesprivi- 
legien förmlich l^estStigt und die Huldigung gejeigtet "^^^ 
Puroh diese Begierungsfonn**), welche «ich an die von 1634 
^Qg anschdiea^t , ward fidstgesetzt , dasa die pommersche Be- 
^erung aus einem Statthalter arls Vorsitzenden und SSnf 
Begieru»g»'8iih^, worunter ^in Prftsident odcir Vicegouveyneur 
^Is der nftehste JMEann und SteUverbreter d^s Statthalters, ein 
GsüQzler, der gohlossbauptmann von Stettin,, der zugleiclh die 
(OberaufslQht über das Oeoouonsiiewesen hatt^, und zwei andere 
Personen, besteben solle. In wichitigei:«n Dingen sollte die 
IßjBgierung auoh die La^daräthe zuzi^hea}, eine Behörde, welobe 
hierdurch wieder ins Leben gerufen wurde. Die ubrigon 
Massreg^ln und Yoiraebläge der Gommission werden in dem 
dasselbe Jahr erlassenen „Haupt^Commissions<-Becesse" n&ber 
-erörtert. Was noch zu thun übrig war, wurde durch einen 
neue», 1669 von einigen schwedisjdhen Commießären im Ein- 
T/i«rnehm«n mit izwei Bevollmäobtigten der porom^rsßheji 
Stäade ausgearbeiteten Beoess voHendet***). Auf dieeer Gipw^ 
läge wurden in den folgenden Jahren allerlei Specialverfassungen 



*) Gadebuseh ». ß.. Q. I, §. 13ff. 330. 
••) Gedruckt bei Bahn er t a. a. 0. I, S. 859 ff. 

•••> Die beidep ^pe^se gedruckt bei I)|lb»ert a. a. 0. I, S. 378 ff. 
894 ff. 



3U 

auf dem Gebiete des Eirohen-, Bechte- uiid Polizeiwesens aus- 
gearbeitet und erlassen. 

Bei weitem leichter ward es , die äeue Ordnung in den 
Herzogthümern Bremen und Verden durebzuf&hren, denn du 
diese Länder jetzt säcularisirt waren und die geistliche B^ 
gierung durch eine weltliche ersetzt werd^ musste, so 
konnte die alte Ordnung nicht länger erhalten werden. Auf 
einem Landtag zu Bremen 1651 vereinigten sich die Com- 
mission und die dazu Abgeordneten der bremischen Stände 
über einen sogenannten Landtagsreeess , welcher die gegen» 
seitigen Verpflichtungen der Königin von Schweden und der 
Stände enthielt, sowie über gewisse Privilegien sowohl der 
Stände im Allgemeinen als der Ritterschaft insbesondere*). 
Die Privilegien wurden am 16. Sq>tember desselben Jahres 
von der Königin bestätigt und die Huldigung des Landes ward 
geleistet. Aii alledem nahm jedoch die Stadt Bremen keinen 
Theil, deim diese hatte, weil sie Beichsunmittelbarkeit bean<- 
sprudfate, seit 1641 sich von den übrigen Ständen getrennt. 
Dann wurde die fiegierung der beiden Herzogthflmer durch 
eine ausföhrliche Instruction vom 20. Juli 1652 geordnet**), 
deren Gründe ohne Zweifel von den Landständen gebilligt 
worden waren. Vermöge dieser Instruction wurde an die 
%)itze der für die beiden Herzogthümer gemeinsamen Be- 
gierung***) ein Gouverneur und ein Consilium Status oder 
Eegierangsrath gestellt; letzterer sollte aus vier Mitglie- 
dern, nämlich dem Gouverneur als Vorsitzendem, einem 
Canzler als Vicepräses und zwei anderen Personen ;, einem 
schwedischen uöd einem eingeborene Edelniann , ^ bestehen. 



•) Der Recess vom 30. Juni gedruckt bei P rat je a. a. 0. III, S. 269 ff., 
die PriTilegien ebendaselbst S. 295 ff. 306 ff. 

**) Gedruckt in „Altes und Neues aus den Herzogthümern Bremen und 
Verden", Bd. IV, S. 5—98. Regierungssitz war zuerst Bremervörde, dann 
Stade. 

•**) Das Herzogthum Verden war durch die Resolution der Regierung vom 
6. Februar 1649 unter dieselbe Regierung als Bremen gelegt worden. 



336 

Ausserdem wurde ein Justizcollegium als zweite gericht- 
liche Instanz und fQr kirchliche Sachen ein Gonsistorium ein- 
gerichtet, ersteres anstatt zweier älterer Gerichtshöfe, letzteres 
anE^tt der Domcapitel in Bremen und Verden, welche 1650 
nebst ihren Gütern und Zinsen eingezogen worden waren*). 
Dem Verlangen der Stände gemäss ward das Justizcollegium 
1663 in ein Hofgericht umgewandelt, in welchem auch ge- 
wisse von den Ständen ausersehene Personen Sitz und Stimme 
hatten, im übrigen aber hat die unter der Königin Christine 
eingeführte Ordnung lange bestanden. 

Sowohl Bremen-Verden als Pommern erhielt von der 
schwedischen B^erung die Zusicherung, dass keine andern 
als „eingeborne Patrioten ^S oder im Lande ansässige Personen, 
welche die Bechte und Gewohnheiten desselben kannten, weder 
in der Begierung noch in anderen Aemtem angestellt werden 
sollten**). Hierdurch ward jedoch die schwedische Nationa- 
lität keineswegs ausgeschlossen ; vor der grossen Güterreduction 
war sie in beiden Landschaften durch Adelsgeschlechter, 
wekhe unter Christinens Begierung daselbst Lehen erhalten, 
zahlreich vertreten. Zu diesen Leben waren in Pommern die 
Staatsdomainen , in Bremen-Verden zumeist die geistlichen 
Güter verwendet worden***). 

Es war nach dem Friedensschlüsse die Absicht der schwe- 
dischen Begierung, eine gemeinschaftliche oberste Begierungs- 



*) Dagegen bestand das Domcapitel zu Hamburg unverändert, wie auch die 
Prälaturen des Stiftes Cammin, worfiber Schweden TerfOgte. Vgl. von Kobbe, 
Oeschichte der Herzogthflmer Bremen und Verden, S. 278. 

**) Privilegien der Bremischen Stände von 1651, § 4. Pommersche Be* 
gierungsform von 1663, Tit. III. Pommerns und Schwedens Einwohner hatten 
vermöge des von Gustav Adolph mit Pommern 1630 abgeschlossenen Vertrages 
§ 11 gegenseitiges Indigenat; vgl. Resolntion der Regierung an die pommerschen 
Stände vom 24. Juli 1649, § 2. 

***) Wegen Pommern siehe oben S. 42. 322. Die Lehnsinhaber in Bremen- 
Verden sind bei Pratje a. a. 0. V, S. 527 ff. aufgezählt; unter ihnen sind zu 
nennen: Wasaborg, Wittenberg, Wrangel, Königsmark, de la Gardie, Douglas» 
Lillje, Lewenhaupt, Salvius, Bosenhane u. m. 



S»6 

])eb5rde, ^m sogenanntes iGleueral'^Directorium, <}»$ seiiien 
Sitz in Wismar haben sollte^ uBd unter dessen Boftn^&ßßigik^lt 
die pommersohe und die ]>re£aise)i " verdisfßhe ißegiemng 
«teb^eu sollten, fgr ihre deüitschen ProYiosse^i zu «nriefeben, 
J^ieser Plw kaau jedoeh m& ^Smgel m .Mitteln nioht tM^ 
Ausführung. Dagegen wurde achota jetzt dg^ Oberaj^pielU' 
tionsgericht fftr die deutschen Provinze» eingerichtet , if&ir 
di^s die Krone Schwede vermöge dee Fciedensschlussea m 
stiften berechtigt war, ja das siie einriebt!^ mnaste, wieiin 
sie sich ihres Bechtes de non appellando bedienen wollte^ 
Zum Sitz desselben wurde die Stodt Wisnsü^r sds ia der 
Mitte zwischen den beiden scbwediachen Hauptgebieton 
gelegen bestinamt. Die feierliche Eittweihnag gieschftb w» 
17. Mai i66B durch den fieicbsrasbh Seh. Bosenbltne uud 
4en zum Präsidenten eruannten Benedict Ox^nsti^ima , nsä^ 
an demselben Tage ward eine prgliniinftre ^^ricbtsordAßUg 
erlassen, die jedoch bald durch ei^ neue und voUstlndJigio, 
von Aam ersten Vicepräsidenjea Mevius entworfene und 1-6^ 
bestätigte ersetzt wurde. Das Obertribun^l bestand aus gi^^m 
Fräsidwt^, einem Yiceprä^idienten und sechs AsseaaQi^, 
welche in der Weise bestellt wurden, dass von den fomm^Jt^ 
sehen Ständen drei, von den bremkch-veirdischen und wi^iixiar'- 
^hen drei paräsentirt wurden ; bei jeder Erledigung wurd^ zwei 
Personen präseatirt, von deuen d^as Tribunal selbst die eine 
zu wählen hatte. Der Präsident und der Vicepräsident wur- 
den von der Eegierung selbst, die übrigen Beamten aber zur 
Hälfte von den pommerschen, zur Hälfte van den brejcaischr 
wismarschen Ständen besoldet*). Die Hansestädte Wisnaar 



V t . I J ■ ! ■ 1 ■ 



*) l9^rae<$on f$lr r$ch. RoBonbane und B. OxenatierAa den U. SB^ember 
1652 und Brief der Regierung an denselben vom 30. März l'GöS: Rnog. B-^l- 
tba^ar, ^is^orise^e Ngchriclit tou den Landesgerichten in Ponifflem., Bd. I, 
S. 838ff. KJ^ad^b^ßch a. &. 0. I, S. 381; II, S. 281 ff. Aites und Neues aus 
den HerzogtWpiern Brem^em .und Verden, IV, S. 164 ff. iDie öericliisordÄwiig j#t 
besonders gedruckt. 



337 

und Stralsund, welche von alters her das Becht hatten, an 
das Lübecker Stadtgericht zu appelliren, unterwarfen sich 
dem Tribunal in Wismar. 

Nach der Einrichtung des Obertribunals waren, wenn 
man von den noch schwebenden Verhandlungen wegen der 
pommerschen Begierung absieht, die neuerworbenen Provinzen 
organisirt, und da um dieselbe Zeit die pommersche Grenz- 
regulirung abgemacht worden war, so kann man die schwe- 
dische Herrschaft in Deutschland hierdurch als gegründet und 
befestigt ansehen. Noch waren allerdings einzelne unent- 
schiedene Punkte übrig, z. B. die kaiserliche Investitur, die 
Stellung, der Stadt Bremen , der Wamemünde - Zoll — von 
welchen Fragen die erstgenannte bald abgemacht wurde, die 
beiden letzteren dagegen nie zur völligen Entscheidung kamen — ; 
in der Hauptsache aber war Schweden zum Ziel gelangt und 
hatte die politischen Zwecke erreicht, welche während der 
letztverflossenen fünfundzwanzig Jahre seiner Politik zu Grunde 
gelegen hatten. 



Wirft man zum Schlüsse einen Bückblick auf die Be- 
theiligung Schwedens an den westphälischen Friedensunter- 
handlungen und auf die Politik, welche es dabei befolgte, 
so dürfte man kaum die Bichtigkeit jener Worte Eankes 
anzweifeln können: „Man wird den Schweden die Ehre 
nicht bestreiten dürfen, dass sie es gewesen sind, die das 
Machtverhältniss, welches sich durch den Prager Frieden ge- 
bildet hatte, und welches den Protestantismus in einen sehr 
beschränkten Lebenskreis gebannt haben würde, auf immer zer- 
stört haben." *) Die Vollziehung des Prager Friedens wäre näm- 
lich mit dem Sieg der kaiserlichen Gewalt über das Territorial- 
princip gleichbedeutend gewesen, was wiederum, da der Kaiser 



*) Ranke, Zwölf Bücher Preussischer Geschichte I, S. 228. 
Odhner, Politik Schwedens. 22 



338_ 

der Vorkämpfer des Katholicismus war, und da diese Eeli- 
gion in jenem Frieden grosse Vortheile auf Kosten des Prote- 
stantismus erlangt hatte, wenn nicht zum Untergang, so doch 
auf jeden Fall zum Bückgang und zur Ohnmacht des letzteren 
geführt haben würde. Säumt man nun ein, dass die Zukunft 
Deutschlands wesentlich vom Protestantismus und der freien 
Entwicklung seiner protestantischen Staaten abhängig war, 
so muss man zugeben, dass es Schweden gewesen ist, welches 
durch seine Siege und Unterhandlungen die freie Entwick- 
lung Deutschlands in der einzigen Sichtung, die zum Ziele 
führen konnte, ermöglicht hat. Wahr ist es allerdings, 
dass Schweden hierbei mehr sein eigenes Interesse als die 
Zukunft Deutschlands im Auge hatte, dass es eine solche Um- 
gestaltung der Verfassung des deutschen Seiches durchführte, 
die seinem eigenen Einfluss den weitesten Spielraum liess, 
und dass es bisweilen rücksichtslos seine . Uebermacht in 
Deutschland zur Förderung eigener Vortheile gebrauchte, z. B. 
bei Erpressung der fünf Millionen, in seinem Betragen gegen 
Brandenburg und Mecklenburg nach dem Frieden u. s. w. 
Auf der anderen Seite aber darf man nicht vergessen, dass 
die Interessen Schwedens und des protestantischen Deutsch- 
lands in mancherlei Hinsicht, z. B. in den kirchlichen Fragen, 
solidarisch waren, und dass Schweden für diese mit einer 
anerkennenswerthen Festigkeit eintrat. Ohne sich durch 
die Verlockungen des Gegners und die Verzagtheit der Glau- 
bensgenossen irre führen zu lassen, hat Schweden beim 
westphäüschen Friedenscongresse Schritt vor Schritt den Kar 
tholiken die für die künftige Stellung des Protestantismus in 
Deutschland nothwendigen Garantien abgezwungen. Solche 
Punkte, als z. B. die religiöse Autonomie im Seiche und die 
kirchliche Sestitution nach 1624 als Normaljahr, die dauernde 
Ueberlassung der geistlichen Gebiete, die Sicherstellung des 
Protestantismus in der Pfalz, Baden und Würtemberg, in den 
Stiftern Osnabrück und Minden u. a., wie auch die Tolerirung 



339 

desselben in Schlesien — dies alles durchzusetzen w&re ohne 
Schwedens wiederholte Siege auf dem Schlachtfelde und seine 
feste Haltung beim Gongresse unmöglich gewesen ; und in Be- 
treff einiger der genannten Punkte ist es zweifelhaft, ob 
sie, wenngleich beschlossen, je zur Ausführung gekommen 
wären, wenn nicht Schweden, ehe es seine militärische Stellung 
in Deutschland räumte, so unerschütterlich auf genügenden 
Garantien für die Execution bestanden hätte. 

Durch solche Verdienste um den Protestantismus in 
Deutschland ward Schweden nach dem Frieden der selbst- 
verständliche Beschützer der protestantischen Interessen und 
der Führer der protestantischen Partei in diesem Lande; und 
wäre es seiner Aufgabe treu geblieben, so hätte es diese 
Stellung möglicherweise lange behaupten können. Allein seine 
deutsche Politik verlor ihre frühere Festigkeit und Conse- 
quenz, seitdem Axel Oxenstiema aufgehört hatte, einen mass- 
gebenden Einfluss auf dieselbe auszuüben. Schon in den 
letzten Begierungsjahren der Königin Christine gab Schweden 
aus zufalligen, persönlichen Gründen seine leitende Stellung 
in Deutschland auf. Zwar suchte Carl Gustav das Versäumte 
wieder gut zu machen, aber seine Verwicklungen mit Polen 
und Dänemark machte eine kraftvolle Politik in Deutschland 
unmöglich. Die darauf folgende vormundschaftliche Be- 
gierung setzte durch den bremischen Krieg Schwedens An- 
sehen in Deutschland herab, und das Auftreten Schwedens 
nach 1672 als Parteigänger Frankreichs geg^ Holland und 
Brandenburg hätte es beinahe um alle seine deutschen 
Besitzungen gebracht. Zwar gelang es Carl XI. durch seine 
nach 1681 veränderte Politik dessen ehemaligen Einfluss in 
Deutschland zum Theil wiederherzustellen. Indessen aber und 
während Schweden seine deutschen Interessen vernachlässigt 
hatte, hatte eine andere protestantische Macht sich im Nor- 
den Europas gebildet, nämlich der brandenburgisch-preussische 

Staat. Dieser Staat, welcher nie würde haben entstehen 

22* 



340 

können, wenn nicht Schweden im dreissigjährigen Kriege ge- 
siegt hätte, and welcher von Schweden bald gedemüthigt bald 
begünstigt worden war, hatte allmählich die Stellung einge- 
nonunen , welche Schweden nicht zu behaupten wusste , und 
trat endlich, während dieses von seiner Stellung als Gross- 
macht herabsank, ab Erbe von dessen ehemaligem Einflüsse 
und der natürliche Leiter des protestantischen Deutschlands 
hervor. 




V 



Die CoüTentioii zwischen den 
schwedischen nnd kaiserlichen 
Legraten den 8/1$. Febr. 1647 *). 

Porro qnoniam Serenissima Ee- 
gina Saeciae postnlaverat, ut sibi 
pro locornm hoc bello occupatonim 
restitntione satisfieret, pacique pu- 
blicae in Imperio restaurandae con- 
digne prospiceretur, ideo Caesarea 
Majestas de conseusu Electomm^ 
Principum^ et Statnnm Imperii, 
cum primis Interessatomm , vigo- 
reqae praesentis transactionis con- 
cedit eidem Serenissimae Beginae 
et foturis ejus haeredibus ac Snc- 
cessoribns BegibusRegnoqne Sneciae 
seqnentes ditiones in perpetnnm et 
immediatum Impeni feadum. 



n. 

Art. X. des Instrnmentiim Paeis 
Osnahragensis **). 

§ 1. Porro qnoniam Serenissima 
Begina Sneciae postnlaverat, nt 
sibi pro locornm hoc bello occupa- 
tonim restitntione satisfieret, pa- 
cique pnblicae in Imperio restau- 
randae condigne prospiceretur, ideo 
Caesarea Majestas de conseusu Elec- 
torum, Principum, et Statnnm Im- 
perii, cum primis interessatomm, 
yigoreque praesentis Transactionis 
concedit eidem Serenissimae Beginae 
et futuris ejus haeredibus ac suc- 
cessoribus Begibus Begnoque Sneciae 
seqnentes ditiones pleno jure in 
perpetnnm et immediatum Imperii 
feudum. 



*) Diese Convention war unseres Wissens bisher nicht gedruckt. Sie findet 
sich in Abschrift in ü. W. F. 

**) Abgedruckt nach der von Stiernman und Archenholtz 1737 beglaubigten 
und von Meiern 1738 gedruckten Abschrift der schwedischen Urkunde. Die 
Paragraphiernng ist nicht ursprünglich. 



342 



Frimo totam Pomenmiaiii ci- 
teriofem, Tulgo Vor-Pommern dic- 
tam. Qua cum Inßiila Bngia, iis 
finibns contenta«, quibna eub ulti- 
mis Pomenmiae Dacibus descriptae 
fnerant. Ad haec e Pomerania ol- : 
tmori Stetinam , Gartz , Dam, | 
Golnow et Jnwilam Wollin, nna 
cum interlabente Odera et maii, 
YQlgo daa Frische Haff Tocato, 
gninque tribiu oetiis, Peine, Swine 
et DiTcnow atque adjacente ntrinqüe 
terra ab ioitio tenitorii B^ii usqne 
in mare Balthicnm, ea littoris Orien- 
talis latitadine, de qua inter Be- 
gios et Electorales Commissarios 
circa exactiorem limitum defini- 
tionem anücabiliter *conTenietur, 



Hunc Pomeraniae Ducatum Prin- 
cipatumque Bugiae, una cum 
Stetino, Gartz, Dam, Golnow, Wol- 
lin, Odera, man et Ostiis, omni- 
busque et singulis ad ea pertinen- 
übus territorüs, praefecturis, Ur- 
bibus, Castellis, Oppidis, vicis, 
pagis,hominibus, feudis, fluminibus, 
insulis, lacnbus, littoribus, portu- 
buB, stationibus, vectigalibus et 
reditibus et quibuscumque alüs Ec- 
desiasticis ac secularibus bonis, 
Begia Maj : tas Begnumque Sueciae 
0ub iis titulis, dignitatibus, prae- 
eminentiis, Immunitatibus, etprae- 
rogativis^ caeterisque onmibus ac 
singulis Ecclesiasticis et secularibus 
Juribus ac privilegüs, quibus ante- 
cessores Pomeraniae Duces ea ha- 
buerunt, incoluerunt et rexerunt, 
ab hoc die in perpetuum pro hae- 
reditario feudo habeat, possideat, 
iisque libere utatur et InTiolabiliter 
fruatnr. 



§ 2. Frimo totam Pomeniiiam 
Citeriorem, Tulgo Vor* Pommern 
dictam, und cum Insola Bogia, 
iis fioibus contentas, qmbas snb 
nltimis Pomeraniae Dncibns de- 
scriptae fuerant. Ad baec e Po- 
merania ulteriori Stetinum, (jartz. 
Dam, Golnow et Tnsniam Wollin, 
una cum interlabente Odera et 
Mari, rulgo das frische Haff to- 
cato, suisqne tribus ostüs Peine, 
Schweine et Diewenau, atque ad- 
jacente utrinqne terra ab initio 
territoiii Begii usque in Mare Bal- 
thicnm ea latitudine litoris orieur 
talis, de qua inter Begios et Elec- 
torales Commissaiios circa exactio- 
rem limitum et caeterorum minn- 
tiorum definitionem amicabiliter 
convenietur. 

§ 3. Hunc Ducatum Pomeraniae, 
Bugiaeque Principatum una cum 
ditionibus lodsque annexis, omni- 
busque et sii^ulis ad ea paidnen- 
tibus territorÜB, praefecturis, urbi- 
bus, castellis, oppidis, vicis, pagis 
hominibus, feudis, fluminibus, insu- 
lis, lacubus, litoribus, poitubus, 
stationibus, antiquis yectigalibus 
et reditibus, et quibuscunque alüs 
ecclesiasticis et secularibus bonis, 
nee non titulis, dignitatibus , prae- 
eminentüs, immunitatibus et prae- 
rogativis, ceterisque onmibus ac 
singulis ecclesiasticis et secularibus 
juribus ac privilegüs, quibus ante- 
cessores Pomeraniae Duces ea ha- 
buerant, incoluerant et rexerant, 
Begia Majestas, Begnumque Sue- 
ciae ab hoc die in perpetuum pro 
haereditarip feudo habeat, possideat, 
iisque übere utatur et inviolabiüter 
fruatur. 



343 



Quicqnid etiam juris in colla- 
tione Praelaturarum et Praebenda- 
mm Oapituli CamminensiB antehac 
habnerint Duces Pomeraniae Cite- 
rioris, habeat in posternm Regia 
Maj : tas Begnnmqne Sneciae per- 
petno. Quicqnid antem nlteri- 
oris Pomeraniae Bncibns compe- 
tierat, competat Snae Celsitndini 
Electorali nna cum integre Episco- 
patn Camminensi, einsqne territo- 
rüs, jnribns et dignitatibns. 



Titnlis et Insignibns Pomeraniae 
tam Begia Domns, quam Branden- 
bnrgica promiscne ntantnr, more 
inter priores Pomeraniae Duces 
usitato; Kegia quidem perpetuo, 
Brandenburgica vero, quam diu 
ullus e linea Masculina superfiierit, 
absque tamen Bugiae Principatu, 
omnique aliä praetensione in loca 
cessa. 

Deficiente vero linea masculina 
Domus Brandenburgicae , omnes 
praeter Sueciam alii titulis et In- 
signibus Pomeranicis abstinebunt, 
atque tunc quoque ulterior Pome- 
rania tota cum citeriori Pomerania, 
totoque Episcopatu et integro Ca- 
pitulo Camminensi consolidata, ad 
solos Beges Begnumque Sueciae 
perpetuo pertinebunt; spe Interim 
Successionis et Investitura simul- 
tanea gavisuros. 



§ 4. Quicquid etiam juris in 
collatione Praelaturarum et Prae- 
bendarum Capituli Caminensis an- 
tehac habuerunt Duces Pomeraniae 
CiterioriSj habeat imposterum Begia 
Majestas Begnumque Sueciae per- 
petuo, cum potestate eas extin- 
guendi, reditusque mensae Ducali 
post [modemorum Canonicorum et 
Capitularium decessum applicandi. 
Quicquid autem Ulterioris Pome- 
raniae Ducibus competierat, com- 
petat Domino Electori Branden- 
burgico, una cum integro Episco- 
patu Caminensi, ejusque territorüs, 
juribus et dignitatibns, prout infra 
pluribus explicatur. Titulis et insi- 
gnüs Pomeraniae tam Begia Domus, 
quam Brandenburgica promiscne 
utantur, more inter priores Pome- 
raniae Duces usitato; Begia 
quidem perpetuo, Brandenburgica 
vero, quam diu ullus e linea ma- 
sculina superfuerit, absque tamen 
Bugiae Prihcipatu, omnique alio 
praetensione ullius juris in loca 
Begno Sueciae cessa. 

Deficiente vero Linea Masculina 
Domus Brandenburgicae omnes 
praeter Sueciam alii titulis et in- 
signiis Pomeranicis abstinebunt. 
Atque tunc quoque ulterior Pome- 
rania tota cum citeriori Pomera- 
nia, totoque Episcopatu et integro 
Capitulo Caminensi, adeoque Omni- 
bus antecessomm juribus et eipec- 
tantiis consolidata ad solos Beges 
Begnumque Sueciae perpetuo per- 
tinebunt, spe Interim successionis 
et investitura simultanea gavisuros, 
ita ut etiam ordinibus subdi- 
tisque dictorum locorum pro ho- 
magii praestatione solito more 
caveant. 



344 



Celsissimns Elector Brandenbnr- 
gicns, caeteriqne omDes Interessati, 
exsolvunt Ordines, Officiales et Sub- 
ditos singolorum snpradictorum 
locorum vincnlis et sacramentis, 
qnibus hnc usqne sibi suisque Do- 
mibus obstricti faerant, eosqne ad 
bomaginm et obseqnia Eegiae 
Maj:ti Eegnoque Sueciae prae- 
standnm remittimt; atque itaSne- 
ciam in plena jostaqne eorum 
possessione constitnnnt, rennnciantes 
Omnibus in ea praetensionibns ex 
nunc in perpetnnm; idque pro se 
suisqne posteris pecnliari diplomate 
confinnabnnt. 

Pro hac alienatione perpetnaqne 
in Eegiam Maj:tem Eegnnmqne 
Sneciae translatione , recipiat sua 
Celsitndo Electoralis cum suis in- 
teressatis ab Imperatore et Imperio 
Episcopatum Halberstadiensem et 
Arcbi-Episcopatum Magdeburgen- 
sem; iUum quidem statim post 
conclusam et ratificatam pacem^ 
hunc vero immediate post modemi 
Administratoris Domini Augusti 
Saxoniae Ducis decessum, ut et re- 
liquas partes et loca, de quibus 
inter Caesareanos et Electorales 
Brandenburgicos Legatos actum et 
transactum est, omnia intelligendo 
conditionibus ac modis cum iam 
dictis Suae Celsitudinis Electoralis 
Legatis specialiter conventis. 

Regia quoque Majrtas Sueciae 
restituat Suae Celsitudini Electo- 
rali, prirao reliquam Pomeraniam 
Ulteriorem, cum omnibus apperti- 
nentibus bonis et juribussecularibus 
et Eccleciasticis , pleno jure tam 
quoad dominium utile quam direc- 
tum; deinde Colbergam cum toto 
Episcopatu Camminensi , omnique 



§ 5. Dominus Elector Brandenbur- 
gicus, caeterique omnes interessati 
exsolyunt ordines, officiales, et 
subditos singulorum supradictorum 
locorum vinculis et sacramentis, 
quibus hucusque sibi suisque do- 
mibus obstricti fuerant, eosque ad 
bomagium et obsequia Eegiae Ma- 
jestät! Eegnoque Sueciae more so- 
lito praestandum remittunt, atque 
ita Sueciam in plena justaqu^ eorum 
possessione constituunt, rennnciantes 
omnibus in ea praetensionibns, ex 
nunc in perpetuum; idque pro se 
suisque posteris peculiari diplomate 
bic confirmabunt. 



346 



Jure, qnod ülterioris Pomeraniae 
Dnces huc nsqne habnerant, in 
coUatione Praelatnramm et praeben- 
danun Capitnli Caminensis , ita 
tarnen, nt ordinibus et subditis in 
restitutis partibiis Ülterioris Pome- 
raniae Episcopatnqne Caminensi 
competentem eonim libertatem, 
bona, Jura et Privilegia, secnndnm 
tenorem literamm reyersalinm ctun 
libero Evangelicae Beligionis Exer- 
citio jnxta invariatam Angnstanam 
Confessionem absque uUa pertnr- 
batione perpetim fraendo, circa 
homagii renovationem et praesta- 
tionem omni meliori modo con- 
firmet et conservet. Tertio omnia 
loca, quae praesidiis Suedicis in- 
sessa tcnentur per Marcbiam Bran- 
denburgensem; qnarto, omnes Com- 
mendas et bona ad Ordinem Eqne- 
stremDivi Jobannis spectantia, qnae 
extra territoria Eegiae M:ti Be- 
gnoqne Sneciae cessa continentnr, 
nna cum actis et regestis caeteris- 
qne literariis documentis, haec loca 
Joraque restituenda concernentibus^ 
quae in Archivo et chartophylaciis 
Aulae Stetinensis reperinntur. 

Secnndo, Imperator de consensn 
totius Imperii, praeeipue vero Do- 
mus Megapolitanae, concedit etiam 
Serenissimae Reginae cjnsqne hae- 
redibns ac Successoribus Begibus, 
Regnoque Sueciae in perpetnum et 
immediatum imperii fendnm com 
Ducibns Meckelbnrgensibns simnl- 
tanea Investitnra tenendum civi- 
tatem portumque Wismariensem, 
nna cnm Praefectnris Po€l ac 
Newencloster (de Newencloster 
tamen in alia bona portai viciniora 
commntando, cum sua Celsitudine 
peculiariter conveniri potent) 



§ 6. Secundo Imperator de con- 
sensu totius Imperii concedit etiam 
Serenissimae Keginae ejusque bae- 
redibus ac successoribus Begibus 
Eegnoque Sueciae in perpetuum 
et immediatum Imperii feudum 
Civitatem Portumque Wismarien- 
sem, una cum fortalitio WaUfisch 
et Praefectnris Pool (exceptis pagis 
Seedorff , Weitendorff , Branden- 
bansen et Wangem, ad hospitale 
S. Spiritus in urbe Lubeca perti- 
nentibus), et Neuencloster, omnibus 
juribus et appertinentiis, quibus ea 
Duces Megapolitani hucusque habue* 



346 



in Dacatn Megapolitano sequenti 
modo. 

Inprimis, ut dictae Civitatis et 
praefectnraram Magistratns , Offi- 
ciales et snbditi non modo Kegiae 
M : ti Begnoque Sneciae, sed et Daci 
Megapolitano -Suerinensi, et ntri- 
osqne snccessoribns juramento fide- 
litatis obstringantor. 

Begiae qnidem Maj:ti Begnoqne 
Sneciae soli Jns competat imponendi 
praesidiimi Civitati, eiusque Prae- 
fectnm constituendi cmn libertate 
id iterun edacendi, mutandi, mi- 
nnendi angendive pro exigentia cir- 
crnnstantiarnm; praesidimn vero 
non modo Begibns Begnoqne Sne- 
ciae, sed et Dncibns Megapolitano- 
Snerinensibns perpetno sacramento 
devinctnm sit. Praefectns quoqne 
Snae Celsitndini jnieinrando pro- 
mittat, se, qnam diu ibi meruerit, 
id bona fide actnmm, ne quidqnam 
a qnoqnam in Begiae Maj :tis Ee- 
gnive Sneciae ant Snae Celsitndinis, 
Tel nnins alterinsve partis sncces- 
somm , praeindicinm danmumve 
fiat yel admittatnr, qnin potins, 
nt Ciyitas portnsqne cnm dictis 
Praefectnris contra qnemcnmqne 
salya et illaesa serventur. 

Totns Portns cnm tenis ntrinsqne 
lateris, ab Ürbe in mare Balthicnm, 
liberae dispositioni Begiae Maj:ti8 
Begniqne Sneciae subsit, ita nt, 
qnotiescnnqne contigerit, qnascnnqne 
naves Snedicas singnlatim ant con- 
jnnctim, majori minorive nnmero 
illnc appelli, semper ibi libemm 
secnmmqne receptnm, ac stationem 
habeant, adeoqne nantae et Classia- 
rii eo Jnre libertateqne per omnia 
in nrbe portnqne et ntroqne latere 
froantnr, qno ipsos in aHis B^ni 



rant; ita nt dicta loca totnsqne 
portns cnm terris ntrinsqne lateris 
ab nrbe in mare Balthicnm liberae 
dispositioni Snae Majestatis snbsit ; 
possitqne ea mnnimentis et prae- 
sidiis, pro libitn et exigentia cir^ 
cnmstantiamm, snis tamen proprüs 
snmptibas, firmare, ibiqne semper 
pro snis navibns classeqne tntnm 
secnmmqne reoeptnm ac stationem 
habere iisqne de caetero nti frniqne 
eo jnre, qnod ipsi in oeta» sna 
Imperialia fenda competit; ita ta- 
men nt Civitati 'Wismariensi pri- 
YÜegia sna sint salva, ejnsqne 
commercia protectione favoreqne 
Begio omni meliori modo promo- 
veantnr. 



347 



Sueciae portubns gaadere licitmu 
est. 

Et nt dicti poitne secnritati eo 
rectins consnlatnr , Jus esto Begi- 
bnB Begnoque Sneciae fortalitimn 
Walfisch pro arbitrio renovandi, 
eztendendi , contrahendi aliterve 
mntandi noynmqne fortalitinm, si 
placnerit, in adverso littore ex- 
tmendi, mnniendi, ac finnandi: 
quornm utrumqne cum sno prae- 
fecto praesidioque a Sola Regia 
M : te Regnoqae Sneciae dependebit. 
Pro dictae ürbis et fortalitionim 
reparatione et conservatione, reditus 
Operaeqne ntsticae dictamm prae- 
fectiiramm praefecti ürbis dispo- 
sitionem seqnanttur. In singnlornm 
vero praesidiomm snstentationem 
modema vectigalia Wismariensia 
et Wamaemnndensia tantisper con- 
rertantnr, dnm Dncatns snbditis 
cnltnqne ita reflornerit, nt prae- 
sidia ipse snstinere valeat. 

Pro eo vero qnod Snae Celsitn- 
dini in bis omnibns decedit, com- 
petat ei soll Jns Episcopatnnm 
Batzebnrgensis et Snerinensis, cnm 
potestate extingnendi dimidiam 
partem Canonicatnnm , et ad men- 
sam Episcopalem applicandi, ex- 
clnsis aliis, qni per electionem ant 
postnlationem Oapitnlomm alias 
assnmi possent. 

Haec onmia, qnae snpra de 
Snerinensi dlcta snnt, intelligantnr 
etiam de Gnstroviensi, si alter! sn- 
perstes fnerit. 

Qnod si Dnx Meckelbnrgensis in 
praedicta non consenserit, tnnc Re- 
gina et Corona Sneciae, exclnsa si- 
mnltanea Investitnra, singnlari et 
perpetno fendo ea omnia pro se ab 
Imperio t^eat et mannteneatnr. 



348 



De caetero. Civitatis Wismarien- 
sis privilegia salva maneant, 
ejusque Oommercia terra marique 
mntuo Eegnm Sneciae, Dncumqae 
Megapolitanomm favore et protec- 
tione pro posse promoveantor. 

Tertio Imperator de consensn 
totins Imperii concedit etiam yi- 
gore praesentis Transactionis Ser: 
mae Eeginae Sueciae, eiusqne hae- 
redibus ac Snccessoribns Eegibus 
Eegnoqne Sueciae Archiepiscopatum 
Bremensem cum oppido et prae- 
fectura Wilshausen, eiqne nnita 
Dioecesi et Capitulo Ham- 
borgensi (salvis tamen Civitati 
Hamburgensi libertate, territorio, 
bonis, privilegiis, et Juribus suis 
Ecclesiasticis vel secularibus intra 
et extra moenia hactenus possessis 
vel exercitis) ut et Episcopatum 
Civitatemque Verdensem, cum Om- 
nibus et singulis ad eos pertinen- 
tibus Ecclesiasticis et secularibus 
bonis Juribusque terra marique in 
perpetuum et immediatum Imperii 
feudum, sub solitis Insigniis, sed 
titulo Ducatus, cessante interim 
Capitulorum eligendi et postulandi, 
omnique alio jure, administratione 
et gubematione terrarum ad hos 
Ducatus pertinentium. 



Civitati vero Bremensi eiusque 
territorio competens sua libertas, 



§ 7. Tertio, Imperator de con- 
sensu totius Imperii concedit etiam 
vigore praesentüs Transactionis Se- 
renissimaeBeginae, ejusque haeredi- 
bus ac successoribus Begibus, Beg- 
noque Sueciae Archiepiscopatum 
Bremensem et Episcopatum Yer- 
densem, cum oppido et praefectura 
Wilshusen, omnique jure, quod 
ultimis Archiepiscopis Bremensibus 
competierat in Capitulum et Dioe- 
cesin Hamburgensem (salvis tamen 
Bomui Holsaticae ut et Civitati 
Capituloque Hamburgensi suis 
respective Juribus, Privilegiis ,' li- 
bertate, pactk et possessione sta- 
tuque praesenti per omnia, ita ut 
quatuordecim iUi pagi in praefec- 
turis Holsaticis Trittoviensi et 
Beiubeccensi , pro modemo annuo 
Canone, Domino Friderico Duci 
Holsatiae Gottorpiensi et illius po- 
steris in perpetuum maneant) cum 
onmibus et singulis ad eos perti- 
nentibus, ubicumque sita sunt, ec- 
clesiasticis et secularibus bonis et 
juribus, quocumque nomine vocatis, 
terra marique, in perpetuum et 
immediatum Imperii leudum, sub 
solitis quidem Insigniis, sed Titulo 
Ducatus ; cessante Capitulorum 
caeterorumque Collegiorum Eccle- 
siasticorum eligendi et postulandi 
onmique alio jure, administratione 
et gubematione terrarum ad hos 
Ducatus- pertinentium. 

§ 8. Civitati vero Bremensi 
ejusque territorio et subditis prae- 



349 



suus Status, Jura et priyilegia in 
Ecclesiasticis et secularibus ab Im- 
peratoribus et antecessoribns le- 
gitime acqnisita, yel usu longo 
obtenta, relinqnantur inviolata; 
et si qnae ipsi hactenus cum Epi- 
scopiSj Episcopatn aut Capitolis in- 
tercednnt controversiae , eae vel 
componantnr amicabiliter vel Jnre 
terminentur. Interim tarnen Civi- 
tas in sna possessioiie non tur- 
betur. 

Qnarto, ratione snpradictamm om- 
ninm ditionum, feudorumque Im- 
perator cum Imperio cooptat Sere- 
oissimam Eeginam Eegnique Sue- 
ciae successores in immediatum 
Imperii Statum, ita ut ad Imperii 
Oomitia inter alios Imperii Status 
Eegina quoque Begesque Sueciae 
sub titulo Ducis Bremeusis, Ver- 
densis et Pomeraniae citari debeant, 
assignata eis sessione in Conven- 
tibus Imperialibus, ratione Ducatus 
Bremensis et Verdensis immediate 
post Marchiones Brandenburgicos, 
ratione vero Ducatus Pomeraniae 
loco ex antiquo competenti, in 
scamno seculari cum triplici voto, 
in Circulis autem loco moreque 
receptis. 



sens suus status, libertas, jura et 
privilegia in Ecclesiasticis et Po- 
liticis sine impetitione relinquantur ; 
si quae autem ipsi cum Episcopatu 
seu Ducatu aut Capitulis sint, aut 
imposterum enascantur controver- 
siae, eae vel componautur amica- 
biliter, vel jure terminentur, salva 
Interim cuique parti sua, quam ob- 
tinet, possessione. 



§ 9. Quarto, ratione supradic- 
tarum omnium ditionam, feudo- 
rumque Imperator cum Imperio 
cooptat Serenissimam Beginam 
Eegnique Sueciae successores in 
immediatum Imperii Statum, ita 
ut ad Imperii Comitia inter alios 
Imperii Status Begina quoque 
Eegesque Sueciae sub Titulo Ducis 
Bremensis, Verdensis et Pomeraniae, 
ut et Eugiae Principis, Dominique 
Wismariae, citari debeant, assi- 
gnata eis sessione in Conventibus 
Imperialibus in Collegio Principum 
scamno seculari, loco quinto; voto 
quidem Bremensi hoc ipso loco et 
ordine, Verdensi vero et Pomerano 
ordine autiquitus prioribus posses- 
soribus competeuti explicando. 

§ 10. In Circulo autem Superi- 
oris Saxoniae proxime ante Duces 
Pomeraniae ülterioris, in Circulis 
Westphaliae et Inferioris Saxoniae 
loco moreque receptis, ita ut inter 
Magdeburgensem et Bremeusem 
Circuli Inferioris Saxoniae Direc- 
torium altemetur; salvo tamen 
Brunsvicensium et Lüneburgensium 
Condirectorii jure. 

§ 11. Ad conventus autem De- 
put>atorum Imperii tam Eegia Ma- 
jestas, quam Dominus Elector suos 



850 



Deinde concedit ei insuper in 
Omnibus dictis feudis Privilegium 
de non appellando; itemque Jus 
erigendi Academiam et Universitst- 
tem, ubi quandoque ei commodum 
Visum fuerit; moderna etiam vecti- 
galia ad littora portusque Pome- 
raniae sed ad moderatiorem taxam 
redueenda. 



pro more solito mittaat ; cum autem 
utrique Pomeraniae unum tantum 
Votum üi iis competat, a Begia 
Majestate> communicato prius con- 
sUio cum dicto Electore, id semper 
feratur. 

§ 12. Deinde concedit eis in Om- 
nibus et singulis dictis feudis Pri- 
vilegium de non appellando, sed 
hoc ita, ut Bummum aliquod Tri- 
bunal seu appellationis instantiain, 
commodo in Germania loco, Con- 
stituante eique idoneafl praeficiant 
personas, quae unicuique jus et 
justitiam, secundum Imperii Con- 
stitutiones et cujusque loci statuta, 
absque ulteriori provocatione', cau- 
sarumve avocatione, administrent. 

E contra vero si contigerit, ipsos 
tamquam Duces Bremenses, Yer- 
denses aut Pomeraniae, vel etiam 
ut principes Bugiae aut Dominos 
Wismariae ex causa dictas ditiones 
concemente ab aliquo legitime con- 
veniri, Caesarea M^^estas liberum 
eis relinqxut, ut pro sua commodi- 
tate Forum eligant, vel in Aulüi 
Caesarea vel Camera Imperiali, ubi 
aetionem intentatam excipere ve- 
lint. Teneantur tamen intra tres 
menses a die denunciatae litis sese 
declarare, coram quo judicio sese 
sistere velint. 

§ 13. Praeterea concedit eidem 
Begiae Majestati Sueciae Jus eri- 
gendi Academiam vel Universita- 
tem, ubi quandoque ei commodum 
Visum fuerit. Ad haec concedit 
eidem moderna vectigalia (vulgo 
Licenten vocata) ad litora por- 
tusque Pomeraniae et Megapoleos, 
jure perpetuo, sed ad eam taxae 
moderationem redueenda, ne com» 
mercia in iis locis intercidant. 



851 



Exsolvit demque Status et Sub- 
ditos respective dictanuu ditionum 
feudorainque onmibus Yinculis et 
sacramentis, quibos prioribns Do- 
minis et possessoribns hnc nsqne 
obstricti faerant, eosque ad sab- 
jectionem, obedientiam, et fidelita- 
temEegiae M:ti Begnoqne Sueciae, 
ceu ab hoc die baereditario suo 
Doiuino, praestandnm remittit ob- 
ligatqne, atque ita Sueciam in 
plena jostaqne eomm possessione 
constituit, yerbo Imperiali promit- 
tens, se, non solma modemae 
Beginae, sed et omnibns fatnris 
Begibus Begnoqne Soeciae, ratione 
dictarum ditionum securitatem 
praestitoram, eosque 8icut caeteros 
Imperii Status in earom possessione 
quieta contra quemcnmqne inyio- 
labiliter conseryatnram et manu- 
tentnrmn; prout baec omnia in 
literis Investituraram plenius ex- 
primentor. 



Yicissim Ser : ma Eegina et 
futnri Eeges Begnnmqne Sne- 
ciae dicta feuda omnia et sin- 
gnla a Oaesia Maj:te et Imperio 
recognosoant, eoqne nomine^ qnoties 
casus evenerit, Investitnramm reno- 
vationes decenter petant, Jora- 
mentmn fidelitatis, eiqae annexa 
sicut antecessores similisqne Im- 
perii Yasalli, praestando. 

De caetero, Ordinibus et Snb- 
ditis dictarmn ditionmn locommqne, 
nominatim Stralsimdensibus , com- 
petentem eomm libertatem, bona, 
Jura et privilegia ab antecessoribns 
legitime acqnisita, vel longo nsn 
obtenta, cum libero Evangelicae re- 



§ 14. Exsolvit deniqne Status, 
Magistratns, offiiciales et snbditos 
dictarum respective ditionmn feu- 
dorumque omnibus vinculis et sa- 
cramentis, quibus prioribus dominis 
et possessoribns aut praetendenti- 
bus hucusque obstricti fuerant, 
eosque ad subjectionem , obedien- 
tiam et fidelitatem Begiae Majestati 
Begnoque Sueciae, ceu ab boc die 
baereditario suo domino praestan- 
dnm remittit obligatque, atque ita 
Sueciam in plena justaque eomm 
poasessione constituit, verbo Impe- 
riali promittens, se, non solum mo- 
demae Beginae sed et omnibos 
faturis Begibus Begnoque Sueciae, 
ratione dictarum ditionum, bono- 
rum juriumque concessomm secu- 
ritatem praestituram, eosque sicut 
caeteros Imperii Status in eomm 
possessione quieta contra quem- 
cunque inviolabiliter conservaturum 
et manutentumm, atque baec om- 
nia pecuUaribus investiturarom 
litteris omni meliori modo confir- 
matumm. 

§ 15. Yicissim Serenissima Be- 
gina et futnri Beges Begnumque 
Sueciae dicta feuda omnia et sin- 
gnla a Caesarea Majestate et Im- 
perio recognoscant ; eoqne nomine, 
qnoties casus evenerit, investituramm 
renovationes decenter petant, jura- 
mentum fidelitatis eique annexa, 
sicut antecessores simüesque Im- 
perii Yasalli, praestando. 

§ 16. De caetero Ordinibus et 
Subditis dictarum ditionum loco- 
rumque, nominatimStralsundensibus, 
competentem eomm libertatem, bona^ 
jura et privilegia, communia et 
peculiaria, legitime acquisita, vel 
longo usu obtenta^ cum libero 



352 



ligionis exercitio inxta invariatam 
Angnstanam Confessionem, perpetim 
fruendo, circa homagii renovatio- 
nem et praestationem omni me- 
liori modo confirmabnnt et conser- 
vabunt. 

Omnia hie snpra apposita hinc 
inde aeque sint obligatoria, ac si 
Instrnmento Pacis essent compre- 
hensa et inserta; prout etiam com- 
prehendi et inseri debent, cum ad 
finem perdncta faerint Imperii, 
foederatorumque, imprimis Galliae, 

nt et domus Hasso-Oassellanae negotia, qnaeqne Militiae satisfactionem 
concernmit. 



Evangelicae Eeligionis exercitio, 
jnxta inyariatam Angnstanam Oon- 
fessionem, perpetim frnendo, circa 
homagii renovationem et praesta- 
tionem more solito confirmabnnt. 
Interqne eos Oivitatibns Anseaticis 
eam navigationis et commerciornm 
libertatem tarn in exteris regnis, 
rebnspublicis, et provinciis, quam 
in Imperio integram conservabunt, 
quam ibi ad praesens nsqne bellnm 
habnernnt. 



Haec omnia ad praescriptnm 
modnm, inter Sac:ae Oaesareae 
Maj:tis Plenipotentiarios Legatos 
ex nna et S. E. Maj:ti8 Sneciae 
plenipotentiarios Legatos ex altera 
parte, esse transacta, et, cum pro 
memoria, tum ntriusqne partis se^ 
cnritate, super iis Scripturam du- 
plicem confectam, dieqne 18/8 Fe- 
bruarii A : no 1647 ntrinque com- 
mutatam, ad mandatum Illustrissi- 
mae et Excellentissimae Legationis 
Oaesareae, manu mea sigilloque 
proprio attestor, 

Sacrae Oaesareae Maj : tis 
Oonsiliarius, arcani Imperialis 
consilii et ad tractatus pacis 
Universalis deputatus Lega- 
tionis Secretarius, 

Guilielmns Schröder. 



Haec omnia ad praescriptnm 
modnm , inter S : ae Maj : tis 
Sneciae plenipotentiarios Legatos 
ex una, et Sacrae Oaes : ae Maj : tis 
Plenipotentiarios Legatos ex altera 
parte, esse transacta, et, cum pro 
memoria, tum utriusque partis se- 
cnritate, super iis scripturam du- 
plicem confectam, dieqne 8/18 Fe- 
bruarii anno 1647 ntrinque com- 
mutatam, ad mandatum Illustris- 
simae Legationis Suecicae manu 
mea sigilloque proprio attestor, 

Sacrae B: Majestati Sneciae 
et Legationi eiusdem ad trac- 
tatus Pacis Universalis a 
secretis, 

Matthias Biömklow. 



Artiealus seeretas*). 

Oum inter caetera, quae Serenissimae Beginae Sneciae, ut sibi pro 
locorum hoc hello tum in Imperio, tum in Terris et Begnis Imperatoris 



•) Vorher gedruckt. Vgl. oben S. 188. 189. 



353 

haereditariis occnpatornm restitatione satisfieret, Paciqne pnblicae in 
Imperio restaurandae condigne prospiceretur , praestari oportere conventa 
sunt, etiam hoc actum sit, ut nomine Sacrae Caesareae Majestatis dictae 
Eeginae Sexcenta Thalerorum Imperialium millia exsolverentur*; ideo de- 
clarant Suae Majestatis Plenipotentiarii et yigore suae Plenipotentiae 
promittunt, Quadringenta Thalerorum Imperialium millia, de futurislm- 
perii collectis, quae de consensu Sacri Eomani Imperii Electorum, Prin- 
cipum et Ordinum in Comitiis Imperialibus indicentur, pro ea parte 
quae Coronae Sueciae respectu Provinciarum, terrarum et locorum prae- 
senti pacis tractatu cessorum exsolvenda incumbet, defalcari oportere; 
adeo ut in futurum dicta Corona pro dictis Provinciis, terris et locis, 
nullas prorsus Imperatori et Imperio collectas praestare teneatur, donec 
tota ista summa Quadringentorum millium Imperialium Thalerorum com- 
pensata fuerit. Si quid etiam ex antehac indictis Imperii collectis restiterit, 
quod dictae Provinciae forte solvere tenebantur, id quoque virtute prae- 
sentis Conventionis Serenissimae Eeginae cessum remissumque esto. Quod 
autem reliqua Ducenta Imperialium Thalerorum millia attinet, ea summa 
nomine Caesareae Majestatis officialibus Serenissimae Eeginae sufficienti 
ad id mandato instructis Hamburgi a die Pacis conclusae et subscriptae 
intra menses tres infal]ibiliter et bona fide numerabitur et expendetur. 
Actum Osnabrugis, die 18 Februarii Anno 1647. 

M. C. de Trautmansdorff. 

J. Maximilianus Comes de Lamberg. 

Johannes Crane. 

Isaacus Yolmar. 



Druck von Friedr. Andr. Perthes in Gotha. / v